AB 25 Christian Lau: Zur Keramikchronologie der Römischen Kaiserzeit in Ostwestfalen

Jetzt erschienen: Christian Lau: "Zur Keramikchronologie der Römischen Kaiserzeit in Ostwestfalen"
Christian Lau veröffentlicht die Keramik aus den Siedlungen von Enger, Hüllhorst und Kirchlengern im Ravensberger Land.  Seine Arbeit wirft ein neues Licht auf die Besiedlung Westfalens in der Römischen Kaiserzeit. Erhältlich ist das neue Referenzwerk kostenlos als Download im Open Access. Eine gedruckte Ausgabe erscheint in der ersten Jahreshälfte 2015. mehr

Archäologische Berichte 25
Christian Lau veröffentlicht die einheimische Keramik aus drei kleinen Siedlungen in Ostwestfalen, die 1999 – 2003 im Zuge der üblichen Rettungsgrabungen durch die Außenstelle Bielefeld der westfälischen Bodendenkmalpflege in Ausschnitten aufgedeckt wurden. Die drei Siedlungen von Enger, Hüllhorst und Kirchlengern im Ravensberger Land bestanden jeweils aus nicht viel mehr als einem Hofplatz, also einem meist dreischiffigen Wohn-Stall-Haus und seinen zugehörigen Nebengebäuden wie Grubenhaus und Speicher. Sie zeigen, dass hier im Binnenland nach einer relativ kurzen Siedlungslücke in der Zeit um Christi Geburt bereits in der frühen Römischen Kaiserzeit, d. h. ab ca. 50 n. Chr. (RKZ B1b) und somit deutlich früher als bislang angenommen, wieder dauerhaft gesiedelt wurde. Nach gut 250 Jahren wurden die immer wieder erneuerten Höfe im Verlauf der späten Römischen Kaiserzeit (RKZ C2), also im beginnenden 4. Jh. n. Chr., von ihren Bewohnern aufgegeben – vermutlich zu Gunsten eines Lebens in einer größeren Dorfgemeinschaft, wie sie ab dieser Zeit fassbar werden.

 
Das wirft ein neues Licht auf die Besiedlung Westfalens in der Römischen Kaiserzeit. Offenbar gab es germanische Kolonisten, die diesen Raum bereits unmittelbar nach der römischen Okkupationszeit und damit deutlich früher als bislang angenommen wieder nachhaltig besiedelten. Denn bisher ging man davon aus, dass es im Mittelgebirgsraum erst nach einer längeren Siedlungslücke insbesondere in der späten Römischen Kaiserzeit (d. h. ab der Mitte des 2. Jh. n. Chr.) zu Neugründungen durch germanische Siedler gekommen ist.

Für die heutigen Bürger in den drei genannten Orten, die vor einem Jahrzehnt die Ausgrabungen persönlich erlebt haben, ist das Buch von Christian Lau ein Stück konkreter Heimatgeschichte und für die Archäologie zugleich ein Rechenschaftsbericht, aber auch eine Grundlagenstudie, auf der nun weitere Forschungen aufbauen können. Finanziell unterstützt wurde die Arbeit von Christian Lau, die 2009 an der Universität Basel als Dissertation angenommen wurde, aus der Region, nämlich 2006 – 2008 durch ein Stipendium des Kreisheimatvereins Herford.
 
Drei Siedlungen in Ostwestfalen als Schlüssel für ein weites Umfeld

Grundlage der historischen Ergebnisse ist eine akribische Studie zur Typologie der rhein-weser-germanischen Siedlungskeramik, wobei Lau über die 4.879 Gefäßeinheiten der drei Fundplätze hinaus auch den gesamten deutschen Mittelgebirgsraum vom Rhein im Westen bis an den Harz und den Thüringer Wald im Osten betrachtet. Alle wesentlichen Siedlungskomplexe dieses weiten Raumes sind in seine Auswertung einbezogen und werden durch seine neue Chronologie nach einem einheitlichen Raster datiert.

Ausgangspunkt dafür ist eine detaillierte Merkmalanalyse der Keramikfunde, und zwar weniger – wie bislang üblich – anhand der ganzen Gefäße, sondern auf Basis der Scherben und deren Merkmale. Der damit verbundene erheblich geringere Anspruch an die Erhaltung des Materials erlaubt es, weitaus mehr Komplexe zu berücksichtigen als in den bisherigen Typologien.

Mit Hilfe von Korrespondenzanalysen – einem modernen statistischen Verfahren – hat Christian Lau die Funde und Typen zeitlich geordnet und eine Chronologie des Fundstoffes wie auch der Befunde erstellt. Die neue Chronologie beruht allein auf der einheimischen Keramik und ist daher auch auf all die vielen Fundkomplexe anwendbar, denen markante Metallfunde wie etwa Fibeln oder römisches Importgeschirr fehlen. Im Ergebnis hat Lau nicht nur den Fundstoff der drei von ihm publizierten Siedlungen datiert, sondern das gesamte einheimische Material einer weiten Region in deren Umfeld neu geordnet.

Dabei betont Lau freilich, dass es nicht möglich ist, Gruben aufgrund des bloßen Vorkommens eines einzelnen Typs oder gar eines einzelnen Merkmals zu datieren, sondern dass es jeweils einer Mehrzahl an aussagefähigen Stücken bedürfe, da die Keramikentwicklung in der Römischen Kaiserzeit dieser Region recht gleichförmig verlaufe. Typologisch ältere Merkmale blieben lange in Gebrauch, und neue Merkmale etablierten sich nur langsam.

An den drei ostwestfälischen Siedlungen, die den Ausgangspunkt der Studie bilden, erlaubt die Rückbindung der Keramikchronologie an die einzelnen Befunde, deren Zusammengehörigkeit und Abfolge zu rekonstruieren und damit die Bau- und Besiedlungsgeschichte dieser Höfe über etwa 250 Jahre zu verfolgen.

Veröffentlichung im Open Access: kostenlos und online erreichbar

Erhältlich ist das Referenzwerk kostenlos als E-Book im Open Access. In Fortschreibung der Schriftenreihe "Archäologischen Berichte" der Deutschen Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte e. V. (DGUF) nimmt die Publikation von Christian Lau eine Pionierstellung ein: Es ist die erste neu erschienene Monographie, welche die DGUF im Open Access vorlegt – ohne jede Schutzfrist. Seit Anfang 2016 ist auch der Bezug einer gedruckten Ausgabe möglich. Als weitere Neuerung werden zugleich auch alle der Studie zu Grunde liegenden wissenschaftlichen Daten veröffentlicht. Dadurch ist die Nachvollziehbarkeit der Ergebnisse gewährleistet und eine Weiterarbeit mit ihnen erheblich vereinfacht.

Der Autor

Christian Lau, geb. 1975 in Berlin, studierte in Berlin, Göttingen und Basel Ur- und Frühgeschichte sowie Ethnologie und Altorientalistik. Der Magisterabschluss erfolgte 2004, die Promotion zum Dr. phil. 2009. Nach dem Studium war er zunächst in wechselnden Aufgabengebieten auf Ausgrabungen in Niedersachsen und Baden-Württemberg tätig. Von 2009–2011 arbeitete er als Volontär am Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, anschließend als stellvertretender Koordinator des Großprojektes "Autobahn A 14 / Ortsumgehung Colbitz". Nach der Geburt seines Sohnes folgte 2013 eine Familienphase.

Der Band
Kerpen-Loogh 2014. 508 Seiten (inkl. 212 Abbildungen und 91 Tafeln); Datenbank der Keramik und der seriierten Komplexe als Open Data. Verlag Deutsche Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte (DGUF). ISBN 978-3-945663-00-4. DOI: 10.11588/propylaeum.22.15. Als E-Book kostenlos im Open Access.
 
Gedruckte Ausgabe: Kerpen-Loogh 2015. 508 Seiten (inkl. 212 Abbildungen und 91 Tafeln). Verlag Deutsche Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte (DGUF).
ISBN 978-3-945663-02-8. DOI: 10.11588/propylaeum.22.15. Hardcover. 70 Euro, für DGUF-Mitglieder 49 Euro. Preise zzgl. Porto und Verpackung.
 
CC BY 4.0
 
Bestellung:
DGUF-Verlag
z. Hd. Dr. Werner Schön
An der Lay 4
D-54 573 Kerpen-Loogh
Telefon: 06593 / 9896-42
Telefax: 06593 / 9896-43
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