Das archäologische Jahr 2022

Welche spannenden archäologischen Ausgrabungen, Entdeckungen und Entwicklungen gab es in Deutschland im Jahr 2022? Darüber berichten Ausgräber, Forschende und Fachleute am Samstag, 25. Februar 2023, auf unserer virtuellen Tagung via "Zoom". Sie richtet sich gleichermaßen an Fachkollegen wie an interessierte Bürgerinnen und Bürger – sie alle sind uns ganz herzlich willkommen! Die Teilnahme ist kostenlos, eine Anmeldung ist erforderlich.

Ein frühmittelalterliches Gräberfeld, Forschung zur mesolithischen Landnutzung, Spuren altsteinzeitlicher Jäger: 2022 war ein Jahr voller archäologischer Entdeckungen und Erkenntnisse. Aus ganz Deutschland stellen Ihnen Archäologinnen und Archäologen ihre wichtigen Ergebnisse vor. Einen Tag lang, online für alle Interessierten frei zugänglich und stets mit der Möglichkeit, Fragen zu stellen und sich miteinander auszutauschen.

Das genaue Tagungsprogramm veröffentlichen wir hier Mitte Februar 2023. Wir schicken es allen bis dahin Angemeldeten außerdem per E-Mail zu.

 

Einen Vortragsvorschlag einreichen

Ihre Ausgrabung/Ihr Forschungsprojekt muss in Deutschland (plus Grenzgebiete) und großteils im Jahr 2022 stattgefunden haben. Bei mehrjährigen Projekten können Sie den Anteil aus dem Jahr 2022 vorstellen. Zur Anmeldung eines Vortrags (15 Minuten und 5 Minuten für Diskussion/Fragen) senden Sie bitte bis spätestens 5. Februar 2023 ein Abstract von max. 200 Wörtern & einen Vortragstitel von max. 15 Wörtern an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.. Bitte geben Sie außerdem an:

- das Bundesland, dem der Befund (hauptsächlich) zuzuordnen ist;
- die Zeitstellung, der der Befund (hauptsächlich) zuzuordnen ist. Möglich ist alternativ auch die Kategorie "Entwicklungen, Techniken und Methoden".

Sie erhalten von der DGUF und von CIfA Deutschland bis spätestens 10. Februar Bescheid, ob Ihr Vortragsvorschlag angenommen wurde.


Anmeldung zur Tagung / die Vorträge sehen

Eine Anmeldung zur Tagung ist bis 24. Februar, 15:00 Uhr möglich; später eingehende Anmeldungen können nicht mehr berücksichtigt werden. Die Teilnahme ist kostenfrei und unabhängig von einer Mitgliedschaft bei DGUF oder CIfA Deutschland für alle Interessierten möglich. Alle bis dahin Angemeldeten erhalten wenige Tage vor der Veranstaltung eine Erinnerung zugemailt, und am Morgen der Tagung gegen 8:45 Uhr erhalten Sie dann den Zugangslink. Für Ihre Anmeldung nutzen Sie bitte unseren Event-Kalender: [dort].

 

Tagungsprogramm

... folgt Mitte Febr. 2023. Aber einige Vorträge können wir schon vorab ankündigen:

 

Bietikow - Fundplatz der Bandkeramik

Dr. Erwin Cziesla (Wurzel Archäologie und Umwelttechnik GmbH)

Bundesland: Brandenburg; Zeitstellung: Neolithikum

Südlich von Prenzlau (Lkr. Uckermark, Brandenburg) fanden im Frühjahr 2022 Bodeneingriffe für den Bau einer Windkraftanlage statt. Für Turm- und Kranaufstellfläche, Zufahrten, Kabeltrassen und Zisternen wurden ca. 9.150 Quadratmeter vom Oberboden befreit. Befunde unterschiedlicher Zeitstellung zeigten sich, bandkeramische Gruben und Pfosten gruppieren sich halbkreisförmig um eine Feuchtzone. Aus einer Grube stammt das vollständigste bodenlose Siebgefäß der Bandkeramik, das kürzlich in „Archäologie in Deutschland“ vorgestellt wurde. Eine andere bandkeramische Verfärbung – 3,85m lang und 2,35m breit – lieferte rund 125 Scherben, häufig verziert, außerdem ein Stück Bims und Tierknochen. Dieser Befund, dessen Breitseite nach Westen zur Hauptwindrichtung ausgerichtet ist, besaß an beiden Schmalenden jeweils einen Pfosten: im Norden eine Pfostengrube, die noch 45 cm unter den Befund reichte, im Süden eine Steinstickung, die ehemals einen Pfosten stabilisierte. Auf der östlichen Längsseite fand sich, leicht vom Befund abgesetzt, ein ca. 90 x 80 cm großes Steinpflaster mit verziegeltem Rand: ein 2-Pfosten-Grubenhaus mit vorgelagertem Garofen.

 

Urnengräber in Osterburken

Antonie Löschner (ADW)

Bundesland: Baden-Württemberg, Neckar-Odenwald-Kreis; Zeitstellung: Bronzezeit (Hallstatt A)

Vom 5. 9. bis 14. 10. 2022 fand in Osterburken, Gemarkung Hügelsdorf, die Ausgrabung von Urnengräbern statt. Angestoßen wurde das Projekt durch die Planung einer Photovoltaik-Anlage auf der Fläche in Verbindung mit dem in Sichtweite liegenden Umspannwerk. Bereits im Jahr 2021 fanden Untersuchungen durch das Landesamt statt, diese wurden durch die Arbeit von ADW nun ergänzt.

Gefunden wurden sieben Urnengräber bzw. deren Beigabengefäße und vier Pfostengruben. Eine weitere Urne wurde in der Baggerschaufel aufgefunden, was auch gleich das spezifische Problem der Grabung aufzeigt. Aufgrund des sehr hoch anstehenden Muschelkalks und der dünnen Oberbodenauflage waren die Urnen besonders gefährdet. Da sie auch bei ihrer Beisetzung nicht tief eingegraben worden waren, sind zahlreiche Urnen durch die moderne Landwirtschaft stark beschädigt worden.

Dennoch konnten schöne Stücke aus den Urnen und einem Pfostenloch geborgen werden. Darunter drei Nadeln vom Typ Wollmesheim und eine einteilige Blattbügelfibel, die erstmalig im Raum Nordwürttemberg nachgewiesen werden konnte – alle vorherigen Exemplare tauchten nicht viel näher als im Raum Frankfurt auf. Ein weiterer interessanter Fund ist ein Insektennest, das aus einer Pfostengrube geborgen werden konnte. Insgesamt waren die Befunde auf der Grabung sehr spärlich, wenn auch konzentriert verteilt, bieten aber in der Nachbereitung reichlich Material.

 

Zwei Hektar und Tausend Pfosten: eine eisenzeitliche Siedlung bei Hanau

Anke S. Weber und Hendrik Hofmann (SPAU)

Bundesland: Hessen; Zeitstellung: Eisenzeit

Nahe von Hanau in Südhessen wurde 2021-22 in Erlensee „Auf der Beune“ eine ländliche Flachlandsiedlung der vorrömischen Eisenzeit archäologisch untersucht. Auf einer Fläche von knapp zwei Hektar konnten – in 20 km Entfernung von der befestigten Höhensiedlung am Glauberg – trotz eines schwierigen Geländereliefs mehr als 1100 Gruben und Pfostensetzungen freigelegt werden. Speziell die große Anzahl an Pfostengruben stellt eine Herausforderung für die Interpretation dar. Vorgestellt werden vorläufige Ergebnisse und methodologische Fragestellungen der Flächengrabung, deren Befunde – Gruben, Grubenhütten und Pfostengruben – von der späten Bronzezeit bis in die Latènezeit datieren. Die hohe Befunddichte und viel mehr noch der mögliche Nachweis der Bestandsdauer einer eisenzeitlichen Siedlung von mehreren hundert Jahren dürfen als Besonderheit für die hessische Siedlungsarchäologie betrachtet werden. Derzeit wird anhand des Vergleichs verschiedener Pfostentypen herauszuarbeiten versucht, ob und wie sich die fast eintausend Pfostengruben zu möglichen Gehöftstrukturen verbinden lassen. Rekonstruktionsversuche innerhalb einer mehrphasigen Siedlung anhand von Pfostengruben ohne datierbares Fundmaterial sind bekanntermaßen herausfordernd.

 

Aktuelle Einblicke in die jüngere Stadtgeschichte Offenbachs

Dr. Regine Müller (SPAU)

Bundesland: Hessen; Zeitstellung: 19.-20. Jh.

Die archäologische Baubegleitung im Rahmen der Umgestaltung und Neubebauung eines seit den 1970er-Jahren unbebauten Grundstückes am westlichen Rande des Mathildenviertel in der Offenbacher Innenstadt, ermöglichte einen – wenn auch in geringen Rahmen – interessanten Einblick in die jüngere Stadtgeschichte Offenbachs.

Da sich das Gelände noch im Bereich der historischen Altstadt Offenbachs befindet, nur ca. 250 m südlich des Schloss Isenburg gelegen, wurden die dortigen Bauarbeiten von Seiten der Denkmalpflege mit entsprechenden archäologischen Maßnahmen beauflagt, waren doch archäologische Hinweise auf eine mögliche mittelalterliche Bebauung innerhalb dieses Areals nicht auszuschließen.

Im Rahmen der Baubegleitung konnten nicht nur Fundamentreste der jüngeren Stadtgeschichte – Gebäude des ausgehenden 19. Jh. und Spuren deren Nutzung noch zu Beginn des 20. Jh. – freigelegt, sondern auch Belege für eine frühneuzeitliche Besiedlung des Geländes dokumentiert werden.

 

Gerberhandwerk im Buchen der frühen Neuzeit

Michael Franz (ADW Archäologische Dienstleistungen Wolff)

Bundesland: Baden-Württemberg; Zeitstellung: Frühe Neuzeit

Anfang des Jahres 2022 erfolgten in Buchen im Odenwald Ausgrabungen am Lohplatz, nachdem dort bereits im Oktober 2021 bei Sondagen verschiedene Befunde des ausgehenden Mittelalters und der frühen Neuzeit festgestellt worden waren. Trotz massiver Störungen durch Wohnbauten der Nachkriegszeit waren entlang der Stadtmauer des späten 15. Jh. auf einer Fläche von nur 242 m² dicht beisammen dreizehn Gerbergruben und drei Keller erhalten. Obwohl die starken Störungen es verhindern, die einzelnen Befunde stratigraphisch in Zusammenhang zu bringen, lassen sich dennoch anhand von Grubenformen und Verfüllungen Bezüge herstellen und Schlüsse auf Arbeitsschritte der Gerberei ziehen. Nachdem ein durch das Gesundheitsamt beauflagtes Gutachten nicht belegen konnte, dass die Gerbergruben frei von Anthrax und gesundheitsschädlichen Chrom-VI-Salzen sind, wurden die unter der Bauzieltiefe liegenden Befunde nicht ausgegraben. Aus diesem Grund fehlt zwar datierbares Fundmaterial aus den meisten Verfüllungen, weshalb sich die Befunde nur grob datieren lassen, aber eine Zugehörigkeit mehrerer Gruben zu einer einzelnen Gerberwerkstatt lässt sich dennoch erkennen.

 

Weitere verbindliche Vortragsanmeldungen liegen vor von (in alphabetischer Reihenfolge): Jost Auler, Stefan Burmeister, Ingo Eichfeld, Michael Franz, Uwe Kraus, Christiana Later, Michaela Schauer, Werner Schön, Sarah Wolff - genauere Informationen folgen.

 

Zurückliegende Veranstaltungen

  • Das archäologische Jahr 2021, dort

 

Stand: 28. Jan. 2023

 

 

 

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