DGUF Newsletter Nr. 104 vom 15.10.2021

DGUF Newsletter Nr. 104 vom 15.10.2021

 

DGUF Newsletter Nr. 104

vom 15. Oktober 2021

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Inhalt

1 DGUF-Nachrichten

1.1 Deutscher Studienpreis für Archäologie 2021 an Christina-Maria Wiesner (FAU Erlangen-Nürnberg)

1.2 Komplex – und sehr wertvoll: NRW-Ministerin antwortet betreffs Grabungsrichtlinien LWL-Archäologie

1.3 DGUF et al. protest against the forthcoming copper mining in the Dana Biosphere Reserve (Jordan)

1.4 Die DGUF-Ersti-Handreichung: Unsere Tipps für den Einstieg ins Archäologie-Studium

1.5 Unter den DGUF-Rezensionsangeboten: Oliver J.T. Harris: Assembling Past Worlds: Materials, Bodies and Architecture in Neolithic Britain

2 Tagungen und Veranstaltungen

2.1 "Crossing Borders, Engaged Science, Resilient Societies" - EuroScience Open Forum (Leiden, 13.-16.7.2022; CfS bis 15.11.)

3 Forschung

3.1 Neu im Early View der "Archäologischen Informationen"

3.2 Aktuelle Ausgrabungen und Forschung in den Medien

3.3 Sechs Mio. Jahre alte Fußspuren von Vormenschen auf Kreta

3.4 Bizmoune-Höhle in Marokko: Muschelschmuck älter 142.000 Jahre

4 Beruf Archäologie

4.1 Prof . Dr. C. Sebastian Sommer verstorben

4.2 Kalkulation und Produktivität wissenschaftlicher archäologischer Arbeit auf sog. Rettungsgrabungen

4.3 Eric Biermann über die zwangsweise Übertragung der Nutzungsrechte an Grabungsdokumentationen in Hessen

4.4 Vier Aufsätze zu Prekariat und Selbstausbeutung in der Archäologie erschienen

4.5 "Kannst du mal eben …?" Wenn uns Kollegen und Freunde um kostenlose Arbeit bitten

5 Open Access & Open Data

5.1 Schweizer Zeitungen im Open Access

6 Ausstellungen und Museen

6.1 Laufsteg der Stelen. Zur Ausstellung "Menschen. In Stein gemeisselt" (Zürich, bis 16.1.)

6.2 Große Längsschnittstudie belegt: Museumsbesuch tut gut!

7 Und sonst …

7.1 Social Media: 5 schlechte Tricks, 3 Thesen und 9 Wege zu mehr Sichtbarkeit für die eine wichtige Botschaft


1 DGUF-Nachrichten

1.1 Deutscher Studienpreis für Archäologie 2021 an Christina-Maria Wiesner (FAU Erlangen-Nürnberg)

Ausgezeichnet wird Wiesner für ihre für ihre an der Universität Erlangen-Nürnberg eingereichte und von Prof. Thorsten Uthmeier betreute Masterarbeit "Das Siedlungsmuster des Mittelpaläolithikums in Süddeutschland. Eine GIS-gestützte Archäoprognose für Fundstellen in Bayern und Baden-Württemberg". Ziel der Arbeit ist es, anhand von Lageparametern der bekannten mittelpaläolithischen Höhlen- und Freilandstationen Süddeutschlands das Siedlungsverhalten und damit die Raumnutzung des Neandertalers zu untersuchen. Verwendet wurde ein "Weighted Layer Approach" (WLA), eine Variante der multiplen linearen Regression; die Umsetzung erfolgte in QGIS. Ein Ergebnis: Neandertaler nutzten pragmatisch auch Höhlen und Abris mit nicht-optimalen Lageparametern und bevorzugten – im Gegensatz zu den jungpaläolithischen Jägergruppen – beispielsweise nicht zwingend sonnenexponierte Südhanglagen. Neben einem methodisch vielversprechenden Forschungsansatz waren es vor allem die große Sorgfalt sowie die gute, transparente Nachvollziehbarkeit der Analyseschritte, die die Jury für diese Arbeit einnahm. Die Preisverleihung findet am 21.10. um 19 Uhr s.t. in Erlangen statt. Die Laudatio wird Dr. habil. Thomas Weber, Magdeburg, halten. Im Anschluss an die Feierlichkeiten wird Christina-Maria Wiesner ihre Masterarbeit in einem kurzen Vortrag vorstellen. Vorgesehen ist eine hybride und selbstverständlich öffentliche Veranstaltung, die via Zoom live gestreamt wird. Wir freuen uns auf Ihre rege Teilnahme!

Weitere Informationen zur prämierten Arbeit sowie alle Informationen zur Preisverleihung: https://dguf.de/studienpreis/preistraegerin-2021

 

1.2 Komplex – und sehr wertvoll: NRW-Ministerin antwortet betreffs Grabungsrichtlinien LWL-Archäologie

Ein im August 2021 in der Archäologischen Informationen veröffentlichter Fachartikel zu den neuen Grabungsrichtlinien der westfälischen Landesarchäologie führte binnen eines Arbeitstages zu deren De-Publikation – ein Schritt der LWL-Archäologie, der wiederum insbes. bei in Westfalen tätigen Fachfirmen Fragen aufwarf und Verunsicherungen erzeugte. Daher hatte die DGUF im zuständigen Ministerium nachgefragt und fünf konkrete Fragen gestellt (bis hierhin ausführlicher im DGUF-Newsletter Nr. 103 vom 17.09.2021, Punkt 1.1). Am 1.10. erhielt die DGUF Antwort aus dem Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung. Wiewohl etwas verwunden formuliert, bringt die Auskunft wichtige Klärungen: (1) Zur Frage nach der rechtlichen Bindekraft von Grabungsrichtlinien stellt das Ministerium nochmals den Verwaltungsgang fest: "Grabungstätigkeiten und sonstige Eingriffe in Bodendenkmäler bedürfen nach § 13 Absatz 1 beziehungsweise nach §§ 12, 9 Absatz 1 des Denkmalschutzgesetzes Nordrhein-Westfalen (DSchG) einer Erlaubnis der jeweils zuständigen Denkmalbehörde. Diese regelt in der Erlaubniserteilung abschließend mittels Auflagen und Bedingungen auch die näheren Bestimmungen zu Fragen beispielsweise der Art und Weise der Ausführung der Grabung oder deren Dokumentation. Dazu kann sie auch auf die Grabungsrichtlinien der Bodendenkmalpflegämter zurückgreifen." - Übersetzt: zuständig ist die jeweilige Obere Denkmalschutzhörde (nicht die LWL-Archäologie), und die Obere Denkmalschutzhörde kann (muss aber nicht) bei ihrer Beauflagung auf die Richtlinien der LWL-Archäologie zurückgreifen. (2) Auf die Frage "was gilt, solange die LWL-Richtlinien de-publiziert sind", erfolgte keine explizite Antwort, doch sie ergibt sich aus dem vorangehenden Text: die Obere Denkmalschutzbehörde ist für die Grabungserlaubnis und Beauflagung verantwortlich. (3) Die dritte Frage der DGUF galt dem viel verwendeten Begriff "Fachaufsicht", zu dem sich die LWL-Archäologie im Kontext einer "Richtigstellung" am 21.5.2021 geäußert hatte (s. Scherzler & Siegmund, 2021). Wir fragten das Ministerium im August: "Hat die LWL-Archäologie für Westfalen im Hinblick auf die Grabungsfirmen tatsächlich keine 'Fachaufsicht' im rechtlichen Sinne inne?" Dazu schreibt das Ministerium nun: "Im Rahmen ihrer Tätigkeit als Bodendenkmalpflegeämter obliegt den Landschaftsverbänden bei (Aus-)Grabungen, die nicht unter ihrer eigenen unmittelbaren Verantwortung und nicht unter der Verantwortung des Landes durchgeführt werden, die fachliche Überwachung dieser Maßnahmen." Und: "Die Zuständigkeit bei Verstößen gegen die erteilte Erlaubnis obliegt der zuständigen Denkmalbehörde." - Sprich: Das Ministerium umgeht hier gezielt die Verwendung des erfragten Fachbegriffs Fachaufsicht (und bestätigt damit indirekt den im 100. DGUF-Newsletter vom 12. Mai 2021, Punkt 7.2 dargelegten Sachverhalt; vgl. Scherzler & Siegmund, 2021), sondern nutzt den unbestimmten Rechtsbegriff "überwachen". Es betont, dass die LWL-Archäologie nicht sanktionieren darf, sondern dies in die Zuständigkeit der (Oberen) Denkmalbehörde fällt. (4) Nachdem sich die LWL-Archäologie für Westfalen in ihrer "Richtigstellung" vom 21.5.2021 als quasi autonome, nicht weisungsgebundene Einrichtung dargestellt hatte, frug die DGUF das Ministerium: "Ist die LWL-Archäologie für Westfalen gegenüber Ihrem Ministerium weisungsgebunden oder nicht?" Dazu antwortet das Ministerium: "Die Landschaftsverbände sind bei der Erstellung von Gutachten nicht an fachliche Weisungen der Denkmalbehörden gebunden. Nach Maßgabe des § 24 Absatz 1 der Landschaftsverbandsordnung für das Land Nordrhein-Westfalen (LVerbO) unterstehen sie aber grundsätzlich der allgemeinen Rechtsaufsicht und damit einer Gesetzmäßigkeitskontrolle unseres Hauses als dem für Kommunales zuständigen Ministerium." Damit bestätigt das Ministerium die aus Kreisen der Leser des DGUF-Newsletters geäußerten Zweifel an der Sicht der LWL-Archäologie: Aus Perspektive des Ministeriums übt es tatsächlich die allgemeine Rechtsaufsicht und eine Gesetzmäßigkeitskontrolle gegenüber der LWL-Archäologie für Westfalen aus. Eine gewichtige Aussage, die den Ausführungen von M. Rind und S. Heimann widerspricht. Auch die Frage (5) der DGUF: "Was ist die gesetzliche Grundlage für die Forderung, dass die Nutzungsrechte an Grabungsdokumentationen ohne Vergütung unbefristet und exklusiv an die Landesarchäologie / Fachämter übertragen werden?" wurde vom Ministerium – wenn auch indirekt – beantwortet: "Soweit die Grabungsleitlinien der LWL-Archäologie bei Ihren Mitgliedern für Verunsicherungen geführt haben, bin ich mir sicher, dass der Landschaftsverband etwaige Unklarheiten zeitnah ausräumen wird." Übersetzt: das Ministerium beantwortet diese Frage nicht selbst, sondern verweist auf die Zuständigkeit des Landschaftsverbands. Hier darf man interpretieren: Gäbe es eine klare Rechtsgrundlage im Denkmalschutzgesetz NRW für die verpflichtende Übertragung aller Nutzungsrechte an den LWL, hätte das Ministerium diese gewiss genannt – schließlich argumentiert es auch bei anderen Punkten mit konkreten Paragrafen des Gesetzes. Den Weiterverweis an den Landschaftsverband übersetzen wir daher mit: die dem Ministerium nicht klare Rechtsgrundlage mögen doch bitte die Autoren der Grabungsrichtlinien darlegen. Abschließend schreibt das Ministerium: "Darüber hinaus nehmen wir Ihr Schreiben gerne zum Anlass, uns mit den Landschaftsverbänden sowie der Stadt Köln weiterhin zu den Erlaubnisverfahren für Grabungstätigkeiten beziehungsweise für sonstige Eingriffe in Bodendenkmäler abzustimmen und hier gegebenenfalls Anpassungen hinsichtlich einer künftigen Vorgehensweise unserer Denkmalbehörden vorzunehmen." Übersetzt: das Ganze hat noch ein Nachspiel ... Die DGUF wird nun den Hinweisen des Ministeriums folgen und sich für die noch offenen Punkte an den Landschaftsverband Westfalen-Lippe wenden … und selbstverständlich zu gegebener Zeit über das Ergebnis im DGUF-Newsletter berichten.

Anonymus: "'Fachaufsicht' – Eine babylonische Begriffsverwirrung und gezielte Falschinformation." DGUF-Newsletter Nr. 100 vom 12.5.2021, Punkt 7.2: https://dguf.de/ausgaben-jan-2020-ff/archive/542-100-dguf-newsletter-vom-12-05-2021?userid=-&tmpl=raw

"Grabungsrichtlinien in Westfalen: DGUF bemüht sich um Klärungen." DGUF-Newsletter Nr. 103 vom 17.9.2021, Punkt 1.1: https://dguf.de/ausgaben-jan-2020-ff/archive/547-dguf-newsletter-nr-103-vom-17-09-2021?userid=-&tmpl=raw

Scherzler, D. & Siegmund, F. (2021). Die LWL-Archäologie in Westfalen übt keine Fachaufsicht über archäologische Fachfirmen aus. Archäologische Informationen 44, Early View, online publiziert 24. Juni 2021. https://dguf.de/fileadmin/AI/archinf-ev_scherzler_siegmund.pdf

 

1.3 DGUF et al. protest against the forthcoming copper mining in the Dana Biosphere Reserve (Jordan)

On initiative of DGUF, the Deutsches Archäologisches Institut, the Ruhr Museum and the DGUF protest against the planned copper mining in the Dana biosphere reserve with its famous archaeological sites. The three institutions wrote a joint letter of concern to Jordan's Prime Minister H. E. Dr. Bisher Al Khasawneh. DGUF, DAI and DBM also support the following: the rejection of copper mining by the Royal Society for the Conservation of Nature (RSCN), the statement by Jordan Bird Watch (JBW), the international call for protection by ICOMOS Jordan, and the letter of a group of Jordanian and international archaeologists who work in the Dana / Feynan area, sent to the Minister of Tourism and Antiquities on 31.8.2021.

"DGUF et al. protest against the forthcoming copper mining in the Dana Biosphere Reserve (Jordan)" (DGUF, 7.10.): https://dguf.de/ngo/stellungnahmen/50-einzelanliegen/635-2021-dguf-et-al-protest-against-the-forthcoming-copper-mining-in-the-dana-biosphere-reserve-jordan

"Copper mine threatens Jordan’s largest nature reserve. Amman plans to mine in the Dana Biosphere Reserve, the country’s largest and most diverse protected region" (Al Jazeera, 3.10.): https://www.aljazeera.com/news/2021/10/3/copper-mine-threatens-jordans-largest-nature-reserve

"Jordan: Wadi Feynan and Dana Biosphere Reserve with its archaeological sites threatened by copper mining." DGUF-Newsletter Nr. 103 vom 17.9.2021, Punkt 4.2: https://dguf.de/ausgaben-jan-2020-ff/archive/547-dguf-newsletter-nr-103-vom-17-09-2021?userid=-&tmpl=raw

 

1.4 Die DGUF-Ersti-Handreichung: Unsere Tipps für den Einstieg ins Archäologie-Studium

Wie plane ich mein Semester realistisch? Welche einführende Literatur ist empfehlenswert? Woran erkennt man einen guten Dozenten? Und was braucht es für ein gutes Referat? Unsere Handreichung beantwortet diese und viele weitere Fragen! Sie richtet sich an Erstis und auch an höhere Semester der Ur- und Frühgeschichte und weiterer archäologischer Studiengänge, sie soll den Einstieg ins Studium erleichtern.

https://dguf.de/fileadmin/user_upload/Studierende/DGUF-Dok_Handreichung_fuer_Erstsemester.pdf

 

1.5 Unter den DGUF-Rezensionsangeboten: Oliver J.T. Harris: Assembling Past Worlds: Materials, Bodies and Architecture in Neolithic Britain

Unter den zahlreichen Publikationen, welche die Herausgeber der "Archäologischen Informationen" zur Rezension ausschreiben, sei diesmal ein im Juni bei Routledge veröffentlichter Band von Prof. Oliver J.T. Harris (Universität Leicester). Aus dem Klappentext: "This book provides a detailed analysis of Neolithic Britain, a critical moment in the emergence of new ways of living, as well as new relationships between materials, people and new forms of architecture. It achieves two things. First, it identifies the major challenges that archaeology faces in the light of current theoretical shifts. New ideas place new demands on how we write and think about the past, sometimes in ways that can seem contradictory. This volume identifies seven major challenges that have emerged and sets out why they matter, why archaeology needs to engage with them and how they can be dealt with through an innovative theoretical approach. Second, it explores how this approach meets these challenges through an in-depth study of Neolithic Britain." Wenn Sie Interesse an einer Rezension haben, richten Sie bitte Ihre Anfrage mit Ihrer vollständigen Postanschrift sowie einer kurzen Begründung, weshalb Sie dieses Werk besprechen wollen, an: editor@dguf.de.

Alle Rezensionsangebote der "Archäologischen Informationen" mit weiteren Informationen zu Modalitäten und Ablauf: https://www.dguf.de/fileadmin/user_upload/publikationen/AI/dguf-dok_arch-inf_rezensionsangebote.pdf

Mehr zur Publikation: Oliver J.T. Harris: Assembling Past Worlds: Materials, Bodies and Architecture in Neolithic Britain. https://www.routledge.com/Assembling-Past-Worlds-Materials-Bodies-and-Architecture-in-Neolithic/Harris/p/book/9780367414917

 

2 Tagungen und Veranstaltungen

2.1 "Crossing Borders, Engaged Science, Resilient Societies" - EuroScience Open Forum (Leiden, 13.-16.7.2022; CfS bis 15.11.)

The EuroScience Open Forum (ESOF) is the largest interdisciplinary pan-European meeting dedicated to scientific research and innovation. During the forum, more than 5.000 leading scientists, young researchers, policy makers, science communicators and citizens will discuss new research and debate the direction research is taking in the sciences, humanities and social sciences. The ESOF scientific programme is built on the following themes: Sustainable Environment, Cultural Identities and Societal Transformations, Space for science, Healthy Societies, Freedom and Societal Responsibility of Science, Back to Business: Action-Based Entrepreneurship and Education, and: Off the beaten track: new paths for Academic Careers. A core question present throughout the ESOF2022 event will be: How will science be conducted in the future and how can science improve its role of being a transformative agent for societal change? Proposals for session can be submitted up to 15 November by citizens, researchers, organizations, associations and companies. ESOF is an event of discussion, exchange and dialogue – therefore, proposals for international, multidisciplinary and transversal sessions should be preferably advanced, and not single-issue proposals more typical of a scientific conference.

https://www.esof.eu/

 

3 Forschung

3.1 Neu im Early View der "Archäologischen Informationen"

Karl, R. (2021). (Selbst-?) Ausbeutung im akademischen Betrieb – Ein Erlebnisbericht. Archäologische Informationen 44, Early View, online publiziert 11. Okt. 2021.

Schreiber, St. (2021). Archäologie am Abgrund – Abgründe der Archäologie: Menschenregierungskünste zwischen Prekarisierung und Selbstausbeutung. Archäologische Informationen 44, Early View, online publiziert 8. Okt. 2021.

Gutsmiedl-Schümann, D. (2021). Prekariat und Selbstausbeutung: Eine kontinuierliche Entwicklung aus dem Studium heraus? Archäologische Informationen 44, Early View, online publiziert 6. Okt. 2021.

Gutsmiedl-Schümann, D., Karl, R., Meier, Th., Ochs, Chr., Rotermund, S.-M. & Schreiber, St. (2021). Prekariat und Selbstausbeutung zwischen einer Kultur des Jammerns und "Self-Empowerment" – Einführung zur Diskussionsrunde des Forums Archäologie in der Gesellschaft (FAiG). Archäologische Informationen 44, Early View, online publiziert 4. Okt. 2021.

Biermann, E. (2021). Publikationsverbot und Zwangslöschung von Veröffentlichungen auf Betreiben des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen (LfDH). Archäologische Informationen 44, Early View, online publiziert 29. Sept. 2021.

Näth, F. (2021). Archäologie zwischen Wissenschaft und Wirtschaftlichkeit – Kalkulation und Produktivität wissenschaftlicher archäologischer Arbeit auf sogenannten Rettungsgrabungen (Arbeitspapiere CIfA Deutschland 4). Archäologische Informationen 44, Early View, online publiziert 24. Sept. 2021.

https://www.dguf.de/early-views


3.2 Aktuelle Ausgrabungen und Forschung in den Medien

"Neue Langhäuser der frühesten Bauern aus dem 6. Jahrtausend v. Chr. bei Tübingen-Unterjesingen entdeckt" (Universität Tübingen, 14.10.): https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/newsfullview-pressemitteilungen/article/neue-langhaeuser-der-fruehesten-bauern-aus-dem-6-jahrtausend-v-chr-bei-tuebingen-unterjesingen-entdeckt/

"Beer and blue cheese already on the menu 2,700 years ago" (EURAC, 13.10.): https://www.eurac.edu/en/magazine/beer-and-blue-cheese-already-on-the-menu-2700-years-ago-microbiome

"Bayern: Kostbarer Elfenbeinkamm aus dem 6. Jahrhundert entdeckt. Der erste derartige Fund nördlich der Alpen wurde in einem Alemannengrab freigelegt. In einem Frauengrab fand man eine afrikanische Schale" (Der Standard, 1.10.): https://www.derstandard.at/story/2000130123266/bayern-einzigartiger-elfenbeinkamm-aus-dem-6-jahrhundert-entdeckt

"Auf den Spuren der Zeit. Im Südosten der Türkei entstand vor fast 12.000 ­Jahren ein rätselhafter Versammlungsort. Heute ist Göbekli Tepe eine der bedeutendsten Ausgrabungsstätten weltweit. Der deutsche Archäologe Jens Notroff hat dort 13 Jahre lang gearbeitet – und den Alltag in Zeichnungen festgehalten" (SZ Magazin, 30.9.): https://sz-magazin.sueddeutsche.de/kultur/goebekli-tepe-ausgrabungsstaette-graphic-novel-90708

"The Location of the Biblical ‘Red Sea’" (ASOR, 30.9.): https://www.asor.org/anetoday/2021/09/location-of-red-sea

"Einzigartiger Goldschatz in Niederösterreich entdeckt. Bei ÖBB-Bauarbeiten stieß man auf seltene, 3.000 Jahre alte Goldobjekte aus der Bronzezeit. Eine Trinkschale zeigt, wie vernetzt Europäer schon damals waren" (Der Standard, 30.9.): https://www.derstandard.at/story/2000130064253/einzigartiger-goldschatz-in-niederoesterreich-entdeckt

"Greece: Archeological study shows unearthed 650 year old Byzantine warrior had gold-threaded jaw" (Greek City Times, 29.9.): https://greekcitytimes.com/2021/09/30/greece-archeological-study-shows-unearthed-650-year-old-byzantine-warrior-had-gold-threaded-jaw/

Ahrensburger Kultur: "Camp used by 'Ice Age explorers' 12,000 years ago emerges on Scottish island" (The Scotsman, 26.9.): https://www.scotsman.com/heritage-and-retro/heritage/camp-used-by-ice-age-explorers-12000-years-ago-emerges-on-scottish-island-3393836

"Human footprints near ice age lake suggest surprisingly early arrival in the Americas. If dates hold, tracks would put people in New Mexico thousands of years earlier than thought" (Science, 23.9.): https://www.science.org/content/article/human-footprints-near-ice-age-lake-suggest-surprisingly-early-arrival-americas und "23.000 Jahre alte Fußabdrücke deuten auf viel frühere Besiedlung Amerikas hin" (Spiegel, 24.9.): https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/archaeologie-uralte-fussabdruecke-deuten-auf-viel-fruehere-besiedlung-von-amerika-a-b2129c2c-5c58-4b1d-a898-3e9abda2af11

"Genetische Abstammung und Erbe der Etrusker entschlüsselt. Forschungsteam präsentiert umfassende DNA-Analysen zum genetischen Ursprung der Menschen in der eisenzeitlichen Hochkultur Mittelitaliens und ihren Einfluss auf die spätere Bevölkerung" (Universität Tübingen, 24.9.): https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/newsfullview-aktuell/article/genetische-abstammung-und-erbe-der-etrusker-entschluesselt/

"Early Homo sapiens groups in Europe faced subarctic climates. New insights into the climatic backdrop for an early wave of dispersal of our species into Europe during the last glacial period" (Max-Planck-Gesellschaft, 22.9.): https://www.mpg.de/17542108/0916-evan-early-homo-sapiens-groups-in-europe-faced-subarctic-climates-150495-x

"World’s oldest known beads found in Morocco. Perforated shells may have signaled identity, attracted mates" (Science, 22.9.): https://www.science.org/content/article/world-s-oldest-known-beads-found-morocco

Jamnaja: "Milch machte Migration möglich. Hirtenvölker legten bereits in der Bronzezeit weite Strecken durch die eurasische Steppe zurück - vermutlich dank ihres Milchkonsums" (Max-Planck-Gesellschaft, 16.9.): https://www.mpg.de/17544602/milch-machte-migration-moeglich?c=2191

 

3.3 Sechs Mio. Jahre alte Fußspuren von Vormenschen auf Kreta

Neueste Forschung besagt: Die ältesten bekannten Fußspuren von Vormenschen stammen von Kreta und sind mindestens 6 Mio. Jahre alt. Die mehr als 50 Fußspuren aus versteinerten Strandsedimenten wurden mit geophysikalischen und mikropaläontologischen Methoden auf ein Alter 6,05 Mio. Jahren datiert. "Die Spuren sind damit nahezu 2,5 Millionen Jahre älter als die Australopithecus afarensis (Lucy) zugeschriebenen Laufspuren aus Laetoli in Tansania", zitiert die Universität Tübingen in ihrer Pressemeldung den Erstautor der Fachpublikation in "Scientific Reports", Dr. Uwe Kirscher vom Senckenberg Center for Human Evolution and Palaeoenvironment. Kreta war vor 6 Mio. Jahren noch über die Peloponnes mit dem griechischen Festland verbunden. Es sei nicht ausgeschlossen, dass die Spuren im Zusammenhang mit dem möglichen Vormenschen "Graecopithecus freybergi" stehen.

"Älteste Fußspuren von Vormenschen auf Kreta datiert. Sechs Millionen Jahre alte versteinerte Fußspuren auf der Insel ähneln in ihrer Anatomie bereits dem menschlichen Lauffuß" (Universität Tübingen, 11.10.): https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/newsfullview-pressemitteilungen/article/aelteste-fussspuren-von-vormenschen-auf-kreta-datiert/

Uwe Kirscher, Haytham El Atfy, Andreas Gärtner, Edoardo Dallanave, Philipp Munz, Grzegorz Niedźwiedzki, Athanassios Athanassiou, Charalampos Fassoulas, Ulf Linnemann, Mandy Hofmann, Matthew Bennett, Per Erik Ahlberg, Madelaine Böhme. Age constraints for the Trachilos footprints from Crete. Scientific Reports, DOI: http://doi.org/10.1038/s41598-021-98618-0

3.4 Bizmoune-Höhle in Marokko: Muschelschmuck älter 142.000 Jahre

In der Bizmoune-Höhle im südestlichen Marokko sind in einer gut erfassten Stratigraphie 33 artifiziell bearbeitete Schmuckschnecken gefunden werden, die auf "älter als 142.000 v. H." datiert werden können. Es sind die bislang ältesten von Menschen (Homo sapiens?) zu Schmuck verarbeiteten Schnecken.

Sehasseh, E. M. et al. (2021). Early Middle Stone Age personal ornaments from Bizmoune Cave, Essaouira, Morocco. Science Advances, 7: eabi8620 (22. Sept. 2021): https://www.science.org/doi/epdf/10.1126/sciadv.abi8620

 

4 Beruf Archäologie

4.1 Prof . Dr. C. Sebastian Sommer verstorben

Mit tiefer Bestürzung hören wir vom unerwarteten Tod von Prof. C. Sebastian Sommer am 12.10. Der bayerische Landeskonservator war aktiv im Vorstand der DGUF-Partnerin CIfA Deutschland tätig. Dort, so schreibt uns die Präsidentin Michaela Schauer, habe man noch vor wenigen Tagen mit ihm gesprochen: "Auf der letzten Zoom-Vorstandssitzung saß er in Amerika im Garten und erzählte uns, er wäre nur kurz da, weil er auf eine Bootstour warte. Er blieb die gesamte Sitzung, und wir mussten ihn hinauskomplimentieren. Seine Motivation, etwas zu ändern, seine Begeisterung für die Archäologie, egal in welcher Hinsicht, war ansteckend. Er hat sie seit Beginn von CIfA Deutschland eingebracht – er war immer mit uns. Sein Wissen, sein Rat und seine Persönlichkeit waren einzigartig und sind unersetzlich. CIfA Deutschland wäre ohne ihn nicht dort, wo wir heute sind." Sommer war ein Gründungsmitglied der Deutschen Limeskommission (DLK) und ihr Vorsitzender. Heute schreibt die DLK über den 65-Jährigen: "Seine Leidenschaft zum Fach war mehr als ansteckend, seine Verdienste für den Limes in Deutschland und das römische Erbe groß. Als Vorgesetzter war er stets authentisch und gradlinig, emphatisch und unterstützend." Auch für die DGUF war C. Sebastian Sommer über lange Jahre hinweg ein kluger, aufrechter und inspirierender Gesprächspartner; er war ein Innovator des Fachs und des Berufs Archäologie. C. Sebastian Sommer wird uns sehr fehlen. Unsere Gedanken sind mit seiner Familie und seinen engsten Freunden.

 

4.2 Kalkulation und Produktivität wissenschaftlicher archäologischer Arbeit auf sog. Rettungsgrabungen

Falk Näth, langjähriger Inhaber einer großen Grabungsfirma, erklärt in diesem Arbeitspapier, wie man eine archäologische Ausgrabung kalkuliert. Vordergründig also eine Handreichung für Jungunternehmerinnen und -unternehmer. Hintergründig zeigt er jedoch auf, dass die übliche Art, Ausgrabungen nach Stundensätzen auszuschreiben, zu fachlich-wissenschaftlicher Unproduktivität führt: leistungswillige und fähige Unternehmen werden benachteiligt. Also legt er offen, wie man mit Tricks dennoch für den Investor scheinbar günstige Angebote schreiben kann. Sein Aufsatz zeigt, dass man archäologische Ausgrabungen besser als Projekte ausschreibt, weil nur so hohe Wirtschaftlichkeit, hohe Qualität und wissenschaftlicher Fortschritt möglich sind. Daher: Pflichtlektüre und Denkaufgabe auch für staatliche Bodenkmalpflegerinnen und -pfleger!

Näth, F. (2021). Archäologie zwischen Wissenschaft und Wirtschaftlichkeit – Kalkulation und Produktivität wissenschaftlicher archäologischer Arbeit auf sogenannten Rettungsgrabungen (Arbeitspapiere CIfA Deutschland 4). Archäologische Informationen 44, Early View, online publiziert 24. Sept. 2021. https://dguf.de/fileadmin/AI/archinf-ev_naeth.pdf

 

4.3 Eric Biermann über die zwangsweise Übertragung der Nutzungsrechte an Grabungsdokumentationen in Hessen

Der erfahrene Firmenarchäologe Eric Biermann hat in einem in den Archäologischen Informationen erschienenen Aufsatz die langjährige Praxis der hessischen Landesarchäologie (hessenARCHÄOLOGIE) beleuchtet, im Zuge von Grabungsgenehmigungen eine umfassende, kostenlose, unbefristete und exklusive Übertragung aller Nutzungsrechte an die Landesdenkmalpflege zu verlangen. Ausgräber dürften nach Ansicht der hessenARCHÄOLOGIE ihre Ergebnisse allenfalls mit Zustimmung der staatlichen Denkmalbehörden veröffentlichen, unabhängige Publikationen seien damit unterbunden. Biermann sichtet in seiner Analyse alle rechtlichen Ebenen: Menschenrecht, Europarecht, das Grundgesetz sowie die hessische Landesverfassung. Er kommt zu dem Ergebnis, dass die Praxis der hessenARCHÄOLOGIE auf allen Ebenen gegen das Urheberrecht und die Wissenschaftsfreiheit verstoße. Sodann sichtet er systematisch wissenschaftsethische Regularien und Erklärungen und kommt auch für diese Ebene, die er "soft law" nennt, zum gleichen Ergebnis: Die Praxis der hessenARCHÄOLOGIE verstoße gegen diverse weithin anerkannte Ethiken - zu denen sich auch die hessenARCHÄOLOGIE bekannt hat - sowie aktuelle wissenschaftspolitische Zielsetzungen. Für die Praxis hätte dieser Befund eine starke Bedeutung: Ein Verwaltungsakt, der eklatant gegen Recht und gute Sitten verstoße, entfalte keine Rechtswirkung und sei auch ohne einen förmlichen Widerspruch ungültig. Der Autor strebt mit seinem Beitrag an, eine überfällige Debatte fachöffentlich anzustoßen und Wege zu einer rechtskonformen und die Interessen aller Beteiligten fair berücksichtigenden Praxis zu kommen. Die DGUF hat den hessischen Landesarchäologen Dr. Udo Recker eingeladen, auch seine Sichtweise in den Archäologischen Informationen zu vertreten. Biermanns Ausführungen fußen wesentlich auf Bundesrecht und dürften daher auch auf andere Bundesländer anwendbar sein.

Biermann, E. (2021). Publikationsverbot und Zwangslöschung von Veröffentlichungen auf Betreiben des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen (LfDH). Archäologische Informationen 44, Early View, online publiziert 29. Sept. 2021: https://dguf.de/fileadmin/AI/archinf-ev_biermann.pdf

 

4.4 Vier Aufsätze zu Prekariat und Selbstausbeutung in der Archäologie erschienen

Ein Round-Table des Forums Archäologie in der Gesellschaft (FAiG) 2019 zeigt auf, dass Selbstausbeutung in der Archäologie auf allen Ebenen vom Einstieg als Studierend bis zur Professur ein großes Problem ist. Nach Ansicht der Autoren Doris Gutsmiedl-Schümann, Raimund Karl, Thomas Meier, Christiane Ochs, Sophie Marie Rotermund und Stefan Schreiber ist es verfehlt, "auf Abhilfe von außen zu warten; vielmehr liegt es in unserer Hand, lebenswerte, geregelte Arbeitsverhältnisse zu erstreiten." Neben der Einführung sind drei Aufsätze nun im Early View in den Archäologischen Informationen veröffentlicht: "Die in der Archäologie weit verbreitete Neigung zu starker Selbstausbeutung verbindet Doris Gutsmiedl-Schümann mit der Sozialisation bereits ab Studienbeginn, wo der Tenor dominiere: Wer etwas erreichen will, muss mehr tun als andere. Sie betont, dass die Idee der Bologna-Reform gegenteilig sei, nämlich zu einem geregelten Studium mit normaler Arbeitsbelastung führen solle. Um sich überhaupt eine Chance auf dem regulären Arbeitsmarkt zu erarbeiten, beuten sich Menschen in der prekären Lebenswelt vermehrt selbst aus, schreibt Stefan Schreiber. Besonders das ehrenamtliche Engagement sei ein Problem, weil es einerseits die Möglichkeit biete, bei der Verbesserung der beklagten Verhältnisse mitzuwirken, andererseits aber die Selbstausbeutung nochmals verstärke. Das Universitätsmanagement nimmt wissentlich in Kauf, dass sich eine Mehrheit seines Personals in gesundheitsgefährdendem Ausmaß überarbeitet: Das berichtet Raimund Karl von Erfahrungen, die er persönlich gemacht hat.

https://dguf.de/early-views#FAiG

 

4.5 "Kannst du mal eben …?" Wenn uns Kollegen und Freunde um kostenlose Arbeit bitten

So mancher von uns – ob in der Archäologie berufstätig oder nicht – kennt Bitten wie: "Kannst du das mal eben gegenlesen?", "Ich bräuchte kurz ein paar Tipps von dir zu …" oder "Wie siehst u das Problem X?". Die Fachcommunity, manche Freunde oder Bekannte erwarten von uns immer wieder Bevorzugung bei Dienstleistungen und Arbeit. Wenn diese nicht zum beruflichen Tätigkeitsprofil gehört, soll diese Arbeit gerne auch kostenlos sein, am Abend oder am Wochenende zusätzlich zum eh schon vollen Arbeitsleben stattfinden. Solange dies auf Gegenseitigkeit beruht und alle damit zufrieden sind: wunderbar! Aber was, wenn nicht? Wie kann man "nein" sagen, ohne die Freundschaft oder die kollegiale Beziehung zu gefährden? Darüber hat Carmen Michaelis im "Spiegel" einen lesenswerten Beitrag geschrieben, und ihr Protagonist ist – natürlich – kein Archäologe, sondern ein Physiotherapeut, der nach Feierabend und am Wochenende die Zipperlein seiner Bekannten "mal eben" anschauen soll. Der Beitrag beleuchtet, dass es um den inneren Antrieb geht, der uns zwingt, die Bedürfnisse Anderer ernster zu nehmen als die eigenen, und um die Frage nach der Wertschätzung der eigenen Arbeit und beruflichen Kompetenz. Er gibt auch wertvolle Tipps für die Form einer Absage, die Grenzen so setzt, dass das Gegenüber nicht gekränkt ist und die Grenzen gleichwohl unmissverständlich sind.

Carmen Michaelis: "Ich kann bei meinen Freunden nicht Nein sagen" (Spiegel, 27.9.): https://www.spiegel.de/karriere/meine-freunde-wollen-dass-ich-sie-in-meiner-freizeit-behandle-tipps-von-der-karriereberaterin-a-c5adb197-30e3-4c84-82ff-45268e2f0140

 

 

5 Open Access & Open Data

5.1 Schweizer Zeitungen im Open Access

In einem ambitionierten Projekt hat die Schweizer Nationalbibliothek viele Schweizer Zeitungen, die bislang nur in Bibliotheken archiviert waren, digitalisiert und im Open Access zugänglich gemacht. So ist z. B. die Neue Züricher Zeitung (NZZ) von 1780 bis 1914 nun online verfügbar. Nett, ja, aber was hat das mit Archäologie zu tun? Nun, dann gebe man z. B. einmal das Wort "Pfahlbau" in das Suchfenster ein. Wir erfahren, wann das Wort "ersterwähnt" wurde (1856), wie oft pro Jahrzehnt, wie oft in welchen Zeitungen (156 mal in Der Bund), wie oft in welchem Kanton (291x Kt. Bern) usw., und wir können 640 Zeitungsartikel seit 1859 einsehen, in denen "Pfahlbau" vorkommt. Habt Spaß!

Schweizer Zeitungsarchiv: https://www.e-newspaperarchives.ch

 

6 Ausstellungen und Museen

6.1 Laufsteg der Stelen. Zur Ausstellung "Menschen. In Stein gemeisselt" (Zürich, bis 16.1.)

Das Landesmuseum Zürich des Schweizerischen Nationalmuseums zeigt noch bis zum 16.1.2022 eine sehr sehenswerte Ausstellung über menschenförmige Stelen vor allem der Kupferzeit aus der Schweiz, Italien, Frankreich und Deutschland. Gegliedert ist sie in die vier großen Themenkreise "Stelen und Menhire", "Stile und Regionen", "Symbole und Macht" und "Religion und Tradition". Der Einstieg führt räumlich über den eindrücklichen Aufstieg durch das große Treppenhaus des Neubaus zum einzigen unverzierten Menhir der Ausstellung. Den inhaltlichen Einstieg machen dann die Stelen aus dem Schweizer Kanton Wallis. Stichwort ist hier Sion, Petit-Chasseur mit seinen grandiosen, teils über die Zeit sogar umgearbeiteten Stelen, die im Zusammenhang mit einer megalithischen Nekropole stehen. Auf den nächsten zwei Laufstegen wird das Thema der verschiedenen Regionen und ihrer jeweiligen Stile gleichsam plastisch abgearbeitet. Anhand einzelner Exemplare werden im Folgenden Symbole bzw. Objekte wie der Pflug, Dolche, Pfeil und Bogen sowie Kleidung beleuchtet. Hier gesellen sich zu den Stelen dann auch Exponate der dargestellten Gegenstände, wie zum Beispiel der großartige Fund eines Mantelfragments aus Lindenbast mit farblich abgehobenen geometrischen Mustern aus dem Greifensee im Kanton Zürich. Beim Thema "Religion und Tradition" wird den Stelen jungneolithischer Wandschmuck mit mutmaßlichen Ahnenreihen aus der Bodenseeregion zur Seite gestellt, es werden Grabinventare und weitere kultische Objekte gezeigt. Dabei ist der Übergang von der alltäglichen zur religiösen Sphäre durch die Ausstellungsgestaltung sehr fließend angelegt, was gut gefällt. Wer will, kann sich in unterschiedlichem Grad mithilfe von Postern, Touchscreens und Audiostationen in die einzelnen Themen vertiefen. Alle Texte sind viersprachig (D, F, I, E), manchmal gerät vermutlich ab der wohl gewollten Kürze der Inhalt etwas schwer verständlich, etwa wenn in wenigen kurzen Sätzen der Bogen von Menhiren über Stelen bis Stonehenge geschlagen wird. Und wer die scheinbare Gewissheit der Geschlechterzuschreibung hinterfragt haben möchte, muss die entsprechende Audiostation erst finden. Auch die Attribution von Status und damit Macht aufgrund außergewöhnlicher Objekte bleibt in der Ausstellung relativ unreflektiert. Hier schafft die Publikation zur Ausstellung Abhilfe. Neben einem Katalog finden sich darin sechs lesenswerte "Essays", und das Cover mit einer Art kupferzeitlichem "Minion" verführt zum Kauf.

Ausstellungswebsite: https://www.landesmuseum.ch/menschen-in-stein

Publikation zur Ausstellung: https://www.merianverlag.ch/produkt/kultur-und-gesellschaft/menschen-in-stein-gemeisselt/d3c3f014-fc10-4231-95a6-d8425e0890fd.html

"Blick in die Jungsteinzeit: 6000 Jahre alte Kunst im Landesmuseum" (Tagesanzeiger, 16.9.): https://www.tagesanzeiger.ch/blick-in-die-jungsteinzeit-6000-jahre-alte-kunst-aus-europa-im-landesmuseum-209384925793

"Menschen wollen sich mit Denkmälern verewigen. Doch ihre Position auf den Sockeln behalten sie nie auf Dauer – das ist schon in der Steinzeit zu sehen" (Neue Zürcher Zeitung, 28.9): https://www.nzz.ch/feuilleton/in-stein-gemeisselt-landesmuseum-zuerich-zeigt-grandiose-stel-ld.1646963

 

6.2 Große Längsschnittstudie belegt: Museumsbesuch tut gut!

Im Kontext der großen Längsschnittstudie "Understanding Society: The UK Household Longitudinal Study (UKHLS)", in die insgesamt 50.000 britische Haushalte involviert sind, konnte an etwas über 22.000 Teilnehmern, die in zeitlichem Abstand zwei spezifische Interviews beantworteten, herausgearbeitet werden: Teilhabe an Kultur (Kultur-Ereignisse, Museumsbesuche, Besuche von Kulturdenkmälern) verbessern das Wohlsein, d. h. die Lebenszufriedenheit, die Entspanntheit und die psychische Gesundheit. Der Effekt ist signifikant stärker, wenn diese Menschen in sozial benachteiligten Wohnbezirken leben und wenn die Besucher häufiger stattfinden.

Mak, H. W., Coulter, R. & Fancourt, D. (2021). Associations between community cultural engagement and life satisfaction, mental distress and mental health functioning using data from the UK Household Longitudinal Study (UKHLS): are associations moderated by area deprivation? BMJ Open 11(9): 11:e045512. https://bmjopen.bmj.com/content/11/9/e045512

 

7 Und sonst …

7.1 Social Media: 5 schlechte Tricks, 3 Thesen und 9 Wege zu mehr Sichtbarkeit für die eine wichtige Botschaft

Ein wichtiger Fachartikel, die Ankündigung einer Tagung, das neue Facebook-Profil Ihres Sonderforschungsbereichs: Da gibt es dieses eine Thema, für das Sie sich in den Social Media so richtig viel Beachtung wünschen. Was tun? Zig Kanäle und Menschen auf Social Media als "Freunde" adden und sie sowie das bestehende Netzwerk dann zu den eigenen Fanpages und Events einladen? Warum das fast immer eine schlechte Idee ist und wie es gelingen kann, besonders wichtige eigene Botschaften zu verbreiten, das zeigt Dr. Kerstin Hoffmann in einem Beitrag auf, der so klug, praxiserprobt und hilfreich ist, dass wir hier auf ihn hinweisen, obwohl er vom Februar 2020 stammt.

Kerstin Hoffmann: "Social Media: Was tun, wenn die eigene Botschaft einmal besonders wichtig ist?" (PR-Doktor, 28.2.2020): https://www.kerstin-hoffmann.de/pr-doktor/soziale-netzwerke-botschaften-ankommen/

 

 


 

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