2021: Deutscher Studienpreis für Archäologie für Christina-Maria Wiesner M.A.

Christina-Maria Wiesner M.A.: Trägerin des Deutschen Studienpreises für Archäologie

Mit dem Deutschen Studienpreis für Archäologie wurde 2021 Christina-Maria Wiesner M.A. für ihre an der Universität Erlangen-Nürnberg eingereichte Masterarbeit "Das Siedlungsmuster des Mittelpaläolithikums in Süddeutschland. Eine GIS-gestützte Archäoprognose für Fundstellen in Bayern und Baden-Württemberg" ausgezeichnet.

Siedlungsverhalten und Raumnutzung des Neandertalers untersuchen

Die Preisträgerin an ihrem ArbeitsplatzZiel der mit dem mittlerweile siebten DGUF-Studienpreis prämierten Arbeit ist es, anhand von Lageparametern der bekannten mittelpaläolithischen Höhlen- und Freilandstationen Süddeutschlands das Siedlungsverhalten und damit die Raumnutzung des Neandertalers zu untersuchen. Verwendet wurde ein "Weighted Layer Approach" (WLA), eine Variante der multiplen linearen Regression; die Umsetzung erfolgte in QGIS. In die Analyse einbezogen wurden verschiedene Lageparameter der Fundstellen, etwa die Höhe über Normalnull, die Hangneigung, die Ausrichtung und die Distanz zum nächsten Fließgewässer. Diese wurden mit geologischen Faktoren, etwa der Verbreitung pleistozäner Böden, dem Vorkommen eines Kalksteingebirges mit Höhlen und der Ausdehnung der pleistozänen Eisvorstöße in Beziehung gesetzt. Auch die heutige landwirtschaftliche Nutzung sowie eine Sichtfeldanalyse gingen in die Auswertung ein. Aus diesen (transparent gewichteten) Daten errechnete die Preisträgerin ein Archäoprognose-Modell, das in detaillierten Prognosekarten für die Wahrscheinlichkeit des Vorhandenseins mittelpaläolithischer Fundstellen im untersuchten Raum mündet.

Mit den Ergebnissen lässt sich die Raumnutzung des Neandertalers nun detaillierter beschreiben: So nutzte dieser pragmatisch etwa auch Höhlen und Abris mit nicht-optimalen Lageparametern und bevorzugte – im Gegensatz zu den jungpaläolithischen Jägergruppen – beispielsweise nicht zwingend sonnenexponierte Südhanglagen. Die süddeutschen Karstgebiete mit ihrem hohen Potenzial für Höhlen- und Freilandfundstellen bieten eine ideale Siedlungs-Infrastruktur und spielen damit eine Schlüsselrolle für die schnelle Ausbreitung des Neandertalers in Richtung Osteuropa und darüber hinaus.

wiesner-chrm_21okt2021_1Neben einem methodisch vielversprechenden Forschungsansatz waren es vor allem die große Sorgfalt sowie die gute, transparente Nachvollziehbarkeit der mit freier Software durchgeführten Analyseschritte, die die Jury für diese Arbeit einnahm.

Die Drucklegung der während des Corona-Lockdowns mit "sehr viel Liebe, Herzblut und Arbeitsstunden" entstandenen Arbeit in der DGUF-Publikationsreihe "Archäologische Berichte" ist in Vorbereitung.

Preisverleihung – vor Ort und virtuell

Die Preisverleihung fand im Oktober 2021 in Erlangen statt; es handelte sich um eine live gestreamte Veranstaltung, an der auch zahlreiche Interessierte vor Ort und v.a. virtuell teilnahmen. Die Laudatio hielt Dr. habil. Thomas Weber, Magdeburg. Im Anschluss an die Feierlichkeiten stellte Frau Wiesner ihre Masterarbeit in einem kurzen Vortrag vor.

Zur Preisträgerin

Christina-Maria Wiesner, ursprünglich aus Pegnitz in Oberfranken stammend, hat – nach Bachelorstudiengängen in Sozialer Arbeit und Bildungswissenschaften – in Erlangen-Nürnberg Ur- und Frühgeschichte studiert. 2018 schloss sie auch diesen Studiengang mit einer Bachelorarbeit mit dem Titel "Die jungpaläolithischen Steinartefakte aus dem Abri Blanchard (Dordogne) aus der Sammlung der Naturhistorischen Gesellschaft Nürnberg" erfolgreich ab. Das darauf folgende Masterstudium führte sie in Erlangen-Nürnberg fort: dort entstand bis Ende 2020 die jetzt von der DGUF ausgezeichnete Masterarbeit. Derzeit forscht Wiesner als Doktorandin bei Prof. Dr. Thorsten Uthmeier zu den Siedlungsmustern der östlichsten Keilmessergruppen und damit zur Verbreitung der späten Neandertaler von Mitteleuropa bis zum russischen Altai.

Stand: 14. Nov. 2021

 

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