DGUF-Newsletter vom 04.11.2019

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DGUF Newsletter

vom 04. November 2019

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Inhalt

1  DGUF-Nachrichten

1.1  "Evaluation Beruf Archäologie" (EvaBA) beendet. - Danke!

1.2  DGUF-Nominierungen gelistet, dennoch Bedauern über unausgewogene Nominierungen: Wahl zu den DFG-Fachkollegien 2019

1.3  Demnächst in den Archäologischen Informationen: Der DGUF-Monitoring-Report privatwirtschaftliche Archäologie 2019

1.4  Neu im Beirat der DGUF: RA Dr. Till Kemper M.A.

1.5  Erneute Ausschreibung des Deutschen Studienpreises für Archäologie

1.6  Unter den DGUF-Rezensionsangeboten: Patrick Nagy et al.: Archäologie in Rheinau und Altenburg: Prospektionen im schweizerisch-deutschen Grenzgebiet

2  Tagungen und Veranstaltungen

2.1  XIX. Kongress der UISPP (Meknes, Marokko, 1.-6.9.)

2.2  "Museums and the Internet" (München, 11.-12.5.; CfP bis 10.1.)

3  Forschung

3.1  Neu im Early View der "Archäologischen Informationen"

3.2  Aktuelle Ausgrabungen und Forschung in den Medien

3.3  Archäologische Suche nach vermuteten Hohlräumen im Konzentrationslager Buchenwald

3.4  Archäologische Belege für Trisomie 21: Anfangsverdacht nicht bestätigt - und dennoch wertvoll

3.5  Ungewöhnlich normal: Eisenzeitliche Siedlung am Black Loch of Myrton (Südwest-Schottland)

3.6  Aufsatz in "Nature" behauptet zu wissen, wo genau in Afrika moderne Menschen entstanden

3.7  Neue Perspektive auf Ernährung und die menschliche Evolution: Insekten

3.8  "Kurz, konzis und qualitativ hochstehend": Bericht vom Kolloquium über die Hand von Prêles (Bern, 30.10.)

4  Archäoinformatik

4.1  Hadley Wickham (2020): "Mastering Shiny" - als offene Vorabversion

5  Kulturgutschutz

5.1  Aktuelles rund um Kulturgutschutz in den Medien

6  Studium, Job-Themen und Personalia

6.1  Fundgrube und Lebenshilfe: Wege für den ersten Einstieg in archäologische Berufswelten

6.2  Hat die Archäologie eine soziale Rolle, und wenn ja: welche?

6.3  Was nehme ich als Tagessatz? - ein Rechenvorschlag

7  Berufsverband

7.1  Vergabe des CIfA-Gütezeichens für Archäologie (GZA) startet

7.2  CIfA verstärkt sein Engagement im Bereich beruflicher Aus- und Weiterbildung

8  Open Access & Open Data

8.1  Britische Studie bestätigt Konzept von Plan-S: Open-Access-Transformation ohne APCs ist zügig möglich, sofern Konsortien von Bibliotheken die Kosten im Abonnement übernehmen

8.2  Open-Access-Experten empfehlen kleinen Zeitschriften und Verlagen, Konsortien zu bilden

8.3  Wie teuer ist das Publizieren wissenschaftlicher Zeitschriften im Open Access?

9  Ausstellungen und Museen

9.1  Kostenloser Eintritt ins Museum = mehr Besucher?

9.2  "Period Rooms", renovierter Historismus und ein kleiner Einblick in die Sammlung: Der wiedereröffnete Westflügel im Landesmuseum Zürich

9.3  Demnächst im Landesmuseum in Halle: Bronzehand von Prêles

10     Und sonst …

10.1      Sci-Hub und Co.: "Schattenbibliotheken" systematisch beleuchtet

10.2      Foto-Projekt "Pioniere der Bündner Archäologie" abgeschlossen

10.3      Kulturelles Erbe und Klimaschutz: "Climate Heritage Network" gegründet

10.4      Nicht die Greta Thunberg der Arverner: "Die Tochter des Vercingetorix" (Asterix Bd. 38)

 

1         DGUF-Nachrichten

1.1        "Evaluation Beruf Archäologie" (EvaBA) beendet. - Danke!

Mehr als 600 Kolleginnen und Kollegen haben sich an der "Evaluation Beruf Archäologie" (EvaBA) beteiligt, das steht wenige Tage nach Umfrageende am 31.10. fest. Eine erste Sichtung der Daten zeigt, dass unter den Antwortenden alle Tätigkeitsbereiche innerhalb der Archäologie gut vertreten sind. Mehr als 40 % der Antwortenden geben an, bereits mehr als 10 Jahre im Beruf Archäologie tätig zu sein, mehr als 50 % geben an, mit ihrer beruflichen Situation im Großen und Ganzen zufrieden zu sein, ca. ein Viertel sind es nicht. "Wir sind von der Resonanz überwältigt", fassen die Organisatoren Diane Scherzler und Frank Siegmund ihre ersten Eindrücke zusammen. "Gemeinsam und erstmals für die deutsche Archäologie haben die Mitmachenden ein umfassendes Bild aus dem Berufsleben in der deutschen Archäologie zusammentragen. Dass so viele Kolleginnen und Kollegen uns ihre kostbare Zeit geschenkt haben, zeugt von viel Vertrauen, das man der DGUF entgegenbringt. Wir danken sehr!" Die Auswertung der Umfrage wird in den nächsten Wochen beginnen, über erste Ergebnisse wird in DGUF-Newslettern berichtet werden.

"Evaluation Beruf Archäologie (EvaBA): Umfrage zur beruflichen Situation in der deutschen Archäologie": https://dguf.de/evaba.html

 

1.2        DGUF-Nominierungen gelistet, dennoch Bedauern über unausgewogene Nominierungen: Wahl zu den DFG-Fachkollegien 2019

Vom 21.10. bis 18.11. finden die Wahlen zu den Fachkollegien der DFG statt. Die Wahlberechtigten - fast alle in den Unis und in der Forschung tätigen Wissenschaftler - werden von der DFG direkt angeschrieben und zur Wahl eingeladen. Die Fachkollegien sind jene Gremien, in denen die bereits begutachteten Anträge auf eine Forschungsförderung durch die DFG einschließlich der bereits vorliegenden externen Gutachten eingehend beraten, empfohlen oder abgelehnt und auch priorisiert werden. Die Ur- und Frühgeschichte ressortiert im Fachkollegium 101 "Alte Kulturen" und stellt darin drei Mitglieder; weiterhin gehören diesem Fachkollegium zwei Mitglieder für die Klassische Philologie an, zwei für die Alte Geschichte, zwei für die Klassische Archäologie, drei für den Bereich Ägyptologie und Vorderasiatische Altertumswissenschaften. Über den DVA, der im Herbst 2018 die Einreichung von Kandidaturen für das Fach Ur- und Frühgeschichte moderierte und der DFG gegenüber im Namen seiner Mitgliedsverbände vornahm, hatte die DGUF in ihrer Funktion als Fachgesellschaft für die europäische Ur- und Frühgeschichte Prof. Dieter Quast und Prof. Christoph Huth als Kandidaten benannt, beide stehen nun zur Wahl. Sodann hatte sich die DGUF innerhalb des DVA dafür sehr stark gemacht, dass im Sinne einer ausgewogenen Vertretung aller wichtigen Sphären des Faches - und ggf. sogar die DGUF-eigenen Vorschläge konkurrierend - auch die Hugo-Obermeier-Gesellschaft (Paläolithikum, Mesolithikum), die Deutsche Gesellschaft für Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit sowie die Gesellschaft für Anthropologie (pars pro toto für die naturwissenschaftliche Archäologie) mind. je eine Kandidatur einbringen können. Das ist, wie die zur Wahl nun veröffentliche Liste zeigt, im DVA und den nachfolgenden Prozessen offenbar nicht vollumfänglich gelungen - was die DGUF sehr bedauert.

DFG zum Verfahren: https://www.dfg.de/dfg_profil/gremien/fachkollegien/fk_wahl2019/index.jsp

DFG Liste der Kandidierenden: https://www.dfg.de/download/pdf/dfg_im_profil/gremien/fachkollegien/fk-wahl2019/kandidierendenliste.pdf

"DGUF kritisiert weitere Schwächung der Fachgesellschaften bei den Wahlen zu den DFG-Fachkollegien" (DGUF.de, Februar 2018): http://dguf.de/458.html

 

1.3        Demnächst in den Archäologischen Informationen: Der DGUF-Monitoring-Report privatwirtschaftliche Archäologie 2019

Von Ende August bis Anfang Oktober lud die DGUF mit einem umfassenden Verteiler alle in Deutschland privatwirtschaftlich tätigen Archäologie-Unternehmen - vor allem alle Inhaberinnen und Inhaber von Grabungsfirmen - ein, an einer kurzen anonymen Befragung teilzunehmen. Dem sind ca. ein Viertel aller Marktteilnehmer gefolgt und haben u.a. über Mitarbeiterzahlen, Personalentwicklung und Jahresumsätze Auskunft gegeben. Die Auswertung der Umfrage wird im Jahrgang 2019 der "Archäologischen Informationen" veröffentlicht werden – wie immer für Jeden frei zugänglich im Open Access. Die Ergebnisse sind bemerkenswert: Die Archäologie-Unternehmer beschäftigen in Deutschland in etwa gleich viele Mitarbeiter wie die staatliche Archäologie (Denkmalpflege, Museen, Universitäten) Fachpersonal, wobei die Firmenarchäologie aktuell ein starkes Personalwachstum verzeichnet. Die Freitextantworten der Unternehmer hingegen zeugen von Sorgen und Pessimismus, ergeben aber zugleich ein überraschend klares Bild, "wo der Schuh drückt". Die Branchenumfrage gibt vielerlei Anlass zum Nachdenken, zum Reflektieren bisherigen Bilder und Wahrnehmungen, und sie dokumentiert die Bedarfe eines wichtigen Teils der deutschen Archäologie, über die das Fach insgesamt nachdenken sollte. Die Branchenumfrage wird Mitte 2020 wiederholt werden.

 

1.4        Neu im Beirat der DGUF: RA Dr. Till Kemper M.A.

Vom Vorstand als neuer Beirat benannt wurde Till Kemper. Der studierte Archäologe und Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht berät private wie öffentliche Auftraggeber bei der Vorbereitung und Abwicklung von Bauprojekten mit Denkmalbezug. Till Kemper ist seit langen Jahren im DGUF-Arbeitskreis "Kulturgutschutz" tätig. Seit 2019 vertritt er die DGUF in der Arbeitsgruppe Recht und Steuern des Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz (DNK).

Mehr zu Till Kemper: https://dguf.de/index.php?id=343

 

1.5        Erneute Ausschreibung des Deutschen Studienpreises für Archäologie

Die Ausschreibung richtet sich an Studierende aller archäologischer Fachdisziplinen und ihrer Nachbarwissenschaften, die an einer deutschen Hochschule preiswürdige Studienleistungen erbracht haben. Hierzu zählen Seminar‐ oder Abschlussarbeiten und erste eigene Publikationen, die sich innovativ mit für die europäische Archäologie relevanten Forschungsthemen auseinandersetzen. Als preiswürdig erachtet werden herausragende archäologische Forschungsarbeiten zur Geschichte Mitteleuropas oder zu Regionen der Welt, die auf die kulturellen Entwicklungen Mitteleuropas Einfluss ausgeübt haben respektive zu deren Verständnis wichtig sind. Ebenso können innovative methodologische Arbeiten in der Archäologie oder ihren Nachbardisziplinen gewürdigt werden, die der archäologischen Wissenschaft, der archäologischen Denkmalpflege, dem Kulturgüter- und Kulturlandschaftsschutz oder den archäologierelevanten Rechts- und Umweltwissenschaften einen wichtigen Impuls geben. Die eingereichte Arbeit soll auf Grundlage eines findigen interdisziplinären Ansatzes oder einer besonderen Vernetzung oder eines unorthodoxen Forschungskonzeptes oder eines innovativen Einsatzes neuer Medien oder technischer Anwendungen erfolgt sein. Die DGUF kann auch hochschulpolitische Aktivitäten auszeichnen, die der Verbesserungen der archäologischen Studiengänge oder der allgemeinen Studienbedingungen dienen. Die ausgezeichnete Studienleistung kann in eine Publikation in einer der DGUF-Schriften münden. Wir unterstützen dies durch ein bis zu vierstündiges Publikationscoaching durch einen der Herausgeber bzw. Redakteure der DGUF‐Schriften, das der Preisträgerin bzw. dem Preisträger bei Bedarf hilft, der Arbeit den letzten Schliff zu geben. Die viele Zeit und der große Aufwand, der in die Erstellung der prämierten Arbeit geflossen ist, können sich für den Preisträger also besonders lohnen, wenn die Arbeit einer wissenschaftlichen Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Eine Veröffentlichung trägt zudem dazu bei, für den am Anfang seiner Karriere stehenden Preisträger eine fachliche Reputation aufzubauen. Der Preis ist ansonsten undotiert. Vorschläge können durch Studierende und Dozenten einer deutschen Hochschule oder Mitglieder einer deutschen archäologischen Gesellschaft eingereicht werden. Der Einreichungszeitraum beginnt am 18.11.2019 und endet am 31.1.2020.

http://www.dguf.de/studienpreis.html

"Ich könnte mir gut vorstellen, es wieder zu versuchen". Interview mit Clemens Schmid, Preisträger 2019 des Deutschen Studienpreises der DGUF (DGUF.de, Nov.2019): https://www.dguf.de/497.html

 

1.6        Unter den DGUF-Rezensionsangeboten: Patrick Nagy et al.: Archäologie in Rheinau und Altenburg: Prospektionen im schweizerisch-deutschen Grenzgebiet

Unter den zahlreichen Bänden, welche die Herausgeber der "Archäologischen Informationen" zur Rezension ausschreiben, sei diesmal eine Monographie der Kantonsarchäologie Zürich hervorgehoben: "Archäologie in Rheinau und Altenburg: Prospektionen im schweizerisch-deutschen Grenzgebiet" von Patrick Nagy et al. Aus dem Klappentext: "Bei diesem grenzüberschreitenden Projekt wurden ausser der Luftbildprospektion weitere archäologische Prospektionsmethoden wie Magnetik, Georadar, Elektrik, Seismik, Metalldetektor, Tauchprospektion und Archivrecherche als aussagekräftige Quellengattungen herangezogen. Damit gelang es dem interdisziplinär arbeitenden Autorenteam, ein ausgesprochen detailliertes und farbiges Bild der urgeschichtlichen bis neuzeitlichen Archäologie vom Kerngebiet und von dessen naturräumlich definiertem Umland zu entwerfen. Exemplarisch erfolgt anhand von fünf Orten die Verknüpfung der auf Luftbildern dokumentierten Befunde mit archäologischen Sondiergrabungen, wobei in einigen Fällen sogar die Zuordnung zu in schriftlichen Quellen erwähnten Wüstungen gelingt. Ein Schwerpunkt der Auswertung lag naturgemäss auf der spätlatènezeitlichen Besiedlung und den entsprechenden Fundgattungen (Fibeln und Münzen). Dabei konnten neue relativ- bzw. feinchronologische Ergebnisse erzielt werden, gerade hinsichtlich der Kontinuität zwischen der spätlatènezeitlichen und der römischen Besiedlungsphase." Wenn Sie Interesse an einer Rezension haben, richten Sie bitte Ihre Anfrage mit Ihrer vollständige Postanschrift sowie einer kurzen Begründung, weshalb Sie dieses Werk besprechen wollen, an: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.

Alle Rezensionsangebote der "Archäologischen Informationen" mit weiteren Informationen zu Modalitäten und Ablauf: http://www.dguf.de/fileadmin/user_upload/publikationen/AI/DGUF-Dok_Arch-Inf_Rezensionsangebote.pdf

 

2         Tagungen und Veranstaltungen

2.1        XIX. Kongress der UISPP (Meknes, Marokko, 1.-6.9.)

Die Entwicklung der menschlichen Gesellschaften in der Vorgeschichte ist das Oberthema des Kongresses, den die UISPP, die Internationale Union der Ur- und Frühgeschichtlichen Wissenschaften, in Marokko und damit zum ersten Mal in Afrika organisiert. Online findet sich das Programm in ersten Zügen, auch Details zu Exkursionen, zur Unterkunft etc. sind ersichtlich - auf der stellenweise recht archaisch wirkenden Website ist manches allerdings schwer zu finden, z. B. als unauffällig verlinkte Excel-Tabelle. Für die Teilnahme an der Tagung ist die Mitgliedschaft in der UISPP verpflichtend.

https://uispp2020.sciencesconf.org/

 

2.2        "Museums and the Internet" (München, 11.-12.5.; CfP bis 10.1.)

Die kommende MAI-Tagung hat als "möglichen Schwerpunkt", so die Veranstalter, das Thema "Digitale Nachhaltigkeit". Dies könne u. a. folgende Aspekte berühren: Wie lange sind Apps in den Stores verfügbar, wo liegen Alternativen der mobilen Information? Wie dauerhaft oder modular sind Social-Media-Kampagnen angelegt? Wie zukunftssicher und agil sind Digitale Strategien? Wie offen und dauerhaft verfügbar sind digitale Objektdaten? etc. Weitere wünschenswerte Themenbereiche seien u.a.: Digitale Sammlungsrepräsentationen online, Projekte an der Schnittstelle Museen und Schule, Kooperationen von Kulturerbe-Einrichtungen mit Universitäten, Fachhochschulen und anderen Forschungsinstitutionen und Serious-Games, Online-Videos sowie Online-Publishing. Der CfP lädt bis 10.1. zu Vorträgen, Kurzvorträgen, Postern und Workshops ein.

https://mai-tagung.lvr.de/de/startseite.html

 

3         Forschung

3.1        Neu im Early View der "Archäologischen Informationen"

Lorenzon, M. (2019). Review of: Brysbaert, A., Klinkenberg, V., Gutiérrez Garcia-M., A. & Vikatou, I. (eds.) (2018). Constructing monuments, perceiving monumentality and the economics of building. Theoretical and methodological approaches to the built environment. Leiden: Sidestone Press. Archäologische Informationen 42, Early view, published online 5 Nov. 2019.

Antolín, F. (2019). Review of: Lesnik, J. J. (2018). Edible insects and human evolution. Gainesville, FL: University Press of Florida. Archäologische Informationen 42, Early View, published online 4 Nov 2019.

Päffgen, B. & Pflederer, T. (2019). Tagungsbericht "Unterwasserarchäologie in Bayern", Bernried am Starnberger See, 13.-14.7.2019. Archäologische Informationen 42, Early View, online publiziert 28. Okt. 2019.

Halle, U., Hähn, C., Krause, S., Krause-Kyora, B., Nothnagel, M., Drichel, M. & Wahl, J. (2019). Die Unsichtbaren. Menschen mit Trisomie 21 in Archäologie und Anthropologie. Archäologische Informationen 42, Early View, online publiziert 24. Okt. 2019.

Grund, M. (2019). Rezension zu: Krätschmer, M., Thode, K. & Vossler-Wolf, C. (Hrsg.) (2018). Klöster und ihre Ressourcen. Räume und Reformen monastischer Gemeinschaften im Mittelalter. (RessourcenKulturen, 7). Tübingen: Tübingen Library Publishing. Archäologische Informationen 42, Early View, online publiziert 23. Okt. 2019.

Gronenborn, D. (2019). Rezension zu: Hayden, B. (2018). The Power of Ritual in Prehistory: Secret Societies and Origins of Social Complexity. Cambridge: Cambridge University Press. Archäologische Informationen 42, Early View, online publiziert 22. Okt. 2019.

Schneider, J. (2019). Review of: Bernbeck, R., Hofmann, K. P. & Sommer, U. (eds.) (2017). Between Memory Sites and Memory Networks. New Archaeological and Historical Perspectives. Berlin: Edition Topoi. Archäologische Informationen 42, Early View, published online 16. Oct. 2019.

Lüning, J. (2019). Rezension zu: Stadler, P. & Kotova, N. S. (2019). Early Neolithic Settlement Brunn am Gebirge, Wolfholz, Site 2 in Lower Austria and the Origin of the Western Linear Pottery Culture (LPC). Vol. 1a-b. (Beiträge zur Ur- und Frühgeschichte Mitteleuropas, 88). Langenweissbach: Beier & Beran. Archäologische Informationen 42, Early View, online publiziert 15. Okt. 2019.

Bentsen, S. E. (2019). Review of: Hamilakis, Y. (ed.) (2018). The New Nomadic Age: Archaeologies of forced and undocumented migration. Sheffield: Equinox. Archäologische Informationen 42, Early View, published online 14 Oct. 2019.

Rauhaus-Höpfer, J. & Rotermund, S.-M. (2019). Archäologie zwischen Studium und Berufseinstieg: die ökonomische Seite der üblichen Wege. Archäologische Informationen 42, Early View, online publiziert 9. Okt. 2019.

Bynoe, R. (2019). Review of: Monteleone, K. R. B. (2019). Uncovering submerged landscapes: Towards a GIS method for locating submerged archaeology in southeast Alaska (British Archaeological Reports Int. Series, 2917). Oxford: BAR. Archäologische Informationen 42, Early View, published online 8 Oct 2019.

Richter, Th. (2019). Rezension zu: Cziesla, E. (2015). Grenzen im Wald. Stabilität und Kontinuität während des Mesolithikums in der Mitte Europas. (Berliner Archäologische Forschungen, 15). Rahden /Westf.: Leidorf. Archäologische Informationen 42, Early View, online publiziert 7. Okt. 2019.

http://www.dguf.de/earlyview.html

 

3.2        Aktuelle Ausgrabungen und Forschung in den Medien

"New palaeoecological record from the tropical environments of coastal eastern Africa provides insights into early human adaptations" (Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte, 4.11.): https://www.shh.mpg.de/1541217/palaeoecological-record-eastern-africa

"The last Neanderthal necklace. Found for the first time in the Peninsula an ornament with eagle talons from the Neanderthal Period" (University of Barcelona, 1.11.): https://www.eurekalert.org/pub_releases/2019-11/uob-tln103119.php

"How the Aztecs could improve modern urban farming. Chinampas: An old technique might provide new solutions to sustainable urban agriculture" (American Society for Horticultural Science, 1.11.): https://www.eurekalert.org/pub_releases/2019-11/asfh-hta110119.php

"Neue Erkenntnisse über Ötzis letzte Reise" (Universität Innsbruck, 31.10.): https://www.uibk.ac.at/newsroom/gletschermumie-oetzi-neue-erkenntnisse-ueber-seine-letzte-reise.html.de und "Alongside Ötzi the Iceman: a bounty of ancient mosses and liverworts. Frozen flora holds clues to the ancient Alps ecosystem and to the Iceman's final journey" (PLOS, 30.10.): https://www.eurekalert.org/pub_releases/2019-10/p-at102419.php

"11,000-year-old ancient temple found in eastern Turkey. Dating from Neolithic period, temple is similar to Göbeklitepe, oldest temple in the world, says archaeologist" (Yeni Şafak, 31.10.): https://www.yenisafak.com/en/news/11000-year-old-ancient-temple-found-in-eastern-turkey-3504172

"Ground penetrating radar reveals why ancient Cambodian capital was moved to Angkor. Ancient spillway Cambodia reveals structure built for water storage failed and forced Cambodian Kings to relocate capital" (Flinders University, 31.10.): https://www.eurekalert.org/pub_releases/2019-10/fu-gpr103119.php

"Wikingerfrauen standen Männern kaum nach. Forscher der Universität Tübingen werten Gesundheitsdaten in ländlichen Regionen Skandinaviens seit dem späten 8. Jahrhundert als Hinweis auf relativ günstige Stellung der Frauen" (Universität Tübingen, 30.10.): https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/newsfullview-pressemitteilungen/article/wikingerfrauen-standen-maennern-kaum-nach/?tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&cHash=ccb73d174204dcc31b8da01f55817126

"Karolingerzeitliches Grenzkastell bei Magdeburg lokalisiert" (Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen Anhalt, 30.10.): https://www.lda-lsa.de/aktuelles/meldung/datum/2019/10/30/karolingerzeitliches_grenzkastell_bei_magdeburg_lokalisiert/

"Human activities boosted global soil erosion already 4,000 years ago. European and Canadian researchers join efforts to record changes of soil erosion over time" (INRS, 29.10.): https://www.eurekalert.org/pub_releases/2019-10/indl-hab102919.php

Wales: "Great Orme copper mine 'traded widely in Bronze Age'" (BBC, 29.10.): https://www.bbc.com/news/uk-wales-50213846

"Dating questions challenge whether Neandertals drew Spanish cave art. The dating method may have overestimated ages of the rock drawings by thousands of years" (Science News, 28.10.): https://www.sciencenews.org/article/dating-questions-challenge-whether-neandertals-drew-spanish-cave-art

"Science reveals improvements in Roman building techniques. A variety of scientific techniques combined to highlight improvements in the technologies employed by the Romans in successive modifications to the Atrium Vestae in Rome" (Springer, 25.10.): https://www.eurekalert.org/pub_releases/2019-10/s-sri102519.php

"New study on early human fire acquisition squelches debate. Evidence shows ability to create fire happened earlier than originally thought" (University of Connecticut, 25.10.): https://www.eurekalert.org/pub_releases/2019-10/uoc-nso102519.php

"Archäologie in Baden-Württemberg: Hobbyarchäologe findet 15 000 Jahre alte Frauenfigur" (Stuttgarter Zeitung, 24.10.): https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.archaeologie-in-baden-wuerttemberg-hobbyarchaeologe-findet-15-000-jahre-alte-frauenfigur.92c870c1-14af-433f-ace3-24677a5c763b.html

"Strong winter dust storms may have caused the collapse of the Akkadian Empire" (Hokkaido University, 24.10.): https://www.eurekalert.org/pub_releases/2019-10/hu-sw102419.php

"Heuneburg early Celts across classes may have drunk Mediterranean wine in local ceramics" (PLOS, 23.10.): https://www.eurekalert.org/pub_releases/2019-10/p-hec101619.php

Mainz-Kastel: "Römervilla bei Grabungen am Petersweg entdeckt" (Merkurist, 23.10.): https://merkurist.de/mainz/im-gewerbegebiet-roemervilla-bei-grabungen-am-petersweg-entdeckt_CyB

"Archäologen machen außergewöhnlichen Keltenfund an der Elbe. Bei einer Grabung bei Pirna-Pratzschwitz haben Archäologen einzigartige keltische Schmuckstücke entdeckt. Die Funde sind rund 2500 Jahre alt" (Dresdner Neueste Nachrichten, 21.10.): https://www.dnn.de/Dresden/Lokales/Archaeologen-machen-aussergewoehnlichen-Keltenfund-an-der-Elbe

"Lead pollution from Native Americans attributed to crushing galena for glitter paint. A new study of Native American use of galena increases understanding of how they were using the land and its resources" (Indiana University-Purdue University Indianapolis School of Science, 21.10.): https://www.eurekalert.org/pub_releases/2019-10/iuui-lpf102119.php

"Neanderthal 'glue' points to complex thinking" (BBC, 21.10.): https://www.bbc.com/news/science-environment-50131120

"Die Siedler von der Knochenbucht. In Nordmazedonien suchen Archäologen nach Spuren der ersten Bauern Europas. Am Grund eines Sees stehen Zehntausende Holzpfähle aus der Jungsteinzeit, die nun erforscht werden" (Spiegel, 20.10.): https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/nordmazedonien-archaeologen-erforschen-europas-erste-bauern-a-1280678.html

"Lifestyle is a threat to gut bacteria: Ötzi proves it. A study that was published today in Cell Host & Microbe explored for the first time the variation and evolution of Prevotella copri, a common human gut microbe" (Università di Trento, 18.10.): https://www.eurekalert.org/pub_releases/2019-10/udt-lia101819.php

"Hoch hinaus in der Bronzezeit Zentralbosniens. In Zenica wurden zwei befestigte Höhensiedlungen mitsamt Grabhügeln ausgegraben und untersucht" (Der Standard, 17.10.): https://www.derstandard.at/story/2000109946934/hoch-hinaus-in-der-bronzezeit-zentralbosniens

"Neues aus der Jungsteinzeit bei Ammerbuch-Pfäffingen. Archäologische Ausgrabungen bei Ammerbuch-Pfäffingen bringen Gräben und Bestattungen aus dem 6. Jahrtausend vor Christus ans Licht" (Reutlinger General-Anzeiger, 17.10.): https://www.gea.de/neckar-alb/kreis-tuebingen_artikel,-neues-aus-der-jungsteinzeit-bei-ammerbuch-pf%C3%A4ffingen-_arid,6174205.html und "Die Perlen-Frau von Ammerbuch. Sie lebte vor mehr als 7000 Jahren: Archäologen sind in Baden-Württemberg auf das Grab einer Frau gestoßen. Ihr Schmuck verrät, woher die ersten Bauern nach Süddeutschland kamen" (Spiegel, 17.10.): https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/ammerbuch-grab-aus-der-steinzeit-verraet-herkunft-der-ersten-bauern-a-1291715.html

"Hofstelle aus der Eisenzeit auf Höinger Neubaugebiet entdeckt" (Soester Anzeiger, 17.10.): https://www.soester-anzeiger.de/lokales/werl/hofstelle-eisenzeit-hoeinger-neubaugebiet-ense-entdeckt-13122368.html

"War der erste Mensch ein Europäer?" (SRF, 17.10.): https://www.srf.ch/play/tv/einstein/video/war-der-erste-mensch-ein-europaeer?id=1ae1d11c-be38-4f4c-810a-1dd0d7d5ce9e

Naxos: "Scientists find early humans moved through Mediterranean earlier than believed" (McMaster University, 16.10.): https://www.eurekalert.org/pub_releases/2019-10/mu-sfe_1101519.php

"A secret in saliva: Food and germs helped humans evolve into unique member of great apes. Researchers say human and primate saliva 'could be overlooked hotbeds of evolutionary activity'" (University at Buffalo, 16.10.): https://www.eurekalert.org/pub_releases/2019-10/uab-asi101619.php

"Hirn und Schädel entwickelten sich unabhängig voneinander" (Universität Zürich, 15.10.): https://idw-online.de/de/news725255

Tollensetal: "Forschungsteam entdeckt Besitz eines Kriegers auf einmaligem bronzezeitlichem Schlachtfeld" (Universität Göttingen, 15.10.): http://www.uni-goettingen.de/de/3240.html?id=5647

Sima de los Huesos: "Study 'cures' oldest case of deafness in human evolution" (Binghamton University, 15.10.): https://www.eurekalert.org/pub_releases/2019-10/bu-so101419.php

"Discovered: Unknown yellow colors from antiquity. Antique artefacts have been studied by chemists, revealing a hitherto unknown use of yellow in Ancient Egypt (University of Southern Denmark, 15.10.): https://www.eurekalert.org/pub_releases/2019-10/uosd-duy101519.php

"Cachette of sealed coffins discovered in necropolis on Luxor's West Bank. The find includes more than 20 painted wooden coffins" (Ahram Online, 15.10.): http://english.ahram.org.eg/NewsContent/9/40/352875/Heritage/Ancient-Egypt/Cachette-of-sealed-coffins-discovered-in-necropoli.aspx

"Świętokrzyskie: Over 20 Graves Discovered in Neolithic Cemetery" (Science in Poland, 11.10.): http://scienceinpoland.pap.pl/en/news/news%2C78968%2Cswietokrzyskieover-20-graves-discovered-neolithic-cemetery.html

"Private property, not productivity, precipitated Neolithic agricultural revolution" (Santa Fe Institute, 11.10.): https://www.eurekalert.org/pub_releases/2019-10/sfi-ppn101119.php

Schottland: "Airborne laser scan reveals Arran's 1,000 ancient sites" (BBC, 10.10.): https://www.bbc.com/news/uk-scotland-glasgow-west-49989351

"Soziale Ungleichheit in bronzezeitlichen Haushalten. Archäogenetische Analysen ermöglichen neue Einblicke in soziale Ungleichheit vor 4000 Jahren: Wohlhabende Familien lebten mit zugezogenen Frauen und sozial niedriger gestellten Personen im selben Haushalt zusammen" (Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte, 10.10.): https://www.shh.mpg.de/1508081/social-inequality-bronze-age

"Surveying Solar Storms by Ancient Assyrian Astronomers" (University of Tsukuba, 10.10.): http://www.tsukuba.ac.jp/en/research-list/p201910160935

Wales: "History unearthed: Dig reveals 6,000-year-old quarry at St Dyfnog's Well" (BBC, 9.10.): https://www.bbc.com/news/uk-wales-49986572

"DNA study sheds new light on the people of the Neolithic battle axe culture" (Uppsala University, 9.10.): https://www.eurekalert.org/pub_releases/2019-10/uu-dss100919.php

"Die armen Ochsen. Simon Trixl und seine Kollegen vom Institut für Paläoanatomie der LMU sind bei Ausgrabungen rund um Kirchheim auf interessante Funde gestoßen. Diese lassen Rückschlüsse auf einen nicht eben zimperlichen Umgang mit Tieren zu" (Süddeutsche, 9.10.): https://www.sueddeutsche.de/muenchen/landkreismuenchen/archaeologie-die-armen-ochsen-1.4634073

"Study finds prehistoric humans ate bone marrow like canned soup 400,000 years ago. Bone and skin preserved the nutritious marrow for later consumption" (American Friends of Tel Aviv University, 9.10.): https://www.eurekalert.org/pub_releases/2019-10/afot-sfp100819.php

"Une nécropole romaine exceptionnelle découverte à Narbonne. Le site, qui, en termes de conservation, n’a pas d’équivalent en France, pourrait contenir jusqu’à 1 100 sépultures datant du Ier au IIIe siècle" (Le Monde, 8.10.): https://www.lemonde.fr/sciences/article/2019/10/08/decouverte-d-une-necropole-romaine-exceptionnelle-a-narbonne_6014638_1650684.html

"Early hunter-gatherers interacted much sooner than previously believed" (Binghampton University, 7.10.): https://www.eurekalert.org/pub_releases/2019-10/bu-ehi100719.php

"Early humans evolved in ecosystems unlike any found today" (University of Utah, 7.10.): https://www.eurekalert.org/pub_releases/2019-10/uou-ehe100219.php

Saudi-Arabien: "Al-Ula : un corridor aux 7 000 ans d’histoire" (Le Monde, 7.10.): https://www.lemonde.fr/sciences/article/2019/10/07/al-ula-un-corridor-aux-7-000-ans-d-histoire_6014561_1650684.html

En Esur: "‘New York der Frühbronzezeit‘ - Antike Metropole in Israel entdeckt" (Spiegel, 7.10.): https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/israel-antike-metropole-in-israel-entdeckt-a-1290269.html

Herculaneum: "Synchrotronstrahlung - Wie Forscher diese verkohlten Schriftrollen nach 2000 Jahren entziffern wollen" (Spiegel, 6.10.): https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/pompeji-teilchenbeschleuniger-soll-verkohlte-schriftrollen-entziffern-a-1290195.html

Bremen/Römische Kaiserzeit: "Archäologen finden Grubenhäuser in Arbergen" (Weser-Kurier, 5.10.): https://www.weser-kurier.de/bremen/bremen-stadt_artikel,-archaeologen-finden-grubenhaeuser-in-arbergen-_arid,1865531.html

Estland: "Another Saaremaa archaeological haul includes viking-era silver coins" (ERR, 5.10.): https://news.err.ee/988737/another-saaremaa-archaeological-haul-includes-viking-era-silver-coins

 

3.3        Archäologische Suche nach vermuteten Hohlräumen im Konzentrationslager Buchenwald

Auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers Buchenwald haben Ende September archäologische Ausgrabungen des Thüringer Landesamts für Denkmalpflege und Archäologie begonnen. Gesucht wird nach Hohlräumen, die mutmaßlich Anfang 1945 von Häftlingen gegraben werden mussten – drei wurden bisher entdeckt. Ziel ist, weitere Erkenntnisse über die bauliche Anlage des KZs zu gewinnen. Der MDR, dessen jahrelange Recherchen den jetzigen Untersuchungen vorausgingen, begleitet die Grabungen in seinen Programmen und einem umfangreichen Online-Special.

https://www.mdr.de/thueringen/th-thema-buchenwald-100~amp.html

 

3.4        Archäologische Belege für Trisomie 21: Anfangsverdacht nicht bestätigt - und dennoch wertvoll

Die Ausstellung "Touchdown. Eine Ausstellung mit und über Menschen mit Down-Syndrom" in Bremen und Bonn 2016/17 war Anlass für die Frage, ob es auch archäologische Belege für Trisomie 21 gebe. Da mit dem Down-Syndrom auch Veränderungen am Schädel einhergehen, wurde gelegentlich ein entsprechender Verdacht aufgrund der Morphologie von Schädeln aus archäologischem Kontext geäußert. Eine systematische Literaturrecherche spülte sieben Verdachtsfälle hervor, von denen im Aufsatz eines interdisziplinären Teams um die bremische Landesarchäologin Uta Halle fünf Fälle genauer untersucht und vorgestellt werden. An zwei besonders klar erscheinenden Fällen, den Individuen aus Neresheim Grab 85 und Tauberbischofsheim-Impfingen Grab 99, wurden aDNA-Untersuchungen vorgenommen. Mit klarem Negativbefund: die Verdreifachung des Chromosoms 21 konnte nicht nachgewiesen werden. Folglich wird man nun für alle bekannten Verdachtsfälle erwägen müssen, ob die beobachteten Schädelanomalien nicht andere Ursachen haben könnten. Vor allem aber erinnert die Studie an "die Unsichtbaren" - an Menschen mit Besonderheiten, die im archäologischen Befund unerkannt verborgen bleiben.

Halle, U., Hähn, C., Krause, S., Krause-Kyora, B., Nothnagel, M., Drichel, M. & Wahl, J. (2019). Die Unsichtbaren. Menschen mit Trisomie 21 in Archäologie und Anthropologie. Archäologische Informationen 42, Early View, online publiziert 24. Okt. 2019. https://www.dguf.de/fileadmin/AI/ArchInf-EV_Halle_etal.pdf

 

3.5        Ungewöhnlich normal: Eisenzeitliche Siedlung am Black Loch of Myrton (Südwest-Schottland)

Dank Feuchtbodenerhaltung ist es am Black Loch of Myrton gelungen, eisenzeitliche Rundhäuser samt zugehörigen Wegen und vielen, teils herausragenden Artefakten freizulegen. Trotzdem argumentieren die Ausgräber, dass hier zwar die Erhaltung einzigartig ist, nicht aber die Siedlung selbst - sie spiegle eher "ganz normale" Verhaltensweisen der eisenzeitlichen Briten, die uns sonst verborgen bleiben. Klar ersichtlich sind etwa die Anstrengungen der Bewohner, ihre Fußböden trocken zu halten. Und nicht jeder legte wohl gleichen Wert auf saubere Wohnräume ... Dies und vieles mehr gibt es in der neuen Ausgabe von PAST, dem Newsletter der Prehistoric Society genauer und frei zugänglich nachzulesen.

http://www.prehistoricsociety.org/publications/publication/past_93_autumn_2019/

 

3.6        Aufsatz in "Nature" behauptet zu wissen, wo genau in Afrika moderne Menschen entstanden

"Eva lebte im nördlichen Botswana" lautet kurz zusammengefasst die These eines vorwiegend aus südafrikanischen Forschern bestehenden Teams von DNA-Spezialisten, die am 28.10. in einem Aufsatz in der Fachzeitschrift "Nature" veröffentlicht wurde. Es geht um die Herkunft des modernen Menschen, Homo sapiens, der nach Ansicht der Autoren vor ca. 200.000 Jahren erstmals auftrat (vgl. hingegen Homo sapiens vom Jebel Irhoud, ca. 300.000 v. Heute). Dazu hat das Forscherteam die nur über die Mütter weitergegebene mitochondriale DNA von Khoi-San untersucht (genauer: die LO-Linie) und die eigene, 198 rezente Individuen umfassende Stichprobe um alle bis anhin publizierten rezenten mtDNA-Daten aus Afrika bereichert, insges. 1.217 Individuen. Darüber hinaus nahmen sie Umweltanalysen vor, d. h. versuchten zu erschließen, wie die Umwelten auf dem afrikanischen Kontinent vor ca. 200.000 Jahren aussahen und welche Lebensbedingungen sie für Hominiden boten. Demnach komme als Lebenszeit von Eva ca. 200.000 vor Heute (Spanne 240.000-165.000 vor Heute) und als ihr Lebensraum vor allem eine Region im heutigen nördlichen Botswana in Frage, südlich des Sambesi. Dort hätten die ersten Homo sapiens um einen riesigen (heute gänzlich verschwundenen) See herum unter für sie günstigen Bedingungen gelebt. Erst eine Feuchtphase vor 130.000 - 110.000 Jahren habe zusätzliche neue Lebensräume über die Seeränder hinaus entstehen lassen, die von Homo sapiens als Korridore genutzt worden seien und zur Migration u. a. Richtung Norden führten. Der Aufsatz fand naheliegenderweise rasche Resonanz auch in der Tagespresse. Doch die Expertenwelt zweifelt, wie u. a. von Ann Gibbons (Autorin von "The First Human. The Race to Discover Our Earliest Ancestors", 2007) für das Science Magazine gesammelte Äußerungen belegen: Andere Paläogenetiker lehnen rezente DNA resp. mtDNA als vertrauenswürdige Basis für Aussagen über eine so lange zurückliegende Zeit ab: es habe seitdem einfach zu viele Wanderungen gegeben, als dass verlässliche Rückprojektionen möglich seien. In "The Conversation" meint die Zoologin Isabelle Catherine Winder, der methodische Ansatz stimme nicht: Am Anfang stünde ein sehr breiter Genpool, alle heutigen Zweige hingegen - wie eben auch die angeführten Khoi-San - böten nur eine Selektion dieses Genpools, von dem ausgehend ein Rückwärtsrekonstruieren nicht möglich sei. Versuchte man, zusätzlich zur mütterlichen DNA auch die Studien anhand der Y-Chromosomen zu sichten, ergäbe sich derzeit ein anderes Bild. Die mitochondriale Eva und der Y-chromosomale Adam seien einander erst von ca. 100.000 Jahren begegnet. Zudem habe die Studie den Beitrag anderer Hominiden wie etwa Neandertalern oder Denisova-Menschen zum heutigen Genpool nicht berücksichtigt. - Schön, dass eine viel gestellte Frage weiterhin offen ist.

Chan, E. K. F., Timmermann, A., Baldi, B. F., Moore, A. E., Lyons, R. J., Lee, S.-S. et al. (2019). Human origins in a southern African palaeo-wetland and first migrations. Nature (2019) doi:10.1038/s41586-019-1714-1: https://www.nature.com/articles/s41586-019-1714-1

"Genetische Hinweise: Stand die Wiege der modernen Menschheit in Botswana?" (Der Standard, 28.10.): https://www.derstandard.at/story/2000110418856/stand-die-wiege-des-modernen-menschheit-in-botswana

Ann Gibbons: "Experts question study claiming to pinpoint birthplace of all humans" (Science Magazine, 28.10.): https://www.sciencemag.org/news/2019/10/experts-question-study-claiming-pinpoint-birthplace-all-humans

Isabelle Catherine Winder: "Botswana is humanity’s ancestral home, claims major study – well, actually …" (The Conversation, 31.10.): https://theconversation.com/botswana-is-humanitys-ancestral-home-claims-major-study-well-actually-126130

"Homo sapiens sapiens: Forscher wollen Wiege des modernen Menschen entdeckt haben" (Spiegel online, 28.10.): https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/homo-sapiens-forscher-haben-wiege-des-modernen-menschen-gefunden-a-1293804.html

 

3.7        Neue Perspektive auf Ernährung und die menschliche Evolution: Insekten

Julie J. Lesnik hat sich mit einem Thema beschäftigt, das zumindest bei manchen Lesern des DGUF-Newsletters eher ein "igitt" auslösen könnte als interessierte Zuwendung: essbare Insekten. Wie Ferran Antolín, Prof. für Archäobotanik an der Universität Basel, in seiner Rezension ihres Buchs "Edible insects and human evolution" zusammenfassend nachzeichnet, vertritt Lesnik begründet die These, dass Insekten ein wichtiger Bestandteil der Ernährungsstrategien früher Menschen waren. Sie liefern wertvolle Nahrungsbestandteile, die uns von Pflanzen und Früchten nicht oder deutlich weniger gegeben werden, Insekten können aber gesammelt werden. Akzeptiert man die Arbeitsteilung, nach der Frauen mit Kleinkindern nur schwer auf Jagd gehen können, ergibt sich das traditionelle Bild: Frau = Sammlerin, Mann = Jäger, bisher verbunden mit der These, dass Fett und Proteine vor allem von Männern in die Gruppe eingetragen wurden. Genau hier bricht nun Lesnik das traditionelle Bild, denn ihres Erachtens - gestützt durch ethnographische Parallelen - bot das Sammeln von Insekten eben eine Frauen sehr wohl mögliche Option, ebenfalls zum Thema Proteine und Fett beizutragen. Ja, die Sache mit den Nachweisen für diesen spannenden Gedanken ist gewiss ein Problem in unserer archäologischen Überlieferung. Gleichwie, der Rezensent fasst seine Einordnung wie folgt zusammen: "Did insects make us human? Lesnik connects the important role of women in daily survival through intensive gathering with the harvesting of insects (rich in proteins and fats), thus suggesting their stra­tegic contribution to human evolution." Eine Rezension, die den Inhalt und den methodischen Ansatz des Buches kurz und prägnant herausarbeitet, und eine Studie, die ganz neu auf das Thema "Ernährung und die menschliche Evolution" blicken lässt.

Antolín, F. (2019). Review of: Lesnik, J. J. (2018). Edible insects and human evolution. Gainesville, FL: University Press of Florida. Archäologische Informationen 42, Early View, published online 4 Nov 2019. https://www.dguf.de/fileadmin/AI/ArchInf-EV_Antolin.pdf

"How to Develop an Appetite for Insects. Scientists who study bugs are thinking harder about how to turn them into good food" (The New York Times, 26.9.): https://www.nytimes.com/2019/09/26/science/eating-insects-entomophagy.html

 

3.8        "Kurz, konzis und qualitativ hochstehend": Bericht vom Kolloquium über die Hand von Prêles (Bern, 30.10.)

Am 30.10. fand in Bern die vom Archäologischen Dienst des Kantons Bern (ADB) organisierte Table Ronde zur Bronzehand von Prêles statt. Der erste Teil der Veranstaltung ("Stand der Forschung") wurde von vier Vorträgen bestritten, wobei die Entdeckungsumstände und die Dokumentation sowie die vom Sensationsfund ausgelösten und bis heute andauernden Ausgrabungsarbeiten in Prêles (A. Schaer & S. Brechbühl, ADB), die metallografischen Untersuchungen (B. Beck, Univ. de Lausanne, M. Senn, EMPA & F. Cattin, Univ. de Bourgogne), sowie der regionale archäologische Kontext der Hand (A. Hafner & A. Ballmer, Univ. Bern) thematisiert wurden. Ein sozialanthropologischer Exkurs zur gesellschaftlichen Bedeutung der Hand, insbesondere der rechten (H. Znoj, Univ. Bern) rundete die Vorträge ab.Neben der Bedeutung kritisch angewandter Radiokarbondatierung (mit neuen Messungen, welche die bislang publizierten Daten revidieren und dabei eine konsistente, außerordentliche Präzision erreichen: 1507–1432 calBC; S. Szidat, Univ. Bern), beeindruckte die bereits fortgeschrittene, umfängliche Untersuchung zur Herkunft der Metalle (mögliche Herkunft des Golds ist Irland, die des Zinns Frankreich). Während Bedeutung und Funktion der Hand bis auf Weiteres im Dunkeln bleiben, wurde deutlich, dass eine differenzierte Auseinandersetzung mit der Entwicklung der regionalen Bestattungspraktiken für das Verständnis des Befunds von Prêles durchaus weiterbringend ist. Moderiert von M.-A. Haldimann (Univ. Bern) diskutierten im zweiten Teil A. Schaer (ADB), A. Hafner (Univ. Bern), H. Meller (Landesdenkmalamt Sachsen-Anhalt), K. Schmid-Ott (Schweiz. Nationalmuseum Zürich) und H. Znoj (Univ. Bern) über den gesellschaftlichen, musealen und wissenschaftlichen Wert des außergewöhnlichen Objekts. Dabei wurde in der Abwägung von Fluch und Segen deutlich, dass die Hand – soviel Unruhe in der Verwaltung und Konservierung sie auch auslösen mag – gleichzeitig als ein ideales Medium zur Kommunikation von Wissenschaft und Denkmalschutz dienen kann. Der gutbesuchte Anlass im Kuppelsaal des Universitäts-Hauptgebäudes bestach durch einen kurzen, konzisen und qualitativ hochstehenden Überblick zum status quo der Untersuchungen, inklusive konkreten Aussagen zum Forschungspotenzial – dies ganz ohne Abschweifungen und unnötige Polemik. Die Podiumsdiskussion zeichnete sich durch hoch engagierte Rednerinnen und Redner aus, die trotz Meinungsvielfalt und Perspektivendivergenzen einen intelligenten, pragmatischen Gedankenaustausch zur Problematik vorführten. Ab 15.11. kann die Bronzehand von Prêles in Halle besichtigt werden (siehe dieser Newsletter Punkt 9.3.)

 

4         Archäoinformatik

4.1        Hadley Wickham (2020): "Mastering Shiny" - als offene Vorabversion

"Shiny" - das ist R im Webinterface, aktuell eine hippe, zukunftsweisende R-Komponente. Mit ihr lassen sich Datenerfassungen und -auswertungen ins Netz legen, interaktiv machen und auch arbeitsteilig. Wer stöbert und Demos anschaut, denkt "haben wollen" oder richtiger "auch können wollen". Doch so geschmeidig die Demos ausschauen, so schwierig ist der Anfang. Da sind gute Einführungen willkommen. Hadley Wickham ist ein Name in der R-Szene, verbunden mit allem, was derzeit als modern gilt: RStudio, ggplot2 und das Tidyverse, und er ist bekannt für seine Lehrbücher. Im Oktober hat Wickham sein neues Buchprojekt online gestellt: Mastering Shiny. Es soll Ende 2020 auch als gedrucktes Buch erscheinen, bis dahin können Interessierte die bereits fertigen Teile kostenlos nutzen. Wickham bezeichnet den aktuellen Status als "currently under early development". Aber Kapitel wie "Your first Shiny app" stehen schon zur Verfügung und laden zum Ausprobieren ein.

Hadley Wickham, Mastering Shiny: https://mastering-shiny.org/index.html

Shiny (Website): https://shiny.rstudio.com/

 

5         Kulturgutschutz

5.1        Aktuelles rund um Kulturgutschutz in den Medien

"Archäologie: Gefährliche Buddelei" (Spiegel, 2.11.): https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/archaeologie-in-deutschland-sondengaenger-auf-beutezug-a-1293897.html

"Eine neue Phase im syrischen Bürgerkrieg (Kulturgut in Syrien und Irak, September/ Oktober 2019)" (Archaeologik, 1.11.): https://archaeologik.blogspot.com/2019/11/eine-neue-phase-im-syrischen.html

"Antikenhändler in Afghanistan" (Archaeologik, 7.10.): https://archaeologik.blogspot.com/2019/10/antikenhandler-in-afghanistan.html

 

6         Studium, Job-Themen und Personalia

6.1        Fundgrube und Lebenshilfe: Wege für den ersten Einstieg in archäologische Berufswelten

"Diesen Aufsatz hätte ich zum Ende meines Studiums gebraucht!" - schrieben als Reviewer herangezogene erfahrene Kollegen dem Herausgeber der "Archäologischen Informationen". Denn der Aufsatz von Jasmin Rauhaus-Höpfer und Sophie-Marie Rotermund stellt ausführlich die vielen gängigen Wege des Berufseinstiegs in der Archäologie dar. Vor allem weisen die Autorinnen auf viele Aspekte sowie "Risiken und Nebenwirkungen" hin, an die man als frisch gebackener MA meist nicht denkt. Lieber mit Stipendium promovieren? Doch erst ein Volontariat? Die Stellenanzeige bietet ein Gehalt nach TvöD-9b: was ist das und ist das okay? Erfahrene Berufstätige könnten denken: "Weiß ich doch alles", doch für viele angehende Archäologen kann der Text eine wertvolle Orientierungshilfe sein und, dank vieler Links zu weiterführenden Informationen, eine Fundgrube und Lebenshilfe.

Rauhaus-Höpfer, J. & Rotermund, S.-M. (2019). Archäologie zwischen Studium und Berufseinstieg: die ökonomische Seite der üblichen Wege. Archäologische Informationen 42, Early View, 9. Okt. 2019: http://www.dguf.de/fileadmin/AI/ArchInf-EV_Rauhaus_Rotermund.pdf

 

6.2        Hat die Archäologie eine soziale Rolle, und wenn ja: welche?

Doug Rocks MacQueen hat Mitte Oktober die Vortragsvideos einer spannenden Session der CIfA-Tagung 2018 in Brighton online gestellt: "Wem gehört die Archäologie?" wird nun wahrlich nicht das erste Mal gefragt, aber die Antwort scheint immer noch klärungsbedürftig bzw. ist veränderlich. Wie repräsentativ ist die Archäologie und welche Rolle spielen wir in einer Gesellschaft mit einer ganz anderen demografischen Zusammensetzung als unser Beruf? Wen repräsentieren die Archäologie und der Kulturerbe-Sektor -und wen nicht? Inwieweit kann die Archäologie diejenigen repräsentieren, die sich nicht einbringen wollen (oder sich dazu nicht eingeladen fühlen)? Sollte die Archäologie-"Industrie" vielfältiger werden, um sich zu engagieren, oder wird Engagement uns vielfältiger machen? Fünf Vorträge mitsamt ihren Folien sind online frei verfügbar.

"Whose archaeology is it?" (Doug‘s Archaeology, 11.10.): https://dougsarchaeology.wordpress.com/2019/10/11/whose-archaeology-is-it/

 

6.3        Was nehme ich als Tagessatz? - ein Rechenvorschlag

In Ihrem Blog "Draußen nur Kännchen" rechnet die Organisationsberaterin Dr. Vanessa Giese mal vor, wie sie ihren Tagessatz kalkuliert. Ziemlich einfach und mit Pi-mal-Daumen, aber nachvollziehbar. Fürs erste Nachdenken ein gewiss ebenso anregender wie kurzweiliger Beitrag. Am Ende heißt es: "Wohlgemerkt: Das ist die unterste Grenze – ohne Geschäftsausgaben, netto, ohne Mehrwertsteuer. Gehst Du darunter, bringst Du Deinem Kunden Geld mit, damit Du arbeiten darfst." Wir haben mal entlang dieses Modell gerechnet, wo man landet, wenn man keine Geschäftsausgaben (Sachkosten, Reisekosten, Arbeitsplatzkosten) hat und in etwa das erreichen will, was die festangestellten TVL-13-Kollegen monatlich sicher haben: unter 475 Euro pro Tag geht da nix, bei Giese - vernünftiger angesetzt - 660 Euro.

Vanessa Giese: "Eine Fahrt nach Frankfurt und ein #serviceblog-Beitrag: Wie man einen Tagessatz ausrechnet" (Draußen nur Kännchen, 29.10.): https://fraunessy.vanessagiese.de/2019/10/29/eine-fahrt-nach-frankfurt-und-ein-serviceblog-beitrag-wie-man-einen-tagessatz-ausrechnet/

Zum Vergleich: "Honorarempfehlungen für archäologische Dienstleistungen 2018" (BfK, Jan. 2018): https://www.b-f-k.de/service/honorarempfehlung-arch.php

 

7         Berufsverband

7.1        Vergabe des CIfA-Gütezeichens für Archäologie (GZA) startet

Nach knapp zwei Jahren Arbeit startet jetzt die Vergabe des CIfA-Gütezeichens für archäologische Fachfirmen (GZA) in Deutschland. Die Einführung dieses Gütezeichens ist seit der Gründung von CIfA Deutschland eines der Hauptziele des Berufsverbandes. Unter Einbeziehung der Fachöffentlichkeit entstand ein Regelwerk, das neben archäologischen, ethischen und fachlichen Kriteren auch soziale und wirtschaftliche Nachhaltigkeit berücksichtigt. CIfA Deutschland geht davon aus, bis Mitte 2020 die ersten Gütezeichen an Antragssteller vergeben zu haben. Neben den Kriterien des Gützezeichens, die sich akkreditierende Firmen erfüllen müssen, steht zudem ein aus den regen Debatten der öffentlichen Konsultation heraus entstandener Kommentar online frei zur Verfügung. Auftraggeber finden anhand des Gütezeichens in der Vielzahl in- und ausländischer Anbieter zielgenau die richtigen Partner: fachlich und wirtschaftlich vertrauenswürdige, transparent qualitätsgeprüfte Firmen und Organisationen. Arbeitgeber belegen durch das Gütezeichen bei Angeboten auf einfache Weise ihre qualitativ und ethisch hohen fachlichen Arbeits- und Sozialstandards, sie werden zusätzlich attraktiv für qualifiziertes Fachpersonal, das sich gerne in gute und fair arbeitende Teams einbringen will. Arbeitnehmer profitieren vom GZA-Gütezeichen ihrer Firma, denn es stellt sicher, dass ihre Firma auch ihre Interessen wahrt - vom Arbeitsschutz über Arbeitsbedingungen, faire Bezahlung, Vereinbarkeit von Familie und Beruf bis hin zu Weiterbildungsmöglichkeiten. Öffentliche Auftraggeber können durch die Verwendung der Gütezeichenkriterien ihre Ausschreibungen vereinfachen und die Auftragsvergaben transparenter und nachhaltiger auf der Grundlage weithin anerkannter fachlicher und ethischer Qualität durchführen. Interessierte können ab sofort Anträge auf die Verleihung des Gütezeichens stellen. Wieteres findet sich auch im aktuellen CIfA-Deutschland Newsletter.

https://www.archaeologists.net/guetezeichen-fuer-archaeologie-gza

https://www.archaeologists.net/cifa-deutschland-newsletter

 

7.2        CIfA verstärkt sein Engagement im Bereich beruflicher Aus- und Weiterbildung

In seinem jüngst veröffentlichen E-Bulletin macht CIfA deutlich, dass ein besonderer Fokus seiner der Arbeit als Berufsverband auf der Vermittlung und Unterstützung von professioneller beruflicher Weiterbildung liegt. In einer zwischen April 2018 und Mai 2019 in Großbritannien durchgeführten Kampagne wurden sowohl Individuen als auch Organisationen darin unterstützt, akkreditierte Weiterbildungsangebote zu entwickeln bzw. zu nutzen. Das bereits existierende Angebot der "Professional pathways schemes" – einer Sammlung verschiedener Weiterbildungsangebote, die mit CIfA-Standards und Richtlinien verknüpft sind – wurde neu gestaltet und verbessert. Neben Onlinekursen werden beispielsweise Ausbildungen im Kulturschutz oder in der Grabungsarchäologie, Fortbildungen für Berufseinsteiger, die vom Arbeitgeber – z. B. der archäologischen Fachfirma -selbst gestaltet und durch das CIfA akkreditiert werden können, aber auch akkreditierte Studiengänge unterstützt.

Weitere Informationen finden sich auf der Website des CIfA in englischer Sprache: https://www.archaeologists.net/careers/info-for-training-providers  

Onlinekurse: https://www.archaeologists.net/elearning

Ausbildungen: https://historicengland.org.uk/services-skills/training-skills/work-based-training/heritage-apprenticeships/; https://www.sqa.org.uk/sqa/82144.html

Weiterbildungen: https://www.archaeologists.net/careers/info-for-employers

Akkreditierte Studiengänge: https://www.archaeologists.net/Accredited_Degrees

 

8         Open Access & Open Data

8.1        Britische Studie bestätigt Konzept von Plan-S: Open-Access-Transformation ohne APCs ist zügig möglich, sofern Konsortien von Bibliotheken die Kosten im Abonnement übernehmen

Der bedeutende britische Forschungsförderer Wellcome Trust und UK Research and Innovation (UKRI) – beide Mitglied in der Open-Access-Initiative cOAlition S – haben zusammen mit dem britischen Dachverband von Fachgesellschaften (Association of Learned & Professional Society Publishers, ALPSP) die bestehenden Geschäftsmodelle bei Fachgesellschaften ("learned societies") für das Publizieren von Fachzeitschriften untersucht, einschließlich einer Befragung und einiger Workshops. Es sollte herausgefunden werden, wie diese Gesellschaften sich für die von ihnen herausgegebenen Fachzeitschriften einen Übergang in den Open Access vorstellen können. Es geht also um jene Zeitschriften, die noch nicht an einen der großen Wissenschaftsverlage übertragen wurden, sondern - ähnlich den "Archäologischen Informationen" der DGUF - noch von den Gesellschaften selbst herausgegeben werden und (meist als Jahresgabe) an die Mitglieder ausgeliefert werden. Sprich: die klassische und ursprüngliche Form des wiss. Zeitschriftenwesens noch pflegen. Für dieses Finanzierungsmodell bedeutet Open Access die Gefahr eines drastischen Mitgliederschwundes. Die Studie identifizierte 27 verschiedene bestehende Geschäftsmodelle. Doch bei allen Gesellschaften sei die Bereitschaft zum Übergang in den Open Access und zu CC-BY-Lizensierung hoch, weil deren Vorteile für Autoren wie Fachgesellschaften offensichtlich seien. Die Unterschiede der Ist-Zustände und der Ziele seien zwischen den Natur- und Geisteswissenschaften geringer als erwartet. Als künftige Geschäftsmodelle werden allenthalben eindeutig zwei Ansätze bevorzugt: Publikationsgebühren (APCs) oder Abonnementverträge mit öffentlichen Bibliotheken. Die Gegenprobe der Untersuchenden ergab, dass die Mehrheit der öffentlichen Bibliotheken bereit sei, sich zu Konsortien zusammenzuschließen und Open-Access-Zeitschriften via Abonnement zu zahlen, d. h. den Gesellschaften den Open Access zu finanzieren, wobei ihnen eine Kostentransparenz sehr wichtig sei. Während APCs die bekanntere Art der Finanzierung seien, würden gerade seitens der geisteswissenschaftlichen Herausgeber Abonnementmodelle der Abnehmer (Bibliotheken) als attraktiver wahrgenommen. Die Bereitschaft vieler Fachgesellschaften, sich an solchen Konstrukten zu beteiligen, sei hoch. Im Ergebnis stellt die Studie fest, dass ein Übergang zu Open-Access-Modellen im Sinne von "Plan-S" machbar sei. Sie empfiehlt den Fachgesellschaften wie Forschungsförderern, neben dem Geschäftsmodell APC vor allem, konkrete Pläne für die Bildung von Konsortien und Abonnementmodellen weiterzuentwickeln.

Alicia Wise, Lorraine Estelle: "Society Publishers Accelerating Open Access and Plan S (SPA OPS): final project report" (APO, 12.9.2019): https://apo.org.au/node/258701

 

8.2        Open-Access-Experten empfehlen kleinen Zeitschriften und Verlagen, Konsortien zu bilden

In einem Blogbeitrag berichtet der erfahrene Wissenschaftsverleger Byron Russel von der diesjährigen Tagung der "Open Access Scholarly Publishers Association" (OASPA) in Kopenhagen. Man sei auf der Suche, berichtet er. Denn im Vergleich zu den Zeit- und Volumenplänen der Initiativen "Plan S" und "Horizon 2020" verlaufe der kollektive Wandel zum Open Access derzeit zu langsam. Einerseits erscheine vielen Experten der deutsche Weg, den das Projekt Deal gehe, nicht als der Königsweg zu einem wirklichen Open Access, andererseits mangele es aber vielen besseren Wegen an einem nachhaltigen Finanzierungsmodell. Mit Publikationsgebühren (APCs) könnten sich viele Sozial- und Geisteswissenschaftler nicht anfreunden, aber eben auch viele Fachgesellschaften, die Zeitschriften herausgeben, nicht und vor allem auch nicht Wissenschaftler nicht-westlicher Staaten. Lösungen? Weiterhin gelten APCs als eine brauchbare Option. Erwogen wird mehr und mehr die Bildung von Konsortien von Fachgesellschaften und Zeitschriften, die in den Open Access wollen, Konsortien, die dann ihrerseits mit Bibliothekskonsortien verhandeln. Die würden dann statt Abonnements wie bisher neu für das Publizieren im Open Access bezahlen, und die Konsortien könnten die Einnahmen an die Fachgesellschaften und Zeitschriften weiterreichen. Insgesamt - insbesondere, wenn man auch die Kommentare mitverfolgt - ein interessanter Einblick in die aktuelle Debatte.

Byron Russell: "The Future of Open Access Business Models: APCs Are Not the Only Way" (The Scholarly Kitchen, 23.10.): https://scholarlykitchen.sspnet.org/2019/10/23/guest-post-the-future-of-open-access-business-models-apcs-are-not-the-only-way/

Ann Michael: "Ask the chefs: Beyond the APC" (The Scholarly Kitchen, 24.10.): https://scholarlykitchen.sspnet.org/2019/10/24/ask-the-chefs-oa-business-models/

 

8.3        Wie teuer ist das Publizieren wissenschaftlicher Zeitschriften im Open Access?

Da, wo die Publikationskosten als Gebühren (APCs) auf die Autoren umgelegt werden, um Open Access zu erreichen, sind die Kosten öffentlich. Schließlich muss man die Autoren vorab informieren. Wer sichtet, stellt fest: die APCs sind extrem unterschiedlich hoch. Hie und da sind's 300 Euro pro Einreichung, aber man hat auch schon 30.000 Euro gelesen (sic, kein Tippfehler). Wie aber kommen diese Kosten resp. Preise zustande? Das bleibt meist verborgen. Nun hat wieder einer der großen Wissenschaftsverlage seine Zahlen offen gelegt: EMBO, der mehrere renommierte Zeitschriften im Bereich Life Sciences herausgibt. In seinem Blogbeitrag geht Christian Gutknecht das Zahlenwerk durch und stellt fest: da bleibt doch einiges an Gewinn übrig, laut Gutknecht 1.880 Euro Gewinn pro publiziertem Aufsatz. Doch im Kern kritisiert Gutknecht weniger die Marge, sondern mehr die Kosten und zeichnet auf, wie diese Kosten durch eine Änderung der Publikationspolitik und auch der hinzugezogenen Dienstleister erreicht werden können. Lesenswert für alle, die sich auf für die geschäftliche Seite des wissenschaftlichen Publizierens interessieren.

Christian Gutknecht: EMBO Journals - Zu teuer für Open Access? (wisspub.net, 1.11.): https://wisspub.net/2019/11/01/embo-journals-zu-teuer-fur-open-access/

EMBO: "The publishing costs at EMBO" (EMBO, 24.10.): https://www.embo.org/news/articles/2019/the-publishing-costs-at-embo

Van Noorden, R. (2013). Open access: The true cost of science publishing. Nature 495, 426-429: https://www.nature.com/articles/495426a

 

9         Ausstellungen und Museen

9.1        Kostenloser Eintritt ins Museum = mehr Besucher?

Mehr und diversere Besucher durch freien Eintritt ins Museum? Das ist punktuell immer mal wieder ein Thema, im archäologierelevanten Feld machte zuletzt das Stuttgarter Landesmuseum einen diesbezüglichen Versuch, was anschließend in Baden-Württemberg auch untersucht wurde (DGUF-Newsletter vom 10.6.2019 Punkt 7.1.). Eine Meta-Studie hat nun 40 nationale und vor allem internationale Untersuchungen zu dieser Frage zusammengetragen und zusammenfassend analysiert. Danach sind viele Besuchergewinne, die mit einer Umstellung von bezahltem auf kostenfreien Eintritt einhergehen, kurzfristige Effekte, die sich bald wieder ausnivellieren. Vor allem unterstreichen diese Studien jedoch, dass der Gedanke fehlgeht, man könne dadurch andere Besucherschichten ins Museum holen als jene, die man eh schon hat. Nachhaltig sei lediglich ein psychologischer Effekt: "Der Museumsbesuch habitualisiert sich, die emotionale Bindung an das Museum wird gestärkt." - so Prof. Tibor Kliment, Autor dieser aktuellen Studie. Dem Humboldt-Forum in Berlin empfahl er allerdings, freien Eintritt in seine Dauerausstellung zu gewähren.

Tibor Kliment: "Freier Eintritt und Kulturpolitik: Der freie Eintritt gewinnt?" (kulturmanagement.net, 10.10.): https://www.kulturmanagement.net/Themen/Freier-Eintritt-und-Kulturpolitik-Der-freie-Eintritt-gewinnt,4037

Tibor Kliment: "Der freie Eintritt im Museum: Auswirkungen auf die Publikumsgewinnung, Einnahmen und umgebenden Museen im Kontext des Humboldt Forum Berlin" (Institut f. Museumsforschung, 2019): https://www.smb.museum/fileadmin/website/Institute/Institut_fuer_Museumsforschung/Publikationen/Mitteilungen/MIT055.pdf

 

9.2        "Period Rooms", renovierter Historismus und ein kleiner Einblick in die Sammlung: Der wiedereröffnete Westflügel im Landesmuseum Zürich

Ein Kernstück in der ursprünglichen Planung für das Landesmuseum Zürich im späten 19. Jh. waren die so genannten "Period Rooms", originale Gebäudeeinbauten aus dem späten Mittelalter, der Renaissance und der Barockzeit. Drumherum wurde eine Art historistisches Schloss gebaut – teils unter Einbau von älteren Bauteilen –, dessen Substanz im Laufe des 20. Jh. zusehends hinter weiteren Einbauten verschwand. Jetzt wurde diese Substanz wieder hervorgeholt und aufgefrischt, die Period Rooms wurden einmal aus- und nach Verlegung aller erforderlichen Technik wieder eingebaut, und gleichzeitig wurde der Westflügel als Dauerausstellungsraum für einen Teil (weniger als 1%) der umfangreichen Sammlung des Schweizerischen Nationalmuseums konzipiert. Wiedereröffnung war Mitte Oktober. Die Period Rooms faszinieren wie eh und je. Zum Teil wurde eine durchaus gelungene Inszenierung mit Spiegeln oder Hörspielen versucht, und Objekte wie der rund 1.000-jährige hölzerne Palmesel aus dem Dorf Steinen im Kanton Schwyz oder der große St. Galler Erd- und Himmelsglobus vom Ende des 16. Jh. sprechen ein Stück weit für sich. Zudem gibt es zahlreiche grandiose bis anrührende Kachelöfen aus mehreren Jahrhunderten zu sehen. In einigen Räumen kommen Tablets zum Einsatz, die knappe weiterführende Erläuterungen zu Räumen, zu deren Einbauten oder zu Exponaten vermitteln, die über die Kürzest-Informationen hinausgehen, welche direkt bei den Objekten angebracht sind. Dennoch bleibt das Erfahrbare für Informations-Fans recht oberflächlich, vermisst wird in den meisten Fällen auch eine kulturhistorische Einordnung. Da wundert es fast nicht, dass im Turm das Thema Tourismus teilweise anhand von Klischees abgearbeitet wird. Unverständlich ist, warum die doch vorhandene App "Landesmuseum" nur dermaßen zurückhaltend als Audioguide für diese Ausstellung genutzt wird. Zudem sind die vier (!) Audioguide-Stationen in der App nicht unter der Ausstellung "Sammlung im Westflügel" zu finden, sondern unter den "Highlights" versteckt, wo sie kaum jemand aufstöbern wird. Auch für wirklich vertiefende Erläuterungen – wenn man diese, warum auch immer, schon nicht auf den bereitgestellten Tablets bieten mag – böte sich die App an. Kurzum, die Ausstellung entspricht dem (durchaus nicht nur im Landesmuseum Zürich) gepflegten aktuellen musealen Zeitgeist: Tolle, beeindruckende Exponate, ebenso innenarchitektonisch wertvoll wie teuer und edel präsentiert – aber tiefschürfendere Informationen muss man sich irgendwie bzw. irgendwo anders aneignen. Schade eigentlich – wofür war ein Museum noch gleich gut?

Landesmuseum Zürich - Informationen zur Sammlung im Westflügel: https://www.landesmuseum.ch/sammlung

"In der Bauteilzentrale" (Tages-Anzeiger, 11.10.): https://www.tagesanzeiger.ch/zuerich/stadt/in-der-bauteilzentrale/story/30998967

"Westflügel im Landesmuseum topmodern wiedereröffnet" (Tele Züri, 10.10.; Video, 1:52 Min.): https://www.telezueri.ch/zuerinews/westfluegel-im-landesmuseum-topmodern-wiedereroeffnet-135782218

"Im Landesmuseum gibt es einen neuen wundersamen Spaziergang durch die Jahrhunderte" (Tagblatt, 11.10.): https://www.tagblatt.ch/kultur/im-landesmuseum-gibt-es-einen-neuen-wundersamen-spaziergang-durch-die-jahrhunderte-ld.1158809

"Westflügel des Zürcher Landesmuseums strahlt in neuem altem Glanz" (SRF, 10.10.): https://www.srf.ch/news/regional/zuerich-schaffhausen/eine-schatzkammer-westfluegel-des-zuercher-landesmuseums-strahlt-in-neuem-altem-glanz

 

9.3        Demnächst im Landesmuseum in Halle: Bronzehand von Prêles

Die 2018 gefundene, singuläre Bronzehand von Prêles (Kanton Bern) stammt aus der mittleren Bronzezeit. Nun wurde sie beim "International Archaeological Discovery Award" unter die Top 5 der archäologischen Entdeckungen des Jahres 2018 gewählt. Ab 15.11. kann sie im Rahmen einer Sonderausstellung im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle besichtigt werden, erstmals außerhalb der Schweiz. Am 30.10. fand eine Fachtagung in Bern statt, um eine Zwischenbilanz zur wissenschaftlichen Aufarbeitung dieses einzigartigen Fundes zu ziehen (mehr zur Veranstaltung in diesem Newsletter unter Punkt 3.8.). Aus diesem Anlass hat das Schweizer Fernsehen ein sehenswertes, gut siebenminütiges Video veröffentlicht, das über den Fund, aktuelle Deutungen und über die laufenden Untersuchungen - aktuelle Grabungen nahe der Fundstelle eingeschlossen - berichtet. Ohne Untertitel.

"Neue Erkenntnisse - Die Bronzehand von Prêles ist eine wissenschaftliche Sensation" (SRF, 31.10.): https://www.srf.ch/news/regional/bern-freiburg-wallis/neue-erkenntnisse-die-bronzehand-von-preles-ist-eine-wissenschaftliche-sensation

"Neue Erkenntnisse zur Bronzehand von Prêles" (SRF, 31.10.; Video, 7:37 Min.): https://www.srf.ch/play/tv/schweiz-aktuell/video/neue-erkenntnisse-zur-bronzehand-aus-preles?id=f9661def-d472-4ae1-988a-7425027b1e05&expandDescription=true

"Bronzehand von Prêles" (Website des Kantons Bern): https://www.erz.be.ch/erz/de/index/direktion/organisation/amt_fuer_kultur/newsletter_kultur_abonnieren/ausgabe_4_2019/bronzehand_preles.html

 

10    Und sonst …

10.1    Sci-Hub und Co.: "Schattenbibliotheken" systematisch beleuchtet

Schattenbibliotheken wie Sci-Hub und Library Genesis bieten einen kostenlosen Zugriff auf wissenschaftliche Volltexte aus nahezu allen akademischen Disziplinen und handeln dabei - verhalten formuliert - nicht ganz legal. Daher werden sie unter der Hand weltweit viel genutzt, zugleich ist analytisch wenig über sie bekannt. Die lesenswerte Bachelorarbeit (!) von Sarah Müller ändert dies nun. Sie hat das Thema systematisch beleuchtet und hinsichtlich Sci-Hub auch quantitativ untersucht. Sie empfiehlt: "[Öffentliche] Bibliotheken sind als Bindeglied zwischen den Wissenschaftsverlagen und den Nutzern besonders von den Auswirkungen der Schattenbibliotheken betroffen. Während sie auf der einen Seite von einer besseren Verhandlungsposition gegenüber Verlagen profitieren könnten, müssen sie auf der anderen Seite mit den illegalen Datenbanken konkurrieren. Statt sich auf eine rein ethische Herangehensweise einzulassen oder Schattenbibliotheken zu einem Tabu-Thema werden zu lassen, sollten sie sich auf ihre Stärken konzentrieren."

Sarah Müller: "Schattenbibliotheken – Auswirkungen auf Forschung und Bibliotheken am Beispiel von Sci-Hub" (BA-Arbeit TH Köln, 2019): https://publiscologne.th-koeln.de/frontdoor/deliver/index/docId/1411/file/BA_Mueller_Sarah.pdf

Sci-Hub: https://sci-hub.se/

 

10.2    Foto-Projekt "Pioniere der Bündner Archäologie" abgeschlossen

Das meldete am 23.10. der schweizerische Kanton Graubünden via Facebook. In der Archäologie nicht ganz unbekannt: irgendwo in den Ecken der Dienststelle stauben die Fotos der lokalen Archäologie-Pioniere vor sich hin, gegebenenfalls teilweise (wie im vorliegenden Fall) sogar noch als Glasplattennegative. Was damit tun? Staubdicht verpacken? Und diesen möglichst nie wieder aufwirbeln? Kontrolliert zusedimentieren lassen, also eine stratigraphische Lösung anstreben? Konservatorische Überdeckung? Kann man machen (und hoffen, dass die Bilder nicht irgendwann auch noch anfangen zu schimmeln...) - oder aber man gleist ein Digitalisierungsprojekt mit der kantonalen Fachhochschule auf und stellt die 1.200 Bilder frei verfügbar via Memobase.ch ins Netz. Vorbildlich!

Projektseite "Pioniere der Bündner Archäologie" der Fachhochschule Graubünden: https://www.fhgr.ch/fhgr/angewandte-zukunftstechnologien/schweizerisches-institut-fuer-informationswissenschaft-sii/projekte/pioniere-der-buendner-archaeologie/

Website von Memobase: http://memobase.ch/

 

10.3    Kulturelles Erbe und Klimaschutz: "Climate Heritage Network" gegründet

Die neolithische Siedlung Skara Brae (Orkney) und Venedig könnten zwei populäre und baldige Opfer des Klimawandels sein, und sie sind bei weitem nicht die einzigen. "Das kulturelle Erbe ist ein Thema des Klimaschutzes. Klimaschutz ist ein Thema des kulturellen Erbes." Dieses Statement begleitete am 24.10. die Gründung des "Climate Heritage Network" in Edinburgh. Das Netzwerk ist ein Zusammenschluss zur gegenseitigen Unterstützung von Behörden für Kunst, Kultur und Kulturerbe, von NGOs, Universitäten, von Ämtern, Ministerien, lokalen, indigenen sowie nationalen Ausschüssen, von Unternehmen und andere Organisationen. Sie alle wollen Gemeinschaften und Gemeinden bei der Bekämpfung des Klimawandels und der Verwirklichung der Ziele des Pariser Abkommens unterstützen. "The climate is changing and so must heritage", zitierte The Art Newspaper im Juli den ICOMOS-Präsidenten Toshiyuku Kono. "It would be foolish to imagine the practice of heritage remaining static while the world goes through the rapid and far-reaching transitions discussed in the IPCC’s recent [2018] Special Report on Global Warming of 1.5°C." Für die ersten sechs Monate gewährleistet nun auch ICOMOS die Verwaltung des Netzwerks. Interessierte Organisationen können dem Climate Heritage Network beitreten, indem sie ein "Memorandum of Understanding" unterzeichnen oder es unterstützen.

Website des "Climate Heritage Network": http://climateheritage.org/

"Cultural heritage experts rally in Edinburgh to find solutions to climate crisis. Supporters of new international Climate Heritage Network argue that the sector has a 'moral duty' to act" (The Art Newspaper, 23.10.): https://www.theartnewspaper.com/news/heritage-world-has-moral-duty-over-climate

"Venice has no official plan for how to deal with climate change. A new report by Icomos details how the science/culture divide is stopping world heritage coming to the aid of climate change and urges speedy action" (The Art Newspaper, 15.7.2019): https://www.theartnewspaper.com/analysis/venice-has-no-official-plan-for-how-deal-with-climate-change

Climate change Working Group (ICOMOS): https://www.icomos.org/en/what-we-do/disseminating-knowledge/icomos-working-groups?start=6

"Culture and heritage bodies urged to take climate action" (Scottish Field, 24.10.): https://www.scottishfield.co.uk/outdoors/wildlifeandconservation/culture-and-heritage-bodies-urged-to-take-climate-action/

"Climate Heritage Network launched at Edinburgh event" (The National, 25.10.): https://www.thenational.scot/news/17992092.climate-heritage-network-launched-edinburgh-event/

"Coastal heritage and climate change" (Ecologist, 12.9.): https://theecologist.org/2019/sep/12/coastal-heritage-and-climate-change

 

10.4    Nicht die Greta Thunberg der Arverner: "Die Tochter des Vercingetorix" (Asterix Bd. 38)

Adrenaline, die bislang nur ganz Wenigen bekannte, einzige Tochter des Vercingetorix, wird eines Nachts ins Dorf der unbeugsamen Gallier gebracht. Die Arverner-Häuptlinge Monolitix und Mausklix bitten Majestix, sich so lange um ihren Schützling zu kümmern, bis sie eine sichere Reisemöglichkeit nach Londinium ausgemacht haben. Cäsar nämlich will Adrenaline fassen und ihr den Halsring abnehmen, welchen ihr Vercingetorix übergeben hatte, kurz bevor er sich nach der verlorenen Schlacht von Alesia dem Imperator unterwarf. Außerdem will Cäsar sie zur Römerin umerziehen lassen und den schlaksigen Teenager mit dem schwarzen "gotischen" Klamotten und den leuchtend roten Zöpfen so als potenzielle Anführerin eines weiteren Widerstandsherdes ausschalten. Monolitix und Mausklix warnen die Dorfbewohner vor: Adrenaline sei recht eigenwillig und büxe gerne aus. Also müssen Asterix und Obelix als Aufpasser herhalten. So beginnt der 38. Asterix-Band "Die Tochter des Vercingetorix", das am 24.10. erschienene vierte Album von Zeichner Didier Conrad und Szenarist Jean-Yves Ferri. Der gallische Verräter Miesetrix versucht im Folgenden, Adrenaline zu entführen. Diese büxt tatsächlich irgendwann aus, nachdem das Abhängen mit den Dorfjugendlichen im Steinbruch sie langweilt und sich die Erwachsenen nur noch streiten. Natürlich machen sich Asterix und Obelix auf die Suche, begleitet von Selfix und Aspix, den halbwüchsigen Söhnen von Schmid Automatix und Fischhändler Verleihnix. Neben einem Cameo des phönizischen Händlers Epidemais treten dann auch die vom Pech verfolgten Piraten auf, welche Adrenaline – ein Glanzpunkt der Erzählung – nervt und zugleich um den Finger wickelt. Sie will sich nämlich nicht als Anführerin der Rückeroberung Galliens vereinnahmen lassen, sondern die mythische Insel Thule suchen und elternlosen Kindern helfen. Es sei an der Zeit gewesen, zitiert der "Tagesspiegel" Didier Conrad, "mal eine Frau einzuführen, die weder Hausfrau ist noch durch ihre betont weibliche Körperform auffällt." Wie also ist es 60 Jahre nach Erscheinen des ersten Bandes um Asterix und Obelix bestellt? Die Geschichte erinnert stark an "Asterix in Spanien" (1969), als Pepe – Sohn eines widerständigen Häuptlings in Hispanien – von Asterix und Obelix beschützt werden muss und ebenfalls von den Römern (unvergesslich: Bockschus!) gejagt wird. Auch dort Cäsars Ziel: Pepe zum Römer umerziehen. Auch dort: Asterix und Obelix kämpfen mit den Launen ihres Schutzbefohlenen. Ja, Adrenaline lässt die Dorfbewohner alt aussehen, aber das tut auch schon Teenager Grautvornix ("Asterix und die Normannen", 1966). Das alles kann man tolerieren – ganz neu kann keine Geschichte mehr sein –, aber man wünschte sich dann wenigstens einen expliziten Rückgriff, ein Selbstzitat quasi. Ist Adrenaline eine Feministin, gar die gezeichnete Greta Thunberg, als die sie mancher Rezensent wahrnimmt? Von ihren Zöpfen abgesehen: nein. Denn Thunberg hat Inhalte, während Adrenaline zwar ebenfalls eigensinnig und durchsetzungsstark ist, am Schluss auch ihren eigenen Traum realisiert. Aber während der Geschichte ist Adrenaline lediglich der Anlass, der andere Protagonisten – neben der überforderten Gutemine nur Männer übrigens – zum Handeln und Retten veranlasst. Eigene Positionen hat sie wenige. "Asterix, Obelix und das zickige Gör haben praktisch nichts miteinander zu tun", kritisiert Timur Vermes im "Spiegel" ganz zu Recht: Die erfahrenen Krieger tappen Adrenaline hinterher, und der einzige Witz dabei ist, dass Obelix dies ständig "ganz natürlich" aussehen lassen soll. Es tauchen zahlreiche neue Figuren auf, darunter auch der junge Blumenhändler Letitbix und Ludwikamadeus, ein junger Gote, der gerade zum Römer umerzogen wird. Während Letitbix zum Ende der Geschichte eine dauerhaftere Rolle in Adrenalines Leben einnehmen wird, kümmert sich Asterix seltsamerweise nicht weiter um den verschleppten Ludwikamadeus, der mit seinem frisch vermöbelten römischen Adoptivvater schließlich sang- und klanglos gen Rom entschwindet. Trotz aller Kritik gehört "Die Tochter des Vercingetorix" in jede Asterix-Sammlung, etwas, das man über manche Bände, die Albert Uderzo nach René Goscinnys Tod gezeichnet und geschrieben hatte, nicht mehr sagen wollte. Großartig die Zeichnungen und spürbar der Respekt Didier Conrads und Jean-Yves Ferris, mit dem Asterix-Universum umzugehen.

"Girl-Power im gallischen Dorf" (taz, 28.10.): https://taz.de/Neuer-Asterix-Band/!5633456/

"Wirbel um die Tochter des großen Anführers" (Deutschlandfunk, 24.10.): https://www.deutschlandfunkkultur.de/asterix-wird-60-wirbel-um-die-tochter-des-grossen-anfuehrers.2165.de.html?dram:article_id=461709

"Die Tochter des Vercingetorix: Der neue 'Asterix' ist da" (Süddeutsche, 24.10.): https://www.sueddeutsche.de/kultur/literatur-die-tochter-des-vercingetorix-der-neue-asterix-ist-da-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-191024-99-424004

"Adrenalinstoß für Asterix und Obelix" (Tagesspiegel, 24.10.): https://www.tagesspiegel.de/kultur/comics/neues-gallier-album-die-tochter-des-vercingetorix-adrenalinstoss-fuer-asterix-und-obelix/25147424.html

"Rumpelfußball in Comicform" (Spiegel, 24.10.): https://www.spiegel.de/kultur/literatur/asterix-comic-38-die-tochter-des-vercingetorix-kritik-a-1292995.html

"Adrenaline eine feministische Heldin? Was für ein Unsinn!" (Welt, 27.10.): https://www.welt.de/kultur/article202563920/Neuer-Asterix-Die-Tochter-des-Vercingetorix-Greta-bei-den-Galliern.html

 

 

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