DGUF-Newsletter vom 03.10.2019

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DGUF Newsletter

vom 03. Oktober 2019

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Inhalt

1  DGUF-Nachrichten

1.1  DGUF-Tagung 2020: "Wollen und brauchen wir mehr Archäologie der Moderne?" (Kiel, im Rahmen des Deutschen Archäologiekongresses 20.-27.9.2020)

1.2  Erinnerung an alle in der Archäologie Tätigen: Bitte vor 15.10. mitmachen bei der "Evaluation Beruf Archäologie" (EvaBA)!

1.3  Rege Teilnahme an der von der DGUF mitveranstalteten Session "Organising Archaeologists – Archaeological Associations of Europe" (EAA-Konferenz Bern, 5.9.)

1.4  Für einen erfolgreichen Start ins Studium: DGUF‐Handreichung für Erstsemester

1.5  Unter den DGUF-Rezensionsangeboten: Tim Ingold: Anthropologie - was sie bedeutet und warum sie wichtig ist

2  Tagungen und Veranstaltungen

2.1  "Changing Interpretations, Meanings and Concepts of Heritage" (Hamburg, 18.-20.3.; CfP bis 31.10.)

2.2  Jahrestagung des DArV (Frankfurt a. M., 26.-28.6.)

2.3  26th EAA Annual Meeting (Budapest, 26.-30.8.; CfS bis 7.11.)

3  Forschung

3.1  Neu im Early View der "Archäologischen Informationen"

3.2  Aktuelle Ausgrabungen und Forschung in den Medien

3.3  "The power of populations: integrating bioarchaeological and historical methods for the assessment of our medieval past" Videos einer Session auf der EAA 2017 in Maastricht

3.4  Großer Wissenszuwachs in der dänischen Archäologie - Morten Axboe dankt Sondengängern

3.5  Machu Picchu: Geologische Verwerfungen erklären womöglich Anlage der Stadt

3.6  Historische Daten zum Beginn der Weinernte bestätigen "Hockeyschläger"

3.7  Milch von Wiederkäuern in Keramikfläschchen aus prähistorischen Kindergräbern nachgewiesen

4  Archäoinformatik

4.1  QGIS goes GeoPDF

4.2  QGIS oder R zum Karten-Machen?

4.3  Eine gute Grundlage: David L. Carlson: Quantitative methods in archaeology using R (2017)

4.4  Bericht vom Workshop der AG CAA (Wilhelmshaven, 23.-24.9.)

5  Kulturgutschutz

5.1  Aktuelles rund um Kulturgutschutz in den Medien

5.2  Ein bis heute heruntergespieltes Thema: Bericht von Bénédicte Savoys Vortrag "Zurück in die Zukunft" zur Restitution afrikanischer Kulturgüter (Hamburg, 28.9.)

6  Studium, Job-Themen und Personalia

6.1  Wie stellen die Archäologie als Wissenschaft und die archäologische Denkmalpflege sicher, dass der Nutzen archäologischer Erkenntnisse der Allgemeinheit zugutekommt?

6.2  European Archaeological Heritage Prize der EAA für Osman Kavala

6.3  Bundesarbeitsgericht urteilt über Kettenverträge im Bereich Archäologie

6.4  Brandenburgischer Denkmalpflegepreis 2019 an Verein "Freilichtmuseum Germanische Siedlung Klein Köris"

6.5  Schweiz: Professoren sollen leichter als bisher gekündigt werden

7  Open Access & Open Data

7.1  Open Access an deutschen Hochschulen: eine aktuelle Bestandsaufnahme

7.2  DEAL und Springer Nature treffen Open-Access-Vereinbarung – nicht im Sinne der "Berliner Erklärung über den offenen Zugang zu wissenschaftlichem Wissen"

8  Ausstellungen und Museen

8.1  Reiss-Engelhorn-Museen: Kritik an der Ausstellung "Javagold" (Mannheim, 15.9.-13.4.)

8.2  Ein gelungener Wandel im Informationsangebot: Die Ausstellung "Pest!" (Herne, bis 10.5.)

8.3  Lesens- und bedenkenswert: "Audience Development" - die Septemberausgabe von "Kultur Management Network Magazin"

9  Und sonst …

9.1  Urheberrecht Wissenschaft, kurz und knackig

9.2  "Archäologie Schweiz": Wahlprüfsteine zu den eidgenössischen Wahlen im Oktober 2019

9.3  Für eine politisch aktive Archäologie: das "Bern Statement" der EAA

 

 

1         DGUF-Nachrichten

1.1        DGUF-Tagung 2020: "Wollen und brauchen wir mehr Archäologie der Moderne?" (Kiel, im Rahmen des Deutschen Archäologiekongresses 20.-27.9.2020)

Seit 2015 sind immer wieder Stimmen seriöser und anerkannter Wissenschaftler zu einer Archäologie der Moderne zu vernehmen, die dazu auffordern, diesem Thema deutlich mehr Gewicht im Kanon der Archäologien zu geben und auch deutlich mehr Ressourcen als bisher zuzuführen. Die Vertreterinnen und Vertreter anderer Archäologien reagieren darauf - zumindest öffentlich – bisher nicht. Die DGUF-Tagung 2020 will die inhaltlichen Positionen von Befürwortern, Skeptikern wie Ablehnenden einer stärkeren Archäologie der Moderne prägnant herausarbeiten. Dies soll zu einer gemeinsamen Abwägung der Argumente führen und eine Konsensfindung anstreben, auf die sich alle Teile des Faches verständigen können, sowie die Bereiche umreißen, zu denen es u. U. keinen Konsens gibt. Wir wollen ausloten, ob sich das Fach insgesamt auf eine gemeinsame Agenda verständigen kann, die ggf. auch zu einer Neuverteilung und Umwidmung der (stets knappen) Ressourcen führt. - Die DGUF selbst ist zu diesem Thema inhaltlich wertneutral und ergebnisoffen. Ihr Anliegen ist es, einer überfälligen Debatte aller Parteiungen und Standpunkte den Ort für eine konstruktive Debatte, einen Austausch und möglichst die Basis konkreter weiterer Schritte, z. B. zur Weiterentwicklung archäologischer Denkmalpflege und universitärer Lehre, zu bieten.

Erste Skizze der Tagung vor Start eines offiziellen Call for Papers: https://dguf.de/dak2020.html

 

1.2        Erinnerung an alle in der Archäologie Tätigen: Bitte vor 15.10. mitmachen bei der "Evaluation Beruf Archäologie" (EvaBA)!

Die große Befragung der DGUF "Evaluation Beruf Archäologie" (EvaBA) läuft noch bis Mitte Oktober; bisher liegen uns fast 400 vollständig ausgefüllte Rückmeldungen vor! EvaBA wird, erstmals für Deutschland, umfassend die berufliche Situation und die Berufszufriedenheit in der deutschen Archäologie erfassen. Unsere Befragung wendet sich an Alle, die in der Archäologie gänzlich oder teilweise berufstätig sind und dafür auch bezahlt werden. Sie wendet sich an wiss. Hilfskräfte, Doktoranden und Post-Docs sowie Volontäre. An Alle, die nach einer Unterbrechung wieder in der Archäologie arbeiten wollen. An Alle, die eine normalerweise eindeutig zu bezahlende Tätigkeit aus der Not heraus unbezahlt (oder ALG-subventioniert) tun müssen, z. B. die Nachbearbeitung von Funden. An alle Berufstätigen, die zwar keine ausgebildeten Archäologen sind, aber ihren Lebensunterhalt teilweise oder gänzlich aus der Archäologie heraus generieren, z. B. häufig für die Archäologie arbeitende Anthropologen, Archäozoologen, Öffentlichkeitsarbeiter etc. Mit "Archäologie" meinen wir alle Archäologien: Ur- und Frühgeschichte, Klassische Archäologie, Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit, Christliche Archäologie usw. - Die meisten Antwortenden haben für ein vollständiges Ausfüllen von EvaBA ca. 35 Minuten gebraucht. Viel Zeit! - doch der Wert, den wir Archäologinnen und Archäologen hier gemeinsam für unsere Zukunft schaffen, ist ein bedeutend höherer. Bitte machen Sie also jetzt mit, und geben Sie bitte den Hinweis auf die Umfrage in Ihre Netzwerke weiter. Denn je mehr Archäologinnen und Archäologen teilnehmen, desto belastbarer und aussagekräftiger werden die Ergebnisse sein. Nach der Beendigung der Umfrage wird sie wissenschaftlich ausgewertet und im Open Access publiziert.

Mehr zur Befragung "Evaluation Beruf Archäologie" (EvaBA): https://www.dguf.de/evaba.html

Zum Fragebogen bei SoSciSurvey (Beantwortung möglich vom 10.6.-15.10.2019) https://www.soscisurvey.de/BerufArchaeologie/

 

1.3        Rege Teilnahme an der von der DGUF mitveranstalteten Session "Organising Archaeologists – Archaeological Associations of Europe" (EAA-Konferenz Bern, 5.9.)

Aus der von Vorstandsmitgliedern von DGUF und CIfA bei der EAA-Tagung 2018 in Barcelona thematisierten Frage: "Wer macht unter all den bestehenden archäologischen Organisationen Europas eigentlich was?" resultierte u. a. das Projekt "Connecting Archaeological Associations in Europe" mit einer aktuell laufenden gleichnamigen Umfrage. Mehr als 140 Organisationen aus Europa haben die Befragung bisher absolviert. Bei der diesjährigen Jahrestagung der EAA in Bern wurde in einer von DGUF und CIfA organisierten halbtägigen Session "Organising Archaeologists – Archaeological Associations of Europe" eine Zwischenbilanz gezogen. In Vorträgen wurde zum einen thematisiert, wer wir sind und welche archäologischen Organisationstypen es in Europas gibt; zum anderen ging es um die Fragestellung, was wir alle tun, damit wir nicht unnötig miteinander konkurrieren, und wie wir unsere Rollen und Botschaften klären können und sollten, um die Zivilgesellschaft und Regierungen auf internationaler, nationaler und lokaler Ebene wirksamer zu beeinflussen. U. a. stellt Paul Belford die für ihre Komplexität berüchtigte britische Selbstorganisation von Archäologie vor und griff dabei zur Analogie von Ökosystemen, die zusammen eine Biosphäre bilden. Ryan Chelsea thematisierte die Situation in Irland, Maria Taloni und Caterina P. Venditti vom Italienischen Kultusministerium die von Italien. Ellen Thiermann und nach ihr Jeanette Krase beleuchteten die schweizerische Selbstorganisation von Archäologie. Nun sollen zusammen mit er DGUF-Partnerin EAA die bisher und derzeit in die Befragung einfließenden Informationen in eine dauerhafte Datenbank bzw. Website gebracht werden, wofür aktuell über Finanzierung und Modalitäten diskutiert wird.

"Archäologische Organisationen in Europa miteinander verbinden: Das Projekt 'Connecting Archaeological Associations in Europe'" (DGUF): https://www.dguf.de/conaae.html

Umfrage "Connecting Archaeological Associations in Europe" (SoSciSurvey): https://www.soscisurvey.de/ConAAEu/

Paul Belford: "Archaeological associations and the archaeological 'biosphere'" (Paul Belford, 6.9.): https://paulbelford.blogspot.com/2019/09/archaeological-associations-and.html

 

1.4        Für einen erfolgreichen Start ins Studium: DGUF‐Handreichung für Erstsemester

Wie plane ich mein Semester realistisch? Welche einführende Literatur ist empfehlenswert? Woran erkennt man einen guten Dozenten? Und was braucht es für ein gutes Referat? Für Erstis der Ur‐ und Frühgeschichte und weiterer archäologischer Studiengänge haben wir unsere Ersti-Handreichung. Sie richtet sich mit ihren zahlreichen Aspekten selbstverständlich auch an höhere Semester. Wir wünschen Ihnen viel Erfolg!

http://www.dguf.de/fileadmin/user_upload/Studierende/DGUF-Dok_Handreichung_fuer_Erstsemester.pdf

 

1.5        Unter den DGUF-Rezensionsangeboten: Tim Ingold: Anthropologie - was sie bedeutet und warum sie wichtig ist

Unter den zahlreichen Bänden, welche die Herausgeber der "Archäologischen Informationen" zur Rezension ausschreiben, sei diesmal der im August beim Peter-Hammer-Verlag in deutscher Übersetzung erschienene Band des britischen Anthropologen Tim Ingold "Anthropologie - was sie bedeutet und warum sie wichtig ist" hervorgehoben. Aus dem Klappentext: "Leidenschaftlich und glasklar legt Tim Ingold mit diesem schlanken Band das Manifest einer Anthropologie vor, die von der Frage geleitet ist: Wie sollen wir leben? Angesichts einer Welt auf Messers Schneide geht diese Frage jeden an. Nach Ingolds Überzeugung reicht es nicht länger, Wissen anzuhäufen, denn bloßes Wissen fixiert und stellt das Denken in Konzepten und Modellen ruhig. Woran es mangelt, ist Weisheit. Weise sein heißt für Ingold, sich in die Welt zu wagen und sich dem auszusetzen, was dort vor sich geht, aufmerksam zu sein, den Mantel der Allwissenheit abzulegen, den anderen ernst zu nehmen, ja, bei ihm in die Lehre zu gehen. Die Anthropologie verschafft der Weisheit und Erfahrung von Menschen überall auf der Welt Geltung. Eine neue Anthropologie, wie Ingold sie propagiert, sollte dabei nicht länger Studien über die Menschen verfassen, sondern mit ihnen studieren, welche Formen von Menschsein möglich sind. Auch, weil wir es uns nicht mehr leisten können, in unserer globalen Notlage auf ihre Weisheit zu verzichten." Wenn Sie Interesse an einer Rezension haben, richten Sie bitte Ihre Anfrage mit Ihrer vollständige Postanschrift sowie einer kurzen Begründung, weshalb Sie dieses Werk besprechen wollen, an: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.

Alle Rezensionsangebote der "Archäologischen Informationen" mit weiteren Informationen zu Modalitäten und Ablauf: http://www.dguf.de/fileadmin/user_upload/publikationen/AI/DGUF-Dok_Arch-Inf_Rezensionsangebote.pdf

 

2         Tagungen und Veranstaltungen

2.1        "Changing Interpretations, Meanings and Concepts of Heritage" (Hamburg, 18.-20.3.; CfP bis 31.10.)

This Danish-German conference explores how new and different interpretations of heritage have emerged and developed in a globalised world. It aims to present and discuss examples and approaches of changing interpretations and meanings of heritage and the challenges and controversies these entail. Topics could include for example: Changing interpretations of art and culture caused by political change or globalization. Old and new interpretations of art and culture from a post-colonial and/or feminist perspective. New perceptions and new ways of knowledge transfer, dealing with tangible and intangible heritage. Museum collections and cultural knowledge production through participation. The conference language is English, paper submissions are welcome until 31 October.

Tagungswebsite: http://www.icom-germany-conference.org/conference/2019/more-information

 

2.2        Jahrestagung des DArV (Frankfurt a. M., 26.-28.6.)

Der Ort & Termin für die Jahrestagung des Deutschen Archäologen-Verbands (DArV) 2020 steht ebenso wie das Rahmenthema fest: "Sinn und Ziele der archäologischen Wissenschaften' - Perspektiven nach 50 Jahren DArV e.V." Inhaltlich entspreche das Thema, so der DArV, seiner 1. Jahrestagung, die 1970 ebenfalls in Frankfurt a.M. stattfand.

 

2.3        26th EAA Annual Meeting (Budapest, 26.-30.8.; CfS bis 7.11.)

While the motto of the next EAA conference is "Networking", the seven themes, as defined by the Scientific Committee, incorporate the diversity of EAA and the multidimensionality of archaeological practice, including archaeological interpretation, heritage management and politics of the past and present. Amongst the themes are: "Networks, networking and communication: the archaeology of interactions", "From Limes to regions: archaeology of borders, connections and roads", and "Sustainable archaeology and heritage management in an unsustainable world". The Call for Sessions is open until Thursday 7 November, each session has to be organised by at least two people from two different countries.

https://www.e-a-a.org/eaa2020

 

3         Forschung

3.1        Neu im Early View der "Archäologischen Informationen"

Karl, R. (2019). Rezension zu: Söderström, U. (2018). Contract Archaeology and Sustainable Development. Between Policy and Practice. (LNU Licentiate No. 19). Växjö: Linnaeus University Press. Archäologische Informationen 42, Early View, online publiziert 26. Sept. 2019.

Wilde, H. (2019). Rezension zu: Eisenach, P., Stöllner, Th. & Windler, A. (eds.) (2017). The RITaK Conferences. 2013-2014. (RITaK, 1). (Anschnitt, Beiheft 34). (Veröffentlichungen aus dem Deutschen Bergbau-Museum Bochum, 219). Rahden/Westf.: Leidorf. Archäologische Informationen 42, Early View, online publiziert 23.9.2019.

Blitte, H. (2019). Rezension zu: Ettel, P. (Hrsg.) (2017). Alter Gleisberg I. Eine Höhensiedlung der Bronze- und Eisenzeit bei Jena. (Jenaer Schriften zur Vor- und Frühgeschichte, 7). Jena: Beier & Beran. Archäologische Informationen 42, Early View, online publiziert 20.9.2019.

Ochs, Chr. & Tollkühn, Ph. (2019). "Jenseits von Palmyra – Kulturgüterschutz in der Lehre": Tagungsbilanz der Organisatoren. Archäologische Informationen 42, Early View, online publiziert 19. Sept. 2019.

Pidzamecky, W. (2019). Review of: Gruszczyński, J. (2019). Viking silver, hoards and containers: The archaeological and historical context of Viking-Age silver coin deposits in the Baltic c. 800 - 1050. London: Routledge. Archäologische Informationen 42, Early View, published online 18 Sept. 2019.

http://www.dguf.de/earlyview.html

 

3.2        Aktuelle Ausgrabungen und Forschung in den Medien

"Oldest miniaturized stone toolkits in Eurasia. New study reveals the earliest microliths (small stone tools < 40 millimeters) in South Asia and in any rainforest environment worldwide, alongside tree-dwelling monkeys, other small mammals, and tropical plants in a Sri Lankan Cave" (Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte, 2.10.): https://www.shh.mpg.de/1494792/microliths-in-the-south-asian-rainforest

"Microscopic evidence sheds light on the disappearance of the world’s largest mammals. New, state-of-the-art methods provide detailed insights into the timing and causes of ‘megafauna’ extinctions in the past" (Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte, 2.10.): https://www.shh.mpg.de/1494803/micro-methods-for-megafauna

"Alte Genome geben Einblick in die genetische Geschichte der zweiten Pestpandemie. Die Analyse von 34 Pestgenomen aus der Zeit des Schwarzen Todes und nachfolgender Epidemien zwischen dem 14. und 17. Jahrhundert in Europa zeigt, wie sich das Bakterium nach einem einzigen Eintrag nach Europa diversifizierte" (Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte, 2.10.): https://www.shh.mpg.de/1494512/second-plague-pandemic

"Die Welt vor 4000 Jahren global umgestaltet. Internationale Studie: Globalisierung ist viel älter als bislang angenommen" (Universität Kiel, 30.9.): https://www.uni-kiel.de/de/detailansicht/news/257-ausgrabungen/

"Inscription Reveals Final Years of Life in Pompeii Before the City Was Buried in Ash" (LiveScience, 30.9.): https://www.livescience.com/ancient-pompeii-inscription-life-before-tragedy.html

"Insight into competitive advantage of modern humans over Neanderthals" (Tohoku University, 29.9.): https://www.eurekalert.org/pub_releases/2019-09/tu-iic092919.php

Mesolithikum: "Somerset human remains 'as old as Cheddar Man'" (BBC, 27.9.): https://www.bbc.com/news/uk-england-somerset-49739955

"LWL-Archäologen entdecken erneut über 11.500 Jahre alte Funde. Abschluss der jüngsten Grabungskampagne in und vor der Blätterhöhle" (LWL, 27.9.): https://www.lwl.org/pressemitteilungen/nr_mitteilung.php?urlID=49238

"Neue Ausgrabungen an der paläolithischen Fundstelle Müllheim-Feldberg 'Steinacker' (Lkr. Breisgau-Hochschwarzwald). Erster Nachweis jungpaläolithischer Besiedlung in Baden-Württemberg außerhalb der Welterbestätten im Ach- und Lonetal" (Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart, 26.9.): https://www.denkmalpflege-bw.de/service/presseoeffentlichkeitsarbeit/pressemitteilungen/pressemitteilungen/news/neue-ausgrabungen-an-der-palaeolithischen-fundstelle-muellheim-feldberg-steinacker-landkreis-breisg/

Ausgrabungen im Hallstätter Salzbergwerk: "Bronzezeit-Mikado - Neues aus dem Westend" (Stiegen-Blog, 26.9.): http://hallstatt-forschung.blogspot.com/2019/09/bronzezeit-mikado-neues-aus-dem-westend.html

"Dishing the dirt on an early man cave. Microscopic study yields intriguing ancient Denisovan secrets" (Flinders University, 26.9.): https://www.eurekalert.org/pub_releases/2019-09/fu-dtd092019.php

Tripolye-Kultur: "Zentralismus in den ältesten vorstädtischen Siedlungen Europas: Kollaps erklärbar. Undemokratische Entscheidungsstrukturen und die Bündelung von Macht waren vermutlich die Ursache für den Zusammenbruch der ältesten vorstädtischen Großsiedlungen Europas um 3.700 vor Christus" (Universität Kiel, 26.9.): https://www.uni-kiel.de/de/detailansicht/news/287-kollaps/

Dolmen von Guadalperal: "Spanish drought reveals submerged megalithic tomb" (Ars Technica, 26.9.): https://arstechnica.com/science/2019/09/spanish-drought-reveals-submerged-megalithic-tomb/

"Preserving old bones with modern technology" (University of Colorado at Boulder, 26.9.): https://www.eurekalert.org/pub_releases/2019-09/uoca-pob092619.php

Salzbergwerk Hallstatt: "Weiter geht's! Grabungskampagne 2019" (Stiegen-Blog, 24.9.): http://hallstatt-forschung.blogspot.com/2019/09/weiter-gehts-grabungskampagne-2019.html

"Why Archaic Humans in Israel Collected Feathers 420,000 Years Ago. A swan wing found at Qesem Cave has marks that can only be from defeathering: Like among the ancient Owl People of Louisiana, feather-based ritual may have been a mark of respect, says Tel Aviv University’s Ran Barkai" (Haaretz, 23.9.): https://www.haaretz.com/archaeology/.premium.MAGAZINE-why-archaic-humans-in-israel-collected-feathers-420-000-years-ago-1.7883700

"Todesursache von Tutanchamun soll feststehen und weitere große Töne bei der Eröffnung des Grand Egyptian Museums" (Selkets Blog, 22.9.): https://blog.selket.de/aus-den-museen/todesursache-von-tutanchamun-soll-feststehen-und-weitere-grosse-toene-bei-der-eroeffnung-des-grand-egyptian-museums

"Bronzezeit: Reste einer 3.000 Jahre alten Festung in Armenien freigelegt" (Der Standard, 21.9.): https://www.derstandard.de/story/2000108894509/reste-einer-3-000-jahre-alten-festung-in-armenien-freigelegt

"First glimpse at what ancient Denisovans may have looked like, using DNA methylation data" (Cell Press, 19.9.): https://www.eurekalert.org/pub_releases/2019-09/cp-fga091219.php

"Inequality: What we've learned from the 'Robots of the late Neolithic'" (Santa Fe Institute, 18.9.): https://www.eurekalert.org/pub_releases/2019-09/sfi-iww091819.php

"A technological 'leap' in the Edomite Kingdom during the 10th century BCE. Technological progress in the Levant fits a 'punctuated equilibrium' model" (PLOS, 18.9.): https://www.eurekalert.org/pub_releases/2019-09/p-at091119.php

"Tel Aviv University researchers discover evidence of biblical kingdom in Arava Desert. Findings also suggest pharaoh's influence on Edom turned kingdom into copper powerhouse, say TAU researchers" (American Friends of Tel Aviv University, 18.9.): https://www.eurekalert.org/pub_releases/2019-09/afot-tau091819.php

"Restorers discover shield fragment is 1,700 years old, making it the oldest German panel painting. Researchers at the Landesmuseum in Halle found fragments of paint on the ancient wooden object" (The Art Newspaper, 17.9.): https://www.theartnewspaper.com/news/shield-fragment-from-ad300-is-the-oldest-german-panel-painting

"Northern France was already inhabited more than 650,000 years ago" (CNRS, 17.9.): https://www.eurekalert.org/pub_releases/2019-09/c-nfw091719.php

"Vikings probably hunted Iceland's walruses to extinction for ivory" (New Scientist, 16.9.): https://www.newscientist.com/article/2216471-vikings-probably-hunted-icelands-walruses-to-extinction-for-ivory

"Prehistoric Figurine Depicting Pregnant Woman Found in Middle Chalcolithic Workshop near Bulgaria’s Black Sea Coast" (Archaeology in Bulgaria, 14.9.): http://archaeologyinbulgaria.com/2019/09/14/prehistoric-figurine-depicting-pregnant-woman-found-in-middle-chalcolithic-workshop-near-bulgarias-black-sea-coast/

"Das Rätsel des bronzezeitlichen Zinns. Wissenschaftler ermitteln mit naturwissenschaftlichen Methoden geographische Herkunft archäologischer Zinnfunde im Mittelmeerraum" (Universität Heidelberg, 13.9.): https://www.uni-heidelberg.de/de/newsroom/das-raetsel-des-bronzezeitlichen-zinns

"Händchenhaltende Skelette aus dem 6. Jahrhundert: 'Liebende von Modena' waren Männer" (Spiegel, 13.9.): https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/liebende-von-modena-waren-beides-maenner-a-1286731.html

"Women also competed for status superiority in mid-Republican Rome" (University of Gothenburg, 13.9.): https://www.eurekalert.org/pub_releases/2019-09/uog-wac091319.php

Bronzezeit: "Skelette in der Polizeiinspektion Magdeburg" (Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, 13.9.): https://www.lda-lsa.de/aktuelles/meldung/datum/2019/09/13/skelette_in_der_polizeiinspektion_magdeburg/

"Extinction of Icelandic walrus coincides with Norse settlement" (University of Copenhagen, 13.9.): https://news.ku.dk/all_news/2019/09/extinction-of-icelandic-walrus-coincides-with-norse-settlement/

"Early humans used tiny, flint 'surgical' tools to butcher elephants. New discovery by Tel Aviv University-led research group suggests early humans in the Levant were sophisticated and environmentally conscious" (American Friends of Tel Aviv University, 11.9.): https://www.eurekalert.org/pub_releases/2019-09/afot-ehu091119.php

"Scientists Find the Skull of Humanity’s Ancestor, on a Computer. By comparing fossils and CT scans, researchers say they have reconstructed the skull of the last common forebear of modern humans" (The New York Times, 10.9.): https://www.nytimes.com/2019/09/10/science/human-ancestor-skull-computer.html

Niederösterreich: "Lagerplatz von Mammutjägern: Langenlois vor neuer archäologischer Sensation?" (Mein Bezirk, 10.9.): https://www.meinbezirk.at/krems/c-lokales/langenlois-vor-neuer-archaeologischer-sensation_a3618207

"What the noggin of modern humans' ancestor would have looked like" (CNRS, 10.9.): https://www.eurekalert.org/pub_releases/2019-09/c-wno090919.php

"Researchers find earliest evidence of milk consumption. Researchers have found the earliest direct evidence of milk consumption anywhere in the world in the teeth of prehistoric British farmers" (University of York, 10.9.): https://www.eurekalert.org/pub_releases/2019-09/uoy-rfe091019.php

"Des empreintes de Néandertaliens découvertes dans la Manche. Un site archéologique situé en surplomb de la plage du Rozel, dans la Manche, a permis de mettre au jour des vestiges vieux de 80.000 ans" (Le Monde, 9.9): https://www.lemonde.fr/sciences/article/2019/09/09/des-empreintes-de-neandertaliens-decouvertes-dans-la-manche_5508367_1650684.html und "Neanderthal Footprints in France Offer Clues to Group Behavior. The 80,000-year-old prints fill in gaps left by fossils and artifacts" (The New York Times, 9.9.): https://www.nytimes.com/2019/09/12/science/neanderthal-footprints-kids.html und "Ancient footprints show Neanderthals may have been taller than thought" (New Scientist, 9.9.): https://www.newscientist.com/article/2215803-ancient-footprints-show-neanderthals-may-have-been-taller-than-thought

"Secret to This Dead Sea Scroll’s Incredible Preservation — And Inevitable Destruction — Could Be Salt. The Temple Scroll is the best preserved of all 900 Dead Sea Scrolls, and researchers just got one step closer to figuring out its secret" (LiveScience, 6.9.): https://www.livescience.com/temple-scroll-salt-preservation.html

"Mysterious Indus Valley People Gave Rise to Modern-Day South Asians. Who were the ancient people from the mysterious Harappan Civilization?" (LiveScience, 5.9.): https://www.livescience.com/south-asians-descend-from-harappan-civilization.html

"Ancient DNA study tracks formation of populations across Central Asia. Ethically sourced and informed by archaeology, DNA study is largest in the world to date" (Washington University in St. Louis, 5.9.): https://www.eurekalert.org/pub_releases/2019-09/wuis-ads090319.php

"Indoeuropäische Sprachen stammen aus der Steppe" (Universität Wien, 5.9.): https://medienportal.univie.ac.at/presse/aktuelle-pressemeldungen/detailansicht/artikel/indoeuropaeische-sprachen-stammen-aus-der-steppe/

"Newfound phalanx fragment shows Denisovans closer to modern humans than Neanderthals" (CNRS, 4.9.): https://www.eurekalert.org/pub_releases/2019-09/c-npf090419.php

Wien: "17 Skelette am Neuen Markt ausgegraben" (ORF, 1.9.): https://wien.orf.at/stories/3010605/

"A Hole in the Head: A History of Trepanation. A survey of trepanation, or trephination, the oldest surgical procedure known to humanity" (The MIT Press reader, 29.8.): https://thereader.mitpress.mit.edu/hole-in-the-head-trepanation/

"Viking treasure unearthed in Ukraine by Nottingham archaeologists" (University of Nottingham, 29.8.): http://blogs.nottingham.ac.uk/newsroom/2019/08/29/viking-treasure-unearthed-in-ukraine-by-nottingham-archaeologists

 

3.3        "The power of populations: integrating bioarchaeological and historical methods for the assessment of our medieval past" Videos einer Session auf der EAA 2017 in Maastricht

Ein spannender Titel, unterfüttert durch interessante Vorträge und von Doug Rocks-Macqueen dokumentiert in Vortragsvideos gibt interessante Einblick in den "Stand der Dinge" um aktuelle anthropologische Untersuchungen. So interessant jedes einzelne Projekt und so divers das Vortragsbündel, lässt die Dokumentation doch gemeinsame Trends gut erkennen: Neben dem weiterhin notwendigen traditionellen Befunden der menschlichen Knochen und dem Einbezug historischer und archäologischer Informationen in die Interpretation der Befunde hat sich nunmehr der Einsatz eines ganzen Bündels laboranthropologischer Methoden fest etabliert. Die Kombination der verschiedenen Ansätze erlaubt vertiefte Einblicke in die untersuchten lokalen Gemeinschaften - ein großer Gewinn gegenüber dem allein konventionellen Vorgehen. Was indes in der Zusammenschau der Vorträge ebenso auffällt: es fehlt an einer Strategie der Integration der Case Studies in ein größeres Ganzes. Von der viel beschworenen Analyse im Sinne "Big Data" ist die anthropologische Forschung noch weit entfernt.

The power of populations: integrating bioarchaeological and historical methods for the assessment of our medieval past (Doug's Archaeology, 13.9.): https://dougsarchaeology.wordpress.com/2019/09/13/the-power-of-populations-integrating-bioarchaeological-and-historical-methods-for-the-assessment-of-our-medieval-past/

 

3.4        Großer Wissenszuwachs in der dänischen Archäologie - Morten Axboe dankt Sondengängern

Im jüngsten Jahrgang der "Neuen Studien zur Sachsenforschung" gibt der weithin bekannte dänische Frühmittelalterarchäologe Morten Axboe (Dän. Nationalmuseum Kopenhagen) einen kurzen und gehaltvollen Überblick über die s. E. enormen Erkenntniszuwächse, welche die dänische Archäologie den Detektorfunden verdanke. Für seinen Beitrag greift er sechs Highlights heraus, die er kenntnisreich und in schönen Fotos vorstellt. Doch in seinen Schlussfolgerungen betont er das große Ganze: "The items presented here are picked as highlights from the rich harvest of detector finds in Denmark. They all represent new findings – perhaps ‘curiosities’, but nevertheless adding to our knowledge in one or another respect. But it should not be forgotten that the real basis for the explosion of knowledge, which the collaboration between museums and metal-detector enthusiasts has caused in Danish archaeology, are the thousands of every-day objects like brooch-fragments or copper coins. They are recorded as meticulously by the finders saving them from ploughing and corrosion, which would otherwise remorselessly destroy them."

Morten Axboe: "Highlights from Danish metal detector finds. Interacting Barbarians Contacts, Exchange and Migrations in the First Millennium AD." Neue Studien zur Sachsenforschung 9, 2019, 269-: https://www.academia.edu/40401969/Highlights_from_Danish_metal_detector_finds

 

3.5        Machu Picchu: Geologische Verwerfungen erklären womöglich Anlage der Stadt

Warum haben die Inka Machu Picchu an einer so schwer zugänglichen Stelle errichtet? Eine noch unpublizierte Studie von Geologen um Rualdo Menegat (Universität Rio Grande do Sul, Brasilien) sieht die Ursache in einem dichten Netz sich überschneidender Brüche und Verwerfungen unterhalb des UNESCO-Weltkulturerbes. Unter Verwendung einer Kombination aus Satellitenbildern und Feldmessungen kartierte Menegat das Areal. Seine Analyse zeige, so die Geological Society of America, dass diese Merkmale sehr unterschiedlich seien, von winzigen Brüchen, die in einzelnen Steinen sichtbar sind, bis zu großen, 175 Kilometer langen Linien, die die Ausrichtung einiger Flusstäler der Region steuern. Die Verwerfungen bildeten eine "X" -Form, in der sie sich unter Machu Picchu schneiden. Die Kartierung lege nahe, dass sich zahlreiche Gebäude Machu Picchus, Treppen und umliegende landwirtschaftliche Felder an den Trends dieser Hauptstörungen orientieren. Auch hätten Die tektonischen Verwerfungen des Gebiets hätten außerdem Schmelz- und Regenwasser direkt nach Machu Picchu geleitet.

"Machu-Picchu - Rätsel um abgelegene Inkastadt gelöst" (3Sat, 30.9.; Video, 0:55 Min.): https://www.facebook.com/watch/?v=691668351333391

"Machu Picchu: Ancient Incan Sanctuary Intentionally Built on Faults" (Geological Society of America, 22.9.): https://www.geosociety.org/GSA/News/pr/2019/19-38.aspx

 

3.6        Historische Daten zum Beginn der Weinernte bestätigen "Hockeyschläger"

Ein Forscherteam um den bekannten Schweizer Klimahistoriker Christian Pfister ("Wetternachhersage", 1998) hat die Daten zum Beginn der Weinlese im Städtchen Beaune im Burgund zusammengetragen und daraus den bislang am weitesten in die Vergangenheit zurückreichenden Datensatz dieser Art rekonstruiert - bis ins Jahr 1354 n. Chr. Im Abgleich mit anderen Informationen erweist sich der Beginn der Weinlese als hoch korreliert mit den Sommertemperaturen: Jahre extrem früher Weinlese sind Jahre mit extrem warmem und trockenem Sommer. Betrachtet man aus der 664 Jahre umfassenden Serie die 5 % frühesten Weinlesen, d. h. die 33 extremsten Jahre, erweisen sich diese als sehr ungleich über die Zeit verteilt: 21 extreme Jahre fallen in die Zeit zwischen 1393 und 1719 (d. h. 1x alle 15 Jahre), während nur 5 Extremereignisse in die Jahre zwischen 1720 und 2002 fallen (d. h. 1x alle 56 Jahre). Demgegenüber wurden in den 16 Jahren seit dem heißen Sommer 2003 insgesamt 8 solcher Extremereignisse beobachtet (d. h. 1x alle 2 Jahre), 5 von ihnen in den jüngsten 8 Jahren. Diese Beobachtung ist erneut eine Bestätigung des "Hockeyschlägers" (Hockey stick), d. h. der Kurve der globalen Klimaentwicklung, die in den unmittelbar zurückliegenden Jahren deutlich in Richtung auf eine starke Erwärmung ansteigt.

"Burgundy wine grapes tell climate story, show warming accelerated in past 30 years" (European Geoscience Union, 29.8.): https://www.egu.eu/news/494/burgundy-wine-grapes-tell-climate-story-show-warming-accelerated-in-past-30-years/

Labbé, T., Pfister, C., Brönnimann, S., Rousseau, D., Franke, J. & Bois, B. (2019). The longest homogeneous series of grape harvest dates, Beaune 1354–2018, and its significance for the understanding of past and present climate. Climate of the Past, 15, 1485–1501, https://doi.org/10.5194/cp-15-1485-2019: https://www.clim-past.net/15/1485/2019/cp-15-1485-2019.html (open access).

Hockeyschläger-Diagramm [Vers. 6.9.2019]: https://de.wikipedia.org/wiki/Hockeyschl%C3%A4ger-Diagramm

 

3.7        Milch von Wiederkäuern in Keramikfläschchen aus prähistorischen Kindergräbern nachgewiesen

Welche Lebensmittel außer Muttermilch Säuglinge in der Vorgeschichte erhielten, ist wenig bekannt. Die frühesten bekannten Tongefäße, die möglicherweise zur Fütterung von Säuglingen verwendet wurden, tauchen im neolithischen Europa auf und werden im Laufe der Bronze- und Eisenzeit immer häufiger. Allerdings war immer unklar, was genau aus den Gefäßen getrunken wurde, und ob sie auch der Nahrungszufuhr Kranker gedient haben könnten. Jetzt wurden drei bronze- bzw. eisenzeitliche Tongefäße untersucht, sie stammen u. a. aus Dietfurt im Altmühltal. Forscher konnten jetzt Fettsäuren nachweisen, die sie der Milch domestizierter Wiederkäuer wie Kühen, Ziegen oder Schafen zuordnen. Die Ergebnisse legen nahe, dass die Gefäße zur Fütterung von Säuglingen verwendet wurden.

Julie Dunne et al., Milk of ruminants in ceramic baby bottles from prehistoric child graves. Nature, 25.9. https://www.nature.com/articles/s41586-019-1572-x

"First evidence for early baby bottles used to feed animal milk to prehistoric babies" (University of Bristol, 25.9.): https://www.eurekalert.org/pub_releases/2019-09/uob-fef092319.php

Julie Dunne: "Discovery of prehistoric baby bottles shows infants were fed cow’s milk 5,000 years ago" (The Conversation, 25.9.): http://theconversation.com/discovery-of-prehistoric-baby-bottles-shows-infants-were-fed-cows-milk-5-000-years-ago-124115

"Early Europeans bottle-fed babies with animal milk" (Childhood Bioarchaeology, 26.9.): https://childhoodbioarchaeology.org/2019/09/25/early-europeans-bottle-fed-babies-with-animal-milk/

 

4         Archäoinformatik

4.1        QGIS goes GeoPDF

Quasi gerade erst, nämlich vor nur anderthalb Jahren, hat der DGUF-Newsletter die Veröffentlichung von QGIS 3.0 vermeldet (vgl. DGUF-Newsletter vom 9.3.2018, Punkt 10.1) - aber die Entwickler dieser in der Archäologie weit verbreiteten Open-Source-GIS-Software haben ganz offenbar anderes zu tun, als faul und selbstzufrieden auf ihren Lorbeeren rumzuliegen: Für Ende Oktober ist mit QGIS 3.10 bereits die fünfte Überarbeitung von QGIS 3 angekündigt; es handelt sich wiederum um eine langzeitunterstützte Version. Und diese bringt einige spannende Neuerungen mit! Vom Autor dieses Beitrags am sehnlichsten erwartet ist die Implementierung des GeoPDF-Formats, das die Universalität eines PDFs um raumbezogene Informationen erweitert. Der Begriff "GeoPDF" bezog sich dabei ursprünglich nur auf Produkte der Firma TerraGo, wird aber inzwischen generisch verwendet - wie beim Tempotaschentuch. Ein geospatiales PDF, geöffnet in Adobes Acrobat Reader, erlaubt das Messen von Strecken und Flächen ebenso wie das Abgreifen von Koordinaten - ein "richtiges" GIS muss nicht installiert sein. Kann aber - denn ein GeoPDF kann ohne Informationsverlust wieder in eine GIS-Umgebung reimportiert werden! Überdies wird es mit dem neuen Format auch möglich sein, die Layerstruktur des QGIS-Projektes zu erhalten, statt alle Layer zu einer einzigen Karte einzudampfen - im GeoPDF können dann je nach Bedarf einzelne Layer oder Layergruppen an- und abgeschaltet werden. So können z. B. verschiedene Fundkategorien in einem PDF-Dokument auskartiert und je nach Wunsch kombiniert werden - alles in nur einer handlichen PDF-Datei. Bezahlt wurden die von der australischen Firma North Road implementierten Softwaremodule in erster Linie von verschiedenen Gemeinden, Kantonen und Bundesländern in Österreich und der Schweiz - ein schönes Beispiel, wie Open-Source-Software funktionieren kann: Statt Lizenzgebühren zu zahlen und darauf zu hoffen, dass die proprietäre Software mit dem nächsten Update vielleicht endlich das mitbringt, was man dringend braucht, wurde hier gezielt ein Projekt finanziert, das die benötigten Funktionen schafft. Und zwar zum Nutzen aller Anwender -nachahmenswert!

"QGIS 3.10 Loves GeoPDF!" (Blogpost der Fa. Nort Road, 3.9.2019): https://north-road.com/2019/09/03/qgis-3-10-loves-geopdf/

"Geospatial PDF" (Lemma in der englischsprachigen Wikipedia): https://en.wikipedia.org/wiki/Geospatial_PDF

 

4.2        QGIS oder R zum Karten-Machen?

Nagel, Schlitzschraube, Kreuzschraube - mit all diesen Mitteln lassen sich Dinge verbinden, doch für die praktische Umsetzung bedarf es unterschiedlicher, spezifischer Geräte wie Hammer oder Kreuzschraubendreher. Ganz in diesem Sinne nutzt man spezifische Softwares wie z. B. SPSS oder PAST für statische Analysen und GIS-Softwares wie z. B. MapInfo oder QGIS für das Anfertigen und Analysieren von Karten. Doch in jüngster Zeit mehren sich Anwender, die das freie Statistikprogramm R dazu nutzen, um typische GIS-Anwendungen mit ihm zu realisieren. Mit Lovelace, Nowosad & Muenchow 2019 (beispielsweise) steht dafür nunmehr auch ein gutes Lehrbuch zur Verfügung. Doch ist das klug, anstelle von - beispielsweise - dem ausgereiften und freien GIS-Programm QGIS nun R für das Kartieren zu nutzen? Ein Vortrag von Mike Spencer auf der Tagung FOSS4GUK 2019 erläutert den Unterschied zwischen Kartieren mit QGIS und R. Seiner Erachtens stand von etwa 20 Jahren das Ergebnis im Vordergrund, d. h. die angestrebte Karte, und dies ließ sich z. B. mit MapInfo gut erzielen - bei vertretbarem Lernaufwand. Heutzutage sei weiterhin das Ergebnis wichtig, doch zugleich wolle man die Grundlagen und den Prozess, mit dem es erzielt wurde, transparent und nachvollziehbar machen. Hier sehe er den wesentlichen Unterschied zwischen QGIS und R: Zwar könne man den Weg zum Ergebnis auch in QGIS (als Workspace) speichern und somit dokumentieren, doch das Offenlegen und Verfügbar-Machen des R-Codes sei leichter und für die Weiterverwendung durch Dritte besser geeignet. Ein bedenkenswerter Diskussionsbeitrag.

Robin Lovelace, Jakub Nowosad & Jannes Muenchow (2019). Geocomputation with R. Boca Raton: CRC Press. - und Open Access: https://geocompr.robinlovelace.net/

"Cartography with R and QGIS, which to choose?" (Michael Spencer, 20.9.): https://zenodo.org/record/3456876

"FOSS4GUK LIVE - Main Room / Biosphere Green - DAY 2" (FOSS4G UK, 20.9.; Video, 7:59 Std.; Vortrag Spencer bei 1:20-1:36 Std.): https://youtu.be/DlAfbwGrT30

 

4.3        Eine gute Grundlage: David L. Carlson: Quantitative methods in archaeology using R (2017)

Moderne Einführungen in die Statistik für Archäologen sind rar. Die Klassiker wie z.B. P. Ihm (1978), Cl. Orton (1980), St. Shennan (1988, 1997) oder R. D. Drennan (1996, 2009) stammen noch aus den 1970er - 90er Jahren - und damit aus einer Zeit anderer Lesegewohnheiten und Technik. Seitdem haben sich die Statistik, die Archäologie und insbesondere die praktische Seite dieses Feldes weiterentwickelt, nicht zuletzt durch den Einzug guter kostenloser Software. So füllt das - laut Rezension von F. Siegmund: gute und moderne - Buch von Grant S. McCall (2018) eine Lücke. Doch McCall fokussiert auf das Feld von Statistik und Archäologie, die Seite der praktischen Umsetzung bleibt bei ihm gänzlich ausgeklammert. Daher bietet das Lehrbuch von D. L. Carlson, einem langjährig an den Texas A&M University Lehrenden mit besonderem Interesse für das Paläolithikum, eine treffende Ergänzung. Carlson erklärt vor allem die praktische Realisierung von Statistiken mit R. Wobei er Purist ist: Zwar erwähnt er graphische Benutzeroberflächen zu R, bleibt aber in seinem Buch bei der Kombination von R & RStudio, und bei der Verfertigung von Graphiken beim Umfang des R-Basispakets - die trendigen ggplot2-Graphiken lässt er außen vor. Innerhalb dieses Rahmens bietet Carlson eine sehr breite, viele unterschiedliche Themen behandelnde Einführung, die von einfachsten Anforderungen bis hin zu multivariaten Methoden reicht und dies stets an archäologischen Beispielen entwickelt. Das Buch bietet alle nötigen Code-Beispiele, die Beispieldaten stehen als R-Paket bereit, so dass man entlang dieses Buchs die Analysen Schritt für Schritt nachvollziehen kann. Eine Stärke sind die konkreten Hinweise auch auf seltener angewandte R-Pakete, die zu den jeweils behandelten Themenfeldern nützlich sind. Eine Schwäche ist das weitgehende Fehlen des so wichtigen Themas Datenerfassung und -aufbereitung. Wenn man den Weg über die englische Sprache nicht scheut, bietet die Kombination von McCall 2018 und Carlson 2017 eine gute Grundlage für das Erlernen archäologierelevanter Statistik mit R im Selbststudium.

David L. Carlson (2017). Quantitative methods in archaeology using R. (Cambridge Manuals in Archaeology). Cambridge University Press. Paperback, 431 S. https://assets.cambridge.org/97811070/40212/frontmatter/9781107040212_frontmatter.pdf

Siegmund, F. (2018). Rezension zu: McCall, G. S. (2018). Strategies for quantitative research. Archaeology by numbers. Oxon: Routledge. Archäologische Informationen 42, Early View, online publiziert 19. Dez. 2018: http://www.dguf.de/fileadmin/AI/ArchInf-EV_Siegmund.pdf

 

4.4        Bericht vom Workshop der AG CAA (Wilhelmshaven, 23.-24.9.)

Das wohl wichtigste Ereignis dieses Workshops der AG Computer-Anwendungen und Quantitative Methoden in der Archäologie (CAA) war die Mitgliederversammlung des eingetragenen Vereins, die dazu diente, ein schwerwiegendes, länger währendes Organisations-Hemmnis der AG zu bereinigen. Die Beschlüsse der MV inkl. der Wahl eines neuen Vorstandes dürften sicherstellen, dass die AG nunmehr saniert und als Verein wieder vollumfänglich handlungsfähig ist. Neuer Vorsitzender der AG CAA ist Prof. Kai-Christian Bruhn. Die mit ca. 85 Teilnehmern gut besuchte Tagung war wohlorgansiert und fand im Wilhelmshavener Kulturzentrum "Pumpwerk" statt: angenehme Räume mit perfekter Projektion und Tonanlage. Am Beginn des Workshops standen zwei parallel laufenden Tutorials zu "R" (S. C. Schmidt) und zur "Bildbasierten 3D-Modellierung" (A. Kai-Browne), die ausgebucht waren und von denen die Teilnehmer nur Gutes berichteten. Die Vorträge (und Poster) vor allem zum Themenbereich "Digitale Dokumentation", "3D-Dokumentation" und "Methoden" lassen in Summe erkennen, dass hier eine ausnehmend lebendige, interessante und wichtige "Bastelstube" besteht: Man arbeitet und experimentiert an vielen Orten und mit unterschiedlichsten Ansätzen intensiv, doch Mainstream-Standardlösungen zeichnen sich (noch) nicht ab. Viele Projekte beschäftigen sich sehr eingehend und facettenreich mit hochspezifischen Gebieten wie z. B. Details einer einzelnen Fundgattung oder einem einzelnen Fundort, während Übergreifendes und "Big Data" derzeit nicht im Vordergrund stehen. Ein starkes verbindendes Element ist, dass Lösungen mit offener Software bevorzugt werden oder zumindest ein Datenaustausch über offene, nicht-proprietäre Formate. Die Abstracts der einzelnen Vorträge sind über das Programm des Workshops einsehbar.

http://ag-caa.de/workshop2019/programm/

 

5         Kulturgutschutz

5.1        Aktuelles rund um Kulturgutschutz in den Medien

"En Sardaigne, des trésors mégalithiques en danger. Les vestiges de la civilisation nuragique, pour certains vieux de plus de cinq millénaires, ne sont pas suffisamment protégés et étudiés, déplorent les chercheurs" (Le Monde, 25.9.): https://www.lemonde.fr/sciences/article/2019/09/25/en-sardaigne-des-tresors-megalithiques-en-danger_6013031_1650684.html

"Kulturgüter in Syrien und Irak (Juli/ August 2019)" (Archaeologik, 8.9.): https://archaeologik.blogspot.com/2019/09/kulturguter-in-syrien-und-irak-juli.html

 

5.2        Ein bis heute heruntergespieltes Thema: Bericht von Bénédicte Savoys Vortrag "Zurück in die Zukunft" zur Restitution afrikanischer Kulturgüter (Hamburg, 28.9.)

Unter welchen Bedingungen können afrikanische Kulturgüter an die Herkunftsländer zurückgegeben werden? Das untersuchen im Auftrag Emmanuel Macrons seit 2018 die Kunstgeschichtlerin Prof. Bénédicte Savoy (TU Berlin und Collège de France Paris) und der Sozial- und Wirtschaftswissenschaftler Prof. Felwine Sarr (Universität Gaston Berger Saint-Louis, Senegal). Am 28.9. gab Savoy in Hamburg mit ihrem Vortrag "Zurück in die Zukunft" einen aktuellen Blick in ihre Untersuchungen. Sie zeigte anhand des Humboldt Forums in Berlin und dem Völkerkundemuseum Linden-Museum in Stuttgart auf, wie deutlich sich die Deutsche Kolonialzeit (1871-1918) auf die jeweiligen Sammlungen auswirkten. Dabei seien insbesondere die Schenkenden aus den Reihen des Militärs und der Kolonialverwaltung verantwortlich für die Art und Weise gewesen, wie die Kulturgüter in den Besitz der Museen gelangten und nach Deutschland transportiert wurden. Überraschend hätten Sarr und sie festgestellt, berichtete die Französin, dass das vermeintlich aktuelle Thema bereits zwischen 1978-82 ausführlich von Wissenschaft und breiter Öffentlichkeit diskutiert worden sei – und genau wie heute auch sei die damalige Empfehlung gewesen, die Restitution der Kulturgüter "als Akt der Solidarität und Fairness" voranzutreiben. Das Verdrängen der Thematik sei seitdem maßgeblich durch Museen vorangetrieben worden, die über die UNESCO einen Flyer mit Verhaltensempfehlungen breit gestreut hätten. So sollte z. B. der Begriff "Restitution" in der Kommunikation möglichst vermieden werden, um den "Schatten der Illegalität" zu vermeiden. Zudem, so Savoy, konnten die beiden Forscher Unterschiede in der Handhabung in West- und Ostdeutschland herausarbeiten: Während in der BRD diskutiert worden sei, ob die Bevölkerung Afrikas überhaupt in der Lage sei, Kulturgut erhalten zu können, oder ob es nicht viel sinnvoller wäre, die Artefakte stellvertretend aufzubewahren, sei 1985 in der DDR eine Ausstellung nigerianischer Kunst bereits durch den Archäologen Egpo Eyo aus Lagos kuratiert worden. Savoy findet es erschreckend, dass das Thema noch in jüngster Vergangenheit heruntergespielt worden sei, z. B. wenn in der Einladung zu einer Diskussionsrunde der Stiftung Preußischen Kulturbesitz vom August 2017 das Thema Restitution als "Sommerlochthema" bezeichnet wurde. Savoy brennt für das Thema, und es gelingt ihr, das Vortragspublikum zu fesseln und zum Nachdenken anzuregen. Gleichzeitig wächst der Druck der Gesellschaft weiter. Kein Wunder, das die Veränderungen auch vor Hamburg nicht Halt machen. So wurde nach Antritt der neuen Direktorin Prof. Barbara Plankensteiner aus dem "Museum für Völkerkunde" das "Museum am Rothenbaum - Kulturen und der Künste der Welt" (MARKK), und auch eine erste Restitution wurde von dort bereits vorgenommen: die koreanischen Grabwächter, die 1987 von dem Museum erworben wurden.

"Provenienzforschung im Projekt 'Schwieriges Erbe: Zum Umgang mit kolonialzeitlichen Objekten in ethnologischen Museen'. Abschlussbericht" (Linden-Museum Stuttgart, 2018): https://www.lindenmuseum.de/fileadmin/user_upload/images/fotogalerie/Schwieriges_Erbe/SchwierigesErbe_Provenienzforschung_Abschlussbericht.pdf

Ina Heumann, Holger Stoecker, Marco Tamborini und Mareike Vennen: "Dinosaurierfragmente: Zur Geschichte der Tendaguru-Expedition und ihrer Objekte, 1906-2018". Wallenstein-Verlag, 2018. ISBN: 978-3835332539.

Buchkritik "Bénédicte Savoy: 'Museen. Eine Kindheitserinnerung und die Folgen'. Im gelehrsamen Kampf für die Restitution" (Deutschlandfunk, 27.5.2019): https://www.deutschlandfunkkultur.de/benedicte-savoy-museen-eine-kindheitserinnerung-und-die.950.de.html?dram:article_id=449786

"Bénédicte Savoy über Kolonialismus-Debatte: 'Wir haben viel zu lernen'" (Deutschlandfunk, 31.8.2019): https://www.deutschlandfunk.de/benedicte-savoy-ueber-kolonialismus-debattte-wir-haben-viel.691.de.html?dram%3Aarticle_id=457742

Buchkritik "Felwine Sarr: 'Afrotopia'. Schluss mit westlichen Kriterien!" (Deutschlandfunk, 31.1.2019): https://www.deutschlandfunkkultur.de/felwine-sarr-afrotopia-schluss-mit-westlichen-kriterien.1270.de.html?dram:article_id=439817

"Felwine Sarr: 'Geschehen ist fast nichts'" (ZEIT, 24.7.2019): https://www.zeit.de/2019/31/felwine-sarr-raubkunst-kolonialismus-museen-europa

MARKK: "Museum gibt Grabwächter-Figuren an Korea zurück" (NDR, 19.3.2019): https://www.ndr.de/kultur/kunst/provenienzforschung/MARKK-Museum-gibt-Grabwaechter-Figuren-an-Korea-zurueck,grabwaechter104.html

 

6         Studium, Job-Themen und Personalia

6.1        Wie stellen die Archäologie als Wissenschaft und die archäologische Denkmalpflege sicher, dass der Nutzen archäologischer Erkenntnisse der Allgemeinheit zugutekommt?

Inwieweit trägt die praktische archäologische Denkmalpflege zu einer nachhaltigen Entwicklung im Sinne der der Vereinten Nationen bei? Gemeint sind die das Kulturelle Erbe betreffenden Aspekte von Ziel 11, "Nachhaltige Städte und Gesellschaften". Für Schweden hat dies Ulrika Söderström untersucht, und sie kommt – so fasst das Rezensent Raimund Karl zusammen, "zu dem unangenehmen Ergebnis, dass [die schwedische Archäologie] das nur in einem sehr geringen Ausmaß tut, wenn überhaupt." Söderströms Arbeit weise kleine Lücken auf, so Karl, sei aber von hoher Bedeutung: "Insbesondere ihre Analyse der Diskrepanz, die zwischen den der schwedischen archäologischen Denkmalpflege gesetzlich zugewiesenen Aufgaben, zur nachhaltigen, partizipativen und inklusiven gesellschaftlichen Entwicklung beizutragen, und der tatsächlichen Praxis im Bereich des archäologischen Dienstleistungsbetriebs besteht, ist treffsicher und ebenso wichtig wie unbequem zu lesen." Generell stellt Karl die Frage: "Welchen Nutzen haben archäologische Erkenntnisse wirklich, für wen sind sie nützlich und wie stellt die Archäologie als Wissenschaft und die archäologische Denkmalpflege sicher, dass dieser Nutzen auch tatsächlich der Allgemeinheit und nicht nur ein paar wenigen Archäologen zugutekommt? Mit diesen Fragen hat sich unser Fach tatsächlich bislang viel zu wenig beschäftigt."

Karl, R. (2019). Rezension zu: Söderström, U. (2018). Contract Archaeology and Sustainable Development. Between Policy and Practice. (LNU Licentiate No. 19). Växjö: Linnaeus University Press. Archäologische Informationen 42, Early View, online publiziert 26. Sept. 2019. https://dguf.de/fileadmin/AI/ArchInf-EV_Karl2.pdf

United Nations: Sustainable Development Goals (2016): https://www.un.org/sustainabledevelopment/sustainable-development-goals/

 

6.2        European Archaeological Heritage Prize der EAA für Osman Kavala

Am 4.9. verlieh die European Association of Archaeologists (EAA ) im Rahmen ihrer Jahrestagung in Bern den European Archaeological Heritage Prize an Osman Kavala. Der seit Oktober 2017 in der Türkei inhaftierte Unternehmer und Mäzen erhält den Preis für seine engagierte und unermüdliche Förderung des Wissens, des Schutzes und der Erhaltung des gefährdeten kulturellen Erbes in der Türkei. Für Kavala ist kulturelle Vielfalt eine Quelle für soziales und wirtschaftliches Wohlergehen. Er förderte Projekte, die für die Geschichte der Minderheitenkulturen und insbesondere der armenischen Bevölkerung von Bedeutung sind. Es war für die Teilnehmenden der Zeremonie in der Französischen Kirche bewegend, als Zeilen Osman Kavalas verlesen wurden, die dieser aus dem Gefängnis nach Bern gesandt hatte.

European Archaeological Heritage Prize 2019: https://www.e-a-a.org/EAA/Prizes___Awards/Heritage_Prize/2019/EAA/Navigation_Prizes_and_Awards/Heritage_Prize_2019.aspx

"Kulturmäzen Osman Kavala erhält Archäologiepreis" (ANF, 6.9.): https://anfdeutsch.com/kultur/kulturmaezen-osman-kavala-erhaelt-archaeologiepreis-13748

 

6.3        Bundesarbeitsgericht urteilt über Kettenverträge im Bereich Archäologie

In einem erst später veröffentlichten Urteil vom 23.1.2019 (7 AZR 212/17) hat das Bundesarbeitsgericht einen strittigen Fall aus Baden-Württemberg behandelt, im Ergebnis das vorangehende Urteil des Landesarbeitsgerichtes Baden-Württemberg aufgehoben und den Fall zur weiteren Behandlung an eben dieses zurücküberwiesen. Ein mit insgesamt acht befristeten Verträgen über 29 Monate beim LAD Baden-Württemberg beschäftigter Grabungsleiter hatte auf Festeinstellung geklagt, da es sich bei seiner Tätigkeit de facto nicht um Projekte gehandelt habe, sondern um eine dauerhafte Tätigkeit für das Land - eine Sichtweise, die das Landesarbeitsgericht Baden-Württemberg nicht teilte. Wiewohl nun das Bundesarbeitsgericht in der Sache kein abschließendes Urteil fällte, ist das Urteil ungemein wichtig und lesenswert. Es weist auf den sehr unterschiedlichen Charakter von echten Projekten und Daueraufgaben hin und nennt Kriterien für das Eine wie das Andere. Zudem bekräftig das Urteil die bestehende Rechtsprechung zur maximalen Anzahl und Dauer von Projektverträgen: "Liegt ein Sachgrund vor, kann also von der Befristung des Arbeitsverhältnisses Gebrauch gemacht werden, solange das Arbeitsverhältnis nicht die Gesamtdauer von sechs Jahren überschreitet und zudem nicht mehr als neun Vertragsverlängerungen vereinbart wurden, es sei denn, die Gesamtdauer übersteigt bereits acht Jahre oder es wurden mehr als zwölf Vertragsverlängerungen vereinbart (BAG 26. Oktober 2016 - 7 AZR 135/15 - Rn. 26, BAGE 157, 125)."

"Befristungsrecht: Archäologisches Projekt als Befristungsgrund?" (Bund Verlag, 26.9.): https://www.bund-verlag.de/aktuelles~Archaeologie-ist-kein-Befristungsgrund-~#

Bundesarbeitsgericht Urteil vom 23.1.2019, 7 AZR 212/17: https://juris.bundesarbeitsgericht.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bag&Art=en&az=7%20AZR%20212/17

 

6.4        Brandenburgischer Denkmalpflegepreis 2019 an Verein "Freilichtmuseum Germanische Siedlung Klein Köris"

Brandenburgs Kulturministerin Martina Münch zeichnete Anfang September sechs Projekte mit dem diesjährigen Denkmalpflegepreis des Landes Brandenburg aus. Unter ihnen ist der Verein "Freilichtmuseum Germanische Siedlung Klein Köris" (Landkreis Dahme-Spreewald) - er erhielt einen Preis in Höhe von 5.000 Euro für sein jahrzehntelanges Engagement zur Rekonstruktion und Präsentation des Germanendorfes im Rahmen einer archäologischen Freilichtschau. Insgesamt wurden Preisgelder in Höhe von 18.000 Euro vergeben.

"Brandenburgische Denkmalpflegepreise gehen nach Klein Köris, Bad Belzig, Großräschen, Werder, Gerswalde und Frankfurt (Oder)" (Land Brandenburg, 5.9.): https://mwfk.brandenburg.de/mwfk/de/service/pressemitteilungen/ansicht/~05-09-2019-denkmalpflegepreis-verliehen

Website des Vereins "Freilichtmuseum Germanische Siedlung Klein Köris": http://www.germanische-siedlung-klein-koeris.de/seite/374396/verein.html

 

6.5        Schweiz: Professoren sollen leichter als bisher gekündigt werden

Der Ägyptologie Prof. Antonio Loprieno fordert in seiner Funktion als Präsident der schweizerischen Akademien der Wissenschaften in der aktuellen Ausgabe von "Horizonte", dem Wissenschaftsmagazin des Schweizerischen Nationalfonds, das Kündigen von festangestellten Professoren weiter zu erleichtern. Der bisherige, sehr weitgehende Kündigungsschutz für Professoren sei ein Relikt aus dem 19. Jahrhundert und gehöre abgeschafft. "Eine flexible Handhabung professoraler Arbeitsverhältnisse würde sowohl der Qualitätssicherung als auch der allfälligen Korrektur von Missständen dienen." Dies käme auch dem Nachwuchs zu Gute, der dadurch mehr Chancen auf eine Anstellung erhalte. Denn, so Loprieno, "die professorale Unkündbarkeit" erschwere es der Universität, "gesellschaftliche Bedürfnisse angemessen oder zeitnah zu rezipieren". Die NZZ am Sonntag unterstreicht, wie schwer es bisweilen sei, Professoren zu kündigen. Was in der Schweiz tatsächlich geschieht - allein von den Züricher Universitäten sind laut NZZ drei Fälle aus neuerer Zeit bekannt. Wie die NZZ berichtet, hat Loprienos Vorschlag neben Zustimmung in der Schweiz auch Ablehnung erfahren.

Antonio Loprieno: "Meinung: Unkündbare Stellen sollen abgeschafft werden" (horizonte - Das Schweizer Forschungsmagazin, 5.9.): https://www.horizonte-magazin.ch/2019/09/05/fertig-mit-unkuendbaren-stellen/

"Professoren sollen Sonderstatus verlieren: Präsident der Akademien der Wissenschaften fordert Abbau von Kündigungsschutz" (NZZ am Sonntag, 29.9.): https://wwz.unibas.ch/fileadmin/user_upload/wwz/99_WWZ_in_den_Medien/2019_09_29_Professoren_sollen_Sonderstatus_verlieren.pdf

 

7         Open Access & Open Data

7.1        Open Access an deutschen Hochschulen: eine aktuelle Bestandsaufnahme

Die Helmholtz-Gesellschaft hat Ende 2018 die bislang umfassendste Befragung an den 701 deutschen Hochschulen und wissenschaftlichen Institutionen zum Stand von deren Open-Access-Bemühungen und -Strategien durchgeführt. Immerhin 403 Hochschulen haben sich beteiligt. Die Ergebnisse der umfangreichen Studie wurden nun Anfang September publiziert, der projektverantwortliche Heinz Pampel hat sie in einem Blog-Beitrag zusammengefasst. Danach bekennen sich nur 40 der wissenschaftlichen Einrichtungen in Deutschland klar zum Prinzip Open Access, und 40 bis 50 % von Ihnen fördern das Publizieren im Open Access auf diverse Weisen, z. B. durch einen Publikationsfonds, der ggf. die Publikationsgebühren ihrer Autoren übernimmt. Bemerkenswert ist indes, dass sehr viele Einrichtungen nicht in hinreichendem Maße Daten und Kosten erheben, und immerhin 46 % aller Institutionen keine Notwendigkeit für eine Open-Access-Strategie sehen. Das Thema ist also entgegen aller politischen Vorgaben und Verlautbarungen noch nicht umfassend an der Basis angekommen. Nicht zuletzt verdeutlicht die Erhebung, dass "Open Access" oft allein auf Texte bezogen wird, nur 31 % der Repositorien nehmen auch Daten auf, nur 12 % auch Software.

Heinz Pampel: Open Access. Noch immer Hürden beim freien Zugang (Helmholtz Blog, 3.9.): https://www.helmholtz.de/wissenschaft_und_gesellschaft/noch-immer-huerden-beim-freien-zugang/

Pampel, Heinz: Open Access an wissenschaftlichen Einrichtungen in Deutschland. Ergebnisse einer Erhebung im Jahr 2018. Bericht. August 2019 (Version 1.0): http://gfzpublic.gfz-potsdam.de/pubman/faces/viewItemOverviewPage.jsp?itemId=escidoc:4550890

 

7.2        DEAL und Springer Nature treffen Open-Access-Vereinbarung – nicht im Sinne der "Berliner Erklärung über den offenen Zugang zu wissenschaftlichem Wissen"

Am 22.8. traten das deutsche Konsortium DEAL und der große US-amerikanische Wissenschaftsverlag Springer Nature mit Pressemeldungen an die Öffentlichkeit. "Projekt Deal und Springer Nature schließen Open-Access-Abkommen" lautete die jubelnde Meldung der Max-Planck-Gesellschaft, die im Auftrag der deutschen Hochschulrektorenkonferenz die Verhandlungen für DEAL führt, und der Tagesspiegel ergänzte "Größte Open-Access-Vereinbarung weltweit". Nach dem Erfolg eines Vertrages mit Wiley im Januar 2019 (zuletzt DGUF-Newsletter vom 7.3.2019 Punkt 7.1.) nun also auch mit dem Riesen Springer Nature. Da steigt der Druck auf den weiterhin seitens DEAL mit einem Konsumentenstreik belegten großen Dritten im Bunde, Elsevier – so könnte man denken. Doch nach der zeitnahen und weitgehend gleichlautenden Berichterstattung über den Vertrag mit Springer Nature wurde es im September schnell stille um ihn. Einerseits, weil der seitens DEAL an Springer Nature pauschal zu zahlende Betrag von 2.750 Euro pro publiziertem Aufsatz der gleiche Betrag ist wie im Abkommen mit Wiley - der im Januar 2019 in der Szene der Kenner sogleich als arg teuer im Vergleich zu anderen ähnlichen Abkommen bewertet wurde. Andererseits, weil man bei näherer Lektüre der euphorischen Pressemeldung schnell feststellte: Es wurde kein Vertrag unterzeichnet, sondern lediglich ein Memorandum of Understanding (MoU), dass man einen Vertrag abschließen wolle. Nicht zuletzt bleibt der Text des MoU unveröffentlicht; was wirklich vorläufig vereinbart wurde, ergab sich allein aus den Pressemeldungen. Irgendwie ist jetzt Open Access, konnte man dem entnehmen, aber wie genau, da blieb vieles offen. "Nature", die Leitzeitschrift, bleibt aus dem Open Access ausgeschlossen. Zudem die journalistischen Wissenschaftsmagazine der Verlagsgruppe - was verständlich und auch verschmerzbar ist. Aber die überwiegende Mehrheit der Springer-Nature-Zeitschriften sei in dem Bündel enthalten. Was aber heißt Open Access hier? für alle deutschen IP-Adressen - wie es angemessen wäre bei einer Nationallizenz? Viel Klarheit schafft ein am 26.9. veröffentlichtes Interview mit Dagmar Laging, die seitens Springer Nature die Verhandlungen mit DEAL führte. Daraus geht klar hervor, dass der "Open Access"-Lesezugriff auf das Archiv der Springer-Nature-Zeitschriften auf die im DEAL-Konsortium zusammengeschlossenen Bibliotheken begrenzt ist, also praktisch alle Universitäts- und Forschungsbibliotheken umfasst. Sprich: alle Menschen, die dort angemeldet sind - aber eben nicht alle in Deutschland Wohnenden. Das ist vor dem Hintergrund des Open-Access-Gedankens einer umfassenden Teilhabe Aller und der ethischen Zielsetzung der "Berliner Erklärung über den offenen Zugang zu wissenschaftlichem Wissen" vom 22. Oktober 2003 ein Riesenunterschied. Deutlicher: DEAL handelt der Berliner Erklärung zuwider. Und unter welchem Open Access werden nun neue Aufsätze in den Springer-Nature-Zeitschriften publiziert? Dazu erfuhr man bislang nichts. Das Interview klärt nun: Man erfuhr deshalb nichts, weil nichts vereinbart wurde. Springer Nature indes versichert, es werde seitens der Verlagsgruppe üblicherweise ("in 99% aller Fälle") die Lizenz CC BY sein (die dann de facto auch das Lesen von neu Publiziertem außerhalb der Universitäts- und Forschungswelt ermöglichen würde). Erst auf die Frage eines Kommentierenden hin erläutert Dagmar Laging, dass das MoU auch die Geistes- und Sozialwissenschaften mit einbeziehe - die zuvor veröffentlichten Formulierungen hatten dies offen gelassen. Die weiteren Ausführungen im Interview verdeutlichen, dass der kommende Vertrag vor allem das sog. hybride Publizieren stärken wird: kein genereller Open Access, sondern nur dann, wenn jemand für das Open-Access-Publizieren bezahlt hat. PS: das Wort Monografie kommt in keinem der relevanten Texte vor, wiewohl Springer auch hier ein sehr bedeutender Verlag ist.

"Projekt Deal und Springer Nature schließen Open-Access-Abkommen" (Max-Planck-Gesellschaft, 22.8.): https://www.mpg.de/13823829/projekt-deal-springer-nature-open-access-transformationsvertrag

"Streit um teure Fachjournale. Unis machen auch mit Springer Nature einen 'Deal'" (Tagesspiegel, 22.8.): https://www.tagesspiegel.de/wissen/streit-um-teure-fachjournale-unis-machen-auch-mit-springer-nature-einen-deal/24931878.html

"So What’s the DEAL?: An Interview with Springer Nature’s Dagmar Laging" (The Scholarly Kitchen, 26.9.): https://scholarlykitchen.sspnet.org/2019/09/26/so-whats-the-deal-an-interview-with-springer-natures-dagmar-laging/

 

8         Ausstellungen und Museen

8.1        Reiss-Engelhorn-Museen: Kritik an der Ausstellung "Javagold" (Mannheim, 15.9.-13.4.)

Rund 400 "einzigartige Schätze" aus einer Privatsammlung zeigen die Reiss-Engelhorn-Museen seit 15.9. in "Javagold – Pracht und Schönheit Indonesiens". Doch die Kunsthistorikerin Wibke Lobo bezweifelte in SWR2 die legale Herkunft der Objekte. "So etwas hier auszustellen, ist völlig unakzeptabel", kritisierte Lobo. REM-Generaldirektor Alfried Wieczorek widersprach: Es gebe keine Rückforderungen von Seiten Indonesiens. Es sei allerdings schwierig, die die direkten Umstände der Objekt-Auffindung in jedem Fall zu klären. REM-Direktor Wilfried Rosendahl erklärte, es sei eine Idealvorstellung, die Geschichte jedes historischen Objektes lückenlos rekonstruieren zu können. In SWR2 sagte er: "Wir wissen nicht, ob eine Kette im 17. Jahrhundert zufällig gefunden worden ist oder ob es Plünderungen gab." Es sei aber das Anliegen der Wissenschaftler, die Provenienz der Gegenstände möglichst gut aufzuarbeiten.

"Woher kommt das 'Javagold'? Eine umstrittene Ausstellung in Mannheim" (SWR2, 10.9.): https://www.swr.de/swr2/kunst-und-ausstellung/Ausstellung-Schaetze-aus-asiatischem-Zwielicht,av-o1151286-100.html

"'Javagold': Objekte der Mannheimer Ausstellung 'rechtmäßig erworben'" (SWR2, 10.9.): https://www.swr.de/swr2/kunst-und-ausstellung/Ausstellung-Schaetze-aus-asiatischem-Zwielicht,av-o1151286-100~_detailPage-1_-dc56264c3eed6f7453c3f263012a8308a11ab691.html

"Alfried Wieczorek: Erwerb aller Exponate von 'Javagold' dokumentiert" (SWR2, 10.9.): https://www.swr.de/swr2/kunst-und-ausstellung/Reiss-Engelhorn-Museen-Alfried-Wieczorek-Erwerb-aller-Exponate-von-Javagold-dokumentiert,av-o1151575-100.html

Website zur Ausstellung: https://www.rem-mannheim.de/ausstellungen/javagold/ausstellung/

"Goldene Symbole der Schönheit und Macht: Schau in Mannheim" (Süddeutsche, 11.9.): https://www.sueddeutsche.de/kultur/ausstellungen-mannheim-goldene-symbole-der-schoenheit-und-macht-schau-in-mannheim-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-190911-99-830652

 

8.2        Ein gelungener Wandel im Informationsangebot: Die Ausstellung "Pest!" (Herne, bis 10.5.)

Eine klare Farbsprache und starke Gestaltung ohne Schnickschnack fallen beim Betreten der aktuellen Sonderausstellung im LWL-Museum für Archäologie Herne sofort auf, beides mehr als bei bisherigen Sonderausstellungen am Ort. Der Schwarze Tod: die hohe, rechteckige Ausstellungshalle ist in dunklem Grau gehalten mit Schwarz als Farbe zur Betonung und Hervorhebung. Kontrastierend dazu ein frisches Grün im vorderen Bereich der Ausstellung, wo es einführend um die biologischen und medizinischen Aspekte der Pest geht. Im anschließenden dunkelgrau-schwarzen Bereich der historischen und kulturgeschichtlichen Themen dient dieses Grün der Akzentsetzung - andere Farben gibt es nicht. Das langweilige Rechteck der Herner Halle wird durch eine diagonal gestellte Möblierung lebendig aufgebrochen, die rechte Winkel vermeidet und sich per Orientierungsplan als sternförmige Anordnung der elf Themenbereiche entpuppt. Angenehm offen und großzügig wirkt der Raum, genug Platz auch für starken Besucherandrang. Zwei Inszenierungen dominieren: eine große (aussagearme) Wand mit papierenen Pestmasken und vor allem eine 10 m breite und 4 m hohe, eindrucksvolle und Stimmung schaffende Leuchtwand mit der Installation "Totentanz" der Künstlerin Claudia Pomowski. Doch wie stellt man "Pest" aus? Nun, ein naheliegender Inszenierungsweg wurde nicht genommen: Lebendige Ratten, Flöhe oder Kleiderläuse vermisst man in der Ausstellung; diese Themen werden mit Präparaten abgedeckt. Auch geht es nur kurz (wenn auch fundiert und aktuell) um die biologischen und medizinischen Aspekte. Vielmehr fokussiert die Ausstellung auf die sozialen Auswirkungen, die die Pest und die mit ihr verbundenen Massensterben hatten. Es geht um den Versuch menschlicher Gesellschaften, mit einer Katastrophe umzugehen und die Folgen der Pest einzudämmen - sei es durch Quarantäne oder Flucht, sei es durch Medizin oder Religion - und auch darum, ihre Auswirkungen zu fassen, beispielsweise den Überhang an materiellen Ressourcen und den Arbeitskräftemangel nach einer großen Pestepidemie. Am Ende zeigt die Ausstellung auch die heutige Bewältigung dieser weiterhin existierenden Gefahr: real durch Medikamente und das Isoliertransportsystem der Essener Berufsfeuerwehr (samt instruktivem Video), und mental als Thematisierung von "Pest" im Roman, im Spiel, in Sprache und im Film. Dabei fokussiert die Ausstellung auf die Exponate: archäologische Objekte, viele bildliche Darstellungen und auch Dokumente / Bücher. Die Vitrinen zeigen die Exponate, sonst nichts. "Das Wundern ist der Anfang des Lernens" - erst dann erfolgt der Blick auf eine an jede Vitrine dezent gesetzte Zahl, die wiederum in das handliche Ausstellungs-Booklet weist, das sich jeder Besucher kostenlos leihen kann und wo sich dann die üblichen Informationen zu den Stücken finden. Hier und im Kopf des Besuchers findet das Geschichten-Erzählen statt. Jeder der elf Themenbereiche wird per Wandtafel mit einem kurzen Einführungstext in deutscher und englischer Sprache eingeführt, alles Weitere holt sich der Besucher ganz nach seinem Bedarf aktiv aus dem Booklet. So wird der Besucher vom fortwährend Belehrten, der irgendwann überflutet und ermüdet angebotene Information ggf. mit schlechtem Gewissen überspringt, zum Neugierigen und Fragenden, der sich selbst aktiv informiert. Stets hat der Besucher die Wahl, ob er ein Exponat einfach als bemerkenswert, schön oder interessant wahrnehmen will, sich z. B. bei den Bügelfibeln aus dem Aschheimer Pestgrab in den Versuch der Dekodierung des skandinavischen Tierstil-I-Dekors verliert, oder ob er das Exponat als historisches Dokument begreifen will und sich im Booklet näher informiert. Ein gelungener Wandel im Informationsangebot! - der zudem ausbaufähig ist etwa durch denkbare Booklet-Varianten für "den eiligen Besucher" oder "Kinder ab 6 Jahre" (o.ä.). Wer hingegen zum Thema Pest "alles" wissen will, greift zum Katalog, der auf knapp 700 Seiten bei ca. 3,6 kg Gewicht die übliche Versammlung von Essays zu allen denkbaren Aspekten des Themas Pest bietet. Auffallend seine gute Gestaltung und vor allem die reiche und qualitätvolle Bebilderung. Mit der von Stefan Leenen kuratierten Sonderausstellung legt die neue Leiterin des Herner Museums, Doreen Mölders, einen vielversprechenden Start hin. Dazu gehört auch, dass bereits am Tag vor der förmlichen Ausstellungseröffnung angemeldeten Bloggern, Twitterern und Instagrammern Zutritt gewährt wurde und es unter #PestQuest zu einer Vorberichterstattung über die beginnende Ausstellung kam: eine deutliche Akzentverschiebung der Herner Öffentlichkeitsarbeit in Richtung Social Media.

Ausstellungswebsite: https://pest-ausstellung.lwl.org/de/

"Ausstellung: 'Pest'-Schau in Herne beleuchtet Seuche von allen Seiten" (WAZ, 18.9.; reiche Bildergalerie am Ende des Artikels): https://www.waz.de/staedte/herne-wanne-eickel/pest-schau-in-herne-beleuchtet-seuche-von-allen-seiten-id227129023.html

Damian Kaufmann: "Die Pest am LWL-Museum für Archäologie Herne" (Blog Zeilenabstand.net, 20.9.): https://www.zeilenabstand.net/die-pest-am-lwl-museum-fuer-archaeologie-herne/

"WAZ öffnet Pforten: Archäologiemuseum Herne weckt Neugier auf Pest-Schau" (WAZ, 24.8.): https://www.wr.de/staedte/herne-wanne-eickel/archaeologiemuseum-herne-weckt-neugier-auf-pest-schau-id226868587.html

LWL-Museum für Archäologie (Hrsg.) (2019). Pest! - eine Spurensuche. 20. Sept. 2019 - 10. Mai 2020. Darmstadt: wgb Theiss.

 

8.3        Lesens- und bedenkenswert: "Audience Development" - die Septemberausgabe von "Kultur Management Network Magazin"

Besucherzahlen sind seit langem ein wichtiger Parameter im Kulturbetrieb. Wer mehr will als zählen, tritt in das Feld der Besucherforschung ein: Mit Beobachtungen, Interviews, Umfragen u. ä. wird beispielsweise untersucht, wer eine Einrichtung wie z. B. ein Museum nutzt, wie zufrieden die Besucher damit sind und welche ggf. weitergehenden Bedürfnisse sie haben. Der Begriff Besucherforschung erlebte in den vergangenen Jahren einen gewissen Boom im Kulturbereich, ein nützlicher Leitfaden des DMB beispielsweise erschien im März 2019. Dank Besucherforschung haben Kultureinrichtungen die Chance, ihr Angebot gezielt zu verbessern, es an die Interessen und Bedürfnisse ihres Publikums genauer anzupassen, um mehr Kundenzufriedenheit zu erreichen. Doch während Besucherforschung noch nicht überall zum Standard geworden ist, denken Pioniere richtigerweise längst weiter. Denn Besucherforschung kann zwar helfen, eine Einrichtung wie z. B. ein Archäologiemuseum in Richtung auf die bereits vorhandenen Besucher zu optimieren, was aber oft eine recht spezifische und auch begrenzte Klientel ist. Wie steht es eigentlich um die - in der Regel weitaus mehr - Menschen, die ein bestimmtes Kulturangebot *nicht* wahrnehmen? Was sind deren Interessen? Könnte man hier nicht neue Besuchergruppen erschließen? Richtig: könnte man. Doch während das Schlagwort "Besucherforschung" bei Google Scholar ca. 900 Treffer findet, ergibt "Nichtbesucherforschung" kaum 20 Treffer - das Thema ist noch neu (vgl. DGUF-Newsletter vom 30.8.2019 Punkt 8.2.). Nichtbesucherforschung kann im Kulturbetrieb helfen, mögliche weitere Nutzergruppen zu identifizieren, um sein Angebot für diversere Nutzer interessant zu machen. Das Septemberheft der Zeitschrift von Kulturmanagement Network titelt daher "Audience Development" und bündelt Beiträge zur Frage, wie man sein Publikum entwickeln kann, d.h. breiter aufstellt und diversere Bedürfnisgruppen anspricht. Die fünf Aufsätze bieten lesens- und bedenkenswerte Fallbeispiele, aber für fertige Rezepte ist es offenbar noch zu früh. Doch bietet z. B. der Beitrag von Vera Allmanritter gute Anregungen und Ansätze, wie man mit überschaubarem Aufwand mehr über seine Nichtbesucher erfahren könnte.

Audience Development. Das Magazin von Kultur Management Network 148 (September 2019): https://cdn.kulturmanagement.net/dlf/a3131f8256b8654846d151ca90533268,1.pdf

Besucherforschung und Evaluation im Kulturbereich. Leitfaden Besucherforschung 1 (2019): https://www.kulturmanagement.net/Downloads/Gesamtpaket-Besucherforschung-und-Evaluation-im-Kulturbereich,6

Deutscher Museumsbund (Hrsg.) (2019). Hauptsache Publikum: Besucherforschung für die Museumspraxis. Berlin: DMB.

Schlagwort "Besucherforschung" bei Google Scholar: https://scholar.google.de/scholar?hl=de&as_sdt=0%2C5&q=Besucherforschung&btnG=

Schlagwort "Nichtbesucherforschung" bei Google Scholar: https://scholar.google.de/scholar?hl=de&as_sdt=0%2C5&q=Nichtbesucherforschung&btnG=

 

9         Und sonst …

9.1        Urheberrecht Wissenschaft, kurz und knackig

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) erklärt das Urheberrecht in einer 35-seitigen Broschüre: kurz, verständlich und hinreichend umfassend. Der Anfang September veröffentlichte, kostenlos verfügbare Text berücksichtigt im Schwerpunkt Aspekte und Fragen zum Bereich Forschung, Universität, Lehre und Studium. Sehr empfehlenswert!

"Urheberrecht in der Wissenschaft. Ein Überblick für Forschung, Lehre und Bibliotheken" (BMBF, September 2019; CC BY-SA 4.0): https://www.bmbf.de/upload_filestore/pub/Handreichung_UrhWissG.pdf

 

9.2        "Archäologie Schweiz": Wahlprüfsteine zu den eidgenössischen Wahlen im Oktober 2019

Am 20.10. wird das eidgenössische Parlament neu gewählt. In leichter Abwandlung des DGUF-Verfahrens Wahlprüfsteine hat "Archäologie Schweiz" (ehedem SGU/SGUF), die große schweizerische Fachgesellschaft und NGO pro Archäologie, im Vorfeld der Wahl erstmals die Belange der Archäologie an ihre Mitglieder und die Öffentlichkeit herangetragen. In ihrem am 23.9. versandten Newsletter veröffentlichte Archäologie Schweiz ihren Aufruf "Eidgenössische Wahlen vom 20. Oktober 2019: Dem Kulturerbe eine Stimme geben!" Dazu hatte die "Alliance Patrimoine", ein Zusammenschluss der vier großen Vereinen pro Heimat- und Denkschutz und Archäologie der Schweiz (u. a. Archäologie Schweiz), in einem aufwändigen Verfahren sehr systematisch ermittelt, wie sich die einzelnen Abgeordneten des Parlaments wie auch die dort einsitzenden Parteien insgesamt in der zurückliegenden Legislaturperiode bei denkmalschutz- und achäologierelevanten Abstimmungen verhalten hatten. Im Ergebnis wird für jeden Wähler, dem das kulturelle Erbe wichtig ist, nachvollziehbar, welche Partei in der Vergangenheit wie darüber entschieden hat. Während das System Wahlprüfsteine der DGUF und nun auch der EAA auf die Pläne der Parteien für die jeweils kommende Legislaturperiode zielt, blickt das System von Archäologie Schweiz auf die Taten der unmittelbaren Vergangenheit zurück, für die die Wähler nun eine "Belohnung" oder "Abstrafung" vornehmen können. Wiewohl also im Verfahren etwas unterschiedlich, hat nun auch Archäologie Schweiz die hie und da zu hörende Meinung, Archäologie müsse unpolitisch sein, abgelegt und legt den Bürgern nahe, auch die Belange der Archäologie zu einem Kriterium für ihre Wahlentscheidung zu machen.

"Eidgenössische Wahlen vom 20. Oktober 2019: Dem Kulturerbe eine Stimme geben!" (Archäologie Schweiz, 23.9.): http://www.archaeologie-schweiz.ch/Politik.251.0.html

 

9.3        Für eine politisch aktive Archäologie: das "Bern Statement" der EAA

Die Mitgliederversammlung der European Association of Archaeologists (EAA) hat am 6.9. das zuvor von einer Arbeitsgruppe vorbereitete "Bern Statement" sorgfältig diskutiert und verabschiedet. Damit verwahrt sich die EAA gegen jeden Missbrauch archäologischer Funde und Forschungsergebnisse für politische Zwecke und gegen jede politische Einflussnahme auf die archäologische Forschung. Sie fordert dazu auf, Unterschiede zu respektieren und kulturelle Diversität zu erhalten. Das Bern Statement ist ein klares Bekenntnis zu einer aufgeklärten westlichen Demokratie und einer in ihr bewusst agierenden Archäologie. Ohne den Namen Ungarn zu nennen, ist es eine gezielte Vorbereitung auf die kommenden Jahrestagung der EAA in Budapest, wo aktuell viele der im Bern Statement geforderten Werte und Verhaltensweisen in Frage gestellt sind. Der Blogger Rainer Schreg kommentiert: "Der Text der EAA macht zwar deutlich, dass die Situation in Ungarn ein wesentlicher Anlass für die Resolution darstellt, spricht aber leider Ungarn nicht konkret an. Die m. E. nötigen klaren Worte fehlen daher. Entscheidend wird sein, bei der Tagung der EAA 2020 in Budapest sich von politischer Vereinnahmung und staatlich geförderten Parawissenschaften zu distanzieren."

"2019 EAA Bern Statement: Archaeology and the Future of Democracy" (EAA, 6.9.): https://www.e-a-a.org/EAA/Navigation_News/Bern_statement.aspx

Rainer Schreg: "Archäologie und die Zukunft der Demokratie: Das EAA Statement von Bern" (archaeologik, 22.9.): https://archaeologik.blogspot.com/2019/09/archaologie-und-die-zukunft-der.html

 

Impressum und Redaktionshinweise

Der Newsletter wird herausgegeben von der Deutschen Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte (DGUF). Verantwortlich für den Inhalt des Newsletters: Diane Scherzler.

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