DGUF-Newsletter vom 10.06.2019

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DGUF Newsletter

vom 10. Juni 2019

 

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Inhalt

 

1  DGUF-Nachrichten

1.1  Bitte nehmen Sie teil! Befragung der DGUF zur beruflichen Situation in der deutschen Archäologie (EvaBA)

1.2  Unter den DGUF-Rezensionsangeboten: Agnes Stefánsdóttir (Hrsg.): Development-led Archaeology in Europe - Meeting the Needs of Archaeologists, Developers and the Public

1.3  Handreichung zum Publizieren von Tagungsberichten und Vorträgen einer Tagung bei der DGUF

 

2  Tagungen und Veranstaltungen

2.1  Zweite Fachtagung des VGFA (Bremen, 22.-25.4.; CfP bis 1.10.)

2.2  12. Mitteldeutscher Archäologentag (Halle, 10.-12.10.)

 

3  Forschung

3.1  Neu im Early View der "Archäologischen Informationen"

3.2  Aktuelle Ausgrabungen in den Medien

3.3  Aktuelle Forschung in den Medien

3.4  Neue Belege zu spätpleistozänen Migrationsrouten nach Ostasien

3.5  Älteste Bevölkerung Skandinaviens: DNA-Forschung liefert andere Ergebnisse als Archäologie

3.6  Äthiopien: Wissenschaftler entdecken die bislang ältesten Hinweise auf systematische Steinbearbeitung

3.7  Frankreich: Verzierter Sandstein in jungpaläolithischer Jagdlagerstelle bei Angoulême entdeckt

3.8  Weitere Pest-Nachweise in Bayern

 

4  Kulturgutschutz

4.1  Aktuelles rund um Kulturgutschutz in den Medien

4.2  Antikenhehlerei: Den Geldwert der Artefakte einer Fundstelle ermitteln

4.3  Umfassender Bericht prangert gegenwärtigen Völkermord an der indigenen weiblichen Bevölkerung Kanadas an

4.4  Hasankeyf: Flutung des antiken Ortes sollte heute beginnen und wurde in letzter Minute verschoben

 

5  Studium, Job-Themen und Personalia

5.1  Dr. Christoph Bazil neuer Leiter des österreichischen Bundesdenkmalamtes

5.2  Zur Gestaltung von Arbeitsverträgen auf archäologischen Ausgrabungen

 

6  Open Access & Open Data

6.1  Nachdenken über Open Access: wie können die Kosten des wissenschaftlichen Publikationswesens begrenzt werden?

6.2  PLOS-Zeitschriften führen Möglichkeit zu offenem Peer Review ein

6.3  "Plan S": Etwas später und weniger gestreng

6.4  Monografien geraten (endlich) ins Blickfeld der Open-Access-Förderer

 

7  Ausstellungen und Museen

7.1  Kultusministerium Baden-Württemberg: freier Museumseintritt ist kein Besucher-Trigger

7.2  Mecklenburg-Vorpommern: Einigung beim Bau des Archäologischen Landesmuseums

 

8  Und sonst …

8.1  ORCID, Portal Propylaeum & Archäologische Informationen

8.2  Das "Ahnenerbe": ARTE-Doku über das dunkelste Kapitel deutscher Vorgeschichtsforschung

8.3  Wissenschaftliches Publizieren: "Zehn Themen, über die man spricht"

8.4  Neu bei Propylaeum: "Funde und Ausgrabungen aus dem Bezirk Trier" & "Fundberichte aus Hessen"

8.5  ARIADNEplus community needs survey: Data and Services

8.6  Das Fundmagazin der Stadtarchäologie Münster. Ruhiger, lesenswerter Beitrag um einen besonderen Ort

8.7  Wissenschaftliche Blogs dienen vor allem der Kommunikation, nicht der Publikation

 

1        DGUF-Nachrichten

1.1       Bitte nehmen Sie teil! Befragung der DGUF zur beruflichen Situation in der deutschen Archäologie (EvaBA)

Wie geht es den in der Archäologie Tätigen? Die Antworten schwanken zwischen "es gibt keine Probleme" und "es gibt kein Prekariat und keine Armut" über "wenigstens ist man in dem Job glücklich" bis hin zu "man hat keine Chance". Gibt es wirklich ein so hohes Maß an prekären Beschäftigungsverhältnissen in Grabungsfirmen? Sind Selbstständige im Vergleich zu Festangestellten "arm, aber glücklich"? Die DGUF will mit Hilfe der Gemeinschaft aller in Deutschland tätigen Archäologinnen und Archäologen solche Behauptungen und Vermutungen durch Daten und Fakten ersetzen. Nur dann können Verbesserungen da geschehen, wo sie auch gebraucht werden. Nur dann können jenseits eines unverhältnismäßigen Alarmismus zuverlässig die gut funktionierenden Bereiche der archäologischen Arbeitswelt identifiziert werden, über die man sich derzeit keine Sorgen machen sollte. Unsere Befragung wendet sich an Alle, die in der Archäologie gänzlich oder teilweise berufstätig sind und dafür auch bezahlt werden. Sie wendet sich an wiss. Hilfskräfte, Doktoranden und Post-Docs sowie Volontäre. An Alle, die nach einer Unterbrechung wieder in der Archäologie arbeiten wollen. An Alle, die eine normalerweise eindeutig zu bezahlende Tätigkeit aus der Not heraus unbezahlt (oder ALG-subventioniert) tun müssen, z. B. die Nachbearbeitung von Funden. An alle Berufstätigen, die zwar keine ausgebildeten Archäologen sind, aber ihren Lebensunterhalt teilweise oder gänzlich aus der Archäologie heraus generieren, z. B. häufig für die Archäologie arbeitende Anthropologen, Archäozoologen, Öffentlichkeitsarbeiter etc. Mit "Archäologie" meinen wir alle Archäologien: Ur- und Frühgeschichte, Klassische Archäologie, Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit, Christliche Archäologie usw. - Wir bitten alle von Ihnen, die zu den genannten Gruppierungen gehören, ganz herzlich um Ihre Beteiligung an der Umfrage (und sehr gerne geben Sie diese Information auch zusätzlich in Ihre Netzwerke weiter!)! Denn je mehr Archäologinnen und Archäologen teilnehmen, desto belastbarer und aussagekräftiger werden die Ergebnisse sein. Nach der Beendigung der Umfrage am 15.10. wird sie wissenschaftlich ausgewertet und mitsamt allen Rohdaten – und damit nachvollziehbar für Alle – publiziert. Über die Ergebnisse informieren wir u. a. im DGUF-Newsletter.

Mehr zur Befragung "Evaluation Beruf Archäologie" (EVaBA): https://www.dguf.de/evaba.html

Zum Fragebogen bei SoSciSurvey (Beantwortung möglich vom 10.6.-15.10.2019) https://www.soscisurvey.de/BerufArchaeologie/

 

1.2       Unter den DGUF-Rezensionsangeboten: Agnes Stefánsdóttir (Hrsg.): Development-led Archaeology in Europe - Meeting the Needs of Archaeologists, Developers and the Public

Unter den zahlreichen Bänden, welche die Herausgeber der "Archäologischen Informationen" zur Rezension ausschreiben, sei diesmal der 2018 bei Archaelingua erschienene Band von Agnes Stefánsdóttir (Hrsg.) "Development-led Archaeology in Europe - Meeting the Needs of Archaeologists, Developers and the Public" hervorgehoben, der Band zur EAC-Tagung 2018. Aus dem Klappentext: "In the 2018 heritage management symposium, the idea was to look at the topic of development-led archaeology from a different angle and encourage a discussion between the heritage management officials, the developers, the archaeologists working in the field and the public. How can we meet the needs of these very different stakeholders and do we always need to? The symposium comprised three sessions, the first was dedicated to the archaeologists, the second to the developers and the third to the public. This volume is a collection of 12 extended abstracts related to the 17 presentations given in Sofia." Wenn Sie Interesse an einer Rezension haben, richten Sie bitte Ihre Anfrage mit Ihrer vollständige Postanschrift sowie einer kurzen Begründung, weshalb Sie dieses Werk besprechen wollen, an: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.

Alle Rezensionsangebote der "Archäologischen Informationen" mit weiteren Informationen zu Modalitäten und Ablauf: http://www.dguf.de/fileadmin/user_upload/publikationen/AI/DGUF-Dok_Arch-Inf_Rezensionsangebote.pdf

 

1.3       Handreichung zum Publizieren von Tagungsberichten und Vorträgen einer Tagung bei der DGUF

Dass man Vorträge binnen weniger Monate, auf Wunsch mit Open Data und ergänzenden Materialien, ohne Autorengebühren und im Open Access weltweit zugänglich publizieren kann, macht unsere Schriftenreihen zu einer interessanten Option für Organisatoren einer Tagung oder Session. Auch die Frage, ob wir einen Bericht über eine Tagung publizieren, wird uns relativ häufig gestellt. Wir haben die typischen Fragen und notwendigen Überlegungen zusammengestellt, um Sie als Anfragende zu unterstützen.

http://www.dguf.de/fileadmin/user_upload/publikationen/DGUF-Dok_Handreichung_Tagungspublikationen.pdf

 

2        Tagungen und Veranstaltungen

2.1       Zweite Fachtagung des VGFA (Bremen, 22.-25.4.; CfP bis 1.10.)

Neben Führungen und Vorträgen aus dem Gastgeberland Bremen sollen aktuelle grabungstechnische und restauratorische Themen mit feldarchäologischem Schwerpunkt vorgestellt werden. Vorträge bzw. Poster von Studierenden und Fortzubildenden sind ausdrücklich erwünscht. Geplant sind auch archäologisch-stadthistorische Exkursionen in Bremen und Umland.

https://feldarchaeologie.de/wordpress/wp-content/uploads/2019/04/Call-for-papers-2019-klein.pdf

 

2.2       12. Mitteldeutscher Archäologentag (Halle, 10.-12.10.)

"Rituelle Gewalt – Rituale der Gewalt" ist das Thema des diesjährigen Mitteldeutschen Archäologentags. Die interdisziplinäre Tagung widmet sich den unterschiedlichen Erscheinungsbildern von Menschenopfern im archäologischen Befund von der Prähistorie bis in die Neuzeit. Zunächst sollen theoretische Ansätze und anthropologische Grundlagen erörtert werden, dann werden zahlreiche Fallbeispiele aus der internationalen archäologischen Forschung dargelegt und zur Diskussion gestellt.

https://www.lda-lsa.de/tagungen/12_mitteldeutscher_archaeologentag_1012_oktober_2019/

 

3        Forschung

3.1       Neu im Early View der "Archäologischen Informationen"

Meyer, A.-K. (2019). Rezension zu: Jordan, P. & Gibbs, K. (eds.) (2019). Ceramics in Circumpolar Prehistory. Technology, Lifeways and Cuisine. Cambridge: Cambridge University Press. Archäologische Informationen 42, Early View, online publiziert 7. Juni 2019.

Zander, A. (2019). Review of: Riede, F. (2017). Splendid Isolation: The Eruption of the Laacher See Volcano & Southern Scandinavian Late Glacial Hunter-Gatherers. Aarhus: Aarhus Universitetsforlag. Archäologische Informationen 42, Early View, published online 6 June 2019.

Rösch, M. (2019). Rezension zu: Tolksdorf, J. Fr. (2018). Mittelalterlicher Bergbau und Umwelt im Erzgebirge. Eine interdisziplinäre Untersuchung. (ArchaeoMontan 4) (Veröffentlichungen des Landesamtes für Archäologie Sachsen 67). Dresden: Landesamt für Archäologie Sachsen. Archäologische Informationen 42, Early View, online publiziert 28. Mai 2019.

Näth, F., Näth, I. & Schauer, M. (2019). Archäologie: Wenn ein Festvertrag nichts Festes ist. Ein Kommentar zur Gestaltung von Arbeitsverträgen auf archäologischen Ausgrabungen. Archäologische Informationen 42, Early View, online publiziert 21. Mai 2019.

Schauer, M. & Hinton, P. (2019). Professional associations and international cooperation: the birth of CIfA Deutschland. Archäologische Informationen 42, Early View, published online 20 May 2019.

Gutsmiedl-Schümann, D. (2019). Wie lassen sich neue Inhalte schnell in die Lehre in Bachelor- und Masterstudiengänge einbringen? Einige Anmerkungen zu Problemen und Umsetzungsmöglichkeiten in modularisierten Studiengängen am Beispiel des Kulturgüterschutzes aus studiengangsorganisatorischer und didaktischer Sicht. Archäologische Informationen 42, Early View, online publiziert 16. Mai 2019.

Ballmer, A. (2019). Rezension zu: Araque Gonzalez, R. (2018). Inter-Cultural Communications and Iconography in the Western Mediterranean during the Late Bronze Age and the Early Iron Age. (Freiburger Archäologische Studien 9). Rahden /Westf.: Leidorf. Archäologische Informationen 42, Early View, online publiziert 15. Mai 2019.

Matić, U. (2019). Review of: Bestock, L. (2017). Violence and Power in Ancient Egypt: Image and Ideology before the New Kingdom. London: Routledge. Archäologische Informationen 42, Early View, published online 14 May 2019.

http://www.dguf.de/earlyview.html

 

3.2       Aktuelle Ausgrabungen in den Medien

"Uckermark: Komplettes mittelsteinzeitliches Grab geborgen" (RBB, 7.6.): https://www.rbb24.de/studiofrankfurt/panorama/2019/06/mittelsteinzeitliches-grab-auf-weinberg-bei-gross-fredenwalde.html

"Germanen in Gehlenbeck: Archäologen präsentieren fast 2000 Jahre alte Funde" (Westfalen-Blatt, 6.6.): https://www.westfalen-blatt.de/OWL/Kreis-Minden-Luebbecke/Luebbecke/3810092-Germanen-in-Gehlenbeck-Archaeologen-praesentieren-fast-2000-Jahre-alte-Funde-Volltreffer

Mansfelder Land: "Neues zur Unterwasserarchäologie im Süßen See" (LDA Sachsen-Anhalt, 6.6.): https://www.lda-lsa.de/aktuelles/meldung/datum/2019/06/06/neues_zur_unterwasserarchaeologie_im_suessen_see

Machalilla-Kultur: "Unearthing a 3,500-Year-Old Culture on the Coast of Ecuador" (DAI-Blog, 5.6.): https://www.dainst.blog/190JahreDAI/en/day-45-unearthing-a-3500-year-old-culture-on-the-coast-of-ecuador/

"Römische Gräber in Stein am Rhein freigelegt" (Schaffhauser Nachrichten, 4.6.): https://www.shn.ch/region/stein-diessenhofen/2019-06-04/roemische-graeber-in-stein-am-rhein-freigelegt

"Archäologen entdeckten Reste einer 2000 Jahre alten Hofstelle an der Bleichstraße: Germanen hausten in Gehlenbeck" (Westfalen-Blatt, 27.5.): https://www.westfalen-blatt.de/OWL/Kreis-Minden-Luebbecke/Luebbecke/3796653-Archaeologen-entdeckten-Reste-einer-2000-Jahre-alten-Hofstelle-an-der-Bleichstrasse-Germanen-hausten-in-Gehlenbeck

"Rising Seas Swallowed Countless Archaeological Sites. Scientists Want Them Back. From Doggerland to Beringia, the sea took some of prehistory’s most important archaeological sites. All over the world, scientists are beginning to find them again" (Discover, 20.5.): http://discovermagazine.com/2019/june/return-to-aquaterra

Rom: "Geheimkammer im Palast von Kaiser Nero entdeckt" (Süddeutsche Zeitung, 16.5.): https://www.sueddeutsche.de/wissen/rom-kammer-nero-wandbilder-1.4447533

"Spanish Civil War: The woman who took a baby rattle to her execution. Archeologists found the toy lying next to the body of Catalina Muñoz, who was shot in 1936 and buried in Palencia, northern Spain" (El País, 9.5.): https://elpais.com/elpais/2019/05/08/inenglish/1557327917_803284.html

"Grüße aus der Bronzezeit: Archäologische Funde bei Kallmerode geborgen" (Thüringer Allgemeine, 9.5.): https://www.thueringer-allgemeine.de/web/zgt/leben/detail/-/specific/Gruesse-aus-der-Bronzezeit-Archaeologische-Funde-bei-Kallmerode-geborgen-202349500

"Fund in der Börde: Urnengräberfeld an A14-Baustelle entdeckt" (Mitteldeutsche Zeitung, 9.5.): https://www.mz-web.de/sachsen-anhalt/fund-in-der-boerde-urnengraeberfeld-an-a14-baustelle-entdeckt-32516294

"Frühmittelalterliche Kirche unter Passauer Dom entdeckt" (BR, 6.5.): https://www.br.de/nachrichten/bayern/bodenmessungen-zeigen-vorgaenger-grundriss-des-passauer-doms,RPhKioP

 

3.3       Aktuelle Forschung in den Medien

"Drastisch veränderte Ernährungsgewohnheiten früher Hirtennomaden verbunden mit Ausbreitung politischer Netzwerke in der eurasischen Steppe. Die Stärkung politischer Netzwerke ging mit der Intensivierung des Ackerbaus einher und führte zur weiten Verbreitung von Hirse als Nahrungsmittel bei Bevölkerungsgruppen in ganz Eurasien" (Universität Kiel, 10.6.): https://www.uni-kiel.de/de/detailansicht/news/186-hirtennomaden/

"The Neolithic precedents of gender inequality. Researchers from the University of Seville have published an ambitious study of gender inequality in prehistoric Iberia" (Universidad de Sevilla, 10.6.): https://www.eurekalert.org/pub_releases/2019-06/uos-tnp061019.php

170 Steinhügel auf dem Seegrund vor dem Schweizer Bodenseeufer: "Rätselhafte Steinhügel wohl aus der Bronzezeit" (Welt, 7.6.): https://www.welt.de/regionales/baden-wuerttemberg/article194913081/Raetselhafte-Steinhuegel-wohl-aus-der-Bronzezeit.html

Bad Buchau: "Eine der ältesten Holzbrücken Mitteleuropas" (Archäologie Online, 7.6.): https://www.archaeologie-online.de/nachrichten/eine-der-aeltesten-holzbruecken-mitteleuropas-4319/

"Das genetische Erbe der Paläo-Eskimos. Alte DNA beleuchtet die Migration arktischer Jäger und Sammler nach Nordamerika vor etwa 5000 Jahren und ihren genetischen Einfluss auf die nordamerikanisch-indigene Bevölkerung" (MPI für Menschheitsgeschichte, 5.6.): https://www.shh.mpg.de/1333497/arctic-hunter-gatherer

"DNA from 31,000-year-old milk teeth leads to discovery of new group of ancient Siberians" (St John's College, University of Cambridge, 5.6.): https://www.eurekalert.org/pub_releases/2019-06/sjcu-df3053119.php

Projektbereich "Emerging Fields 5" des Exzellenzclusters Math+: "Mathematik und Archäologie. Wie das Neue in die Welt kam" (Der Tagesspiegel, 5.6.): https://m.tagesspiegel.de/wissen/mathematik-und-archaeologie-wie-das-neue-in-die-welt-kam/24415668.html

  1. Jahrhundert: "Details of first historically recorded plague pandemic revealed by ancient genomes" (University of Cambridge, 5.6.): https://www.arch.cam.ac.uk/details-of-first-historically-recorded-plague-pandemic-revealed-by-ancient-genomes

"Inside the brains of Neanderthals: Were they capable of ‘symbolic and abstract thinking’?" (Genetic Literacy Project, 5.6.): https://geneticliteracyproject.org/2019/06/05/inside-the-neanderthal-brain-were-they-capable-of-symbolic-and-abstract-thinking/

"Weltweit älteste Steinklingen in Äthiopien entdeckt. Abschlagwerkzeuge der Oldowan-Kultur weisen auf eine erstmalige Entwicklung dieser Technologie vor 2,6 Millionen Jahren hin" (Der Standard, 4.6.): https://www.derstandard.de/story/2000104275707/weltweit-aelteste-steinklingen-in-aethiopien-entdeckt

Bronzezeit/Türkei: "Ancient People Watched a Volcano Erupt. This May Be Their Illustration of It" (Live Science, 31.5.): https://www.livescience.com/65609-ancient-volcano-rock-art.html

"Was Archäologen in 8.000 Jahre altem Kot früher Bauern entdeckten: Ausgrabungen in prähistorischem Dorf in Anatolien förderten Eier eines lästigen Parasiten zutage" (Der Standard, 31.5.): http://derstandard.at/2000104148854/Was-Archaeologen-in-8-000-Jahre-altem-Kot-frueher-Bauern

"Africa’s first herders spread pastoralism by mating with foragers. Crossbreeding, not just cultural influences, led hunter-gatherers to adopt livestock practices" (Science News, 30.5.): https://www.sciencenews.org/article/africa-ancient-herders-spread-pastoralism-mating-foragers

"Ancient DNA illuminates first herders and farmers in east Africa" (Harvard Medical School, 30.5.): https://www.eurekalert.org/pub_releases/2019-05/hms-adi052919.php

"Declining fertility rates may explain Neanderthal extinction, suggests new model. Population modelling shows population could have dwindled to extinction due to demographics, not catastrophe" (PLOS, 29.5.): https://www.eurekalert.org/pub_releases/2019-05/p-dfr052219.php

Bronzezeit: "The Birdman of Siberia: sensational finds in the heart of Russia puzzle scientists" (The Siberian Times, 29.5.): https://siberiantimes.com/science/casestudy/features/the-birdman-of-siberia-sensational-finds-in-the-heart-of-russia-puzzle-scientists/

Paläolithikum/ Qesem-Höhle: "Early humans deliberately recycled flint to create tiny, sharp tools" (Phys.org, 29.5.): https://phys.org/news/2019-05-early-humans-deliberately-recycled-flint.html

"Burgenland: Die Kelten hinterließen vor 2.000 Jahren eine Industriewüste. Forscher wiesen bei Oberpullendorf Tausende Eisenerz-Abbaustätten nach" (Der Standard, 28.5.): http://derstandard.at/2000103977648/BurgenlandDie-Kelten-machten-aus-dem-heutigen-eine-Industriewueste

"Archäologie: Wo der Apfel herkommt" (Deutschlandfunk, 27.5.): https://www.deutschlandfunknova.de/nachrichten/archaeologie-wo-der-apfel-herkommt

"Baalbek: Were the megaliths put in place under Herod?" (Politecnico di Milano, 22.5.): https://www.eurekalert.org/pub_releases/2019-05/pdm-bwt052219.php

"DNA from mummy's tomb reveals ancient Egyptian origins of watermelon" (New Scientist, 21.5.): https://www.newscientist.com/article/2204095-dna-from-mummys-tomb-reveals-ancient-egyptian-origins-of-watermelon/

USA: "Eastern forests shaped more by Native Americans' burning than climate change" (Penn State, 21.5.): https://www.eurekalert.org/pub_releases/2019-05/ps-efs052119.php

South Africa: "Earliest evidence of the cooking and eating of starch" (University of the Witwatersrand, 17.5.): https://www.wits.ac.za/news/latest-news/research-news/2019/2019-05/earliest-evidence-of-the-cooking-and-eating-of-starch.html

"The Teeth of Early Neanderthals May Indicate the Species’ Lineage Is Older Than Thought" (Smithsonian Magazine, 15.5.): https://www.smithsonianmag.com/science-nature/teeth-early-neanderthals-may-indicate-species-older-thought-180972184

"Ancient Romans Used Molten Iron to Repair Streets Before Vesuvius Erupted" (LiveScience, 15.5.): https://www.livescience.com/65479-ancient-romans-used-molten-iron-street-repair.html

"Ancient DNA suggests that some Northern Europeans got their languages from Siberia" (Cell Press, 9.5.): https://www.eurekalert.org/pub_releases/2019-05/cp-ads050219.php

"Der Schatz von Reinheim : Was das Saarbrücker Kelten-Gold verrät" (Saarbrücker Zeitung, 3.5.): https://www.saarbruecker-zeitung.de/saarland/saarbruecken/saarbruecken/gold-der-kelten-aus-reinheim-grab-mit-neuen-methoden-untersucht_aid-38557909

 

3.4       Neue Belege zu spätpleistozänen Migrationsrouten nach Ostasien

Auf welchen Routen gelangte Homo Sapiens im Spätpleistozän, d.h. vor 125.000-12.000 Jahren, nach Ostasien? Lange hatte man ausschließlich eine südliche Route entlang des Indischen Ozeans im Blick. Aktuelle Forschungen deuten jetzt darauf hin, dass infolge von Klimaveränderungen Zentralasien - ein heute als unwirtlich geltendes Gebiet - einen Migrationskorridor dargestellt haben könnte.

"Menschen nutzten nördliche Migrationsrouten auf dem Weg nach Ostasien" (Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte, 29.5.): https://www.shh.mpg.de/1329025/asia-dispersals

"Homo sapiens may have had several routes of dispersal across Asia in the Late Pleistocene. A new model identifies unexpected potential paths for the spread of human culture and technology" (PLOS, 29.5.): https://www.eurekalert.org/pub_releases/2019-05/p-hsm052219.php

 

3.5       Älteste Bevölkerung Skandinaviens: DNA-Forschung liefert andere Ergebnisse als Archäologie

Die Menschen, die sich vor mehr als 10.000 Jahren in Skandinavien niederließen, hinterließen in der mesolithischen Jagd- und Fischerstätte Huseby-Klev an der schwedischen Westküste ihre DNA in Stücken aus Birkenrindenpech. Die DNA von zwei Frauen und einem Mann ist die älteste humane DNA, die bisher aus diesem Gebiet sequenziert wurde. Die Ergebnisse zeigen, dass die Individuen eine enge genetische Affinität zu anderen Jägern und Sammlern in Schweden und zu frühmesolithischen Populationen des eiszeitlichen Europa aufweisen. Die vor Ort hergestellten Werkzeuge sind jedoch Teil einer Lithotechnologie aus der osteuropäischen Tiefebene, dem heutigen Russland.

"Chewing gums reveal the oldest Scandinavian human DNA" (Stockholm University, 15.5.): https://www.eurekalert.org/pub_releases/2019-05/su-cgr051419.php

 

3.6       Äthiopien: Wissenschaftler entdecken die bislang ältesten Hinweise auf systematische Steinbearbeitung

Steinwerkzeuge wurden zuerst vor mehr als 2,58 Mio. Jahren und dann mehrmals auf unterschiedliche Weise erfunden, bevor sie zu einem wesentlichen Bestandteil im täglichen Leben der Menschen wurden. Das belegen Untersuchungen einer neuen Fundstelle in Äthiopien, Bokol Dora 1. Der Fundort liegt etwa 45 Kilometer nordöstlich der Fundstelle Hadar, von der die berühmte "Lucy" (Australopithecus afarensis) stammt. In Bokol Dora 1 entdeckten Forscher das älteste der Gattung Homo zugeschriebene Fossil sowie eine archäologische Schicht, die Tierknochen und Hunderte von kleinen Steinabschlägen enthielt. "Die ersten Menschen, die diese Steinwerkzeuge herstellten, lebten in einem völlig anderen Lebensraum als Lucy", sagt Kaye Reed, Direktorin des Ledi-Geraru-Forschungsprojekts, welche die Ökologie der Fundstelle untersuchte. "Der Lebensraum veränderte sich von einem Strauchland mit wenigen Bäumen und Auenwäldern zu einem offenen Grasland mit wenigen Bäumen. Sogar die fossilen Giraffen fraßen Gras!" Während in diesen Wochen jüngste Funde von Werkzeugen, die von Schimpansen und anderen Affen hergestellt wurden, die Idee in Frage stellen, dass der Werkzeuggebrauch ein Alleinstellungsmerkmal in der Menschwerdung sei, sind den Archäologen zufolge die in Bokol Dora 1 entdeckten Steinwerkzeuge nicht nur die ältesten Artefakte des sog. Oldowan-Technokomplexes, sondern sie unterscheiden sich auch ganz deutlich von den Werkzeugen der Schimpansen, anderer Affen oder noch früherer menschlicher Vorfahren. Der Hauptunterschied sei die Fähigkeit, kleinere scharfkantige Werkzeuge systematisch von größeren Gesteinsbrocken abzutrennen. Es scheine, dass dieser Wechsel bei der Werkzeugproduktion etwa zur gleichen Zeit stattgefunden hat wie eine Veränderung der Zahngröße unserer Vorfahren. Der Mangel an eindeutigen Verbindungen zu früheren Methoden der Steinwerkzeugbearbeitung deute darauf hin, dass der Werkzeuggebrauch in der Vergangenheit mehrmals erfunden wurde.

"Menschliche Vorfahren haben Steinwerkzeuge mehrmals erfunden. Wissenschaftler entdecken die bislang ältesten Hinweise auf systematische Steinbearbeitung" (Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie, 3.6.): https://www.mpg.de/13521459/die-wiederholte-erfindung-des-steinwerkzeugs

"Schimpansen graben mit Werkzeugen nach Futter. Forschungsteam filmt im Zoo erstmals, wie die Menschenaffen vorgehen, um an vergrabene Leckereien zu kommen" (Universität Tübingen, 15.5.): https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/newsfullview-aktuell/article/schimpansen-graben-mit-werkzeugen-nach-futter/?tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&cHash=5b7a67a84eb042c6d11818965a1fd9b9

 

3.7       Frankreich: Verzierter Sandstein in jungpaläolithischer Jagdlagerstelle bei Angoulême entdeckt

Das ca. 12.000 Jahre alte, beidseitig bearbeitete Artefakt ist mit Tierbildern – vermutlich von drei Pferden und einem Hirsch - und mit geometrischen Motiven verziert. Die sichtbarste Gravur, die eines nach rechts gedrehten Pferdes ohne Kopf, nimmt die Hälfte der Fläche ein. Der Rumpf folgt der natürlichen Steinkante. Sehr feine Schnitte können als Darstellung des Fells gedeutet werden. Beine und Hufe sind sehr realistisch dargestellt. An der azilienzeitlichen Fundstelle wurden außerdem u. a. Spuren eines rudimentären Feuerplatzes sowie Tierknochen entdeckt. Das Institut national de recherches archéologiques préventives (INRAP) bezeichnet den Sandstein als für die künstlerischen Äußerungen aus dem Azilien außergewöhnlichen Fund

"Les chasseurs-collecteurs de la fin du Paléolithique dessinaient déjà à Angoulême" (INRAP, 4.6.): https://www.inrap.fr/les-chasseurs-collecteurs-de-la-fin-du-paleolithique-dessinaient-deja-angouleme-14382

 

3.8       Weitere Pest-Nachweise in Bayern

Erste genetische Nachweise der Iustinianischen Pest, die in den 540er Jahren lt. Schriftquellen auch im Rhonetal wütete, waren bereits für die Gräberfelder Aschheim und Altenerding bekannt. Neu hat eine am 5.6. publizierte, sehr umfangreiche Studie weitere Nachweise erbracht, und zwar aus Waging, Petting, Unterthürheim und Dittenheim in Bayern, sowie von zwei Fundorten in Frankreich und Edix Hill in Südost-England. Anhand der genetischen Ähnlichkeit und Unähnlichkeit der Bakterienreste lassen sich für Bayern nun zwei unterschiedliche Pestzüge wahrscheinlich machen.

"Genomforschung: Die Pest kam in mehreren Wellen in das frühmittelalterliche Bayern" (Staatssammlung für Anthropologie und Paläoanatomie München, 5.6.): https://www.snsb.de/index.php/de/aktuelles/794-pest-in-bayern

"Neue Einblicke in die erste Pestpandemie durch alte Genome" (MPI für Menschheitsgeschichte, 4.6.): https://www.shh.mpg.de/1332617/plague-pandemic

Marcel Keller et al., Ancient Yersinia pestis genomes from across Western Europe reveal early diversification during the First Pandemic (541–750). PNAS, 4.6., DOI: https://doi.org/10.1073/pnas.1820447116

 

4        Kulturgutschutz

4.1       Aktuelles rund um Kulturgutschutz in den Medien

"U.S. Sees Largest Reduction of Protected Lands in History Under Trump" (Rolling Stone, 2.6.): https://www.rollingstone.com/politics/politics-news/largest-reduction-of-protected-lands-under-trump-843457/

"Taliban Captures World Heritage Site in Afghanistan" (The Antiquities Coalition, 30.5.): https://theantiquitiescoalition.org/taliban-captures-world-heritage-site-in-afghanistan/

"Stolen treasure: How Iraq is hunting for ancient relics looted from its museums. Islamic State sold historic artefacts taken from Mosul, Baghdad and Nimrud to fund its operations, say archaeological experts" (Middle East Eye, 22.5.): https://www.middleeasteye.net/discover/iraq-stolen-treasure-ancient-history-auction

"Die Archaeologik-Beiträge zu Syrien und Irak" (Archaeologik, 20.5.): https://archaeologik.blogspot.com/2019/05/die-archaeologik-beitrage-zu-syrien-und.html

"Kulturgüter in Syrien und Irak (März und April 2019)" (Archaeologik, 10.5.): https://archaeologik.blogspot.com/2019/05/kulturguter-in-syrien-und-irak-marz-und.html

 

4.2       Antikenhehlerei: Den Geldwert der Artefakte einer Fundstelle ermitteln

Zwei Vorderasiatische Archäologen und zwei Experten für Kunsthandel haben untersucht, auf welche Summen sich die Verkäufe archäologischer Objekte syrischer Fundstellen belaufen könnten, und die Ergebnisse im International Journal of Cultural Property publiziert. Ziel war, die recht groben Schätzungen des geldlichen Volumens von Antikenhehlerei zu präzisieren. Analysiert wurden dazu zwei Fundstellen: Zum Einen die römische Garnisonsstadt Dura Europos im heutigen Syrien, nahe der Grenze zum Irak. Satellitenbilder zeigen, wie schwer Dura Europos in den vergangenen Jahren geplündert wurde. Ebenfalls untersucht wurde Tell Bi’a (Tuttul), ein bronzezeitlicher Siedlungshügel im nördlichen Syrien – die Blütezeit dieser Stadt dauerte von der zweiten Hälfte des 3. Jahrtausends bis zum 17. Jahrhundert v. Chr. Beide Orte wurden in der Vergangenheit archäologisch erforscht. Unter Verwendung eines Modells aus dem maschinellen Lernen verglichen die Autoren archäologische Aufzeichnungen und Verkaufsdokumente von mehr als 40.000 Antiken von Auktionshäusern, Galerien und Händlern. Ziel war es, Objekte, die in Grabungsunterlagen dokumentiert sind, mit ähnlichen Objekten vergleichen zu können, die zum Verkauf auf dem Kunstmarkt standen. Basierend auf dem Modell beläuft sich der geschätzte Gesamtwert aller von Dura Europos archäologisch ausgegrabenen Artefakte (ohne Münzen) auf 18 Mio. US-Dollar, bei Tell Bi’a werden 4 Mio. US-Dollar veranschlagt. Der Unterschied erkläre sich mit erreichbaren Marktpreisen, aber auch der jeweiligen Größe der Siedlungen und der unterschiedlich umfangreichen archäologischen Ausgrabungen – denn gegraben wurden jeweils nur Bruchteile der Orte. "If a small portion of a single site like Tell Bi’a is capable of generating $4 million in sales – and there are 15,000 major sites – it doesn’t take much imagination to see just how much of an archaeological gold mine the country is", schreiben die Autoren. Mit der Berechnung wollen die Autoren Politikern und Fachkollegen Datengrundlagen bzgl. Finanzvolumina des illegalen Antikenhandels zur Verfügung stellen. Ihnen sei dabei jedoch völlig klar, erklären sie, dass man an Geschichte kein Preisschild kleben könne.

Fiona Greenland, James V. Marrone, Oya Topçuoğlu, Tasha Vorderstrasse: "We’re just beginning to grasp the toll of the Islamic State’s archaeological looting in Syria" (The Conversation, 15.5.): http://theconversation.com/were-just-beginning-to-grasp-the-toll-of-the-islamic-states-archaeological-looting-in-syria-116645

Fiona Greenland, James V. Marrone, Oya Topçuoğlu, Tasha Vorderstrasse: "A Site-Level Market Model of the Antiquities Trade". International Journal of Cultural Property Vol. 26, Issue 1, February 2019 , pp. 21-47. Published online: 09 May 2019. https://www.cambridge.org/core/journals/international-journal-of-cultural-property/article/sitelevel-market-model-of-the-antiquities-trade/2645FD36F1E0765DC152CD76DF2BAA09

 

4.3       Umfassender Bericht prangert gegenwärtigen Völkermord an der indigenen weiblichen Bevölkerung Kanadas an

Kanadas Behörden haben laut einem am 3.6. veröffentlichten Untersuchungsbericht in den vergangenen Jahrzehnten den Tod und das Verschwinden von tausenden Ureinwohnerinnen im Land vorsätzlich ignoriert, sich damit an einem Völkermord beteiligt. Premier Justin Trudeau sagte: "Das ist ein unangenehmer Tag für Kanada. Aber ein notwendiger." Der Bericht präsentiert 231 Änderungsvorschläge, u. a. eine bessere Vertretung der indigenen Bevölkerung in Regierung und Verwaltung sowie Unterricht in der Geschichte der indigenen Bevölkerung. Trudeau versprach, den Bericht sorgsam zu studieren und Handlungen auf den Weg zu bringen. Der Premierminister hatte die Untersuchung 2015 beauftragt und dafür umgerechnet 82 Mio. Euro zur Verfügung gestellt.

"Canada aimed to 'destroy Indigenous people': The MMIWG inquiry's case for genocide. Continues today with over-apprehension of children, lack of police protection, report says" (CBC/Radio-Canada, 3.6.): https://www.cbc.ca/news/indigenous/genocide-case-inquiry-1.5160941

"Canadian government inquiry assails ‘genocide’ of indigenous women, girls" (The Washington Post, 3.6.): https://www.washingtonpost.com/world/the_americas/canadian-government-inquiry-indigenous-women-have-been-victims-of-race-based-genocide/2019/06/02/3d46f670-8329-11e9-b585-e36b16a531aa_story.html

"Canadian Inquiry Calls Killings of Indigenous Women Genocide" (The New York Times, 3.6.): https://www.nytimes.com/2019/06/03/world/canada/canada-indigenous-genocide.html

"Kanada: Bericht prangert Völkermord an tausenden Ureinwohnerinnen an" (Der Standard, 3.6.): https://www.derstandard.de/story/2000104294732/bericht-voelkermord-an-ureinwohnerinnen-in-kanada

"Canada must not ignore Indigenous 'genocide', landmark report warns. Up to 4,000 Indigenous women and girls killed or missing. Justin Trudeau: ‘We have failed you. We will fail you no longer’" (The Guardian, 3.6.): https://www.theguardian.com/world/2019/jun/03/canada-indigenous-genocide-women-report

"‘Why Are So Many of Our Girls Dying?’ Canada Grapples With Violence Against Indigenous Women. As violence against Indigenous women and girls grows, a national inquiry into the causes is drawing to a close, with a report expected on June 3" (The New York Times, 30.5.): https://www.nytimes.com/2019/05/30/world/canada/canada-indigenous-violence.html

"Ancestral languages are essential to Indigenous identities in Canada" (The Conversation, 30.5.): http://theconversation.com/ancestral-languages-are-essential-to-indigenous-identities-in-canada-117655

 

4.4       Hasankeyf: Flutung des antiken Ortes sollte heute beginnen und wurde in letzter Minute verschoben

Es ist eine der ältesten menschlichen Siedlungen im Zweistromland Mesopotamien: Hasankeyf in der Türkei. Der Ort am Tigris ist seit dem Neolithikum besiedelt, später siedelten dort Römer, und in byzantinischer Zeit war Hasankeyf Bischofssitz. Für Reisende war die antike Stadt ein wichtiger Knotenpunkt. Heute sollte nach mehr als 20 Jahren Streit die Flutung der antiken Siedlung beginnen. Am Nachmittag dann die Nachricht von einer erneuten Verschiebung wegen starker Regenfälle. Entstehen wird ein Stausee mit einer Fläche so groß wie München.

"Umstrittener Staudamm: Hasankeyf geht unter" (Tagesschau, 10.6.): https://www.tagesschau.de/ausland/staudamm-tuerkei-hasankeyf-ilisu-101.html

"Umstrittener Staudamm Flutung von Hasankeyf vertagt" (Tagesschau, 10.6.): https://www.tagesschau.de/ausland/staudamm-tuerkei-hasankeyf-ilisu-105.html

 

5        Studium, Job-Themen und Personalia

5.1       Dr. Christoph Bazil neuer Leiter des österreichischen Bundesdenkmalamtes

Der Jurist Christoph Bazil übernimmt ab Juni 2019 die Leitung des Bundesdenkmalamts (BDA). Der 49-Jährige will sich auf ein klares und scharfes Aufgabenprofil sowie Transparenz und Bürgernähe im Denkmalschutz fokussieren. Das bedeute "schnelle und nachvollziehbare Verfahren, eine klare Serviceorientierung und österreichweit einheitliche Standards". Im März war Bazils Vorgängerin Erika Pieler nach weniger als einem Vierteljahr Tätigkeit von ihrem Amt zurückgetreten und gab dafür persönliche Gründe an (DGUF-Newsletter vom 12.4.2019 Punkt 5.5.). Sie hatte das BDA reformieren sollen, welches zuletzt im Zusammenhang mit einem Bericht des Rechnungshofs stark in die Kritik geraten war (DGUF-Newsletter vom 1.6.2017 Punkt 9.7. und vom 2.11.2016 Punkt 9.1.).

"Dr. Christoph Bazil neuer Leiter des Bundesdenkmalamtes" (BDA, 16.5.): https://bda.gv.at/

 

5.2       Zur Gestaltung von Arbeitsverträgen auf archäologischen Ausgrabungen

Firmenchef Falk Näth und Co-Autoren beleuchten einen in der deutschen Archäologie tatsächlich verwendeten Arbeitsvertrag und arbeiten seine Nachteile und Risiken für den Arbeitnehmer wie auch den Arbeitgeber heraus. Eine konstruktive Analyse: Zu jedem Thema schlagen sie anschließend eine Alternative vor, die gesetzeskonform und für beide Seiten vorteilhafter ist.

Näth, F., Näth, I. & Schauer, M. (2019). Archäologie: Wenn ein Festvertrag nichts Festes ist. Ein Kommentar zur Gestaltung von Arbeitsverträgen auf archäologischen Ausgrabungen. Archäologische Informationen 42, Early View, online publiziert 21. Mai 2019. https://dguf.de/fileadmin/AI/ArchInf-EV_Naeth_etal.pdf

Ergänzende Materialien: [Muster-] Arbeitsvertrag. https://dguf.de/fileadmin/AI/ArchInf-EV_Naeth_etal_ErgMat.docx

 

6        Open Access & Open Data

6.1       Nachdenken über Open Access: wie können die Kosten des wissenschaftlichen Publikationswesens begrenzt werden?

In einer im Mai veröffentlichen Analyse zeigt S. Y.-S. Khoo auf, dass die Publikationsgebühren (APC) für Open-Access-Veröffentlichungen in den vergangenen fünf Jahren stark gestiegen sind auf derzeit im Mittel um 1.600 Euro. Dabei spielt deren Höhe offenbar nur eine geringe Rolle für die Wahl der Autoren, welcher Zeitschrift sie ihr Manuskript anvertrauen: Zeitschriften, die ein Mehr an Prestige vermitteln, würden bevorzugt, unabhängig von der Höhe der APCs. Dies führe dazu, dass die ursprüngliche Hoffnung der Bibliotheken, mit dem Prinzip Open Access könnten die Kosten für das immer teurer werdende wiss. Zeitschriftenwesen reduziert werden (sog. journal crisis), in die Ferne rücke. Ergänzend verdeutlicht eine Studie von T. Green, dass sich die Ausbreitung des Open-Access-Publizierens verlangsamt hat: Der Anteil der direkt im Open Access veröffentlichten Aufsätze ist von 2017 zu 2018 kaum mehr gewachsen. Green kommt auf Basis seiner umfassenden und gut belegten Studie zu dem Ergebnis, dass sowohl der Weg von DEAL als auch "Plan S" die aktuellen finanziellen Bedingungen kaum verändern würde. Vielmehr zeichne sich ab, das mancherlei erhoffte Dynamik gebrochen werde durch die Tatsache, dass von Autoren oft der Weg zur Veröffentlichung von Pre-Prints gewählt werde und für die Leser viele Literatur "grau" verfügbar sei (bei Green als "die schottische Lösung" bezeichnet). Wolle man die Kosten für das wiss. Publikationswesen wirksam reduzieren, müsse man das Publizieren selbst billiger machen. Aus Sicht von Green sei die Wissenschaft (nicht die Verlage) als Treiberin und Entscheiderin gefragt; man solle sich auf ein System hinbewegen, bei dem die Masse der Beiträge schnell und in einfacher Gestaltung online publiziert werde. Nur das sich danach als wichtig und erfolgreich Erweisende solle später in die Ebene der aufwändigeren Publikationsverfahren mit Peer Review und Layout gehoben werden solle - was im Grunde dem Vorschlag "publish first, filter later" von H. Kohle (2015) nahe kommt.

Khoo, S.Y.-S. (2019). Article Processing Charge Hyperinflation and Price Insensitivity: An Open Access Sequel to the Serials Crisis. LIBER Quarterly, 29(1), pp.1–18. DOI: http://doi.org/10.18352/lq.10280 : https://www.liberquarterly.eu/articles/10.18352/lq.10280/

Green, T. (2019). Is open access affordable? Why current models do not work and why we need internet‐era transformation of scholarly communications. Learned Publishing 32(1), 13-25. https://doi.org/10.1002/leap.1219

Kohle, H. (2015). Publish first – filter later. Über den Prozess der Qualitätsbewertung im Open Access. Archäologische Infpormationen 38, 109-112: https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/arch-inf/article/view/26154

 

6.2       PLOS-Zeitschriften führen Möglichkeit zu offenem Peer Review ein

Die (sehr erfolgreichen) Open-Access-Zeitschriften von PLOS haben angekündigt, als Alternative zum bislang praktizierten anonymen Peer Review Autoren und Gutachtern die Möglichkeit zu bieten, den Peer-Review-Prozess öffentlich abzubilden. Wenn Autoren und Gutachter dies wünschten, können die verschiedenen Gutachten und Manuskriptzustände Teil der Veröffentlichung eines Aufsatzes werden.

"PLOS announces published peer review option" (PLOS, 22.5.): https://www.eurekalert.org/pub_releases/2019-05/p-pap052119.php

 

6.3       "Plan S": Etwas später und weniger gestreng

Anfang September 2018 hatte "cOAlition S" - ein europaweiter Verbund von bedeutenden Forschungsförderern, dem Deutschland nicht angehört - "Plan S" ausgerufen, den Plan zur praktischen Umsetzung von verbindlichem Open-Access-Publizieren ab 2010 (DGUF-Newsletter vom 17.9.2018 Punkt 7.1., vom 15.10.2018 Punkt 7.1.) - einschließlich einer Skizze der angedachten Rahmenbedingungen. Später hatte "cOAlition S" dazu u. a. eine öffentliche Anhörung lanciert (DGUF-Newsletter vom 7.3.2019 Punkt 7.4.-5.), die u. a. von den großen Wissenschaftsverlagen zu Stellungnahmen genutzt wurde (siehe "Scholastica" vom 29.5.). Ende Mai hat der Verbund cOAlition S nun seine Pläne konkretisiert, und dabei so manche strenge Regelung des Ursprungsplans fallen gelassen. Die verbindliche Einführung des Open Access soll ein Jahr später stattfinden als ursprünglich geplant, nämlich ab dem Jahr 2021. Auch soll es keine Obergrenze für Publikationsgebühren geben, vielmehr Kostentransparenz. An anderen Aspekten der ursprünglichen Pläne wird festgehalten, wie z. B. dem Ausschluss von hybriden Zeitschriften, also solchen, die teils closed, teils open publizieren. - In ersten Kommentaren wird die Aufweichung zwar beklagt, aber die zusätzliche Zeit als realistischer für die Zielerreichung begrüßt. Neu hat cOAlition S nun auch die kleinen Wissenschaftsverlage und vor allem die "Learned Societies" (Fachgesellschaften) entdeckt, denen man Transformationshilfen anbieten will - offenbar, um den bereits laufenden Prozess zu bremsen, dass große Wissenschaftsverlage deren Zeitschriften unter Vertrag nehmen, wie es in den 2010er Jahren z. B. auch in der Archäologie Großbritanniens umfassend geschah.

"Plan S: Principles and implementation" (cOAlition S, 31.5.): https://www.coalition-s.org/principles-and-implementation/

Alsion Muddit: "Plan S and the Transformation of Scholarly Communication: Are We Missing the Woods?" (The Scholarly Kitchen, 3.6.): https://scholarlykitchen.sspnet.org/2019/06/03/plan-s-and-the-transformation-of-scholarly-communication-are-we-missing-the-woods/

Holly Esle: "Ambitious open-access Plan S delayed to let research community adapt. Funders behind the policy tweak rules after major consultation." (Nature, 30.5.): https://www.nature.com/articles/d41586-019-01717-2

"Preparing for Plan S: Answers to the top 10 journal publisher FAQs we've heard based on what is known now" (Scholastica, 29.5.): https://blog.scholasticahq.com/post/preparing-for-plan-S-answers-top-journal-publisher-faqs/

 

6.4       Monografien geraten (endlich) ins Blickfeld der Open-Access-Förderer

Am 6.6. hat "Knowledge Exchange" - eine etablierte Arbeitsgruppe von sechs großen nationalen Forschungsförderern in Europa (CSC, Finland; CNRS Frankreich; DEFF, Dänemark; DFG, Deutschland; Jisc, UK; SURF, Niederlande) - ihren Bericht "Towards a Roadmap for Open Access Monographs" publiziert. Er fasst vor allem die Ergebnisse einer gleichnamigen Tagung von Experten im November 2018 in Brüssel zusammen. In Kürze: Monografien sind wichtig, insbesondere in den Geisteswissenschaften, und die Förderung des Publizierens im Open Access muss daher künftig (im Unterschied zum Ist-Zustand) konsequent auch die wissenschaftlichen Monografien mitdenken. Nun, für die DGUF ist das inhaltlich nichts Neues, und auch sonst sind die Beiträge in dieser 44-seitigen Broschüre mehr eine vernünftige Zusammenfassung von Allgemeinwissen denn aufregend neu. Sehr wichtig jedoch ist, dass sie von hochkarätigen Menschen und Institutionen endlich ausgeführt und begründet wurden. Die Kernbotschaft steht im Grunde bereist unten auf dem Cover, das die Logos der Förderer abbildet, u. a. DFG und CNRS: Offenbar geraten Monografien nun endlich auf den Radar der Open-Access-Förderer und Wissenschaftsorganisationen.

"Knowledge Exchange mapped and analysed the status of OA Books. Intensive discussions with experts resulted in a roadmap for further development" (Knowledge Exchange, 31.5.): http://www.knowledge-exchange.info/event/open-access-monographs

 

7        Ausstellungen und Museen

7.1       Kultusministerium Baden-Württemberg: freier Museumseintritt ist kein Besucher-Trigger

Nehmen die Besucherzahlen zu, wenn der Eintritt nichts kostet, und - wichtiger - erreichen Museen dann neue Besuchergruppen? Die Frage hat das baden-württembergische Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst untersuchen lassen. Die Studie beruht auf einem entsprechenden Versuch und Untersuchungen an fünf ausgewählten Landesmuseen und 3.500 dort befragten Besuchern. Danach sei der freie Eintritt nur für weniger als 5 % der Besucher relevant gewesen für ihre Besuchsentscheidung; eine spürbare Steigerung der Besucherzahlen habe es nicht gegeben. Die Studie zeige, so Kunststaatssekretärin Petra Olschowski, dass "die Erwartungen der Besucher an Ausstellungsprogramm, Vermittlung, Service oder Öffnungszeiten mindestens ebenso wichtig sind wie der freie Eintritt". Personen mit formal niedrigeren Bildungsabschlüssen oder grundsätzlichem Desinteresse an Museen seien durch freien Museumseintritt kaum stärker erreicht worden als zuvor. Das Land wolle nun prüfen, wie durch bessere Angebote jenseits des materiellen Anreizes mehr Menschen für Museumsbesuche gewonnen werden könnten.

"Kunst und Kultur: Vorstellung Studie Freier Eintritt in Museen" (Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg, 6.6.): https://mwk.baden-wuerttemberg.de/de/service/presse/pressemitteilung/pid/vorstellung-studie-freier-eintritt-in-museen/

"Baden-Württemberg stellt Studie zu Museen vor. Kein freier Museumseintritt für alle" (Stuttgarter Zeitung, 7.6.): https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.baden-wuerttemberg-stellt-studie-zu-museen-vor-kein-freier-museumseintritt-fuer-alle.b0b63e25-db52-40a7-9db2-177571fc6983.html

Nora Wegner & Tom Schößler: Evaluation des freien Eintritts in Dauerausstellungen für die baden-württembergischen Landesmuseen und das ZKM (Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe). Ergebnisbericht Juni 2019: https://mwk.baden-wuerttemberg.de/fileadmin/redaktion/m-mwk/intern/dateien/Anlagen_PM/2019/Evaluationsbericht-freier-Eintritt-Landesmuseen_MWK-BW-2019.pdf

 

7.2       Mecklenburg-Vorpommern: Einigung beim Bau des Archäologischen Landesmuseums

Nach den Diskussionen um die Kosten für den Neubau des Archäologischen Landesmuseums im Frühling (zuletzt DGUF-Newsletter vom 7.3.2019 Punkt 9.4.) konnten die Stadt Rostock und die Landesregierung eine Einigung erzielen. Laut NDR will das Land insgesamt 40 Mio. Euro für das Landesmuseum, das am Standort Stadthafen gebaut werden soll, bereitstellen.

"Einigung über Rostocker Groß-Vorhaben" (NR, 15.5.): https://www.ndr.de/nachrichten/mecklenburg-vorpommern/Einigung-ueber-Rostocker-Gross-Vorhaben,rostock1216.html

 

Überraschungen bei den Aufräumarbeiten im brasilianischen Nationalmuseum

Das Museu Nacional in Rio de Janeiro, das am 2.9.2018 in Folge eines Großbrandes zerstört worden war (DGUF-Newsletter vom 17.9.2019 Punkt 9.1.), kommen mehr Objekte zutage als gedacht. Nachdem zunächst die Statik des Museumsgebäudes untersucht werden musste und dann die Regenzeit hereinbrach, schützt nun ein metallenes Dach über der Museumsruine die Bergungsarbeiten. Während die Museumsmitarbeiter mit archäologischen Methoden ihre einstigen Arbeitsplätze nach Objekten durchsuchen, können sie u. a. die Fragmente von ägyptischen Stelen bergen – Stelen, die vor dem Brand intakt waren. "It's very hard to know exactly how much we lost", zitiert die BBC den Bio-Archäologen Murilo Bastos, "but I believe we have way more than we thought before." Bastos konnte eines der wichtigsten Objekte des Museums bergen: "Luzia", ein ca. 12.000 Jahre altes menschliches Skelett und lange Jahre das älteste bekannte Skelett des Kontinents. Während die Objekte der geologischen Sammlung den Brand naturgemäß einigermaßen gut überstanden haben, sieht es bei der Naturkunde anders aus – z. B. ist eine der weltweit wichtigsten Sammlungen von Grashüpfern, Ergebnis von 100 Jahren des Sammelns, völlig verloren. Die große Hoffnung aller Mitarbeiter ist dennoch, eines Tages das Museu Nacional wieder eröffnen zu können.

"Brazil National Museum: 'Little surprises' salvaged from the ashes" (BBC, 11.5.): https://www.bbc.com/news/world-latin-america-48023691

 

8        Und sonst …

8.1       ORCID, Portal Propylaeum & Archäologische Informationen

In enger Zusammenarbeit mit der Public Knowledge Foundation (PKP) - dem gemeinnützigen "Macher" der Systeme OJS und OMP - hat das Portal Propylaeum / UB Heidelberg den Workflow rund um die ORCID verbessert und dazu ein Plugin programmieren lassen. Es führt dazu, dass bei der Publikation eines Beitrags Autoren mit ORCID um eine kurze Bestätigung gebeten werden, ob das Werk auch wirklich von ihnen stammt. Nach der Bestätigung wird dann der jeweilige Beitrag automatisch in den individuellen ORCID-Account überspielt - was bisher nicht geschah, sondern von den Autoren auf der ORCID-Website händisch selbst zu veranlassen war. Autoren der Archäologischen Informationen profitieren von diesen Automatismen erstmals im Herbst 2019, wenn der neue Jahrgang von den Early Views in das dauerhafte OJS-Archiv migriert. ORCID steht für "Open Researcher and Contributor ID". Es handelt sich um einen international gültigen und kostenlos erhältlichen Code, der Forscherinnen und Forschern eine digitale Identität verleiht. Er ermöglicht eine eindeutige Zuweisung von Publikationen an diese Identität. Die Nummer ist plattformunabhängig und begleitet einen Autor während seiner gesamten Karriere. Die DGUF hat die Nutzung der ORCID für ihre Schriftenreihen im Sommer 2016 eingeführt. Die generelle Bedeutung der ORCID steigt aktuell stark, nachdem die Deutsche Nationalbibliothek diese nun - als Ergänzung zur traditionellen GND - mit in ihre Katalogisierung aufnimmt. Ende Mai wurde vermeldet, dass nunmehr 50.000 ORCIDs bei den DNB erfasst seien.

Was ist und wie funktioniert die ORCID? (Propylaeum, 25.5.): https://www.propylaeum.de/publizieren/orcid/

DGUF-Handreichung zur ORCID: http://dguf.webseiten.cc/fileadmin/user_upload/publikationen/DGUF-Dok_Handreichung-ORCID.pdf

"Mehr als 50.000 Personendatensätze der Gemeinsamen Normdatei (GND) mit ORCID-Records verknüpft" (ORCID.de, 28.5.): https://www.orcid-de.org/mehr-als-50-000-personendatensaetze-der-gemeinsamen-normdatei-gnd-mit-orcid-records-verknuepft/

 

8.2       Das "Ahnenerbe": ARTE-Doku über das dunkelste Kapitel deutscher Vorgeschichtsforschung

Ab 1935 soll ein SS-eigenes wissenschaftliches Institut "Ahnenerbe" dazu dienen, die vermeintliche Überlegenheit der sog. "Germanischen Rasse" nachzuweisen. Die Archäologie wird zur Lieblingsdisziplin der SS: Die Mittel für Ausgrabungen werden vervielfacht, 21 neue Lehrstühle eingerichtet. 70% der deutschen Archäologen treten der NSDAP bei. Neben Medizin und Jura ist die Archäologie die Disziplin mit dem höchsten Anteil an Parteimitgliedern. Ein eminent wichtiger Film von ARTE über das dunkelste Kapitel der deutschen Vorgeschichtsforschung. Bis 26.7. in der ARTE-Mediathek.

"‘Blut und Boden‘. Nazi-Wissenschaft" (ARTE 2017, 98 Min.): https://www.arte.tv/de/videos/080962-000-A/blut-und-boden-nazi-wissenschaft/

"Doku über Nazi-Wissenschaftler: Der akademische Sündenfall" (FAZ, 28.5.): https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/doku-ueber-nazi-wissenschaftler-der-akademische-suendenfall-16209341.html

 

8.3       Wissenschaftliches Publizieren: "Zehn Themen, über die man spricht"

"Ten Hot Topics around Scholarly Publishing" - unter diesem etwas reißerischen Aufsatztitel versucht ein größeres Autorenbündel, die aktuellen Debatten zu sichten und zu bündeln. Der Aufsatz erfüllt tatsächlich, was sein Titel verspricht: Er sichtet die Debatten und fasst wesentliche Themen und Diskussionen zusammen, z. B. zu Unsicherheiten über das Publizieren von Pre-Prints, den Einfluss des Impact-Faktors usw. usf. Lesenswert!

Tennat, J. P. et al. (2019). Ten hot topics around scholarly publishing. Publications 7(2), 34: https://www.mdpi.com/2304-6775/7/2/34/htm

 

8.4       Neu bei Propylaeum: "Funde und Ausgrabungen aus dem Bezirk Trier" & "Fundberichte aus Hessen"

Den Spuren der "Archäologischen Informationen" folgend haben sich zwei weitere wichtige, regionale Fachzeitschriften mit ihren Online-Ausgaben ins Portal Propylaeum (UB Heidelberg) eingefunden: Die vom Rhein. Landesmuseum in Trier herausgegebenen "Funde und Ausgrabungen aus dem Bezirk Trier" werden ab sofort mit einer Sperrfrist von einem Jahr auch online veröffentlicht. Die "Fundberichte aus Hessen" werden demnächst auch bei Propylaeum publiziert, und zwar ohne Sperrfrist unmittelbar mit Erscheinen der Printausgabe; ein Ausbau auf weitere Publikationen der hess. Landesarchäologie ist in Verhandlung.

Funde und Ausgrabungen im Bezirk Trier: https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/fuabt/index

Fundberichte aus Hessen: https://lfd.hessen.de/service/publikationen/publikationen-hessenarch%C3%A4ologie/fundberichte

 

8.5       ARIADNEplus community needs survey: Data and Services

The ARIADNEplus project invites archaeological researchers and data managers to participate in an online survey on community needs regarding data sharing and access, new services and tools, and related training needs. ARIADNEplus is a project funded by the European Commission under the Horizon 2020 Programme. It aims to integrate archaeological datasets in a digital infrastructure so that researchers can use them with services and tools which will also be provided by the project. The survey includes matrix table questions, therefore using a desktop or notebook (not a tablet or mobile) is recommended.

Survey link: http://srfg.at/ariadneplus-survey

 

8.6       Das Fundmagazin der Stadtarchäologie Münster. Ruhiger, lesenswerter Beitrag um einen besonderen Ort

Still ist es im Fundmagazin der Stadtarchäologie Münster, nur das Streichen eines Pinsels sei zu hören. So beginnt ein lesenswerter Artikel in den "Westfälischen Nachrichten". Es geht nirgends um sensationelle Funde und Superlative, sondern um Unscheinbares aus 10.000 Jahren, das gleichermaßen einzigartig ist; es geht um Sorgfalt und, ja, auch um die Emotionen der Mitarbeiter.

"Fundmagazin der Stadtarchäologie. 10 000 Jahre Menschheitsgeschichte in der Speicherstadt" (Westfälische Nachrichten, 9.6.): https://m.wn.de/Muenster/3812689-Fundmagazin-der-Stadtarchaeologie-10-000-Jahre-Menschheitsgeschichte-in-der-Speicherstadt

 

8.7       Wissenschaftliche Blogs dienen vor allem der Kommunikation, nicht der Publikation

Die Ergebnisse einer Umfrage vom Herbst 2018 unter Bloggenden in den Geisteswissenschaften liegen jetzt vor. Mareike König zu den Ergebnissen: "Als Trend lässt sich ein professioneller und strategisch bewusster Einsatz von Blogs ausmachen, die auch bei technisch wenig affinen Forschenden ihren Platz als zusätzliches Kommunikationsmittel gefunden haben." Geisteswissenschaftliches Bloggen sei eine Angelegenheit des Mittelbaus, dabei sei die Genderverteilung fast ausgeglichen. Die Umfrageergebnisse widerlegten das gängige Vorurteil, Wissenschaftsblogs seien als niedrigschwelliges Medium gern genutzte Publikationsorte, in denen jeder und jede ohne Qualitätskontrolle über alles schreibt. Kommunikation sei das oberste Ziel der Befragten, überwiegend werde dabei ein akademisches Publikum anvisiert. Gebloggt werde zumeist weniger als einmal im Monat, der Zeitaufwand liege bei der Hälfte der Bloggenden bei weniger als einer Stunde/Woche. Knapp ein Viertel der Befragten lese mehrmals wöchentlich Wissenschaftsblogs. Während sich fast alle Bloggenden über Kommentare unter ihren Posts freuen würden, kommentieren fast ebenso viele Bloggende selten oder nie unter Blogposts Anderer. Auch bezögen sich Wissenschaftsblogs erstaunlich wenig aufeinander. Königs Zusammenfassung ist eine unbedingte Leseempfehlung für alle Bloggenden und Rezipienten von Blogs rund um die Archäologien.

Mareike König: "Strategische Kommunikation: wie Geisteswissenschaftler*innen bloggen. Ergebnisse der Umfrage bei de.hypotheses" (Redaktionsblog, 6.6.): https://redaktionsblog.hypotheses.org/4246

 

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