DGUF-Newsletter vom 7.3.2019

DGUF-Newsletter vom 7.3.2019

1. DGUF-Nachrichten
1.1. DGUF-Jahrestagung "Die Selbstorganisation von Archäologie. Rollen und Bedürfnisse, Verantwortlichkeiten und Legitimierungen" (Bonn, 20.-23. Juni; CfP bis 15.4.)
1.2. Auswertung der Leserumfrage zum DGUF-Newsletter. DGUF-Newsletter wird künftig Anker/Sprungmarken erhalten
1.3. DGUF schreibt an Außenminister Heiko Maas betr. Erinnerungskultur und Neuzeitarchäologie
1.4. Unter den DGUF-Rezensionsangeboten: Barry Cunliffe und John Koch (Hrsg.): Exploring Celtic Origins. New ways forward in archaeology, linguistics, and genetics

2. Tagungen und Veranstaltungen
2.1. "Depotplanung und Sammlungsmanagement" (Brandenburg an der Havel, 15.-17.4.)
2.2. Jahrestagung von CIfA Deutschland (Bonn, 22.6.)
2.3. Studentischer Thementag "Wege in die Archäologie" (Hamburg, 17.4.)
2.4. "Diversität in der Archäologie: erforschen, ausstellen, vermitteln" (Chemnitz, 15.-17.5.)

3. Forschung
3.1. Neu im Early View der "Archäologischen Informationen"
3.2. Aktuelle Ausgrabungen in den Medien
3.3. Aktuelle Forschung in den Medien
3.4. "Archäologie zwischen 'genetischem Goldrausch' und ethischem Dilemma"
3.5. Neandertaler und Moderne Menschen in Spanien, Schöninger Lanzen als Wurfspeere und muskulöse Neandertaler, die sich ihre Lebenspartner nicht aussuchen konnten
3.6. Neue Denisova-Chronologie: lange Parallel-Existenz von Denisova-Mensch und Neandertalern
3.7. Nicht wirklich neu: Die Bestimmung des biologischen Geschlechts an Leichenbränden
3.8. Kallerup (Thy): spätbronzezeitlicher Hortfund entdeckt
3.9. Schleswig-Holsteins Landesarchäologe Ulf Ickerodt zu Neuem von den Germanen: "Es fehlen die guten, starken Geschichtsbilder"

4. Kulturgutschutz
4.1. Aktuelles rund um Kulturgutschutz in den Medien
4.2. Wie könnte Palmyra nach einem Wiederaufbau aussehen?

5. Studium, Job-Themen und Personalia
5.1. Prof. Dr. Alexander Koch gestorben
5.2. Prof. Dr. Erika Simon gestorben
5.3. Universität Tübingen zeichnet Andrew Sorensen für seine Forschung zu den Ursprüngen der Feuerherstellung aus
5.4. Wertvolle Einblicke in den Alltag eines Lebens als Wissenschaftler

6. Berufsverband
6.1. Vertreter des Berufsverbands CIfA Deutschland persönlich kennen lernen: Termine 1. Halbjahr 2019

7. Open Access & Open Data
7.1. Kein guter Deal für Deutschland: Open-Access-Vertrag von DEAL und Wiley veröffentlicht
7.2. Skeptischer Bericht zum umfassenden Open Access ab 2020
7.3. Richtungsweisende Entscheidung: Leibniz-Gemeinschaft fördert Bücher im Open Access
7.4. Ergebnisse der öffentlichen Konsultation zu "Plan S"
7.5. "Plan S" aus Sicht der großen Wissenschaftsverlage
7.6. Entscheidung von größter Bedeutung: Elsevier neu auch in den USA unter Druck
7.7. Qualität und Prestige ohne Impact-Faktor?
7.8. Niederlande: Open Access nach spätestens einem halben Jahr
7.9. Open-Access-Monografien werden häufiger zitiert und breiter wahrgenommen

8. Bürger und Archäologie & Citizen Science
8.1. Zum Verhältnis von staatlicher Denkmalpflege und bürgerlichen Initiativen, die sich an ehemaligen KZ-Außenlager-Standorten für Gedenken und Vermittlung engagieren.
8.2. Aufklärung, Menschenrechte und Bürgerbeteiligung an der archäologischen Denkmalpflege

9. Ausstellungen und Museen
9.1. "Schöne, handwerklich einwandfrei gemachte Ausstellung": "Mykene" (Karlsruhe, bis 2.6.)
9.2. "Extra hinzufahren lohnt sich nicht": "Einfach Zürich". Drei Räume für das Gestern und Heute von Stadt und Kanton Zürich im Landesmuseum Zürich
9.3. Bundesgerichtshof: "Bilderstreit-Urteil" REM vs. Wikimedia veröffentlicht
9.4. Planungen für das Archäologische Landesmuseum in Rostock ins Stocken geraten

10. Und sonst …
10.1. Neue Zeitschrift zu Open Educational Resources (OER)
10.2. Baden-Württemberg: Landesregierung macht touristische Pläne rund um den Heidengraben zum Pilotprojekt
10.3. Bericht vom Rundgespräch "Forschungsperspektiven zur Archäologie der Neuzeit und Moderne" (Berlin, 20.2.)
10.4. Call for Articles für Sammelband "Theorie | Archäologie | Reflexion"

11. Impressum und Redaktionshinweise


1. DGUF-Nachrichten
1.1.
DGUF-Jahrestagung "Die Selbstorganisation von Archäologie. Rollen und Bedürfnisse, Verantwortlichkeiten und Legitimierungen" (Bonn, 20.-23. Juni; CfP bis 15.4.)
In vielen europäischen Ländern sieht sich die Archäologie mit politischen und ökonomischen Veränderungen konfrontiert, die andere Prioritäten setzen als allein für das kulturelle Erbe und dessen Erforschung Sorge zu tragen. Gesellschaftliche Erwartungen an die Archäologie, an die Denkmalpflege und die Museen verändern sich stark. Viele Archäologie-Institutionen und in der Archäologie Tätige haben jedoch jenseits des Tagesgeschäfts kaum mehr Ressourcen für eine effektive Lobbyarbeit und bessere Kommunikation mit Bürgern und Politikern. Beides wäre heute wichtiger und komplexer denn je – aber oft müssen Chancen ungenutzt bleiben, weil wir Archäologen beruflich anderweitig fest eingespannt sind. Dennoch leistet sich das Fach bzw. das Berufsfeld Archäologie mancherlei Doppelarbeit, weil Rollen und Aufgaben nicht abgestimmt sind. So verstreicht z. B. kostbare Zeit mit dem Abklären von Zuständigkeiten und Kompetenzen, oder man übergeht von einer Entscheidung Betroffene, weil man für diese Personengruppe keinen Ansprechpartner, z. B. in einer Vereinigung, weiß. Resultierende Fehlentscheidungen zu korrigieren, erweist sich später als sehr mühsam und zeitaufwändig. Auch Eigensüchteleien finden mehr Platz, als es angesichts der sehr knappen Ressourcen geboten wäre. Die junge Archäologen-Generation fordert klare Berufsperspektiven, transparente professionelle Standards und Regeln für gute Arbeitsbedingungen, und noch mehr ein allgemeines Einhalten solcher Regelwerke, damit sie ihr Berufsleben planen und würdig gestalten kann. Angesichts der vorherrschenden Umstände orientiert sich so manches große junge Talent jedoch beruflich anders und geht der Archäologie verloren.

Die DGUF-Tagung 2019 - wir feiern zugleich unser 50-Jähriges! - soll dazu dienen, uns gemeinsam alle zu hinterfragen und aus unterschiedlichsten Perspektiven die Rollen, Bedürfnisse und Verantwortlichkeiten in der deutschen Archäologie zu untersuchen und zu debattieren. Was sind die Rollen, Bedürfnisse und Verantwortlichkeiten von, beispielsweise, staatlicher Archäologie, von Verbänden, Fachgesellschaften, Firmen, NGOs oder einem Berufsverband? Wir wollen herausarbeiten, wo Aufgaben und Rollen von außen vorgegeben sind, wo sie fachintern bereits gut geklärt sind, sodass Synergieeffekte vor Kräfte bindendem Konkurrenzstreben stehen. Wir wollen gemeinsam identifizieren, was weniger rund läuft, wo Ergänzungs- und Verbesserungspotenziale schlummern. Wie viele unserer sehr begrenzten Ressourcen werden genutzt, um "eigenes Terrain" zu schützen, anstatt sich in einer gut geplanten und harmonisierten Weise mit dem externen Druck zu befassen? Wo gehen wichtige Bereiche und Bedürfnisse unter, weil es ihnen an einer wirksamen Stimme fehlt? Wie stark wirkt eine Silo-Mentalität, bei der eine hochspezialisierte Disziplin fragmentiert ist und nicht in der Lage (oder nicht willens), das Gesamtgefüge zu betrachten? Macht uns eine vielstimmige Archäologie stärker – oder eine, die z. B. in die Politik mit einer Stimme spricht? Passt die historisch gewachsene Selbstorganisation der Archäologie noch zu den laufenden und absehbaren gesamtgesellschaftlichen Herausforderungen? Gemeinsam wollen wir den Ist-Zustand beleuchten („Wer macht was?“) und ausloten, wo sich das Fach aus eigener Kraft noch besser aufstellen könnte.

Die Tagung wird bewährte Elemente bisheriger DGUF-Tagungen fortführen und neben Vorträgen (ca. 15 min) samt deren Debatte (ca. 10 min) auch stärker partizipative Formate umfassen ("Podium+"; World Café), um allen Tagungsteilnehmern eine aktive Mitwirkung an der Erarbeitung von Ergebnissen zu ermöglichen. Wir laden alle Interessierten herzlich ein, sich den Termin zu notieren und an der Tagung teilzunehmen. Noch mehr laden wir dazu ein, persönlich aktiv zum Programm beizutragen. Melden Sie einen Vortrag an, um Ihre persönliche oder institutionelle Sicht auf die Selbstorganisation der deutschen Archäologie zu entwickeln und in die fachöffentliche Debatte zu stellen. Ausdrücklich begrüßen wir die perspektivische Vielfalt hierbei, das heißt: von Studierenden, allen Arbeitnehmern und Freiberuflern, aus Landesarchäologien und Firmen, aus Universitäten und herzlich gerne auch mit dem Blick "von außen", z. B. aus einer Lokalpolitik heraus. Vortragsanmeldungen erbitten wir bis zum 15.4. an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!. PS für alle DGUF-Mitglieder: Die 50-Jahresfeier findet am Do., 20.6., statt, die Mitgliederversammlung am So., 23.6.
Tagungswebsite inkl. Anmeldung: https://dguf.de/50-jahre-dguf.html. Dort demnächst auch fortlaufend die bereits angemeldeten und angenommenen Vorträge.

1.2.
Auswertung der Leserumfrage zum DGUF-Newsletter. DGUF-Newsletter wird künftig Anker/Sprungmarken erhalten
Inzwischen hat die Redaktion die Leserumfrage zum DGUF-Newsletter (19.11.-31.12.2018) sorgfältig studiert. Danke nochmals für die Mühe, die sich alle Antwortenden gemacht haben! Wir sehen nun, dass unsere Newsletter-Leser im Mittel etwas älter sind als unsere Facebook-Abonnenten, ein Viertel von ihnen keine ausgebildeten Archäologen sind und weniger als die Hälfte in der Archäologie ihren Beruf hat. Sprich: der DGUF-Newsletter hat eine Reichweite weit über die Berufsarchäologie hinaus. Auch über die DGUF hinaus: nur etwa ein Drittel der Antwortenden gibt an, auch DGUF-Mitglied zu sein. Neben dem DGUF-Newsletter informieren sich 30 % unserer Abonnenten "oft" oder "vorwiegend" via Archäologie Online und 36 % über die Zeitschrift "Archäologie in Deutschland", wohingegen andere Quellen nur deutlich seltener genutzt werden. Während 31 % der Leser angeben, alles oder zumindest 3/4 des Newsletters zu lesen - wir können es kaum glauben! ;-) -, lesen ebenso viele Abonnenten den Newsletter sehr selektiv. So überrascht auch nicht die Kritik im Klartext: sie ist - wie die Leser - sehr heterogen, die meisten Meinungen und Kritikpunkte werden nur ein Mal oder wenige Male genannt. Gleichwie, über Sätze wie: "Der Inhalt ist schlicht genial", "Der monatliche Lichtblick am heimischen Schreibtisch!", "Der Newsletter ist immer ein Highlight, gut recherchiert..." oder "Vielen Dank für Ihre unermüdliche Arbeit. Monatlich einen Newsletter herauszubringen, ist ein enormer Aufwand!" haben wir uns natürlich außerordentlich gefreut! Als Kritik wird in den Freitextantworten oft der Wunsch genannt, mit Ankern/Sprungmarken direkt vom Inhaltsverzeichnis zum jeweiligen Thema springen zu können. Das ist von uns selbst seit langem ein Wunsch, war aber mit unserer jetzigen (seit Mai 2012 eingesetzten) Technik nicht umsetzbar, erfordert vielmehr einen Softwarewechsel. Nach sorgfältiger Evaluation diverser Lösungen - die stets v. a. vor dem Hintergrund der extrem knappen Personalressourcen der im Ehrenamt operierenden DGUF zu bewerten waren - haben wir uns zu einem Umstieg entschieden, der sich aktuell in der Testphase befindet. Bald wird es also Sprungmarken geben, und Sie werden die Ersten sein, die davon via DGUF-Newsletter erfahren. Überrascht hat uns der gelegentlich geäußerte Wunsch nach einem gestalteten PDF des Newsletters, weil: das gibt es doch längst! Wenige Stunden bis Tage nach Versand per E-Mail findet sich im Archiv auf DGUF.de auch eine PDF-Version des Newsletters, seit längerem auch *mit* Sprungmarken.
Archiv der DGUF-Newsletter: https://dguf.de/249.html

1.3.
DGUF schreibt an Außenminister Heiko Maas betr. Erinnerungskultur und Neuzeitarchäologie
Ende Januar schrieb die DGUF an Außenminister Heiko Maas, um ihn auf die Leistungen und Nöte neuzeitarchäologischer Forschung aufmerksam zu machen. Maas hatte sich zwei Tage zuvor in der "Welt am Sonntag" zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus geäußert und u. a. betont, Gedenkstätten sollten zu Lernorten werden. Die DGUF wies auf die neuzeitarchäologische Forschung zu den materiellen Hinterlassenschaften von Lagern des NS-Regimes hin und verwies auch auf die "Leitlinien zu einer Archäologie der Moderne", die der Deutsche Verband für Archäologie (DVA) Ende 2017 zur Erstarkung neuzeitarchäologischer Bemühungen verabschiedet hatte.
"DGUF an Außenminister Heiko Maas betr. Erinnerungskultur und Neuzeitarchäologie" (DGUF, 29.1.): http://www.dguf.de/484.html
"'Unsere Erinnerungskultur bröckelt' - #HolocaustRemembrance" (Archaeologik, 27.1.): http://archaeologik.blogspot.com/2019/01/unsere-erinnerungskultur-brockelt.html

1.4.
Unter den DGUF-Rezensionsangeboten: Barry Cunliffe und John Koch (Hrsg.): Exploring Celtic Origins. New ways forward in archaeology, linguistics, and genetics
Unter den zahlreichen Bänden, welche die Herausgeber der "Archäologischen Informationen" zur Rezension ausschreiben, sei diesmal der am 25.10.2018 erschienene Band von Barry Cunliffe und John Koch (Hrsg.) hervorgehoben. Aus dem Klappentext: " Exploring Celtic Origins is the fruit of collaborative work by researchers in archaeology, historical linguistics, and archaeogenetics over the past ten years. This team works towards the goal of a better understanding of the background in the Bronze Age and Beaker Period of the people who emerge as Celts and speakers of Celtic languages documented in the Iron Age and later times. Led by Sir Barry Cunliffe and John Koch, the contributors present multidisciplinary chapters in a lively user-friendly style, aimed at accessibility for workers in the other fields, as well as general readers. The collection stands as a pause to reflect on ways forward at the moment of intellectual history when the genome-wide sequencing of ancient DNA (a.k.a. ‘the archaeogenetic revolution’) has suddenly changed everything in the study of later European prehistory. How do we deal with what appears to be an irreversible breach in the barrier between science and the humanities?" Wenn Sie Interesse an einer Rezension haben, richten Sie bitte Ihre Anfrage mit Ihrer vollständige Postanschrift sowie einer kurzen Begründung, weshalb Sie dieses Werk besprechen wollen, an: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.
Alle Rezensionsangebote der "Archäologischen Informationen" mit weiteren Informationen zu Modalitäten und Ablauf: http://www.dguf.de/fileadmin/user_upload/publikationen/AI/DGUF-Dok_Arch-Inf_Rezensionsangebote.pdf


2. Tagungen und Veranstaltungen
2.1.
"Depotplanung und Sammlungsmanagement" (Brandenburg an der Havel, 15.-17.4.)
Der dreitägige Fachkongress im Brandenburger Paulikloster widmet sich in zahlreichen Vorträgen, Erfahrungsberichten und Diskussionsformaten den Themen ganzheitliches Projektmanagement für Neu- und Umbau bzw. Sanierungen von Sammlungsdepots, Umzugsmanagement, Logistik und Transportwesen, Sammlungsmanagement, Sicherheit, Notfall- und Risikomanagement, Schädlingsprävention, Lagertechnik, Sammlungssoftware, Inventarisierung, Raumklima, Lichtschutz, Energieeffizienz, konservatorische Aspekte, Fördermöglichkeiten sowie Betriebskonzepte. Begleitend zur Tagung findet eine Fachmesse mit knapp 20 Ausstellern statt.
https://www.focus-museum.de/

2.2.
Jahrestagung von CIfA Deutschland (Bonn, 22.6.)
Den ersten Themenblock bilden Vorträge zu Arbeitnehmerrechten sowie zur noch in diesem Jahr startenden Akkreditierung von archäologischen Fachfirmen durch CIfA in Deutschland. Falk Näth (CIfA Deutschland) wird darlegen, wie die in Großbritannien seit langem etablierte und bewährte Akkreditierung als "Registrierte Organisation" einerseits weitgehend unverändert adaptiert wird und andererseits mit wenigen Zusätzen so in das deutsche Rechtssystem übertragen wird, dass die Akkreditierung z. B. als Kriterium wirksam und rechtsfest in Ausschreibungsverfahren eingebunden werden kann. Weitere Vorträge befassen sich mit der Relevanz, die persönliche Akkreditierung und die Firmenregistrierung für unterschiedliche berufliche Funktionen haben. Vertreter von Amtsarchäologie, Firmenarchäologie und persönlich akkreditierte Mitarbeiter von Grabungsfirmen berichten über ihre persönlichen Erfahrungen. Die Tagungsteilnahme ist kostenfrei, eine Anmeldung ist notwendig. Alle weiteren Informationen im Newsletter von CIfA Deutschland vom Februar.
https://www.archaeologists.net/sites/default/files/4_CIfA_Deutschland_Newsletter_Februar2019_0.pdf

2.3.
Studentischer Thementag "Wege in die Archäologie" (Hamburg, 17.4.)
Ziel des Thementages ist es Studierenden der Archäologie und Interessierten mögliche Berufsfelder, Anlaufstellen und Verbände vorzustellen und ein Bild des Arbeitsmarktes zu vermitteln. Dies soll zur Motivation und Zielfindung im Studium beitragen und auch ein realistisches Bild der Möglichkeiten nach dem Studium präsentieren. Ab 9.45 Uhr sind acht Vorträge von Vertretern aus den unterschiedlichen Bereichen geplant, wie z. B. dem niedersächsischen Landesarchäologen Dr. Henning Haßmann, dem Selbständigen Dr. Philip Lüth oder dem Lehrenden PD Dr. Frank Siegmund. Zudem werden Vertreter von dArV, DGUF und CIfA über geheimnisvolle Abkürzungen, die Institutionen dahinter und deren Inhalte Rede und Antwort stehen. In den Kaffeepausen sollen Posterpräsentationen zur gemeinsamen Diskussion anregen. Geplantes Ende der Veranstaltung ist 17 Uhr; im Nachgang besteht die Möglichkeit zu weiteren Diskussionen sowie ab 18 Uhr der Teilnahme an einem Abendvortrag von Dr. Leif Hansen aus der Vortragsreihe des Instituts. Die Teilnahme ist kostenfrei, aber eine Box wird bereitgestellt, denn der FSR freut sich immer über Unterstützung. Die Veranstaltung entsteht in Zusammenarbeit mit dem DASV, der DGUF und www.Miss-Jones.de. Anmeldungen bis spätestens 10.4. an die AG "Wege in den Beruf": Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

2.4.
"Diversität in der Archäologie: erforschen, ausstellen, vermitteln" (Chemnitz, 15.-17.5.)
Themen wie Ethnos, Migration und interkultureller Kontakt werden seit langem in der Archäologie diskutiert, seit den 1990er Jahren spielt der Begriff "Identität" eine zunehmende Rolle. Die Tagung im Staatlichen Museum für Archäologie Chemnitz befasst sich mit dem aktuellen Forschungsstand, gegenwärtigen Positionen und dem Blick auf künftige Forschungspotenziale. Wie geht man bislang mit dem Thema herkunftsbezogene Diversität in einer Ausstellung um? Was dürfen und können Kuratoren ausstellen, soll bzw. muss sich etwas ändern? Wir können die Inhalte an Besucher vermittelt werden, welche Konzepte eignen sich, um möglichst weite Teile der Gesellschaft anzusprechen. Um Anmeldung wird bis spätestens 31.3. gebeten.
https://www.smac.sachsen.de/kalender-veranstaltung.php?id=1877


3. Forschung
3.1.
Neu im Early View der "Archäologischen Informationen"
Karl, R. (2019). Aufklärung, Menschenrechte und Bürgerbeteiligung an der archäologischen Denkmalpflege. Archäologische Informationen 42, Early View, online publiziert 4. März 2019.
Keller, Chr. (2019). Rezension zu: Barth, A. (2018). Dippoldiswalder Steinzeug. Ein Töpferhandwerk und seine kulturhistorische Bedeutung. (Veröffentlichungen des Landesamtes für Archäologie Sachsen 65 = Archaeo-Montan 2). Dresden: Landesamt für Archäologie in Sachsen. Archäologische Informationen 42, Early View, online publiziert 11. Febr. 2019.
Hausmair, B. & Bollacher, Chr. (2019). "Lagerarchäologie" zwischen Bürgerinitiativen und Denkmalpflege am Beispiel des KZ-Komplexes Natzweiler. Archäologische Informationen 42, Early View, online publiziert 8. Febr. 2019.
Notroff, J. (2019. Rezension zu: Sasse, B. (2017/2018). Der Weg zu einer archäologischen Wissenschaft (2 Bde.). Berlin: de Gruyter. Archäologische Informationen 42, Early View, online publiziert 28. Jan. 2019.
Holtorf, C. (2019). Rezension zu: Stabrey, U. (2017). Archäologische Untersuchungen. Über Temporalität und Dinge (Histoire 98). Bielefeld: transcript. Archäologische Informationen 42, Early View, online publiziert 15. Jan. 2019.
http://www.dguf.de/earlyview.html

3.2.
Aktuelle Ausgrabungen in den Medien
Chachapoya: "Archäologischer Überraschungsfund in Peru. Zwei Kölner entdecken das Dorf der Nebelkrieger" (Spiegel, 5.3.): http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/peru-koelner-entdecken-dorf-der-raetselhaften-chachapoya-kultur-a-1254713.html
"Archäologie: Tunnel unter Alcatraz gefunden" (Deutschlandfunk, 5.3.): https://www.deutschlandfunk.de/archaeologie-tunnel-unter-alcatraz-gefunden.2850.de.html?drn%3Anews_id=983294
Bayern: "Bei Aßling: Sondengeher findet Schatz aus der Bronzezeit" (Merkur, 21.2.): https://www.merkur.de/lokales/ebersberg/assling-ort377330/assling-bayern-sondengeher-findet-schatz-aus-bronzezeit-11788416.html
"Stunning Narcissus fresco at Pompeii uncovered" (ANSA, 14.2.): http://www.ansa.it/english/news/lifestyle/arts/2019/02/14/stunning-narcissus-fresco-at-pompeii_6175a6e4-7a8d-4add-a6d4-4e14ce70c7bb.html
"Ancient workshop for construction of boats uncovered in Sinai. A Ptolemaic workshop for boat construction and repair has been uncovered in the Sinai Peninsula" (Ahram Online, 13.2.): http://english.ahram.org.eg/NewsContent/9/41/325517/Heritage/GrecoRoman/Ancient-workshop-for-construction-of-boats-uncover.aspx
"Three new prehistoric hand prints found inside Altamira cave in Spain. The art, which is in bad condition, was identified during the course of inventory work inside the world-famous Paleolithic site" (El País, 31.1.): https://elpais.com/elpais/2019/01/30/inenglish/1548850297_888022.html
"Portugal: Archäologen entdecken 2000 Jahre alten Friedhof - mitten in Lissabon" (Spiegel, 29.1.): http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/lissabon-archaeologen-entdecken-2000-jahre-alten-friedhof-mitten-in-der-stadt-a-1250464.html
Rheinland: "Der Ötzi von Rheinbach. Archäologen entdecken rund 4500 Jahre altes Skelett" (Bonner Rundschau, 27.1.): https://www.rundschau-online.de/region/bonn/rheinbach/der--oetzi--von-rheinbach-archaeologen-entdecken-rund-4500-jahre-altes-skelett-31944248
Kr. Minden-Lübbecke: "Leben am Fluss vor 2.000 Jahren" (LWL, 25.1.): https://www.lwl-archaeologie.de/blog/leben-am-fluss
"5000 Jahre alte Gräber im Nildelta entdeckt. Sie lebten in Ägypten, lange vor den ersten Pharaonen: Forscher sind im Nildelta auf Tausende Jahre alte Gräber gestoßen" (Spiegel, 24.1.): http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/aegypten-archaeologen-finden-mehr-als-5000-jahre-alte-graeber-im-nildelta-a-1249772.html
"Norwegian lake hold several thousand year-old secret" (Science Nordic, 22.1.): http://sciencenordic.com/norwegian-lake-hold-several-thousand-year-old-secret

3.3.
Aktuelle Forschung in den Medien
"Hundreds of children and llamas sacrificed in a ritual event in 15th century Peru. The largest sacrifice of its kind known from the Americas was associated with heavy rainfall and flooding" (PLOS, 6.3.): https://www.eurekalert.org/pub_releases/2019-03/p-hoc022719.php
"Building with big stones. – Or: There is no globe-spanning ‘Megalithic Culture’" (The Tepe Telegrams, 5.3.): https://www.dainst.blog/the-tepe-telegrams/2019/03/05/building-with-big-stones-or-there-is-no-globe-spanning-megalithic-culture/
"Auf der Suche nach der Geschichte Afrikas. Bisher haben Archäologen sich kaum für Afrika interessiert. Das soll sich ändern mit einem großen Projekt zu den historischen Netzwerken des Kontinents" (Der Tagesspiegel, 5.3.): https://www.tagesspiegel.de/wissen/archaeologie-auf-der-suche-nach-der-geschichte-afrikas/24067110.html
"Neue DNA-Tests auf der Suche nach Nofretetes und Achesenamuns Mumie" (Selket's Blog, 2.3.): https://blog.selket.de/aus-der-forschung/neue-dna-tests-auf-der-suche-nach-nofretetes-und-achesenamuns-mumie
Basketmaker II: "WSU researcher discovers oldest tattoo tool in western North America" (Washington State University, 28.2.): https://www.eurekalert.org/pub_releases/2019-02/wsu-wrd022719.php
"Britzer Prinzessin: Geheimnisse eines Grabes: Verwobene Familienbande im Frühmitteltalter" (Museum and the city, 27.2.): http://blog.smb.museum/geheimnisse-eines-grabes-verwobene-familienbande-im-fruehmitteltalter/
"Mount Vesuvius Didn't Kill Everyone in Pompeii. Where Did the Survivors Go?" (LiveScience, 26.2.): https://www.livescience.com/64854-where-pompeii-refugees-fled.html
"Prehistoric Siberians May Have Traveled 1,500 Kilometers by Dogsled. The discovery of obsidian tools on Zhokhov island indicates the existence of a vast trading network in prehistoric deep Arctic 9,000 years ago" (Haaretz, 25.2.): https://www.haaretz.com/archaeology/MAGAZINE-prehistoric-siberians-may-have-traveled-1-500-kilometers-by-dogsled-1.6964489
"New research casts doubt on cause of Angkor's collapse" (University of Sydney, 25.2.): https://www.eurekalert.org/pub_releases/2019-02/uos-nrc022519.php
"Neue Schimpansenkultur entdeckt. Studie beschreibt einzigartiges Verhalten von Schimpansen aus der Region Bili-Uéré in der Demokratischen Republik Kongo" (Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie, 25.2.): https://www.mpg.de/12740337/neue-schimpansenkultur-entdeckt
"Discovery sheds light on mystery of ancient Native American city’s downfall. Human faeces in lake reveal climate change-related fate of Cahokia, a once bustling settlement by the Mississippi River" (Independent, 25.2.): https://www.independent.co.uk/news/science/archaeology/climate-change-native-american-city-cahokia-archaeology-mississippi-a8796201.html
Peru: "Inca Ritual Baths Fed by Waterfall Reveals More of Its Secrets" (LiveScience, 22.2.): https://www.livescience.com/64845-inca-ceremonial-baths-archaeology.html
"Foxes were domesticated by humans in the Bronze Age" (Spanish Foundation for Science and Technology, 21.2.): https://www.eurekalert.org/pub_releases/2019-02/f-sf-fwd022119.php
"Fifteen-thousand-year friendship between hound and human under the microscope. It is often remarked that 'dogs look like their owners'; might there be more to the assertion than believed? A new research project at the University of Copenhagen will examine the DNA of prehistoric dogs and humans to identify shared traits" (University of Copenhagen, 21.2.): https://www.eurekalert.org/pub_releases/2019-02/uoc-ffb022119.php
Schweden: "Yes, That Viking Warrior Buried with Weapons Really Was a Woman" (LiveScience, 20.2.): https://www.livescience.com/64816-woman-viking-warrior-burial.html
"Die Affenjäger: Die Besiedlung des südasiatischen Regenwaldes ging mit der Jagd auf Affen einher. Eine neue Studie liefert erstmals direkte Belege für die Jagd auf Baumaffen und andere Kleinsäuger durch den Homo sapiens vor 45.000 Jahren im Regenwald von Sri Lanka" (Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte, 19.2.): https://www.shh.mpg.de/1209095/monkey-hunters-roberts
"Tracking Analogies: The Shigir Idol from the Urals" (The Tepe Telegrams, 19.2.): https://www.dainst.blog/the-tepe-telegrams/2019/02/19/tracking-analogies-the-shigir-idol-from-the-urals/
"The Lab Discovering DNA in Old Books. Even the beeswax used in seals is rich with data about the past, including the flowers that grew in that region year to year" (The Atlantic, 19.2.): https://www.theatlantic.com/science/archive/2019/02/dna-books-artifacts/582814/
"Quarrying of Stonehenge 'bluestones' dated to 3000 BC" (University College London, 19.2.): https://www.eurekalert.org/pub_releases/2019-02/ucl-qos021519.php
Angus: "Britain’s largest Neolithic house ‘built in Scotland’" (The Scotsman, 15.2.): https://www.scotsman.com/lifestyle/britain-s-largest-neolithic-house-built-in-scotland-1-4873921
"Dog burial as common ritual in Neolithic populations of north-eastern Iberian Peninsula" (University of Barcelona, 14.2.): https://www.eurekalert.org/pub_releases/2019-02/uob-dba021419.php
"Die Menschen der Bronzezeit: Neueste Forschung zur Populationsgenetik, Lebensweise und Kultur im Kaukasus" (Universität Kiel, 12.2.): https://www.uni-kiel.de/de/universitaet/detailansicht/news/044-bronzezeit/
"Ancient European Stone Monuments Said to Originate in Northwest France. Research on Stone Age tombs throughout Europe offers a new answer to an old debate on where and when the iconic stone works were first built" (The New York Times, 11.2.): https://www.nytimes.com/2019/02/11/science/megaliths-archaeology-tombs.html
"A taste for fat may have made us human, says study" (Yale University, 5.2.): https://www.eurekalert.org/pub_releases/2019-02/yu-atf020519.php
"Prehistoric food globalization spanned three millennia. Peasant farmers began transforming diets across the Old World 7,000 years ago, study finds" (Washington University in St. Louis, 5.2.): https://www.eurekalert.org/pub_releases/2019-02/wuis-pfg020519.php
"Kaukasus: Kultureller Austausch über biologische Grenzen hinweg. Paläogenetische Untersuchungen bezeugen die komplexe Interaktion von Bevölkerungs-gruppen der eurasischen Steppe und der vorderasiatischen Bergländer in der Bronzezeit" (Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte, 4.2.): https://www.shh.mpg.de/1197459/pr-caucasus-haak
"Ancient fortress reveals how prehistoric civilizations of Central Asia lived" (AKSON Russian Science Communication Association, 1.2.): https://www.eurekalert.org/pub_releases/2019-02/arsc-afr010619.php
"Tutankhamun's tomb conserved for future generations" (CNN, 31.1.): https://edition.cnn.com/travel/article/tutankhamun-tomb-conservation/index.html
"Ancient Carved 'Drums' Give Exact Stonehenge Measurements, Say Archaeologists" (LiveScience, 28.1.): https://www.livescience.com/64603-ancient-carved-drums-measure-stonehenge.html
"Im Pleistozän besiedelten Hominine unterschiedliche Lebensräume in Südostasien und Ozeanien. Neue Studie vergleicht die regionalen Anpassungen des Homo sapiens und anderer Arten von Homininen, um das Argument zu untermauern, dass unsere Art ökologisch einzigartig ist" (Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte, 28.1.): https://www.shh.mpg.de/1190367/ara-roberts
"Unknowns About Göbeklitepe: Dr. Lee Clare İnterview" (Arkeofili, 28.1.): http://arkeofili.com/unknowns-about-gobeklitepe-dr-lee-clare-interview

3.4.
"Archäologie zwischen 'genetischem Goldrausch' und ethischem Dilemma"
In einem lesenswerten Kommentar fordert Barbara Horejs, Direktorin des Instituts für Orientalische und Europäische Archäologie (OREA) der ÖAW, ein kritischeres und deutlich engagierteres Mitwirken der Archäologie bei aktuellen Debatten um aDNA-Untersuchungen. Im aktuellen aDNA-Hype versuchten sich Wissenschaftler wie Zeitschriften gegenseitig mit Sensationsnachrichten zu übertrumpfen. Dabei würde die solide und differenzierte archäologische Debatte um Gruppen von Menschen (s.v. Kulturen, Ethnien) oft unberücksichtigt bleiben. "Gene können kulturelle Prozesse nicht erklären", schreibt Horejs in ihrem Kommentar, mit dem sie dazu auffordern möchte, dass Archäologen sich stärker an diesen Forschungen beteiligen und allzu platten Deutungsmodellen widersprechen.
"Archäologie zwischen 'genetischem Goldrausch' und ethischem Dilemma" (APA, 31.1.): https://science.apa.at/dossier/Archaeologie_zwischen_genetischem_Goldrausch_und_ethischem_Dilemma/SCI_20190131_SCI81335452246560650
"Genes, Isotopes and Artefacts: How should we interpret the movements of people throughout Bronze Age Europe?" (ÖAW, 13.12.2018): https://www.orea.oeaw.ac.at/veranstaltungen/event-detail/article/genes-isotopes-and-artefacts/
"ASHG Denounces Attempts to Link Genetics and Racial Supremacy" (American Society of Human Genetics, 1.11.2018): https://www.cell.com/ajhg/fulltext/S0002-9297(18)30363-X
"Alte Gene und ihre Probleme" (Archaeologik, 2.2.): https://archaeologik.blogspot.com/2019/02/alte-gene-und-ihre-probleme.html

3.5.
Neandertaler und Moderne Menschen in Spanien, Schöninger Lanzen als Wurfspeere und muskulöse Neandertaler, die sich ihre Lebenspartner nicht aussuchen konnten
Die Neandertaler-News der zurückliegenden Wochen für Sie zusammengefasst: In der Bajondillo-Höhle bei Málaga (Spanien) haben Ausgrabungen Fundschichten des Neandertalers und des frühen Modernen Menschen freigelegt. Die Radiokarbon-Datierungen der Schichten, die dem frühen Modernen Menschen zugerechnet werden - menschliche Fossilien wurden nicht gefunden –, sind die bisher ältesten auf der Iberischen Halbinsel und etwa genauso alt wie die frühesten Nachweise des Modernen Menschen in Frankreich, Italien und Bulgarien. Bisher hatte man angenommen, dass der äußerste Westen Europas erst später vom Modernen Menschen erreicht wurde und die Neandertaler dort länger überleben konnten als anderswo. So gibt es z. B. sehr späte Radiokarbondaten für die Neandertaler-Fundschichten in Gorham’s Cave auf Gibraltar, die um Tausende von Jahren jünger sind als die neuen Daten aus Bajondillo. Die Ausgräber von Bajondillo heizen also die Diskussion um den Zeitpunkt, zu dem der Neandertaler auf der Iberischen Halbinsel vom Modernen Menschen abgelöst wird, von neuem an und schüren wieder einmal Zweifel an den Daten aus Gorham’s Cave. Letzten Endes können auch sie diese Streitfrage zwar nicht zweifelsfrei klären, dennoch dürfte damit wahrscheinlicher gemacht worden sein, dass sich Moderner Mensch und Neandertaler auch auf der Iberischen Halbinsel ungefähr etwa zur gleichen Zeit begegnet sind wie in anderen Teilen Europas auch.
Bei einem Experiment des University College of London mit Repliken der Schöninger Speere, die von trainierten Leichtathleten mehr oder weniger erfolgreich auf Ziele geworfen wurden, hat sich gezeigt, dass die bisher als Stoßlanzen angesehenen, etwa 300.000 Jahre alten Holzspeere durchaus als Wurfspeere taugen und dem späten Homo Heidelbergensis / frühen Neandertaler auch eine Jagd auf Distanz ermöglicht hätten. Ob, wie, und vor allem wie weit und zielgenau Letztere die Speere tatsächlich geworfen haben, wird vor der Erfindung der Zeitmaschine aber wohl weiterhin im Dunklen bleiben. Immerhin waren sie mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln offenbar in der Lage, in Schöningen einen kleinen Trupp Wildpferde auf einmal zu erlegen. Da liegt die Idee nicht allzu fern, dass dabei auch der eine oder andere Speer geworfen worden sein könnte – und das ganz ohne aufwändige experimentelle Studie, deren Aussagekraft zumindest in Bezug auf die entsprechenden Fähigkeiten der frühen Neandertaler gleich Null ist.
Ähnlich offene Türen rennt eine weitere Studie von britischen Biologen, Sportwissenschaftlern und Genetikern ein, die den robusten, gedrungenen Körperbau der Neandertaler nicht als Anpassung an extreme Kälte, sondern vor allem als Resultat einer eher auf Muskel- und Schnellkraft als auf Ausdauer beruhenden jägerischen Lebensweise in eher geschlossener Vegetation verstanden wissen will. Dazu bemühen sie eine komplizierte und nicht in allen Details überzeugende Interpretation der Paläökologie einer einzigen (!) Fundstelle, um zu belegen, dass der Neandertaler Nordwesteuropa bevorzugt in den klimatisch gemäßigteren Abschnitten der jüngsten Eiszeit aufsuchte. Abgesehen davon, dass das keine so ganz neue Erkenntnis wäre, sprechen die Reste von wollhaarigem Nashorn an derselben Fundstelle nach wie vor dafür, dass sich der Neandertaler dort ganz offensichtlich auch in extremerer Umwelt zu ernähren wusste. Schließlich wird mit genetischen Methoden noch einmal der bereits anthropologisch beobachtete Befund bestätigt, dass der Neandertaler (im Durchschnitt) wohl über größere Körperkräfte verfügte als der Moderne Mensch. Ironischerweise wird in diesem Zusammenhang gerade die Stoßlanzentheorie ins Feld geführt, die in der vorher genannten Speerstudie ja relativiert werden sollte.
Dagegen mutet die Zurückhaltung, mit der die Ergebnisse der anthropologischen Untersuchungen an den Neandertalern von El Sidron in Spanien interpretiert werden, geradezu wie Untertreibung an. Vorangegangene genetische Untersuchungen an den 13 Individuen, die vor etwa 45.000 Jahren wohl gleichzeitig beim Einsturz einer Karsthöhle begraben wurden, hatten bereits gezeigt, dass es sich um eine untereinander eng verwandte Menschengruppe handelt. Nun belegen auch die anthropologischen Untersuchungen an den 13 Individuen insgesamt 16 Fehlbildungen an verschiedenen Teilen des Skeletts; in einem Fall war die gleiche Fehlbildung bei vier Individuen festzustellen. Verglichen mit der maximalen Häufigkeit solcher Fehlbildungen bei rezenten Populationen Moderner Menschen treten diese Defekte in El Sidron etwa bis zu zehnmal häufiger auf. Die Autoren betonen, dass solche Fehlbildungen auch durch fortwährenden Existenzdruck verursacht werden könnten, finden dafür an den Knochen von El Sidron aber keine anderen Hinweise. So ist wahrscheinlicher, dass die Neandertaler von El Sidron in einer so kleinen isolierten Gruppe lebten, dass es aus Mangel an externen Kontakten häufig zur Verpaarung von eng verwandten Individuen kam. Eindeutige genetische Hinweise auf Inzucht konnten bereits bei den besser erhaltenen Neandertalern der Denisova-Höhle im Altai festgestellt werden – allerdings nicht bei anderen entsprechend untersuchten Neandertalern. Dennoch war die genetische Vielfalt im Durchschnitt bei den detailliert untersuchten Neandertalern signifikant geringer als bei den wenigen bisher adäquat untersuchten frühen Modernen Menschen. Möglicherweise hatten sich die Neandertaler-Populationen noch nicht überall vom genetischen Flaschenhals des ersten Kältemaximums der letzten Eiszeit erholt, als die ersten Modernen Menschen nach Europa kamen. Die daraus resultierend höhere Anfälligkeit für Krankheiten, Fehlgeburten oder Entwicklungsverzögerungen könnte u. a. also ein ganz wesentlicher Faktor gewesen sein, der zum Verschwinden des Neandertalers beigetragen hat.
"The last Neanderthals may have died out much earlier than we thought" (New Scientist, 21.1.): https://www.newscientist.com/article/2191368-the-last-neanderthals-may-have-died-out-much-earlier-than-we-thought/
"First Neanderthal footprints found in Gibraltar" (University of Seville, 13.2.): https://www.eurekalert.org/pub_releases/2019-02/uos-fnf021319.php
"Neanderthal hunting spears could kill at a distance" (UCL, 25.1.): https://www.ucl.ac.uk/news/2019/jan/neanderthal-hunting-spears-could-kill-distance
"Neanderthals could have been long-distance killers" (Science Magazine, 25.1.): https://www.sciencemag.org/news/2019/01/neanderthals-could-have-been-long-distance-killers
"Neanderthals sprinted in Ice Age woodlands" (UCL, 29.1.): https://www.ucl.ac.uk/news/2019/jan/neanderthals-sprinted-ice-age-woodlands
"Neandertaler gingen gleich aufrecht wie moderne Menschen" (Universität Zürich, 25.2.): https://idw-online.de/de/news711082
L. Ríos et al., "Skeletal Anomalies in The Neandertal Family of El Sidrón (Spain) Support A Role of Inbreeding in Neandertal Extinction (Nature Scientific Reports, vol. 9, Article number: 1697 (8.2.) (Open Access): https://www.nature.com/articles/s41598-019-38571-1
"Neandertaler aßen wirklich hauptsächlich Fleisch. Isotopenanalysen einzelner Aminosäuren aus Kollagenproben von Neandertalern werfen ein neues Licht auf ihre kontrovers diskutierte Ernährungsweise" (Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie, 18.2.): https://www.mpg.de/12730634/neandertaler-ernaehrten-sich-wirklich-hauptsaechlich-von-fleisch

3.6.
Neue Denisova-Chronologie: lange Parallel-Existenz von Denisova-Mensch und Neandertalern
Die Denisova-Höhle im Altai wird weiter erforscht und liefert nicht nur aDNA-Schnipsel. In zwei Publikationen wurde nun ein übergreifendes Datierungsmodell für Artefakte und Menschenreste vorgeschlagen. Danach lebten Neandertaler und Denisova-Menschen zeitlich nebeneinander in dieser Region, Denisova-Menschen von 200.000 bis 50.000 vor Heute, Neandertaler von 200.000 bis 100.000 v. H. Der Fall eines Genaustausches zwischen beiden Gruppen wird auf 100.000 v. H. angesetzt. Die neue Chronologie ist jedoch ein statistisches Modell, das weiterer Prüfung und Erhärtung bedarf. Offen sei z. B. die Frage, wer der Träger der ersten jungpaläolithischen Artefakte ist, die zwischen 45.000 und 40.000 v. H. in der Denisova-Höhle auftreten: Denisova-Menschen oder moderne Menschen.
Dennell, R. (2019). Dating of hominin discoveries at Denisova. Nature Niews and reviews, 30.1.2019: https://www.nature.com/articles/d41586-019-00264-0
Jacobs, Z., Li, B., Shunkow, M. V. et al. (2019). Timing of archaic hominin occupation of Denisova Cave in southern Siberia. Nature 565, 594-599, 30.1.2019: https://www.nature.com/articles/s41586-018-0843-2
"Denisovans and Neanderthals Lived in Denisova Cave for Thousands of Years" (SciNews, 31.1.): http://www.sci-news.com/archaeology/denisovans-neanderthals-denisova-cave-06864.html#.XFNVHiWEPyA.twitter
"Neue Studien belegen weit zurückreichende Geschichte von Denisova-Mensch und Neandertaler in Südsibirien" (Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte, 30.1.): https://www.shh.mpg.de/1192007/denisovan-neanderthal-douka

3.7.
Nicht wirklich neu: Die Bestimmung des biologischen Geschlechts an Leichenbränden
Eine italienische Forschungsgruppe hat an einer eher kleinen Serie (50 Männer, 74 Frauen) urnenfelderzeitlicher Leichenbrände aus Italien untersucht, ob sich die Geschlechtsbestimmung von Leichenbränden verbessern lasse. An unverbrannten Skeletten erfolgt die Bestimmung des biologischen Geschlechts üblicherweise anhand der Merkmale von Schädel und Becken und erreicht eine (sehr) hohe Zuverlässigkeit. Bei Leichenbränden ist dies ob der Kleinstückigkeit der Überreste fast nie möglich, so dass man auf markanten Messstrecken an Teilknochen ausweicht und deutlich fehlerbehaftete Bestimmungen gewinnt. Um das weithin bekannte Problem zu umgehen, dass Referenzserien üblicherweise modern sind, wählen Cavazzuti et al. (2019) einen ebenso richtigen wie in den Naturwissenschaften ungewöhnlichen Weg: Ihre Grundlage sind anhand ihrer Grabbeigaben in ihrem sozialen Geschlecht fassbare Individuen der Urnenfelderzeit, an deren Leichenbränden die typischen Messstrecken erhoben und protokolliert wurden. Daraus leiten sie die gesuchten Grenzwerte ab, die nun auf andere Populationen angewandt werden könnten. Die unterschiedlichen Knochenstrecken sind, wie erwartet, unterschiedlich stark diskriminierend, es konnten zumeist Anteile an korrekten Bestimmungen von über 80 % erreicht werden. Der in PLOS One erschienene Fachaufsatz fand überraschend starke Resonanz in den Medien. Überraschend, weil weder das Prinzip noch das Ergebnis wirklich neu ist, wie ein Blick in das gewiss angegilbte Lehrbuch von Bernd Herrmann u.a. (1989, p. 271-273) und die zahlreichen Publikationen seiner Forschungsgruppe zu insbes. metallzeitlichen Serien aus Norddeutschland zeigt.
Cavazzuti, Cl., Bresadola, B., d’Innocenzo,, Ch., Interlando, St. & Sperduti, A. (2019). Towards a new osteometric method for sexing ancient cremated human remains. Analysis of Late Bronze Age and Iron Age samples from Italy with gendered grave goods. PLOS One, 30. Jan. 2019, https://doi.org/10.1371/journal.pone.0209423 : https://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0209423
"Burned Bones Could Reveal More Than You Think" (LiveScience, 30.1.): https://www.livescience.com/64636-cremated-bones-sex.html
"Urnengräber: Archäologen lassen Knochen sprechen" (Deutschlandfunk, 18.2.): https://www.deutschlandfunk.de/urnengraeber-archaeologen-lassen-knochen-sprechen.676.de.html?dram:article_id=441406
Herrmann, B., Grupe, G., Hummel, S. Piepenbrink, H. & Schutkowski, H. (1989). Prähistorische Anthropologie. Leitfaden der Feld- und Labormethoden. Berlin: Springer.

3.8.
Kallerup (Thy): spätbronzezeitlicher Hortfund entdeckt
Bei einer Voruntersuchung nahe der Ortschaft Kallerup in der Landschaft Thy an der Nordspitze Jütlands hat der Metalldetektorgänger Peter Jensen am 26.2. einen ungewöhnlichen Hortfund entdeckt. Auf den Bildern erkennt man u. a. eine etwa 30 cm große Doppelaxt und eine etwa handgroße Götterfigur mit "Wikinger"-Hörnerhelm, die wohl als Bekrönung eines Pfahls diente. Der Komplex, dessen Bergung noch nicht abgeschlossen ist, gehört in die späte Bronzezeit, ca. 1.000 v. Chr.
"Kiggede efter fly i Thy og fandt bronzeøkse: 'Once in a lifetime!'" (DR, 28.2.): https://www.dr.dk/nyheder/regionale/midtvest/kiggede-efter-fly-i-thy-og-fandt-bronzeoekse-once-lifetime
Facebook-Post mit Bildern vom Hortfund (Museum Thy, 28.2.): https://bit.ly/2XwwuVr

3.9.
Schleswig-Holsteins Landesarchäologe Ulf Ickerodt zu Neuem von den Germanen: "Es fehlen die guten, starken Geschichtsbilder"
Im Feuilleton der FAZ findet sich als Teil einer nunmehr vierteiligen Artikelserie "Neues von den Germanen" ein ungewöhnliches Interview mit Ulf Ickerodt, seit 2018 Landesarchäologe von Schleswig-Holstein, zur Archäologie in Schleswig-Holstein und zu den Germanen. Die oft zu beobachten fachliche Routine auf die Fragen des Journalisten Uwe Ebbinghaus wäre gewesen, den Begriff "Germanen" zu negieren resp. als Konstrukt abzutun und schnell zu besonders spektakulären Erfolgen der Landesarchäologie überzugehen. Doch Ickerodt geht auf den Fragenden ein, erklärt sein Germanenverständnis und beschreibt, wie in Schleswig-Holstein auch eine Archäologie germanischer Lebensweise unternommen wird - wie auch anderer historischer Gruppen. Er würdigt die Arbeit der Reenactment-Szene und ordnet ein, was deren Erkenntnisse zum fachlichen Wissen beitragen, und verdeutlicht an diesem Beispiel das ihm wichtige Thema Authentizität. Mit durchdachten und nicht allzu stark vereinfachenden Antworten legt Ickerodt sein Verständnis einer Landesarchäologie dar, die auch einen Beitrag zu dem s. E. berechtigten Bedürfnis vieler Bürger nach Wir-Gefühl zu liefern bereit ist. Lesenswert.
Uwe Ebbinghaus: "Neues von den Germanen (4): Es fehlen die guten, starken Geschichtsbilder" (FAZ, 1.3.2019): https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/hoch-schule/neues-von-den-germanen-4-es-fehlen-gute-starke-geschichtsbilder-16060938.html
Uwe Ebbinghaus: "Neues von den Germanen (3): Was wir über Runen wissen" (FAZ, 25.1.): https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/hoch-schule/neues-von-den-germanen-3-was-wir-ueber-runen-wissen-15924597.html
Uwe Ebbinghaus: "Neues von den Germanen (2): Warum sie aus den Lehrplänen fast verschwunden sind" (FAZ, 16.1.): https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/hoch-schule/warum-die-germanen-aus-den-lehrplaenen-fast-verschwunden-sind-15924535.html
Uwe Ebbinghaus: "Neues von den Germanen (1): Sie sind überall" (FAZ, 7.9.2018): https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/hoch-schule/darum-sind-germanische-erzaehlstoffe-so-populaer-15775801.html


4. Kulturgutschutz
4.1.
Aktuelles rund um Kulturgutschutz in den Medien
Türkei: "Defineciler Karabel Kaya Kabartmasını Parçaladı" [hethiterzeitliche Relief von Karabel durch Raubgräber zerstört] (Arkeofili, 5.3.): http://arkeofili.com/defineciler-karabel-kaya-kabartmasini-parcaladi
Kalifornien: "Gefängnisstrafe fürs Absammeln archäologischer Stätten" (Archaeologik, 2.3.): http://archaeologik.blogspot.com/2019/03/gefangnisstrafe-furs-absammeln.html
""Wenn eine Fundstelle befreit wurde, ist sie noch lange nicht sicher" - Kulturgut in Syrien und Irak (Januar 2019)" (Archaeologik, 1.3.): http://archaeologik.blogspot.com/2019/03/wenn-eine-fundstelle-befreit-wurde-ist.html
"'Kulturlandschaft Syrien' im Pergamon-Museum Berlin: Syriens Kulturerbe lebt weiter - in Berlin" (deutsche Welle, 28.2.): https://www.dw.com/de/syriens-kulturerbe-lebt-weiter-in-berlin/a-47717685
"Eichstätt : Teure Münzen und Schwerter aus Museum gestohlen" (FAZ, 24.2.): https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/kriminalitaet/eichstaett-teure-muenzen-und-schwerter-aus-museum-gestohlen-16058484.html
Österreich: "Denkmalschutz durch Industrienorm statt Gesetz?" (Arch. Denkmalpflege, 9.2.): https://archdenk.blogspot.com/2019/02/denkmalschutz-durch-industrienorm-statt.html
"Illegale Grabungen in Gizeh entdeckt" (Selket's Blog, 7.2.): https://blog.selket.de/grabraeuber/illegale-grabungen-in-gizeh-entdeckt
"Tutanchamuns Grab für die nächsten 100 Jahre gut gerüstet" (Selket's Blog, 4.2.): https://blog.selket.de/tourismus-aegypten/tutanchamuns-grab-fuer-die-naechsten-100-jahre-gut-geruestet
"'Circulation artefacts' - British Museum gründet Task Force gegen illegalen Handel mit Aegyptiaca" (Archaeologik, 28.1.): http://archaeologik.blogspot.com/2019/01/circulation-artefacts-british-museum.html
"Privatisierung griechischen Kulturerbes (nur) teilweise abgewendet" (Archaeologik, 26.1.): https://archaeologik.blogspot.com/2019/01/privatisierung-griechschen-kulturerbes.html
"Kulturgutschutzgesetz: Überzogene Panikmache. Das neue Kulturgutschutzgesetz hat dem Kunsthandel nicht geschadet" (ZEIT, 23.1.): https://www.zeit.de/2019/05/kulturgutschutzgesetz-kunsthandel-kulturgut-laender-schutz-kunstmarkt

4.2.
Wie könnte Palmyra nach einem Wiederaufbau aussehen?
Historisch genau digital rekonstruiert, stehen nun mehrere virtuelle Touren durch das antike Palmyra, das 2015 durch den IS zerstört wurde, online zur Verfügung. Sie entstanden in einer Kooperation der Stiftung Preußischer Kulturbesitz mit dem ZDF.
https://www.zdf.de/nachrichten/heute/ausstellung-und-virtueller-rundgang-durch-unesco-weltkulturerbe-palmyra-in-syrien-100.html


5. Studium, Job-Themen und Personalia
5.1.
Prof. Dr. Alexander Koch gestorben
Am 17.1. verstarb mit nur 52 Jahren Alexander Koch. Bereits seine breit angelegte Mainzer Dissertation zu Bügelfibeln im westlichen Frankenreich bei Hermann Ament deutete eine ungewöhnliche Karriere an. Die Arbeit basierte auf der Materialsammlung von Herbert Kühn, die bis dahin über zwei Generationen hinweg brach lag. Für Alexander Koch schloss sich eine steile Karriere an: Bereits mit Mitte 20 wissenschaftlicher Angestellter am RGZM, mit Mitte 30 (2001-2005) Leiter der Archäologischen Abteilung des Schweizer Landesmuseums in Zürich und anschließend (2005-2011) Direktor und Geschäftsführer des Historischen Museums der Pfalz in Speyer. Im Jahr 2003 habilitierte er sich in Marburg neben seiner Berufstätigkeit mit einer Arbeit zu tangzeitlichen Kaisermausoleen. Als durchsetzungsstarker, rhetorisch begabter Kulturmanager zeigte Alexander Koch ein großes Gespür für zugkräftige Themen, mit denen man hohen Besucherzuspruch generiert, ohne den fachlichen Anspruch aufzugeben. Unter seiner Leitung wurden in Speyer erfolgreiche Sonderausstellungen wie "Attila und die Hunnen" (2007) oder "Die Wikinger" (2008) verwirklicht. 2011 berief man ihn überraschend zum Präsidenten des Deutschen Historischen Museums in Berlin. Auch in Berlin konnte er die Besucherzahlen deutlich steigern, nach kurzer Zeit erhielt das Haus unter ihm ein neues Corporate Design. Flankiert durch eine beispiellose öffentliche Bloßstellung wurde Kochs Arbeitsvertrag jedoch 2015 nicht verlängert. Viele Medien griffen diesen Konflikt bei der Berichterstattung über seinen Tod erneut auf - eine Pietätlosigkeit, die im hauptstädtischen Kulturbetrieb nicht zu stören scheint. Kochs letzte Station war eine Professur an der Central Academy of Fine Arts in Beijing und Shanghai.

5.2.
Prof. Dr. Erika Simon gestorben
Am 15.2. starb die Klassische Archäologin Erika Simon im Alter von 91 Jahren. In ihren Forschungen beschäftigte sich die Würzburger Professorin (sie war lange Zeit die einzige Frau auf einem deutschen Lehrstuhl ihres Fachs) und Direktorin der Antikensammlung des Martin-von-Wagner-Museumsmit der Ikonographie der Griechen und Römer, besonders der Götter sowie mit Etruskologie. Simon war maßgeblich an der Entwicklung des "Lexicon Iconographicum Mythologiae Classicae" (LIMC) beteiligt. Für ihre Verdienste um die Wissenschaft wurde die 1994 emeritierte Rheinland-Pfälzerin u. a. mit dem Ernst-Hellmut-Vits-Preis der Universität Münster, dem Bundesverdienstkreuz sowie dem Bayerischen Verdienstorden ausgezeichnet.
"Archäologie: Erika Simon gestorben" (Süddeutsche Zeitung, 24.2.): https://www.sueddeutsche.de/kultur/archaeologie-erika-simon-gestorben-1.4342910

5.3.
Universität Tübingen zeichnet Andrew Sorensen für seine Forschung zu den Ursprüngen der Feuerherstellung aus
Den mit 5.000 Euro dotierten Tübinger Förderpreis für Ältere Urgeschichte und Quartärökologie erhält in diesem Jahr Dr. Andrew C. Sorensen (Universität Leiden). Der US-Amerikaner wird für seine Dissertation "Beyond Prometheus: Pursuing the origins of fire production among early humans" ausgezeichnet. Darin beschäftigte der Archäologe sich mit der Frage nach der Feuerherstellung in Europa schon vor der Ankunft anatomisch moderner Menschen um 40.000 Jahre vor heute. "Es ist das große Verdienst von Andrew Sorensen, mit verschiedenen neuen Ansätzen Bewegung in eine lange und festgefahrene Kontroverse gebracht zu haben", sagt die Archäologin PD Dr. Miriam Noël Haidle, Laudatorin und Wissenschaftliche Koordinatorin der Forschungsstelle "The Role of Culture in Early Expansions of Humans" der Heidelberger Akademie der Wissenschaften. "Seine Herangehensweise bietet das Potenzial, Hinweise auf Feuerherstellung nicht nur bei Neandertalern während der letzten Eiszeit festzustellen, sondern Spuren möglicherweise auch noch in früheren Zeiten zu finden."
https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/newsfullview-pressemitteilungen/article/tuebinger-foerderpreis-fuer-aeltere-urgeschichte-und-quartaeroekologie-geht-in-die-niederlande/

5.4.
Wertvolle Einblicke in den Alltag eines Lebens als Wissenschaftler
Wer hat - nach einem langen Biertisch-Abend unter Archäologen mit all dem Jammern, Selbstmitleid und den allzu bekannten, sich stets wiederholenden Geschichten von entsagungsvollstem Arbeiten weit jenseits "nine-to-five" - noch nie stille einmal den Gedanken erwogen, Archäologie sei weniger eine Wissenschaft oder ein Beruf, sondern vielmehr eine üble Krankheit? Wäre es nicht besser gewesen, eine andere Wissenschaft zu studieren? Nun, sehr viele Symptome sind jedenfalls nicht Archäologie-spezifisch, wie ein aktuelles Dossier beim österreichischen APA-Science aufzeigt, einem Netzwerk zur Wissenschaftskommunikation. Die Kollegen haben 13 namhafte Forscherinnen und Forscher, die in Österreich in unterschiedlichsten Bereichen tätig sind - durchwegs Nicht-Archäologen - über ihre Arbeit interviewt und dieses Material zu einem Dossier zusammengestellt. Es gibt wertvolle Einblicke in den Alltag eines Lebens als Wissenschaftler - außerhalb der Archäologie. In seiner Zusammenfassung der Interviews nennt Mario Wasserfaller auffallende Gemeinsamkeiten der Schilderungen: die völlige Unplanbarkeit der Karriere; das Erfordernis von Optimismus und "sonnigem Gemüt"; der Mobilitäts-Wahn; der Zustand "die Arbeit hört nie auf"; die eigentliche Unmöglichkeit von Familie und Kindern. Lesenswert.
"Zum Forschen berufen" (Science.APA, 28.2.): https://science.apa.at/dossier/Zum_Forschen_berufen/SCI_20190228_SCI81995586447119570


6. Berufsverband
6.1.
Vertreter des Berufsverbands CIfA Deutschland persönlich kennen lernen: Termine 1. Halbjahr 2019
Neben der CIfA-Deutschland-Jahrestagung am 22.6. in Bonn (s. dieser Newsletter Punkt 2.1.) ist es an zahlreichen Terminen möglich, sich mit Vertretern des Berufsverbands persönlich auszutauschen. Bisher feststehende Termine: 1.-4.4.: Jahrestagung von WSVA und MOVA in Würzburg; 17.4: Studentischer Thementag "Wege in die Archäologie" in Hamburg; 20.-23.6.: DGUF-Tagung in Bonn; 21.-23.6.: Jahrestagung des DArV in Göttingen.
https://www.archaeologists.net/cifa-deutschland-veranstaltungen


7. Open Access & Open Data
7.1.
Kein guter Deal für Deutschland: Open-Access-Vertrag von DEAL und Wiley veröffentlicht
Das deutsche Konsortium DEAL und der - nach Elsevier und Springer Science - weltweit drittgrößte Wissenschaftsverlag Wiley hatten am 15.1. einen Vertrag miteinander geschlossen, was starke Resonanz erfuhr. Mit dem Vertrag soll im Sinne der Zielsetzungen von DEAL der angestrebte Umbau des wissenschaftlichen Publikationswesens in Deutschland vom Abonnement-Modell auf Goldenen Open Access und das Zahlen von Publikationsgebühren erreicht werden - zumindest für alle bei Wiley publizierten Zeitschriften, ca. 1.500 Titel (DGUF-Newsletter vom 22.1.2019 Punkt 7.4.). DEAL verfolgt damit einen anderen Weg in Richtung Open Access als die große Gruppe der europäischen Wissenschaftsorganisationen, die sich zu cOAlition S ("Plan S") zusammengeschlossen haben (zuletzt DGUF-Newsletter vom 22.1.2019 Punkt 7.5.). Dem Konsortium DEAL gelang nunmehr also mit dem Verlag Wiley jene Art von Vereinbarung, deren Erreichen mit dem Wissenschaftsverlag Elsevier im Jahr 2018 so spektakulär scheiterte (zuletzt DGUF-Newsletter vom 9.7. Punkt 7.9.). DEAL will mit seinen Vereinbarungen mit den großen Playern zwei Ziele zugleich erreichen: (1) freien Lesezugriff für alle Leser in Deutschland, d. h. Goldenen Open Access, und (2) das pauschale Abgelten der Publikationsgebühren, die ansonsten von jedem Autor individuell beizubringen wären, z. B. aus seinen Projektmitteln oder über seine universitären Publikationsfonds. Wie angekündigt, wurde der Vertrag zwischen DEAL und Wiley einen Monat nach seiner Unterzeichnung Mitte Februar auch öffentlich zugänglich gemacht, was - anders als die Vertragsunterzeichnung Mitte Januar - in der breiteren Öffentlichkeit kaum bemerkt und in der Open-Access-Szene vor allem mit auffallendem Schweigen kommentiert wurde. Denn: der Vertrag zeugt von einem Scheitern von DEAL. Der Wissenschaftsjournalist Kai Kupferschmidt hat im ScienceMag den monetären Aspekt des Vertrags kommentiert: Deutschland zahlt nun pro bei Wiley publiziertem Aufsatz 2.750 Euro, die Niederlande nach einem ähnlichen Vertrag mit Wiley nur 1.600 Euro - und ein exemplarischer Blick auf die auch als hoch geltenden Publikationsgebühren bei den PLOS-Zeitschriften unterstreicht, dass das für Deutschland eine sehr teure Lösung ist. Die mühsame Lektüre des ganzen Vertragswerks macht deutlich, dass das Scheitern von DEAL gegenüber Wiley ein weit umfassenderes ist. Beispiele: Ziel war das Erreichen eines nationalen Open Access, d. h. alle in Deutschland lokalisierten IP-Adressen sollten einen freien Lesezugriff erhalten. Vereinbart wurde nun jedoch, dass nur alle bei DEAL zusammengeschlossenen ca. 700 Institutionen diesen Lesezugriff erhalten. Wohlan, dies sind praktisch alle Forschungs- und Universitätsbibliotheken in Deutschland, ein weites Feld, fürwahr! Aber "Open Access" war immer auch als Lesezugriff für Alle, für Jeden auch außerhalb einer Forschungseinrichtung und für jeden interessierten Bürger gedacht – was, beispielsweise, in der Archäologie ganz handfest vor allem all jene Fachkollegen und Ehrenamtlichen meint, die in der praktischen Archäologie arbeiten und von der Landschaft der Uni-Bibliotheken weitgehend ausgeschlossen sind. Somit hat DEAL ein zentrales Ziel verfehlt. Der Vertrag zwischen DEAL & Wiley bezieht sich explizit nur auf den "Corresponding Author", was üblicherweise der Erstautor oder der Projektverantwortliche ist: Deutsche Wissenschaftler, die in Autorenketten publizieren, aber nicht in der herausgehobenen Rolle des Corresponding Author sind, bleiben außen vor, sprich: hier tritt DEAL nicht für die Publikationsgebühr ein. In der Praxis der Naturwissenschaften ist dies eine gewaltige Einschränkung dessen, was mit der pauschalen DEAL-Zahlung abgedeckt ist. DGUF-Herausgeber Frank Siegmund kommentiert das Ergebnis so: "Das sehr selbstbewusst mit großen Versprechen angetretene Konsortium DEAL hat sich 2018 in den Verhandlungen mit Elsevier verrannt, hat ein mögliches Mitmachen bei cOAlition S ausgeschlagen. Dadurch hat sich DEAL ohne Not selbst unter einen enormen Erfolgsdruck gesetzt, nun andernorts einen 'deal' zu erreichen. Der Verlag Wiley hat die darin liegende Chance klug genutzt und gegenüber DEAL für sich selbst ausnehmend vorteilhafte Konditionen erwirkt. Schade für die Bürger in Deutschland, schade für das wissenschaftliche Publikationswesen weltweit, denn mit diesem Geld hätte Sinnvolleres getan werden können."
Der Vertrag DEAL & Wiley vom 15.1.2019: https://pure.mpg.de/rest/items/item_3027595_7/component/file_3028230/content
"Ergänzende Erklärung zum Vertragsabschluss zwischen DEAL und Wiley" (DEAL, 25.1.): https://www.projekt-deal.de/erganzende-erklarung-zum-vertragsabschluss-zwischen-deal-wiley/
Kai Kupferschmid: "Deal reveals what scientists in Germany are paying for open access" (ScienceMag, 21.2.): http://www.sciencemag.org/news/2019/02/deal-reveals-what-scientists-germany-are-paying-open-access
"Mixed reactions to Wiley German deal" (ResearchInformation, 22.2.): https://www.researchinformation.info/news/mixed-reactions-wiley-german-deal

7.2.
Skeptischer Bericht zum umfassenden Open Access ab 2020
Nach Angaben von "Information - Wissenschaft & Praxis" - der bei de Gruyter im Closed Access erscheinenden, führenden Fachzeitschrift für die Bereiche Informationswissenschaft und Informationspraxis - steht es schlecht um den Open Access in Europa. Die Zeitschrift bezieht sich dabei auf eine Befragung bei den mehr als 300 Mitgliedern der European University Association, wonach derzeit weniger als ein Fünftel der peer-reviewten Publikationen im Open Access erschienen. Nur zehn Universitäten gaben an, dass über 40 Prozent ihrer Forschungsergebnisse im Goldenen Weg publiziert würden. Es gebe starke Unterschiede zwischen den Fächern ob unterschiedlicher Fachkulturen. Ausschlaggebend für geringe Open-Access-Anteile sei das Fehlen von Indikatoren (Impact Factor) bei den meisten Open-Access-Zeitschriften. Denn solche Indikatoren seien in vielen Fächern für die wissenschaftlichen Karrieren weiterhin sehr relevant. "Zwar müssen alle im Rahmen von Horizon 2020 geförderten Vorhaben ihre Ergebnisse frei zugänglich machen, die überwiegende Zahl anderer Forschungsergebnisse wird aber weiterhin nur nach den Regularien der Verlage zugänglich sein." - so die skeptische Bilanz, nach der das Ziel eines flächendeckenden Open Access ab dem Jahr 2020 kaum mehr erreichbar sei.
"EU verfehlt Open-Access-Ziel" (Blog Bibliotheksservice-Zentrum Baden-Württemberg, 4.2.): https://wiki.bsz-bw.de/doku.php?id=fl-team:publikationen:dialog90-html#eu_verfehlt_open-access-ziel
Rubrik "Informationen". Information - Wissenschaft & Praxis 69(2-3), 2018, 152. https://doi.org/10.1515/iwp-2018-0025

7.3.
Richtungsweisende Entscheidung: Leibniz-Gemeinschaft fördert Bücher im Open Access
Na und?, möchte man denken. Noch jemand, der - wie viele Andere - Geld für das Publizieren im Open Access ausgibt. Doch besser, man nimmt die Nachricht als mittlere Sensation wahr. Denn die Leibniz-Gemeinschaft ist jenes Bündel von derzeit 95 außeruniversitären Forschungsinstutionen mit einem Jahresbudget von gut 1,9 Mrd. Euro, in dem auch die Geisteswissenschaften sehr präsent sind. Zu ihr gehören z. B. auch das Deutsche Bergbaumuseum Bochum, das Deutsche Schifffahrtsmuseum, das Germanische Nationalmuseum in Nürnberg und nicht zuletzt das Römisch-Germanische Zentralmuseum in Mainz - bekanntermaßen Institutionen mit zahlreichen hochqualitätvollen archäologischen Publikationen, darunter vielen Monographien. Der neue Open-Access-Fonds der Leibniz-Gemeinschaft soll dazu dienen, Open Access bei geplanten Monographien zu erproben. Damit wird neu Open Access für einen Bereich angestrebt, der derzeit - mit Ausnahme der DGUF - noch vorwiegend konventionell Closed Access im Druck erfolgt. Die Kriterien für die Mittelvergabe sollen jenen für Open-Access-Zeitschriftenaufsätze ähneln, doch angemessen an die Monografienwelt angepasst werden. Ob der Bedeutung und Finanzstärke der Leibniz-Gemeinschaft und ihrer Institute darf diese Entscheidung als richtungsweisend wahrgenommen werden.
"Publikationsfonds für Monografien" (Leibniz-Gemeinschaft, Jan. 2019): http://www.leibniz-gemeinschaft.de/forschung/open-science/open-access-publikationsfonds/publikationsfonds-fuer-monografien/
"Open Access" (Leibniz-Gemeinschaft, o.D.): http://www.leibniz-gemeinschaft.de/forschung/open-science/open-access/

7.4.
Ergebnisse der öffentlichen Konsultation zu "Plan S"
Der Handlungsplan der Europäischen Kommission pro Open Access, "Plan S" oder auch "cOAlition S" genannt (zuletzt DGUF-Newsletter vom 19.11.2018 Punkt 7.8.; vom 15.10.2018 Punkt 7.1.), hatte unmittelbar vielerlei Reaktionen erfahren; neben sachlicher Kritik, Ablehnung und Zustimmung auch viel Polemik (z. B. unten L. Schneider). Eine recht systematische Sammlung der Reaktionen bietet "Unlocking Research". In deren Folge wurde seitens der Europäischen Kommission europaweit eine öffentliche Konsultation lanciert, um seriöse Rückmeldungen systematisch zu sammeln, woran sich über EuroScience auch die DGUF beteiligt hatte (DGUF-Newsletter vom 22.1.2019 Punkt 7.5.). Die Resonanz war groß, allein aus Norwegen gingen bis zum Umfrageschluss am 1.2. insgesamt 885 Seiten Stellungnahmen ein. Ein förmliches Statement von cOAlition S liegt (naheliegenderweise) noch nicht vor, aber ein hochkompetenter Blogbeitrag bei The Scholarly Kitchen gibt eine erste, sehr kompakte Übersicht über die gesammelten Reaktionen. Sie zeigt, dass es nach einer breiten Zustimmung zum Vorhaben recht viele Kritik zu Details gibt, d. h. "Plan S" des Feinschliffs bedarf. Den Eindruck, dass Plan S dazu neige, die Geistes- und Sozialwissenschaften sowie die Monografien zu übersehen, hat offenbar nicht nur die DGUF gewonnen und kritisch benannt.
Lisa Janicke Hinchliffe: "Taking Stock of the Feedback on Plan S Implementation Guidance" (The Scholarly Kitchen, 11.2.): https://scholarlykitchen.sspnet.org/2019/02/11/with-thousand-of-pages-of-feedback-on-the-plans-s-implementation-guidance-what-themes-emerged-that-might-guide-next-steps/
Leonid Schneider: "Plan S in chaos at Berlin APE conference" (Blog "For better Science", 15.1.): https://forbetterscience.com/2019/01/15/plan-s-in-chaos-at-berlin-ape-conference/
"Plan S – links, commentary and news items" (Unlocking Research, 10.2.): https://unlockingresearch-blog.lib.cam.ac.uk/?p=2433
"Reflections on Plan S" (Fossils and Hit, 5.3.): http://fossilsandshit.com/reflections-on-plan-s/

7.5.
"Plan S" aus Sicht der großen Wissenschaftsverlage
Mit Ausnahme von Elsevier haben auch die großen Wissenschaftsverlage die öffentliche Konsultation genutzt, sich zu "Plan S" zu äußern. In einem Blogbeitrag fasst die Informationsmanagerin Prof. Lisa Janicke Hinchliffe (Illinois) das sich ergebende Bild wie folgt zusammen: cOAlition S und die Wissenschaftsverlage verfolgen derzeit noch sehr unterschiedliche Weg. Die Verlage betonen zwar ihre Open-Access-Aktivitäten, tun sich aber schwer, die geforderte Umstellung auf Goldenen Open Access samt APC-Finanzierung anzubieten. Sie betonen stattdessen den Wert des hybriden Publizierens, d. h. jener Zeitschriften, die weiterhin vor allem per Abonnement finanziert und somit für die Leser erst einmal Closed Access sind, in denen Autoren aber ihre Artikel individuell in den Open Access freikaufen können. Weil das indes finanziell oft auf das sog. "double dipping" hinausläuft (die Gesellschaft zahlt für eine Leistung zweimal), hat cOAlition S das hybride Publizieren ausdrücklich ausgeschlossen. "There is a bit of a chess game being played", schreibt Hinchliffe. "It is clear that these largest publishers will not abandon the hybrid pathway for open access. What will be the next move from cOAlition S?"
Lisa Janicke Hinchliffes: "Hybrid a Valid Pathway to Open Access? Publishers Argue Yes, in Response to Plan S" (The Scholarly Kitchen, 19.2.): https://scholarlykitchen.sspnet.org/2019/02/19/is-hybrid-valid-pathway-to-open/

7.6.
Entscheidung von größter Bedeutung: Elsevier neu auch in den USA unter Druck
Bislang waren die USA kein Treiber in Sachen Open Access. Gewiss, die Bill & Melinda Gates-Stiftung geht für die von ihr bezahlten Forschungen diesen Weg (DGUF-Newsletter vom 19.11.2018 Punkt 7.8.; vom 19.12.2014 Punkt 6.3.). Doch nun hat ein wahrer Elefant einen bedeutenden Schritt getan: die Universität Kalifornien - wozu auch die Elite-Universität Berkeley gehört und ein Riese mit zehn Standorten und mehr als 190.000 Studenten - verlängert ihr Abonnement bei Elsevier nicht mehr. Die Universität hatte bislang für das Abonnement der Elsevier-Zeitschriften jährlich ca. 11 Mio. US-Dollar gezahlt - das ist etwa 10 % dessen, was in den USA insgesamt für wiss. Zeitschriften-Abonnements ausgegeben wird. Nachdem Verhandlungen mit Elsevier über eine auf Open Access zielende Vertragsverlängerung zum 31.12.2018 scheiterten, hat die Universitätsbibliothek am 28.2. das Ende des Vertrags sowie der Verhandlungen öffentlich bekannt gegeben. Wissenschaftler der Universität publizieren ca. 50.000 Aufsätze jährlich, ca. 10.000 davon in Elsevier-Zeitschriften. Nun will die Universität für diese Fülle den Weg in den Open Access finden. Kommentatoren betonen, dass es kaum möglich sei, die Bedeutung dieser Entscheidung für die gesamte Wissenschaftslandschaft in den USA zu überschätzen.
"In push for open access, UC breaks ties with publishing giant Elsevier" (Berkeley News, 28.2.): https://news.berkeley.edu/story_jump/in-push-for-open-access-uc-breaks-ties-with-publishing-giant-elsevier/
"University of California boycotts publishing giant Elsevier over journal costs and open access" (ScienceMag, 28.2.): https://www.sciencemag.org/news/2019/02/university-california-boycotts-publishing-giant-elsevier-over-journal-costs-and-open
"UC Terminates Elsevier Journal Subscriptions University. Firm on Open Access to Tax-Funded Research" (UC Davis, 28.2.): https://www.ucdavis.edu/news/uc-terminates-elsevier-journal-subscriptions/
Sarah Zhang: "The Real Cost of Knowledge: The University of California has broken with one of the world’s largest academic publishers. Is this the end of a very profitable business model?" (The Atlantic, 4.3.): https://www.theatlantic.com/science/archive/2019/03/uc-elsevier-publisher/583909/

7.7.
Qualität und Prestige ohne Impact-Faktor?
"Plan S" möchte ganz handfest dazu führend, dass europäische Forschung ab 2020 im Open Access publiziert wird. Doch viele Wissenschaftler zögern, weil für sie das karriereförderliche und Drittmittel sichernde Publizieren in Zeitschriften mit hohem Impact-Faktor wichtig ist. Wobei der Impact-Faktor bekanntermaßen nie den Wert eines einzelnen Aufsatzes bemisst, sondern auf der Zitationshäufigkeit der Zeitschrift insgesamt beruht. Gleichwie wird künftig die Frage wichtig werden: Wie können unter modernen Open-Access-Bedingungen Qualität garantiert und den Aufsätzen messbar Prestige vermittelt werden? Daniel S. Quintana stellt sich dem Problem im "Chronicle" und macht lesenswerte Vorschläge. Vorschläge indes, die seitens der Open-Access-Zeitschriften und der sie tragenden Plattformen konkrete Maßnahmen erfordern und die Bereitschaft Aller, auch neue Weg zu gehen, wie z. B. mehr Wert auf die Reproduzierbarkeit von Ergebnissen zu legen (und daher rein reproduzierende Aufsätze auch zu veröffentlichen), oder sich auch für das Publizieren von "riskanten" Aufsätzen zu öffnen, die bislang abgelehnt wurden, z. B. mit der Markierung "not approved". Lesenswert, bedenkenswert.
Daniel S. Quintana: "How to Bring Prestige to Open Access — and Make Science More Reliable" (The Chronicle, 18.2.): https://www.chronicle.com/interactives/Trend19-OpenAccess-Opinion

7.8.
Niederlande: Open Access nach spätestens einem halben Jahr
Nach niederländischem Copyright, genauer seit der sog. Taverne -Novellierung, können wissenschaftliche Publikationen aller von den Niederlanden finanzierter Forschung nach einem halben Jahr in den Open Access gegeben werden. Seit 31.1. hat die Niederländische Universitätsvereinigung VSNU dafür die Fürsorge übernommen, d. h. sie wird diese Bestimmung konsequent umsetzen. Autoren sollen ihre Beiträge einem Portal übergeben können, den Rest erledigen die Profis und stellen die Publikationen in den Open Access. Im Januar hatte die VSNU nochmals bekräftigt, dass sie "Plan S" handfest unterstützen wolle. Dabei respektiert die VSNU auch die Bedenken z. B. von Wissenschaftlern hinsichtlich der Wissenschaftsfreiheit, die auch die freie Wahl des Publikationsortes einschließen müsse, und die Bedenken wegen der Kosten. Das niederländische Wissenschaftssystem werden Pläne und Regularien erarbeiten, die Open Access zu vertretbaren Bedingungen ermögliche.
"Dutch universities give open access another boost" (Pen Access, 31.1.): https://www.vsnu.nl/en_GB/news-items.html/nieuwsbericht/495-nederlandse-universiteiten-geven-open-access-extra-impuls
"Statement VSNU over Plan S: ambities onverminderd hoog, transitie vereist zorgvuldigheid" (30.1.): https://www.vsnu.nl/nl_NL/nieuwsbericht/nieuwsbericht/496-statement-vsnu-over-plan-s-ambities-onverminderd-hoog-transitie-vereist-zorgvuldigheid.html

7.9.
Open-Access-Monografien werden häufiger zitiert und breiter wahrgenommen
Ronald Snijder, "data architect" an der Universität Leiden, hat in seiner am 29.1. verteidigten Dissertation die Verbreitung von Open-Access-Monografien systematisch untersucht. Danach werden vom Publizieren im Open Access viele, aber nicht alle Hoffnungen eingelöst. Seine empirische Studie belegt, dass die Open Access-Ideale einer Verbreitung wiss. Bücher über die engere Wissenschaft hinaus tatsächlich eintrete: 45 % der Downloads entfallen auf nicht-akademische Adressen. Auch das Erreichen nicht-westlicher Leser lasse sich gut belegen: Die Wahrnehmung westlicher Open-Access-Monografien in nicht-westlichen Staaten wie z. B. Indien, China oder Indonesien sei erheblich höher als für nur gedruckte Werke. Das Kernanliegen vieler Wissenschaftler, dank der freieren Verbreitung auch häufiger zitiert zu werden, trete ein: weltweit würden Open-Access-Monografien 10 % öfter zitiert als vergleichbare Closed-Access-Werke. Indes: Open Access wirke sich nicht positiv auf den Verkauf von gedruckten Parallel-Editionen aus, der analoge Lesebedarf werde offenbar weiterhin wie üblich statt durch individuellen Kauf über die institutionellen Bibliotheken befriedigt. In Summe nichts grundsätzlich Überraschendes, aber nunmehr belegt und quantifiziert eine empirische Studie erwartete Effekte.
Ronald Snijder, The deliverance of open access books. Diss. Univ. Leiden 2019. - Zusammenfassung: https://www.universiteitleiden.nl/binaries/content/assets/algemeen/promotie-samenvattingen/ronald-snijder-samenvatting-proefschrift.pdf
"Open access books attract many more readers and slightly more citations" (Univ. Leiden, 28.1.): https://www.universiteitleiden.nl/en/news/2019/01/open-access-books-attract-many-more-readers-and-slightly-more-citations


8. Bürger und Archäologie & Citizen Science
8.1.
Zum Verhältnis von staatlicher Denkmalpflege und bürgerlichen Initiativen, die sich an ehemaligen KZ-Außenlager-Standorten für Gedenken und Vermittlung engagieren.
"Ungewollte Denkmäler" - "Traumatisiertes Kulturerbe" - "dark heritage": Dazu gehören auch die unzähligen Verbrechensorte der Nazizeit. Doch wie gehen heute Bürgerinitiativen und die staatliche Denkmalpflege mit diesen materiellen Hinterlassenschaften um? Ein Projektbericht von Barbara Hausmair und Christian Bollacher (Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg) über Neuzeitarchäologie und die Lager des KZ-Komplexes Natzweiler.
Hausmair, B. & Bollacher, Chr. (2019). "Lagerarchäologie" zwischen Bürgerinitiativen und Denkmalpflege am Beispiel des KZ-Komplexes Natzweiler. Archäologische Informationen 42, Early View, online publiziert 8. Febr. 2019. https://dguf.de/fileadmin/AI/ArchInf-EV_Hausmair_Bollacher.pdf

8.2.
Aufklärung, Menschenrechte und Bürgerbeteiligung an der archäologischen Denkmalpflege
Der Prozess der Bestimmung, Erforschung, Deutung und Darstellung des Kulturerbes sei nichts anderes, schreibt Prof. Dr. Raimund Karl in seinem aktuell in den "Archäologischen Informationen" erschienen Vortrag von der DGUF-Tagung 2018, als wissenschaftliche Forschung. Die Deutung, der Schutz, die Bewahrung und Darstellung des Kulturerbes sei Teil des kulturellen Lebens der Gemeinschaft. An beidem dürfe jeder Mensch – ob ausgebildeter Archäologe oder nicht - selbstbestimmt teilhaben. Karl schlussfolgert: "Will man sich der Bürgerbeteiligung an der archäologischen Denkmalpflege verwehren, verletzt man nicht nur derzeit geltendes Menschenrecht. Man stellt gleichzeitig auch unsere Wissenschaft und unsere Gesellschaftsordnung und somit die Grundlagen der modernen archäologischen Denkmalpflege in Frage."
Karl, R. (2019). Aufklärung, Menschenrechte und Bürgerbeteiligung an der archäologischen Denkmalpflege. Archäologische Informationen 42, Early View, online publiziert 4. März 2019. https://dguf.de/fileadmin/AI/ArchInf-EV_Karl.pdf


9. Ausstellungen und Museen
9.1.
"Schöne, handwerklich einwandfrei gemachte Ausstellung": "Mykene" (Karlsruhe, bis 2.6.)
Homer, Agamemnon, Schliemann, Mykene - es ist schwer, dieser Themensphäre noch nicht begegnet zu sein, noch nie ein Bild des Löwentores, des Gräberrundes, der "Maske des Agamemnon" gesehen zu haben. Doch die sehenswerte Sonderausstellung im prächtigen Karlsruher Schloss bietet die Gelegenheit, Wissen aufzufrischen, es zu vertiefen und vor allem: Originale zu betrachten. 400 Objekte, bis auf wenige Ausnahmen Originale, haben die Kuratoren zusammengetragen und eine schöne, handwerklich einwandfrei gemachte Ausstellung drumherum gebaut. Neben Altbekanntem findet man auch zahlreiche Neufunde vor, die noch nicht den Weg in den Bildungskanon gefunden haben und hier erstmals außerhalb Griechenlands zu sehen sind. Eine gelungene, stimmungsvolle Inszenierung, die zum Thema passt, doch immer vor allem die kostbaren Originale in den Mittelpunkt rückt. Ja, die Goldmaske ist da und auch "Schätze", doch die Ausstellung lädt ein, z. B. auch die feinen Zeichnungen auf der spätmykenische Keramik eingehend zu studieren, die kleinteiligen Bildwerke der Siegel zu entdecken, sich an Linear-B-Schrifttafeln zu versuchen. Die reichen Informationen werden dem Besucher nicht aufgedrängt, sondern in Schichten angeboten: wer mehr wissen will, kann sich vertiefend einarbeiten, z. B. dank der Tablets, die sich neben den Vitrinen vor allem kleinteiliger Objekte finden. Eine Ausstellung, die dem Besucher zugewandt ist: die eindrucksvolle 1:1-Nachempfindung einer mykenischen Festhalle darf nicht nur bewundert, sondern auch erlebt werden. Denn jeder Besucher darf den zentralen Herrscherthron probesitzen, und die freundlich gesetzte Beleuchtung lädt (erlaubt) zum Selfie im Palastambiente ein. Wer aus der Ferne erste Eindrücke gewinnen will, findet bei SWR2 eine gelungene Bildergalerie, welche die Inszenierung der Ausstellung gut widerspiegelt.
Badisches Landesmuseum, Sonderausstellung "Mykene": http://www.landesmuseum.de/website/Deutsch/Sonderausstellungen/Aktuell/Mykene.htm
"Ausstellung im Badischen Landesmuseum: Das Gold von Mykene in Karlsruhe" (SWR2, 29.11.2018): https://www.swr.de/swr2/kultur-info/ausstellung-mykene-die-sagenhafte-welt-des-agamemnon-badisches-landesmuseum-karlsruhe/-/id=9597116/did=22939006/nid=9597116/1otpktm/index.html
"Die sagenhafte Welt von Mykene in Karlsruhe" (Welt, 28.11.2018): https://www.welt.de/newsticker/dpa_nt/infoline_nt/boulevard_nt/article184609914/Die-sagenhafte-Welt-von-Mykene-in-Karlsruhe.html
"So eine Mykene-Schau finden Antikenliebhaber nur in Karlsruhe" (BR, 30.11.2018): https://www.br.de/nachrichten/kultur/so-eine-mykene-schau-finden-antikenliebhaber-nur-in-karlsruhe,RAraST1

9.2.
"Extra hinzufahren lohnt sich nicht": "Einfach Zürich". Drei Räume für das Gestern und Heute von Stadt und Kanton Zürich im Landesmuseum Zürich
Ein jahrelanges Tauziehen um die Finanzierung der vom gleichnamigen Verein getragenen Dauerausstellung "Einfach Zürich" im Landesmuseum Zürich war vorausgegangen. Jetzt betritt die Besucherin die drei relativ kleinen Räume, von denen besonders der erste beengend wirkt, und fragt sich zwangsläufig: ist das alles? Am Anfang stehen eine Kunstinstallation und 20 Bildschirme; auf jedem läuft reihum ein oft lustiger oder ironischer Ultrakurzfilm über insgesamt 18 der 162 Zürcher Gemeinden. Amüsant, aber was passiert darüber hinaus? Im zweiten Raum folgt das Herzstück bzw. "die Schatzkammer" der Ausstellung: 100 zusammengebaute Vitrinen, die als kunstvoller Körper im Zentrum des Raums stehen. 60 davon sind bereits mit Objekten belegt, der Rest noch leer. Die leeren Vitrinen sollen als Einladung für jedermann stehen, weitere Gegenstände, die Geschichte erzählen, vorzuschlagen (wobei nicht klar ist, wo solche Vorschläge angebracht werden können). Die bereits vorhandenen Exponate tun dies jeweils auf einem großen Touchscreen vor einer der vier Seiten des Vitrinenkörpers. Hier lassen sich zu den durch die Objekte symbolisierten Themen Präsentationen in Bildern und mit kurzen, einfachen Sätzen abrufen. Auf jeweils zwei kleineren Screens können zusätzlich knappe "Karteikarten"-Informationen zu den Exponaten selbst abgerufen werden. Bloß: in der (eine Woche nach Eröffnung) sehr gut besuchten Ausstellung kommt man kaum dazu, mal selbst den Touchscreen zu bedienen. Warum wird hier nicht die doch eigentlich vorhandene, aber offensichtlich kaum bespielte Landesmuseum-App genutzt, auch um noch zusätzliche Informationen, zu vermitteln (ähnlich wie schon zur Archäologie-Ausstellung bemängelt, s. DGUF-Newsletter vom 30.8.2016 Punkt 5.1.)? Zudem: Geschichte anhand von Objekten zu erzählen, ist sicher ein guter Ansatz, nur scheint die Geschichte Zürichs nach wie vor bei Felix und Regula, den beiden Stadtheiligen und Märtyrern und Angehörigen der sagenhaften Thebäischen Legion, zu beginnen. Urgeschichte? Weitgehend Fehlanzeige. Das Modell eines Pfahlbauhauses ist zwar ebenfalls ausgestellt, allerdings wird damit eher die Geschichte der Identitätsfindung des jungen Bundesstaats Schweiz im 19. Jh. illustriert, der sich gerne auf gemeinsame (also im französisch- wie deutschsprachigen Teil vorhandene) Wurzeln berufen wollte und dazu die Pfahlbauten (miss-)brauchte. Im dritten Raum schließlich werden, durchaus eindrücklich, aber akustisch die anderen beiden Räume mitbeschallend, vier auf 3D-Modellen basierende Videos gezeigt, die anhand von Laserscan-Daten erstellt wurden. Hier ist der generelle Informationsmangel besonders eklatant: Was soll das alte Gemäuer (Reste des römischen Kastells und der mittelalterlichen Pfalz) unter dem Lindenhof? Selbst als digital affiner Besucher erkennt man vor lauter Schwindel-Effekten ja kaum das nebenan liegende Parkhaus. Die Besuchende bleibt etwas ratlos. Was will die Ausstellung eigentlich? Wie sollen Besucher zum Wiederkommen animiert werden? Fazit: Gestaltung einigermaßen wow, Inhalt eher lau. Wer ohnehin in der Nähe ist, kann vorbeigehen (der Eintritt ist gratis), extra hinzufahren lohnt sich nicht. Leider eine Ausstellung mehr, die sich am allgemeinen (?) Trend "Gestaltung vor Informationsgehalt" zu orientieren scheint.
Website zur Dauerausstellung "Einfach Zürich": http://einfachzuerich.ch/ausstellung
"Wo Zürich tief blicken lässt" (Tagesanzeiger, 26.1.): https://www.tagesanzeiger.ch/zuerich/stadt/wo-zuerich-tief-blicken-laesst/story/19527054
"Stadt und Kanton Zürich erhalten endlich ein eigenes Museum" (NZZ, 26.1.): https://www.nzz.ch/zuerich/stadt-und-kanton-zuerich-erhalten-endlich-ein-eigenes-museum-ld.1454750
"Zürich, einfach!" (Hochparterre, 4.2.): https://www.hochparterre.ch/nachrichten/kultur/blog/post/detail/zuerich-einfach/1549271815/

9.3.
Bundesgerichtshof: "Bilderstreit-Urteil" REM vs. Wikimedia veröffentlicht
Das Urteil des Bundesgerichtshofs im Streit Reiss-Engelhorn-Museen gegen die Wikimedia-Stiftung ist nun veröffentlicht. Im Blog IPKat kommentieren der Jurist Tobias Lutzi (Univ. Köln) und der Jurist John Weitzmann (Wikimedia Stiftung Deutschland, insofern "Partei") das Urteil und seine Konsequenzen. Danach reichen die Auswirkungen weit über den Einzelfall hinaus, weil angesichts eines BGH-Urteils nun ähnliche Fälle sich daran orientieren müssten, ohne dass ein erneuter Gang "nach oben" zum BGH möglich sei. Beide Kommentare verdeutlichen, welch große Rolle eine ältere, gerichtsinterne Nicht-Übereinstimmung in den Rechtsauffassungen zwischen der 1. Kammer und der 5. Kammer des BGH gespielt habe, die sich auf den Fall REM vs. Wikimedia auswirke. Als juristischer Laie entnimmt man den Kommentaren vor allem, wie verfahren (und kontraproduktiv) die Lage in der deutschen Rechtsprechung nun ist, denn es ist gewiss absurd, einer puren technischen Reproduktion den gleichen Urheberschutz zukommen zu lassen wie einer originären Bildschöpfung. Doch man sollte von Gerichten nicht die Lösung gesellschaftlicher Probleme erwarten, die eigentlich der Gesetzgeber regulieren müsste.
Urteil BGH, I ZR 104/17 vom 20.12.2018: http://juris.bundesgerichtshof.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bgh&Art=en&Datum=Aktuell&Sort=12288&nr=92142&pos=15&anz=527
Tobias Lutzi: "Digitized images of works in the public domain: what rights vest in them? Analysis of the recent BGH Reiss-Engelhorn judgment - Part I" (IPKat, 19.2.2019): http://ipkitten.blogspot.com/2019/02/digitized-images-of-works-in-public.html
John Weitzmann: "Digitized images of works in the public domain: what rights vest in them? Analysis of the recent BGH Reiss-Engelhorn judgment - Part I" (IPKat, 19.2.2019): http://ipkitten.blogspot.com/2019/02/digitized-images-of-works-in-public_19.html

9.4.
Planungen für das Archäologische Landesmuseum in Rostock ins Stocken geraten
In Mecklenburg-Vorpommern gibt es Diskussionen um die Kosten für den Neubau des Archäologischen Landesmuseums. Ursprünglich waren Kosten von 20 Mio. Euro angesetzt und von der Landesregierung 2017 zugesagt worden. Zu dem Zeitpunkt sollte das Museum in das alte Schifffahrtsmuseum in Rostock einziehen. Mittlerweile wird jedoch von Vielen, insbes. der Stadt Rostock, ein Neubau favorisiert, wodurch die Kosten deutlich ansteigen würden – in Medienberichten ist von bis zu 100 Mio. Euro die Rede. Jetzt sollen in den zuständigen Ministerien die Planungen überarbeitet werden. Bis wann, ist noch unklar. Eine Petition sammelt Stimmen für die Fortführung der Planungen.
"Archäologisches Landesmuseum zu teuer?" (NDR, 5.2.): https://www.ndr.de/nachrichten/mecklenburg-vorpommern/Archaeologisches-Landesmuseum-zu-teuer,landesmuseum502.html
"Entwurf in letzter Minute eingesammelt: Archäologie-Museum in Rostock: Kosten explodieren" (Schweringer Volkszeitung, 4.2.; Artikel für angemeldete Leser): https://www.svz.de/regionales/mecklenburg-vorpommern/Archaeologie-Museum-in-Rostock-Kosten-explodieren-id22512737.html
Petition "Kein Baustopp für das Archäologische Landesmuseum in Rostock" (Open Petition): https://www.openpetition.de/petition/online/kein-baustop-fuer-das-archaeologisches-landesmuseum-in-rostock


10. Und sonst …
10.1.
Neue Zeitschrift zu Open Educational Resources (OER)
Die neue, englischsprachige Zeitschrift "International Journal of Open Educational Resources" (#IJOER) bietet mit zwei Ausgaben pro Jahr einen Ort für die akademische Forschung zu OER. Alle Beiträge sind Open Access und werden unter der Lizensierung CC BY 4.0 veröffentlicht. Eingereichte Artikel unterliegen einem Peer-Review-Verfahren. Website und Artikel werden z. T. automatisch in diverse Zielsprachen übersetzt. Unter Open Educational Resources (OER) versteht man Bildungsmaterialien, die via Internet kostenlos für Schüler, Studierende und weitere Interessierte angeboten werden.
"Eine Zeitschrift zum Thema OER – The International Journal of Open Educational Resources" (OER.de, 24.1.): https://open-educational-resources.de/eine-zeitschrift-zum-thema-oer-the-international-journal-of-open-educational-resources/
"IJOER The International Journal of Open Educational Resources": https://www.ijoer.org/

10.2.
Baden-Württemberg: Landesregierung macht touristische Pläne rund um den Heidengraben zum Pilotprojekt
Seit einiger Zeit ist am Burrenhof bei Erkenbrechtsweiler (Lkr. Reutlingen) ein Kelten-Erlebnisfeld, bestehend aus Erlebnispfad und Besucherzentrum, geplant. Nur das Geld zur Idee war nie da. Im Zuge der im Januar ausgerufenen kulturpolitischen Landeskonzeption "Baden-Württemberg und seine Kelten" (DGUF-Newsletter vom 22.1.2019 Punkt 10.4.) wurden 16 Fundstätten ausgemacht, bei denen das Projekt am Heidengraben beim Burrenhof ganz vorn steht – schlicht auch, weil so viel Vorarbeit durch die involvierten Gemeinden und durch Ehrenamtliche bereits bewältigt wurde. Ministerpräsident Winfried Kretschmann sprach nun von "publikumswirksamer Inszenierung" der Keltenwelt, von "interaktiven und handlungsorientierten Angeboten" und von "emotional erfahrbar machen": Sicher, alles Buzzwords, welche die Handschrift von Textbausteine zuliefernden Referenten tragen. Gleichwohl für die beteiligten Gemeinden Erkenbrechtsweiler, Hülben und Grabenstetten ein starkes Signal. Laut "Stuttgarter Zeitung" waren sie bereits mit 1,6 Mio. Euro in Vorleistung gegangen. Der "Teckbote" zitiert Staatssekretärin Petra Olschowski vom Landesministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst mit der Äußerung, für Kretschmann sei es eine Herzensangelegenheit, das Erbe der Kelten sicht- und erfahrbar zu machen. Und Andreas Schwarz, Grünen-Fraktionschef im Landtag, sage: "Das Land wird das Projekt am Heidengraben unterstützen." Wobei eine genaue Summe noch nicht genannt wurde. Das keltische Oppidum "Heidengraben" mit der "Elsachstadt" genannten Siedlung umfasste eine Fläche von 17 Quadratkilometern und beherbergte rund 10.000 Einwohner.
"Zwischen Neckar und Alb: ‚Wir sind Kelten‘" (Teckbote, 19.2.): https://www.teckbote.de/nachrichten/lokalnachrichten-zwischen-neckar-und-alb_artikel,-wir-sind-kelten-_arid,226194.html
"Förderung: Erlebnisfeld Heidengraben wird errichtet" (Südwest-Presse, 16.2.): https://www.swp.de/suedwesten/staedte/metzingen/zusage-steht_-das-erlebnisfeld-heidengraben-wird-errichtet-29973114.html
"Erkenbrechtsweiler: Das Fenster zu den Kelten steht weit offen" (Stuttgarter Zeitung, 16.2.): https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.erkensbrechtsweiler-das-fenster-zu-den-kelten-steht-weit-offen.fd08a632-5eb2-4ffe-8540-1a0a6b286cb6.html
"Der Heidengraben auf der Überholspur (Stuttgarter Zeitung, 16.1.): https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.erkenbrechtsweiler-der-heidengraben-auf-der-ueberholspur.eab90e42-548d-4c53-8de8-a1d07c07d181.html

10.3.
Bericht vom Rundgespräch "Forschungsperspektiven zur Archäologie der Neuzeit und Moderne" (Berlin, 20.2.)
Bei diesem von der DFG organisierten interdisziplinären Rundgespräch diskutierten etwa 30 eingeladene hochrangige Experten aus relevanten DFG-Fachkollegien, von den Landesdenkmalämtern und Universitäten mit der DFG aktuelle Entwicklungen in diesem neuen und schnell wachsenden Bereich der Archäologie. Die Archäologie der Neuzeit und Moderne wird heute im Rahmen des Faches "Ur- und Frühgeschichte (weltweit)" des Fachkollegiums "Alte Kulturen" (!) gefördert. Ziel der Veranstaltung für die DFG war, die Entwicklung der Forschung besser einschätzen und daraus Konsequenzen für die Forschungsförderung ableiten zu können. Es wurde deutlich, dass die Archäologie der Neuzeit und Moderne in vieler Hinsicht anderen Archäologien ähnelt, aber eben auch manche neuen Möglichkeiten zur Entwicklung der Forschung des ganzen Faches bietet. So kann sie nicht nur historisches Wissen in wichtigen Aspekten ergänzen und dazu beitragen, archäologische Forschung internationaler und interdisziplinärer auszurichten, sondern auch auf andere Weise an Ziele der Kulturpolitik anknüpfen und bisweilen sensibler auf die Bedürfnisse lokaler Gruppen eingehen. Wie auch immer die DFG ihre Forschungsförderung künftig organisieren wird, dieser neue Bereich der Archäologie wird sich ohne Frage weiter etablieren und verspricht das Fach insgesamt auf manche Art zu bereichern. Was genau von einer möglichen engeren Zusammenarbeit mit der Geschichtswissenschaft zu erwarten ist, blieb jedoch offen.

10.4.
Call for Articles für Sammelband "Theorie | Archäologie | Reflexion"
Mit der Themensetzung "Theorie | Archäologie | Reflexion. Kontroversen und Ansätze im deutschsprachigen Diskurs" planen die Herausgeber Martin Renger, Sophie-Marie Rotermund, Stefan Schreiber und Alexander Veling einen Sammelband. Dabei sollen sowohl renommierte als auch bisher kaum gehörte Stimmen zu Wort kommen, um sich aktuellen und zukünftigen Perspektiven der Theoriediskussion zu nähern. So wird nach dem Strukturen von Theoriearbeit in Beziehung zur praktischen Feldforschung und methodischen sowie Vermittlungsarbeit gefragt. Neben strukturellen stellen sich auch inhaltliche Fragen, darunter: Worin unterscheiden sich Archäologien nach dem Cultural Turn noch von den Kulturwissenschaften nach dem Material Turn? Sollten wir z. B. ebenso aktuelle sozial- und kulturwissenschaftliche Debatten um Empathie, Emotionalität und Affekt aufgreifen? Welche anderen Themen wie Identifizierungen, soziale Praxis, Digitalität, oder Genetic History können und sollten archäologisch reflektiert und theoretisch begleitet werden? Was bedeutet die Dekonstruktion anthropozentrischer Positionen für die Archäologien, z. B. durch den New Materialism oder die Posthumanistische Philosophie? Welche Herausforderungen bringt die Wende von epistemologischen zu ontologischen Perspektiven? Die Herausgeber rufen dazu auf, neben Artikeln auch experimentelle Formate einzureichen; sie ermuntern auch den wissenschaftlichen Nachwuchs, Ideenskizzen einzureichen. Zur Vorauswahl bitten sie um Zusendung von Abstracts mit etwa 250–300 Wörtern bis spätestens 15.4. an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.
Call for Articles: http://www.agtida.de/call-for-articles-theoriesammelband/


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