DGUF-Newsletter vom 22.1.2019

DGUF-Newsletter vom 22.1.2019

1. DGUF-Nachrichten
1.1. Save the date: DGUF-Jahrestagung 2019 - "DGUF wird 50" und "Die Selbstorganisation von Archäologie. Rollen und Bedürfnisse, Verantwortlichkeiten und Legitimierungen" (Bonn, 20.-23.6.)
1.2. Unter den DGUF-Rezensionsangeboten: "Markus Hilgert, Kerstin P. Hofmann, Henrike Simon (Hrsg.): Objektepistemologien. Zur Vermessung eines transdisziplinären Forschungsraums"
1.3. Herzlichen Dank an die Mitwirkenden der Umfrage zum DGUF-Newsletter!
1.4. ...übrigens: die Sache mit dem Wunsch "DGUF-Newsletter als PDF"
1.5. Frisch aus der Druckerei: Archäologische Informationen 41, 2018

2. Tagungen und Veranstaltungen
2.1. Session "So Close, No Matter How Far? Sketching the Relationship between Water- and Landscapes across Europe" (EAA-Tagung 2019, Bern, 4.-7. 9., CfP bis 14.2.)
2.2. Session "Crossing new borders: promoting collaboration between EU, non-EU and ex-EU archaeologists" (EAA-Tagung 2019, Bern, 4.-7.9., CfP bis 14.2.)
2.3. Session "CPAA Session: Organising Archaeologists – Archaeological Associations of Europe" (EAA-Tagung 2019, Bern, 4.-7. 9., CfP bis 14.2.)

3. Forschung
3.1. Neu im Early View der "Archäologischen Informationen"
3.2. Aktuelle Ausgrabungen in den Medien
3.3. Aktuelle Forschung in den Medien
3.4. Pflichtlektüre! Investigativer Wissenschaftsjournalismus legt schwache Evidenz und seltsame Publikationspraktiken führender aDNA-Forscher dar
3.5. Eine Ausgrabung der Superlative: "High Speed 2"
3.6. Die Jagd nach dem Wollhaarmammut: Der Dokumentarfilm "Genesis 2.0" seit 17.1. in den Kinos
3.7. Nonne im 11./12. Jahrhundert in Kloster Dalheim (Ostwestfalen) als Buchmalerin

4. Kulturgutschutz
4.1. Aktuelles rund um Kulturgutschutz in den Medien
4.2. Steter Tropfen höhlt den Stein? - Mäkeleien am Kulturgutschutzgesetz
4.3. Brasiliens indigene Kulturen durch den Kurs des neuen Präsidenten Jair Bolsonaro bedroht
4.4. Restitution: Was ist kulturelles Erbe?

5. Studium, Job-Themen und Personalia
5.1. Erich Claßen ist neuer Landesarchäologe für den rheinischen Teil Nordrhein-Westfalens
5.2. Paläogenetikerin Viviane Slon unter den "Nature's 10"
5.3. Neue museumspädagogische Leiterin im AFM Oerlinghausen: Dr. Greta Civis
5.4. Dr. Doreen Mölders stellt sich Herner Museumsöffentlichkeit vor
5.5. Mangel an Grabungs-Archäologen in Großbritannien - und auch in Deutschland
5.6. Der "Rundbrief Grabungstechnik" - ein empfehlenswertes DGUF-Newsletter-Konkurrenzprodukt von und für Frontschweine
5.7. Herzliche Staffelübergabe am Neanderthal Museum in Düsseldorf-Mettmann

6. Sharing Heritage: Erstes europäisches Kulturerbejahr 2018 (EYCH 2018)
6.1. Sharing Heritage: Rückblick auf das erste europäische Kulturerbejahr 2018
6.2. Persönlicher Rückblick des EAA Präsidenten Felipe Criado-Boado auf EYCH 2018

7. Open Access & Open Data
7.1. Die Lizensierung nach Creative Commons (CC) in der britischen Wissenschaftslandschaft
7.2. "Zögerliche Offenheit": Open Access aus der Sicht von Wissenschaftsverlagen
7.3. Urheberrechtsnovelle in Belgien macht Autoren sehr stark
7.4. Bedeutender Open Access Erfolg für DEAL
7.5. Euroscience führt öffentliche Konsultation zu "Plan S" durch

8. Bürger und Archäologie & Citizen Science
8.1. Studie: Ist Crowdsourcing wirklich eine Möglichkeit, mehr Bürger-Teilhabe zu erreichen?

9. Ausstellungen und Museen
9.2. BGH-Urteil im "Bilderstreit" zu Gunsten Reiss-Engelhorn-Museen, gegen Wikimedia
9.3. Schweizer Museen mit anderer Haltung zu Bildrechten
9.4. Bildsprache, Inhalte-Mengen oder Hashtag-Auswahl: Die größten Fehler von Museen bei Instagram
9.5. "Es zerreißt einem das Herz!" Rezension zu: "Bewegte Zeiten: Archäologie in Deutschland" (Berlin, 21.9.2018-6.1.2019)

10. Und sonst …
10.1. USA und Israel verlassen UNESCO
10.2. Mit Risiken und Nebenwirkungen: Genetische Ahnenforschung per DNA-Test
10.3. Umsetzung der Konvention von Malta/La Valletta in Österreich auf Umwegen: weit gediehen
10.4. Land Baden-Württemberg beschließt kulturpolitisches Dach für die Keltengeschichte
10.5. Erstaunlicher Sturm im Wasserglas: die Münsteraner Resolution des Deutschen Historikerverbandes (VHD)
10.6. Neues Format: Die TidA-Lesetipps

11. Impressum und Redaktionshinweise


1. DGUF-Nachrichten
1.1.
Save the date: DGUF-Jahrestagung 2019 - "DGUF wird 50" und "Die Selbstorganisation von Archäologie. Rollen und Bedürfnisse, Verantwortlichkeiten und Legitimierungen" (Bonn, 20.-23.6.)
Jahreswechsel = Kalenderwechsel, daher eine Erinnerung: DGUF-Jahrestagung in Bonn eintragen, 20.-23. Juni 2019. Für den Donnerstag-Nachmittag (20.3.), den wir dem Thema "DGUF wird 50" widmen, liegen uns bereits verbindliche Teilnahme- und Vortrags-Zusagen von mehreren DGUF-Gründern und "Urgesteinen" vor. Lächelnden Andeutungen zufolge wird in den Vorträgen "aus dem Nähkästchen" geplaudert - der aktive Vorstand ist schon "gespannt wie Flitzebogen". Die Tagungswebsite ist angelegt; die Tagungsanmeldung ist eröffnet; klaro: auch die DGUF-Nachwuchsförderung greift wieder. Das Call for papers für das Thema "Selbstorganisation von Archäologie" folgt bis zum nächsten DGUF-Newsletter - doch jeder Interessierte, der sich schon jetzt aktiv einbringen möchte, kann auch vorab gerne auf den Vorstand zukommen.
Tagungswebsite: http://www.dguf.de/50-jahre-dguf.html
Anmeldung und organisatorische Hinweise: http://www.dguf.de/479.html
DGUF-Nachwuchsförderung (Bewerbungsfrist: 31.3.): http://www.dguf.de/480.html

1.2.
Unter den DGUF-Rezensionsangeboten: "Markus Hilgert, Kerstin P. Hofmann, Henrike Simon (Hrsg.): Objektepistemologien. Zur Vermessung eines transdisziplinären Forschungsraums"
Unter den zahlreichen Bänden, welche die Herausgeber der "Archäologischen Informationen" zur Rezension ausschreiben, sei diesmal der am 13.12.2018 erschienene Band von Markus Hilgert, Kerstin P. Hofmann und Henrike Simon (Hrsg.) hervorgehoben. Aus dem Klappentext: "The social and cultural science evaluation of things, their epistemic status as well as their place in social practices and thus for the social as a whole has developed a remarkable dynamic in the last three decades and has undergone radical theoretical further development. In the current theoretical debate on things, the variability and instability of social practice and the ‘ambivalence of things’ are emphasized. Object epistemologies address the question of how multiple and variable object identities arise in epistemic practice and how they in turn affect this practice. However, options for action in, with or as a result of things always also have a social, economic, political and ethical dimension, which is also knowledge-based and the premises of which must also be clarified. The texts in this volume represent an attempt to uncover the interdependence between things and knowledge and to analyze it in various manifestations. Thus they outline the transdisciplinary research space of object pistemologies and prove their scientific potential." Wenn Sie Interesse an einer Rezension haben, richten Sie bitte Ihre Anfrage mit Ihrer vollständige Postanschrift sowie einer kurzen Begründung, weshalb Sie dieses Werk besprechen wollen, an: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.
Alle Rezensionsangebote der "Archäologischen Informationen" mit weiteren Informationen zu Modalitäten und Ablauf: http://www.dguf.de/fileadmin/user_upload/publikationen/AI/DGUF-Dok_Arch-Inf_Rezensionsangebote.pdf

1.3.
Herzlichen Dank an die Mitwirkenden der Umfrage zum DGUF-Newsletter!
Vom 19.11. bis 31.12.2018 führten wir eine Umfrage unter den Abonnenten des DGUF-Newsletters durch. An ihr haben sich 133 Leser beteiligt, was einer für solche Umfragen guten Rücklaufquote von 8 % entspricht. Die Newsletter-Redaktion dankt allen Mitwirkenden herzlich für die Mühen, das Lob und die konstruktive Kritik! Das Team ist derzeit dabei, die Rückmeldungen auszuwerten und Verbesserungen im Sinne der Leser-Bedürfnisse umzusetzen.

1.4.
...übrigens: die Sache mit dem Wunsch "DGUF-Newsletter als PDF"
Auch die Umfrage spülte wieder Kritik am in der Tat schlichten Layout des DGUF-Newsletters hervor. "Ultra posse nemo obligatur" - im Zielkonflikt zwischen Arbeit am Inhalt und Arbeit an der Verpackung haben wir uns stets für die Inhalte entschieden, werden aber über die Kritik am Layout erneut nachdenken. Einige wenige Antwortende wünschten sich eine PDF-Version, die vermutlich leichter lesbar wäre. Yepp, gibt es schon (immer), und zwar in unserem Newsletter-Archiv, wo Interessierte ab Nr. 1 vom 30.3.2012 alle Newsletter als PDF vorfinden. Der aktuelle Newsletter wird stets gesetzt und dort mit wenigen Stunden bis Tagen Verzögerung als PDF eingestellt - zum kostenlosen freien Download. Wir wünschen Lesevergnügen! Übrigens: Den Hinweis zu diesem Archiv finden Sie mit dem entsprechenden Link auch in jeder Newsletter-Ausgabe, nämlich unter Punkt 11, dem Impressum.
Archiv der DGUF-Newsletter: http://www.dguf.de/249.html

1.5.
Frisch aus der Druckerei: Archäologische Informationen 41, 2018
Der Jahrgang 2018 der Archäologischen Informationen wurde Ende November 2018 online publiziert, zugleich wurden die "Sonderdrucke" (PDFs) an Autoren und die Verlage rezensierter Bücher versandt. Der Druck indes war vor Weihnachten nicht mehr möglich. Nun ist der neue Band gedruckt und gebunden, der Versand an alle DGUF-Mitglieder, Abonnenten und Autoren wird in den nächsten wenigen Tagen angestoßen.


2. Tagungen und Veranstaltungen
2.1.
Session "So Close, No Matter How Far? Sketching the Relationship between Water- and Landscapes across Europe" (EAA-Tagung 2019, Bern, 4.-7. 9., CfP bis 14.2.)
Die DGUF-gelabelte Session mit der Nummer 142 will das Tagungsthema "Beyond Paradigms" aufnehmen, indem sie dazu aufruft, die verschiedenen Aspekte von Leben in archäologischen "Waterscapes" mit den sie umgebenden "Landscapes" sowie der Übergangsbereiche zu verknüpfen, um ein neues Ganzes zu kreieren. Archäologische Fundstellen in "Waterscapes" (seien es Seen, Meere, Moore, Sümpfe, etc.) müssen in ihrer Beziehung zu und ihrer Symbiose mit dem Wasser gesehen werden. Die traditionellen Territorialmodelle, in welchen Siedlungen oder Infrastrukturstandorte schlicht als "am Wasser liegend" gesehen wurden, schränken den Blickwinkel ein. Um "Waterscapes" zu verstehen, muss vielmehr eine mikroarchäologische Froschperspektive, die die lokale aquatische Umwelt erfasst, um eine breitere Betrachtungsweise ergänzt werden, denn Wasser trennt nicht – es verbindet. Archäologische Fundstellen sollten daher in Beziehung mit dem Wasser und der Landschaft um sie herum, in Bezug zueinander und als Teil eines weitreichenden Netzwerks ebensolcher Beziehungen betrachtet werden, ähnlich wie es der Aufsatz "Thinking outside the Box: Life beyond ‘House – Farmstead – Village’ in Neolithic Wetland Sites" vom vergangenen Jahr in den "Archäologischen Informationen" fordert. Es gibt eine Vielzahl von Methoden (z. B. aus dem Bereich der Landschaftsarchäologie oder der Netzwerkanalyse), um die Zusammenhänge zwischen terrestrischen und aquatischen Gebieten und deren Übergangsfeldern sowie die von ihnen geschaffenen "amphibischen" Netzwerke zu untersuchen. Diese Netzwerke sind das Ergebnis eines lebendigen, vielfältigen und sich ständig verändernden Zusammenspiels verschiedener Akteure (Menschen, Tiere, Pflanzen und weitere), Faktoren und Kräfte. Im Zentrum dieser Session sollen dieses Zusammenspiel stehen sowie seine spezifischen taphonomischen, ökologischen, ökonomischen, klimatischen und kulturellen Faktoren (die unter Umständen selbst zu Umweltverschmutzung oder Übernutzung führen können), unabhängig von zeitlichen und räumlichen Rahmenbedingungen. Um Vortragsvorschläge wir bis 14.2. gebeten.
Session #142 "So Close, No Matter How Far? Sketching the Relationship between Water- and Landscapes across Europe": https://submissions.e-a-a.org/eaa2019/sessions/overview/preview.php?id=142
Gross, E., Huber, R.: "Thinking outside the Box: Life beyond ‘House – Farmstead – Village’ in Neolithic Wetland Sites" (Archäologische Informationen 41, 2018, 255–274):
https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/arch-inf/article/view/56946

2.2.
Session "Crossing new borders: promoting collaboration between EU, non-EU and ex-EU archaeologists" (EAA-Tagung 2019, Bern, 4.-7.9., CfP bis 14.2.)
Session "Crossing new borders: promoting collaboration between EU, non-EU and ex-EU archaeologists" (EAA-Tagung 2019, Bern, 4.-7.9., CfP bis 14.2.)
Das Thema Brexit ist seit langer Zeit nahezu täglich in den Medien präsent, besonders wieder in diesen Tagen. Die Archäologie als grenzübergreifend tätige und häufig mit EU-Geldern bezuschusste Wissenschaft beobachtet die Ereignisse mit großer Skepsis und Sorge. Sowohl in Großbritannien als auch in den übrigen EU-Staaten herrscht große Unsicherheit ob der Folgen für das Fach. Es ist oft völlig unklar, wie Projekte unter den Vorzeichen des Brexit weiter finanziert, durchgeführt aber auch neu gestartet werden können. Die DGUF-gelabelte Session 234 "Crossing new borders: promoting collaboration between EU, non-EU and ex-EU archaeologists" greift dieses Thema auf und möchte Raum zu Diskussionen bieten: Wie können grenzübergreifende Projekte im Allgemeinen funktionieren? Was geht, was geht nicht? Welche Probleme kommen auf die (britische) Archäologie zu, und welche Lösungsansätze gibt es? Wie können britische Archäologen nach dem Brexit ihre Arbeit als Nicht-Europäer im europäischen Inland weiter ausüben? Wie können deutsche Archäologen und andere nicht-britische Kollegen in einem Post-Brexit-Großbritannien tätig sein? Wie können Archäologen verschiedener Nationen generell über Landesgrenzen hinweg wirkungsvoll zusammenarbeiten? Um die Einreichung von Diskussionsbeiträgen wird bis zum 14.2. gebeten.
Session #234" Crossing new borders: promoting collaboration between EU, non-EU and ex-EU archaeologists ": https://submissions.e-a-a.org/eaa2019/sessions/overview/preview.php?id=234
"Archaeologists and curators leaving UK over Brexit fears. Visa uncertainty and expected loss of EU funding affecting culture industry, leaders say" (The Guardian, 22.9.2018): https://www.theguardian.com/culture/2018/sep/22/archaeologists-and-curators-leaving-uk-over-brexit-fears

2.3.
Session "CPAA Session: Organising Archaeologists – Archaeological Associations of Europe" (EAA-Tagung 2019, Bern, 4.-7. 9., CfP bis 14.2.)
Nach den Empfehlungen der EAA sollten alle Archäologen Europas Zugang zu einem Berufsverband haben. Aber nicht alle Archäologen arbeiten in ihrerseits zertifizierten Institutionen oder Organsisation - ein Umstand, der mit besonderer Vielfalt, aber auch mit Spannungen verbunden sein kann, z. B. wenn persönliche und institutionelle Ethik divergieren. Um dieses Feld genauer ausleuchten zu können, beschäftigt sich die von der DGUF mitveranstaltete Session #95 mit den unterschiedlichen Aufgaben und Rollen von archäologischen Organisationen in Europa. Die Schärfung des Bewusstseins unterschiedlicher Aufgaben und Rollen von Organisationen soll helfen, künftig den Dialog mit Politik und Gesellschaft zu stärken. Dazu sind bis 14.2. Vortragsvorschläge willkommen, welche helfen, einen Überblick über archäologische Organisationen in Europa und ihre unterschiedlichen Aufgaben und Rollen zu gewinnen.
Session "CPAA Session: Organising Archaeologists – Archaeological Associations of Europe": https://submissions.e-a-a.org/eaa2019/sessions/overview/preview.php?id=95


3. Forschung
3.1. Neu im Early View der "Archäologischen Informationen"
Siegmund, F. (2019). Rezension zu: "Bewegte Zeiten: Archäologie in Deutschland". Museum für Vor- und Frühgeschichte, Staatliche Museen zu Berlin – Gropius Bau, 21. Sept. 2018 bis 6. Jan. 2019. Archäologische Informationen, Early View, online publiziert 24. Jan. 2019.
Derks, H. (2019). Rezension zu: Kohle, H. (2018). Museen digital. Eine Gedächtnisinstitution sucht den Anschluss an die Zukunft. Heidelberg: Heidelberg University Publishing. Archäologische Informationen 42, Early View, online publiziert 16. Jan. 2019.
Schreg, R. (2019). Rezension zu: Paxinos, Pt. D. (2017). Die Archäozoologie der Pest. Die Auswirkungen des Schwarzen Todes (1347-1350) auf Tierhaltung und Viehnutzung im Gebiet des heutigen Deutschland (Documenta Archaeobiologiae 12). Rahden: Leidorf. Archäologische Informationen 42, Early View, online publiziert 12. Jan. 2019.
Siegmund, F. (2019). Rezension zu: "Europa in Bewegung: Lebenswelten im frühen Mittelalter". Landesmuseum Bonn, 15.11.2018 – 25.8.2019. Archäologische Informationen, Early View, online publiziert 7. Jan. 2019.
http://www.dguf.de/earlyview.html

3.2.
Aktuelle Ausgrabungen in den Medien
Schottland: "'Incredibly rare' find in Western Isles prehistoric forest" (BBC, 16.1.): https://www.bbc.com/news/uk-scotland-highlands-islands-46890793
"Ältester Brunnen Hessens: Steinzeitliche Siedlung in Heppenheim" (Landesamt für Denkmalpflege Hessen, 10.1.): https://lfd.hessen.de/presse/hessenarch%C3%A4ologie-aktuell/steinzeitliche-siedlung-heppenheim
"Europe’s Largest Hoard of Copper Age Axes, Ax Hammers Discovered in Northeast Bulgaria" (Archaeology in Bulgaria, 9.1.): http://archaeologyinbulgaria.com/2019/01/09/europes-largest-hoard-of-copper-age-axes-ax-hammers-discovered-in-northeast-bulgaria/
Suffolk: "Decapitated bodies found in Roman cemetery in Great Whelnetham" (BBC, 7.1.): https://www.bbc.com/news/uk-england-suffolk-46763020
Ndachjian-Tehuacán: "Archaeologists Discover Ancient Temple In Mexico Where Skinning Sacrifices Took Place 1,000 Years Ago" (Inquisitr, 5.1.): https://www.inquisitr.com/5237176/archaeologists-discover-ancient-temple-in-mexico-where-skinning-sacrifices-took-place-one-thousand-years-ago/
"Pompeji: Archäologen legen Pferd unter Vulkanasche frei" (Spiegel, 24.12.): http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/pompeji-archaeologen-legen-pferd-unter-vulkanasche-frei-a-1245323.html
"Überreste eines spätrömischen Kamelkiefers in Basel ausgegraben" (Blick, 19.12.): https://www.blick.ch/news/schweiz/archaeologie-ueberreste-eines-spaetroemischen-kamelkiefers-in-basel-ausgegraben-id15078895.html

3.3.
Aktuelle Forschung in den Medien
"A surprisingly early replacement of Neanderthals by modern humans in southern Spain" (Universidad de Sevilla, 21.1.): https://www.eurekalert.org/pub_releases/2019-01/uos-ase012119.php
"Reversibel und nachhaltig - Neue korrosionsschützende Beschichtungen auf archäologischen Metallen" (INNOVENT e.V. Technologieentwicklung Jena, 18.1.): https://www.innovent-jena.de/news/artikel/news/reversibel-und-nachhaltig-neue-korrosionsschuetzende-beschichtungen-auf-archaeologischen-metallen/
Australopithecus sediba: "Scientists Confirm Pair of Skeletons are from Same Early Hominin Species" (New York University, 17.1.): https://www.nyu.edu/about/news-publications/news/2019/january/scientists-confirm-pair-of-skeletons-are-from-same-early-hominin.html und "Understanding our early human ancestors: Australopithecus sediba" (Dartmouth College, 17.1.): https://www.eurekalert.org/pub_releases/2019-01/dc-uoe011719.php
"Artificial intelligence applied to the genome identifies an unknown human ancestor. Scientists use deep learning for the first time ever to account for human evolution" (Center for Genomic Regulation, 16.1.): https://www.eurekalert.org/pub_releases/2019-01/cfgr-aia011619.php
"Dental study of juvenile archaic Homo fossil gives clues about human development" (Chinese Academy of Sciences Headquarters, 16.1.): https://www.eurekalert.org/pub_releases/2019-01/caos-dso011619.php und "An ancient child from East Asia grew teeth like a modern human. The youngster’s species is unknown for now" (Science News, 16.1.): https://www.sciencenews.org/article/ancient-child-fossil-jaw-east-asia-grew-teeth-modern-human
Sachsen-Anhalt: "Fraunhofer-Unterwasserroboter lüftet Geheimnisse im 'Süßen See' (Fraunhofer-Institut für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung, 10.1.): https://idw-online.de/de/news708694
"A Madrid mummy is found to be a pharaoh’s eye doctor. A scan reveals that Ptolemy II’s ophthalmologist lies in Madrid’s National Archeology Museum" (El País, 9.1.): https://elpais.com/elpais/2019/01/07/inenglish/1546880586_334568.html
"Auf der Spur einer 3.500 Jahre alten Kultur an der Küste Ecuadors. DAI-Team erforscht die letzten Reste der kaum bekannten Machalilla-Kultur" (DAI, 9.1.): https://www.dainst.org/-/auf-der-spur-einer-3-500-jahre-alten-kultur-an-der-kuste-ecuadors?redirect=%2Fdai%2Fmeldungen
Bronzezeit: "Ancient Mongolia was a good place to live—if you could survive the horse falls" (Science Magazine, 8.1.): https://www.sciencemag.org/news/2019/01/ancient-mongolia-was-good-place-live-if-you-could-survive-horse-falls
Island: "Ancient DNA from Viking Graves Proves the Fierce Fighters Rode Male Horses" (LiveScience, 7.1.): https://www.livescience.com/64432-vikings-buried-with-stallions.html
"Kraków/ The first evidence in Europe that man was hunting mammoths discovered" (Science in Poland, 7.1.): http://scienceinpoland.pap.pl/en/news/news%2C32358%2Ckrakow-first-evidence-europe-man-was-hunting-mammoths-discovered.html
"Reich von Akkad: Dürre zerstörte den ersten Flächenstaat der Erde" (Spiegel, 7.1.): http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/reich-von-akkad-duerre-liess-ersten-flaechenstaat-untergehen-a-1246764.html
"‘Wollt ihr stolze Germanen sein?‘ Die Zeit der Völkerwanderung ist plötzlich wieder interessant. Allerdings aus den falschen Gründen, sagt der Althistoriker Roland Steinacher" (ZEIT, 3.1.): https://www.zeit.de/2019/02/voelkerwanderung-migration-antike-geschichte
Jordanien: "Archeological Discovery Yields Clues to How Our Ancestors May Have Adapted to Their Environment" (Boston University School of Medicine, 3.1.): https://www.bumc.bu.edu/busm/2019/01/03/archeological-discovery-yields-clues-to-how-our-ancestors-may-have-adapted-to-their-environment/
"This scientist watches meat rot to decipher the Neandertal diet. Nitrogen-15 levels in putrefying meat could explain high levels of the isotope in hominid fossil" (Science News, 2.1.): https://www.sciencenews.org/article/scientist-watches-meat-rot-decipher-neandertal-diet

3.4.
Pflichtlektüre! Investigativer Wissenschaftsjournalismus legt schwache Evidenz und seltsame Publikationspraktiken führender aDNA-Forscher dar
Der Wissenschaftsjournalist Gideon Lewis-Kraus hat am 17.1. im New York Times Magazine einen langen und offensichtlich aufwändig recherchierten Artikel veröffentlicht, der zur Pflichtlektüre jedes Archäologen gehören sollte, der mit aDNA-Resultaten arbeitet und argumentiert. In der Sachebene geht es um aDNA-Studien an drei Schädeln von der bekannten Fundstelle Teouma, Vanuatu-Archipel (Polynesien), ein Komplex, der 36 Bestattungen der sog. Lapita-Kultur der Zeit um 1.200-1.000 v.Chr. umfasst. Nach einer 2016 in Nature von dem weithin bekannten Genetiker David Reich (Harvard Univ.) publizierten Studie zu aDNA aus Teouma gehe die Bevölkerung Vanuatus gegen die bisherigen Befunde der Archäologie auf zwei deutlich getrennte Einwanderungswellen zurück, eine erste austronesische, ost-asiatischer Herkunft und eine zweite aus Papua. In einem Aufsatz in der Zeitschrift Current Biology vom 28.2.2018 erhärtete Reich seine Ergebnisse. Ergebnissen, denen nicht nur von archäologischer Seite, sondern auch seitens der Genetik widersprochen werde - wofür sich Lewis-Kraus auf einen 2018 nahezu zeitgleich publizierten Aufsatz des Jenenser aDNA-Teams um Johannes Krause beruft (Nature Ecology & Evolution, 27.2.2018). Nun denn, ein gängiger Gelehrtenstreit, dessen weiteren Fortgang man als Nicht-Spezialist gelassen beobachten kann? Wohl kaum. Denn Lewis-Kraus deckt eine Metaebene auf, die weit über die genannten Studien zu Polynesien hinaus relevant ist, nicht nur, weil das Autorenteam David Reich (Harvard) und Ron Pinasi (Wien) auch für seine aktuellen und viel beachteten Thesen zu Migrationen in Europa berühmt ist. Lewis-Kraus erzählt, wie das Team Reich und Pinasi an aDNA-Proben gelangte; wie man schon allein für das Zur-Verfügung-Stellen von Knochenproben zum Co-Autor eines Nature-Aufsatzes werde; wie Druck ausgeübt werde, Proben zu geben, und auch, unter welch fragwürdigen Umständen jenseits jeder Ethik-Kommission aDNA-Proben akquiriert würden. Lewis-Kraus legt die engen, allzu engen interpersonellen Verbindungen der weltweit führenden aDNA-Labore dar, wonach bei drei der vier Labore die wissenschaftlich erforderliche Unabhängigkeit und gegenseitige kritische Kontrolle kaum mehr gewährleistet sei. Er berichtet, dass Experten die Grundlage der hochkarätig veröffentlichten Aufsätze für erheblich zu gering hielten, "kleine Stichproben, die nur für sich selbst repräsentativ sind". Doch das sind "nur" Nebengeräusche. Zwei der drei anonymen Gutachter des 2016er Nature-Aufsatzes hätten den Aufsatz als unpublizierbar abgelehnt. Nicht: "muss überarbeitet werden", sondern "unpublizierbar" - eine Bewertung, die sie nun auch Lewis-Kraus gegenüber wiederholt und begründet hätten. Dennoch sei der Text von Nature publiziert worden - ein im Peer-Review-System eher unübliches Verfahren. Der die älteren Ergebnisse bestätigende 2018er Aufsatz von David Reich, der offenbar in zeitlicher Konkurrenz zu dem o. g. Jenenser Aufsatz publiziert wurde, sei bereits eine Woche nach seiner Einreichung veröffentlicht worden. In so einer kurzen Frist sei ein seriöses Peer Review nicht möglich, hätten Gewährsleute Lewis-Kraus gegenüber konstatiert. Zudem sei der Neuigkeitswert der 2018er-Studie gegenüber dem 2016er-Aufsatz ausnehmend gering. Kurz: jenseits der sachlichen Frage nach der Besiedlung Polynesiens schildert der (mit allen nötigen Links versehene) Artikel Wissenschaftspraktiken in der aDNA-Forschung, die erhebliche Zweifel an der Seriosität und Belastbarkeit von Ergebnissen aufkommen lassen. In den USA hat der Beitrag offenbar einen Nerv getroffen: Innerhalb der ersten drei Tage sammelten sich mehr als 350 (vorwiegend zustimmende) Kommentare dazu. Am 19.1. hat David Reich auf der Website seines Labors dem Artikel widersprochen: diverse Tatsachenbehauptungen von Lewis-Kraus seien falsch, im Kern beruhten seine Behauptungen auf "unvollständig dargelegten Tatsachen und weitgehend anonymen Quellen". Wer sich die Mühe macht, den Artikel von Lewis-Kraus zu lesen und - beispielsweise - ergänzend den wichtigen Aufsatz des Archäologen Martin Furholt (2018) hinzuzieht, gewinnt indes einen anderen Eindruck.
Gideon Lewis-Kraus: "Is Ancient DNA Research Revealing New Truths - or Falling Into Old Traps?" (New York Time Magazine, 17.1.): https://www.nytimes.com/2019/01/17/magazine/ancient-dna-paleogenomics.html
David Reich: "Letter in response to Jan. 17 article in The New York Times" (David Reich Lab, 19.1.): https://reich.hms.harvard.edu/letter-response-jan-17-article-new-york-times
"Lapita-Friedhof Teouma" (Wikipedia, 12.12.2018): https://de.wikipedia.org/wiki/Lapita-Friedhof_Teouma
Furholt, M, (2018). Massive Migrations? The Impact of Recent aDNA Studies on our View of Third Millennium Europe. European Journal of Archaeology 21(2), 159-191. https://www.cambridge.org/core/journals/european-journal-of-archaeology/article/massive-migrations-the-impact-of-recent-adna-studies-on-our-view-of-third-millennium-europe/B225B14D82066373B2C11295AA1D1462

3.5.
Eine Ausgrabung der Superlative: "High Speed 2"
60 Ausgrabungen auf fast 240 Kilometern Länge mit mehr als 1.000 Beteiligten: Die Schnellzug-Strecke "High Speed 2" zwischen London und Birmingham ist für Archäologen ein lineares Projekt der Superlative. Seit knapp drei Monaten laufen die Arbeiten bei der größte Ausgrabung, die es in Großbritannien jemals gab. Erste Funde sind beeindruckend - doch der Brexit könnte das Projekt gefährden.
"10.000 Jahre britische Geschichte. Die größte archäologische Ausgrabungsstätte Europas" (Deutschlandfunk, 10.1.): https://www.deutschlandfunknova.de/beitrag/archaeologie-projekt-in-england-die-groesste-ausgrabungsstaette-europas
"Archaeologists start on Europe's largest dig ever, spanning 10,000 years of history: The beginning of High Speed 2. Before England's railway expands, archaeologists must dig" (ABC News, 3.11.2018): https://abcnews.go.com/beta-story-container/International/archaeologists-start-europes-largest-dig-spanning-10000-years/story?id=58925000

3.6.
Die Jagd nach dem Wollhaarmammut: Der Dokumentarfilm "Genesis 2.0" seit 17.1. in den Kinos
Am 17.1. kam "Genesis 2.0" in die deutschen Kinos. Die preisgekrönte Dokumentation des Oscar-nominierten Schweizer Regisseurs Christian Frei zeigt den gefährlichen Alltag der jakutischen Sammler von Mammutstoßzähnen im schmelzenden Permafrost Sibiriens. Und er zeigt die Ansätze von Genetikern, Wollhaarmammuts aus intakten Zellen zu züchten. Ein "Kunstwerk und ein Kinospektakel mit Unterhaltungswert" bewertet das SRF den Film. Ohne "Bedeutungsbombast" stünde Genesis 2.0 besser da, meint hingegen der "Tagesanzeiger", die beobachtende dialektische Montage von Biotech und Urzeitschlamm würde vollauf genügen. Aber unterm Strich, da sind sich die rezensenten einig, ist "Geneis 2.0" filmisch wie inhaltlich absolut sehenswert.
Website zum Film: https://www.genesis-two-point-zero.com/
"Wenn Menschen Gott spielen – Der Dokumentarfilm "Genesis 2.0" über Klonforscher" (titel thesen temperamente, 13.1.; Video, 5:09 Min.): https://www.daserste.de/information/wissen-kultur/ttt/videos/genesis-video-100.html
"Die Zelle, das Mammut, die menschliche Hybris" (Kinozeit, o. D.): https://www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer/genesis-20-2018
"‘Genesis 2.0’ Review: How to Clone a Mammoth" (The New York Times, 1.1.): https://www.nytimes.com/2019/01/01/movies/genesis-20-review.html
"Genesis 2.0 Is a Beautifully Shot, Cautionary Tale About Biotechnology" (The Scientist, 2.1.): https://www.the-scientist.com/news-opinion/genesis-2-0-is-a-beautifully-shot--cautionary-tale-about-biotechnology-65280
"Film Review: ‘Genesis 2.0’: Filmmakers document the rush to genetic-engineering trophies" (The Epoch Times, 2.1.): https://www.theepochtimes.com/film-review-genesis-2-0_2750042.html
"Der Traum, ein Mammut zu klonen" (SRF, 30.10.2018): https://www.srf.ch/kultur/film-serien/schweizer-dokumentarfilm-genesis-2-0-der-traum-ein-mammut-zu-klonen
"Kritik zu Genesis 2.0" (epd Film, 21.12.2018): https://www.epd-film.de/filmkritiken/genesis-20
"Der Moment, in dem das Mammut zu bluten beginnt. Christian Freis Dokumentarfilm «Genesis 2.0» am Visions du Réel verbindet Erdgeschichte und Gentechnik" (Tagesanzeiger, 16.4.2018): https://www.tagesanzeiger.ch/kultur/kino/der-moment-in-dem-das-mammut-zu-bluten-beginnt/story/21445697
"Jagd nach dem weissen Gold: Wie Russen nach Mammut-Stosszähnen suchen" (NZZ, 3.11.2018; nur für registrierte Nutzer): https://nzzas.nzz.ch/kultur/genesis-20-wie-russen-nach-mammut-stosszaehnen-suchen-ld.1433408?reduced=true
"'Genesis 2.0': Film Review | Sundance 2018" (Hollywood Reporter, 21.1.2018): https://www.hollywoodreporter.com/review/genesis-20-1072096

3.7.
Nonne im 11./12. Jahrhundert in Kloster Dalheim (Ostwestfalen) als Buchmalerin
In dem im späten 12. Jahrhundert gegründeten und 1988-91 ergrabenen Kloster Dalheim in Ostwestfalen - 18 km südlich von Paderborn und heute ein Museum - lebten bis zu seiner Zerstörung im 14. Jahrhundert etwa 14 Nonnen. An einer der auf dem Klosterfriedhof bestatteten Nonnen ("B78"), die im Alter von 45-60 Jahren starb und auf etwa 1.000-1.160 n. Chr. datiert wird, wurde nun mit aufwändiger Laborarchäologie Lapislazuli nachgewiesen. Lapislazuli ist ein natürlich vorkommendes, tiefblaues metamorphes Gestein, das vom Altertum bis in die Neuzeit eine hoch begehrte Kostbarkeit war, weil es vor dem Aufkommen synthetischer Farbstoffe im 19. Jahrhundert eine der wenigen Möglichkeiten war, ein stabiles und kräftig blaues Farbpigment zu gewinnen (Ultramarinblau). Bei "B78" fanden sich die feinen Lapislazuli-Partikel in relativ hoher Konzentration im Zahnstein, der sich seit wenigen Jahren mehr und mehr als kostbares Bioarchiv herausstellt. Die mit Lapislazuli kontaminierten Zahnsteinreste stammen bei B78 von mehreren Zähnen, was ein einmaliges Ereignis unwahrscheinlich macht. Vielmehr kam die Nonne offenbar regelmäßig mit dem kostbaren Pigment in Berührung. Wie und warum? Die Autoren des Aufsatzen legen vier Möglichkeiten dar. Nach ihren Analysen ist die wahrscheinlichste Option, dass die Nonne das Blau regelmäßig als Buchschreiberin und -illustratorin verwendete. Mittelalterliche Buchmalerei - denken wir nur an Umberto Ecos "Name der Rose" - wird normalerweise mit schreibenden Mönchen verbunden. Die Dalheimer Nonne zeigt nun auf, dass auch Frauen als Schreiberinnen tätig waren. Dies könnte Anlass sein, die Frage der Verfertiger auch anderer Buchbestände wie etwa die des berühmten Frauenklosters in Chelles neu zu überdenken.
Radini, A., Tromp, M., Beach, A., Tong, E., Speller, C., McCormick, M., et al. (2019). Medieval women’s early involvement in manuscript production suggested by lapis lazuli identification in dental calculus. Science Advances 5(1), eaau7126. DOI: 10.1126/sciadv.aau7126 (9.1.2019). http://advances.sciencemag.org/content/5/1/eaau7126
"Die Nonne aus Dalheim" (WDR5, 10.1.; Audio, 5:09 Min.): https://www1.wdr.de/mediathek/audio/wdr5/quarks/topthemen-aus-der-wissenschaft/audio-die-nonne-aus-dahlheim-100.html
"Bluetooth im Kloster: Eine Nonne mit kostbarem Lapislazuli an den Zähnen" (Tagesspiegel, 10.1.): https://www.tagesspiegel.de/wissen/bluetooth-im-kloster-eine-nonne-mit-kostbarem-lapislazuli-an-den-zaehnen/23846110.html
Sarah Zhang: "Why a Medieval Woman Had Lapis Lazuli Hidden in Her Teeth" (The Atlantic, 9.1.): https://www.theatlantic.com/science/archive/2019/01/the-woman-with-lapis-lazuli-in-her-teeth/579760/
LWL-Landesmuseum für Klosterkultur Dalheim: https://www.lwl.org/LWL/Kultur/kloster-dalheim/


4. Kulturgutschutz
4.1.
Aktuelles rund um Kulturgutschutz in den Medien
"Antiquities ministry starts inventory of artefact storehouses throughout Egypt" (Ahram Online, 22.1.): http://english.ahram.org.eg/NewsContent/9/40/322196/Heritage/Ancient-Egypt/Antiquities-ministry-starts-inventory-of-artefact-.aspx
"Dekolonisiert das Denken! Endlich diskutieren Europa und Afrika über das Kolonialerbe. Das hat Folgen für das Humboldt Forum" (Tagesspiegel, 15.1.): https://www.tagesspiegel.de/kultur/humboldt-forum-dekolonisiert-das-denken/23864688.html
"Stabsstelle für ehemaliges Reichsparteitagsgelände in Nürnberg. Die Stadt Nürnberg stellt die Weichen für den Erhalt des ehemaligen Reichsparteitagsgeländes. Eine eigene Stabsstelle im Kulturreferat wird sich um die Mammutaufgabe kümmern" (BR, 14.1.): https://www.br.de/nachrichten/bayern/stabsstelle-fuer-reichsparteitagsgelaende-in-nuernberg,RF9NF5R
"Touristenramsch und nackte Pyramidenkletterer – Ägyptens Kulturgüter im November und Dezember 2018" (Archaeologik, 9.1.): https://archaeologik.blogspot.com/2019/01/touristenramsch-und-nackte.html
"Yemen's Loss Of Antiquities Is 'Robbing Them Of Their Future'" (npr, 6.1.): https://www.npr.org/2019/01/06/682532244/yemens-loss-of-antiquities-is-robbing-them-of-their-future
"Die geretteten Schriften von Timbuktu. In Mali retteten Bibliothekare 2012 alte Schriften vor Dschihadisten. Jetzt digitalisieren sie die Manuskripte und wollen zeigen: Afrika war weit gebildeter, als die Kolonialmächte glaubten" (Deutschlandfunk, 5.1.): https://www.deutschlandfunk.de/afrikas-kulturerbe-die-geretteten-schriften-von-timbuktu.799.de.html?dram:article_id=437518
"Postkolonialismus: Weiße Männer, weiße Flecken" (Welt, 5.1.): https://www.welt.de/kultur/article186570228/Postkolonialismus-Weisse-Maenner-weisse-Flecken.html
"Kulturgut in Syrien und Irak (November - Dezember 2018)" (Archaeologik, 4.1.): http://archaeologik.blogspot.com/2019/01/kulturgut-in-syrien-und-irak-november.html
"Geraubte Kulturgüter: Grütters für offensivere Rückgabe von Kolonialobjekten" (ZEIT, 2.1.): https://www.zeit.de/news/2019-01/02/gruetters-fuer-offensivere-rueckgabe-von-kolonialobjekten-190102-99-405393
"Restitution von Kunstschätzen: Afrika will Fakten schaffen. Afrikas Kulturszene reagiert auf Emmanuel Macrons Ankündigung" (ARTE, 2.9.): https://www.arte.tv/de/articles/restitution-von-kunstschaetzen-afrika-will-fakten-schaffen
"Let Them Eat Heritage. The rush to restore cultural monuments in Iraq and Syria has papered over the failure to rebuild houses, infrastructure, and people’s lives" (Hyperallergic, 20.12.): https://hyperallergic.com/477122/let-them-eat-heritage

4.2.
Steter Tropfen höhlt den Stein? - Mäkeleien am Kulturgutschutzgesetz
Zwei Jahre nach Verabschiedung des Kulturgutschutzgesetzes hat Staatsministerin Monika Grütters eine Zwischenbilanz gezogen und konkrete Zahlen vorlegt. Die finanziellen Mehrbelastungen der Länder durch den Gesetzesvollzug seien geringer als jene Entlastungen, die ihnen seitens des Bundes zu Gute kämen. Kritiker des Gesetzes aus der Szene des Kunsthandels nutzten die Gelegenheit, um erneut auf den ihnen entstehenden Schaden hinzuweisen. So kritisierte Christina Berking, die kulturpolitische Sprecherin der Interessengemeinschaft Deutscher Kunsthandel, die sich vorvergangene Woche gegründet hat, im Deutschlandfunk Kultur, dass die nun von Grütters vorgelegten Zahlen allein den Verwaltungsaufwand von staatlicher Seite spiegelten. Berking klage, so der Deutschlandfunk, dass der Kunsthandel für alle Werke, die er nach Deutschland bringe, nachweisen müsse, dass sie ihre Herkunftsländer rechtmäßig verlassen hätten. "Das ist ein Nachweis, der nahezu nicht zu erbringen ist. " Ja, sagen wir da: So isses. Die für den Kulturgutschutz Engagierten sollten darauf achten, dass stete Wortmeldungen dieser Art in Summe nicht dazu führen, dass der Schutz wieder zurückgenommen wird.
"Bilanz Kulturgutschutzgesetz: Kunsthändler fühlen sich reglementiert" (Deutschlandfunk, 16.1.): https://www.deutschlandfunkkultur.de/bilanz-kulturgutschutzgesetz-kunsthaendler-fuehlen-sich.1013.de.html?dram:article_id=438530
"Zwischenbericht: Grütters sieht Kulturgutschutzgesetz als Erfolg – Kritik gibt es dennoch" (Hannoversche Allgemeine, 16.1.): http://www.haz.de/Nachrichten/Kultur/Uebersicht/Gruetters-sieht-Kulturgutschutzgesetz-als-Erfolg-Kritik-gibt-es-dennoch

4.3.
Brasiliens indigene Kulturen durch den Kurs des neuen Präsidenten Jair Bolsonaro bedroht
Die Ureinwohner müssen entweder untergehen oder sich anpassen, sagt Brasiliens neuer Präsident Jair Messias Bolsonaro. Ihr angestammtes Land und ihre Gebiete bezeichnet er als die "Windpocken des Landes". Am 2.1. twitterte er: "Mehr als 15% des Staatsgebiets sind als indigenes Land abgegrenzt. Weniger als eine Million Menschen leben an diesen Orten isoliert vom wirklichen Brasilien. Sie werden von gemeinnützigen Organisationen erforscht und manipuliert. Zusammen werden wir diese Bürger integrieren und alle Brasilianer wertschätzen." Wenige Stunden nach seinem Amtsantritt am 1.1. begann Bolsonaro damit, die Entscheidungsgewalt über die Indigenen, u. a. die Verantwortung für die Festlegung und Demarkierung des Landes von Ureinwohnern, ins brasilianische Landwirtschaftsministerium einzugliedern. Dabei geht es auch um die Bewirtschaftung von Regenwaldgebieten, die angestammte Gebiete von indigenen Völkern sind. Weltweit wächst die Besorgnis, dass die mächtige brasilianische Agro-Business-Lobby die Kulturen der Ureinwohner vollends zerstören wird und eine verstärkte Abholzung des Amazonas-Regenwalds bevorsteht. Die Ureinwohner selbst sprechen von einem möglichen Genozid an ihnen und bitten weltweit um Unterstützung. Bolsonaros Dekret muss binnen 120 Tagen vom Kongress ratifiziert werden, andernfalls erlischt es.
"Regierungsprogramm in Brasilien: Weniger Schutz für indigene Völker" (Tagesschau, 2.1.): https://www.tagesschau.de/ausland/brasilien-bolsonaro-119.html
"Jair Bolsonaro baut Schutz indigener Völker ab" (ZEIT, 2.1.): https://www.zeit.de/politik/ausland/2019-01/brasilien-regierung-jair-bolsonaro-kabinett-rechtsradikalismus-minderheiten-umweltschutz
"Jair Bolsonaro, on Day 1, Undermines Indigenous Brazilians’ Rights" (The New York Times, 2.1.): https://www.nytimes.com/2019/01/02/world/americas/brazil-bolsonaro-president-indigenous-lands.html
"Jair Bolsonaro's stance on indigenous people is 'discriminatory and racist'" (Deutsche Welle, 4.1.): https://www.dw.com/en/jair-bolsonaros-stance-on-indigenous-people-is-discriminatory-and-racist/a-46959983
"Bolsonaros 'Kriegserklärung' gegen Brasiliens Indigene: Kommentar von Survival" (Survival International, 4.1.): https://www.survivalinternational.de/nachrichten/12061
"Brasiliens Behörde für Indigene wird entmachtet. Der neue Präsident Jair Bolsonaro lässt seiner Rechtsaussen-Rhetorik erste Taten folgen" (NZZ, 4.1.): https://www.nzz.ch/international/brasiliens-behoerde-fuer-indigene-wird-entmachtet-ld.1448886
"Indigene Gemeinden: Die stummen und unsichtbaren Völkermorde im Regenwald" (Welt, 23.12.): https://www.welt.de/debatte/kommentare/article186019368/Indigene-Gemeinden-Die-stummen-und-unsichtbaren-Voelkermorde-im-Regenwald.html
"Why Brazil's Jair Bolsonaro has environmentalists worried for the Amazon" (CNN, 5.1.): https://edition.cnn.com/2019/01/05/americas/bolsonaro-amazon-global-warming/index.html
"Jair Bolsonaro can be stopped from trashing the Amazon – here’s how" (The Conversation, 4.1.): https://theconversation.com/jair-bolsonaro-can-be-stopped-from-trashing-the-amazon-heres-how-109346
"Opinion: Will Jair Bolsonaro rip up environmental protections and endanger the Amazon?" (The Washington Post, 4.1.): https://www.washingtonpost.com/opinions/will-jair-bolsonaro-rip-up-environmental-protections-and-endanger-the-amazon/2019/01/04/bee763fc-1062-11e9-8938-5898adc28fa2_story.html
"‘There Will Be an Increase in Deforestation’: Brazil’s New President Signs Order Endangering Amazon and Indigenous Rights" (EcoWatch, 3.1.): https://www.ecowatch.com/jair-bolsonaro-deforestation-amazon-indigenous-2625049379.html
"Brazil farm lobby wins as Bolsonaro grabs control over indigenous lands" (Reuters, 2.1.): https://af.reuters.com/article/worldNews/idAFKCN1OW0S8
"Indigenous peoples to Bolsonaro: 'We Refuse to be Treated as Inferior beings'" (The Free, 1.1.): https://thefreeonline.wordpress.com/2019/01/01/indigenous-peoples-to-bolsonaro-we-refuse-to-be-treated-as-inferior-beings
"Brazil Is About To Show The World How A Modern Democracy Collapses" (Huffington Post, 1.1.): https://www.huffingtonpost.com/entry/brazil-jair-bolsonaro-democracy-threat_us_5c2a30c5e4b08aaf7a929cbb
"Opinion: The uncontacted tribes of Brazil face genocide under Jair Bolsonaro" (The Guardian, 31.12.): https://www.theguardian.com/commentisfree/2018/dec/31/tribes-brazil-genocide-jair-bolsonaro
"The Modern Dignity of an Uncontacted Tribe. The documentary 'Piripkura' explores the resolve of indigenous people who persist in the forests of Brazil despite shifting circumstance" (The Atlantic, 1.1.): https://www.theatlantic.com/entertainment/archive/2019/01/the-modernity-of-piripkura-and-uncontacted-tribes/578947
"Indigenous leader urges EU to impose sanctions on Brazil. Europe told if it does not act it will be ‘turning blind eye to genocide’ under Bolsonaro" (The Guardian, 18.12.): https://www.theguardian.com/world/2018/dec/18/indigenous-leader-urges-eu-to-impose-sanctions-on-brazil
"Brazil Dissolves Its Ministry of Culture. The change is part of a rash of reforms by new Brazilian president Jair Bolsonaro" (Smithsonian Magazine, 10.1.): https://www.smithsonianmag.com/smart-news/brazils-new-government-has-dissolved-countrys-culture-ministry-180971236/

4.4.
Restitution: Was ist kulturelles Erbe?
Die Ethnologin Brigitta Hauser-Schäublin kritisiert in der NZZ die Forderung von Bénédicte Savoy und Felwine Sarr, alle Sammlungen in französischen Museen zurückzugeben, die während der Kolonialzeit in Afrika angelegt wurden. Dass es sich um ein politisches Manifest handle, das weit übers Ziel hinausschieße, zeige sich schon darin, dass die Autoren nicht von "Kulturgütern" sprechen, sondern von "kulturellem Erbe". Dieser Begriff suggeriere eine quasi verwandtschaftliche Beziehung und impliziere einen vorbestimmten und rechtmäßigen Eigner: die Nachfahren der ehemaligen Besitzer des Kulturguts. Der Bericht trage auch der Tatsache keine Rechnung, dass afrikanische Kulturgüter im Verlauf ihrer langen Zeit in einem französischen Museum ebenfalls zu einem Kulturgut (Erbe), und zwar zu einem solchen des betreffenden Landes, geworden sind. Kunst- und Ritualobjekte in Museen seien Knotenpunkte, welche die unterschiedlichsten Menschen aus früheren Zeiten und heute und deren Sichtweisen auf die Werke miteinander verbänden.
Brigitta Hauser-Schäublin: "Alles aus Frankreich muss zurück nach Afrika" (NZZ, 31.12.): https://www.nzz.ch/feuilleton/kulturelles-erbe-afrikas-in-frankreich-soll-restituiert-werden-aus-emmanuel-macrons-plaenen-wird-ein-politisches-manifest-ld.1444037


5. Studium, Job-Themen und Personalia
5.1.
Erich Claßen ist neuer Landesarchäologe für den rheinischen Teil Nordrhein-Westfalens
Der ehemalige stv. DGUF-Vorsitzende Dr. Erich Claßen ist seit 1.1. neuer Landesarchäologe für den rheinischen Teil Nordrhein-Westfalens. Er folgt auf Prof. Jürgen Kunow, der in den Ruhestand geht. Erich Claßen trat 2007 in den Dienst des Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, wechselte 2010 an die Archäologische Staatssammlung München, wo er als Referatsleiter für Vorgeschichte tätig war. 2013 übernahm Claßen die Leitung der Außenstelle Overath des des Amtes für Bodendenkmalpflege. - Lieber Erich, wir freuen uns riesig für Dich und wünschen Dir einen kraftvollen Start in der neuen Aufgabe! https://www.lvr.de/de/nav_main/derlvr/presse_1/pressemeldungen/press_report_164673.jsp

5.2.
Paläogenetikerin Viviane Slon unter den "Nature's 10"
"Was ist da schiefgelaufen? Habe ich einen Fehler gemacht?" Das fragte sich Viviane Slon zuerst, als sie die Ergebnisse der Erbgutanalysen aus der Denisova-Höhle zu Gesicht bekam. Die Französin, die am Leipziger Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie forscht, war im Begriff, anhand eines kleinen Knochensplitters herauszufinden, dass ein vor zirka 90.000 Jahren geborenes Mädchen direkt von einer Neandertaler-Mutter und einem Denisova-Vater abstammt (DGUF-Newsletter vom 17.9.2018 Punkt 3.6.). Bis heute ein einzigartiger Befund. "Slon’s perspective is unique among her peers", sagt der Paläoanthropologe Israel Hershkovitz, der ihre Arbeiten in der Vergangenheit bereits betreute. "When she speaks about the Neanderthal, she sees the Neanderthal. She sees its physiology, its anatomy, not just its genes." Nun wurde Slon in die jährliche "Nature's 10"-Liste aufgenommen, mit der die Fachzeitschrift herausragende Forscherinnen und Forscher würdigt.
"Nature’s 10 - Ten people who mattered this year: Viviane Slon, Humanity's Historian" (Nature, 18.12.):
https://www.nature.com/immersive/d41586-018-07683-5/index.html?sf204571114=1#slon
"Viviane Slon in den Top Ten. Die Max-Planck-Forscherin zählt laut dem Nature-Magazin zu den zehn Persönlichkeiten, die 2018 die Wissenschaft prägten" (Max-Planck-Gesellschaft, 18.12.): https://www.mpg.de/12598880/viviane-slon
Viviane Slon et al., The genome of the offspring of a Neanderthal mother and a Denisovan father (Nature, vol. 561,113–116, 22.8.; Closed Access): https://www.nature.com/articles/s41586-018-0455-x

5.3.
Neue museumspädagogische Leiterin im AFM Oerlinghausen: Dr. Greta Civis
Dr. Greta Civis ist ab Februar 2019 neue museumspädagogische Leiterin im Archäologischen Freilichtmuseum Oerlinghausen. Sie studierte in Leipzig, Berlin und Nottingham Ur- und Frühgeschichte, Philosophie und Linguistik. Nach dem Studium versorgte sie einige Jahre in der Bodendenkmalpflege in Brandenburg mit ihrem Team eingehende Funde archäologischer Grabungen. Anschließend promovierte sie in Wien bei Prof. Claudia Theune-Vogt über Entsorgungspraxis im mittelalterlichen Dorf oder: Müll im Mittelalter. Während dieser Zeit begann sie neben ihrem Stipendium, Touristen, internationalen Studierenden und Einheimischen die komplexe Geschichte Berlins zu erklären und arbeitete als historischer, privater Guide in und um Berlin. In ihrer Freizeit betrieb sie eine kleine Imkerei auf einem Friedhof und unterstützte Schulen in Berlin-Kreuzberg beim Aufbau von Schulimkereien. Danach arbeitete sie wissenschaftliche Volontärin am LWL-Museum für Archäologie in Herne.

5.4.
Dr. Doreen Mölders stellt sich Herner Museumsöffentlichkeit vor
Die neue Museumsleiterin (seit 1.1.) des archäologischen Landesmuseums für Westfalen ("LWL-Museums für Archäologie", Herne), Dr. Doreen Mölders, hat sich am 17.1. mit einem Antrittsvortrag der Herner Museumsöffentlichkeit vorgestellt. Ihr kurzfristig angesetzter, gut besuchter Vortrag "Vom Ausstellungen machen: Geschichte – Aktuelles – Visionen" war vom Förderverein des Museums organisiert worden, dessen Vorsitzende Ruth Pingel die neue Leiterin herzlich willkommen hieß. Mölders bot dem Auditorium einen interessanten, weit in die Geschichte zurückgreifenden Vortrag, in dem sie das Ausstellungsmachen seit den Raritätenkabinetten und Wunderkammern bis in die Jetztzeit in vier Zeitphasen gliederte und charakterisierte. Ihr gehe es weiterhin im Kern vor allem um das Museum als Ort der Wissensvermittlung, auch wenn Stichwörter wie "partizipativ" und "digital" heute wichtig seien. Persönliche Akzente und Ziele deutete sie in ebenso leisen wie deutlichen Tönen an. Die bewährte Dauerausstellung in Herne wolle sie erhalten und pflegen. Es müsse indes gelingen, u. a. durch mehr Events und mehr Nutzung digitaler Medien dem Museum ein breiteres, bunteres Publikum zuzuführen.
"Museum der Zukunft - mit Digitalisierung und Clubnächten. Neue Chefin im LWL-Museum für Archäologie in Herne" (Pressemitteilung LWL, 14.1.): https://www.lwl.org/pressemitteilungen/nr_mitteilung.php?urlID=46961
Förderverein LWL-Museum: http://foerderverein-lwl-museum.de/

5.5.
Mangel an Grabungs-Archäologen in Großbritannien - und auch in Deutschland
"10.000 Jahre britische Geschichte: Die größte archäologische Ausgrabungsstätte Europas" betitelt der Deutschlandfunk seinen auffallend gut informierten und gemachten Bericht (und Podcast) über "HS2" / High Speed 2", die neue Schnellbahnstrecke zwischen London und Birmingham. Vor knapp drei Monaten haben die vorgreifenden archäologischen Untersuchungen begonnen. An ca. 60 Plätzen entlang der 240 km langen Trasse werden, z. T. zeitlich parallel, bis ins Jahr 2020 Ausgrabungen stattfinden. Die britischen Kollegen rechnen mit einem Arbeitskräftebedarf allein für dieses Projekt von etwa 1.000 Ausgräbern. In dem Beitrag nennt die Projektleiterin Helen Wass ihr großes Problem: "Zurzeit gibt es in Großbritannien nicht genug Archäologen, sodass viele Fachkräfte aus dem europäischen Ausland eingestellt werden müssen. [...] Ohne europäische Unterstützung wird das Team es [...] nicht schaffen, alle geplanten Ausgrabungen bis zum Beginn der Bauarbeiten zu meistern." Damit bewahrheiten sich für Großbritannien nun die im April 2017 vorgestellten Analysen, die einen dramatischen Fachkräftemangel vorhersagten (DGUF-Newsletter vom 24.4.2017 Punkt 5.2.; ergänzend: 28.6.2017 Punkt 5.4.). Aus kontinentaler Sicht unterstreicht das zunächst einmal die Nützlichkeit einer persönlichen Zertifizierung beim Berufsverband CIfA, weil es die Chancen von Bewerbern massiv stärkt und deren faire Einordnung in die Gehaltsskala garantiert. Aber: Lineare Projekte mit massivem Archäologenbedarf gibt es auch in Deutschland, v. a. durch die mit der Energiewende verbundenen neuen Windparks und zusätzlichen nord-süd-verlaufenden Stromtrassen (vgl. DGUF-Newsletter vom 17.9.2018 Punkt 10.1.; vom 15.10.2018 Punkt 11.4.). So hört man aus Bayern vom Nachdenken über personelle Verstärkung aus dem Norden, so hört man aus Norddeutschland vom Nachdenken über Personalverstärkung aus dem Süden. ;-) Sprich: es zeichnet sich ein Mangel an gut ausgebildeten, grabungsfähigen Archäologen ab, und zwar nicht für irgendwann in einer fernen Zukunft. Die genannten neuen Bedarfe kommen zu der üblichen Altersfluktuation hinzu. Denn da derzeit in der staatlichen deutschen Archäologie kein umfassender Stellenabbau geschieht, werden diejenigen, die aus festen Stellen in Rente gehen, weitgehend 1:1 durch jüngere Archäologen ersetzt. Dank DISCO (Bentz & Wachter, 2014) lässt sich der aus der Altersfluktuation resultierende Bedarf an Nachwuchs gut abschätzen: DISCO schätzt die Zahl der in Deutschland beschäftigten Archäologen auf mindestens 4.700. Davon waren im Jahr 2013/14 ca. 6,5% im Alter von 61-65 und 13% im Alter von 55-60 (Bentz & Wachter, 2014, p. 40; p. 65 Tab. 24). Der Ersatz der Kohorte 61-65 (ca. 300 Stellen) dürfte inzwischen abgeschlossen sein, so dass im Jahrfünft 2019 ff. der Ersatz der damaligen Kohorte 55-60 Jahre ansteht: ca. 600 Stellen. Die Demografie der staatlichen beschäftigten Archäologen (denn DISCO 2012-14 hatte den Bereich der freien Wirtschaft weitgehend ignoriert) und der daraus abschätzbare Ausgleich der Altersfluktuation plus der aktuell deutlich anwachsende zusätzliche Bedarf im Grabungssektor bieten dem aktuellen Nachwuchs einen Markt, wie es ihn zuvor lange nicht mehr gab. Für die Archäologie liegt darin eine große Chance - denn Arbeitskräftemangel ist stets eine günstige Zeit, bessere Arbeitsbedingungen und angemessene Löhne nachdrücklicher Durchzusetzen als in Zeiten einer Flaute.
"10.000 Jahre britische Geschichte: Die größte archäologische Ausgrabungsstätte Europas" (Deutschlandfunk, 10.1.; Audio 6:00 Min.): https://www.deutschlandfunknova.de/beitrag/archaeologie-projekt-in-england-die-groesste-ausgrabungsstaette-europas
Bentz, M. & Wachter, T. (2014). Discovering the Archaeologists of Germany 2012-14. Bonn: Inst. für Archäologie und Kulturanthropologie: https://www.discovering-archaeologists.eu/national_reports/2014/DE%20DISCO%202014%20Germany%20national%20report%20german.pdf

5.6.
Der "Rundbrief Grabungstechnik" - ein empfehlenswertes DGUF-Newsletter-Konkurrenzprodukt von und für Frontschweine
Einen Newsletter zu archäologischen Themen - das gibt's natürlich nicht nur von der DGUF. (Obwohl dieser natürlich der beste, schönste, inhaltsreichste und delfinfreundlichst gefangene ist, logo. Also, wenn man die Newsletter-Redaktion fragt, jedenfalls.) Insbesondere für die grabende Fraktion in der Archäologie ist sehr zu empfehlen der Newsletter des Verbands für Grabungstechnik und Feldarchäologie e. V. (VGFA), dessen Schwerpunkt auf - Ihr habt es natürlich richtig geraten - dem Outdoor-Teil der archäologischen Arbeit liegt. Der "Rundbrief Grabungstechnik" wird zweimal im Jahr als E-Mail an die Abonnenten versandt, steht aber zeitnah auch als PDF auf der Website des VGFA zur Verfügung. In der mittlerweile 14., einmal mehr gut lesbar gelayouteten Ausgabe erschienen, bietet er eine Sammlung von Kurzartikeln und Kurzmeldungen, Tipps & Tricks, Literaturhinweisen, Tagungsankündigungen und spannenden Internet-Links zur Feldarchäologie. Aus dem aktuellen Inhalt: "Grenzzeichen im archäologischen Befund" (Hervorragend zum Lernen neuer Wörter - oder ist "Malhaufen" nur zufälligerweise am Arbeitsort des Newsletter-Redakteurs eine vollkommen unbekannte Befundgattung?), "SfM: Foto- oder Videoaufnahmen? - Ein Methodenvergleich" (Ja, das geht tatsächlich mit guten Fotos besser als mit schlecht aufgelösten Videoframes...), daneben Spannendes zu Lackprofilen, Schwarzerden, Geophysik in der DDR (Ja, das IST spannend!) und vieles mehr. Merke: Agisoft Photoscan heißt jetzt Metashape (und die neue Programmversion ist ein echter Fortschritt - aber dieses 3D-Gemodelliere, das ist eigentlich ein anderes Thema...). Insbesondere allen Frontschweinen da draußen im Schlamm sei der Rundbrief Grabungstechnik also wärmstens ans Herz gelegt - er könnte jede Menge relevanter Informationen enthalten, die Euer Leben leichter und Eure Arbeit besser machen! Der VGFA-Newsletter wird allen Interessierten kostenlos zugeschickt.
Verband für Grabungstechnik und Feldarchäologie: http://feldarchaeologie.de/
VGFA-Newsletterarchiv: http://feldarchaeologie.de/publikationen/newsletter/

5.7.
Herzliche Staffelübergabe am Neanderthal Museum in Düsseldorf-Mettmann
Am 18.1. erfolgte im Neanderthal Museum Mettmann im Rahmen einer von Fachkollegen wie auch Politik und Gesellschaft sehr gut besuchten Feier die Staffelübergabe des Gründungsdirektors Prof. Dr. Gerd-Christian Weniger an seine Nachfolgerin Dr. Bärbel Auffermann. Die Abschieds- wie die Begrüßungsreden des Vorsitzenden des Stiftungsrates der Stiftung Neanderthal Museum, Prof. Dr. Dr. Gert Kaiser, und des Landrats Thomas Hendele fielen durch eine große Herzlichkeit, tiefen Respekt und menschliche Verbundenheit mit der alten wie der neuen Leitung auf. Bärbel Auffermann betonte in ihrer Rede die Bedeutung des starken Teamgeists am Hause und die aktuell gute Position des Museums in der Forschung. Deren Resultate müssten noch stärker als bisher auch in die Museumsarbeit einfließen. Vor ihr stehe nicht nur die Realisierung des verabschiedeten "Masterplans Neandertal", vielmehr müsse das Haus selbst anschließend um angemessene Räume für Wechselausstellungen erweitert werden. "Ich verspreche Ihnen, dass ich alle in mich gesetzten Erwartungen erfüllen werde", versicherte sie mit Blick auf die anwesenden Politiker und Mitglieder des Stiftungsrates.
"Führungswechsel im Neanderthal Museum. Gerd-C. Weniger übergibt den Staffelstab an Bärbel Auffermann" (Kreis Mettmann, 18.1.): https://www.kreis-mettmann.de/Quickmenu/Startseite/F%C3%BChrungswechsel-im-Neanderthal-Museum.php?object=tx,2.1&ModID=7&FID=2023.5054.1&NavID=2023.541&La=1
"Wegbegleiter verabschieden Museumsdirektor" (Rheinische Post, 21.1.): https://rp-online.de/nrw/staedte/mettmann/mettmann-wegbegleiter-verabschieden-direktor-des-neanderthal-museums_aid-35760327


6. Sharing Heritage: Erstes europäisches Kulturerbejahr 2018 (EYCH 2018)
6.1.
Sharing Heritage: Rückblick auf das erste europäische Kulturerbejahr 2018
So ist das mit Motto-Jahren: sie werden mit Pomp und Blitzlichtgewitter sehr offiziell eröffnet, die geplanten Events finden statt, doch am Ende kleckern sie oft einfach aus. Nachfrage also: was wurde im europäischen Kulturerbejahr "Sharing Heritage" (EYCH) erreicht, was bleibt? Die Europäische Kommission hat zehn Schlüsselpartner gebeten, eine Zusammenschau zu erarbeiten, was an in die Zukunft weisenden Ergebnissen bleibt. Die nun auf einer Website erreichbare Zusammenstellung gibt einen lesenswerten und wohl auch realistisch unsepktakulären Überblick. Eine Zusammenfassung zusammenzufassen - das macht hier wenig Sinn, tiefer Interessierte mögen die relativ kurze, informative und link-reiche Webseite selbst aufsuchen. "Viel Papier" möchte man nach gründlichem Durchklicken unterm Strich sagen, d. h. vielerlei Pläne und politische Zielsetzungen (Leeuwarden Declaration, Barcelona Declaration), diverse Handreichungen für Praktiker, die im weitesten Sinne mit dem kulturellen Erbe zu tun haben (Lehrer, Denkmalpfleger, Politiker, Tourismusmanager etc.). Auch wenn vieles eher klein oder eher als unfertig und "in Arbeit" daherkommt: in Summe wird deutlich, dass EYCH 2018 dazu geführt hat, dass sich Menschen international begegnet sind und zusammengetan haben. Kulturelles Erbe ist ja vor allem handfest, ortsfest, lokal oder regional - und offenbar hat EYCH 2018 in vielfältigen Konstallationen Praktiker, Aktive und Poliker transnational zusammengebracht, um im Wissens- und Erfahrungsaustausch voneinander zu profitieren, sich gegenseitig zu stärken. Das ist oft unspektakulär und auch klein-klein, aber wertvoll.
"The European Year of Cultural Heritage - what are the outcomes?" (eruopa.eu, 20.12.2018): https://europa.eu/cultural-heritage/news/european-year-cultural-heritage-what-are-outcomes_en

6.2.
Persönlicher Rückblick des EAA Präsidenten Felipe Criado-Boado auf EYCH 2018
Am 6.-7.12.2018 fand in Wien die offizielle Schlussveranstaltung des Europäischen Kulturebejahres EYCH 2018 statt. Im Hinblick darauf zog die EAA bereits am 8.9.2018 mit einem "Barcelona statement" ganz offiziell ihre Bilanz zu diesem Motto-Jahr der EU. Darin bedankt sich die EAA für die hervorgehobene Rolle, die sie bei diesem wichtigen kulturellen Ereignis spielen durfte - u. a. konnte die EAA Institutionen und Ereignissen das Führen des offiziellen EYCH-Labels gestatten. Dank EYCH sei es der EAA gelungen, europaweit die Belange der Denkmalpflege zu stärken und noch mehr als sonst an Politiker und Entscheider heranzutragen. Aus Sicht der EAA ist das Kulturelle Erbe keine abgeschlossene Vergangenheit, sondern ein fortdauernder und in die Zukunft weisender Prozess: "Europe is continually creating its heritage." Daher werde die EAA auch mit dem Ende von EYCH 2018 nicht ruhen, sondern sich z. B. 2019 zur Europawahl mit Wahlprüfsteinen an die Parteien wenden, um Politiker wie Wähler auf wichtige Belange des Kulturellen Erbes aufmerksam zu machen. Im allenthalben sichtbaren laufenden Veränderungsprozess in Europas Politik und Gesellschaften müsse die Archäologie präsent(er) sein und sich einbringen, um unserer Gegenwart zu nützen. Jenseits solch offizieller Statements fällt die persönliche Bilanz des EAA-Präsidenten Felipe Criado-Boado allerdings skeptischer aus, wie er der Newsletter-Redaktion gegenüber einräumte. EYCH habe im Grunde auch deutlich gemacht, dass viele wichtige Player in Europa die Archäologie nicht als einen wirklich wichtigen Teil des Kulturellen Erbes wahrnähmen. Gewiss, es gebe Archäologie und sie sei z. B. in der Praxis von Bau- und Erschließungsmaßnahmen auch handfest präsent, aber sie spiele bei der Debatte um das Kulturelle Erbe und dessen Bedeutung für die Weiterentwicklung unserer Gesellschaft keine erkennbare Rolle. Das liege, so Criado-Boado, nicht nur an den Anderen, sondern vor allem auch an der Archäologie selbst. Der aktuell wiedererstarkte Empirismus und Positivismus in der Archäologie selbst betone andere Themen und vergesse die Debatte um das Kulturelle Erbe und um die Bedeutung der Archäologie für aktuelle gesellschaftliche und politische Prozesse, und dies sei "one of the reasons because I am trying to create a new agenda on archaeology and heritage in the EAA".
"#EuropeForCulture – Abschlusskonferenz zum Europäischen Kulturerbejahr 2018. Wien, 6.-7.12.2018" (EU Rat, Dez. 2018): https://www.eu2018.at/de/calendar-events/political-events/-Europe-for-Culture---Closing-Conference-of-the-European-Year-of-Cultural-Heritage-2018.html
"EAA and the aftermath of the European Year of Cultural Heritage" (EAA, 8.9.2018): https://www.e-a-a.org/EAA/Navigation_News/Barcelona_statement.aspx


7. Open Access & Open Data
7.1.
Die Lizensierung nach Creative Commons (CC) in der britischen Wissenschaftslandschaft
Ein nützlicher Situationsbericht zur britischen Rechtslage und -debatte um Open Access: lesenswert, wenn man in Großbritannien forscht oder publiziert. In Folge des sog. Finch Berichts 2012 ist die britische Forschungsförderung dazu übergegangen, von staatlich gefördertern Projekten das Publizieren im Open Access zu verlangen, bevorzugt in der Lizensierung CC BY. Dafür werden regelhaft auch Publikationsgebühren gezahlt. Doch wer ist eigentlich derjenige, der über die Lizensierung entscheiden kann: der Autor (Urheber) oder sein Arbeitgeber? Wie steht es um die diversen Derivate der CC-Lizensierung? Wie steht es um spezielle Lizensierungsangebote von Elsevier, und evtl. resultierende Publikaionen auf dem Grünen Weg? All das wird in einem Aufsatz von Ruth Mallalieu klug behandelt und erklärt: relevant und nützlich für Betroffene.
Mallalieu, R. (2019). The elusive gold mine? The finer details of Creative Commons licences – and why they really matter. Insights, 32(1), 1: https://insights.uksg.org/articles/10.1629/uksg.448/

7.2.
"Zögerliche Offenheit": Open Access aus der Sicht von Wissenschaftsverlagen
Open Access ist eine stark zunehmend erhobene Forderung von Forschungsförderern. Doch wie sieht es mit der Umsetzung in die Praxis aus? Aus dem Thema DEAL & Elsevier lernen wir, dass es im Zeitschriftenwesen der großen Wissenschaftsverlage um spektakulär viel Geld geht und dass die Realisierung von Open Access teils auf dem Weg ist und teils klemmt - doch der Bereich der kleinen und mittleren Verlage und vor allem das Monografienwesen bleiben aus der breiten Wahrnehmung ausgeblendet. Eine Umfrage bei 82 Verlagen Mitte 2018, deren Ergebnisse nun veröffentlicht wurden, leuchtet diese Sphäre aus. In Summe zeigt sich eine zögerliche Offenheit, d. h. man weiß in den Verlagen, worum es geht, ist einigermaßen informiert, eher skeptisch als enthusiastisch, sieht jedoch Open Access auch nicht als Weltuntergang an. Es komme darauf an, nun auch nachhaltige Geschäftsmodelle zu finden, sprich: die Finanzierung der Dienstleitungen der Verlage. Indes: "Die Verlage" gibt es nicht, schlussfolgern die Autoren der Studie; zu bunt ist derzeit noch das Spektrum zwischen Skepsis und Abwarten einerseits und schnellem Umstellen auf die neuen Randbedingungen und Möglichkeiten andererseits. Ein wertvoller Einblick in eine wichtige, vielfach jedoch vernachlässigte Gruppe wichtiger Player.
Kaier, Chr. & Lackner, K. (2018). Open Access aus der Sicht von Verlagen. Ergebnisse einer Umfrage unter Wissenschaftsverlagen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. BIBLIOTHEK – Forschung und Praxis, 2018, AR 3262: https://edoc.hu-berlin.de/bitstream/handle/18452/20410/AR_3262_Kaier_Lackner_Preprint_BFP_2018.pdf?sequence=1&isAllowed=y

7.3.
Urheberrechtsnovelle in Belgien macht Autoren sehr stark
Weitgehend still (und auch vom DGUF-Newsletter zunächst unbemerkt) hat Belgien am 5.9.2018 das Urheberrecht für belgische Wissenschaftler novelliert. Gemäß dem neu formulierten § 29 können Autoren, deren Publikation auf staatlich geförderten Projekten beruht (mindestens 50 % staatl. Mittel) ihre Aufsätze nach einer Sperrfrist in den Grünen Open Access geben, also z. B. bei Academia.edu oder ResearchGate.net einstellen. Bei den Geistes- und Sozialwissenschaften beträgt diese Sperrfrist zwölf Monate, für alle übrigen Wissenschaften sechs Monate. "Ach ja, so wie bei uns in Deutschland"? Nein! Denn das belgische Recht sagt neu (und anders als in Deutschland), dass diese Relegung auch dann gilt, wenn Autor und Verlag eine anderslautende Vereinbarung (beispielsweise mit "ewiger" oder längerer Sperrfrist) getroffen haben. Das macht Wissenschaftsautoren sehr stark. Streng genommen gilt dieses Recht ohne Wenn und Aber für belgische Wissenschaftler in Publikation, die in Belgien erschienen sind - doch im Grunde müsste der belgische Staat nun seine Bürger (Wissenschaftler) auch dann schützen, wenn sie dieses Recht auch für Werke in Anspruch nehmen, die sie in nicht-belgischen Verlagen veröffentlicht haben - von interessanten Konstellationen der Art "Belgier forscht im Ausland" oder "Belgier ist Co-Autor in nicht-belgischer Autorenkette" einmal ganz abgesehen. Ein spannender Schritt!
Rentier, B.: "A small change in a law, a giant leap for knowledge sharing" (Bernard Rentier,, 27.12.): https://bernardrentier.wordpress.com/2018/12/27/a-small-change-in-a-law-giant-leap-for-knowledge-sharing/
Rentier, B.: "What does the recently revisited Belgian copyright law for scholarly publications say, actually?" (Bernard Rentier, 29.12.): https://bernardrentier.wordpress.com/2018/12/29/what-does-the-recently-revisited-belgian-copyright-law-for-scholarly-publications-say-actually/

7.4.
Bedeutender Open Access Erfolg für DEAL
Das deutsche Konsortium DEAL und der Wissenschaftsverlag Wiley ("John Wiles & Sons", New Jersey, USA) haben am 15. Jan. 2019 in gleichzeitig erschienenen Pressemeldungen ihre Einigung auf einen nationalen Open Access für alle Zeitschriften des Wiley-Verlags bekannt gegeben. Für einen Dreijahreszeitraum zahlt DEAL eine Pauschalsumme an Wiley, im Gegenzug erhalten alle Leser in Deutschland einen freien Lesezugriff auf diese ca. 1.700 Zeitschriften, und zwar rückwirkend bis einschließlich Jahrgang 1997. Zugleich können Forscher der ca. 700 unter DEAL zusammengeschlossenen deutschen Wissenschaftsinstitutionen bei Wiley ohne individuelle Publikationsgebühren (APC) im Open Access unter der Lizenz CC BY veröffentlichen, weil diese APCs mit der Pauschalzahlung abgegolten sind. Wiley ist einer der drei weltweit größten Wissenschaftsverlage (Elsevier, Springer Nature, Wiley), an die gemeinsam mehr als 50% der deutschen Bibiotheks-Etats fließen.
Pressemitteilung: "Wiley und Projekt DEAL unterzeichnen Einigung" (HRK Hochschulrektorenkonferenz, 15.1.): https://www.hrk.de/presse/pressemitteilungen/pressemitteilung/meldung/wiley-und-projekt-deal-unterzeichnen-einigung-4493/
"Wiley and Projekt DEAL partner to enhance the future of scholarly research and publishing in Germany" (Wiley Newsroom, 15.1.): https://newsroom.wiley.com/press-release/all-corporate-news/wiley-and-projekt-deal-partner-enhance-future-scholarly-research-an

7.5.
Euroscience führt öffentliche Konsultation zu "Plan S" durch
Mit dem "Plan S" möchte die europaweite Initiative "cOAlition S" aus finanzstarken und einflussreichen Forschungsfinanzierern (bislang ohne deutsche Institutionen) das wissenschaftliche Publizieren im Open Access ab 1.1.2020 verbindlich machen (vgl. DGUF-Newsletter vom 17.9.2018, Punkt 7.1.; vom 15.10.2018 Punkt 7.1.; vom 19.11.2018 Punkt 7.8.). Im Unterschied zu den üblichen Absichtserklärungen enthält "Plan S" dazu ganz konkrete Regularien und Umsetzungsszenarien und möchte diese weiterentwickeln. Aktuell hat Euroscience, eine 1997 gegründete europäische Vereinigung von Wissenschaftlern, Institutionen und wissenschaftlich Interessierten, eine öffentliche Konsultation zu "Plan S" lanciert. Euroscience möchte die Rückmeldungen sammeln und dann als Stellungnahme zu den bereits vorliegenden Plänen bei "cOAlition S" eingeben. Da "cOAlition S" nur finanzkräftige Forschungsförderer und Entscheider als Mitglied aufnimmt, bietet die Initiative von Euroscience eine begrüßenweserte Option für alle Wissenschaftler, sich auch persönlich in diese wichtige Debatte und Gestaltung ihrer künftigen Publikationslandschaft einzubringen. Für die DGUF hat der Vorstand sich an der Konsultation beteiligt und das Fehlen der im Bereich Geistes- und Sozialwissenschaften so wichtigen Monografien im bisherigen "Plan S" bemängelt sowie Anpassungen beim Urheberrecht benannt, die dem Publizieren im Open Access förderlich wären.
Euroscience-Konsultation: https://www.Euroscience.org/news/consultation-on-open-access/
Fragebogen (noch bis 6.2.): https://www.Euroscience.org/news/consultation-on-open-access/


8. Bürger und Archäologie & Citizen Science
8.1.
Studie: Ist Crowdsourcing wirklich eine Möglichkeit, mehr Bürger-Teilhabe zu erreichen?
Der 2006 geprägte Begriff "Crowdsourcing" verbindet mit dem Gedanken der Unterstützung u. a. von Museen, Archiven etc. nicht nur den Aspekt, freiwillige (unbezahlte) Arbeitskräfte für öffentliche Einrichtungen zu gewinnen, sondern auch den Gedanken einer Demokratisierung solcher Einrichtungen, ein Mehr an Bürgerteilhabe und -einfluss. Die Autoren einer soeben veröffentlichten Studie schöpfen aus den Erfahrungen von MicroPasts, einer 2013 vom UCL und dem British Museum gegründeten Crowdsourcing Plattform, welche die Zusammenarbeit zwischen Bürgern und Institutionen fördern und auch untersuchen will. Nach nunmehr fünf Jahren und 25 von MicroPasts unterstützten resp. koordinierten Projekten können die Autoren auf Basis übergreifender Erfahrung bilanzieren: Sehr viele Besucher der Websiste MicroPasts und Teilnehmer einer Umfrage sind Archäologie- und Museums-Profis, die sich ihrerseits über Crowdsourcing informieren möchten. Diejenigen, die als Bürger die Seite besucht haben und an Projekten mitwirkten, machen etwa ein Viertel aus und haben sich vor allem auf ein spezifisches Projekt fokussiert, auf "ihr" Projekt. Daher eigne sich, so die Autoren, eine Plattform wie MicroPasts nicht dafür, ganz allgemein einen Pool freiwilligen Arbeitskräfte für unterschiedlichste Projekte zu formen. Soziokulturell weite Crowdsourcing den Kreis interessierter Bürger nicht: An Crowdsourcing-Projekten nähmen vor allem die sozialen und Bildungsschichten teil, die auch sonst die jeweiligen Einrichtungen besuchen. Die angestrebte Demokratisierung oder auch Verbreiterung der Gruppe der Interessierten finde kaum statt. - Der lesenswerte Berichts wurde im Open Access publiziert.
Bonacchi, Ch., Bevan, A., Keinan-Schoonbaert, A., Pett, D. & Wexler, J. (2019). Participation in heritage crowdsourcing. Museum Management and Curatorship (2. Jan 2019), https://doi.org/10.1080/09647775.2018.1559080
MicroPasts: https://crowdsourced.micropasts.org/


9. Ausstellungen und Museen
9.2.
BGH-Urteil im "Bilderstreit" zu Gunsten Reiss-Engelhorn-Museen, gegen Wikimedia
Am 20.12. hat der Bundesgerichtshof (BGH) das abschließende Urteil im "Bilderstreit" zwischen den Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim (REM) und der Wikimedia Deutschland gefällt. Im Kern geht es darum, ob Werke, die nach Ablauf des Urheberrechts "gemeinfrei" sind, frei verwendet werden können, z. B. für das Lexikon Wikipedia. Nach dem Urteil des BGH ist dies nicht der Fall: Zum einen herrscht in den REM kraft Hausrecht Fotografierverbot, d. h. Dritte dürfen dort keine Reproduktionen von Bildern angefertigen. Zum anderen entsteht - so nun der BGH - auch bei einer einfachen 1:1-Reproduktion ein Urheberrecht nach § 72 UrhG seitens des Fotografen - im gegebenen Fall eines Fotografen der REM Mannheim, sodass die Verwertungsrechte exklusiv bei den REM liegen. In Konsequenz ist zwar das fotografierte Bild selbst gemeinfrei, aber seine Reproduktion wiederum durch das Urheberrecht geschützt. Das Urteil hat erhebliche Konsequenzen auf die Nutzung von Bildern, nicht nur im Internet. Denn bislang wurde i. d. R. die Ansicht vertreten, dass 1:1-Reproduktionen die nötige "Schöpfungshöhe" fehle, die erst ein Urheberrecht begründet. Viele Kommentatoren sehen nun den Gesetzgeber in der Pflicht, per Novelle wieder eine am Gemeinwohl orientierte Gesetzgebung zu verabschieden. Marcus Cyron bewertete den Sachverhalt am 7.1. auf Twitter übrigens wie folgt: "Das #ReissEngelhorn-Museum bekommt jetzt seinen Willen. Bilder auf Wikimedia Commons werden gelöscht. Na dann eben andere Bilder für den Artikel 'Schwarzfigurige Vasenmalerei', die dann wie 2018 etwa 8000x (de) oder gar 45.000x (en) aufgerufen wurden. Keine Außenwirkung mehr." Cyron ist langjähriger und bekannter Autor in der Wikipedia und war 2012/2013 als erster "Wikipedian in Residence" im DAI tätig (DGUF-Newsletter vom 5.6.2012 Punkt 4.4. und vom 13.9.2013 Punkt 6.2.).
Damian Kaufmann: "Reiss-Engelhorn-Museen versus Wikipedia: Das Urteil des BGH" (Zeilenabstand, 20.12.): https://www.zeilenabstand.net/wie-bgh-und-reiss-engelhorn-museen-freien-kulturaustausch-unterbinden/
John Weitzmann & Lisa Dittmer: "Urteil zu gemeinfreier Kunst: Kulturerbe für alle, aber nicht im Netz" (Wikimedia Blog, 20.12.): https://blog.wikimedia.de/2018/12/20/urteil-zu-gemeinfreier-kunst-kulturerbe-fuer-alle-aber-nicht-im-netz/
"Reiss-Engelhorn-Museen: Wikipedia verliert vor dem Bundesgerichtshof" (Golem, 20.12.): https://www.golem.de/news/reiss-engelhorn-museen-wikipedia-verliert-vor-dem-bundesgerichtshof-1812-138354.html

9.3.
Schweizer Museen mit anderer Haltung zu Bildrechten
Das Urteil des Bundesgerichtshofes in Deutschland in Sachen Bildrechte, Wikipedia & REM ist noch frisch (vgl. Punkt 9.2. in diesem Newsletter), da werden in der Schweiz ähnliche Bemühungen virulent. Auch in das Schweizer Urheberrecht soll neu ein Lichtbildschutz aufgenommen werden, der (rückwirkend!) ohne jede Schöpfungstiefe auch an 1:1 Reproduktionen ein Urheberrecht entstehen ließe, mit gewiss ähnlichen Konsequenzen wie in Deutschland. Das bereitet, anders als in Deutschland, dem Schweizer Verband der Museen (VMS) und ICOM Schweiz (Internationaler Museumsrat) Sorge, sie wenden sich gegen die Gesetzesinitiative. Bemerkenswert!
C. Müller-Straten: "Schweizer Museumsverband lehnt Urheberrechtsschutz für alle Fotos ab" ("Museum aktuelle", 11.1.2019): http://blog.museum-aktuell.de/categories/5-Aktuelles-zur-CULTURA-SUISSE

9.4.
Bildsprache, Inhalte-Mengen oder Hashtag-Auswahl: Die größten Fehler von Museen bei Instagram
Die Literaturwissenschaftlerin und Soziologin Bloggerin Angelika Schoder hat bei mus.er.me.ku in einem kurzen, wirklich guten Beitrag zusammengefasst, was es für Museen bedeutet, sich im Sozialen Netzwerk Instragram aktiv zu bewegen. Nach Lektüre von elf Tips weiß man entweder, dass man alles richtig macht oder was man noch besser machen könnte - oder warum man den Kanal Instagram besser nicht einsetzt. Lesenwert!
Angelika Schoder: "Die größten Fehler von Museen bei Instagram – und wie man sie vermeidet" (mus.er.me.ku, 9.1.): https://musermeku.org/museen-bei-instagram/

9.5.
"Es zerreißt einem das Herz!" Rezension zu: "Bewegte Zeiten: Archäologie in Deutschland" (Berlin, 21.9.2018-6.1.2019)
Die Ausstellung "Bewegte Zeiten" präsentierte sich bis 6.1. als der große deutsche Beitrag zu "Sharing Heritage", dem Europäischen Kulturerbejahr 2018 (zu diesem mehr in diesem Newsletter unter Punkt 6). "Es ist folglich legitim und geboten", schreibt Rezensent Frank Siegmund, "der Ausstellung mit hohen Erwartungen zu begegnen". In den Feuilletons falle der Tenor durchweg positiv aus. Die Autoren der Medienbeiträge beweg neben der Fülle der gezeigten Kostbarkeiten vor allem die von der Ausstellung ausgehende Botschaft, dass die Welt hinsichtlich Handel, Globalisierung und v. a. Migration im Grunde schon immer so gewesen sei wie heute. Deutlich kritischer fielen die Äußerungen aus der Fachwelt aus. Und auch Frank Siegmund findet nicht eben wenige Schwachpunkte: Verwirrung und Informationsarmut sei geradezu ein Gestaltungselement der Schau; er beobachtet fehlender Beschriftungen und Besucher mit mitgebrachten Taschenlampen, die in der Dunkelheit Objekte und Texte zu erkennen versuchen. "Es zerreißt einem das Herz!", so Siegmund, "Denn es ist eine wirklich sensationelle Versammlung von großartigen Funden, die hier zusammengetragen sind, ein archäologisches ‚Highlight‘ neben dem nächsten – das regelhaft erklärungsarm bis -los mehr oder weniger achtlos irgendwohin dekoriert wird. Der Speer von Schöningen, tatsächlich ein Fund von Weltrang: im Dunkeln achtlos an die Wand gepflastert in einem vor allem mit (passabel gut beleuchteten, also ablenkenden) Neuzeit-Objekten besetzten Raum. Wen kann es wundern, dass Besucher um Besucher achtlos am Speer vorbeischlendert?" Fachintern bedürfe dieses Desaster der Aufarbeitung.
Siegmund, F. (2019). Rezension zu: "Bewegte Zeiten: Archäologie in Deutschland". Museum für Vor- und Frühgeschichte, Staatliche Museen zu Berlin – Gropius Bau, 21. Sept. 2018 bis 6. Jan. 2019. Archäologische Informationen, Early View, online publiziert 24. Jan. 2019.
http://www.dguf.de/fileadmin/AI/ArchInf-EV_Siegmund3.pdf


10. Und sonst …
10.1.
USA und Israel verlassen UNESCO
Zum Jahreswechsel sind die USA und Israel aus der UNESCO ausgetreten. Das hatten beide Länder bereits 2017 angekündigt. Hintergrund ist die Sorge, die Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur schüre anti-israelische Vorurteile.
"Schwerpunkt: USA treten aus der UNESCO aus" (Tagesschau, 27.12.): https://www.tagesschau.de/multimedia/video/video-487489.html
"Goodbye, UNESCO: Israel and US quit UN heritage agency" (Deutsche Welle, 1.1.): https://www.dw.com/en/goodbye-unesco-israel-and-us-quit-un-heritage-agency/a-46910385

10.2.
Mit Risiken und Nebenwirkungen: Genetische Ahnenforschung per DNA-Test
Schon mal überlegt - oder es sogar getan: die eigene DNA auf Herkunft und Verwandschaft testen lassen? Genetische Ahnenforschung bieten Unternehmen wie Ancestry, 23andMe oder MyHeritage an. Während der Eine darauf brennt zu erfahren, wo bisher unbekannte Verwandte leben, macht ein Anderer womöglich unbequeme familiäre Entdeckungen. Und Datenschützer warnen: Die genetischen Daten, welche die Unternehmen erheben – beispielsweise "über körperliche und seelische Dispositionen, über schicksalhafte Krankheitsrisiken und vieles mehr" –, dürfen sie auch verwenden. Beispielsweise hat das Pharmaunternehmen GlaxoSmithKline für fünf Jahre die Rechte eingekauft, die Kundendaten von 23andMe zu nutzen. Die Ansprüche auf Löschung seiner Daten sind für denKunden hingegen eingeschränkt.
Genetische Ahnenforschung: DNA-Test als Weihnachtsgeschenk? (Deutschlanfunk, 19.12.): https://www.deutschlandfunk.de/genetische-ahnenforschung-dna-test-als-weihnachtsgeschenk.676.de.html?dram:article_id=436383
"Ancestry: Datenschützer warnen vor DNA-Analyse übers Netz" (heise.de, 18.12.): https://www.heise.de/newsticker/meldung/Ancestry-Datenschuetzer-warnen-vor-DNA-Analyse-uebers-Netz-4255398.html

10.3.
Umsetzung der Konvention von Malta/La Valletta in Österreich auf Umwegen: weit gediehen
Österreich hat die Konvention von Malta/La Valletta erst 2015 ratifiziert, nach Ansicht der österreichischen Politik jedoch zuvor schon vollständig umgesetzt (parlament.gv.at, 25.6.2014). Zumindest die Bestimmungen des Art. 5 dieser Konvention betr. Beteiligung der Archäologie an Raumordnungs- und Bauplanungsprozessen sind jedoch kaum realisiert, wie Vertreter von ArchaeoPublica (der österreichischen Citizen-Science-Organisation der Archäologie) der DGUF-Newsletterredaktion gegenüber darlegten. So müssen bei Raumordnungsverfahren bisher nur unter Denkmalschutz gestellte oder als archäologische Verdachtsflächen ausgewiesene Gebiete berücksichtigt werden; eine archäologische Beteiligung am Bauplanungsprozess gibt es bisher praktisch nur im Rahmen von UVP-pflichtigen Maßnahmen. Um mehr Einbindung archäologischer Belange in die Bauplanungs- und Raumplanungsprozesse zu erreichen, hat Austrian Standards (das österreichische Normungsinstitut) eine Expertengruppe eingesetzt, in der auch Archäologen (Dr. M. Macek; Prof. R. Karl) vertreten waren, und jetzt eine österreichische Industrienorm (ÖNORM) zur "Identifikation und Bewertung von Risiken im Boden von Liegenschaften" entwickelt. Diese soll Grundeigentümer, Bauherren und Bauberechtigte, die eine mit Bodeneingriffen verbundene Änderung der Liegenschaftsnutzung planen, dazu verpflichten, schon in der Planungsphase eine umfassende Risikovorerkennung vorzunehmen. Sie prüft, ob bei der Durchführung der geplanten Maßnahmen mit archäologischen Überresten zu rechnen ist. Ebenso werden Planungsbehörden dazu angehalten, im Rahmen von Flächenumwidmungs- und Raumordnungsverfahren solche Risikovorerkennungen durchzuführen. Eine solche Vorerkennung ist durch einschlägig qualifizierte Fachleute/-firmen durchzuführen. Der auf diese Weise entwickelte Stand der Technik ist vor allem im Bereich der Kreditfinanzierung und Ausfallsrückversicherung von Baumaßnahmen relevant. Das Vorgehen bewirkt in der Praxis eine Umsetzung der Bestimmungen des Art. 5 der Malta-Konvention. Bei den meisten Bauvorhaben (unabhängig vom Bauvolumen) wird eine präventive archäologische Voruntersuchung der betroffenen Grundstücke stattfinden. Der Entwurf der ÖNORM S 2411 wird am 1.2. auf der Website von Austrian Standards zur öffentlichen Konsultation freigeschaltet. Stellungnahmen können dann über das Web-Interface von Austrian Standards bis zum 15.3. eingesandt werden und sollen anschließend für die Endfassung der Norm berücksichtigt werden. Mit der Veröffentlichung und dem Inkrafttreten der ÖNORM S 2411 wird für Mitte 2019 gerechnet.
"Erläuterungen" (parlament.gv.at, 25.6.2014): https://www.parlament.gv.at/PAKT/VHG/XXV/I/I_00201/imfname_355321.pdf
Austrian Standards, Normentwürfe (für Textentwurf ÖNORM S 2411): https://committees.austrian-standards.at/national_workprogramme/drafts
Austrian Standards, Normen-Entwurf-Portal (zur Abgabe von Stellungnahmen): https://www.austrian-standards.at/ueber-standards/standards-aktiv-mitgestalten/normen-entwurf-portal/
Konvention von Malta/La Valletta: https://www.coe.int/en/web/conventions/full-list/-/conventions/rms/090000168007bd3c

10.4.
Land Baden-Württemberg beschließt kulturpolitisches Dach für die Keltengeschichte
Am 8.1. gab die baden-württembergische Landesregierung offiziell bekannt, die Erarbeitung einer "kulturpolitischen Landeskonzeption 'Baden-Württemberg und seine Kelten'" beauftragt zu haben, um "die historische Bedeutung der Kelten für Baden-Württemberg [...] sicht- und erfahrbar" zu machen. Eine Arbeitsgruppe soll eine landesweite Kelten-Konzeption entwerfen. Um die Heuneburg herum soll ein Erlebnispark entstehen, und die vielen, weit über's Land verteilten bedeutenden Fundstätten dieser Epoche sollen publikumswirksam inszeniert werden. Es gehe auch um eine gezielte kulturelle Förderung des ländlichen Raumes. "Entscheidend sei es dabei, sowohl der wissenschaftlichen Forschung als auch einer publikumsnahen Vermittlung gleichermaßen Raum zu geben und beides stärker als bisher miteinander zu verbinden." Zur organisatorischen Anbindung an bestehende Verwaltungsstrukturen sollen ab dem Jahr 2020 die "Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg" die Trägerschaft für die Heuneburg übernehmen. Kosten für nötige Baumaßnahmen sollen in den Landeshaushalt 2022/23 eingestellt werden.
"Baden-Württemberg und seine Kelten" (Staatsministerium Baden-Württemberg, 8.1.): https://www.baden-wuerttemberg.de/de/service/presse/pressemitteilung/pid/baden-wuerttemberg-und-seine-kelten-1/
Arnold Rieger: "Geschichte soll erlebbar werden: Dem Land sind die Kelten lieb und teuer". (Stuuttgarter Zeitung, 8.1.2019): https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.geschichte-soll-erlebbar-werden-dem-land-sind-die-kelten-lieb-und-teuer.a5a5ea75-ec7f-49f8-a45d-4d60c7d9da44.html

10.5.
Erstaunlicher Sturm im Wasserglas: die Münsteraner Resolution des Deutschen Historikerverbandes (VHD)
Am 25.-28.9.2018 kam in Münster der alle zwei Jahre stattfindende "Deutsche Historikertag" zusammen - die große und renommierte Tagung der gesamten Geschichtswissenschaft in Deutschland. Dieses Mal waren 3.700 Teilnehmer angemeldet. Auf der Mitgliederversammlung wurde mit großer Mehrheit eine Resolution "zu gegenwärtigen Gefährdungen der Demokratie" verabschiedet, um die es seitdem nicht zur Ruhe kommt. Man wundert sich, denn der Text der Resolution enthält kaum mehr als ein Bekenntnis zum Grundgesetz und sich daraus ableitenden Selbstverständlichkeiten. Doch ohne Namensnennung ist er auch gegen die AfD und sehr rechte politische Strömungen und Gedanken gerichtet, weshalb es sogleich - selbstverständlich auch im Feuilleton der FAZ - Empörungen darüber gab, dass Wissenschaftler sich in die Politik einmischten und parteipolitisch Stellung nähmen. Die Neutralität der Wissenschaft sei in Gefahr, man müsse sich "gegen Gruppendruck und Bekenntniszwang" verwehren, man titelte: "Verband verliert seinen unparteilichen Charakter" und "Historiker als Kampfreserve der Regierung". Darauf entspann sich eine irritierende Debatte hin und her, in der die Resolution inhaltlich wie auch deren formal korrektes Zustandekommen verteidigt wurden, Andere ihre Harmlosigkeit und Mainstream-Konformität beklagten, usw. usf. Der Pressespiegel des Historikerverbandes, auf den wir hier verweisen, sammelt dieses bunte Bild getreulich. Eine u. E. recht kompakte Zusammenfassung der fachwissenschaftlichen Debatte ergibt sich aus den elf Kommentaren zum Blogbeitrag von Th. Sandkühler (18.10.). Angesichts des allmählichen Abebbens dieser Aufregungen versuchte am 10.1. ein von der Gerda Henkel Stiftung organisierter "Geschichtstalk", an dem u. a. die Vorsitzendes des Verbandes, Prof. Eva Schlotheuber teilnahm, eine Bilanz zu ziehen. Die Diskussion wurde live via Periscope und Twitter sowie auf Facebook übertragen (#VHDResolution; #gts7000; der Stream fand ca. 150 Zuhörer). Ein geschnittenes Video steht mittlerweile auch auf dem YoutubeKanal des "Geschichtstalks" zu Verfügung. Es liegt der Newsletter-Redaktion fern, dem vielen Gesagten und Geschriebenen noch etwas hinzuzufügen, nur: Wir wundern uns über die Umstrittenheit von Selbstverständlichem, nämlich dass eine Fachgesellschaft auch politisch wirkt. Bedenkenswert scheint ergänzend ein Blogpost von Arthur Landwehr zu sein, der darauf hinweist, der Verband erlasse "regelmäßig Resolutionen – die aber ebenso regelmäßig zu keinen Debatten führen". Landwehr postuliert, die jetzt gestellte Frage, ob ein Fachverband eine politische Resolution erlassen darf, sei scheinheilig nach so vielen früheren politischen Äußerungen und vorgeschoben: "Wohl eher wurde darauf gezielt, der Verband hätte sich nicht mit dieser politischen Ausrichtung äußern sollen, also mit einer Haltung, die man grob ‚links der Mitte‘ einordnen kann".
"Resolution des Verbandes der Historiker und Historikerinnen Deutschlands zu gegenwärtigen Gefährdungen der Demokratie – Verabschiedet von der Mitgliederversammlung am 27. Sept. 2018 in Münster" (VDH, 27.9.2018): https://www.historikerverband.de/verband/stellungnahmen/resolution-zu-gegenwaertigen-gefaehrdungen-der-demokratie.html
Pressespiegel des VHD zur Debatte um die Resolution: https://www.historikerverband.de/presse/pressespiegel.html#c1557
Thomas Sandkühler: "Historians and politics. Quarrel over a current resolution" (Public History Weekly, 18.10.2018): https://public-history-weekly.degruyter.com/6-2018-31/vhd-resolution/
YouTube-Kanal "Der Geschichtstalk im Super7000": https://www.youtube.com/channel/UCdGOOka_RIRRPoufACT9eVA/featured
Achim Paul Landwehr, "Gefährdungen des Scheinheiligtums" (Geschichtstalk, 3.1.): https://gts7000.hypotheses.org/825
Georgios Chatzoudis: "VHD-Resolution 2018 - Gespaltene Wissenschaft? Eine Bilanz. Der Geschichtstalk im Super7000" (L.I.S.A., 21.1.; Video, 1:22 Std.): https://lisa.gerda-henkel-stiftung.de/gts_resolution_vhd

10.6.
Neues Format: Die TidA-Lesetipps
Die AG Theorien in der Archäologie (TidA) bietet auf ihren Social-Media-Kanälen ein neues Format an: die TidA-Lesetipps. Dort werden Texte und Bücher kurz vorgestellt, die einen altertumswissenschaftlichen, geschichtswissenschaftlichen und/oder archäologischen Bezug aufweisen und zu theoretischen Reflexionen anregen. Die Tipps gehen jeweils sonntags online und sind über die Facebook-Seite oder den Twitter-Account der AG sowie ihre Webseite abrufbar; auf letzterer gibt es auch alle bisherigen Lesetipps zum Nachlesen. Das Format ist für alle Interessierten offen und möchte die Bandbreite des archäologischen Theoriediskurses abbilden, daher sind Leseempfehlungen von Archäologen der verschiedensten Ausrichtungen, Ausbildungsstufen und Epochendiskurse ausdrücklich erwünscht! Aktiv beitragen Wollende können Texte, die ihnen als relevant erscheinen und einen archäologischen wie auch theoretischen Bezug aufweisen, an Alexander Veling senden, der diese Tipps für die TidA organisiert: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.
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