DGUF-Newsletter vom 2.11.2016

DGUF-Newsletter vom 2.11.2016

1. DGUF-Nachrichten
1.1. Letzte Gelegenheit, sich an DGUF-Umfrage "Berufsverband Archäologie" zu beteiligen
1.2. Archäologische Informationen: Retrodigitalisierungsprojekt erfolgreich abgeschlossen
1.3. Archäologische Informationen: Aufruf an bisherige Autoren: Bitte Erlaubnis zur Online-Stellung erteilen!
1.4. Archäologische Informationen: Veränderungen für die Rubriken "Tagungen & Arbeitsgemeinschaften", "Dissertationen & Examensarbeiten" und "Rezensionen"
1.5. So viele Kerzen können wir uns nicht leisten: DGUF-Newsletter feierte 50. Geburtstag – und 1.300 Abonnenten!
1.6. Die DGUF bittet um Unterstützung: Verbesserung Archivbestände "Archäologische Berichte"

2. Tagungen und Veranstaltungen
2.1. International Open Workshop: "Socio-Environmental Dynamics over the Last 12,000 Years: The Creation of Landscapes V" (Kiel, 20.-24.3.; CfP bis 30.11.)
2.2. 8. Workshop der AG CAA (Heidelberg, 10.-11.2.; CfP bis 6.11.)
2.3. "Conference on Cultural Heritage and New Technologies (CHNT)" (Wien, 16.-18.11.)
2.4. Österreichische Citizen-Science-Konferenz (Wien, 2.-3.3.; CfP bis 15.11.)
2.5. "Cultural Heritage: Reuse, Remake, Reimagine" (Berlin, 21.-22.11.)
2.6. "Archaeology: a global profession". CIfA Annual training event and conference (Newcastle, 19.-21.4.)
2.7. European Association of Archaeologists (EAA) Annual Meeting 2017 (Maastricht, 30.8.-3.9.; Call for sessions bis 30.11.)
2.8. "Zugang gestalten: mehr Verantwortung für das kulturelle Erbe" (Berlin, 17.-18.11.)

3. Forschung
3.1. Neu im Early View der "Archäologischen Informationen"
3.2. Aktuelle Ausgrabungen in den Medien
3.3. Aktuelle Forschung in den Medien
3.4. Verwendung von Cannabispflanzen als "Leichentuch" im 1. vorchristlichen Jahrtausend in China
3.5. Ausgrabungen in Ephesos und Limyra mussten an türkische Archäologen übergeben werden
3.6. 2015er Tagungsband "Conference on Cultural Heritage and New Technologies (CHNT)" im Open Access erschienen
3.7. Gletscherarchäologie in der Schweiz
3.8. Studien zur gemeinsamen Geschichte von Mensch und Haushuhn
3.9. "Visualizing the Past. Exploring Meaningful Approaches in Interpreting the Archaeological Record Through Illustrations and Reconstructions" (EAA-Tagung Vilnius, 31.8.-4.9.): Neun Vortrags-Videos online

4. Kulturgutschutz
4.1. Aktuelles rund um Kulturgutschutz in den Medien
4.2. Vereinte Nationen: Kulturelles Erbe ist untrennbar mit den Menschenrechten verbunden
4.3. Die stille Zerstörung – Tunesiens Kulturerbe in Gefahr

5. Ausbildung, Job-Themen und Personalia
5.1. Als "Stipendium" deklarierte Arbeit auf Sozialhilfeniveau für Archäologin mit Studienabschluss wird getragen vom hessischen Landesarchäologen Dr. Udo Recker und den Kollegen Dr. Frank Verse, Prof. Dr. Egon Schallmayer und Thomas Becker
5.2. Adieu zu digitalen Semesterapparaten
5.3. Archäologie ins Klassenzimmer bringen – mit frei zugänglichem Unterrichtsmaterial?

6. Open Access & Open Data
6.1. Ein skeptischer Blick auf den Status der globalen Transformation des wissenschaftlichen Publikationswesens in den Open Access
6.2. Deutschlands Wissenschaftsorganisationen kommentieren Open-Access-Erklärung des BMBF
6.3. Siggener Thesen zum wissenschaftlichen Publizieren im digitalen Zeitalter
6.4. "Deutsche Digitale Bibliothek" legt zahnloses Strategiepapier vor

7. Bürger und Archäologie & Citizen Science
7.1. "The Future of Community Archaeology". Vortrags-Videos von CIfA2016 Annual conference and training event (Leicester, 20.-22.4.2016)

8. Ausstellungen und Museen
8.1. "Eindrucksvoll und zurückhaltend": Besuch in der Ausstellung "Schätze der Archäologie Vietnams" (Westfälisches Landesmuseum Herne, 7.10.2016-26.2.2017)
8.2. Reiss-Engelhorn-Museen gewinnen vor Gericht im Bilderstreit mit Wikimedia
8.3. Das Wahlversprechen "Archäologisches Landesmuseum Mecklenburg-Vorpommern"
8.4. Pergamonmuseum: Kein Ausgleichsprogramm für Besucher, aber längerer Umbau und höhere Kosten
8.5. Interessante Hinweise für Museen zum Umgang mit digitalen Publikationen

9. Und sonst …
9.1. Österreichischer Rechnungshof kritisiert in einem Rohbericht das Bundesdenkmalamt
9.2. Wer hat Interesse? Bücher zur Rezension in den "Archäologischen Informationen"
9.3. "Äußerst fruchtbares Format": Tagungsbericht "Der _digital turn_ in den Altertumswissenschaften" (Freiburg, 30.6.-1.7.2016)
9.4. Kantonsarchäologie St. Gallen feiert 50. Geburtstag - und darbt
9.5. Martin Roth über wachsenden Nationalismus und einen Kulturbetrieb, der sich wegduckt
9.6. Wertvolle Informationen zum Copyright- und Lizenz-Dschungel
9.7. "Tomb Raider": Ein Computerspiel wird 20
9.8. 20 "Gebote" für eine gute Veranstaltung
9.9. Gedrucktes und elektronisches Lesen in stabilen Relationen
9.10. Noch 'ne Bilddatenbank - oder: von fehlgeleiteten Investitionen

10. Impressum und Redaktionshinweise


1. DGUF-Nachrichten
1.1.
Letzte Gelegenheit, sich an DGUF-Umfrage "Berufsverband Archäologie" zu beteiligen
Die DGUF-Umfrage zum Thema "Berufsverband Archäologie" (s. DGUF-Newsletter vom 4.10.2016 Punkt 1.1.) stößt auf eine erfreulich starke Resonanz. Die Umfrage möchte konkrete Fakten über das Bedürfnis in Deutschland zum Thema "Berufsverband" sammeln, sie spricht alle in der Archäologie und in archäologienahen Berufen Beschäftigen an. Bis dato haben mehr als 490 Kollegen die (kurze) Umfrage vollständig ausgefüllt - ein überwältigender Rücklauf, der das große Interesse am Thema und seine Virulenz unterstreicht und zugleich allen aus der Umfrage ableitbaren Aussagen eine solide statistische Basis sichert. Allen, die bereits dazu beigetragen haben, unser herzlicher Dank! Doch der Appetit kommt bekanntlich beim Essen. Natürlich würden wir gerne die 500er-Marke "knacken". Die Umfrage wird am 11. Nov. 2016 abgeschlossen werden, und die DGUF würde sich freuen, wenn sich bis dahin noch weitere Antwortende fänden. Wenn es Ihnen möglich ist, lesen Sie bitte zunächst den Aufsatz von Gerry Wait über den britischen Berufsverband CIfA und beantworten dann die Befragung. Uns sind aber auch Antworten ohne vorherige Lektüre des Aufsatzes herzlich willkommen! Die Befragung dauert etwa fünf bis zehn Minuten.
DGUF-Umfrage: https://www.soscisurvey.de/DGUF-BV/
Wait, G. (2016). Das 'Chartered Institute for Archaeologists': Der systematische Aufbau von Professionalität, Macht und Einfluss in Archäologie und Denkmalpflege. Archäologische Informa-tionen, Early View, online publiziert 27. Aug. 2016. http://www.dguf.de/fileadmin/AI/ArchInf-EV_Wait.pdf

1.2.
Archäologische Informationen: Retrodigitalisierungsprojekt erfolgreich abgeschlossen
Drei Jahre nach Projektstart ist im Oktober 2016 die Retrodigitalisierung aller Arch.-Inf.-Jahrgänge abgeschlossen, 80 % aller Aufsätze seit Band 1 (1972) stehen online. In der Archäologie sind die Arch. Inf. die erste zunächst traditionell gedruckte deutsche Fachzeitschrift, die nun nahezu komplett retrodigitalisiert ist. Dank der guten Erschließung der einzelnen Aufsätze durch die UB Heidelberg und deren vollständiger Durchsuchbarkeit auch für Suchmaschinen (OCR-Scans) ist nun für alle Autoren, die der DGUF ihre Zustimmung zur Online-Stellung gegeben haben, die Auffindbarkeit ihrer wertvollen Aufsätze erheblich gesteigert und deren Lektüre dank Open Access weltweit erheblich vereinfacht. Dass das zusätzliche Angebot - denn die gedruckte Zeitschrift mit einer Auflage von etwa 1.000 Exemplaren gibt es ja weiterhin - von Lesern auch rege genutzt wird, zeigen die Zugriffsstatistiken, die in dem Aufsatz von Siegmund, Reinhard & Effinger (2016) offengelegt sind.
Siegmund, F., Reinhard, J. & Effinger, M. (2016). Retrodigitalisierungsprojekt der 'Archäologischen Informationen' abgeschlossen. Archäologische Informationen, Early View, online publiziert 17. Okt. 2016. http://www.dguf.de/index.php?id=9

1.3.
Archäologische Informationen: Aufruf an bisherige Autoren: Bitte Erlaubnis zur Online-Stellung erteilen!
80 Prozent aller je in den Archäologischen Informationen erschienen Aufsätze stehen nun auch online im Open Access zur Verfügung, weil deren Autoren der DGUF die dazu erbetene Zustimmung erteilt haben. Nur weniger als 1 % der Autoren haben diese verweigert. Die nicht unbedeutende Lücke zwischen 80 % und 99 % beruht auf Autoren, die das Rechercheteam J. Reinhard, I. Hohle und M. Irlenbusch nicht mehr hat ausfindig machen können (5 %), und solchen, die das Anschreiben der DGUF noch nicht beantwortet haben (14 %). Die DGUF freut sich über jeden Autor, der sich doch noch entschließen kann, seine Zustimmung zu erteilen, und über jeden Hinweis bei der Suche nach "verschollenen" Autoren, d.h. jenen Fachkollegen, deren Aufsätze Sie in der Online-Ausgabe der "Archäologischen Informationen" vermissen. Autoren, deren Kontaktadresse dem Rechercheteam vorliegen, werden in den nächsten Wochen erneut angefragt werden, können aber natürlich gerne auch vorab auf die DGUF zutreten.
Das Formular zur Einverständniserklärung findet sich auf: http://www.dguf.de/archaeologische-informationen.html
Kontaktadresse: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Archäologische Informationen Online bei der UB Heidelberg: http://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/arch-inf

1.4. Archäologische Informationen: Veränderungen für die Rubriken "Tagungen & Arbeitsgemeinschaften", "Dissertationen & Examensarbeiten" und "Rezensionen"
Die Archäologischen Informationen erscheinen bekanntermaßen dual: als gedruckte Zeitschrift in einer Auflage von etwa 1.000 Exemplaren und parallel dazu online im Open Access. Im Hinblick auf den Druckumfang der Zeitschrift und die damit verbundenen Versandkosten sowie auf ihre starke Prägung durch das Moment der Aktualität und Zeitgebundenheit erscheinen die Rubriken "Tagungen & Arbeitsgemeinschaften", "Dissertationen & Examensarbeiten" und "Rezensionen" seit Band 39/2016 "Online Only", d. h. mit Ihren Texten online im Open Access inkl. Early View und bei voller bibliographischer Erfassung im Langzeitarchiv der UB Heidelberg, jedoch nicht länger im gedruckten Band. Dort werden sie allerdings weiterhin im Inhaltsverzeichnis des Jahrgangs aufgeführt, inklusive eines Links auf die jeweilige Online-Ressource. Verbessert werden soll für diese Rubriken auch die Aktualität. Daher gilt ab sofort: Manuskripte zur Selbstvorstellung von Dissertationen und Examensarbeiten werden spätestens ein halbes Jahr nach dem akademischen Abschluss eingereicht. Ist der umfassende Druck der Arbeit geplant und dessen Erscheinen innerhalb der nächsten zwölf Monate nach der geplanten Einreichung des Selbstreferates bei den Archäologischen Informationen wahrscheinlich, sollte auf die Einreichung verzichtet werden. Beiträge zur Rubrik "Tagungen und Arbeitsgemeinschaften" berichten über Ereignisse, die bei Manuskripteinreichung nicht länger als ein halbes Jahr zurückliegen; auch Tagungsberichte erübrigen sich, wenn eine umfassende Publikation innerhalb der nächsten zwölf Monate erfolgen wird. Rezensionen gelten Büchern oder Aufsätzen, deren Erscheinen nicht länger als ein Jahr zurückliegt. Nur in gut begründeten Fällen können Ausnahmen von diesen Fristen gemacht werden.
http://www.archaeologische-informationen.de

1.5.
So viele Kerzen können wir uns nicht leisten: DGUF-Newsletter feierte 50. Geburtstag – und 1.300 Abonnenten!
Der vergangene Newsletter vom 4.10. war unsere 50. Ausgabe. Das heißt: In den 55 Monaten seit dem Start am 30.3.2012 haben wir bis einschließlich der 50. Ausgabe mehr als 448.000 Wörter resp. fast 3.290.000 Zeichen für Sie geschrieben. Das ist auf keiner noch so großen Geburtstagstorte abbildbar. Nehmen wir die moderne Normseite zu 1.800 Zeichen, sind das insgesamt etwa 1.828 Seiten News. Keine Ahnung, wie Sie und mittlerweile mehr als 1.300 andere Abonnenten das durchgehalten haben! Die Newsletter-Redaktion jedenfalls kann für sich festhalten: Hätten wir gewusst, worauf wir uns da einlassen, ...!  Danke für Ihre Treue!
Newsletter-Archiv: http://www.dguf.de/249.html

1.6.
Die DGUF bittet um Unterstützung: Verbesserung Archivbestände "Archäologische Berichte"
Die Herausgeber möchten den bestehenden Web-Auftritt der DGUF-Monografienreihe "Archäologische Berichte" auf der Open-Access-Plattform OJM verbessern und die Darstellung der Inhalte an zeitgemäße Anforderungen anpassen: Die bei OJM bzw. unserem Projektpartner, der UB Heidelberg, archivierten Bände sollen bessere "Klappentexte" erhalten, d. h. treffende kurze Inhaltsbeschreibungen und nähere Angaben zu den Autoren. Bei Bänden, wo dies durch die Autoren selbst nicht mehr möglich ist, werden wir diese Tätigkeit übernehmen. Es sind zunächst Recherchearbeiten, etwa eine Kontaktaufnahme mit den Autoren, und dann in manchen Fällen auch das eigene Schreiben von kurzen Texten nötig. Wir, die Herausgeber, suchen dafür ehrenamtliche Unterstützung (Axuliars-Tätigkeit). Ihr Profil: eine archäologische Ausbildung (mindestens auf Niveau M.A.), eine schnelle Auffassungsgabe beim Einfinden in bislang fremde Themen, eine gute sprachliche Ausdrucksfähigkeit, eine sorgfältige Arbeitsweise. Das Arbeitsvolumen liegt geschätzt bei durchschnittlich fünf Stunden/Monat, aber auch mehr ist ganz herzlich willkommen. Die Tätigkeit erfolgt bequem am heimischen Schreibtisch und kann frei eingeteilt werden. Wir freuen uns, wenn Sie DGUF-Mitglied sind oder werden möchten, dies ist aber keine Bedingung. Wie alle Arbeit in der DGUF erfolgt auch diese ehrenamtlich. Wenn Sie Interesse haben, die DGUF zu unterstützen, freut sich auf Ihr E-Mail: Dr. Frank Siegmund, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.
Die "Archäologischen Berichte" bei Propylaeum-eBooks: http://books.ub.uni-heidelberg.de/propylaeum/series/info/archber
Mehr zu den DGUF-Auxiliaren und den derzeit ausgeschriebenen Projekten: http://www.dguf.de/index.php?id=289


2. Tagungen und Veranstaltungen
2.1.
International Open Workshop: "Socio-Environmental Dynamics over the Last 12,000 Years: The Creation of Landscapes V" (Kiel, 20.-24.3.; CfP bis 30.11.)
This interdisciplinary workshop aims to discuss the interaction between physical and social landscapes as the most profound process that catalyses human activities in space and time; and the interplay of environments, social relationships, material culture, population dynamics, and human perceptions of socio-environmental change. Amongst the 19 sessions are: "Archaeological Heritage Management – the Practical Side", "Comparative studies in Stone and Bronze Age demography", and "Exploring inter-regional interactions in the first millennium BC in Europe". Abstracts for posters or papers addressing one or more of the 19 sessions are welcome by November 30.
http://www.workshop-gshdl.uni-kiel.de/

2.2.
8. Workshop der AG CAA (Heidelberg, 10.-11.2.; CfP bis 6.11.)
Die "AG Computeranwendungen und Quantitative Methoden in der Archäologie" ruft zu ihrem 8. Workshop auf, der am 10.-11.2.2017 am Interdisziplinären Zentrum für Wissenschaftliches Rechnen (IWR) der Universität Heidelberg stattfindet. Beiträge für Vorträge und Poster können bis zum 6.11. eingereicht werden. Das Programm inkl. Informationen zu den Tutorials wird am 5.12. auf der Tagungswebsite veröffentlicht. Die Tagungsgebührt wird 20/25 Euro (Normalzahler) resp. 15/20 Euro (ermäßigt) betragen.
http://ag-caa.de/workshop2017/

2.3.
"Conference on Cultural Heritage and New Technologies (CHNT)" (Wien, 16.-18.11.)
Die 21. "Conference on Cultural Heritage and New Technologies (CHNT)" findet Mitte November in Wien statt. Unter den Sessions: "Preservation and Re-Use of Digital Archaeological Research Data with Open Archival Information Systems" und "New realities2: virtual, augmented reality and other techniques in Cultural Heritage for the general public". Neben dem Vortragsprogramm und Podiumsdiskussionen gibt es erstmalig eine kleine Sektion "Science Slam". Eine Anmeldung ist weiterhin möglich, der Tagungsbeitrag beträgt 150 Euro, 70 Euro ermäßigt.
http://www.chnt.at/program-2016/

2.4.
Österreichische Citizen-Science-Konferenz (Wien, 2.-3.3.; CfP bis 15.11.)
Unter dem Motto "Expanding Horizons" wollen Projekte und Initiativen ihre Ergebnisse und Pläne, aber auch Herausforderungen präsentieren und diskutieren. Unter den neun Sessions ist eine zu "Citizen Science in den Altertumswissenschaften", organisiert vom Kuratorium Pfahlbauten und ArchaeoPublica. Anhand von Beispielen soll dort diskutiert werden, welche Rolle Citizen Science in den Altertumswissenschaften spielen kann, welche Kommunikationsschwierigkeiten es auf beiden Seiten gibt und wie man gegenseitige Vorurteile abbauen könnte. Die Session richtet sich an Citizen Scientists und an Wissenschaftler aller Fachrichtungen der Altertumsforschung. Eine weitere Session widmet sich dem Thema "Citizen Science und die Rolle der Museen". Museen sind geteilte Räume von Wissenschaftlern und Bürgern, sie definieren sich über die Kombination von Forschung und Kommunikation. Die Formen solcher Kommunikation haben sich allerdings durch die Digitalisierung radikal verändert, und Citizen Science erweckt die Erwartung einer Demokratisierung. Welche Rolle können Museen in dieser veränderten Kommunikationsgesellschaft spielen? Ist es genug, seine Ressourcen für Citizen-Science-Aktivitäten zur Verfügung zu stellen, oder braucht es eine aktivere Rolle der Museen? Eine weitere Session dreht sich um "Citizen Science in den Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften". Bisherige Citizen-Science-Projekte in Österreich sind fast ausschließlich aus den Naturwissenschaften verortet. Die Session soll v. a. Forschern aus den Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften die Möglichkeit geben, Citizen-Science-Projekte oder Projekte der partizipativen (Aktions-)Forschung zu präsentieren. - Der CfP ist bis 15.11. geöffnet.
Konferenzwebsite: https://www.ages.at/expandinghorizons/
Die Tagung auf Facebook: https://www.facebook.com/csaustria/

2.5.
"Cultural Heritage: Reuse, Remake, Reimagine" (Berlin, 21.-22.11.)
A couple of years ago in museums, archives and libaries began to digitize their artifacts making them available online, so that users would find value in learning more about Europe’s cultural heritage. Today, however, citizens want to engage with culture, they want to create their own stories not just read the ones that exist. The Europeana Space conference will focus on new ways of engaging with digital heritage. It will showcase the ways that cultural heritage can be used and enriched through new technologies and innovation. Attendance is free.
http://www.europeana-space.eu/conferences/berlinconference2016/

2.6.
"Archaeology: a global profession". CIfA Annual training event and conference (Newcastle, 19.-21.4.)
"Archaeology should be without borders, and professional archaeology must be without borders." writes the CIfA on its website. Thus, the 2017 annual training event and conference of CIfA will focus on archaeological practice on a world stage. There are three broad themes that will be discussed on an international and/or global scale: professionalism, protection, and discovery.
http://archaeologists.net/conference/2017

2.7.
European Association of Archaeologists (EAA) Annual Meeting 2017 (Maastricht, 30.8.-3.9.; Call for sessions bis 30.11.)
The 23rd Annual Meeting of the European Association of Archaeologists will take place in the historic town of Maastricht from August 30th – September 2nd, 2017. Under the conference motto "Building Bridges" six key themes were selected: 1. Twenty-five Years after Maastricht: Archaeology and Europe's future 2. The Valletta Convention: the next 25 years 3. Trans- and Metadisciplinary Approaches in Archaeology 4. The "Third Science Revolution" in Archaeology 5. Comparing Archaeology Across Regions and Periods 6. Interpreting the Archeological Record. Currently the call for sessions is open until Wednesday 30 November, conference registration will open on 1 December.
http://www.eaa2017maastricht.nl/

2.8.
"Zugang gestalten: mehr Verantwortung für das kulturelle Erbe" (Berlin, 17.-18.11.)
Die Konferenzreihe "Zugang gestalten! – Mehr Verantwortung für das kulturelle Erbe" möchte zum Diskurs über die mit der Digitalisierung zusammenhängenden Chancen, Hindernisse, Herausforderungen und Veränderungen von Bibliotheken, Archiven und Museen und ihr Verhältnis zu anderen Institutionen, Initiativen und Wirtschaftsunternehmen beitragen. Die Veranstalter, u. a. iRights.info, Wikimedia und die Stiftung Preußischer Kulturbesitz, sehen in der Digitalisierung eine große Chance, allen Menschen den Zugang zum kulturellen Erbe erheblich zu erleichtern und damit einen wichtigen Beitrag zur Wissensgesellschaft der Zukunft zu leisten. Die nunmehr 6. Konferenz dieser 2011 begonnenen Tagungen findet am 17.-18.11. in Berlin statt. Das hochkarätig besetzte Tagungsprogramm steht online und umschließt auch spannende, von konträren Positionen geprägte Podiumsdiskussionen, u. a. zum "Mannheimer Bilderstreit" (dazu siehe auch Punkt 8.2. in diesem Newsletter). Eine (Online-) Registrierung vorab ist notwendig, Aussagen über Tagungsgebühren macht die Tagungswebsite nicht.
http://www.zugang-gestalten.de/programm-2016/


3. Forschung
3.1.
Neu im Early View der "Archäologischen Informationen"
Haas-Gebhard, B. (2016). Rezension zu: Schöbel, G. (Hrsg.) (2016). 23+. Orte, Funde und Geschichten. Archäologie im Bodenseekreis: ein museologisches Experiment (Schriftenreihe des Pfahlbaumuseums Unteruhldingen 11). Unteruhldingen: Pfahlbaumuseum. Archäologische Informationen, Early View, online publiziert 18. Okt. 2016. [PDF]
Siegmund, F., Reinhard, J. & Effinger, M. (2016). Retrodigitalisierungsprojekt der 'Archäologischen Informationen' abgeschlossen. Archäologische Informationen, Early View, online publiziert 17. Okt. 2016. [PDF]
Schneid, N. (2016). Die Steinartefakte des mesolithischen Freilandfundplatzes "Am Rieger Busch" in Hagen-Eilpe (Westfalen). Archäologische Informationen, Early View, online publiziert 16. Okt. 2016.
Karl, R. (2016). Ich bin Hobbychirurg und Hobbypolizist. Archäologische Informationen, Early View, online publiziert 13. Okt. 2016. [PDF]
http://www.dguf.de/index.php?id=9

3.2.
Aktuelle Ausgrabungen in den Medien
Denisova-Höhle: "Paleolithic jewellery: still eye-catching after 50,000 years" (The Siberian Times, 31.10.): http://siberiantimes.com/other/others/news/n0789-paleolithic-jewellery-still-eye-catching-after-50000-years/
"Jerusalem: Archäologen öffnen Jesus-Grabkammer" (Spiegel, 28.10.): http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/grabeskirche-jerusalem-archaeologen-oeffnen-jesus-grab-a-1118672.html und "Unsealing of Christ's Reputed Tomb Turns Up New Revelations" (National Geographic, 31.10.): http://news.nationalgeographic.com/2016/10/jesus-christ-tomb-burial-church-holy-sepulchre/
"Rätselhafte Funde beim Zürcher Kunsthaus" (Tagesanzeiger, 20.10.): http://www.tagesanzeiger.ch/zuerich/stadt/raetselhafte-funde-beim-kunsthaus/story/26449562
"Guatemala Beschrifteter Knochen in Maya-Grab gefunden" (Spiegel, 18.10.): http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/archaeologen-finden-beschrifteten-knochen-in-maya-grab-a-1116982.html
Regensburger Archäologen forschen im antiken Ephesos. Neue Erkenntnisse zur Oberen Agora" (Pressemeldung Universität Regensburg, 11.10.): http://www.uni-regensburg.de/pressearchiv/pressemitteilung/685425.html
"Keltischer Einbaum in Bad Buchau geborgen" (Archäologie Online, 7.10.): http://www.archaeologie-online.de/magazin/nachrichten/keltischer-einbaum-in-bad-buchau-geborgen-40550/
"Aktuelle Grabungsergebnisse: Menschen nutzten Blätterhöhle schon am Ende der Eiszeit" (Pressemeldung LWL, 30.9.) http://www.lwl.org/pressemitteilungen/nr_mitteilung.php?urlID=40165

3.3.
Aktuelle Forschung in den Medien
Cukurici Höyük: "'Pioniersiedlung' bei Ephesos war frühes Technologiezentrum" (Salzburg24, 2.11.): http://www.salzburg24.at/pioniersiedlung-bei-ephesos-war-fruehes-technologiezentrum/apa-1432799742
"Neanderthals on cold steppes also ate plants" (Pressemeldung Universität Leiden, 25.10.): https://www.universiteitleiden.nl/en/news/2016/10/neanderthals-on-cold-steppes-also-ate-plants
"Monkeys make stone flakes too so humans are not unique after all" (Pressemeldung University of Oxford, 20.10.): http://www.ox.ac.uk/news/2016-10-20-monkeys-make-stone-flakes-too-so-humans-are-not-unique-after-all
"Study finds earliest evidence in fossil record for right-handedness" (Pressemeldung University of Kansas, 20.10.): http://news.ku.edu/2016/07/21/study-finds-earliest-evidence-fossil-record-right-handedness
"The Higgs Bison - mystery species hidden in cave art" (Pressemeldung University of Adelaide, 19.10.): https://www.adelaide.edu.au/news/news88542.html
"Resilient 'risky-and-reliable' plant use strategy may have driven Neolithization in Jordan" (Pressemeldung PLOS, 19.10.): https://www.eurekalert.org/pub_releases/2016-10/p-rp101316.php
"Extensive heat treatment in Middle Stone Age silcrete tool production in South Africa" (Pressemeldung PLOS, 19.10.): https://www.eurekalert.org/pub_releases/2016-10/p-eht101316.php
Mesolithikum: "Dog's tooth leads to discovery of earliest known journey in UK history" (The Guardian, 7.10.): https://www.theguardian.com/science/2016/oct/07/archaelogists-evidence-earliest-known-journey-uk-history-stonehenge-wilsthire-mesolithic-man-dog
"Piece of carved wood suggests Persian taught maths in Japan 1,000 years ago" (Independent, 6.10.): http://www.independent.co.uk/news/world/asia/persian-maths-discovery-japan-carved-wood-artefact-archaeologists-1000-years-a7347726.html
Österreich: "Große Förderung für die Ausgrabungen auf dem Hemmaberg" (Archäologie Online, 7.10.): http://www.archaeologie-online.de/magazin/nachrichten/grosse-foerderung-fuer-die-ausgrabungen-auf-dem-hemmaberg-40529/
"Ötzi: Ein heimtückischer Mord und Kontakte nach Mittelitalien" (Pressemeldung EURAC, 19.9.): http://www.eurac.edu/de/research/health/iceman/Pages/newsdetails.aspx?entryid=119937

3.4.
Verwendung von Cannabispflanzen als "Leichentuch" im 1. vorchristlichen Jahrtausend in China
Im nordwestchinesischen Turpan (Provinz Xinjiang) konnten Archäologen Cannabispflanzen im Gräberfeld von Jiayi nachweisen. Bis zu 91 cm lang erhielten sich die Pflanzen im Grab eines circa 35-jährigen Mannes. Sie lagen diagonal über der Brust verteilt, die Wurzeln wiesen Richtung Becken. Der Mann lag auf einem hölzernen Bett, und sein Kopf ruhte auf einem Schilfkissen. Interpretiert wird der Befund als eine Art Leichentuch. Die nahezu vollständigen Pflanzen weisen möglicherweise auf eine lokale Ernte vor dem Bestattungsritual hin. Die unreifen Hanfblüten geben einen Hinweis darauf, dass der Bestattungsvorgang im Spätsommer erfolgt sein könnte. Die Radiokarbondaten verweisen das Grab auf ein Alter zwischen 2.400 und 2.800 Jahren. Die Bestattung ist Teil einer Ausgrabungsstätte mit 240 dokumentierten Gräbern. Der Bestattungsplatz wird der Subeixi-Kultur (auch bekannt als Gushi-Kultur) zugeordnet, die kennzeichnend für die Region vor 3.000 bis 2.000 Jahren war. Gräber aus der Gegend dokumentierten bereits ein Vorkommen von Cannabis in Form von Samen und pulverisierten Blättern. Zudem sind aus dem skythenzeitlichen Südsibirien Cannabisreste belegt. Generell reicht die Multifunktionalität der Cannabispflanze von psychoaktiven Fähigkeiten über haltbare Hanffasern bei der Verwendung von Kleidung bis hin zu nahrhaften und ölreichen Samen. Die Provinz Xinjiang ist eng mit dem Handelsnetzwerk der Seidenstraße verknüpft, die China mit dem Westen verband.
" В 2800-летнем китайском захоронении нашли коноплю" (V 2800-letnem kitajskom zachronenii našli konoplju, Letopis', 7.10.): http://oursociety.ru/news/v_2800_letnem_kitajskom_zakhoronenii_nashli_konoplju/2016-10-07-1494
"Ancient Cannabis ‚Burial Shroud' Discovered in Desert Oasis" (National Geographic, 4.10.): http://news.nationalgeographic.com/2016/10/marijuana-cannabis-pot-weed-burial-shroud-china-ancient-discovery-scythians-turpan-archaeology-botany/

3.5.
Ausgrabungen in Ephesos und Limyra mussten an türkische Archäologen übergeben werden
Es sind gerade einmal zwei Beiträge, die am 30.10. bzw. 1.11. melden, dass das Österreichische Archäologische Institut die Ausgrabungen in Ephesos und Limyra an türkische Grabungsleiter übergeben musste. Als Grund werden die politischen Spannungen zwischen Österreich und der Türkei angeführt. Nach dem Putschversuch in der Türkei im Juli 2016 und nach dem Vorgehen Recep Tayyip Erdogans gegen seine Gegner hatte Österreich u. a. einen Abbruch der EU-Beitrittsgespräche mit der Türkei gefordert. Dass Österreich die Grabungsprojekte abgeben müsste, wurde von der Türkei schon länger angedroht, Anfang September waren die Ausgrabungen bereits gestoppt worden. Da die beiden aktuellen Beiträge in türkischer Sprache verfasst sind und die Redakteure der Newsletter-Redaktion dieser Sprache leider nicht mächtig, wären weitere Detailaussagen unseriös. Seitens des Österreichischen Archäologischen Instituts, das seit 1895 in Ephesos und seit 2002 in Limyra ausgräbt, gibt es keine öffentliche Äußerung zur jüngsten Entwicklung.
"Efes, Türk arkeologlara emanet" (Hürriyet, 30.10.): http://www.hurriyet.com.tr/efes-turk-arkeologlara-emanet-40263645
"Avusturya’nın Elinden Alınan Kazılar Türk Arkeologlara Veriliyor" (arkeofili, 1.11.): http://arkeofili.com/?p=18135
"Grabungsgeschichte von Ephesos" (Österreichisches Archäologisches Institut): http://www.oeai.at/index.php/grabungsgeschichte.html
"Ausgrabung Limyra" (Österreichisches Archäologisches Institut): http://www.oeai.at/index.php/limyra.html
"Folgen des Putschversuchs in der Türkei: Erneut mehr als 10.000 Beamte entlassen" (Tagesschau, 30.10.): https://www.tagesschau.de/ausland/tuerkei-putschversuch-entlassungen-101.html

3.6.
2015er Tagungsband "Conference on Cultural Heritage and New Technologies (CHNT)" im Open Access erschienen
Im November 2015 fand in Wien die 20. Jahrestagung "Conference on Cultural Heritage and New Technologies (CHNT)" statt. Die Beiträge zum Tagungsband sind nun online und im Open Access verfügbar. Der Band umfasst 45 Aufsätze in neun thematischen Sektionen sowie weitere 16 Beiträge zum Einsatz neuer Technologien bei der Dokumentation und Erforschung des kulturellen Erbes. Darunter sind die Sessions "Public Relations and Archaeology – Presenting Cultural Heritage in Urban Area", "The Use of UAVs in Virtual Heritage" und "Virtual, augmented reality and other techniques in Cultural Heritage for the general public".
http://www.chnt.at/proceedings-chnt-20/

3.7.
Gletscherarchäologie in der Schweiz
Im Zusammenhang mit der gegenwärtigen Klimaerwärmung schmelzen Gletscher in den Alpen ab. Immer wieder werden dabei Objekte aus verschiedenen Epochen der (Ur-)Geschichte entdeckt; in der Schweiz z. B. auf dem Schnidejoch und dem Lötschenpass im Berner Oberland. Dort suchen Archäologen der Universität Bern nach Befunden. Darüber hat der SWR nun eine ehr sehenswerte Reportage mit dem Mulitmedia-Tool "Pageflow" erstellt. Sie zeigt in Text, Audio und Fotos, worum es den Archäologen geht. Sehenswert – gerade auch für alle Studierenden und interessierten Nicht-Archäologen!
"Eisdetektive. Gletscherarchäologie in der Schweiz" (SWR2, Oktober 2016; Pageflow): http://multimedia.swr.de/gletscherarchaeologie
"Gletscherarchäologie. Steinzeitfunde aus dem Eis" (SWR2, 24.11.2015; Sendung und Manuskript online): http://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/wissen/gletscherarchaeologie/-/id=660374/did=16328898/nid=660374/brae26/index.html
Website des Projekts "kAltes Eis. Gletscherarchäologie in Graubünden": https://kalteseis.com/

3.8.
Studien zur gemeinsamen Geschichte von Mensch und Haushuhn
Mit mehr als 627 Millionen geschlachteten Tieren pro Jahr ist das Huhn der beliebteste Fleischlieferant der Deutschen - von Sekundärprodukten ganz zu schweigen. Doch blieb die Vorgeschichte des geschätzten Federviehs lange im Dunkeln. Seit 2013 will ein interdisziplinäres Team nun Licht in die gemeinsame Geschichte von Mensch und Haushuhn bringen. Zwar liegt der Fokus auf Großbritannien, doch widmen sich die Forscher auch der Frage nach der ersten Domestikation und weltweiten Ausbreitung der Hühner. Einen Einblick ins Projekt bringt die neue Ausgabe von PAST.
PAST 84 (November 2016: http://www.prehistoricsociety.org/publications/publication/past_84_november_2016/
"Deutsche schlachten pro Jahr 750 Millionen Tiere" (Welt, 9.1.2014): https://www.welt.de/politik/deutschland/article123700329/Deutsche-schlachten-pro-Jahr-750-Millionen-Tiere.html

3.9.
"Visualizing the Past. Exploring Meaningful Approaches in Interpreting the Archaeological Record Through Illustrations and Reconstructions" (EAA-Tagung Vilnius, 31.8.-4.9.): Neun Vortrags-Videos online
Haben wir zu viele Daten, um daraus Bilder zu gestalten, die man erinnert? Was, wenn es zu wenige sind? Digitale Rekonstruktionen, z. B. für Ausstellungen, für die Medien und für die Forschung gewinnen an Bedeutung. Eine Session bei der EAA-Tagung in Vilnius diskutierte die Themen Illustration, Visualisierung sowie die physische und digitale Rekonstruktion von archäologischen Funden und Befunden. Doug Rocks-Macqueen hat die Session aufgezeichnet und nun die neun Vortragsvideos zum Thema online verfügbar gemacht.
https://dougsarchaeology.wordpress.com/2016/11/02/visualizing-the-past-exploring-meaningful-approaches-in-interpreting-the-archaeological-record-through-illustrations-and-reconstructions/


4. Kulturgutschutz
4.1.
Aktuelles rund um Kulturgutschutz in den Medien
"Kulturgut in Syrien und Irak, Oktober 2016" (Archaeologik, 2.11.): http://archaeologik.blogspot.de/2016/11/kulturgut-in-syrien-und-irak-oktober.html
"Berechtigte Bedenken an der Stichtagsregelung des neuen Kulturgutschutzgesetzes? Gefälschte Provenienzen bei einer Münchner Auktion?" (Archaeologik, 30.10.): http://archaeologik.blogspot.de/2016/10/berechtigte-bedenken-der.html
"Looters exploit the political chaos in Libya. Illicitly excavated artefacts are 'gushing out' of the country, experts warn" (The Art Newspaper, 20.10.): http://theartnewspaper.com/news/news/looters-exploit-the-political-chaos-in-libya/
Schweiz: "Pfahlbauer: Schatz vom Hallwilersee wird mit Kies zugeschüttet – für 650'000 Franken" (Aargauer Zeitung, 15.10.): http://www.aargauerzeitung.ch/aargau/kanton-aargau/schatz-vom-hallwilersee-wird-mit-kies-zugeschuettet-fuer-650000-franken-130643980
"'Stop denying the cultural heritage of others,' UN expert says after first fact-finding visit to Serbia and Kosovo" (Pressemeldung Office of The High Commissioner United Nations Human Rights, 14.10.): http://www.ohchr.org/EN/NewsEvents/Pages/DisplayNews.aspx?NewsID=20682&LangID=E
"Weiterhin aktuell: Kulturgüterschutz in Ägypten" (Archaeologik, 17.10.): http://archaeologik.blogspot.co.at/2016/10/weiterhin-aktuell-kulturguterschutz-in.html

4.2.
Vereinte Nationen: Kulturelles Erbe ist untrennbar mit den Menschenrechten verbunden
"Today, in our collective role as custodians of the past achievements of humanity, we are faced with a stark choice. Will we engage with cultural heritage in its diversity in such a way as to allow cultural rights to flourish and will we protect it, teach youth about it, learn from it and from the history of its destruction, and make use of heritage and its reconstruction to understand ourselves and find solutions to the grave problems that we face?" Das fragt die Professorin für Internationales Recht Karima Bennoune, die sich als unabhängige Expertin ("Special Rapporteur") für "cultural rights" der UN wiederholt zu kulturellem Erbe aus dem Büro des Hohen Kommissars der Vereinten Nationen für Menschenrechte geäußert hat (DGUF-Newsletter vom 31.3.2016 Punkt 4.3.). "Will we be up to the challenge of protecting the heritage of humanity? If the answer is no, the rights of current generations will be violated, and we will incur the scorn of future generations. Would we not prefer to bequeath a richer legacy?" Diese Worte sind Teil des Berichts, den Bennoune Ende Oktober der Generalversammlung der Vereinten Nationen vorgelegt hat. Unbedingt lesenswert.
"UN rights expert calls to stop intentional destruction of cultural heritage" (Pressemeldung Office of The High Commissioner United Nations Human Rights, 26.10.): http://www.ohchr.org/EN/NewsEvents/Pages/DisplayNews.aspx?NewsID=20767&LangID=E
"Destruction of cultural heritage is an attack on people and their fundamental rights – UN expert" (Pressemeldung Vereinte Nationen, 27.10.): http://www.un.org/apps/news/story.asp?NewsID=55412#.WBWueSTLn-U
"Karima Bennoune (UN Special Rapporteur) - Press Conference (27 October 2016)" (Video, 26:11 Min.): http://webtv.un.org/watch/karima-bennoune-un-special-rapporteur-press-conference-27-october-2016/5187433773001
Karima Bennoune, Report of the Special Rapporteur in the field of cultural rights. United Nations General Assembly, 71st session, item 69b. 9 August 2016: https://documents-dds-ny.un.org/doc/UNDOC/GEN/N16/254/44/PDF/N1625444.pdf
"Karima Bennoune: Cultural heritage is a human rights issue" (Pressemeldung UNESCO, 25.10.): http://en.unesco.org/news/karima-bennoune-cultural-heritage-human-rights-issue

4.3.
Die stille Zerstörung – Tunesiens Kulturerbe in Gefahr
Das nordafrikanische Land verfügt über ein reiches Kulturerbe aus vorislamischer Zeit, das bereits seit längerer Zeit durch Raubgrabungen, Vernachlässigung und Korruption bedroht ist. Das berichtet jetzt die NZZ unter Berufung auf den tunesischen Historiker Mohammed Tlili. Die Behörden setzten diesen Vorgängen nur wenig entgegen. Ein prominentes Beispiel sei die antike Stadt Karthago, auf deren Gebiet sich heute ein Villenviertel der Hauptstadt Tunis mit begehrten Grundstücken befinde, die teilweise illegal bebaut würden. An Plätzen, die als Touristenmagneten dienen (z. B. Dougga, Bulla Regia, Sbeitla) zeige die staatliche Fürsorge noch ein gewisses Engagement. Anderes sehe die Sache an den unzähligen kleinen, weniger bekannten Ruinenstätten aus. Tlili sieht drei Gründe: 1. Schon unter der Regierung von Ben Ali habe es ein deutliches Defizit der behördlichen Fürsorge gegeben, das sich nach der Revolution noch verstärkt habe. 2. Die Behörden hätten seit dem arabischen Frühling einen deutlichen Zerfall und Autoritätsverlust erfahren und könnten ihre Aufgaben nur noch eingeschränkt wahrnehmen. 3. Ein wachsender Einfluss der Islamisten führe zu einem Desinteresse an allen Kulturstätten der vorislamischen Zeit.
"Tunesiens antikes Erbe. Die dritte Zerstörung Karthagos" (NZZ, 5.10.): http://www.nzz.ch/feuilleton/kunst_architektur/tunesiens-antikes-erbe-die-dritte-zerstoerung-karthagos-ld.120290
"Blickpunkt Tunesien: Zur Bedrohung archäologischer Fundstellen" (Archaeologik, 10.8.2015): http://archaeologik.blogspot.de/2015/08/blickpunkt-tunesien-zur-bedrohung.html


5. Ausbildung, Job-Themen und Personalia
5.1.
Als "Stipendium" deklarierte Arbeit auf Sozialhilfeniveau für Archäologin mit Studienabschluss wird getragen vom hessischen Landesarchäologen Dr. Udo Recker und den Kollegen Dr. Frank Verse, Prof. Dr. Egon Schallmayer und Thomas Becker
Die Stadt Rödermark (Kr. Offenbach), die Kommission für Archäologische Landesforschung in Hessen (KAL) und hessenArchäologie - also das Landesamt für Archäologie - haben im Oktober ihr bereits berüchtigtes Archäologie-"Stipendium" neu vergeben: Die Stipendiatin, Aika Diesch M. A., soll in den nächsten zwei Jahren die Grabungsdokumentation, die Befunde und Funde sowohl des Siedlungsbereichs Ober-Roden als auch das frühkarolingischen Klosters Rothaha aufarbeiten. Zusätzlich wird erwartet, dass sich die Stipendiatin mit Vorträgen und anderen Informationsveranstaltungen an die Bevölkerung wendet. Hessens früherer Landesarchäologe Prof. Dr. Egon Schallmayer wurde in Ober-Roden geboren und führte die Ausgrabungen 1985 bis 1994 in seiner Heimatgemeinde durch. Das Stipendium ist laut Ausschreibung mit 400, laut Zeitungsberichten mit knapp 500 Euro monatlich dotiert und wurde anlässlich Schallmayers Pensionierung 2013 ins Leben gerufen. Räumlichkeiten zum Wohnen und Arbeiten in Rödermark werden kostenfrei gestellt. Aika Diesch ist mit diesem Material Doktorandin bei Prof. Dr. Ingolf Ericsson, Universität Bamberg. Ein Artikel der Offenbach-Post vom 29.10. zeigt im Foto einige wenige der etwa 400 aufzuarbeitenden Fundkisten sowie das Waschen von Funden durch Aika Diesch und zwei Schüler. Über das Stipendium berichteten wir bereits 2014 bei seiner ersten Ausschreibung sehr kritisch (DGUF-Newsletter vom 19.6.2014 Punkt 5.3.). Im Sommer 2015 warf die damalige Stipendiatin Katharina Dittrich das Handtuch. Nun also der zweite Versuch, zu - soweit erkennbar - unverändert skandalösen Bedingungen: Das Stipendium ist mit 400 oder knapp 500 Euro monatlich dotiert. Das sind ca. 19 resp. 23 Euro pro Arbeitstag und damit selbst bei der wohlwollendsten Berechnung weniger als 3 Euro pro Stunde, also weniger als die Hälfte des Mindestlohns. Zum Vergleich: der Regelsatz des Arbeitslosengeldes II ("Hartz IV") liegt z. Zt. bei 404 Euro pro Monat; auch dann werden die Kosten für eine Wohnung übernommen, zusätzlich aber auch die Krankenversicherung, und es werden Grundbedürfnisse des Empfängers abgesichert. Hier wird also eine auf Sozialhilfeniveau honorierte 2-jährige wissenschaftliche Tätigkeit angeboten, die schönfärbend als Stipendium deklariert ist und die der Stipendiatin zwei Jahre Arbeit ohne beschert. Dass schon allein die Fundmenge und die weiteren geforderten Aufgaben die Stipendiatin zwei Jahre lang mindestens Vollzeit auslasten werden (die Dissertation kommt wie üblich unbezahlt dazu), ist aus fachlicher Sicht stark anzunehmen und wird auch durch die Aussage der ersten Stipendiatin untermauert, die als einen Grund für ihr Aufgeben im Sommer 2015 sagte, die zeitliche Dimension für die notwendigen Arbeiten sei "umfangreicher als angenommen" (Dreieich-Zeitung, 8.7.2015). Glaubhaft wirken hingegen die Willensbekundungen von Archäologie und Stadt, Aika Diesch tatkräftig zu unterstützen. "Ein aufwändiges Stipendium funktioniert nur mit vielen Partnern, sagte Dr. Frank Verse, der Chef der Kommission Archäologische Landesforschung, als er den Vertrag mit Stipendiatin Aika Diesch unterschrieb", schreibt die Offenbach-Post und bildet die zufrieden strahlenden Personen ab. Die Partner sind Bezirksarchäologe Thomas Becker und der hessische Landesarchäologe Dr. Udo Recker, Hessens früherer Landesarchäologe Prof. Dr. Egon Schallmayer, Rödermarks Bürgermeister Roland Kern und der Erste Stadtrat Jörg Rotter. Seriöse Arbeit soll seriös bezahlt werden - das gilt auch in der Archäologie. Aus Sicht der DGUF hätten die Verantwortlichen für das Forschungsvorhaben vorab Drittmittel einwerben müssen, um die Promovendin wie üblich mit einer 50%-Stelle nach TV-L 13 entlohnen zu können. Wenn das nicht möglich ist, sollte man ehrlich bleiben und von einer ehrenamtlichen Tätigkeit sprechen, um die es geht. So etwas darf es geben, z. B. auch als Citizen-Science-Projekt, aber dann ist der Begriff "Stipendium" verfehlt und auch ein anderes Betreuungsmodell aufzusetzen. Die DGUF fasst derzeit bei den Verantwortlichen nach, wie sie ihr wiederholt abweichendes Vorgehen mit ihrer fachlichen Ethik verbinden wollen. Die Briefe finden Sie auf DGUF.de.
"DGUF moniert unangemessenes 'Stipendium', vergeben durch die Hessische Landesarchäologie" (DGUF.de, 2.11.): http://www.dguf.de/413.html
"Archäologiestipendium der Stadt Rödermark neu vergeben" (Stadt Rödermark, 30.10.): http://www.familien-blickpunkt.de/aktuelles/archologiestipendium-der-stadt-rdermark-neu-vergeben.html
"Archäologie-Stipendium für Aika Diesch: Neue Hüterin der Scherben und Knochen" (Offenbach-Post, 29.10.): http://www.op-online.de/region/roedermark/neue-hueterin-scherben-knochen-archaeologie-stipendium-akia-diesch-ober-roden-6916123.html
"Archäologin beendet Stipendium. Vorzeige-Projekt liegt vorerst auf Eis" (Dreieich-Zeitung, 8.7.2015): http://www.dreieich-zeitung.de/rodgauroedermark/einzelansicht/article/archaeologin-beendet-stipendium-vorzeige-projekt-liegt-vorerst-auf-eis.html


5.2.
Adieu zu digitalen Semesterapparaten
Unterrichtsmaterialien werden den Studierenden an Universitäten mehr und mehr als digitale Unterlagen bereit gestellt, zugänglich via lokaler Cloud nur den Teilnehmern der jeweiligen Lehrveranstaltungen. Fotokopien z. B. von wichtigen gedruckten Texten verteilen: das war ehedem in dem begrenzten Rahmen einer geschlossenen Lehrveranstaltung erlaubt. Aber die VG Wort möchte diese Praxis nun im Digitalen unterbinden, resp. durch hohe bürokratische Hürden praktisch verunmöglichen. Bremst irgendjemand die VG Wort? Nein, kein Licht am Ende des Tunnels erkennbar, auch kein kollektiver Aufschrei gegen die VG Wort hörbar. Wirkung kurzfristig: Behinderung der akademischen Lehre, Rückfall ins Analoge. Wirkung langfristig: die VG Wort verdeutlicht allen Sehenden, dass Publizieren unter Copyright mehr und mehr einem Nicht-Publizieren gleichkommt. Wer künftig gelesen werden möchte, muss Open Access publizieren. Wissenschaftler werden diesen Weg gehen, und am Ende ist die VG Wort jetziger Art überflüssig.
"Ärger an Universitäten. Schluss mit digitalen Seminarunterlagen?" (Deutschlandfunk, 27.10.): http://www.deutschlandfunk.de/aerger-an-universitaeten-schluss-mit-digitalen.680.de.html?dram%3Aarticle_id=369771

5.3.
Archäologie ins Klassenzimmer bringen – mit frei zugänglichem Unterrichtsmaterial?
Open Educational Resources (kurz OER) geistern als Begriff immer öfter durch Diskussionen, die sich um die Bereitstellung von Lehr- und Lernmaterial drehen. Hierunter werden Unterrichtsmaterialien verstanden, die unter freier Lizenz im Internet verfügbar sind und so von jedem genutzt, in den meisten Fällen sogar dem Unterricht entsprechend angepasst werden können. Bereits jetzt nutzen immer mehr Lehrende OERs ergänzend zu den von ihrer Einrichtung zur Verfügung gestellten Büchern und Materialien. Es gibt eine ganze Reihe an Plattformen, auf denen Material eingestellt und abgerufen werden kann. OER bietet die Chance, bislang eher vernachlässigte Wissenschaftsbereiche, wie die Archäologie, in Schulmaterialien zu thematisieren. Es bedarf aber der Initiative seitens der Archäologie, solche Materialien zu erstellen. Ob OERs der Archäologie den Weg in die Klassenzimmer ebnen können, wird sich also noch zeigen.
Liste neuerer OER-Initiativen Weltweit (Wikipedia): https://de.wikipedia.org/wiki/Open_Educational_Resources#Neuere_OER-Initiativen
"Die Bundeszentrale f. polit. Bildung veröffentlicht drei Erklärvideos zu OER" (Transferstelle für OER, 6.10.): http://open-educational-resources.de/bpb-veroeffentlicht-drei-erklaervideos-zu-oer/
"OER: Geteilte Bildung ist doppelte Bildung" (Merton-Magazin, 17.10.): https://merton-magazin.de/oer-geteilte-bildung-ist-doppelte-bildung


6. Open Access & Open Data
6.1.
Ein skeptischer Blick auf den Status der globalen Transformation des wissenschaftlichen Publikationswesens in den Open Access
In dem kultur- und geisteswissenschaftlichen Blog / Zeitschrift "Geschichte der Gegenwart" veröffentlicht der Züricher Wissenschaftsforscher Michael Hagner eine Art Zwischenruf zum Thema Open Access. Aktuell sei zu Open Access scheinbar alles gesagt und der Weg dorthin für die Wissenschaft gesetzt, wiewohl aus Hagners Sicht Wichtiges ungeklärt ist. Allzu offensichtlich gehe es den staatlichen Förderern und der den Open Access massiv einfordernden EU eben nicht um die Wissenschaft als solche oder die mit dem Open Access verbundenen sozialen Ziele, sondern um die bessere Nutzbarkeit wissenschaftlicher Ergebnisse durch die Wirtschaft. Der weitere Weg des wissenschaftlichen Publikationswesens sei offen, da die durch den Open Access eigentlich zu hemmenden, teuren Verlagsmonopole inzwischen gelernt hätten und ihre Geschäftsmodelle auf den Open Access umstellen. Skeptisch skizziert Hagner den möglichen Weg vom Ist-Zustand des Open Access zu neuen und ebenfalls teuren Monopolen. Sein Modell einer alternativen, besseren Entwicklung findet sich inmitten seiner pessimistischen Grundstimmung: "Viel wird in Zukunft davon abhängen, in welchem Umfang es den Wissenschaften gelingt, das akademische Publikationswesen wieder in die eigene Hand zu nehmen und kommerziell orientierte Verlage vielleicht nicht auszuschalten, aber doch deren Monopolsituation aufzubrechen. In dieser Hinsicht wäre ein historischer Rückgriff auf die Gelehrtenrepublik des 17. Jahrhunderts, als wissenschaftliche Gesellschaften wie die Royal Society oder die Académie des Sciences tatsächlich ihre Zeitschriften unter eigener Regie herausbrachten, gerechtfertigt." Dazu möchte die Newsletter-Redaktion nur ergänzen: Ja, richtig, und daher tut die DGUF dies.
Michael Hagner: "#Open_Access: Wie der akademische Kapitalismus die Wissenschaften verändert" (Geschichte der Gegenwart, 25.9.2016): http://geschichtedergegenwart.ch/open_access-wie-der-akademische-kapitalismus-die-wissenschaften-veraendert/

6.2.
Deutschlands Wissenschaftsorganisationen kommentieren Open-Access-Erklärung des BMBF
Die "Allianz der Wissenschaftsorganisation", d. h. der Zusammenschluss aller großen Forschungsförderer in Deutschland, hat die jüngst erfolgte Selbstfestlegung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) auf Open Access (DGUF-Newsletter vom 4.10.2016 Punkt 6.4.) in einer Stellungnahme ausdrücklich begrüßt und zugleich mit feinen Akzentsetzungen kommentiert. Die Allianz betont die Bedeutung unterschiedlicher Fachkulturen, die man respektieren solle, und erinnert daran, dass es auch einer Open-Access-Strategie für Monographien bedürfe. Man kann den Text auch lesen als den Hinweis der Allianz, dass man in der Sache längst weiter sei als das BMBF und sich das BMBF besser mit den bereits bestehenden Aktivitäten koordinieren möge.
Allianz der Wissenschaftsorganisationen: "Stellungnahme: Zur Open Access-Strategie des Bundesministeriums für Bildung und Forschung" (13.10.): http://www.dfg.de/download/pdf/dfg_im_profil/reden_stellungnahmen/2016/161013_stellungnahme_allianz_open_access.pdf

6.3.
Siggener Thesen zum wissenschaftlichen Publizieren im digitalen Zeitalter
Am 24.10. wandte sich der 2013 begründete Siggener Kreis von seinem vierten Jahrestreffen mit den "Siggener Thesen zum wissenschaftlichen Publizieren im digitalen Zeitalter" (#Siggenthesen) an die Öffentlichkeit. Dahinter steht - gefördert von der Alfred Töpfer-Stiftung - die 1947 gegründete Monatszeitschrift "Merkur", die - so ihr Selbstbild - "die Standards für politische und kulturelle Essayistik im deutschsprachigen Raum" setzt. Die zehn Siggener Thesen lauten: (1) Digitales Publizieren braucht verlässliche Strukturen statt befristeter Projekte. (2) Die traditionellen Großverlage behindern strukturell unsere offene Wissenschaftskommunikation. (3) Wir publizieren Open Access, um zu kommunizieren. Langzeitverfügbarkeit ist ein nachrangiges (weitgehend gelöstes) Problem. (4) Der Streit um Open Access ist kein Streit um technische Formate, sondern um Status und verschwindende Disziplinengrenzen. (5) Webmedien wie Blogs, Wikis und andere soziale Medien sind zentral für einen offenen und freien Wissenschaftsdiskurs. (6) Transparente Daten und ihre Bewertung ermöglichen andere und neue Formen der Qualitätsmessung in der Wissenschaft. (7) In digitalen Publikationen und ihren Versionen können Autorschafts- und Beiträgerrollen genauer differenziert werden. (8) Entscheidungen über die digitale Agenda und ihre Infrastrukturen in der Wissenschaft setzen digitale Expertise voraus. (9) Der Erwerb und Einsatz digitaler Kompetenzen ist für die Ausbildung, Lehre und Forschung fundamental. (10) Medienkonvergenzprognosen sind immer unsinnig. Aus Sicht der Newsletter-Redaktion sind es weniger die konkreten Aussagen, die bemerkenswert sind, denn diese finden sich in Varianten seit längerem auch andernorts. Wesentlich ist, dass die angeführten Elemente als zusammengehöriges Bündel gesehen werden und als Modell einer neuen Wissenschaftskultur nunmehr in den politischen Mainstream eindringen. Richtig ist allerdings auch die Beobachtung von @esteinhauer am 25.10., was in den Siggener Thesen ausgeklammert blieb: "these 11 als auslassung: wir reden nicht über urheberrrecht".
"Siggener Thesen zum wissenschaftlichen Publizieren im digitalen Zeitalter" (24.10., Merkur Blog): https://www.merkur-zeitschrift.de/2016/10/24/siggenthesen/
Ben Kaden: "Wissenschaftskommunikation auf Gut Siggen. Und zehn Thesen als Ergebnis" (Blog LIBREAS aktuell, 24.10.): https://libreas.wordpress.com/2016/10/24/siggener-thesen-wissenschaftskommunikation/

6.4.
"Deutsche Digitale Bibliothek" legt zahnloses Strategiepapier vor
Die "Deutsche Digitale Bibliothek" ist eine vollständig von der öffentlichen Hand finanzierte Institution (mit Postadresse Stiftung Preußischer Kulturbesitz) - v. a. gefördert durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien - welche "die Bestände der deutschen Kultur- und Wissenseinrichtungen kostenfrei online zugänglich" machen will. "Die Deutsche Digitale Bibliothek bietet über das Internet freien Zugang zu Millionen von Büchern, Kunstwerken, Archivalien, Bildern, Skulpturen, Musikstücken, Denkmälern, Urkunden, Tondokumenten, Filmen, Noten und vielem mehr." Diese Bibliothek legt nun ihre "Strategie 2020" vor, ein 76-seitiges Dokument (Open Access) mit vielen klugen Gedanken und Konzepten, das den Nutzern eine gut gesicherte, gut erschlossene und sehr umfassende Informationswelt im digitalen Raum in Aussicht stellt. Spannend! Besonders spannend wird der Text ab S. 46 beim Thema "Verbesserung der Rahmenbedingungen", wo wiederum vieles Kluge zusammengestellt ist. Doch des Pudels Kern findet sich nicht als Gliederungspunkt oder Zwischenüberschrift, sondern samtpfötchenhaft diskret im Kleingedruckten: "Zum einen müssen die rechtlichen Rahmenbedingungen so angepasst werden, dass Kultur- und Wissenseinrichtungen ihrem gesetzlichen Auftrag zur Zugänglichmachung von Kulturgut nachkommen können." "Können" statt "müssen"! Solange der Staat einerseits an einem in Teilen problematischen Urheberrecht (präziser: Verwertungsrecht) festhält, sein unsägliches Leistungsschutzrecht nunmehr gar europaweit durchdrücken möchte und das Thema Bildrechte an öffentlichem Kulturgut nicht rechtswirksam anfasst (siehe Streit REM vs. Wikipedia), bleibt all dies - liebe Kollegen - ziemlich hohl. Denn eine noch so gut gepflegte Dateninfrastruktur und eine perfekte Erschließung der Inhalte ändern nichts daran, dass auf bestehenden rechtlichen Grundlagen dann vor allem Wissenschaft und Kulturgut vom Urschleim bis ins 19. Jahrhundert zugänglicher wird (sofern es nicht im 20. Jh. fotografiert wurde), uns das jüngste Jahrhundert jedoch weitgehend verschlossen bleibt. Übrigens: Auf europäischer Ebene lesen sich vergleichbare Papiere auf den ersten Blick ähnlich einleuchtend und richtungsweisend, und auf den zweiten Blick ähnlich weltfremd resp. den bestehenden Konflikten aus dem Wege gehend, wie z. B. das jüngste Papier der "European Open Science Cloud (EOSC)" eindrucksvoll dokumentiert.
"Deutsche Digitale Bibliothek veröffentlicht Strategie 2020" (Pressemeldung, 13.10.): https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/content/ueber-uns/aktuelles/deutsche-digitale-bibliothek-veroeffentlicht-strategie-2020
Deutsche Digitale Bibliothek: Strategie 2020 (Oktober 2016): https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/static/files/asset/document/ddb_strategie_2020_download.pdf
"Realising the European Open Science Cloud", First report and recommendations of the Commission High Level Expert Group on the European Open Science Cloud (EU, Luxembourg 2016): http://ec.europa.eu/research/openscience/pdf/realising_the_european_open_science_cloud_2016.pdf


7. Bürger und Archäologie & Citizen Science
7.1.
"The Future of Community Archaeology". Vortrags-Videos von CIfA2016 Annual conference and training event (Leicester, 20.-22.4.2016)
Was passiert mit all der Arbeit, die Bürger und Archäologen gemeinsam tun – Ausgrabungen, Surveys und Untersuchungen? Haben Bürger dabei nur eine schöne Zeit, ruinieren perfekte Befunde und nehmen Archäologen den Job weg? Diese Befürchtungen haben jedenfalls auch britische – nicht nur deutsche – Fachkollegen. In Großbritannien ist "community archaeology" jedoch deutlich stärker verbreitet als im deutschsprachigen Raum, damit sind auch die Erfahrungen ungleich umfassender. Von der Session "The Future of Community Archaeology" der Jahrestagung des Chartered Institute for Archaeologists (CIfA) hat Doug Rocks-Macqueen nun fünf Vortragsvideos zum Thema online verfügbar gemacht.
https://dougsarchaeology.wordpress.com/2016/10/26/the-future-of-community-archaeology/


8. Ausstellungen und Museen
8.1.
"Eindrucksvoll und zurückhaltend": Besuch in der Ausstellung "Schätze der Archäologie Vietnams" (Westfälisches Landesmuseum Herne, 7.10.2016-26.2.2017)
Da ist sie nun, die nach gefühlt ewigen Vorbereitungen (ca. 9 Jahre) lang erwartete Vietnam-Austellung in Herne, die später im smac in Chemnitz (31.3.-20.8.2017) und in den REM in Mannheim (16.9.2017-7.1.2018) zu sehen sein wird. Der hohe, loft-artige Raum für Sonderausstellungen in Herne ist eindrucksvoll und zurückhaltend gestaltet: Ein roter Lackweg und ein Tempelportal bilden die leitende und ordnende Blickachse. Rechts und links davon sind ansprechend gestaltete Themenbereiche geschaffen. Mit sparsamen Mitteln, Bambus und einem erdigen Braunton, der auf Fotos auch als dominante Farbe der Böden und der Flüsse begegnet, sind unaufdringlich exotische Räume geschaffen, in denen man sich auf die Exponate konzentrieren kann. Es sind 300 oder 400 (die Angaben widersprechend sich) Highlights aus der Archäologie Vietnams, grob chronologisch geordnet vom Paläolithikum bis ins 15. Jahrhundert n. Chr. Oft wundert man sich bei der Angabe von Fundzeiten, wie viel und wie seriös Archäologie überhaupt möglich war während und zwischen den vielen Kriegen im Vietnam des 20. Jahrhunderts. Die jüngste Geschichte des Landes bleibt in der archäologischen Ausstellung selbst außen vor, aber in einem schmalen (und für wirklichen Besucherandrang nicht geeigneten) Gang ist die Geschichte Vietnams im 20. Jahrhundert dokumentiert und mit einigen Exponaten wie z. B. Postkarten illustriert. Hier wird auch die ganz unterschiedliche Teilhabe und Involvierung Deutschlands, als Bundesrepublik einerseits und als DDR andererseits, an der jüngeren Geschichte des Landes thematisiert. In der Archäologie machen die dem normalen Besucher zuvor gänzlich unbekannten Objekte staunen, besonders ein Lithophon und die großen bronzenen Trommeln mit ihren reichen Darstellungen bleiben in Erinnerung. Große Tempelanlagen, von denen Skulpturen und Architekturteile als Exponate gezeigt werden, sind in Modellen und vor allem Fotos und Videos präsentiert. In dieser Zusammenstellung dürfte die Ausstellung auch für Kenner etwas besonderes sein, denn die Exponate stammen nicht etwa allesamt aus einem großen Nationalmuseum, sondern sind aus vielen unterschiedlichen Provinzmuseen zusammengetragen. Die in der Ausstellung gegebenen Informationen sind knapp, auf das Wesentliche reduziert, einen Audioguide o. ä. mit vertiefenden Informationen gibt es nicht. Nach etwa zwei Stunden hat man die Ausstellung wirklich komplett wahrgenommen. Wer Vertiefung sucht, findet sie in dem gewichtigen Katalogband, der als aktuelles Handbuch zur Archäologie Vietnams gelten kann. Der Eintrittspreis ist niedrig (5 bzw. 3 Euro), und die (sehr) freundlichen Mitarbeiterinnen an der Museumskasse empfehlen den Besuch nachmittags an einem Werktag, weil es dann ruhiger sei. Der prächtige Ausstellungskatalog (600 Seiten, ca. 3,1 kg) kostet knapp 25 Euro.
Ausstellungs-Website: http://www.vietnam-ausstellung.de/
"LWL-Museum für Archäologie Ausstellung zeigt die große Vielfalt von Vietnam" (Ruhrnachrichten, 5.10.): http://www.ruhrnachrichten.de/leben-und-erleben/kultur-region/LWL-Museum-fuer-Archaeologie-Ausstellung-zeigt-die-grosse-Vielfalt-von-Vietnam;art1541,3126796
"Warum es Vietnam überhaupt noch gibt" (Die Welt, 7.10.): https://www.welt.de/geschichte/article158597928/Warum-es-Vietnam-ueberhaupt-noch-gibt.html
"Schätze der Archäologie Vietnams: Interview mit dem Chefkurator Andreas Reinecke" (Ausstellungsblog LWL Museum Herne, 6.10.): https://www.lwl-landesmuseum-herne.de/blog/reinecke-interview

8.2.
Reiss-Engelhorn-Museen gewinnen vor Gericht im Bilderstreit mit Wikimedia
Im Streit zwischen der Wikimedia und den Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim (REM) um die Nutzungsrechte an Bildern hat das Landgericht Stuttgart, wie ähnlich zuvor das Landgericht in Berlin, zu Gunsten der REM entschieden. Das Urteil besagt: (1) Es besteht ein Urheberrecht (genauer: Lichtbildschutz) an Reproduktionsfotografien, worauf sich das Museum berufen kann, um die freie Nutzung solcher Abbildungen zu unterbinden. (2) Der Besucher, welcher in den REM ein Bild aus dem Besitz der REM fotografiert hat, darf dieses nicht so in der Wkipedia allgemein verfügbar machen, dass eine kommerzielle Nutzung möglich ist. Solche Bilder müssen nun in der Wikipedia gelöscht werden. Wikimedia hat angekündigt, gegen das Urteil vorzugehen und den Streit vor die nächste Instanz zu ziehen. Übrigens: Vom 17.-18.11. widmet sich die Tagung "Zugang gestalten: mehr Verantwortung für das kulturelle Erbe" mit einer Podiumsdiskussion diesem Thema. Mehr unter Punkt 2.8. in diesem Newsletter.
"Gemeinsame Pressemitteilung der Kanzlei MMR Müller Müller Rößner, Berlin und der Reiss-Engelhorn-Museen, Mannheim vom 11.10.2016": http://www.mueller-roessner.net/landgericht-stuttgart-wegweisende-entscheidung-zu-fragen-der-museumsfotografie/
"Landgericht Stuttgart: Wikipedia-Fotograf muss Museumsfotos löschen" (iRightsInfo, 11.10.): https://irights.info/artikel/landgericht-stuttgart-wikipedia-fotograf-muss-museumsfotos-loeschen/28033
"Streit um Gemälde-Fotos in Wikipedia: Museum gewinnt vor Gericht" (Rhein-Neckar-Zeitung, 11.10.): http://www.rnz.de/kultur-tipps/kultur-regional_artikel,-Streit-um-Gemaelde-Fotos-in-Wikipedia-Museum-gewinnt-vor-Gericht-_arid,227565.html
"Why Taking Photographs Is Banned in Many Museums and Historic Places" (Observer, 12.10.): http://observer.com/2016/10/why-taking-photographs-is-banned-in-many-museums-and-historic-places/

8.3.
Das Wahlversprechen "Archäologisches Landesmuseum Mecklenburg-Vorpommern"
Am 1.11. wurde in Schwerin die neue Landesregierung von Mecklenburg-Vorpommern - erneut auf Basis einer Koalition von SPD und CDU - vereidigt und kurz zuvor der in langem Ringen geborene Koalitionsvertrag zwischen SPD und CDU förmlich unterzeichnet. Wie steht es um das in den Wahlprüfsteinen der DGUF dokumentierte Wahlversprechen beider Parteien, ein Archäologisches Landesmuseum in Mecklenburg-Vorpommern einzurichten? Schlecht! In dem 77-seitigen Vertrag finden sich die Begriffe "Landesmuseum" und "Archäologie" an keiner Stelle, es fehlt jede Aussage zu dem allen Bürgern vor der Wahl avisierten Archäologischen Landesmuseum. Der Grund - so die Schweriner Volkszeitung - sei die weiterhin offene Standortfrage, denn die CDU wolle sich nicht auf Rostock festlegen. Mit Sorge verfolgte die "Initiative pro Archäologisches Landesmuseum" (IPAL) den Verlauf der Koalitionsverhandlungen und bat noch während der Koalitionsverhandlungen ihre Unterstützer erneut, durch Unterzeichnung ihres Aufrufs pro Landesmuseum weiterhin Druck auf die Politik zu machen - doch gefruchtet hat dies zunächst nichts. Daher hat die IPAL einen neuen Weg beschritten und sich mit dem Anliegen Archäologisches Landesmuseum förmlich an den Petitionsausschuss des Landtags gewendet; dieser wird den Fall in der nun beginnenden Legislaturperiode beraten. Für die DGUF unterstreicht der aktuelle Fall den Sinn förmlicher Wahlprüfsteine. Denn nun wird man spätestens gegen Ende der Legislaturperiode das Verhältnis zwischen den archäologierelevanten Wahlversprechen der Regierungsparteien und dem tatsächlich Umgesetzten prüfen können und Parteien wie Wählern das Resultat zur nächsten Landtagswahl mit auf den Weg geben können.
SPD & CDU Mecklenburg-Vorpommern: "Koalitionsvereinbarung 2016-2021" (1.11.): http://www.spd-fraktion-mv.de/images/Koalitionsvereinbarung%202016-2021.pdf
"Archäologisches Landeszentrum : Rathausspitze kritisiert Geschacher ums Museum" (Schweriner Volkszeitung, 19.10.): http://www.svz.de/lokales/rostock/rathausspitze-kritisiert-geschacher-ums-museum-id15124076.html
"Wo bleibt das Landesmuseum?" (Pressemeldung IPAL, 20.10.2016): http://www.ipal-mv.de/tpl/pressemitteilung_2016-10.inc
"Wahlprüfsteine 'Archäologie' zur Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern am 4. September 2016" (DGUF): http://www.dguf.de/403.html

8.4.
Pergamonmuseum: Kein Ausgleichsprogramm für Besucher, aber längerer Umbau und höhere Kosten
Den Pergamonaltar für fünf Jahre der Weltöffentlichkeit zu entziehen, sei schon eine Unverschämtheit gewesen, wettert der Deutschlandfunk in einem Beitrag vom 30.10. "Niemals wäre das British Museum auf so eine Idee gekommen." Nun solle der Altar jedoch noch weitere "vier, fünf, oder sonst wie viele Jahre" nicht zu sehen sein - ohne jedes Ausgleichsprogramm für die Bürger. Das sei der eigentliche Skandal, nicht die steigenden Baukosten von derzeit geschätzt mindestens 385 Mio. Euro statt wie ursprünglich berechnet 277 Mio. Euro.
"Umbau des Pergamonmuseums: Skandalöser Umgang mit den Besuchern" (Deutschlandfunk, 30.10.): http://www.deutschlandfunk.de/umbau-des-pergamonmuseums-skandaloeser-umgang-mit-den.691.de.html?dram:article_id=370037

8.5.
Interessante Hinweise für Museen zum Umgang mit digitalen Publikationen
Publikationen wie z. B. Kataloge in digitalem Format bieten Museen die Chance, ihre Inhalte dem Publikum leichter zugänglich zu machen. Institutionen, die diesen Schritt gehen wollen oder erwägen, bietet der Digital-Experte Javier Celaya zwölf kurze, interessante Hinweise, die berücksichtigt werden sollten. Sollte man dem Publikum beispielsweise die Chance bieten, sich Inhalte aus verschiedenen Publikationen nach eigenen Interessen zusammenzustellen (zu remixen)?
Javier Celaya, "The digital publishing of the museums' publications, an opportunity" (Blog Museu Nacional d’Art de Catalunya, Barcelona, 20.10.): http://blog.museunacional.cat/en/the-digital-publishing-of-the-museums-publications-an-opportunity/
Twitterkanal von Javier Celaya: https://twitter.com/javiercelaya

9. Und sonst …
9.1.
Österreichischer Rechnungshof kritisiert in einem Rohbericht das Bundesdenkmalamt
Im Herbst 2015 hatte der österreichische Rechnungshof das Geschäftsgebaren des Bundesdenkmalamtes (BDA) für die Jahre 2012 bis 2014 geprüft. Ein Abschlussbericht dazu liegt ein Jahr später zwar noch immer nicht vor, ein Rohbericht aber, dessen Inhalt jüngst an die Öffentlichkeit gelangte. Dieser stellt dem BDA offenbar kein gutes Zeugnis aus. Laut der Tageszeitung "Der Standard" beinhaltet der vertrauliche Bericht, der noch keinerlei Stellungnahme der dem Bundeskanzleramt unterstehenden Behörde enthält, 99 Empfehlungen – und einige Kritik. Die Vorwürfe beziehen sich vor allem auf eine mangelhafte wirtschaftliche Führung, berichtet "Der Standard", welchem der Rohbericht vorliegt. Zum Teil würde die Abwicklung von Projekten als unprofessionell kritisiert. Dabei werde vor allem der Aufbau eines elektronischen Denkmalinformationssystems bemängelt, der nicht nur deutlich mehr Zeit in Anspruch nehme als veranschlagt - nämlich sechs Jahre mehr als geplant -, sondern auch wesentlich teurer sei. Voraussichtlich sollen sich die Kosten der Fertigstellung bis zum Jahr 2019 auf 10 statt 2 Millionen Euro belaufen. Die Präsidentin des BDA, Barbara Neubauer, entgegnete gegenüber den Medien, dass das BDA als Dienststelle des Bundeskanzleramtes in diesem Falle den Auftrag gar nicht selbst vergeben habe. Auch Zahlen und Daten zu diesem Projekt stimmten nicht. Neben dem BDA weist auch das SPÖ-geführte Bundeskanzleramt darauf hin, dass dem BDA noch keinerlei Gelegenheit eingeräumt wurde, zu den Vorwürfen im Bericht Stellung zu beziehen. Tatsächlich handelt sich um einen vertraulichen und u. a. ohne Stellungnahmen des kritisierten Amtes auch unfertigen Bericht, der nun an die Öffentlichkeit gelangt ist. Der Kultursprecher der rechtspopulistischen FPÖ, Walter Rosenkranz, den die Partei in einer Pressemeldung vom 20.10. als Aufdecker einer skandalösen Misswirtschaft im BDA feiert, fordert von Kulturminister Thomas Drozda (SPÖ) Aufklärung und personelle Konsequenzen. Inwiefern sich die im Rohbericht enthaltenen Kritikpunkte und Empfehlungen des Rechnungshofes auch in der Endfassung wiederfinden werden, bleibt abzuwarten. Offen muss damit auch vorerst die Frage bleiben, ob es dieser - in gewohnt lautstarker FPÖ-Manier - erhobenen Forderungen nach raschen Konsequenzen tatsächlich bedarf. Selbst Kritikern des BDA drängt sich der Verdacht auf, dass es bei dieser Veröffentlichung eines vertraulichen und vor allem unfertigen Dokumentes eher um politische Spielchen handelt. Das BDA sollte nun rasch Stellung beziehen und auf eine zügige Fertigstellung des Berichtes drängen, damit das Ansehen der Denkmalpflege, um das es in Österreich ohnehin nicht zum Besten steht, nicht auch noch durch politische Ränkespiele beschmutzt wird.
"Rohbericht bezüglich Denkmalamt: Viel Kritik und 99 Empfehlungen" (Der Standard, 23.10.): http://derstandard.at/2000046370946/Rohbericht-zu-Denkmalamt-99-Empfehlungen-und-viel-Kritik
"FPÖ-Kultursprecher Walter Rosenkranz deckt skandalöse Misswirtschaft im Bundesdenkmalamt auf" (Pressemeldung FPÖ, 20.10.): https://www.fpoe.at/artikel/fpoe-kultursprecher-walter-rosenkranz-deckt-skandaloese-misswirtschaft-im-bundesdenkmalamt-auf/
"Zahnloser Denkmalschutz" (ORF, 24.10.) http://orf.at/stories/2363646/

9.2.
Wer hat Interesse? Bücher zur Rezension in den "Archäologischen Informationen"
Ressourcenmanagement der Trichterbechergesellschaften, das trichterbecherzeitliche Westholstein, Fremdeinflüsse in der Eisenzeit Westfalens uvm.: Aus dem Programm des Habelt-Verlags stehen einige interessante Bücher bereit, die in den "Archäologischen Informationen" rezensiert werden können. Wer Interesse hat, melde sich bei den Herausgebern.
http://www.dguf.de/fileadmin/user_upload/publikationen/AI/DGUF-Dok_ArchInf_Buecher-zur-Rezension.pdf

9.3.
"Äußerst fruchtbares Format": Tagungsbericht "Der _digital turn_ in den Altertumswissenschaften" (Freiburg, 30.6.-1.7.2016)
Michael Braun (Univ. Freiburg) fasst aus seiner Sicht die Tagung über den Digital Turn in den Altertumswissenschaft zusammen (Freiburg, 30.6.-1.7.). Einen breiten Raum hätten Debatten um Open Access ja/nein sowie um die Frage, inwieweit zeitgemäße Editionsprojekte vornehmlich digital sein sollten oder nicht, eingenommen. Braun schildert die Abkehr der Tagung von einer reinen Abfolge von Vorträgen hin zu einer stark von Diskussionen getragenen Veranstaltung als Gewinn. Bei den Kernpunkten der Debatten habe es zwischen den ziemlich festgefügten Fraktionen der Digitalen und der Analogen Ansätze zu einem fruchtbaren Austausch gegeben.
Michael Braun: "Tagungsbericht: Der _digital turn_ in den Altertumswissenschaften: Die Zukunft der digital Classics bei digitalen Editionen und im Open Access" (H-Soz-Kult, 22.10.): www.hsozkult.de/conferencereport/id/tagungsberichte-6760

9.4.
Kantonsarchäologie St. Gallen feiert 50. Geburtstag - und darbt
Nach langer Betreuung der Archäologie durch Ehrenamtliche wurde 1966 eine hauptamtliche Kantonsarchäologie im Schweizer Kanton St. Gallen (ca. 500.000 Einwohner) eingerichtet. Heute umfasst das Team einschließlich des landesweit renommierten Kantonsarchäologen Dr. Martin Schindler insgesamt sechs fest angestellte Archäologen (auf 2,7 Vollzeitstellen). Der runde Geburtstag wird in der Sonderausstellung "Etwas gefunden? 50 Jahre Kantonsarchäologie St. Gallen" (1.10.2016-2.4.2017) gefeiert. Ein aktuelles Interview im Schweizer Rundfunk mit dem Kantonsarchäologen verdeutlicht die Lage in St. Gallen, die indes typisch ist für viele Schweizer Kantonsarchäologien: Die Grundausstattung (feste Planstellen, festes Budget) ist dürftig, aber flexible Mittel stehen in hinreichender Höhe - in St. Gallen dank des Lotteriefonds - zur Verfügung. Es mangelt indes an festem Personal, d. h. an der Nachsorge der jeweils als individuelles Projekt auskömmlich finanzierten Ausgrabungen. Zum unlängst gescheiterten Antrag der Kantonsarchäologie auf eine weitere feste Planstelle nimmt im Rundfunkinterview der SVP-Fraktionsführer Michael Götte Stellung. Die politisch rechts angesiedelte "Schweizer Volkspartei" (SVP) ist seit den jüngsten Wahlen mit knapp 30 % der Stimmen die Mehrheitsfraktion im Kantonsparlament. Götte ordnet die Archäologie als eine wünschenswerte öffentliche Aufgabe ein, die aber in Zeiten von Einsparbudgets nicht zu den Kernaufgaben des Staates gehöre. Schindler erwidert in Schweiz-typischer Chiffre, dass er dies anders sehe ("eine Frage der Perspektive"). Es gelte, Archäologie öffentlich zu halten und nicht zur Sache reicher Sammler zu machen. Was fällt auf? Das Stichwort "Verursacherprinzip" ist in der Schweiz praktisch unbekannt, vielmehr - so heißt es in einem FAQ zur Frage "Wer finanziert die archäologische Untersuchung?" auf der kantonalen Website explizit: "Im Kanton St. Gallen übernimmt der Kanton in der Regel die Kosten für archäologische Untersuchungen." Die öffentliche Hand also refinanziert den von privaten Investoren zu individuellem Vorteil verursachten Schaden am allgemeinen Kulturerbe. Dies, obwohl die Konvention von La Valletta /Malta, in der europaweit u. a. das Verursacherprinzip vereinbart wurde, seit dem 18. Sept. 1996 auch in der Schweiz rechtskräftig ist. Wenn es an so Grundlegendem mangelt, darf es nicht verwundern, dass die mit jeder Ausgrabung nach Abschluss der Feldarbeiten notwendigerweise anfallenden Grabungsfolgekosten (Archivfähig-Machung, katalogartige Publikation) weder per Verursacherprinzip noch sonstwie abgedeckt sind - wie es schon Urs Niffeler (2007) in seiner weiterhin lesenswerten Bilanz der Schweizer Autobahnarchäologie darlegte. So badet heute eine junge, sehr aktive Generation von Schweizer Archäologen aus, was in finanziell besseren Zeiten versäumt wurde, ethisch und rechtlich festzuzurren.
Interview mit Martin Schindler und Michael Götte: "Zur Geschichte gehören nicht nur die letzten 50 Jahre" (SRF, 30.9.; Audio, 8:55 Min.): http://www.srf.ch/news/regional/ostschweiz/zur-geschichte-gehoeren-nicht-nur-die-letzten-50-jahre
Website der Kantonsarchäologie St. Gallen: http://www.srf.ch/news/regional/ostschweiz/zur-geschichte-gehoeren-nicht-nur-die-letzten-50-jahre
Broschüre / Ausstellungskatalog Selbstdarstellung der St. Galler Kantonsarchäologie (32 S., Open Access): http://www.sg.ch/home/kultur/archaeologie/aktuell/_jcr_content/Par/downloadlist_3/DownloadListPar/download_0.ocFile/KASG_Broschure_A5_web.pdf
Schweizer Eidgenossenschaft, Der Bundesrat: "Europäisches Übereinkommen zum Schutz des archäologischen Erbes (revidierte Fassung)" (22.1.2016): https://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/19920006/index.html
H.-G. Bandi & U. Niffeler (2007). Ein halbes Jahrhundert archäologische Betreuung des Nationalstrassenbaus in der Schweiz. Jahrb. AS 90, 41-52. http://www.e-periodica.ch/digbib/view?pid=jas-004:2007:90#44

9.5.
Martin Roth über wachsenden Nationalismus und einen Kulturbetrieb, der sich wegduckt
"Wegen eines Museums ist Gott sei Dank noch kein Krieg begonnen worden. Welchen Krieg aber haben die Museen je verhindern können?" Das fragt Martin Roth, ehemaliger Direktor des Victoria and Albert Museums in London, in einem eindrücklichen Gastbeitrag in der "Zeit". Einen Krieg verhindern helfen: wird die politische Bedeutung der Museen mit einem solchen Postulat nicht hoffnungslos überschätzt? Nein!, sagt Roth. Es wäre "grundverkehrt, die Direktoren und Kuratoren vorschnell aus der Verantwortung zu entlassen. Wer ein Museum, eine Sammlung leitet, darf nicht nur die konservatorischen Belange im Blick haben, sondern ebenso die moralischen und ethischen Werte." Museen und Sammlungen seien nicht unpolitisch, sie hätten außerdem etwas Widerständiges an sich. "Deshalb wundert es mich sehr", schreibt Roth, "dass in Deutschland so gut wie niemand aus der Kultur und Kunst gegen den zunehmenden Nationalismus, den xenophobischen Hass aufsteht." Die Kultur schaue zu, wenn Flüchtlingsheime in Deutschland brennen. Es sollten jedoch vielmehr sich "jene zu Wort melden, die durch ihre Reputation, ihre Erfahrung – und ihre Macht in der Lage sind, den gesellschaftlichen Diskurs entscheidend zu prägen. Sie sollten es tun, solange sie dies noch unabhängig und mit stolzer Stimme vermögen."
Martin Roth, "Der Traum vom intellektuellen Widerstand" (Zeit, 8.10.): http://www.zeit.de/2016/42/nationalismus-intellektueller-widerstand-populismus-theater-museen-martin-roth/komplettansicht

9.6.
Wertvolle Informationen zum Copyright- und Lizenz-Dschungel
"Limitations and Exceptions in EU Copyright Law for Libraries, Educational and Research Establishments.: A Basic Guide ": Ihr Titel trifft den Inhalt dieser kostenlosen Broschüre nicht ganz. Wer als Wissenschaftler hier den dringend benötigten Führer durch den Copyright- und Lizenzdschungel erwartet, wird enttäuscht und erhält dennoch auf 17 Seiten viele wertvolle Informationen. Der Autor ist die "Ligue des Bibliothèques Européennes de Recherche – Association of European Research Libraries" (LIBER), der heute etwa 400 Mitglieder starke Verbund von Forschungsbibliotheken. Sie stellen in dieser Broschüre aus einer Bibliotheksperspektive ihre aktuellen Aufgaben und Bedürfnisse dar und wie die existenten Copyright-Regelungen sich dazu verhalten. Im Grunde genommen ist diese Broschüre ein hochpolitisches Papier, nämlich ein Einmischen der Forschungsbibliotheken in die laufenden nationalen und europäischen Debatten um Renovierungen des Copyrights. Denn einerseits sollen Autoren und Werke geschützt werden, andererseits soll wissenschaftliches Arbeiten mit Publikationen unter Bedingungen des Internet möglich sein. Eine nützliche Publikation, die als PDF bezogen werden kann.
"Limitations and Exceptions in EU Copyright Law for Libraries, Educational and Research Establishments.: A Basic Guide" (LIBER, 14.10.): http://libereurope.eu/blog/2016/10/14/basic-guide-eu-copyright-limitations-exceptions-libraries-educational-research-establishments/

9.7.
"Tomb Raider": Ein Computerspiel wird 20
Es gibt Dinge, die im öffentlichen Bewusstsein untrennbar mit der Archäologie verbunden sind - Realität hin oder her: Gold finden, zum Beispiel, und der permanente Einsatz von Zahnbürsten und Pinseln. (Hallo? Wir leben im 21. Jahrhundert - selbst Archäologen haben inzwischen Staubsauger!) Peitschen und Hüte gehören dazu, natürlich, und diese englische Adlige, die Countess of Abbington, die ständig Knarren zu Hotpants und hellblauem Tanktop trägt: Lara Croft. Vor genau 20 Jahren, am 25. Oktober 1996, wurde das erste Tomb-Raider-Spiel veröffentlicht. Und damit begann der Siegeszug einer der weltweit erfolgreichsten Computerspiel-Serien, von der - nach unübersichtlich vielen Fortsetzungen, diversen literarischen Ablegern und zwei Kinofilmen - mit "Rise of the Tomb Raider" jetzt pünktlich zum Jubiläum ein neues Spiel veröffentlicht worden ist. Lara Croft nun irritierenderweise mit Pfeil und Bogen - aber mit im Vergleich zu den Anfängen beeindruckend verbesserter Grafik. Ach ja, und Angelina Jolie ist übrigens auch wieder solo - aber das gehört nun wirklich nicht hierher ...
"Tomb Raider (1996)" (Wikipedia-Eintrag zum ersten Spiel der Serie): https://de.wikipedia.org/wiki/Tomb_Raider_(1996)
"tombraider.com" (offizielle Webpräsenz mit u. a. einer Zeitleiste zur Geschichte der Spielserie): https://www.tombraider.com/
"Ein Game feiert Geburtstag" (HNF-Blog, 21.10.): http://blog.hnf.de/ein-game-feiert-geburtstag/
"Rise of the Tomb Raider 20-jähriges Jubiläum: Die PS4-Version im Test" (PCGames.de, 20.10.): http://www.pcgames.de/Rise-of-the-Tomb-Raider-Spiel-54451/Tests/20-jaehriges-Jubilaeum-Review-PS4-1211050/

9.8.
20 "Gebote" für eine gute Veranstaltung
Für das "Histocamp" (DGUF-Newsletter vom 5.10.2016 Punkt 2.4.) haben die Kollegen "20 Gebote" formuliert, von denen einige auch für andere Veranstaltungen absolut beherzigenswert sind und sicher übernommen werden dürfen. Drei Beispiele: "Diskutiert feurig, aber immer fair.", "Stellt Fragen und gebt Antworten." und "Tragt zu einer angenehmen Atmosphäre für alle bei."
http://histocamp.hypotheses.org/1302

9.9.
Gedrucktes und elektronisches Lesen in stabilen Relationen
Etwa ein Viertel aller Bundesbürger lesen Bücher zumindest gelegentlich als E-Book - das ergibt die aktuelle repräsentative Studie von Bitkom. Dabei beobachtet man ein erwartetes Altersgefälle: bei der Kohorte der bis 29-Jährigen liegt der Anteil der E-Book-Nutzer bei 37 %. Die Zahlen entsprechen weitgehend den Zahlen des letzten Jahres. Eine aus Sicht der Bitkom anzustrebende Förderung der E-Books läge darin, den Mehrwertsteuersatz für elektronische Bücher von derzeit 19 % auf den für gedruckte Bücher geltenden verminderten Satz von 7 % zu senken. Lassen wir die Steuerdebatte beiseite: Nennenswert viele, insbesondere junge Leser nutzen auch elektronische Publikationen, eine Erkenntnis, die auch in der Archäologie relevant ist. Aber auch umgekehrt darf es formuliert werden: Das Lesen gedruckter Bücher ist weiterhin üblich und wird derzeit durch die E-Books nicht mehr vermindert.
"Nutzung von E-Books bleibt stabil" (Pressemeldung Bitkom, 11.10.): https://www.bitkom.org/Presse/Presseinformation/Nutzung-von-E-Books-bleibt-stabil.html

9.10.
Noch 'ne Bilddatenbank - oder: von fehlgeleiteten Investitionen
Mitte Oktober vermeldeten DARIAH-DE - d. h. das Projekt "Digitale Forschungsinfrastruktur für die Geistes- und Kulturwissenschaft" - und mehrere kunsthistorische Institute, u. a. das "Deutsche Forum für Kunstgeschichte in Paris", den Start einer neuen Bilddatenbank: ConedaKOR. Entwickelt von der Softwarefirma Coneda als Open-Source-Projekt, ein webbasiertes Tool, das nun für betriebssystemunabhängige Recherchen auch für Dritte zur Installation und Nutzung bereitsteht. Sieben kunstgeschichtlich orientierte Institutionen arbeiten schon damit. In einer Pressemitteilung der Max Weber Stiftung – Kooperationspartnerin von DARIAH-DE - heißt es: "In ConedaKOR werden die Informationszusammenhänge zwischen verschiedenen Entitäten, wie zum Beispiel Abbildungen, Videos, PDFs, Personen und Orten, innerhalb eines Graphen dargestellt. Diese Netzwerkstruktur eröffnet vielseitige alternative und explorative Recherchemöglichkeiten." Wow, klasse! - könnte man im ersten Moment denken. Doch wo genau liegt der Mehrwert? Denn etwas finden können andere Datenbanken auch, und an kunsthistorisch orientierten Bilddatenbanken mangelt es nicht wirklich - wie z. B. Prometheus oder das spannende Projekt ARTigo. Im Grunde kommt es dem Nutzer weniger auf den (gewiss soliden) technischen Hintergrund an, sondern auf den Inhalt. Folgt man neugierig den Links der Pressemeldungen, stößt man z. B. beim DFK Paris auf verschlossene Türen ("login required") oder bei der Kunstgeschichte an der Uni Frankfurt auf eine angepriesene, weil schon an Einträgen reiche Bilddatenbank, und findet: Texte! Genau: mit ohne Bilder. Hier wurde also wohl die vorhandene Diathek digitalisiert, aber man ist noch nicht ganz fertig geworden. Schnell verstehen wir die Pressemeldungen genauer: die technische Plattform ist Open Source, die Inhalte wohl weniger. Sorry, Kollegen, da macht uns jede Bildsuche mit Google glücklicher. Doch man sollte es nicht beim Achselzucken und Weiterklicken belassen, sondern wahrnehmen, was hier im Hype von Openess und Geisteswissenschaften mit IT geschieht: viel geisteswissenschaftliches Geld geht in die Entwicklung und den Aufbau von IT-Infrastrukturen, die ohne Geld für Geisteswissenschaftler und die von ihnen dort hinterlegten Inhalten feine technische Spielzeuge sind, die - das lehrt unsere Erfahrung - vor allem schnell veralten. Das stets knappe Geld sollte man richtiger in Inhalte investieren.
"Webbasierte Bildrecherche mit ConedaKOR ab sofort auch bei DARIAH-DE" (Pressemeldung Max Weber Stiftung, 20.10.): https://idw-online.de/de/news661693
Thorsten Wübbena: "ConedaKOR als 'Software as a Service'-Angebot bei DARIAH-DE" (DHdBlog, 13.10.): http://dhd-blog.org/?p=7268
"Kunsthistorische Bilddatenbanken" (kunstgeschichte.info, o.D.): http://kunstgeschichte.info/media/tools/kunsthistorische-bilddatenbanken/


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