DGUF-Newsletter vom 5.10.2016

DGUF-Newsletter vom 5.10.2016

1. DGUF-Nachrichten
1.1. Umfrage der DGUF zum Thema "Berufsverband in der Archäologie"
1.2. DGUF für Studierende
1.3. Neues zur Novellierung des DSchG in Hessen

2. Tagungen und Veranstaltungen
2.1. "Schlaglicht auf den Tod: Bestattungen des späten Mittelalters und der Neuzeit im Licht der Archäologie" (Bamberg, 28.-30.10.)
2.2. "European Stakeholder Round Table on Citizen and DIY Science and Responsible Research and Innovation" (Berlin, 8.11.)
2.3. "Finds in the landscape - New perspectives and results from archaeological field surveys" (Köln, 12.-13.6.2017, CfP bis 28.10.)
2.4. "histocamp" (Mainz, 4.-5.11.)
2.5. TAG 2016 (Southampton, 19.-21.12.; CfP bis 15.11.)
2.6. 9. Forum Wissenschaftskommunikation (Bielefeld, 5.-7.12.)

3. Forschung
3.1. Neu im Early View der "Archäologischen Informationen"
3.2. Aktuelle Ausgrabungen in den Medien
3.3. Aktuelle Forschung in den Medien
3.4. Archäologische Forschung in Burkina Faso: In sieben Minuten über den Tellerrand geblickt
3.5. Sachsen-Anhalt: Einzigartiger Befund weist auf gezielte Werterhöhung von Böden durch frühe Bauen hin
3.6. "Blaulicht" geht immer: Zur Untersuchung eines spätrömischer Burgus in Eisenberg (Rheinland-Pfalz)

4. Kulturgutschutz
4.1. Aktuelles rund um Kulturgutschutz in den Medien
4.2. 2018 als Europäisches Jahr des kulturellen Erbes?
4.3. Internationaler Strafgerichtshof: Die Zerstörung von Kulturgut ist ein Kriegsverbrechen
4.4. Der (zu?) optimistische Blick Markus Hilgerts auf das Kulturgutschutzgesetz
4.5. "Beispiellose Dokumentation" von Arte online verfügbar: "Staatsaffäre Kunsthandel"

5. Ausbildung, Job-Themen und Personalia
5.1. Neu aufgelegt: DGUF-Handreichung an Erstsemester für einen erfolgreichen Start ins Studium
5.2. Neue DGUF-Handreichung für Studierende: Wie überlebe ich meine erste Tagung – und habe auch noch was davon?
5.3. Geisteswissenschaften als Staatsaufgabe? Einige Überlegungen zur universitären Strukturen
5.4. Tübingen: Neues "Kompetenzzentrum für Archäometrie"
5.5. Kürzungen rund um den schulischen Geschichtsunterricht

6. Open Access & Open Data
6.1. Bericht von der EAA-2016-Sektion "Open Access and Open Data in archaeology: Following the ARIADNE thread" (Vilnius, 30.8.-2.9.)
6.2. Studie zeigt: Grüner Open Access steigert Zitationsrate um 19 Prozent
6.3. Geisteswissenschaftliches Datenarchiv bei DARIAH-DE in öffentlicher Testphase
6.4. BMBF legt sich auf Open Access für wissenschaftliche Publikationen fest

7. Ausstellungen und Museen
7.1. "Maya - Das Rätsel der Königsstädte" (Speyer, bis 23.4.)
7.2. "Absolut empfehlenswert": Ausstellung "Wikinger!" (Rosenheim, bis 4.12.)

8. Und sonst …
8.1. Filmprojekt "Iceman - die Legende von Ötzi" mit Jürgen Vogel in der Hauptrolle
8.2. Clever oder Schnapsidee? Private Feiern an antiken Stätten
8.3. Digitale Technologien spielerisch für die Vermittlung von Archäologie nutzen?
8.4. Wer für Archäologie begeistern will, muss Geschichten spannend erzählen
8.5. Videos vom World Archaeological Congress WAC-8 (Kyoto, 28.8.-2.9.)

9. Impressum und Redaktionshinweise


1. DGUF-Nachrichten
1.1.
Umfrage der DGUF zum Thema "Berufsverband in der Archäologie"
Seit langem leiden viele im Fach unter prekären Beschäftigungsverhältnissen, unter problematischen Kettenverträgen und der unverhältnismäßigen Entlohnung ihrer guten Arbeit. Es leiden das nicht-staatliche Ausgrabungswesen sowie die Spezialisten - z. B. Zeichner, Anthropologen, Osteologen etc. - unter dem Fehlen breit akzeptierter Qualitätsstandards und eines dazugehörigen, wirksamen Kontrollwesens. Probleme, die andere Berufe mit Hilfe eines Berufsverbandes eigenständig regeln, anstatt nach staatlicher Hilfe oder Kontrolle zu rufen. Aktuell berichtet Dr. Gerry Wait in den "Archäologischen Informationen" in einem hochinteressanten deutschsprachigen Aufsatz über das britische "Chartered Institute for Archaeologists" (CIfA), einen der weltweit größten Berufsverbände im Bereich Archäologie und Bodendenkmalpflege. Um ein Bild von den Anliegen und Bedürfnissen in Deutschland zum Thema "Berufsverband" zu erhalten, führen wir derzeit eine Umfrage durch. Dabei sprechen wir alle in der Archäologie und in archäologienahen Berufen Beschäftigen an. Wir bitten Sie – egal, ob DGUF-Mitglied oder nicht – herzlich um Teilnahme. Wenn es Ihnen möglich ist, lesen Sie bitte zunächst den Aufsatz Gerry Waits und beantworten dann die Befragung. Uns sind aber auch Antworten ohne vorherige Lektüre des Aufsatzes herzlich willkommen! Die Befragung wird fünf bis zehn Minuten dauern.
DGUF-Umfrage: https://www.soscisurvey.de/DGUF-BV/
Wait, G. (2016). Das 'Chartered Institute for Archaeologists': Der systematische Aufbau von Professionalität, Macht und Einfluss in Archäologie und Denkmalpflege. Archäologische Informationen, Early View, online publiziert 27. Aug. 2016. http://www.dguf.de/fileadmin/AI/ArchInf-EV_Wait.pdf

1.2.
DGUF für Studierende
Wir fördern und unterstützen den wissenschaftlichen Nachwuchs nach Kräften. So bieten wir den Deutschen Studienpreis für Archäologie, ermäßigte Beiträge für die DGUF-Mitgliedschaft und unsere Tagungen, unser Programm "Nachwuchsförderung", Tipps & Handreichungen für Studierende, und es gibt einen Vertreter für studentische Interessen in unserem Beirat. Das und einiges mehr haben wir nun gebündelt für Studierende zusammengestellt. Schaut Euch um, was für Euch dabei ist!
http://www.dguf.de/archaeologie-studium.html

1.3.
Neues zur Novellierung des DSchG in Hessen
Wie zuletzt im DGUF-Newsletter vom 30.8. berichtet, läuft in Hessen das Novellierungsverfahren zum Denkmalschutzgesetz. Seit Einreichung der schriftlichen Stellungnahme der DGUF am 23.8. sind drei Nachrichten für die Archäologie zu vermelden: (1) Die Fraktion "Die Linke" hat am 14.9. einen Änderungsantrag zum vorliegenden Gesetzesentwurf eingebracht, dessen einziger Inhalt die Einführung des Verbandsklagerechts auch im Denkmalschutz ist. Damit findet eine langjährige Forderung der DGUF erstmals spürbar Widerhall in einer parlamentarischen Debatte. Neben der DGUF begrüßen auch das Deutsche Nationalkomitee für Denkmalschutz (DNK) sowie der Hessische Heimatbund e. V. in ihren Stellungnahmen die Einführung eines Verbandsklagerechts ausdrücklich. (2) Wie ein sehr aufmerksames DGUF-Mitglied dem Vorstand überzeugend darlegte, enthielt die Stellungnahme der DGUF vom 23.8. einen zumindest unglücklich formulierten Passus. Der Vorstand wollte dies natürlich nicht so stehen lassen und reichte per 20.9. eine klärende Ergänzung ein. Wesentliches Moment dieser Ergänzung ist ein Vorschlag zu den Grabungsdokumentationen, der gegenüber der bisherigen Praxis eine wesentliche Verbesserung darstellen würde: "Dokumentationen unterliegen dem Urheberrecht. Jeweils eine Kopie der digitalen Dokumentation ist dem LfDH, der Unteren Denkmalbehörde und dem Verursacher der Untersuchung zu überlassen. Das LfDH und die Untere Denkmalbehörde erhalten ein nicht-exklusives, nicht widerrufliches Nutzungsrecht an der Dokumentation, soweit dies für die Erfüllung ihrer jeweiligen denkmalschutzrechtlichen Aufgaben erforderlich ist." (3) Alle Stellungnahmen, u. a. auch die des DVA und des VLA, sind inzwischen über die Website des hessischen Landtags einsehbar. Die mündliche Anhörung im zuständigen Ausschuss, zu der auch ein Vertreter der DGUF eingeladen ist, findet am 6.10. statt.
"Änderungsantrag der Fraktion DIE LINKE zu dem Gesetzentwurf der Fraktionen der CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN für ein Hessisches Denkmalschutzgesetz (HDSchG) Drucksache 19/3570" (Hess. Landtag, Drucks. 19/3788): http://starweb.hessen.de/cache/DRS/19/8/03788.pdf
"DGUF begleitet Novellierung des hessischen Denkmalschutzgesetzes im Jahr 2016": http://www.dguf.de/408.html
"Ausschuss für Wissenschaft und Kunst - 26. Sitzung - Anhörung" (Hess. Landtag): https://hessischer-landtag.de/content/ausschuss-f%C3%BCr-wissenschaft-und-kunst-26-sitzung-anh%C3%B6rung


2. Tagungen und Veranstaltungen
2.1.
"Schlaglicht auf den Tod: Bestattungen des späten Mittelalters und der Neuzeit im Licht der Archäologie" (Bamberg, 28.-30.10.)
Ergänzend zur aktuellen Sonderausstellung im Bamberger Diözesanmuseum bietet das zweitägige wissenschaftliche Kolloquium eine länderübergreifende Standortbestimmung zum Thema Tod und Bestattung im Spätmittelalter und der Neuzeit aus Sicht der Archäologie. Im Austausch mit Fachkollegen und Wissenschaftlern angrenzender Fachgebiete und Länder lassen sich überregionale Strömungen und Entwicklungen erkennen und Gemeinsamkeiten wie auch Unterschiede herausarbeiten. Die internationale Ausrichtung des Vortragsprogrammes erlaubt Einblicke in regionale Bestattungsbräuche, aber auch einen großräumigen Vergleich der Grabsitten. Eine Anmeldung ist bis zum 15. Oktober erforderlich, die Teilnahmegebühr beträgt 10 Euro.
https://www.uni-bamberg.de/amanz/news/internationale-fachtagung-vom-28-30-oktober-2016-schlaglicht-auf-den-tod/

2.2.
"European Stakeholder Round Table on Citizen and DIY Science and Responsible Research and Innovation" (Berlin, 8.11.)
Wie können Bürgerwissenschaft, sog. "Do it yourself"-Wissenschaft und verantwortungsvolle Forschung Hand in Hand gehen? Ein auch für die Archäologie hochrelevantes Thema wird am 8.11. im Berliner Museum für Naturkunde diskutiert. Organisiert wird die Veranstaltung, die Teil des Horizon-2020-Projekts "DITOs – Do It Together Science" ist, von der European Citizen Science Association (ECSA).
http://ecsa.citizen-science.net/events/ecsa-events/european-stakeholder-round-table-citizen-and-diy-science-and-rri

2.3.
"Finds in the landscape - New perspectives and results from archaeological field surveys" (Köln, 12.-13.6.2017, CfP bis 28.10.)
Eine internationale Tagung wird sich im kommenden Juni der Durchführung und Auswertung archäologischer Feldbegehung widmen. Präsentiert werden sollen Fallstudien aus verschiedenen europäischen Ländern ebenso wie methodische Überlegungen, die die Fundverteilungen an der Ackeroberfläche auch und gerade in Kombination mit anderen Prospektionsmethoden, Archivrecherchen und Ausgrabungen untersuchen und auswerten. Themenschwerpunkte sollen siedlungs- und landschaftsarchäologische Forschungsprojekte in Europa sein, die Verlässlichkeit von Prospektionsergebnissen, insbesondere im Rahmen des präventiven Kulturgüterschutzes, sowie die Analyse von Fundplätzen, die durch landwirtschaftliche Tätigkeit vollständig verlagert wurden. Die Tagung wird veranstaltet vom LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland. Vortragsvorschläge können bis 28.10. eingereicht werden.
http://www.prospection-conference-2017.lvr.de

2.4.
"histocamp" (Mainz, 4.-5.11.)
"Das BarCamp für alle, die an und mit Geschichte arbeiten" steht über dem "histocamp". Es soll die üblichen Forschungs-, Tagungs- und Netzwerkgepflogenheiten in der Geschichtswissenschaft auflockern und diese bereichern. Wie bei Barcamps üblich, werden die Sessions während des "histocamps" von den Teilnehmern festgelegt – was dazu führen soll, dass die Themen ausgewählt werden, welche für die Teilnehmer die höchste Relevanz haben. In den Sessions selbst gibt es keine Vorträge, sondern es wird intensiv diskutiert und gemeinsam an den Themen gearbeitet. Alle Ergebnisse werden anschließend ins Plenum zurückgetragen. Die Veranstaltung soll in den Social Media begleitet werden: Unter dem Handle @histocamp twittern die Veranstalter, Hashtag ist #histocamp. Jeder darf und soll mittwittern, auch wenn er/sie nicht an der Veranstaltung teilnehmen kann. Auch auf Facebook wollen die Organisatoren auf ihrer (öffentlichen) Seite regelmäßig über Neuigkeiten informieren.
Tagungswebsite: http://histocamp.hypotheses.org/
Twitter: @histocamp
Facebook: https://www.facebook.com/histocamp

2.5.
TAG 2016 (Southampton, 19.-21.12.; CfP bis 15.11.)
This year the Theoretical Archaeology Group (TAG) conference will be hosted by the University of Southampton. The overarching theme for the conference is "Visualisation". The deadline for submitting paper proposals has been extended to the 15th of November 2016.
http://www.southampton.ac.uk/tag2016/

2.6.
9. Forum Wissenschaftskommunikation (Bielefeld, 5.-7.12.)
"Wissenschaft für alle!? " ist der Schwerpunkt des diesjährigen Forums Wissenschaftskommunikation. Adressaten sind alle, die an der Kommunikation und am Marketing von Wissenschaft interessiert bzw. beteiligt sind. Seit 2008 bietet die Initiative der deutschen Wissenschaft, Wissenschaft im Dialog (WiD), Vermittlern von Wissenschaft und Forschung jährlich einen Überblick über aktuelle Trends und Strategien in der Wissenschaftskommunikation und lädt zum Austausch ein. Hashtag der diesjährigen Veranstaltung: #fwk16
www.forum-wissenschaftskommunikation.de.


3. Forschung
3.1.
Neu im Early View der "Archäologischen Informationen"
Auler, J. (2016). Rezension zu: Franz, A. & Nösler, D. (2016). Geköpft und gepfählt. Archäologen auf der Jagd nach den Untoten. Darmstadt: Theiss Verlag. Archäologische Informationen, Early View, online publiziert 4. Okt. 2016.
http://dguf.de/index.php?id=9

3.2.
Aktuelle Ausgrabungen in den Medien
Großbritannien: "Anglo-Saxon 'palace' found at Rendlesham near Sutton Hoo site" (BBC, 20.9.): http://www.bbc.com/news/uk-england-suffolk-37412519
"Prähistorische Befestigungsanlagen in der ostjordanischen Basaltwüste" (Pressemeldung DAI, 15.9.): http://www.dainst.org/-/prahistorische-befestigungsanlagen-in-der-ostjordanischen-basaltwuste?redirect=http%3A%2F%2Fwww.dainst.org%2Fdai%2Fmeldungen%3Fp_p_id%3D101_INSTANCE_nZcCAiLqg1db%26p_p_lifecycle%3D0%26p_p_state%3Dnormal%26p_p_mode%3Dview%26p_p_col_id%3Dcolumn-6%26p_p_col_count%3D1
Kreis Soest: "Erneut Spuren aus der Jungsteinzeit: 'Werl war dichtbesiedelt'" (Pressemeldung LWL, 14.9.): http://www.lwl.org/pressemitteilungen/nr_mitteilung.php?urlID=40027
"Jungsteinzeitliche Himmelsbeobachtung: Archäologen der Freien Universität erforschen Kreisgrabenanlage aus dem 5. Jahrtausend v. Chr. Ausgrabungen zu Kultanlage bei Quedlinburg abgeschlossen" (Pressemeldung FU Berlin, 14.9.): http://www.fu-berlin.de/presse/informationen/fup/2016/fup_16_303-kreisgrabenanlage-himmelsbeobachtung-quedlinburg/index.html
Treuchtlingen (Bayern): "Das Geheimnis des Karlsgrabens" (Bayerischer Rundfunk, 7.9.; Video, 3:08 Min.): http://www.ardmediathek.de/tv/Abendschau-Gesichter-Geschichten-B/Das-Geheimnis-des-Karlsgrabens-07-09-2/Bayerisches-Fernsehen/Video-Podcast?bcastId=5924750&documentId=37578382
"Älter als Ötzi: Südtiroler Gletscher gab 6.000 Jahre alten Schneeschuh frei" (Der Standard, 6.9.): http://www.derstandard.at/2000043953367/Aelter-als-OetziSuedtiroler-Gletscher-gab-fast-6-000-Jahre-alten
Sachsen-Anhalt: "Über 2000 Jahre alte Siedlung bei Ausgrabungen im Tagebau Profen entdeckt" (Pressemeldung LDA Sachsen-Anhalt, 31.8.): http://www.lda-lsa.de/aktuelles/meldung/datum/2016/08/31/ueber_2000_jahre_alte_siedlung_bei_ausgrabungen_im_tagebau_profen_entdeckt/
Hofheim am Taunus: "Archäologische Grabungen: Wallanlage am Kapellenberg im Fokus" (Pressemeldung RGZM, 30.8.): http://web.rgzm.de/ueber-uns/presse/pressemitteilungen/pm/article/archaeologische-grabungen-wallanlage-am-kapellenberg-im-fokus/
"Archéologie : une place monumentale découverte à Gergovie" (France Info, 29.8.). http://france3-regions.francetvinfo.fr/auvergne/puy-de-dome/une-place-monumentale-decouverte-gergovie-1074095.html
Westfalen: "Neue Ausgrabungskampagne im Gräberfeld in Warburg-Hohenwepel" (Pressemeldung LWL, 26.8.): http://www.lwl.org/pressemitteilungen/nr_mitteilung.php?urlID=39885

3.3.
Aktuelle Forschung in den Medien
"Archäogenetische Analyse offenbart unbekannte Besiedlungswelle im Südpazifik" (Pressemeldung Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte, 3.10.): http://www.shh.mpg.de/245151/peoplingremoteoceaniaoct2016
Okinawa: "Wie kommen römische Münzen nach Japan?" (Spiegel, 27.9.): http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/roemische-muenzen-in-japan-entdeckt-a-1114216.html
"Erbgut-Analyse: Warum wir alle Afrikaner sind " (Spiegel, 21.9.): http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/erbgut-analyse-warum-wir-alle-afrikaner-sind-a-1113294.html
"25 Jahre nach Fund: Frau Ötzi fehlt der Forschung noch" (FAZ, 19.9.): http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/menschen/gletschermann-oetzi-wurde-vor-25-jahren-gefunden-14435737.html
"Paläoproteomik hilft bei der Unterscheidung zwischen modernem Mensch und Neandertaler. Forscher entschlüsseln uralte Proteine von Neandertalern aus dem Châtelperronien" (Pressemeldung Max-Planck-Gesellschaft, 16.9.): https://www.mpg.de/10731379/palaeoproteomik-neandertaler
Quedlinburg: "Jungsteinzeitliche Himmelsbeobachtung: Archäologen der Freien Universität erforschen Kreisgrabenanlage aus dem 5. Jahrtausend v. Chr. " (Pressemeldung FU Berlin, 14.9.): http://www.fu-berlin.de/presse/informationen/fup/2016/fup_16_303-kreisgrabenanlage-himmelsbeobachtung-quedlinburg/index.html
"Hallstatt: Das Gewirr an Hölzern entwirren" (Der Standard, 8.9.): http://derstandard.at/2000044011728/Hallstatt-Das-Gewirr-an-Hoelzern-entwirren
"Dem Erreger der Justinianischen Pest auf der Spur. Erste komplette Rekonstruktion des frühmittelalterlichen Pathogen Genoms aus Bayrischen Skeletten" (Pressemeldung Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte, 30.8.): http://www.shh.mpg.de/236461/justinianplaguegenom

3.4.
Archäologische Forschung in Burkina Faso: In sieben Minuten über den Tellerrand geblickt
Die Ruinen von Loropéni in Burkina Faso sind geschätzt 1.000 Jahre alt und wurden 2009 als erste Stätte des Landes zum UNESCO-Weltkultuerbe erklärt. Erbaut wurden sie vermutlich von den Kulango oder Loron. Le Monde hat ein sehenswertes Video über aktuelle Grabungen in Loropéni gedreht.
Burkina Faso: "La cité oubliée de Loropéni" (Le Mode, 16.9.; Video, 7:04 Min.): http://www.lemonde.fr/archeologie/video/2016/09/16/archeologie-la-cite-oubliee-de-loropeni_4998919_1650751.html

3.5.
Sachsen-Anhalt: Einzigartiger Befund weist auf gezielte Werterhöhung von Böden durch frühe Bauen hin
Rettungsgrabungen im einstigen Ort Groß-Grimma haben unter anderem eine frühneolithische Siedlungsphase auf dem 6. Jahrtausend v. Chr. erfasst. Was auf den ersten Blick recht alltäglich erscheint, birgt eine Besonderheit, auf die Rainer Schreg hinweist: Laut Pressebericht sei ein ganzes Grabennetz aus grauen Bändern mit einer Gesamtlänge von 500 Metern gefunden. Interpretiert werde das "als Spuren der Nutzung des Auenbodens im Tal der Grunau". Sollte sich die Datierung der Grabenbefunde bestätigen, gehört der Befund laut Schreg zu den ältesten Ackerrelikten, die bisher bekannt geworden sind und sei schon deshalb extrem wichtig. Sind die Befunde tatsächlich bewusste Meliorationsarbeiten? Zu prüfen sei jedenfalls, ob es sich z. B. auch um ausgespülte Feldraine handeln könne.
"Das graue Band von Hohenmölsen" (Archaeologik, 7.9.): http://archaeologik.blogspot.de/2016/09/das-graue-band-von-hohenmolsen.html

3.6.
"Blaulicht" geht immer: Zur Untersuchung eines spätrömischer Burgus in Eisenberg (Rheinland-Pfalz)
"Rotlicht und Blaulicht funktionieren immer", ist eine alte Weisheit aus dem Nachrichten-Metier. Das scheinen sich nun auch Archäologen zu Herzen genommen zu haben: "Schienbeine gebrochen, Oberkörper abgetrennt" als Titel, dazu ein großes Bild mit Menschenknochen, und der verantwortliche Archäologe spricht von einem möglichen Mordopfer. Dass - wie ein kluger Kommentar zum Artikel meint - auch eine ganz andere Deutung und Datierung möglich ist: wen stört's? Dass die drei Jungarchäologen im Grabungsfoto trotz der lehmigen Erde wie frisch geduscht ausschauen und die Arbeitshandschuhe auffallend frisch: wem fällt das schon auf? Halten wir fest: In Eisenberg (Donnersbergkreis, Rheinland-Pfalz) wird ein spätrömischer Burgus untersucht (was gewiss spannend und berichtenswert ist), in dessen Innenhof ein normal großes männliches Skelett mit gebrochenen Knochen gefunden wurde. Hoffen wir, dass die angekündigte anthropologische Untersuchung die Frage perimortal / postmortal zuverlässig klären kann. Die Journalisten berichten hier nur, was ihnen angeboten wird, und die fachlich Verantwortlichen haben sich eben entschieden, lieber Anekdote, Spekulation und leicht Grusiges in den Vordergrund zu rücken als eine wichtige Kastellgrabung.
"Archäologen machen spektakulären Fund in der Pfalz: Schienbeine gebrochen, Oberkörper abgetrennt" (SWR, 21.9.): http://www.swr.de/landesschau-aktuell/rp/archaeologen-machen-spektakulaeren-fund-in-der-pfalz-schienbeine-gebrochen-oberkoerper-abgetrennt/-/id=1682/did=18179222/nid=1682/1046w/index.html


4. Kulturgutschutz
4.1.
Aktuelles rund um Kulturgutschutz in den Medien
"Under the Russians' noses, looters continue to plunder treasures of Palmyra" (The Telegraph, 3.10.): http://www.telegraph.co.uk/news/2016/10/03/under-the-russians-noses-looters-continue-to-plunder-treasures-o/
"Die Ausradierung Aleppos (Kulturgut in Syrien und Irak, September 2016)" (Archaeologik, 3.10.): http://archaeologik.blogspot.de/2016/10/die-ausradierung-aleppos-kulturgut-in.html
"Cyprus promotes new convention to combat illicit trafficking in cultural property" (PACHI, 24.9.): http://paul-barford.blogspot.de/2016/09/cyprus-promotes-new-convention-to.html
Illegaler Handel mit bulgarischen Antiken: "Die Schatzsucher sind die Hunnen von heute" (Der Standard, 18.9.): http://derstandard.at/2000044457865/Die-Schatzsucher-sind-die-Hunnen-von-heute
"Fake antiquities flood out of Syria as smugglers fail to steal masterpieces amid the chaos of war" (Independent, 6.9.): http://www.independent.co.uk/news/world/middle-east/syria-isis-civil-war-antiquities-fakes-palmyra-a7228336.html
"Kulturgut in Syrien und Irak, August 2016" (Archaeologik, 1.9.): http://archaeologik.blogspot.de/2016/09/kulturgut-in-syrien-und-irak-august-2016.html

4.2.
2018 als Europäisches Jahr des kulturellen Erbes?
Die Europäische Kommission plant, das Jahr 2018 zum Europäischen Kulturerbejahr zu machen. Doch dieser sich seit dem Frühjahr 2015 ankündigende und am 20.4.2016 durch den zuständigen EU-Kommissar offiziell verkündete Vorschlag hängt weiterhin in den Gremien fest, eine verbindliche Entscheidung insbesondere über die Finanzierung steht nach Kenntnis der DGUF-Newsletter-Redaktion weiterhin aus. Die nötige EU-Gesetzgebung wurde am 30.8. förmlich aufgegleist, der entscheidende Beschluss des Europäischen Parlaments wird für den November erwartet. Doch das Jahr 2018 ist nicht mehr weit, also werden Vorbereitungen getroffen. Neu informiert die Website SharingHeritage.de über den Stand der Dinge, in Deutschland ist das Deutsche Nationalkomitee für Denkmalschutz (DNK) im Auftrag der Kulturministerin die koordinierende Institution. Seitens der Archäologie plant der Verband der Landesarchäologen (VLA) gemeinsam mit dem Berliner Museum für Vor- und Frühgeschichte eine Sonderausstellung im Martin-Gropius-Bau, die anhand von Funden aus Deutschland das Thema "Deutschland in Europa" spektakulär umsetzen will. Stolz ist der VLA darauf, dass - entgegen anfänglicher Pläne und Widerstände seitens der Baudenkmalpflege - die Archäologie nun überhaupt als Teil des Kulturerbes in die Planungen aufgenommen wurde, auch ganz offiziell, wie das entsprechende Konzeptpapier zeigt. Obwohl "die Karten schon vergeben" zu sein scheinen, lohnt es, das Papier sorgfältig zu lesen und die weitere Entwicklung in den nächsten Wochen und Monaten zu verfolgen, denn ein kreatives Sich-Einbringen in dieses wichtige Event scheint weiterhin möglich.
http://www.sharingheritage.de/
Konzeptpapier Europäisches Kulturerbejahr 2018: http://sharingheritage.de/wp-content/uploads/ECHY_Konzeptpapier_DE.pdf

4.3.
Internationaler Strafgerichtshof: Die Zerstörung von Kulturgut ist ein Kriegsverbrechen
Der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag hat am 27.9. den Malier Ahmad al Mahdi wegen des Kriegsverbrechens der Zerstörung von Kulturgut schuldig gesprochen. Der Angeklagte hat nach Ansicht der Richter im Jahr 2012 Attacken in Timbuktu geleitet und war selbst an der Zerstörung von fünf Monumenten beteiligt. Er wurde zu neun Jahren Haft verurteilt. Dies war der erste Prozess, der sich ausschließlich auf Verbrechen gegenüber historischen und religiösen Monumenten fokussierte. In einem Kommentar im "Guardian" schrieb die Generaldirektorin der UNESCO, Irina Bokova über die Konsequenzen des Prozesses: "While we are appalled by the loss of cultural heritage, we must take heart from the judgment of The Hague, which exhorts us to strengthen our resolve and take action to ensure justice prevails – in Mali and across the world. "
"Timbuktu Trial: ‘A major step towards peace and reconciliation in Mali’" (Pressemeldung UNESCO, 27.9.): http://www.unesco.org/new/en/media-services/single-view/news/timbuktu_trial_a_major_step_towards_peace_and_reconciliati#.V_O0M3p36nm
"Prison Sentence Over Smashing of Shrines in Timbuktu: 9 Years" (The New York Times, 27.9.): http://www.nytimes.com/2016/09/28/world/europe/ahmad-al-faqi-al-mahdi-timbuktu-mali.html
"Kommentar: Weltgericht ahndet Kulturfrevel von Timbuktu" (Deutsche Welle, 28.9.): http://www.dw.com/de/kommentar-weltgericht-ahndet-kulturfrevel-von-timbuktu/a-35888507
Irina Bokova: "At last, the destruction of heritage has been recognised as a weapon of war" (The Guardian, 28.9.): https://www.theguardian.com/global-development/2016/sep/28/destruction-of-heritage-weapon-of-war-timbuktu-shrines-irina-bokova
"Timbuktu vier Jahre nach den Extremisten: Die Mausoleen stehen wieder, die Angst bleibt" (Tagesschau, 27.9.): http://www.tagesschau.de/ausland/timbuktu-welterbe-urteil-101.html

4.4.
Der (zu?) optimistische Blick Markus Hilgerts auf das Kulturgutschutzgesetz
Das deutsche Kulturgutschutzgesetz bekämpfe wirkungsvoll den Handel mit Raubkunst, es werde im Ausland euphorisch begrüßt: Markus Hilgert, Direktor des Vorderasiatischen Museums in Berlin, zeichnet in einem Interview mit der Deutschen Welle ein optimistisches Bild des neuen Kulturgutschutzgesetzes. Rainer Schreg betrachtet das neue Gesetz auch als Fortschritt, jedenfalls auf den ersten Blick. Ob es sich aber tatsächlich bewähren wird, ist für ihn noch offen. Schmugglern und Hehlern baue das Gesetz goldene Brücken, da z. B. "die längst etablierte Legende von der ‚alten Sammlung‘ weiterhin aufrecht erhalten" werde. Schreg ist gespannt auf die Evaluation des neuen Gesetzes in einigen Jahren.
"Wie das Kulturgutschutzgesetz den illegalen Raubkunst-Handel eindämmen soll". Interview mit Markus Hilgert (Deutsche Welle, 21.9.): http://www.dw.com/de/wie-das-kulturgutschutzgesetz-den-illegalen-raubkunst-handel-eind%C3%A4mmen-soll/a-19563190
Rainer Schreg, "Ein (zu?) optimistischer Blick auf das Kulturgutschutzgesetz" (Archaeologik, 29.9.): http://archaeologik.blogspot.de/2016/09/ein-zu-optimistischer-blick-auf-das.html
"Verbessertes Kulturgutschutzgesetz mit Berücksichtigung vieler Monita der DGUF verabschiedet" (DGUF.de, 8.7.): http://www.dguf.de/404.html

4.5.
"Beispiellose Dokumentation" von Arte online verfügbar: "Staatsaffäre Kunsthandel"
In ihrer – so der "Spiegel" - "beispiellosen Dokumentation" zeigt die russische Filmemacherin Tania Rakhmanova Facetten des Handels mit antiken Kulturgütern, einem der größten illegalen Märkte der Welt. Die fast 90-minütige Arte-Dokumentation "Staatsaffäre Kunsthandel" thematisiert, wie geraubte Werke "gewaschen", also scheinbar legal gemacht werden. In welchem Maße finanziert dieser Handel mit Kunstschätzen den Terrorismus? Was tut die internationale Gemeinschaft dagegen? Ein Kunstdetektiv kommt unter vielen anderen zu Wort. Er sagt: "Händler sagen nichts, Sammler fragen nicht, und die Polizei hat für diese Dinge keine Zeit. Das ist ein geschlossener Kreislauf." – Ein unbedingt sehenswerter Film, der noch bis 4.11. online verfügbar ist! Wer Kollegen, Freunde, und Bekannte hat, die das Thema interessant finden (sollten), weise sie - das ist die herzliche Bitte der Newsletter-Redaktion - unbedingt auf die Arte-Dokumentation hin. Ein wichtiger Hebel für Veränderung ist, dass die öffentliche Bereitschaft, Antiken zu kaufen, sinkt. Die Handreichung "Antike Objekte im Internet kaufen?" des DGUF-Arbeitskreises Kulturgutschutz kann hierfür eine zusätzliche Hilfestellung sein.
Tania Rakhmanova: "Staatsaffäre Kunsthandel" (Arte, 6.9.; Video, 87 Min.): http://www.arte.tv/guide/de/057882-000-A/staatsaffare-kunsthandel
"Arte-Doku über Schmuggel: So funktioniert der illegale Kunstmarkt" (Spiegel, 6.9.): http://www.spiegel.de/kultur/tv/arte-doku-ueber-kunsthandel-so-funktioniert-der-illegale-kunstmarkt-a-1105405.html
DGUF-Arbeitskreis Kulturgutschutz: Handreichung "Antike Objekte im Internet kaufen?": http://www.dguf.de/fileadmin/user_upload/Arbeitskreise/Kulturgutschutz/Handreichungen/DGUF-Dok_Handreichung_Antikenkauf_im_Internet.pdf


5. Ausbildung, Job-Themen und Personalia
5.1.
Neu aufgelegt: DGUF-Handreichung an Erstsemester für einen erfolgreichen Start ins Studium
Wie plane ich mein Semester realistisch? Welche einführende Literatur ist empfehlenswert? Woran erkennt man einen guten Dozenten? Und was braucht es für ein gutes Referat? Für Erstis und auch für höhere Semester der Ur- und Frühgeschichte und weiterer archäologischer Studiengänge haben wir unsere Handreichung mit Infos neu aufgelegt, die dem wissenschaftlichen Nachwuchs den Einstieg ins Studium erleichtern sollen. Das Papier kann sehr gerne via E-Mail und/oder Schwarze Bretter an Interessierte weitergegeben werden!
http://www.dguf.de/fileadmin/user_upload/Studierende/DGUF-Dok_Handreichung_fuer_Erstsemester.pdf

5.2.
Neue DGUF-Handreichung für Studierende: Wie überlebe ich meine erste Tagung – und habe auch noch was davon?
Warum sollten gerade Studierende eine Tagung besuchen? Muss man dann zwangsläufig auch einen Vortrag halten? Wie läuft eine Tagung ab, und was muss ich jeweils beachten? Wie finde ich überhaupt eine passende Tagung? Unsere neue Handreichung soll Studierenden der Ur- und Frühgeschichte und anderer archäologischer Fächer wichtige Anhaltspunkte und Tipps für einen ersten gelungenen Tagungsbesuch geben. Das Papier kann sehr gerne via E-Mail und/oder Schwarze Bretter an Interessierte weitergegeben werden!
http://www.dguf.de/fileadmin/user_upload/Studierende/DGUF-Dok_Handreichung_fuer_Studierende_Tagungen.pdf

5.3.
Geisteswissenschaften als Staatsaufgabe? Einige Überlegungen zur universitären Strukturen
Der Kunstgeschichtler und Doktorand Michael Gromotka versucht im FAZ-Blog "Blogseminar" anhand seiner eigenen Erfahrungen zu zeigen, wie die deutsche Gesellschaft seiner Meinung nach mit geisteswissenschaftlichem Nachwuchs umgeht. Zunächst stellt er die These auf, dass für den Staat ein Promotionskandidat nur dann förderungswürdig sei, wenn er funktioniert. Falle er krankheitsbedingt aus, würden ihm Stipendium und Finanzierung gekürzt, ohne ihm dabei eine längere Förderdauer zu gewähren. Des Weiteren habe die Bologna-Reform nicht dazu geführt, dass traditionelle Karrierewege an den Universitäten umgeworfen und neue, für den Nachwuchs geeignetere Wege geschaffen wurden. Die Gesellschaft scheine es mit den Geisteswissenschaften im Allgemeinen "nicht mehr wirklich ernst" zu meinen, was sich in ihrem Umgang mit eben diesen widerspiegle. Zuletzt fordert Gromotka eine "Bedarfsplanung" der Geisteswissenschaften: Man müsse sich überlegen, wie viele Stellen man brauche, um Forschung und Lehre betreiben zu können, beispielsweise brauche es einen starken, unbefristet eingestellten Mittelbau.
Michael Gromotka, "Geisteswissenschaften als Staatsaufgabe" (FAZ, 9.9.): http://blogs.faz.net/blogseminar/geisteswissenschaften-als-staatsaufgabe/

5.4.
Tübingen: Neues "Kompetenzzentrum für Archäometrie"
An der Universität Tübingen gibt es seit dem 1.10. ein neues Kompetenzzentrum im Bereich der materialwissenschaftlichen Archäometrie, das "Competence Center Archaeometry - Baden-Wuerttemberg". Wissenschaftsministerin Theresia Bauer wird in einer von der Universität Tübingen herausgegebenen Pressemeldung wie folgt zitiert: "Das Zentrum bringt materialwissenschaftliche Hochtechnologie mit historischen und archäologische Fragestellungen zusammen. Die mobilen Messverfahren, die hier entwickelt werden, finden auch den Weg in die Praxis – etwa in der Bauwirtschaft. Ein hervorragendes Beispiel interdisziplinärer Forschung, das vom Wissenschaftsministerium gerne unterstützt wird." Das Zentrum werde sich, so die Meldung, v. a. der Untersuchung archäologischer Funde mit unterschiedlichsten und einzigartigen Untersuchungsmethoden widmen. So wolle man detaillierte Daten über den Materialaufbau vor allem keramischer Funde gewinnen, wie zum Beispiel ihre chemische und mineralogische Zusammensetzung, Struktur oder Textur. Geplant sei auchdie Entwicklung einer mobilen Untersuchungseinheit, die auch an entlegenen Orten eine hochauflösende, zerstörungsfreie und multimethodische Analyse von Funden ermögliche. Das neue wird von den Tübinger Mineralogen Dr. Christoph Berthold, Professor Klaus G. Nickel und Seniorprofessor Klaus Bente geleitet.
"Neues Kompetenzzentrum für Archäometrie in Baden-Württemberg" (Pressemeldung Universität Tübingen, 29.9.): http://www.uni-tuebingen.de/newsfullview-landingpage/article/neues-kompetenzzentrum-fuer-archaeometrie-in-baden-wuerttemberg.html

5.5.
Kürzungen rund um den schulischen Geschichtsunterricht
In den Schulen werde immer weniger historisches Wissen vermittelt, kritisiert der Verband der Geschichtslehrer (VGD). Als neues Hybridfach werde Geschichte gar nicht mehr in allen Fällen von einem Geschichtslehrer unterrichtet, vermeldet die FAZ. Der Vorgeschichte geht es dabei umso mehr an den Kragen. Für Baden-Württemberg sagt Gunter Schöbel gegenüber dem SWR: "Ich kritisiere, dass mehr als 140 Seiten aus den drei Hochkulturen in den neuen Lehrplänen und den neuen Schulbüchern vorkommen, während für die heimischen Kulturen - die Kelten oder die Bronzezeit - nur sechs oder sieben Seiten übrig bleiben."
"Lehrer klagen: Geschichte verschwindet als Schulfach" (heute, 18.9.): http://www.heute.de/lehrer-klagen-geschichte-verschwindet-als-schulfach-45267966.html
"Geschichtsunterricht: Bei der Vergangenheit wird gekürzt" (Deutschlandradio Kultur, 20.9.): http://www.deutschlandradiokultur.de/geschichtsunterricht-bei-der-vergangenheit-wird-gekuerzt.1008.de.html?dram%3Aarticle_id=366364
"Geschichtsunterricht: Wie die Zeit aus der Geschichte verschwindet" (FAZ, 25.9.): http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/forschung-und-lehre/geschichtsunterricht-wie-die-zeit-aus-der-geschichte-verschwindet-14432809.html#GEPC;s6
"Nur sieben Seiten für die Kelten" (SWR, 11.7.; Video, 1;57 Min.): http://www.ardmediathek.de/tv/Landesschau-aktuell-Baden-W%C3%BCrttemberg/Nur-sieben-Seiten-f%C3%BCr-die-Kelten/SWR-Baden-W%C3%BCrttemberg/Video?bcastId=254078&documentId=37657434
"Lehrpläne: Wer bestimmt was Kinder lernen?" (SWR2, 31.8.; Audio/Podcast, 54:00 Min.): http://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/feature/lehrplaene-wer-bestimmt-was-kinder-lernen/-/id=659934/did=18054890/nid=659934/4vrax7/index.html


6. Open Access & Open Data
6.1.
Bericht von der EAA-2016-Sektion "Open Access and Open Data in archaeology: Following the ARIADNE thread" (Vilnius, 30.8.-2.9.)
In Fortführung einer Sektion zu Open Access und Open Data auf der EAA 2014 in Istanbul und der Berliner DGUF-Tagung 2014, deren Vorträge inzwischen gemeinsam in den Archäologischen Informationen Jg. 2015 publiziert sind, organisierte das EU-geförderte Forschungsprojekt "Ariadne" unter Mitwirkung des DGUF-Vorstandsmitglieds Frank Siegmund auch zur EAA 2016 in Vilnius eine Sektion zu diesem Thema. Die Vorträge und die regen Debatten auf der Sektion hinterließen abseits spezifischer Details in Summe einen klaren, die einzelnen Beiträge überwölbenden Eindruck: Open Access und Open Data sind inzwischen als zentrale Elemente der Forschung anerkannt und sind seitens der Forschungsförderer zunehmend dringlich erwünscht. Doch während Open Access sich auch in Praxis zunehmend durchsetzt, ist beim Thema Open Data nur wenig Bewegung erkennbar. Obwohl inzwischen ausgereifte Konzepte und Erfahrungen vorliegen sowie Infrastrukturen aufgebaut sind resp. werden, ist das Publizieren von Open Data weiterhin nicht zum Standard in der Archäologie geworden. Offenbar bestehen für Autoren wie für Projekte weiterhin keine hinreichend starken Motivationen, den nicht geringen Zusatzaufwand dafür auf sich zu nehmen.
EAA 2016 Vilnius, Abstracts der Sektion "TH3-03" (S. 336-340): http://eaavilnius2016.lt/wp-content/uploads/2016/08/Book-Abstract-A4_08-23_net.pdf
Website von "Ariadne": http://www.ariadne-infrastructure.eu/
Fokus Open Access & Open Data in Arch. Inf. 38 (2015): http://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/arch-inf/issue/view/2578/showToc

6.2.
Studie zeigt: Grüner Open Access steigert Zitationsrate um 19 Prozent
Werden in konventionellen Abonnementszeitschriften publizierte Aufsätze nach Ablauf ihrer Sperrfrist (meist ein oder zwei Jahre) zusätzlich auch im Open Access online gestellt (sog. Grüner Open Access), steigt deren Zitationsrate im Durchschnitt um 19 % gegenüber jenen Fällen, wo auf den Grünen Open Access verzichtet wird. Bei guten Artikeln sei der Kontrast naheliegenderweise noch höher. Eine methodisch sorgfältige und auf einer breiten Stichprobe anhand des Repositoriums der Universität Michigan (USA) beruhende empirische Studie hat diesen Effekt herausgearbeitet und sauber quantifiziert. Die Herausgeber der "Archäologischen Informationen" der DGUF gehen davon aus, dass dieser Effekt - in welcher exakten Stärke auch immer - auch auf die retrodigitalisierten Aufsätze aus den älteren Jahrgängen der "Archäologischen Informationen" zutrifft und den Beiträgen zu einer zweiten Wahrnehmungswelle verhilft.
Ottaviani, J. (2016). The post-embargo Open Access citation advantage: It exists (probably), it’s modest (usually), and the rich get richer (of course). Plos One, 22. Aug. 2016: http://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371%2Fjournal.pone.0159614

6.3.
Geisteswissenschaftliches Datenarchiv bei DARIAH-DE in öffentlicher Testphase
Das unter der Projektkoordination der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen stehende und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung bis Februar 2019 geförderte Projekt DARIAH-DE bietet eine soziale und technische Forschungsinfrastruktur für digital arbeitende Geistes- und Kulturwissenschaften, resp. baut eine solche auf. Im September ging der sog. DARIAH-DE-Publikator in einer Beta-Version in Betrieb. Er soll als digitales Langzeitarchiv für geistes- und kulturwissenschaftliche Forschungsdaten dienen, die dort so deponiert werden, dass sie über einen "persistenten Identifikator" - den DOIs von Aufsätzen ähnlich - auch eindeutig zitierbar sind. Bei der Beta-Version handelt es sich um eine spezielle (und aus Nutzersicht leicht sinnfreie) Testphase, während derer die publizierten Daten tatsächlich öffentlich sind, jedoch nach Ablauf der Testphase wieder gelöscht werden. Gleichwie lohnt es, das Projekt weiter aufmerksam zu beobachten, könnte es doch der Archäologie, die sich nicht dem am DAI angesiedleten Projekt IANUS anvertrauen will, künftig eine solide Archivierungsalternative bieten.
Meiners, H.-L. (19.9.2016): DARIAH-DE Publikator (Beta-Version) released. DHdBlog, 19.9.2016: http://dhd-blog.org/?p=7211

6.4.
BMBF legt sich auf Open Access für wissenschaftliche Publikationen fest
Nach der Max-Planck-Gesellschaft, der DFG, der Helmholtz-Gemeinschaft und der Fraunhofer-Gesellschaft hat sich nun ein weiterer in Deutschland bedeutender Forschungsförderer auf den Open Access bei wissenschaftlichen Publikationen festgelegt: das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). Mit einer Pressemitteilung stellte das BMBF am 20.9. ein zwölfseitiges Strategiepapier vor. Danach soll Open Access zum Standard im wissenschaftlichen Publikationswesen werden, wobei Goldener Weg und Grüner Weg (Zweitveröffentlichung, ggf. nach Sperrfrist) gleichberechtigte Lösungen sein sollen. Alle vom BMBF geförderten Projekte sind aufgefordert, ihre Ergebnisse im Open Access zu publizieren. Dabei ist zu erwähnen, dass das BMBF immer wieder auch große archäologische oder archäologie-relevante Projekte fördert. Kennern der Thematik wie etwa dem Blogger und Bibliothekar Marco Tullney fällt auf, dass das Strategiepapier in allgemeinen Absichtserklärungen verharrt und zu wichtigen praktischen Punkten unkonkret bleibt, beispielsweise die Frage der Lizensierung nicht einmal erwähnt. Trotz der in vielen Dingen butterweich formulierten Zielvorstellungen sieht Roland Reuss in der FAZ mindestens die Wissenschaftsfreiheit gefährdet. Ob der Potenz des BMBF in Sachen Forschungsförderung wird die Debatte auch aus dem Ausland verfolgt, wie ein kurzer Artikel in der Times Higher Education zeigt. "Das für die Archäologie zentrale Thema Bildrechte, bei dem die öffentliche Hand eine entscheidende Rolle spielt, taucht in dem Strategiepapier nicht auf", bemängelt der Herausgeber der DGUF-Schriftenreihen Frank Siegmund dem DGUF-Newsletter gegenüber. "Zu den für die Geisteswissenschaften weiterhin wichtigen Monografien gibt es lediglich einen wolkigen Satz. Das ist zu kurz gesprungen."
"Freier Zugang schafft mehr Wissen" (BMBF Pressemitteilung 109/2016, 20.9.): https://www.bmbf.de/de/freier-zugang-schafft-mehr-wissen-3340.html
"Open Access in Deutschland. Die Strategie des Bundesministeriums für Bildung und Forschung" (Sep. 2016): https://www.bmbf.de/pub/Open_Access_in_Deutschland.pdf
Marco Tullney: "Open Access: BMBF veröffentlicht neue Strategie" (TIBBlog, 20.9.): http://blogs.tib.eu/wp/tib/2016/09/20/open-access-bmbf-veroeffentlicht-neue-strategie/
Roland Reuss: "Open-Access-Strategie Staatsautoritarismus, groß geschrieben" (FAZ, 30.9.): http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/forschung-und-lehre/open-access-strategie-staatsautoritarismus-gross-geschrieben-14454601.html
"German research ministry demands open access. Federally funded research will now come with an open access clause – but uncertainties remain" (THE, 21.9.): https://www.timeshighereducation.com/news/german-research-ministry-demands-open-access


7. Ausstellungen und Museen
7.1.
"Maya - Das Rätsel der Königsstädte" (Speyer, bis 23.4.)
Seit 2.10. präsentiert das Historische Museum der Pfalz in Speyer in enger Kooperation mit Archäologen der Universität Bonn und dem holländischen Drents Museum neueste wissenschaftliche Erkenntnisse der Forschung. In der kulturhistorischen Ausstellung "Maya - Das Rätsel der Königsstädte" werden auf 1.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche ca. 250 Exponate aus Guatemala und Mexiko gezeigt. Digitale Rekonstruktionen ergänzen die Objekte. Kinder und Familien können die Welt der Maya mit einem speziellen Audioguide und auf einem eigens konzipierten Rundgang erkunden. Theo Schneider von SWR2 ist von der Ausstellung überzeugt: "So eindrucksvoll die Vernetzung von neuester Forschung mit neuen Medien ist und die Spielmöglichkeiten mit Tablets und Handys besonders junge Leute ansprechen, so sehr fasziniert dann doch auch die klassische Präsentation der Einzelstücke im semi-sakralen Dämmer der Vitrinen".
"Maya-Ausstellung eröffnet" (SWR, 2.10.; Video, 2:34 Min.): http://www.swr.de/landesschau-aktuell/rp/ludwigshafen/exotisches-in-speyer-maya-ausstellung-eroeffnet/-/id=1652/did=18228844/nid=1652/1jkrnlz/index.html
"Ausstellung im Historischen Museum der Pfalz Speyer. Das Rätsel der Maya" (SWR2, 30.9.): http://www.swr.de/swr2/kultur-info/historisches-museum-pfalz-maya-speyer/-/id=9597116/did=18235452/nid=9597116/17l6luy/index.html
"Maya-Archäologie: Darum verschwanden die Gottkönige" (Spiegel, 29.9.): http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/maya-archaeologie-warum-die-gottkoenige-verschwanden-a-1114039.html
Website der Ausstellung: http://museum.speyer.de/aktuell/maya-das-raetsel-der-koenigsstaedte/

7.2.
"Absolut empfehlenswert": Ausstellung "Wikinger!" (Rosenheim, bis 4.12.)
"Vikings", "Wickie und die starken Männer": die öffentliche und mediale Begeisterung für die Nordmänner (und -frauen) scheint nicht nachzulassen, ebenso wenig wie das Klischee des Hörnerhelms. Doch damit soll nun Schluss sein: Die Sonderausstellung "Wikinger!" im Lokschuppen Rosenheim räumt engagiert mit den Stereotypen auf. Der Topos des finsteren (Früh-)Mittelalters wird hier relativ wörtlich genommen: Die Ausstellungsräume sind meist eher dunkel gehalten und werden stellenweise von mystisch-atmosphärischen Klängen unterlegt. Gleich zu Beginn wird erläutert, was es mit "den Wikingern" auf sich hat. Dem Eintauchen in die Wikingerzeit geht ein kurzer historischer Abriss der Völkerwanderungszeit voran, den man wortwörtlich selbst in der Hand hat: Mittels Lenkung eines Steuerrades kann man sich auf einer digitalen Europakarte durch die wichtigsten Daten navigieren. Dem Alltags-ABC der skandinavischen Bevölkerung geht das tatsächliche ABC voran. Anhand einer Comic-Illustration führt eine wikingerzeitliche Familie fiktiv durch ihren alltäglichen Turnus und haucht den gezeigten Objekten Leben ein. Der Raum zum Thema Bewaffnung fällt erfreulicherweise relativ klein aus und unterstützt somit nicht das Bild der Wikinger als rein plündernde Krieger. Der Fokus dieser Ausstellung liegt eindeutig auf den Themengebieten Seefahrt und Handel. Auf Touch-Screens kann man sich durch Urkunden bezeugte Seerouten anzeigen oder sich in die Kunst des Segelns einweisen lassen. Nicht nur für Kinder: Digital kann man sein eigenes Wikingerschiff bauen oder sich an verschiedenen Seemannsknoten probieren. Auch den Glaubensvorstellungen und Sagen wird viel Platz eingeräumt. Im 1. Stock kann man entlang einer "Reling" - mit Blick auf ein Schiffsmodell im Erdgeschoss - flanieren und dabei die Götterwelt der Asen rund um Odin und Co. anhand von Dreh-Schilden erkunden oder gemütlich in einem Sitzsack Götterliedern der Edda lauschen. Kunstvoll geht es auch im "Raum der Silberschätze" zu. Dort werden dem Besucher eindrucksvoll die vielen verschiedenen wikingerzeitlichen Kunststile nähergebracht. Zu guter Letzt wird noch auf die "Faszination Wikinger" eingegangen, den Missbrauch für Propagandazwecke und den Einzug in die moderne Werbewelt, bevor man sich noch ein Sprichwort aus der Edda vom Automaten ziehen kann. Man kann nicht nur viel, sondern die Ausstellung kann viel. Sie weiß Jung und Alt gleichermaßen mitzunehmen, zu unterhalten und vor allem Wissen zu schaffen. Kinder werden von dem Original-Kulissenschiff aus dem Film "Wickie auf großer Fahrt" auf dem Lokschuppenvorplatz begeistert sein, ebenso wie vom Spielplatz in Wickie-Manier. Fazit: Liebevoll gestaltete Ausstellung, die einen ausgewogenen Rundum-Einblick in die Welt der Wikinger bietet. Absolut empfehlenswert!
Website: https://www.lokschuppen.de/wikinger/ueber-die-ausstellung.html
Facebook: https://www.facebook.com/Lokschuppen/?fref=ts
Twitter: https://twitter.com/LokschuppenRO


8. Und sonst …
8.1.
Filmprojekt "Iceman - die Legende von Ötzi" mit Jürgen Vogel in der Hauptrolle
"Kelab" ist Ötzis Name im Filmprojekt von Autor und Regisseur Felix Randau. Die internationale Koproduktion mit dem Arbeitstitel "Iceman - die Legende von Ötzi" wird derzeit in Bayern gedreht, Dreharbeiten im österreichischen Schnalstal und im Passeiertal hat man bereits absolviert. Die Hauptrolle spielt Jürgen Vogel. Randau habe für das Drehbuch genau recherchiert, schreibt die "Zeit", es sei unter anderem in Zusammenarbeit mit dem Archäologischen Museum in Bozen entstanden. Kinostart soll im Winter 2017/18 sein.
"Jürgen Vogel als Ötzi - Gletschermann kommt ins Kino" (Zeit, 28.9.): http://www.zeit.de/news/2016-09/28/film-juergen-vogel-als-oetzi---gletschermann-kommt-ins-kino-28123203

8.2.
Clever oder Schnapsidee? Private Feiern an antiken Stätten
Um fast 80% seien die Einnahmen des ägyptischen Antikenministeriums seit 2010 gesunken, berichtet "Selekts Blog". Ausbleibende Touristen ließen auch nicht auf eine Stabilisierung hoffen. Nun war der Supreme Council of Antiquities noch nie um wagemutige Ideen verlegen und präsentiert eine neue: Man will private Feiern an antiken Stätten erlauben – natürlich gegen eine saftige Gebühr. Eine neue Richtlinie scheint das jedenfalls prinzipiell zu ermöglichen. Auch im Portfolio der Ideen-Generatoren: Filmen an Grabungsstätten und das Fotografieren in Gräbern soll gegen Gebühr erlaubt werden. Es soll eine Reihe von Restriktionen geben, um die archäologischen Stätten und auch die Umwelt zu schützen. Gegner gibt es – erwartbar – im Antikenministerium, das Sorge hat, wie es alle Feiernden im Griff behalten solle.
"Private Parties an antiken Stätten – Clever oder Schnapsidee?" (Selkets Blog, 4.9.): http://blog.selket.de/tourismus-aegypten/private-parties-an-antiken-staetten-clever-oder-schnapsidee

8.3.
Digitale Technologien spielerisch für die Vermittlung von Archäologie nutzen?
"Ich schlage vor, den gesamten Kulturschatz, soweit er sich digitalisieren lässt, frei ins Internet zu stellen", schreibt Gunter Dueck im Merton-Magazin. Dueck sieht auch das Potenzial digitaler Technologien und aktueller Spieltrends für die Vermittlung wissenschaftlichen Wissens: "Warum entwerfen Bildungsexperten kein Pokémon KNOW? Man muss sich dann den Text der Tafeln wirklich durchlesen und Fragen dazu beantworten. Warum nicht eine Matheaufgabe einblenden? Nein, die Pädagogen verdammen den Spieltrieb. Schämen sollten sie sich, dass sie den Kulturschatz nicht interessant aufbereiten können."
Gunter Dueck, "Pokémon KNOW oder Culture Technologies made in Germany" (Merton-Magazin, 28.9.): https://merton-magazin.de/pok%C3%A9mon-know-oder-culture-technologies-made-germany

8.4.
Wer für Archäologie begeistern will, muss Geschichten spannend erzählen
So häufig ist dieser Satz gesagt worden, und noch immer wird er allzu oft nicht beherzigt. Im Magazin des Stifterverbandes "Merton" bricht jetzt Patrick Breitenbach eine Lanze für gute und gleichzeitig spannende Wissenschaftskommunikation. "Wir lieben Gerüchte, Legenden, Mythen – kurzum alles, was uns erstaunt, gruselt, in Erregung versetzt oder irgendwie verzaubert. ... Kein Wunder also, dass die spannend erzählten Verschwörungsgeschichten auf YouTube weitaus häufiger geteilt werden in den sozialen Netzwerken als kompliziert formulierte kulturwissenschaftliche Essays über Herrschaft und Macht. Die Wissenschaft hinterlässt, neben all ihrer Aufklärung, eben leider auch bei vielen Menschen eine emotionale Lücke." Bedenkenswert.
Patrick Breitenbach, "Wissenschaft muss uns wieder neu bezaubern" (Merton-Magazin, 5.9.): https://merton-magazin.de/wissenschaft-muss-uns-wieder-neu-bezaubern

8.5.
Videos vom World Archaeological Congress WAC-8 (Kyoto, 28.8.-2.9.)
Dass der 8. World Archaeological Congress und die 22. Jahrestagung der European Association of Archaeologists (31.8.-4.9.) nahezu zeitlich stattfanden – mit Litauen und Japan allerdings in gehöriger Distanz –, darüber wurde international innig gelästert. So gut wie niemandem wird es möglich gewesen sein, Konferenz-Hopping zu betreiben und beide Tagungen zu besuchen. Der unermüdliche Doug Rocks-Macqueen hat auf seinem YouTube-Kanal nun immerhin elf ausgewählte Reden und Vorträge von WAC-8 zur Verfügung gestellt.
https://www.youtube.com/playlist?list=PLBjeGwwG0rtTuA4oQ5BL8QsftE2UZya73


9. Impressum und Redaktionshinweise
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