DGUF-Newsletter vom 30.8.2016

DGUF-Newsletter vom 30.8.2016

1. DGUF-Nachrichten
1.1. DGUF begleitet Novellierung des hessischen Denkmalschutzgesetzes im Jahr 2016
1.2. DGUF nun auch auf Facebook zu finden
1.3. DGUF-Handreichung mit Empfehlung zu guten IT-Werkzeugen in 2. Auflage erschienen
1.4. Erste Aufsätze der Berliner DGUF-Tagung (5.-8.5.2016) publiziert
1.5. Turbulenzen um neue Forschungskooperation zum Fundplatz der Schöninger Speere
1.6. Alte DGUF-Newsletter durchsuchen? Nichts einfacher als das!
1.7. Pascal Geiger neuer Webmaster der DGUF
1.8. Erinnerung: Archäologie-Wahlprüfsteine für Wähler aus Mecklenburg-Vorpommern
1.9. Letzte Gelegenheit: "Tübinger Thesen zur Archäologie" können noch bis 5.9. gezeichnet werden
1.10. DGUF hat die "Berliner Erklärung über den offenen Zugang zu wissenschaftlichem Wissen" unterzeichnet
1.11. DGUF-Vorsitzende Scherzler beim Presidential Lunch der EAA (Vilnius, 30.8.)

2. Tagungen und Veranstaltungen
2.1. "Archäologie und Identität": 9. Deutscher Archäologiekongress 2017 (Mainz, 3.-8.7.)
2.2. "Catastrophe and Challenge: Cultural Heritage in Post-Conflict Recovery" (Berlin / Cottbus, 5.–7.12.; CfP until 31.8.)
2.3. "Frozen Pasts – 4th International Glacial Archaeology Symposium" (Innsbruck, 12.-16.10.)
2.4. "In Poseidons Reich XXII: Wir sitzen alle in einem Boot - Die gesellschaftliche Bedeutung von Schiffen, Flößen und Fähren" (Koblenz, 17.-19.3., CfP bis 31.10.)
2.5. Arbeitstreffen des Arbeitskreises Tonpfeifen (Bonn, 20. 9.)
2.6. 4. gemeinsame Tagung der AG CAA & CAA Niederlande/Flandern (Gent, 24.-25.11., CfP bis 16.9.)

3. Forschung
3.1. Neu im Early View der "Archäologischen Informationen"
3.2. Aktuelle Ausgrabungen in den Medien
3.3. Aktuelle Forschung in den Medien
3.4. 3D-Landschaftsanalyse: Steinkreise Schottlands sind eindeutig astronomisch ausgerichtet, sagt die Statistik

4. Kulturgutschutz
4.1. Aktuelles rund um Kulturgutschutz in den Medien
4.2. Teenager verschlimmbessern norwegische Felszeichnungen
4.3. Aleppos historisches Erbe: Henkel-Stiftung gibt 750.000 Euro für Forschung zur Gestaltung des Wiederaufbaus
4.4. Zerstörung von Kulturgut vor Internationalem Gerichtshof in Den Haag
4.5. Rezension zu: Zimmermann, O. & Geißler, Th. (Hrsg.) (2016). "Altes Zeug: Beiträge zur Diskussion zum nachhaltigen Kulturgutschutz"

5. Ausstellungen und Museen
5.1. Ein 26-stündiges Fest und eine Archäologie-Ausstellung, die v. a. gestalterisch überzeugt. Zur Eröffnung des Erweiterungsbaus des Landesmuseums Zürich.
5.2. Konzept, SEO, Inhalte: Tipps für den Start eines Museums-Blogs
5.3. Alles flach? Oder: Was darf, soll oder kann man Museumsbesuchern zumuten?
5.4. Animiertes und animierendes Neolithikum, tote Hose in der Bronzezeit: Ein Besuch in der Großen Landesausstellung Baden-Württemberg "4.000 Jahre Pfahlbauten"
5.5. Statusbericht Archäologisches Landesmuseum Mecklenburg-Vorpommern und "Rostocker Erklärung" vom 13.8.
5.6. "Nett gemeint": Auf Stippvisite in der Sonderausstellung "7000 Jahre Bier und Wein" (Künzing, bis 25.9.)
5.7. Weiterbildung für Museumsmitarbeiter: "Open up! Museum"
5.8. "Dramaturgisch spannender Aufbau": Die Dauerausstellung "Wahre Schätze - Kelten" (Württ. Landesmuseum Stuttgart)

6. Ausbildung, Job-Themen und Personalia
6.1. Akkreditierung von Studiengängen, oder: Was kümmert uns ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts?
6.2. Patrick Schollmeyer neuer Vorsitzender des DArV
6.3. Ethik von ehrenamtlicher studentischer Arbeit
6.4. Ungewöhnlicher Personalengpass in der Landesarchäologie von Baden-Württemberg
6.5. "Institutionelle Beharrungskräfte sind stärker als das Aufbegehren": Lehrbeauftragte an deutschen Hochschulen
6.6. Wie geht man als Autor mit einem Review um? Eine Anleitung.
6.7. Ute Verstegen neue Vorsitzende der AGCA
6.8. Wie vereinbar sind wissenschaftlicher Berufsalltag und Familie
6.9. Brandenburg: Klage über Personalabbau in der Landesarchäologie

7. Open Access & Open Data
7.1. Open Library of Humanities: Statusbericht eines in Entwicklung begriffenen Open-Access-Projekts
7.2. Goldener Open Access ist derzeit teurer als Grüner Open Access
7.3. Datenpublikation als Excel-Tabelle verursacht oft Fehler
7.4. Neuzeitarchäologie: Zeitschrift "Beads" in teilweisem Open Access
7.5. "Viele Forschende würden lieber ihre Zahnbürste teilen als ihre Daten"
7.6. Open Access: guten Synthese aktueller Debatten in der DUZ

8. Bürger und Archäologie & Citizen Science
8.1. Großbritannien: Start des Marine Antiquities Scheme (MAS)
8.2. Neue Förderrichtlinie des BMBF für bürgerwissenschaftliche Forschungsvorhaben (Bewerbungsfrist: 31.10.)

9. Und sonst …
9.1. Sehenswerte Sammlung von 3D-Modellen: "Around the World in 80 Models" von Sketchfab
9.2. Virtuelle Speläologie in den "Höhlen der ältesten Eiszeitkunst"
9.3. Präsidentin des DAI Prof. Dr. Fr. Fless über Archäologie & Politik
9.4. Köln: Name gesucht für Archäologische Zone mit Jüdischem Museum
9.5. "Spannend, aber anspruchsvoll": Zu Heinz Wanners Buch "Klima und Mensch. Eine 12'000-jährige Geschichte"
9.6. Soll man für die Forschung und für Schulen das strenge Urheberrecht aufweichen?
9.7. Gunter Dueck zur Unterscheidung von Wissen und Umsetzung, von Insellösungen zu neuen Strukturen
9.8. Großbritannien: Positionen zur Situation der Archäologie nach einem Brexit
9.9. Britischer Finanzminister garantiert Gelder für Horizon 2020
9.10. ResearchGate & Academia.edu: Was ist erlaubt, was ist verboten?
9.11. 435.000 Euro für Forschungen rund um Kalkriese

10. Impressum und Redaktionshinweise


1. DGUF-Nachrichten
1.1.
DGUF begleitet Novellierung des hessischen Denkmalschutzgesetzes im Jahr 2016
Im Sommer 2016 wurde die Novellierung des hessischen Denkmalschutzgesetzes eingeleitet. Der Regierungsentwurf von CDU und Bündnis 90/Die Grünen, der am 12.7. vom Landesparlament beraten wurde, sieht gegenüber dem bisherigen Gesetz zahlreiche Änderungen vor: Denkmalbegriff, Aufnahme UNESCO-Welterbestätten, Stärkung des Ehrenamts usw. Insbesondere würde mit dem jetzt vorgesehenen § 18 Abs. 5 das Verursacherprinzip fest im hessischen DSchG verankert. In ihrer ausführlichen schriftlichen Stellungnahme vom 23.8. hat die DGUF viele der vorgesehenen Änderungen grundsätzlich begrüßt. Die DGUF macht jedoch zahlreiche handwerklich-redaktionelle Anregungen zu Änderungen am vorliegenden Text, um die Eindeutigkeit, Lesbarkeit und breite Verständlichkeit des Gesetzes zu verbessern. Insbesondere regt sie Verbesserungen am Denkmalbegriff im Sinne der Konvention von La Valletta/Malta an, die Aufnahme des Begriffs "Fund" in die Begriffsdefinitionen und Klarstellungen zum Schutz der UNESCO-Welterbestätten. Inhaltlicher Kern der DGUF-Stellungnahme sind jedoch die Themen Obere Denkmalschutzbehörde und Verbandsklagerecht. Die DGUF ist zur Stellungnahme und zur öffentlichen mündlichen Anhörung im Ausschuss für Wissenschaft und Kunst im Oktober 2016 eingeladen.
http://www.dguf.de/408.html

1.2.
DGUF nun auch bei Facebook
Seit Anfang August ist die DGUF mit einer öffentlichen Seite auf Facebook vertreten und hat zum Ende des Monats dort gut 550 Fans. Während die eine oder andere (DGUF)-Neuigkeit nun auf Facebook etwas schneller als im monatlichen Newsletter kommuniziert werden wird und vor allem auch direkt kommentiert und leichter als bisher in den Social Media verbreitet werden kann, finden sich hier im Newsletter unverändert systematische Zusammenstellungen von Wissenswertem und auch längere, differenziertere Inhalte. Facebook-Seite und Newsletter der DGUF doppeln sich nicht, sondern ergänzen einander.
https://www.facebook.com/DGUF1969/

1.3.
DGUF-Handreichung mit Empfehlung zu guten IT-Werkzeugen in 2. Auflage erschienen
Die im Dezember 2015 erstmals herausgegebene DGUF-Handreichung "Computer- und Software-Ausstattung fürs Studium. DGUF-Handreichung für Studierende der Ur- und Frühgeschichte & Archäologie" ist rechtzeitig zum Beginn des Wintersemesters in einer zweiten, aktualisierten Auflage erschienen. Längst nicht alle jungen Archäologen studieren an einem Standort mit guter EDV- und IT-Beratung und -Ausbildung. Der Leitfaden gibt Tipps und Anregungen, von der Hardware-Ausstattung über die nötigste Grundversorgung mit Software bis hin zu Spezialitäten, die erst für Fortgeschrittene interessant sind. All unsere Handreichungen können frei heruntergeladen und herzlich gerne auch weiterverteilt werden.
http://www.dguf.de/fileadmin/user_upload/Studierende/DGUF-Dok_Software-Box.pdf

1.4.
Erste Aufsätze der Berliner DGUF-Tagung (5.-8.5.2016) publiziert
Mit den Beiträgen von Jaime Almansa Sánchez und Gerry Wait stehen die ersten Aufsätze im Early View bereit, die von der DGUF-Tagung in Berlin (5.-8. Mai) herrühren. Der spanische Firmenarchäologe Jaime Almansa Sánchez beschreibt die Arbeitssituation und die Gesetzgebungsprozesse zur Bodendenkmalpflege während der vergangenen fünf Jahre in Madrid. Sein auf der Tagung rege debattierter Erfahrungsbericht ist eine Fallstudie, die aufzeigt, wie wichtig eine robuste und wirksame Selbstorganisation der Archäologie ist resp. wäre. Gerry Wait beschreibt das "Chartered Institute for Archaeologists" (CIfA), den mit mehr als 3.350 Mitgliedern größten Berufsverband für Archäologie: die Anfänge seit 1979, den formellen Start als IFA im Dezember 1982, die institutionelle Stärkung Mitte der 90er Jahre und die 2014 erreichte Akkreditierung beim britischen Kronrat. Wesentlich sind die von Wait dargelegten und zunächst ev. überraschenden Begriffsverständnisse von "professioneller Archäologe" und "Berufsverband", auf deren Grundlage das CIfA operiert. Denn das CIfA versteht sich nicht als Gewerkschaft. Einleuchtend legt er die Vorteile eines solide aufgestellten Berufsverbandes für die
Archäologie und für die Gesellschaft dar.
Wait, G. (2016). Das "Chartered Institute for Archaeologists": Der systematische Aufbau von Professionalität, Macht und Einfluss in Archäologie und Denkmalpflege. Archäologische Informationen, Early View, online publiziert 27. Aug. 2016. http://www.dguf.de/fileadmin/AI/ArchInf-EV_Wait.pdf
Almansa Sánchez, J. (2016). Power, Politics, Laws and the Management of Archaeological Heritage. An experience from Madrid. Archäologische Informationen, Early View, published online 26. Aug 2016. http://www.dguf.de/fileadmin/AI/ArchInf-EV_Almansa.pdf

1.5.
Turbulenzen um neue Forschungskooperation zum Fundplatz der Schöninger Speere
Zum 1.8. hat das Land Niedersachsen die weitere Erforschung des Fundplatzes der Schöninger Speere unter die wiss. Leitung von Prof. N. Conard gestellt und an die Universität Tübingen und die Senckenberg-Gesellschaft (Frankfurt) übertragen. Der Kooperationsvertrag sorgte in den Tagen zuvor in Presse wie Fachwelt für Aufregung. Der Verband der Landesarchäologen und der Deutsche Verband für Archäologie bemängelten in Stellungnahmen, dass dem Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege damit die Forschungen an der zuvor von ihm betreuten Fundstelle entzogen würden. DGUF und EXARC begrüßten indes das sich aus der Kooperation ergebende stärkere Netzwerk und die gesteigerten Möglichkeiten der Drittmitteleinwerbung. Bei seinem Sommerbesuch im Schöninger "Paläon" am 3.8. - wenige Tage nach der Vertragsunterzeichnung - betonte der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil dem Deutschlandfunk gegenüber, dass die Genese des Vertrags und vor allem die Kommunikation dazu "suboptimal" verlaufen seien, er bat dafür öffentlich um Entschuldigung (Deutschlandfunk, 18.8.); in der Sache selbst sehe er jedoch Vorteile in der neuen Zusammenarbeit.
DGUF-Stellungnahme und Links zu weiteren Dokumenten: http://www.dguf.de/407.html
"Schöninger Speere: Streit um Forschungskooperation" (Deutschlandfunk, 18.8.): http://www.deutschlandfunk.de/schoeninger-speere-streit-um-forschungskooperation.1148.de.html?dram:article_id=363415
"Wissenschaftsministerin Heinen-Kljajić unterzeichnet Kooperation mit der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung und der Universität Tübingen" (Pressemeldung Nds. Min. f. Wiss. u. Kultur, 29.7.): http://www.mwk.niedersachsen.de/aktuelles/presseinformationen/grabungen-in-schoeningen-145567.html
Wikipedia-Artikel "Schöninger Speere: https://de.wikipedia.org/wiki/Sch%C3%B6ninger_Speere

1.6.
Alte DGUF-Newsletter durchsuchen? Nichts einfacher als das!
Die DGUF-Newsletter werden circa monatlich als Text per E-Mail an die Abonnenten versandt. Es sind News, d. h. eher aktuelle Informationen mit kurzer Halbwertzeit, kaum etwas, das man langfristig konservieren müsste. Man bedenke nur, wie schnell vermutlich zahlreiche der Links wieder veraltet sein dürften. Gleichwie: auf www.DGUF.de gibt es ein Archiv, wo jeder DGUF-Newsletter als PDF archiviert wird. Doch in bis dato 48 PDFs etwas suchen, wenn man sich z. B. dunkel an diesen bestimmten hilfreichen Text zum Thema "Wahlprüfsteine" erinnert? Google hilft. Mit der Google-Suche "site:dguf.de intitle:Newsletter filetype:pdf Wahlprüfsteine" gibt man der Suchmaschine den Auftrag: Suche bitte nur auf www.DGUF.de; suche dort nach allem, dessen Titel "Newsletter" lautet und beschränke diese Suche auf PDF-files; und suche in diesen PDFs nach dem Wort "Wahlprüfsteine". Klappt, und wirft alle bis dato insgesamt fünf Newsletter aus, in denen es Berichte über Wahlprüfsteine gab. Funktioniert selbstredend auch mit anderen Suchbegriffen als "Wahlprüfsteine" ;-)
DGUF-Newsletterarchiv: http://www.dguf.de/249.html
Suchanweisung zum Copy-Pasten: site:dguf.de intitle:Newsletter filetype:pdf Wahlprüfsteine

1.7.
Pascal Geiger neuer Webmaster der DGUF
Vier lange Jahre hatte die DGUF nach dem Ausscheiden ihres Webmasters Dr. des. Gerwin Abbingh trotz allen Herumfragens keinen Webmaster – eigentlich, denn Gerwin hat für uns mit übergroßer Freundlichkeit und Geduld die allerwichtigsten Dinge weiterhin betreut. Dafür danken wir ihm von ganzem Herzen! Wir freuen uns sehr, nun mit Pascal Geiger wieder einen Webmaster zu haben. Pascal ist seit 2009 im Bereich des Online Marketing Managements tätig und zudem ehrenamtlicher Mitarbeiter des LVR-Amtes für Bodendenkmalpflege im Rheinland: "Eingestiegen durch das 'Sondengehen' habe ich schnell bemerkt, dass mein Interesse nicht der Schatzsuche, sondern der Archäologie gilt. Seitdem beschäftige ich mich, neben meinen geschichtlichen Forschungsprojekten in der Interessensgemeinschaft 'Bergische Historiker', primär mit der Etablierung von Citizen Science in der Archäologie".
Mehr zu Pascal Geiger: http://www.bergische-historiker.de/pascal-geiger#ueber

1.8.
Erinnerung: Archäologie-Wahlprüfsteine für Wähler aus Mecklenburg-Vorpommern
Am kommenden Sonntag, dem 4.9., ist Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern. Wer dort wählen kann und wem Archäologie wichtig ist, der schaue noch einmal in die Partei-Antworten auf die Wahlprüfsteinen Archäologie - und verbreite sie in seinem Freundes- und Bekanntenkreis. Gewiss: Archäologie ist nicht alles. Aber sie kann ein Kriterium unter mehreren sein, eine gute Entscheidung für den Gang zur Wahlurne zu finden.
http://www.dguf.de/403.html

1.9.
Letzte Gelegenheit: "Tübinger Thesen zur Archäologie" können noch bis 5.9. gezeichnet werden
Das Ende der Zeichnungsfrist für die "Tübinger Thesen zur Archäologie" ist Mo., der 5.9. Am 6.9. wird das PDF mit allen Namen der Zeichner gesetzt und geht mit den "Archäologischen Informationen" Jg. 2016 in den Druck. Die Thesen richten sich an alle Kolleginnen und Kollegen in archäologischer Forschung und Lehre, in Denkmalpflege und Museen, sowie an alle Bürger. Ihr Grundgedanke: Die Archäologien sind gegenwärtig erfasst von einem umfassenden gesellschaftlichen Wandlungsprozess, in dem die Akteure klug handeln sollten, wenn sie weiterhin oder wieder integraler Bestandteil der Gesellschaft sein wollen, ausgestattet mit einer angemessenen finanziellen, personellen und regulativen Basis. Zu den Unterzeichnern der "Tübinger Thesen" gehört u. v. a. auch Prof. Felipe Criado Boado, der Präsident der EAA.
Tübinger Thesen zur Archäologie mit allen Informationen zum Unterzeichnen: http://www.dguf.de/382.html
Tübingen Theses on archaeology: http://www.dguf.de/389.html
"Tübinger Thesen zur Archäologie" (Anarchaeologie, 19.5.; Video, 5:53 Min.): http://anarchaeologie.de/2016/05/19/tuebinger-thesen-zur-archaeologie/

1.10.
DGUF hat die "Berliner Erklärung über den offenen Zugang zu wissenschaftlichem Wissen" unterzeichnet
Am 1.8. hat die DGUF die "Berliner Erklärung über den offenen Zugang zu wissenschaftlichem Wissen" unterzeichnet. Das Dokument vom Oktober 2003 gilt als einer der Meilensteine der Entwicklung zu Open Access. Seit 2013 erscheinen unsere Schriftenreihen im Platinum Open Access. Teilhabe und Debatte zu ermöglichen, gehört schon immer zu den Leitprinzipien der DGUF.
https://openaccess.mpg.de/Berliner-Erklaerung

1.11.
DGUF-Vorsitzende Scherzler beim Presidential Lunch der EAA (Vilnius, 30.8.)
Auf Einladung des Präsidenten der EAA, Prof. Felipe Criado-Boado, nahmen in diesem Jahr vor Beginn der EAA-Tagung in Vilnius (Litauen) gut 30 Vorsitzende archäologischer Institutionen an einem "Presidential Lunch" teil, um zentrale strategische Überlegungen der EAA und Fragen zur Zukunft der Archäologie zu diskutieren. Aus Deutschland war ausschließlich die DGUF vertreten, außerdem u. a. das Archaeological Institute of America, das Europae Archaeologiae Consilium, die Society for American Archaeology, das Chartered Institute for Archaeology und die Society of Africanist Archaeologists. Entsprechend der DGUF-Beobachtung, dass die Archäologie ein Teil eines umfassenden Wandlungsprozesses ist (vgl. DGUF-Tagungen 2015 und 2016), betonte auch Felipe Criado-Boado, dass Archäologie gefährdet sei; zu den Ursachen zählt er die wirtschaftliche Krise und die Kürzungen gegenüber Universitäten überall in Europa. Man müsse sich nun von der La-Valetta-Konvention weiterbewegen hin in Richtung Faro-Konvention, sagte Criado-Boado. Zu den Themen, die von den Vorsitzenden der Verbände diskutiert wurden, gehört auch, ob die Wahlprüfsteine der DGUF Beispiel gebend sein sollten für ein von der EAA konzertiertes Engagement vieler nationaler Verbände bei der Europawahl 2019. Weitere Berichte von der EAA-Tagung finden Sie im nächsten Newsletter.


2. Tagungen und Veranstaltungen
2.1.
"Archäologie und Identität": 9. Deutscher Archäologiekongress 2017 (Mainz, 3.-8.7.)
Der kommende Deutsche Archäologiekongress wird "Archäologie und Identität" als Schwerpunktthema haben. Angesichts der Zerstörungen von kulturellem Erbe ist der Kulturgutschutz aktuell viel diskutiert. Vor diesem Hintergrund stellt sich aber auch die Frage nach der Verbindung zwischen kulturellem Erbe und der Identität einer Gesellschaft. Das Thema ist breit angelegt und kann auch in andere Richtungen interpretiert werden, so z. B. den Begriff Identität in der Archäologie betreffend. Dem Thema wird ein ganzer Tag im Plenum gewidmet sein, und es finden in dieser Zeit keine parallelen AG-Sitzungen statt. Für die Sektionen der Arbeitsgemeinschaften kann dieses Thema ebenfalls Anhaltspunkt sein, das ist jedoch nicht verbindlich. Auch die DGUF wird ihre Tagung 2017 im Rahmen dieses Kongresses ausrichten. Der 9. Deutsche Archäologiekongress wird vom WSVA in Zusammenarbeit mit der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz, dem Landesmuseum Mainz und dem Römisch-Germanischen Zentralmuseum in Mainz ausgerichtet. Online gibt es derzeit noch keine weiteren Informationen.

2.2.
"Catastrophe and Challenge: Cultural Heritage in Post-Conflict Recovery" (Berlin / Cottbus, 5.–7.12.; CfP until 31.8.)
The destructive effects of war and of deliberate targeting of cultural sites constitute an exceptional challenge for Heritage Conservation. The principles of continuous care and minimal intervention may seem of little use when one is faced with catastrophic and wide-spread damage to culturally significant places. This conference attempts to take a first step towards sketching the scope and the depth of the problems of Heritage in War as well as providing insights into approaches to cope with these problems.
http://heritage-post-conflict.com/

2.3.
"Frozen Pasts – 4th International Glacial Archaeology Symposium" (Innsbruck, 12.-16.10.)
Knapp 50 Vorträge sind für diese Konferenz zusammengekommen. So sprechen z. B. Thomas Reitmaier et al. zur spätmesolithischen Bergkristall-Mine bei Fuorcla da Strem (Schweiz), Thomas D. Andrews & Glen MacKay thematisieren die Auswirkungen des Klimawandels auf Kulturgut in den Nordwestlichen Territorien (Kanada), und Kate McLauchlan stellt Studien zur Mumifikation durch Eis vor. Mehrere Vorträge thematisieren organische Funde aus der mittelalterlichen befestigten Siedlung Ust Voikarsky (Sibirien). Die Anmeldefrist zur Tagung ist verlängert worden und weiterhin möglich, die Gebühr liegt bei 120, ermäßigt 60 Euro.
Website zur Tagung: https://www.uibk.ac.at/urgeschichte/mitarbeiterinnen/harald-stadler/frozen-pasts/frozen-pasts.html
Frozen Pasts bei Facebook: https://www.facebook.com/pages/Frozen-Pasts/218294865005314

2.4.
"In Poseidons Reich XXII: Wir sitzen alle in einem Boot - Die gesellschaftliche Bedeutung von Schiffen, Flößen und Fähren" (Koblenz, 17.-19.3., CfP bis 31.10.)
Die Jahrestagung der DEGUWA zur Unterwasserarchäologie findet 2017 an der Hochschule Koblenz statt. Die Veranstalter begrüßen als Vortragsvorschläge Forschungsergebnisse zu Archäologie und Geschichte der Schifffahrt auf Rhein und Mosel und nautischen Soziologie und Kulturgeschichte aller Zeiten und Regionen. Willkommen sind auch Themenvorschläge, "die sich Aspekten der durch Wasserfahrzeuge ermöglichten Kommunikation über Fluss, See und Meer hinweg und deren Auswirkungen widmen. Dabei kann es sich um neue Ergebnisse von Surveys und Ausgrabungen, um Material- und Quellenstudien oder um theoretische Diskussionen alter und neuer Fragen handeln. Willkommen sind darüber hinaus alle sonstigen neuen Funde und Erkenntnisse aus der maritimen und limnischen Archäologie und Kulturgeschichte sowie Berichte über letzte Entwicklungen auf dem Feld der Methoden und Techniken."
http://www.deguwa.org/data/File/IPR%20XXII/IPR%20XXII%20Cfp1%20dt_.pdf

2.5.
Arbeitstreffen des Arbeitskreises Tonpfeifen (Bonn, 20.9.)
Der Arbeitskreis Tonpfeifen (zuletzt: Arch. Inf. 37, 2014, 199-202) wird sich am Rande des Symposiums Keramikforschung (LVR-Landesmuseum Bonn, 19.-23.9.) zu einem Arbeitstreffen zusammenfinden. Das Treffen wird am 20.9. nach der "Fundschau" im Landesmuseum bzw. im Depot Meckenheim von 16-18 Uhr im Verwaltungsgebäude (Raum Nr. 1.08) in der Colmantstr. 18 in Bonn stattfinden. Auf der Tagungsordnung steht u. a. die Frage, ob Interesse an einem neuen Kongress zur historischen Tonpfeifenforschung besteht oder etwa ein neuer Knasterkopf-Band aufgelegt werden soll. Daneben wird es eine kleine Fundschau mit neu entdeckten Pfeifen aus Mettmann, Kaiserswerth, Großalmerode und Enkhuizen geben. Die Teilnahme am Treffen des Arbeitskreises ist kostenfrei, eine Anmeldung oder formale Mitgliedschaft ist für die Teilnahme am Arbeitstreffen nicht erforderlich.
http://helene-bonn.info/AK/news.htm

2.6.
4. gemeinsame Tagung der AG CAA & CAA Niederlande/Flandern (Gent, 24.-25.11., CfP bis 16.9.)
Ende November findet in Gent (Belgien) zum vierten Mal eine gemeinsame Tagung der (deutschen) AG CAA und der CAA Niederlande/Flandern statt. Die Themen sind "Statistical Analysis / Network Analysis in Archaeology", "Remote Sensing and Landscape Archaeology", "Digital Archaeology and the Wider Public" und "Archival and Management of (3D) Archaeological Data". Der Konferenz geht am 23.11. ein LiDAR-Workshop voran. Die Frist zur Einreichung von Vortrags- oder Posterbeiträgen wurde bis zum 16.9. verlängert.
http://www.caanlfl.nl/?q=node/51


3. Forschung
3.1. Neu im Early View der "Archäologischen Informationen"
Wait, G. (2016). Das "Chartered Institute for Archaeologists": Der systematische Aufbau von Professionalität, Macht und Einfluss in Archäologie und Denkmalpflege. Archäologische Informationen, Early View, online publiziert 27. Aug. 2016.
Jerres, J. (2016). Rezension zu: Zimmermann, O. & Geißler, Th. (Hrsg.) (2016). Altes Zeug: Beiträge zur Diskussion zum nachhaltigen Kulturgutschutz. Aus Politik & Kultur Nr. 14. Berlin: Deutscher Kulturrat. Archäologische Informationen, Early View, online publiziert 27. Aug. 2016.
Almansa Sánchez, J. (2016). Power, Politics, Laws and the Management of Archaeological Heritage. An experience from Madrid. Archäologische Informationen, Early View, published online 26. Aug 2016.
Mölders, D. (2016). Rezension zu: Sénécheau, M. & Samida, St. (2015). Living History als Gegenstand historischen Lernens. Begriffe – Problemfelder – Materialien. Geschichte und Public History. Stuttgart: Kohlhammer. Archäologische Informationen, Early View, online publiziert 22. Aug. 2016.
Kastens, B. (2016). Tagungsbericht: Workshop Wissenschaftsgeschichte der Ur- und Frühgeschichte: Ausstellungen zur Ur- und Frühgeschichte im kurzen 20. Jahrhundert. Veranstaltet vom Mittel- und Ostdeutschen Verband fürAltertumsforschung e.V. in Kooperation mit dem West- und Süddeutschen Verband für Altertumsforschung e.V. am 31.3.2016 in Chemnitz. Archäologische Informationen, Early View, online publiziert 22. Aug. 2016.
Schachtmann, J. & Lindemann, A. (2016). Forschungen zur Fachgeschichte. Erstes Treffen der AG Wissenschaftsgeschichte auf dem 8. Archäologiekongress in Berlin (6.-10.10.2014). Archäologische Informationen, Early View, online publiziert 15. Aug. 2016.
Perschke, R. (2016). Die deutsche Megalithgrab-Nomenklatur – Ein Beitrag zum Umgang mit ideologisch belasteter Fachterminologie. Archäologische Informationen, Early View, online publiziert 15. Aug. 2016.
Weihrauch, Chr., Brandt, I. & Opp, Chr. (2016). Die archäologische Aussagekraft von Phosphatprospektionenauf gedüngten landwirtschaftlichen Nutzflächen – eine Fallstudie im Gebiet Sievern (Ldkr. Cuxhaven). Archäologische Informationen, Early View, online publiziert 5. Aug. 2016.
Zander, A. (2016). Heek-Nienborg and Werl-Büderich: The transition from Palaeolithic to Mesolithic in Westphalia. Archäologische Informationen, Early View, published online 19 July 2016.
http://www.dguf.de/index.php?id=9

3.2.
Aktuelle Ausgrabungen in den Medien
"Neolithic chic: body piercing fashion from the Arctic around 5,000 years ago" (The Siberian Times, 25.8.): http://siberiantimes.com/science/casestudy/news/n0715-neolithic-chic-body-piercing-fashion-from-the-arctic-around-5000-years-ago/
Denisova-Höhle: "World's oldest needle found in Siberian cave that stitches together human history" (The Siberian Times, 23.8.): http://siberiantimes.com/science/casestudy/news/n0711-worlds-oldest-needle-found-in-siberian-cave-that-stitches-together-human-history/
Bresto: "Mykenische Keramik in Bulgarien gefunden" (Pressemeldung LMU, 23.8.): http://www.uni-muenchen.de/forschung/news/2016/stockhammer_bresto.html
Ness of Brodgar(Großbritannien): "Mystery stone structure under Neolithic dump on Orkney" (BBC, 22.8.): http://www.bbc.com/news/uk-scotland-north-east-orkney-shetland-37154410
Chakassien: "Found: grave of Siberian noblewoman up to 4,500 years old - with links to native Americans" (The Siberian Times, 19.8.): http://siberiantimes.com/science/casestudy/features/f0252-found-grave-of-siberian-noblewoman-up-to-4500-years-old-with-links-to-native-americans/
Österreich: "Glasklarer Bergkristall: Mineralsucher entdecken 4000 Jahre altes Beil" (Spiegel, 17.8.): http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/tirol-forscher-entdecken-4000-jahre-altes-beil-a-1108002.html
Serbien: "Arbeiter entdecken mysteriöse Botschaft in 2000 Jahre altem Kindergrab" (Stern, 14.8.; Video, 1:39 Min.): http://www.stern.de/panorama/gesellschaft/serbien--arbeiter-entdecken-goldene-schriftrollen-in-2000-jahre-altem-kindergrab-7006790.html
"Kupferzeitliche Kreisgrabenanlage in Südspanien entdeckt" (Pressemeldung Universität Tübingen, 9.8.): http://www.uni-tuebingen.de/newsfullview-landingpage/article/kupferzeitliche-kreisgrabenanlage-in-suedspanien-entdeckt.html
"Athen: Archäologen finden Überreste von antiker Massenexekution" (Spiegel, 2.8.): http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/archaeologen-finden-ueberreste-von-antiker-massenexekution-a-1105747.html
Hohle Fels: "Menschen nutzten schon vor 40.000 Jahren spezielles Werkzeug zur Seilherstellung" (Pressemeldung Universität Tüingen, 22.7.): http://www.uni-tuebingen.de/newsfullview-landingpage/article/menschen-nutzten-schon-vor-40000-jahren-spezielles-werkzeug-zur-seilherstellung.html
Großbritannien: "Human bone found at Orkney's Ness of Brodgar dig site" (BBC, 21.7.): http://www.bbc.com/news/uk-scotland-north-east-orkney-shetland-36854431

3.3.
Aktuelle Forschung in den Medien
"Das Ende der Maya: Wasserknappheit kann Kulturen zerstören" (Pressemeldung TU Wien, 23.8.): http://www.tuwien.ac.at/aktuelles/news_detail/article/124251/
"Genetische Analysen belegen Herkunft von Ötzis Kleidung" (Deutschlandfunk, 18.8.): http://www.deutschlandfunk.de/steinzeit-genetische-analysen-belegen-herkunft-von-oetzis.676.de.html?dram%3Aarticle_id=363438 und " Ötzi - der Ur-Designer aus den Alpen" (FAZ, 19.8.): http://www.faz.net/aktuell/wissen/archaeologie-altertum/tiroler-eismann-oetzi-der-ur-designer-aus-den-alpen-14395998.html
"Tool or weapon? IU research throws light on stone artifacts' use as ancient projectiles" (Pressemeldung Indiana University Bloomington, 18.8.): http://news.indiana.edu/releases/iu/2016/08/ancient-projectiles-study.shtml
"High-tech imaging reveals rare precolonial Mexican manuscript hidden from view for 500 years" (Bodleian Library & Radcliffe Camera, 18.8.): http://www.bodleian.ox.ac.uk/bodley/news/2016/aug-16
Osttimor: "Oldest jewellery in East Asia is crafted 37,000-year-old shell" (New Scientist, 17.8.): https://www.newscientist.com/article/2101485-oldest-jewellery-in-east-asia-is-crafted-37000-year-old-shell/
"Tree-rings reveal secret clocks that could reset key dates across the ancient world" (Pressemeldung Universität Oxford, 16.8.): http://www.ox.ac.uk/news/2016-08-17-tree-rings-reveal-secret-clocks-could-reset-key-dates-across-ancient-world
Durrington Walls: "A huge wooden circle has been found buried just a few kilometres from Stonehenge" (Science Alert, 15.8.): http://www.sciencealert.com/a-huge-wooden-circle-used-to-stand-just-a-few-kilometres-from-stonehenge
USA: "Fresh look at burials, mass graves, tells a new story of Cahokia" (Pressemeldung Prairie Research Institute, University of Illinois, 5.8.): http://www.eurekalert.org/pub_releases/2016-08/priu-fla080516.php
"Hunter-Gatherers Experimented with Farming in Turkey before Migrating to Europe" "Pressemeldung Universität Stockholm, 4.8.): http://www.su.se/english/about/profile-areas/cultural-heritage-historical-artefacts-processes/hunter-gatherers-experimented-with-farming-in-turkey-before-migrating-to-europe-1.291250
"The great evolutionary smoke out: An advantage for modern humans?" (Pressemeldung Oxford University Press, 2.8.): http://www.eurekalert.org/pub_releases/2016-08/mbae-tge080116.php und "Smoke signals: DNA adaptation helped early humans deal with toxic fumes" (The Guardian, 2.8.): https://www.theguardian.com/science/2016/aug/02/smoke-signals-dna-adaptation-helped-early-humans-deal-with-toxic-fumes
"Cancer on a Paleo diet? Discovery of 1.7 million-year-old foot bone is the oldest evidence of cancer in human ancestors" (Pressemeldung University of the Witwatersrand, 29.7.): https://www.wits.ac.za/news/latest-news/research-news/2016/2016-07/hominin-cancer
"Ancient faeces provides earliest evidence of infectious disease being carried on Silk Road" (Pressemeldung University of Cambridge, 22.7.): http://www.cam.ac.uk/research/news/ancient-faeces-provides-earliest-evidence-of-infectious-disease-being-carried-on-silk-road
"Genome of 6,000-year-old barley grains sequenced for first time" (Pressemeldung Bar-Ilan University, 19.7.): http://www1.biu.ac.il/indexE.php?id=33&pt=20&pid=117&level=2&cPath=33&type=1&news=2760
"Cave discoveries shed new light on Native and European religious encounters in the Americas" (Pressemeldung Universität Leicester, 19.7.): http://www2.le.ac.uk/offices/press/press-releases/2016/july/cave-discoveries-shed-new-light-on-native-and-european-religious-encounters-in-the-americas
Homo Naledi: "Student uses 3-D printers to recreate and date fossils of new human species" (Phys.org, 15.7.): http://phys.org/news/2016-07-student-d-printers-recreate-date.html

3.4.
3D-Landschaftsanalyse: Steinkreise Schottlands sind eindeutig astronomisch ausgerichtet, sagt die Statistik
Verwirrend komplexe Phänomene am Himmel, seltsam-unverständliche Terminologie, dafür viele Wischiwaschi-Behauptungen und eine hohe Anziehungskraft für neuheidnische Esoteriker - Archäoastronomie ist für die meisten (der ja meist eher erdverbundenen) Archäologen etwas, um das man lieber einen großen Bogen macht (außer es geht um die eine oder andere Himmelsscheibe, natürlich.) Trotzdem: Die Tatsache, dass sich unsere Altvorderen bereits sehr früh einer komplexen Kosmologie bewusst waren und diese auch ihren Ausdruck in den verschiedensten Formen gebauten Raums fand, ist im Fach unbestritten. Schon lange werden archäoastronomische Deutungen für neolithische und bronzezeitliche Anlagen von Stonehenge über Newgrange bis hin zu den kontinentalen Kreisgrabenanlagen vorgeschlagen und diskutiert - allein die Argumente, häufig so verwirrend komplex und wenig harte Fakten. Härtere Fakten, gar eine statistische Beweisführung, verspricht ein von Gail Higginbottom und Roger Clay in der aktuellen Ausgabe des Journal of Archaeological Science (9, 2016, 249-258) veröffentlichter Beitrag "Origins of Standing Stone Astronomy in Britain: New quantitative techniques for the study of archaeoastronomy". Der Ansatz nutzt eine eigens entwickelte Software namens "Horizon", eine Kreuzung zwischen Google Earth und Astronomieprogramm, mit der sich Digitale Geländemodelle und astronomischen Daten verknüpfen lassen. Softwareprogrammierung und Rohdaten verdanken die beiden Autoren dabei hilfreichen Kollegen: "Roger Clay and I are particularly indebted to Andrew G. K. Smith for creation of the landscape software and Clive Ruggles for letting us use his raw data, which kicked off the Western Scotland Megalithic Landscape Project", so Gail Higginbottom gegenüber der Newsletter-Redaktion. Und was kann die Software nun? Horizon veranschaulicht die von einem beliebigen Ort aus sichtbaren Horizontlinien - und projiziert die Bahnen von Sonne und Mond auf dieses Panorama. So gelang es Higginbottom und Clay anhand der Merkmale ihrer Horizontlinien, die bronzezeitlichen Steinkreise in Westschottland in zwei (ziemlich genau gleich große) Gruppen einzuteilen: Neben weiteren Merkmalen weisen die "classic sites" Wasser im Süden auf, im Norden dagegen Hügel oder Bergketten, in die die Sonne bei den Sonnenwenden und der Mond bei seinen Mondwenden versinkt bzw. aufgeht. Die zweite Gruppe, die "reverse sites", weist exakt gespiegelte Horizontmerkmale auf - die Bauorte der Steinkreise sind also keinesfalls zufällig, sondern nach astronomischen und landschaftlichen Gesichtspunkten sorgfältig ausgewählt! Dieser Dualismus in Lage und Orientierung der Steinkreise lässt sich über nahezu zwei Jahrtausende weiterverfolgen: Auch die beiden ältesten, neolithischen "Great Circles" Schottlands - Callanish auf der Hebriden-Insel Lewis und Stenness auf Orkney - können in dieses Schema eingepasst werden. "For us, there [have been] two very exciting moments in this project. The first was when we realised that the sites were set up to view many great astronomical spectacles and how this would have been done, like watching the mid-summer Sun rising and setting from the highest horizons, quickly followed by a bright full moon rising and setting from the lowest horizons on the other side of the sky offering 24 hours of visible light. The second was to recognise the huge time scale over which people continued to build such monuments", beschreibt Higginbottom frt Newsletter-Redaktion die Höhepunkte des Projekts. Die statistische Wahrscheinlichkeit einer astronomischen Ausrichtung in Callanish und Stenness sei rößer 97,87 %, so die Autoren in ihrer Studie. Auf unsere Frage, ob und wie sich der beschriebene Ansatz auch auf kontinentale Befunde übertragen ließe, antwortete Higginbottom: "Emilia Pásztor’s work has shown us that the people who built the Late Neolithic enclosures of the Carpathian Basin arranged the causeways of their circular earthworks to face the main cardinal points. And, in a similar way to the Neolithic tombs across Western Europe, 95% of these rondels have an eastern causeway that faces the rising Sun, where the orientation perhaps represents the direction of the rising sun on the day of its construction."
"Astronomy shown to be set in standing stone" (Pressemeldung University of Adelaide, 17.8.): https://www.adelaide.edu.au/news/news87022.html
"Scientists have finally shown that these ancient stones align with the Sun and Moon" (Sciencealert, 18.8.): http://www.sciencealert.com/archaeologists-now-have-proof-that-these-ancient-stones-were-built-in-line-with-the-sun-and-moon
"3D mapping of Scottish stone circles proves alignment theories" (The Lead South Australia, 23.6.): http://www.theleadsouthaustralia.com.au/ideas/3d-mapping-of-scottish-stone-circles-proves-alignment-theories/
"Stonehenge and other standing stones really are computers" (New Atlas, 17.8.): http://newatlas.com/statistics-stonehenge-computer/44949/


4. Kulturgutschutz
4.1.
Aktuelles rund um Kulturgutschutz in den Medien
"The Potential Dark Side of China's Art and Antiquities Boom" (The Diplomat, 12.8.): http://thediplomat.com/2016/08/the-potential-dark-side-of-chinas-art-and-antiquities-boom/
Peru: "Unter die Räder von Geländewagen und Quads gekommen: Der Kandelaber von Paracas" (Archaeologik, 8.8.): http://archaeologik.blogspot.de/2016/08/unter-die-rader-von-gelandewagen-und.html
"Kulturzerstörung in Kriegsgebieten: Jemen " (Archaeologik, 4.8.): http://archaeologik.blogspot.de/2016/08/kulturzerstorung-in-kriegsgebieten-jemen.html
"Kulturgut in Syrien und Irak, Juli 2016" (Archaeologik, 1.8.): http://archaeologik.blogspot.de/2016/08/kulturgut-in-syrien-und-irak-juli-2016.html

4.2.
Teenager verschlimmbessern norwegische Felszeichnungen
Das Gegenteil von gut ist gut gemeint: Auf der Insel Tro vor der norwegischen Westküste haben zwei Teenager versucht, jungsteinzeitliche, rund 5.000 Jahre alte Felszeichnungen sichtbarer zu machen - und die Linien mit einem scharfen Gegenstand nachgezogen. Der berühmte Aki fahrende Rødøymannen, Vorbild u. a. für die Symbologie der Olympischen Spiele in Lillehammer 1994, und der Wal einer Jagdszene sind jetzt zwar viel besser zu sehen als vorher, aber leider nicht mehr ganz original. Den beiden jugendlichen "Restauratoren" droht jetzt ein Gerichtsverfahren.
"Zerkratzter Skifahrer: Teenager zerstören 5000 Jahre alte Felsenbilder" (Spiegel, 1.8.): http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/norwegen-teenager-zerstoeren-5000-jahre-alte-felsenbilder-a-1105697.html
"Norwegian youths who 'ruined' 5,000-year-old rock carving could face prosecution" (The Telegraph, 31.7.): http://www.telegraph.co.uk/news/2016/07/31/norwegian-youths-who-ruined-5000-year-old-carving-could-face-pro/

4.3.
Aleppos historisches Erbe: Henkel-Stiftung gibt 750.000 Euro für Forschung zur Gestaltung des Wiederaufbaus
Die humanitäre Lage in Aleppo ist katastrophal. Auch wenn die Kämpfe noch andauern, entwickeln Experten bereits Szenarien für die Zeit nach dem Ende des Bürgerkriegs: Wie kann die UNESCO-Welterbestätte Aleppo wieder aufgebaut werden? Was soll mit den zerstörten oder noch erhaltenen historischen Bauten geschehen? Für die Initiative "Die Stunde Null – Eine Zukunft für die Zeit nach der Krise" hat die Gerda-Henkel-Stiftung jetzt knapp 750.000 Euro bereitgestellt. 2016 hat die Stiftung ein "Soforthilfeprogramm für Syrien" im Umfang von einer Million Euro aufgelegt.
http://www.gerda-henkel-stiftung.de/was-wird-aus-aleppos-historischem-erbe-gerda-henkel-stiftung-stellt-knapp-750-000-euro-fuer-grundlagenforschung-zur-gesta?page_id=95202

4.4.
Zerstörung von Kulturgut vor Internationalem Gerichtshof in Den Haag
Der Internationale Strafgerichtshof (ICC) in Den Haag geht derzeit in einem historisch zu nennenden Prozess erstmals gegen Zerstörung von Kulturgut vor (DGUF-Newsletter vom 31.3.2016 Punkt 4.3.). Angeklagt ist der Malier Ahmad al-Faqi al-Mahdi, der sich schuldig bekannte, an der Zerstörung Timbuktus, der "Perle der Sahara", mitgewirkt zu haben: "Ich bereue meine Tat zutiefst und bitte um Vergebung". "'Hier geht es nicht um Mauern und Steine', sagt die Chefanklägerin Fatou Bensouda. 'Es geht um einen eiskalten Anschlag auf die Würde und Identität der Bevölkerung und ihre religiösen und historischen Wurzeln. Wer die Mausoleen zerstört, der zerstört einen Teil der kollektiven Identität, welche die Menschen von Timbuktu sich über die Epochen aufgebaut haben.'" Der ICCwird sein Urteil über Ahmad al-Faqi al-Mahdi am 27.9. verkünden.
"Wüstenstadt Timbuktu Angeklagter Islamist gesteht Zerstörung von Kulturgut" (FAZ, 22.8.): http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/naher-osten/islamist-gesteht-zerstoerung-von-kulturgut-in-timbuktu-14400639.html
"Timbuktu-Zerstörung vor Strafgerichtshof: Angriff auf das Erbe der Menschheit" (Tagesschau, 22.8.): http://www.tagesschau.de/ausland/timbuktu-prozess-101.html
"Kommentar Timbuktu-Prozess Den Haag: Kulturzerstörung = Kriegsverbrechen" (taz, 22.8.): http://www.taz.de/!5326546/
"Ein Mausoleum blutet nicht" (Süddeutsche Zeitung, 20.8.): http://www.sueddeutsche.de/kultur/weltkulturerbe-ein-mausoleum-blutet-nicht-1.3128505
"Historischer Prozess um islamistischen Vandalismus" (Kurier, 16.8.): http://kurier.at/politik/ausland/historischer-prozess-um-islamistische-zerstoerungen-in-timbuktu/215.860.521
"Islamic extremist's trial over Timbuktu cultural destruction to open at The Hague" (The Guardian, 21.8.): https://www.theguardian.com/world/2016/aug/21/ahmad-al-mahdi-trial-the-hague-timbuktu-cultural-destruction
Michael Müller-Karpe (RZGM) im Interview: "Kulturzerstörung vor dem Weltstrafgericht Kultur kaputt, Seele kaputt" (SWR2, 22.8.; Audio, 8:17 Min.): http://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/swr2-am-morgen/kulturzerstoerung-vor-dem-weltstrafgericht-kultur-kaputt-seele-kaputt/-/id=660124/did=18007312/nid=660124/9lb4nw/index.html

4.5.
Rezension zu: Zimmermann, O. & Geißler, Th. (Hrsg.) (2016). "Altes Zeug: Beiträge zur Diskussion zum nachhaltigen Kulturgutschutz"
Die ungewöhnlich lebendige Debatte zum Kulturgutschutzgesetz hat 2015 und 2016 zu vielerlei Zeitungsartikeln geführt. Kurz nach Verabschiedung des Gesetzes hat der Deutsche Kulturrat einen Band mit einer Vielzahl bereits zuvor von ihm herausgegebener Beiträge zusammengestellt und im Druck sowie im Open Access veröffentlicht. Jutta Zerres beleuchtet in ihrer Rezension diesen Sammelband, der einen wertvollen Rückblick auf eine komplexe Debatte ermöglicht.
Jerres, J. (2016). Rezension zu: Zimmermann, O. & Geißler, Th. (Hrsg.) (2016). Altes Zeug: Beiträge zur Diskussion zum nachhaltigen Kulturgutschutz. Aus Politik & Kultur Nr. 14. Berlin: Deutscher Kulturrat. Archäologische Informationen, Early View, online publiziert 27. Aug. 2016. http://www.dguf.de/fileadmin/AI/ArchInf-EV_Zerres2.pdf


5. Ausstellungen und Museen
5.1.
Ein 26-stündiges Fest und eine Archäologie-Ausstellung, die v. a. gestalterisch überzeugt. Zur Eröffnung des Erweiterungsbaus des Landesmuseums Zürich.
Vom 31.7.-1.8. wurde in Zürich der Neubau des Schweizerischen Nationalmuseums mit einem 26 Stunden dauernden – pro Kanton eine Stunde – Fest eingeweiht. Am Anfang stand ein Festakt mit geladenen Gästen und Reden von u. a. Kulturminister Alain Berset und Museumsdirektor Andreas Spillmann. Ein kleines Feuerwerk eröffnete dann den Neubau von Christ & Gantenbein, der von außen farblich sehr passend und formlich schön kontrastierend das "Märchenschloss" von 1898 ergänzt. Das weitere Programm umfasste Führungen zu verschiedensten Themen, Podien, Konzerte, Tanz und Party, Kino sowie ein buntes Programm. Rund 23.000 Besucher nahmen an der Eröffnung teil. Im Erweiterungsbau ist neben Sonderausstellungsräumen auch die neue Dauerausstellung "Archäologie Schweiz" untergebracht. Von innen wirkt der Neubau – abgesehen von der in der Presse immer wieder gezeigten breiten Treppe mit seitlichen "Bullaugen" – u. a. durch seine asymmetrischen Formen eher beengt, zumindest beim hohen Besucheraufkommen während der Eröffnung. Offensichtlich erleichtert seine Form auch die Besucherführung nicht. Die Archäologie-Ausstellung kann von zwei Seiten betreten werden, immer befindet man sich aber gleich in medias res und muss sich erst orientieren. Die Klammerthemen der Ausstellung heißen "terra", " homo" und "natura". Unter ersterem wird Archäologie in Bezug auf die Landschaft mit kleinen Vitrinen dargestellt, welche Funde aus Tälern, von Gletschern, aus Gewässern etc. enthalten. Ein Ansatz, der zwar aktuell ist, aber vom Nicht-Archäologen vermutlich nicht verstanden wird, da die konsequent viersprachig (deutsch, französisch, italienisch, englisch) gehaltenen Informationen jeweils nur wenige Sätze umfassen – was sich durch die ganze Ausstellung zieht und nicht grundsätzlich schlecht ist. Unter "homo" ist der Großteil der Ausstellung subsummiert, so auch fünf riesige Epochen-Wandvitrinen, in welchen Funde nach gestalterischen Gesichtspunkten angeordnet sind und die wiederum nur sehr wenig schriftliche Information enthalten. Will man über einzelne Funde etwas erfahren, muss man einen der Touchscreens auf Schienen (pro Wandvitrine ist nur einer vorhanden, bei großen Besuchermenge suboptimal) ergattern, die sich über der Vitrine verschieben lassen. Man erhält dort Informationen, die sich in den meisten Fällen auf einen Steckbrief beschränken. Mehr Kontext erhält man zu einzelnen Funden bzw. Themen, die in Vitrinen in der Mitte des Raumes gezeigt werden, dort lassen sich via Berührung Animationen des Hintergrundes auslösen, z. B. zum Thema Pfahlbau, zu den Stelen von Sion/Petit-Chasseur und zum Goldschatz von Erstfeld. Das Thema "natura" wiederum wird auf einfachere Weise interaktiv bespielt: An einzelnen "Inseln" kann man sich zu naturwissenschaftlichen Themen wie Getreideanbau, Haustiere, Metallurgie etc. informieren, indem beispielsweise Schubladen aufgezogen und Elemente verschoben werden, was einen angenehmen Kontrast zum übrigen, eher digital orientierten Wissens-Konsum darstellt. Insgesamt ist die Ausstellung überzeugend gestaltet und nicht mit Text überladen, sie lässt aber einiges an Kontext vermissen und selbst einfache Informationen sind (je nach Besuchermenge) u. U. schwierig zu erhalten. Unverständlich ist auch, dass die Landesmuseum-App, die eine Audioguide-Funktion enthält, keine Lücken überbrückt – zur Archäologie-Ausstellung ist darin nichts enthalten!
Die Archäologie-Ausstellung auf der Website des Schweizerischen Nationalmuseums: http://www.nationalmuseum.ch/d/microsites/Zuerich/Dauerausstellungen/Archaeologie.php
"Eröffnungstage des Landesmuseums Zürich. Vom Regen in die Taufe" (Neue Zürcher Zeitung, 1.8.): http://www.nzz.ch/zuerich/aktuell/eroeffnungstage-des-landesmuseums-zuerich-vom-regen-in-die-taufe-ld.108526
Rede von Kulturminister Alain Berset: https://www.edi.admin.ch/edi/de/home/dokumentation/reden.msg-id-62933.html
"Türmchen trifft Beton: eine Videotour durchs neue Landesmuseum" (SRF, 29.7.): http://www.srf.ch/kultur/gesellschaft-religion/tuermchen-trifft-beton-eine-videotour-durchs-neue-landesmuseum
Ausstellungskritik von Iris Kauffmann: "‘Archäologie Schweiz‘ im neu eröffneten Erweiterungsbau des Landesmuseums Zürich" (Kultur.digital, 3.8.): https://mikarissima.wordpress.com/2016/08/03/archaeologie-schweiz-im-neu-eroeffneten-erweiterungsbau-des-landesmuseums-zuerich/

5.2.
Konzept, SEO, Inhalte: Tipps für den Start eines Museums-Blogs
Das gute alte Bloggen kann eine Plattform für eine bessere Sichtbarkeit im Netz bedeuten, hier können – anders als bei Twitter, Snapchat und Co. - differenzierte Überlegungen dargestellt werden, über Userkommentare ist die Interaktion mit dem Publikum möglich. Allerdings gilt gerade für ein Blog, dass der erforderliche Arbeitsaufwand erheblich ist. Wer über ein Blog nachdenkt, für den hat Angelika Schoder erste Tipps. Klare Leseempfehlung!
Angelika Schoder, "Wie startet man einen Museums-Blog? Konzept-, SEO- und Content-Tipps" (musermeku, 3.8.): https://musermeku.org/2016/08/03/museums-blog/

5.3.
Alles flach? Oder: Was darf, soll oder kann man Museumsbesuchern zumuten?
In einem Artikel für "Art - Das Kunstmagazin" geht die Kunstwissenschaftlerin Larissa Kikol der Frage nach, ob der wissenschaftliche Anspruch der Vermittlungsarbeit in Kunstmuseen nicht inzwischen zu weit herabgesetzt wurde. Die Zahl von Angeboten, die auf bloße Belustigung abzielten und die Kunstobjekte auf hübsche Kulissen für Selfies reduzierten, aber jegliche eingehendere Beschäftigung damit vermissen lassen, wachse. Man gewinne den Eindruck, als gelte es noch den letzten Museumsmuffel und handyfixierten Zeitgenossen hinter dem Ofen hervorlocken. Die Häuser schienen von der Furcht vor sinkenden Besucherzahlen getrieben, keine Anerkennung in den Sozialen Netzwerken zu erhalten oder eben einfach nicht jung und hip genug zu sein. Tatsächlich stelle sich bei all dem Aktionismus die Frage, ob hier das Publikum in seiner Fähigkeit und seinem Willen zur tiefer gehenden Beschäftigung mit den Objekten nicht unterschätzt werde und, ob man nicht andere Zielgruppen gerade damit verprelle. Kikol fordert die Verantwortlichen dazu auf, mehr Mut zur Zumutung zu haben und die Besucher mit ihren Angeboten wieder mehr zum Mitdenken und Mitdiskutieren anzuregen statt sie mit flacher Effekthascherei zu bevormunden. Die Diskussion betrifft nicht nur die Kunstmuseen; auch die Wissensvermittlung archäologischer Museen muss sich diesbezügliche Fragen stellen. Die Autorin fasst hier ein heißes Eisen an, und das in Zeiten, in denen der Ruf nach anderen (digitalen) Vermittlungsformaten immer deutlicher in der Museumswelt zu vernehmen ist. Viel Stoff zum Diskutieren.
Larissa Kikol: "Kunstvermittlung 2.0. Just for fun" (Art, 21.7.): http://www.art-magazin.de/szene/16688-rtkl-kunstvermittlung-20-just-fun

5.4.
Animiertes und animierendes Neolithikum, tote Hose in der Bronzezeit: Ein Besuch in der Großen Landesausstellung Baden-Württemberg "4.000 Jahre Pfahlbauten"
Seit genau fünf Jahren sind die zirkumalpinen Pfahlbauten jetzt UNESCO-Weltkulturerbe, und einer der prominentesten Köpfe ihrer Erforschung in Südwestdeutschland, Helmut Schlichtherle, geht in Rente. Eine der letzten Amtshandlungen Schlichtherles war die federführende Mitarbeit an einem großen Ausstellungsprojekt: der Großen Landesausstellung Baden-Württemberg 2016 "4.000 Jahre Pfahlbauten". Die Ausstellung läuft noch bis zum 9.10. und ist in zwei Teile aufgeteilt: Das Neolithikum ist im barocken Kloster in Bad Schussenried, die Bronzezeit im Federseemuseum im nahen Bad Buchau zu sehen. Mitten in Schwäbisch-Sibirien also. Für Interessierte eine schöne Möglichkeit, den Ausstellungsbesuch mit der Erkundung der reichen archäologischen Fundlandschaft und wunderschönen Natur des Federseebeckens zu verknüpfen – sogar den Besuch einer aktuell laufenden Feuchtbodengrabung bietet das Begleitprogramm! Zwischen den beiden Ausstellungsstandorten verkehrt ein Shuttle-Service – aber Vorsicht, vorher den Fahrplan checken: Wer zu lange in Bad Schussenried trödelt, kommt ggf. nicht mehr weg. Beide Ausstellungsorte sind gerecht für Menschen mit Behinderung und (so gut wie möglich) barrierefrei. Als Start in die Ausstellung dient in Bad Schussenried eine Animation der Baugeschichte verschiedener Pfahlbaudörfer im Panoramaformat – eine Art Pfahlbau-Stepptanz, der auf lockere Art und Weise in Zeit, Raum, Architektur und die unterschiedlichen inneren Organisationsformen der Pfahlbaufundstellen einführt. Dann folgen Funde, Funde, Funde ... Die Themen orientieren sich (leider) weitgehend am üblichen Kanon: Hausbau, Wirtschaftsweise, Gesellschaft, Rohmaterialien, Fernkontakte etc. pp. Aber die Qualität und schiere Quantität des Materials sind eindrücklich – allein die endlosen Topfreihen von Hornstaad-Hörnle! Ein durchgehender Zeitstrahl hilft bei der Verortung im chronologischen Teil der Ausstellung, immer wieder sind erklärende Rekonstruktionen – Zeichnungen, Animationen, Modelle – eingestreut, die das Ausgestellte verstehen helfen. Etwas erratisch verteilt scheinen einzelne interaktive Angebote, die v. a. für Kinder gemeint sind: Textilien zum Anprobieren, Schubladenvitrinen mit Knochen zum Herausziehen, Bildschirme mit einzelnen Objekten von heute, die sich durch Darüberwischen in Objekte von damals verwandeln, z. B. die Klassiker Kaugummi und Damenbinde. Zur Erläuterung des "Kulthauses" von Ludwigshafen mit seinen lehmverstrichenen Wänden mit einem Fries aus in Kalkfarbe gemalten weiblichen Gestalten mit modellierten Brüsten dient eine weitere Animation im Panoramaformat. Dort wird dem Besucher nicht nur die übliche kultische Interpretation vor den Latz geknallt, sondern Schritt für Schritt erklärt, wie die Wissenschaftler zu dieser wilden Theorie kommen – klasse gemacht! (Allerdings fehlt am Ende der Hinweis "Oder es war alles ganz anders! " dann doch.) Streckenweise aber ist die Ausstellung auch recht textlastig und akademisch. Was fängt der Nicht-Archäologe z. B. mit einem Titel: "‘Schussenried‘, eine Kultur mit Lokalkolorit" an? Die Audioguides bieten keine Ergänzung, sondern geben den Ausstellungstext für die Lesefaulen wieder. Ganz stark ist dieser Eindruck dann im zweiten Teil der Ausstellung in Bad Buchau, wo – auf einem Bruchteil der Fläche der Neolithikum-Ausstellung – die Bronzezeit gezeigt wird. Abgesehen von einem an eine Wand projizierten schwarzweißen Wimmelbild, auf dem die Innovationen der Bronzezeit ätzend langsam in Gelb aufscheinen, könnte die Ausstellung weitgehend auch aus den 1980er Jahren stammen. Hinzu kommen die extrem ungünstigen Lichtverhältnisse im eigentlich schönen Museumsgebäude. Das Freilichtmuseum (das mit der aktuellen Ausstellung nichts zu tun hat) lohnt einen Besuch aber allemal! Ebenfalls lohnend ist auch der Ausstellungskatalog im Drei-Ziegelsteine-Format: 450 bunt und reich bebilderte Seiten zum Museumspreis von 29 Euro (sonst 39 Euro). Fazit: eine tolle Ausstellung mit kleinen Schwächen – aber insbesondere für an der Jungsteinzeit Interessierte ist der Besuch nicht nur empfehlenswert, sondern Pflicht! Was uns leid tut: Die zahlenmäßig umfangreichere bildungsbürgerlich-beflissene städtische Laufkundschaft fällt offenbar eher aus, Zeitungsmeldungen zufolge leidet die Ausstellung unter Besuchermangel.
Webseite der Ausstellung: http://pfahlbauten2016.de/
Facebook-Präsenz der Ausstellung: https://www.facebook.com/pfahlbauten2016/
Animation der Baugeschichte verschiedener Pfahlbaudörfer ("Pfahlbau Stepptanz") (Arch. Landesmuseum Baden-Württemberg, 28.4.; Video, 5:05 Min.): https://www.youtube.com/watch?v=zAKbUPDVzHY
"Das ausgebootete Museum am Bodensee" ( Stuttgarter Zeitung 14.4.): http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.grosse-landesausstellung-das-ausgebootete-museum-am-bodensee.b5e34b43-4e3c-4af5-b2d1-455926926651.html
"‘4.000 Jahre Pfahlbauten‘ in Oberschwaben: Steinzeit lockt nur wenige" (SWR, 29.6.): http://www.swr.de/landesschau-aktuell/bw/friedrichshafen/4-steinzeit-lockt-nur-wenige/-/id=1542/did=17692510/nid=1542/1unksxb/

5.5.
Statusbericht Archäologisches Landesmuseum Mecklenburg-Vorpommern und "Rostocker Erklärung" vom 13.8.
Am 13.8. richtete die Initiative Pro Archäologisches Landesmuseum (IPAL), unterstützt von der Archäologischen Gesellschaft für Mecklenburg und Vorpommern e. V., eine ganztägige Veranstaltung in Rostock aus, zu der auch die DGUF beitrug. Ziel war es, einem breiten Publikum in verschiedenen Vorträgen das archäologische Potenzial des Landes zu verdeutlichen und erneut das Desiderat eines archäologischen Landesmuseums zu unterstreichen. Mit mehr als 200 Teilnehmern - vor allem interessierte Bürgern und ehrenamtliche Bodendenkmalpfleger - war der Termin gut besucht. Die DGUF nutzte die Gelegenheit, das Thema "Wahlprüfsteine" noch einmal an Multiplikatoren heranzutragen. Der Minister für Bildung, Wissenschaft und Kultur in Mecklenburg-Vorpommern, Mathias Brodkorb (SPD), unterstrich sein Ziel, die grundsätzlichen Entscheidungen für die Wiedereinrichtung des archäologischen Landesmuseums und seines künftigen Standorts nun bald herbeizuführen. Das hohe Engagement der Ehrenamtlichen für die Archäologie wolle er handfest unterstützen. Brodkorb erneuerte und erhöhte seine bereits am Tag zuvor - vier Wochen vor der Landtagswahl - kommunizierte Zusage, einen einmaligen Zuschuss von 100.000 Euro z. B. für apparative Hilfsmittel zur Stützung der ehrenamtlichen Tätigkeiten zu. Das Geld stehe jenen Ehrenamtlichen zur Verfügung, die mit dem Fachamt kooperieren. In seinem Grußwort outete sich der Rostocker Oberbürgermeister Roland Methling als Archäologiebegeisterter von Kindesbeinen an. Fiele die Entscheidung für den Standort tatsächlich auf Rostock, würde die Stadt nicht nur ein Gebäude und ein Grundstück für den Erweiterungsbau zur Verfügung stellen, sondern sich auch darüber hinaus substanziell und konzeptionell an dem Projekt beteiligen. Während der Veranstaltung wurde eine "Rostocker Erklärung" proklamiert, mit der die Anwesenden in wenigen Sätzen eine schnelle und klare Standortscheidung pro Rostock forderten. Die DGUF hat sich in der Standortfrage nicht positioniert.
Programm der Veranstaltung "Archäologische Schatzkammer MV: Zu schade fürs Depot!" (IPAL, 13.8.): http://www.ipal-mv.de/tpl/index/schatzkammer.inc
"Rostocker Erklärung" (13.8.): http://www.ipal-mv.de/tpl/index/rostocker_erklaerung.inc
"Schwerin: Land stellt Geld für Schatzsucher in Aussicht" (Ostseezeitung, 12.8.): http://www.ostsee-zeitung.de/Nachrichten/MV-aktuell/Land-stellt-Geld-fuer-Schatzsucher-in-Aussicht
Wahlprüfsteine zur Landtagswahl Mecklenburg-Vorpommern am 4.9. mit allen Antworten der Parteien sowie einer Einordnung der DGUF: http://www.dguf.de/403.html

5.6.
"Nett gemeint": Auf Stippvisite in der Sonderausstellung "7000 Jahre Bier und Wein" (Künzing, bis 25.9.)
Derzeit dreht sich in der niederbayerischen Provinz nahe Deggendorf (fast) alles um Bier - aber nicht (nur) weil die Volksfest-Saison ihren Höhepunkt ansteuert. Angeregt durch die Bayerische Landesausstellung 2016 "Bier in Bayern" zum 500-jährigen Jubiläum des Reinheitsgebots in Aldersbach, widmet man sich in der Nachbargemeinde Künzing im Museum Quintana den Ursprüngen des Bieres und seiner Entwicklung mit Fokus auf die prähistorischen Epochen. Mehr ist mehr, deswegen wird nicht nur Bier, sondern auch Wein thematisiert. Getreu dem Motto "Wein auf Bier, das lob ich mir!" werden die beiden "Kultgetränke" einander gegenübergestellt und anhand der Themen "Herstellung", "Ursprünge" und "Konsumkultur vom Alten Orient bis zu den Bajuwaren" abgeklopft. Das Rad wird in der Ausstellung nicht neu erfunden, aber dennoch ist sie nicht uninteressant. Spannend ist vor allem ein experimentalarchäologischer Exkurs zu altorientalischer Braukunst. Betritt man jedoch den Raum der Sonderausstellung, wird man zunächst von Plakatwänden erschlagen und muss nach den auf der Website angepriesenen "zahlreichen hochkarätigen Ausstellungsobjekten" schon fahnden. Die Textmengen sind zwar gut geschrieben, durch Abbildungen aufgelockert, und weitsichtige Menschen werden ihre Freude an dem großen Schriftbild haben, aber die Gestaltung der Plakate mit modernem Bier- und Weinglas am unteren Rand lässt trotzdem zu wünschen übrig. Hier hätte man die verschiedenen Themenbereiche variationsreicher mit archäologischen Objekten darstellen können. Das kleine Begleitheft stimmt inhaltlich über weite Teile mit den Texten der Ausstellung überein und enthält viele Abbildungen der ausgestellten Objekte, so dass man sich nicht stundenlang durch meterweise Plakate lesen muss. Fazit: Nett gemeinte Begleitausstellung zur Landesausstellung, mehr aber auch nicht. "7000 Jahre Bier und Wein" läuft noch bis zum 25.9.
Website: http://www.museum-quintana.de/content/?page_id=109
Facebook: https://www.facebook.com/pages/Museum-Quintana/155977224434418?fref=ts

5.7.
Weiterbildung für Museumsmitarbeiter: "Open up! Museum"
Baden-Württemberg möchte seine Museen näher ans Netz und in die Social Media bringen. Dazu wurde ein Weiterbildungsprogramm für Museumsmitarbeiter ins Leben gerufen ("Open Up! Museum - Neue Wege der Kulturvermittlung in Baden-Württemberg"), das wohl nur Landeskindern offen steht. Aus den Lehrmaterialien dazu resultiert jedoch auch ein 60-seitiger Leitfaden, der im August veröffentlicht wurde und der allgemein zu Verfügung steht, Open Access. Seine Themen: Digitale Strategie; Digitale Geschäftsmodelle; Mobile Anwendungen; Digital Storytelling; Gaming im Museum; Partizipation und Social Media; Rechtliche Aspekte im Museum. Wer dort eine Kombination von ultimativen Tipps, Geheimwissen und Nürnberger Trichter erwartet, wird enttäuscht. Wer schon vorher ein wenig dran war am Thema, wird vieles schon gewusst / gekannt haben. Aber in ihrer Ordnung und systematischen Sammlung auch vieler weiterführender Informationen (Links zumeist) hilft die Broschüre, Ideen zu sortieren und vom "man müsste mal" zu einem konkreten, auf die jeweilige Situation und Einrichtung zugeschnittenen Plan und Vorgehen zu finden. Lesenswert, nicht nur für Museumsmenschen.
Blog des Programms: http://openupmuseum.blogspot.de/
Leitfaden: http://innovation.mfg.de/polopoly_fs/1.43191.1470913845!/file/opm_inn_web_fin1108.pdf

5.8.
"Dramaturgisch spannender Aufbau": Die Dauerausstellung "Wahre Schätze - Kelten" (Württ. Landesmuseum Stuttgart)
Seit Mai gibt es die Dauerausstellung "Wahre Schätze" im Württembergischen Landesmuseum Stuttgart. Den Teil "Kelten" hat die Archäologin und Kulturvermittlerin Iris Kauffmann nun besucht. In ihrem Blog beschreibt sie die Ausstellung und ihre Eindrücke. Kauffmanns Fazit: Die Ausstellung "verbindet die klare und konkrete Vermittlung von Wissen mit einem dramaturgisch spannenden Aufbau."
https://mikarissima.wordpress.com/2016/08/22/die-wahren-schaetze-im-alten-schloss-in-stuttgart-i-kelten/


6. Ausbildung, Job-Themen und Personalia
6.1.
Akkreditierung von Studiengängen, oder: Was kümmert uns ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts?
Die aktuelle Praxis der Akkreditierung von Studiengängen an den Hochschulen von NRW ist nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts rechtswidrig (DGUF-Newsletter vom 31.3.2016 Punkt 8.6.). Eine öffentliche Petition prominenter Hochschullehrer, der "Heidelberger Aufruf gegen die Akkreditierung von Studiengängen", will diese Kritik am Akkreditierungswesen aus akademischer Sicht für ganz Deutschland unterstreichen (DGUF-Newsletter vom 29.6.2016 Punkt 5.6.). Doch all das kümmert die Kultusministerkonferenz wenig, wie der DHV-Newsletter 7/2016 am 16.7. berichtete. Sie plant ein paar Verfahrensoptimierungen und möchte ansonsten an den bestehenden Prozessen festhalten. Es ist angekündigt, im Oktober darüber verbindlich zu entscheiden.

6.2.
Patrick Schollmeyer neuer Vorsitzender des DArV
Auf der Mitgliederversammlung des Deutschen Archäologen-Verbandes e. V. (DArV) in Münster wurde Dr. Patrick Schollmeyer zum Vorsitzenden gewählt. Der Klassische Archäologe ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Altertumswissenschaften, Arbeitsbereich Klassische Archäologie, an der Universität Mainz. Seine Forschungsschwerpunkte sind griechische und römische Ikonographie, antike Plastik, Kleinasien und Zypern. Patrick Schollmeyer wurde 1997 mit der Dissertation "Antike Gespanndenkmäler" an der Universität Heidelberg promoviert. Er ist beim DArV Nachfolger von Prof. Dr. Martina Seifert, Universität Hamburg, die ihr Amt turnusgemäß abgegeben hat.
Lebenslauf von Patrick Schollmeyer: http://www.klassische-archaeologie.uni-mainz.de/173.php

6.3.
Ethik von ehrenamtlicher studentischer Arbeit
Aus einer Twitter-Debatte heraus entwickelte der Archäologe und Blogger Doug Rocks-Macqueen ein lesenswertes Nachdenken über die Unterschiede zwischen Arbeit, unbezahlter Arbeit und ehrenamtlicher Arbeit ("volunteering"). Er betont die Wichtigkeit des Unverpflichteten und Unverbindlichen beim ehrenamtlichen Arbeiten und des niederschwelligen Zugangs zu solchen freiwilligen Engagements, denn andernfalls liege ein unbezahltes Arbeitsverhältnis vor.
"Ethics of Accepting Student Volunteers" (Dougs' Archaeology, 8.8.): https://dougsarchaeology.wordpress.com/2016/08/08/ethics-of-accepting-student-volunteers/

6.4.
Ungewöhnlicher Personalengpass in der Landesarchäologie von Baden-Württemberg
"Viel Arbeit, viel Geld, aber wenig Personal", so titelt die Stuttgarter Zeitung am 22.7 nach einem Interview mit Prof. Dr. Claus Wolf, dem Präsidenten des baden-württembergischen Landesamts für Denkmalpflege: In Folge des Verursacherprinzips seien ausreichend Gelder für archäologische Ausgrabungen vorhanden, es sei jedoch schwierig, ausreichend Personal einzustellen, so Wolf. Der von Wolf diagnostizierte Mangel an qualifiziertem Personal ist auf die Einstellungspolitik des Personalreferats zurückzuführen. Da die zahlenmäßig zunehmenden Ausgrabungen nicht als Daueraufgabe, sondern als ungewollte Mehrbelastung gelten, wurde der Großteil der notwendigen Stellen befristet besetzt (2013: 123 Befristete, 34 Unbefristete z. B. im Regierungsbezirk Freiburg). Ähnlich verhält es sich mit anderen Dauer-/Kernaufgaben, die zu befristeten Projekten umformuliert wurden. Insbesondere seit 2015 kam es aber in Folge der veränderten Rechtslage durch EU-Richtlinien zu einer starken Abnahme der befristeten Verträge, die 2016 – mitunter in Folge zulässiger Klagen auf Entfristung – in einem Einstellungsstopp gipfelte. Mit dem Verweis auf das Teilzeit-/Befristungsgesetz wurden langjährige Mitarbeiter, aber auch solche mit nur wenigen Verträgen, wegen des Erreichens der zulässigen Gesamtdauer befristeter Beschäftigungen resp. der Höchstzahl an zulässigen Verträgen nicht erneut beschäftigt. Die gesetzgeberische Intention des Teilzeit-/Befristungsgesetzes, die auf die Überleitung in unbefristete Beschäftigungsverhältnisse abzielt, wird durch die geschilderte Praxis ad absurdum geführt. In der Konsequenz schränkt diese Einstellungspolitik die Handlungsfähigkeit der Denkmalpflege in Baden-Württemberg stark ein, weil etliche ehemalige Mitarbeiter trotz hoher Qualifikation und Erfahrung für weitere befristete Verträge "verbrannt" sind. Eine Lösung wird – so scheint es – im Outsourcen des Grabungssektors in die freie Wirtschaft gesucht, wie es in anderen Bundesländern schon länger praktiziert wird. Ob dies alle Schwierigkeiten beseitigt, ist fraglich, da die Aufgaben des Innendienstes davon nicht berührt werden.
"Viel Arbeit, viel Geld, aber wenig Personal" (Stuttgarter Zeitung, 22.7.): http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.esslingen-viel-arbeit-viel-geld-aber-wenig-personal.e0353008-a6f7-421a-87fd-de0383ebf8d5.html
"Große Krise in der Archäologie" (Stuttgarter Zeitung, 18.8.): http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.baden-wuerttemberg-grosse-krise-in-der-archaeologie.c7581ed6-c905-400c-a7df-4863dd5ad45f.html
"Stellungnahme des Ministeriums für Finanzen und Wirtschaft: Neuordnung der Denkmalpflege" (Landtag von Baden-Württemberg, 16.1.2014): http://www.landtag-bw.de/files/live/sites/LTBW/files/dokumente/WP15/Drucksachen/4000/15_4598_D.pdf

6.5.
"Institutionelle Beharrungskräfte sind stärker als das Aufbegehren": Lehrbeauftragte an deutschen Hochschulen
Dass Lehrbeauftragte an deutschen Hochschulen meist unter dem Mindestlohn honoriert (oder gar nicht bezahlt) werden, dass sie noch nicht einmal sozialversichert sind, ist seit Jahren bekannt. Wie viele Lehrbeauftragte prekär arbeiten, weiß niemand, dazu gibt es keine umfassenden Daten. Dabei arbeiten, hat die "Zeit" nun für einen lesenswerten Artikel recherchiert, v. a. an den Kunst- und Musikhochschulen, in den Geisteswissenschaften und der Fremdsprachenlehre viele Lehrbeauftragte sogar hauptberuflich, sie schultern dort dauerhaft ca. 10% der Lehrlast. Betroffene wehren sich vereinzelt mit flammenden Zeitungsartikeln, schreibt die "Zeit", aber die institutionellen Beharrungskräfte seien stärker als das Aufbegehren. So dümple eine Petition an der Universität Göttingen, die einen besseren Status für Lehrbeauftragte fordert, bei knapp 400 Unterzeichnern. Wie kann das sein? Die Motivationen, einem schlecht oder nicht bezahlten Lehrauftrag anzunehmen, seien sehr heterogen, und genau das sei das Problem: Es gebe keine homogene Gruppe prekärer Existenzen mit einem gemeinsamen Ziel, für das sie kämpfen wollten. Auch Lösungen, die allen gleichermaßen helfen könnten, fehlen, sagt Svenja Schulze, Wissenschaftsministerin in Nordrhein-Westfalen. In Gesprächen mit Lehrbeauftragten sei häufig von Scham und Selbstabwertung die Rede, die Betroffenen würden zynisch. Lehrbeauftragte, die sich in rechtlichen Graubereichen bewegten, wollten außerdem häufig anonym bleiben. Können die Betroffenen unter diesen Voraussetzungen etwas verändern? Der Organisationsberater Klaus Doppler befasst sich in seinem Buch "Change Management" (S. 161) auch mit der "Unfähigkeit der'Besitzlosen', sich zu organisieren". Habenichtse könnten sich schlecht miteinander verbünden, schreibt Doppler in deutlichen Worten, weil sie – im Gegensatz zu den Mächtigen – nur etwas zu erstreiten, aber kein gemeinsames Gut zu verteidigen hätten. Zwar gebe es Gemeinsamkeiten, beispielsweise leide man unter dem gleichen Mangel, aber wie würde man denn die Macht, sollte man einmal tatsächlich welche erobern, untereinander verteilen? "Mag der gemeinsame Mangel auch ein gewisses Minimum an Willensenergie liefern, die bestehenden Verhältnisse ändern zu wollen", schreibt Doppler, "die ungeklärte Zukunft […] verhindert i. d. R. den solidarischen Zusammenschluss, der zu einem gemeinsamen Vorgehen notwendig wäre. So stehen die Ohn-Mächtigen in ihrer Unfähigkeit, sich zu organisieren, den bestehenden, sauber strukturierten Machtkartellen ziemlich hilflos gegenüber." Man kann überlegen, wie hoch die Eintretenswahrscheinlichkeit eines – allerdings ziemlich drastischen – Vorschlags von Horst Hippler, Vorsitzender der Hochschulrekorenkonferenz, ist. Ausgerechnet er schlägt nämlich vor: "Wenn die Lehrbeauftragten mal alle gleichzeitig ihren Stift fallen ließen, dann würde man ganz schnell merken, wie schief das System hängt."
"100.000 Lehrbeauftragte, 50.000 Professoren" (Zeit, 18.8.): http://www.zeit.de/2016/33/hochschulen-professoren-gehalt-lehrbeauftragte-vorlesungen-seminare
Klaus Doppler, Change Management. Den Unternehmenswandel gestalten. Campus-Verlag, 13. Auflage 2014

6.6.
Wie geht man als Autor mit einem Review um? Eine Anleitung.
Die "Archäologischen Informationen" - hier als Beispiel genannt - sind eine peer-reviewte Zeitschrift. Was das ist, "Peer Review", kann man in Lexika schnell nachlesen, wie etwa in dem einschlägigen Wikipedia-Artikel. Für Herausgeber gibt es gute Anleitungen, wie man ein Peer-Review-Verfahren aufsetzt, welche Varianten es gibt und wie man dieses Qualitätsmanagement seriös praktiziert (z. B. Hames 2007). Für die Gutachter bieten nahezu alle Zeitschriften konkrete Handreichungen, was sie formal und inhaltlich von den Reviews erwarten. Doch wie soll man als Autor mit dem Verfahren und dem Resultat umgehen? "Das weiß man halt", scheint die Devise zu sein, denn Handreichungen zu diesem wichtigen Aspekt sind selten und wenn vorhanden, wie beispielweise in den Anleitungen für die "Archäologischen Informationen", meist recht knapp. Umso kostbarer die acht Tipps zum Peer Review aus der Feder der Klimaforscherin Sophie C. Lewis, also aus der Perspektive einer erfahrenen Autorin, die allerdings ihre Anfänge in diesem Metier noch nicht vergessen hat. Kurz und klar legt sie dar, was Autoren mit Reviews anfangen sollten. Von Regel 1 "Gelassenheit bewahren" bis hin zur achten Regel "im Zweifel die Zeitschrift wechseln". Lesens- und beherzigenswert!
Hames, I. (2007). Peer Review and manuscript management in scientific journals. Guidelines for good practice. Malden: Blackwell.
"Arbeitsablauf, Korrekturen und Druckfreigabe" in: Redaktionsrichtlinien der Archäologischen Informationen: http://www.dguf.de/355.html
Siegmund, F. (2013). Einen Aufsatz in den Archäologischen Informationen publizieren: Wie geht das eigentlich? DGUF-Handreichung: http://www.dguf.de/fileadmin/user_upload/publikationen/AI/DGUF-Dok_Arch_Inf_Publizieren.pdf
Lewis, S. C. (2016). How not to respond to reviewers: Eight simple tips. NatureJobs (19.8.2016): http://blogs.nature.com/naturejobs/2016/08/19/how-not-to-respond-to-reviewers-eight-simple-tips/

6.7.
Ute Verstegen neue Vorsitzende der AGCA
Neue Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft zur Erforschung der spätantiken, frühmittelalterlichen und byzantinischen Kultur (AGCA) ist Prof. Dr. Ute Verstegen, FG Christliche Archäologie und Byzantinische Kunstgeschichte Marburg (demnächst Erlangen). Verstegens Forschungsschwerpunkte sind u. a. die Archäologie und Kunst des Frühchristentums, die Sakralarchitektur in Spätantike und Mittelalter sowie das Urheberrecht in der Kunstgeschichte und Archäologie. Sie folgt turnusgemäß auf Prof. Dr. Stephan Westphalen.
http://www.agca.de/

6.8.
Wie vereinbar sind wissenschaftlicher Berufsalltag und Familie
Wie familiengerecht ist Deutschlands Wissenschaftssystem? Wie steht es um Teilzeitarbeit von Vätern? Wie geht eine Habilitation mit Kindern? Der Diskurs zum Thema ist im Wesentlichen negativ geprägt, doch wird dies der Realität gerecht? "Auf mögliche und bewährte Lösungen wird selten hingewiesen. Auch die Vorteile der Wissenschaft im Vergleich zu anderen Berufen werden kaum erwähnt", heißt es nun in der Publikation einer Untersuchung, die im vergangenen Jahr die die Junge Akademie an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina durchgeführt haben. Die Ergebnisse können als PDF heruntergeladen werden.
http://blog.diejungeakademie.de/

6.9.
Brandenburg: Klage über Personalabbau in der Landesarchäologie
"Die Personaldecke beim Landesamt für Denkmalpflege wird immer dünner" zitiert die Schweriner Volkszeitung Elisabeth Ida Faulstich-Schilling vom Bundesverband freiberuflicher Kulturwissenschaftler (BfK). Aktuell sind laut Zeitung, die Angaben des Potsdamer Kulturministeriums nennt, 76 Mitarbeiter für das Amt tätig. Laut Amt waren es vor zehn Jahren noch gut 120 Mitarbeiter. Ministeriumssprecher Stephan Breiding sagt, das Amt sei mit der gegenwärtigen Besetzung arbeitsfähig und könne auf herausragende Experten zurückgreifen.
"Archäologen in der Mark klagen über Personalabbau" (Schweriner Volkszeitung, 24.8.): http://www.svz.de/regionales/brandenburg/archaeologen-in-der-mark-klagen-ueber-personalabbau-id14644556.html


7. Open Access & Open Data
7.1. Open Library of Humanities: Statusbericht eines in Entwicklung begriffenen Open-Access-Projekts
Die 2015 gegründete " Open Library of Humanities" (OLH; vgl. DGUF-Newsletter vom 8.10.2015 Punkt 6.5.) möchte für die Geisteswissenschaften die Möglichkeit seriöser Open-Access-Publikationen bieten, und zwar ohne Publikationsgebühren (APCs), die von den Autoren zu zahlen wären. Dieses Publikationsmodell wird international meist als Platinum Open Access bezeichnet (vgl. DGUF-Newsletter vom 12.8.2015 Punkt 5.1.). In einem ausführlichen Interview zieht die Mitbegründerin des zunächst befristet stiftungsfinanzierten Projekts, Caroline Edwards, jetzt eine Zwischenbilanz. Darin skizziert sie die bislang eingetretenen Veränderungen des Vorhabens, z. B. die Entwicklung fachspezifischer Zeitschriften anstelle eines Plos One ähnlichen Megajournals, ihre Erfahrungen mit der Akzeptanz von Open Access und die Suche nach Kooperationspartnern für eine nachhaltige Finanzierung der OLH. Die Zahl der Institutionen, die das Projekt auch finanziell unterstützen, ist inzwischen auf weltweit 194 gewachsen, darunter neu auch der FWF, der große österreichische Forschungsförderer. Das Interview legt erfrischend klar die typischen Probleme bei der praktischen Umsetzung von Open Access dar. Zugleich zeigt aus Sicht der Newsletter-Redaktion der Vergleich der OLH mit dem inzwischen in der UB Heidelberg mit den Plattformen OJS und OMP erreichten Status, dass die DGUF mit ihren beiden Publikationsgefäßen die derzeit leistungsfähigere und nachhaltigere Partnerschaft eingegangen ist.
"Der 'goldene Weg' zu Open Science" (scilog, 19.7.): http://scilog.fwf.ac.at/artikel/4479/der-goldene-weg-zu-open-science
"Harvard Library Report: Flipping Journals zu Open Access" (wisspub.net, 9.8.): https://wisspub.net/2016/08/09/harvard-library-report-flipping-journals-zu-open-access/
Open Library of Humanities (OLH): https://www.openlibhums.org/

7.2.
Goldener Open Access ist derzeit teurer als Grüner Open Access
Eine seriöse Studie hat in Großbritannien die Publikationskosten zwischen den beiden gängigsten Open-Access-Modellen miteinander verglichen, d. h. den Autorenaufwand und den Administrationsaufwand. Goldener Open Access, d. h. die Publikation in ohne Sperrfrist offenen Zeitschriften, die sich über Publikationsgebühren (APCs) finanzieren, ist ohne die APCs, rein im administrativen Aufwand, um den Faktor 2,5 teurer als das freiwillige Deponieren bereits im Druck publizierter Artikel - ggf. nach einer Sperrfrist - seitens der Autoren in offenen Archiven wie etwa Academia.edu oder auf universitären Servern. Da die Forschungsförderer derzeit in Richtung auf einen verpflichtenden Open Access ohne Sperrfristen zielen, was via Grünem Open Access nicht gewährleistet ist, sollte man - so die Autoren der Studie - um die höheren Kosten wissen und diese abschätzen können. Wie die Autoren selbst einräumen, spiegelt ihre Studie einen Ist-Zustand wider, die Kosten beim noch relativ jungen Goldenen Open Access könnten in Zukunft, nach besserem Einspielen dieses Modells, sinken. Aus Sicht der DGUF ist bedauerlich, dass die Kosten für das Modell Platinum Open Access nicht ermittelt wurden.
Johnson, R., Pinfield, St. & Fosci, M. (2016). Business Process Costs of Implementing "Gold" and "Green" Open Access in Institutional and National Contexts. Journal of the Association for Information Science and Technology 67(9), 2283–2295. http://microblogging.infodocs.eu/wp-content/uploads/2016/08/Johnson_et_al-2015-Journal_of_the_Association_for_Information_Science_and_Technology.pdf

7.3.
Datenpublikation als Excel-Tabelle verursacht oft Fehler
Etwa 20 % aller als Excel-Tabelle publizierten Gen-Daten enthalten Fehler. Fehler, die Excel durch seine automatischen "Korrektur"-Funktionen erzeugt und die sich nur mit hohem Aufwand abstellen lassen. So fasst ein Blogbeitrag das Ergebnis einer Studie zusammen, die etwa 3.600 Aufsätze zum Themengebiet Genetik in gängigen Zeitschriften analysiert hat. Auslöser des Fehlers ist die Neigung von Excel, Angaben - welcher Art auch immer - gerne als Datum zu verstehen und automatisch in ein Datum zu verwandeln. Da das Phänomen gewiss nicht nur genetische Daten betrifft, eine lesenswerte Warnung auch für Archäologen, die Open Data als Excel-Tabelle zu veröffentlichen planen.
Christopher Ingraham: "An alarming number of scientific papers contain Excel errors" (Wonkblog, Washington, Post, 26.8.): https://www.washingtonpost.com/news/wonk/wp/2016/08/26/an-alarming-number-of-scientific-papers-contain-excel-errors/

7.4.
Neuzeitarchäologie: Zeitschrift "Beads" in teilweisem Open Access
Die Verfügbarkeit der nordamerikanischen Zeitschrift "Beads: Journal of the Society of Bead Researchers" in mitteleuropäischen Bibliotheken sowie deren Kenntnis ist in der europäischen (Neuzeit-) Archäologie nicht sehr hoch, wiewohl die Zeitschrift für Spezialisten insbesondere neuzeitlicher Perlen sehr wichtig ist. Oft berühren Aufsätze in "Beads" europäische Themen, da Perlen aus Europa vor allem in der Neuzeit weltweit verhandelt wurden und daher Gegenstand von Forschungen beispielsweise nordamerikanischer, australischer oder afrikanischer Autoren sind. Die 1989 gegründete und 2015 im 27. Jahrgang erschienene Zeitschrift wird aktuell von ihrem Gründer und Herausgeber, dem langjährigen Direktor des "Federal Archaeology Office, National Historic Sites Directorate, Parks Canada, Ottawa", Karlis Karklins, unter anderem über Academia.edu in den Open Access gestellt. Auf der Website der gedruckten Zeitschrift findet man den aktuellen Jahrgang und die Jahrgänge 1, 1989 bis 6, 1994 vollständig im Open Access, dazu die Inhaltsverzeichnisse aller übrigen, noch im Druck lieferbaren Jahrgänge. Unter der persönlichen Präsenz des Herausgebers bei Academia.edu tauchen jedoch sukzessive weitere Aufsätze als Digitalisate auf, die im offiziellen Portal der Zeitschrift nicht online verfügbar sind - auch Aufsätze, die nicht aus der Feder von Karlis Karklins stammen. Für interessierte Spezialisten lohnt es also, auf Academia.edu unter "Karlis Karklins" ggf. auch nach Aufsätzen anderer Autoren der Zeitschrift "Beads" zu suchen, bevor man mühsame Fernleihen initiiert.
Website von Beads, Journal of the Society of Bead Researchers: http://surface.syr.edu/beads/
Academia.edu-Seite von Karlis Karklins: https://independent.academia.edu/KarlisKarklins

7.5.
"Viele Forschende würden lieber ihre Zahnbürste teilen als ihre Daten"
Unter dieser Überschrift berichtet E. Bunge in einem Blogbeitrag über die erste Sektion der 2015 gegründeten Arbeitsgruppe "Big Data", die sich auf der Jahrestagung der International Federation of Library Associations and Institutions (IFLA) in Columbus (Ohio) zusammenfand. Die AG möchte zunächst die Themen Datenkompetenz und Werkzeuge bzw. Techniken für Data Science in Bibliotheken vertiefen. Auf dem ersten Treffen betonten mehrere Redner die Bedeutung von Open Data als Teil eines umfassenderen Prozesses, bei dem es auch um Citizen Science, die Öffnung und Mitwirkung an Wissenschaft für interessierte Bürger gehe. Aus Sicht der Teilnehmer an der Sektion ist neben der sich wandelnden Politik der Forschungsförderer vor allem die Akzeptanz und Mitwirkung seitens der Forschenden wesentlich, denn: siehe oben ...
https://biistories.wordpress.com/2016/08/18/viele-forschende-wuerden-lieber-ihre-zahnbuerste-teilen-als-ihre-daten/

7.6.
Open Access: guten Synthese aktueller Debatten in der DUZ
Unter dem Titel "Open Access: Rollenwechsel" findet sich in der aktuellen Ausgabe der Deutschen Universitätszeitung (DUZ) - dem etwas "linken" Pendent zu "Forschung & Lehre", der Zeitschrift des ehedem konservativen Hochschullehrerverbandes - eine gute Synthese der aktuellen Debatten um Open Access, welche die verschiedenen Positionen, Interessen und Argumente gut charakterisiert und wichtige Akteure benennt. Sie endet in dem Gedanken, dass statt finanzielle Ausgleiche für zurückgehende Abonnement-Einnahmen an die klassischen Verlagen zu geben, doch eher "mehr Geld an Non-Profit-Portale fließen [möge], etwa an die wissenschaftlicher Fachgesellschaften". Der DGUF wäre das sehr recht. In einem Interview mit Dr. G. Botz, der hier die seit langem pro Open Access agierende Max-Planck-Gesellschaft vertritt, moniert dieser das Ausbleiben der bereits vor zwei Jahren seitens der Bundesregierung angekündigten "Digitalen Agenda".
Vanessa Köneke: "Open Access: Rollenwechsel" (DUZ, 19.8.): http://www.duz.de/duz-magazin/2016/09/rollenwechsel/392#sthash.x9X5TFaa.dpuf


8. Bürger und Archäologie & Citizen Science
8.1.
Großbritannien: Start des Marine Antiquities Scheme (MAS)
Am 21.7. startete das Britische Museum das "Marine Antiquities Scheme" (MAS). Über die Online-Datenbank können engagierte Bürger archäologische Funde, die sie am und im Wasser gemacht haben, melden. Noch ist erst ein einziger Eintrag vorhanden (Stand 15.8.). Vorlage des MAS ist das "Portable Antiquities Scheme" (PAS), eine Datenbank für archäologische Funde, die ursprünglich für die einfache Meldung und Erfassung von Metalldetektorfunden initiiert wurde und ebenfalls unter der Administration des Britischen Museums steht. Bisher wurden Funde aus Meeren und Küstengebieten via PAS gemeldet. Das MAS wird vom Krongut im Besitz der britischen Krone finanziert und von der Firma Wessex Archaeology implementiert. Eine App ist für Android und iOS erhältlich.
Website Marine Antiquities Scheme: https://marinefinds.org.uk/
Website Portable Antiquities Scheme: https://finds.org.uk/
Chartered Institute for Archaeologists (CiFA, 24.3.): "Consultation on a Marine Antiquities Scheme" http://www.archaeologists.net/sites/default/files/CIfA%20Response%20to%20Consultation%20on%20a%20Marine%20Antiquities%20Scheme.pdf

8.2.
Neue Förderrichtlinie des BMBF für bürgerwissenschaftliche Forschungsvorhaben (Bewerbungsfrist: 31.10.)
Mit einer neuen Richtlinie fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) in den kommenden drei Jahren Projekte in einer Höhe von bis zu 200.000 Euro, an denen Bürger und/oder Vertreter der Zivilgesellschaft maßgeblich beteiligt sind. Die Projekte sollen eine gesellschaftlich relevante wissenschaftliche Fragestellung haben und die Bürgerwissenschaften in besonderer und innovativer Weise methodisch voranbringen. Thematisch ist die Förderrichtlinie sehr breit gehalten: Vorhaben aus den Sozial- und Geisteswissenschaften und aus den Kultur- und Sprachwissenschaften sind ebenso gut vorstellbar wie Projekte aus dem Natur- und Umweltschutz, dem Gesundheitsbereich oder Vorhaben aus den Ingenieurwissenschaften. Das Förderverfahren ist zweistufig angelegt. In der ersten Phase ist bis spätestens 31.10. eine Projektskizze vorzulegen. In der zweiten Verfahrensstufe werden die potenziellen Antragsteller, deren Projektskizzen positiv bewertet wurden, aufgefordert, einen förmlichen Förderantrag vorzulegen. Die genehmigten Vorhaben sollen zwischen dem 15.2. und dem 15.6.2017 beginnen und sollen spätestens am 31.12.2019 enden. Beispiele für laufende oder bereits abgeschlossene Citizen-Science-Projekte finden sich auf der Plattform "Bürger schaffen Wissen", darunter auch einige wenige archäologische Projekte wie das im vergangenen Jahr durchgeführte Survey-Projekt Steigerwald oder das seit langem laufende Archäologische Spessartprojekt (dessen Vorsitzender übrigens der DGUF-Altvorsitzende Gerhard Ermischer ist).
"Richtlinie zur Förderung von bürgerwissenschaftlichen Vorhaben (Citizen Science)" (Bundesanzeiger 1.8.): https://www.bmbf.de/foerderungen/bekanntmachung-1224.html
"Bürger schaffen Wissen: Die Citzen Science Plattform": http://www.buergerschaffenwissen.de/
"Archäologisches Survey-Projekt Steigerwald - Fatschenbrunn": http://www.buergerschaffenwissen.de/projekt/archaeologisches-surveyprojekt


9. Und sonst …
9.1.
Sehenswerte Sammlung von 3D-Modellen: "Around the World in 80 Models" von Sketchfab
Sketchfab, eine der größten Online-Hosting-Plattformen für 3D-Inhalte, war schon mehrmals Thema bei uns (z. B. DGUF-Newsletter vom 8.10.2015, Punkt 9.6 oder DGUF-Newsletter vom 28.8.2014, Punkt 7.6). Beim simplen Hosten lässt das "Youtube für 3D-Modelle" es nicht bewenden: Blog, Forum, Wettbewerbe, Events - da wird nach allen Regeln der Kunst eine ganze Social-Media-Breitseite abgefeuert. Spannend (nicht nur) für Archäologen ist das neu angelaufene Projekt "Around the World in 80 Models" - eine virtuelle 3D-Modell-Weltreise, kürzlich gestartet in New York. Die ersten Stationen zeigen moderne Kunst in Reykjavik, frühchristliche Kunst auf dem nordirischen White Island, ziemlich kunstfreie (aber kunstvoll gebaute!) jungsteinzeitliche Behausungen auf den Orkneys, piktische Kunst aus dem schottischen Kintore und einen ägyptischen Steinkopf aus dem British Museum in London, auch der künstlerisch vermutlich ziemlich wertvoll. Garniert sind die Beiträge mit jeder Menge Hintergrundinformationen - ein spannender Einblick oder Einstieg in die Bandbreite der 3D-Archäologie für alle Technikfreaks. Und für alle, denen das Technikgedöns herzlich gleichgültig ist, dürfte das Ganze am Ende schlicht eine sehenswerte Sammlung von 80 hochkarätigen, überwiegend "archäologischen" 3D-Modellen aus aller Welt ergeben.
Überblicksseite zu den Beiträgen von "Around the World in 80 Models": https://blog.sketchfab.com/tag/around-the-world/

9.2.
Virtuelle Speläologie in den "Höhlen der ältesten Eiszeitkunst"
Vor bereits fast zwei Jahren hat der DGUF-Newsletter über das Projekt "Virtuelle Archäologie" des Landesamtes Baden-Württemberg berichtet: Damals hatte das LAD eine Reihe archäologischer Highlights des Landes in Form von 3D-Modellen online gestellt, darunter einen Laserscan von Hohlenstein-Stadel und Bärenhöhle im Lonetal, dem Fundort des berühmten Löwenmenschen (DGUF-Newsletter vom 28.8.2014, Punkt 7.6). Viel hatte sich im Nachgang zunächst nicht getan, jetzt bringt die geplante UNESCO-Welterbe-Kandidatur "Höhlen der ältesten Eiszeitkunst" wieder Schwung in die Sache. Inzwischen sind drei weitere Höhlenmodelle, nämlich von Vogelherd, Hohle Fels und Sirgenstein, online. Vier der sechs Höhlen des Welterbe-Antrags sind damit in 3D verfügbar, es fehlen (noch) das Geißenklösterle und die Bocksteinhöhle. Ein Download der Daten ist nicht vorgesehen. Technisch wird in bewährter Weise auf den Online-Hoster Sketchfab zurückgegriffen, die 3D-Modelle sind, mit einigen Zusatzinformationen versehen, in die Website des Landesamtes eingebunden. Sie entfalten ihren ganzen Informationsgehalt allerdings erst in der Vollbild-Ansicht - in "Briefmarkengröße" wird zudem die höhlenbedingt sowieso etwas hakelige Navigation in den engen Gängen vollends unübersichtlich. 3D-Modell-Anfänger können sich an den "Annotations" entlang hangeln: kleinen Zahlen mit (hier etwas mageren) Infohäppchen, die an den wichtigsten Stellen im Modell platziert sind. Auch wenn die Laserscans in ihrer auflösungsbedingt teilweise leicht verwaschenen Schwarz-Weiß-Optik seltsam steril wirken - die 3D-Modelle bieten eine hervorragende Möglichkeit, sich einen detaillierten Eindruck von den Fundorten der ältesten paläolithischen Kunst zu verschaffen. Per Internet wird ein Besuch auch der sonst nicht öffentlich zugänglichen Höhlen virtuell und ganz klaustrophobiefrei möglich!
"Die Höhlen der ältesten Eiszeitkunst" (Website mit den verfügbaren 3D-Modellen): http://www.denkmalpflege-bw.de/denkmale/projekte/archaeologische-denkmalpflege/3d-modelle/hoehlen3d.html
"Die 'Höhlen der ältesten Eiszeitkunst' in 3D: Frei drehbare 3D-Computermodelle gehen online" (Pressemeldung Regierungspräsidium Stuttgart, 26.7.): https://rp.baden-wuerttemberg.de/rps/Seiten/pressemitteilung.aspx?rid=918
"Virtuelle Archäologie: 3D-Computermodelle archäologischer Denkmale" (Projektwebseite mit Links auf alle verfügbaren 3D-Modelle und weiterführenden Informationen): http://www.denkmalpflege-bw.de/denkmale/projekte/archaeologische-denkmalpflege/3d-modelle.html

9.3.
Präsidentin des DAI Prof. Dr. Fr. Fless über Archäologie & Politik
In einem langen Gespräch beim Ludwigshafener Lokalsender OK-TV spricht die Präsidentin des Deutschen Archäologischen Instituts, Prof. Dr. Friederike Fless, über Archäologie und Politik. Sie legt dar, dass Archäologie immer schon und auch weiterhin eng mit der Politik verflochten sei, indem sie Objekt und Subjekt politischer Entwicklungen ist, und auch Archäologen als forschende Persönlichkeiten von politischen Haltungen und Fragen mitgeprägt sind.
"Dr. Ressmann im Gespräch mit Prof. Dr. Fless" (OK-TV, 19.7.; Video, 39:17 Min.): https://www.youtube.com/watch?v=t6fC2KalIVo

9.4.
Köln: Name gesucht für Archäologische Zone mit Jüdischem Museum
"Archäologische Zone mit Jüdischem Museum" nennt sich das historische Zentrum Kölns, und das ist nicht wirklich griffig. Daher sind nun die Bürger aufgerufen, einen Namen vorzuschlagen. Als vor wenigen Jahren die Bürger über den Namen einer Fahrradbrücke von Österreich in die Slowakei entscheiden sollte, war das Ergebnis eindeutig: Chuck-Norris-Brücke war ein Vorschlag, den die Bürger machten und mit großer Mehrheit favorisierten. Entgegen der vereinbarten Regeln wurde "Most Chucka Norrisa" dann von der Politik aber doch abgelehnt. Die Kölner sind da von vornherein vorsichtiger: Man darf einen Namen vorschlagen, entscheiden werden aber eine Kommission und die zuständigen politischen Gremien. Da die Vorschläge per E-Mail erfolgen, können nicht nur die aufgerufenen Kölner, sondern alle Erdenbürger mitmachen, und das bis 15.9.
http://www.lvr.de/de/nav_main/kultur/museen/archaeologische_zone_juedisches_museum/az_jm_aufruf/az_jm_aufruf_1.jsp

9.5.
"Spannend, aber anspruchsvoll": Zu Heinz Wanners Buch "Klima und Mensch. Eine 12'000-jährige Geschichte"
Prof. em. Heinz Wanner, weithin bekannter und renommierter Klimaforscher an der Universität Bern, legt ein "populärwissenschaftliches" Buch zum Klima und dessen Auswirkungen auf die menschliche Geschichte vor (vgl. DGUF-Newsletter vom 29.6.2016 Punkt 3.9.), wobei der Schwerpunkt des Buches eindeutig auf der Klimageschichte liegt. Lehrreich und spannend, aber anspruchsvoll! Hier werden Klima und Klimaforschung von einem Experten eingehend erklärt, und über weite Strecken fühlt sich das Buch an wie das Sitzen im Hörsaal: Man ist mucksmäuschenstill, hört gebannt zu, versteht dennoch nicht alles und muss das Kapitel nach der ersten Runde noch ein zweites Mal lesen. Die komplexen Sachverhalte sind gut erklärt, viele Schaubilder helfen dabei, doch der Text ist keinesfalls als schnelle Lektüre zum Blättern geeignet, einfach, weil die dargelegten Sachverhalte komplex sind. Aber: am Ende der Mühen hat man wirklich viel verstanden und sollte in der Lage sein, auch aktuelle Fachaufsätze in Grundzügen verstehen und vor allem einordnen zu können. Der abschließende Teil "Klima und Mensch" enthält sich erfreulicherweise der beliebten Kausalitätsketten und des leider weitverbreiteten Alarmismus ("Klimakatastrophe"), sondern besteht aus einigen ruhig beschreibenden Fallstudien. In Summe: eine hervorragende Einführung in ein ebenso kompliziertes wie wichtiges Thema.
Wanner, H. (2016). Klima und Mensch. Eine 12'000-jährige Geschichte. Bern: Haupt-Verlag.

9.6.
Soll man für die Forschung und für Schulen das strenge Urheberrecht aufweichen?
Ein Wissenschaftler will ein seltenes Buch via Fernleihe beziehen, was elektronisch weitaus billiger und schneller ginge denn per Papierkopie und Postversand; Lehrer wollen Arbeitsmaterial für ihre Schulklasse kopieren. Doch angesichts der Urheberrechts bewegt sich solches Tun in einer - je nach Lage - hell- bis dunkelgrauen Zone, und meist wissen die Betroffenen nicht hinreichend genau um die Rechtslage. Also fordern Wissenschaftsverbände oder z. B. die Grünen, klare Ausnahmeregelungen zu schaffen, die den üblichen Wissenschaftsbetrieb erleichtern. "Katastrophe" wettern die Verlage, die vom Verkaufen gedruckter Bücher leben und ihre Geschäftsgrundlage gefährdet sehen. Nein, keine ökonomische Katastrophe, belegt eine neu im Open Access erschienene Publikation mit zunächst kryptisch erscheinendem Titel: "Ökonomische Auswirkungen einer Bildungs- und Wissenschaftsschranke im Urheberrecht". Die Studie hat anhand einer systematischen Befragung in 416 Bibliotheken ermittelt, welche ökonomischen Auswirkungen die Einführung einer solchen begrenzten Aufweichung hätte. Nach Einschätzung der Bibliotheken, deren Ankaufsetats und -verhalten ja eine zentrale Grundlage des Geschäftsmodells der Wissenschaftsverlage bildet, ändert die angedachte Änderung für die Verlage wenig - böte aber für Bibliotheken und deren Nutzer einen hohen praktischen Gewinn. Wem das 139 Seiten starke Buch zu umfangreich ist, der findet in zwei aktuellen Blogbeiträgen gute Kurzfassungen seiner Kernaussagen. Versuchen wir ergänzend, den Buchtitel zu verstehen, denn entlang des Fachbegriffs "Bildungs- und Wissenschaftsschranke" bündelt sich tatsächlich die Debatte. Im Alltag ist eine Schranke etwas, was uns davon abhält, etwas zu betreten, wo man hinein möchte, z.B. mit dem Auto ins Parkhaus fahren. Im Zusammenhang mit dem deutschen Urheberrecht meint der Begriff Schranke jedoch das genaue Gegenteil, nämlich die Außerkraftsetzung von Hürden, die das Urheberrecht bildet. Eine "Bildungs- und Wissenschaftsschranke" begrenzt nicht den Nutzer, sondern das Urheberrecht und möchte es ermöglichen, dass im Kontext von Wissenschaft und Bildung (Schulen) und im Leihverkehr zwischen Bibliotheken und an Bibliotheksnutzer Zitate, Fotokopien und elektronische Kopien urheberrechtlich geschützter Werke weitgehender erlaubt sind als jenseits von Bildung und Wissenschaft. Im Feuilleton der FAZ wird die genannte Studie nun hart kritisiert. Der lesenswerte, polemische Artikel, der mehr die Interessen der Wissenschaftsverlage und des Buchhandels vertritt, macht deutlich, wie vertrackt die kommende Debatte um das Urheberrecht und die Wissenschaftsschranke werden wird. Aus Sicht der Newsletter-Redaktion würden jedoch ggf. daraus resultierende komplizierte Regeln der Praxis des Bildungs- und Wissenschaftsbetriebs nicht guttun.
"Grüne Fraktion fordert Bildungs- und Wissenschaftsschranke" (Initiative Urheberrrecht, 28.4.): http://www.urheber.info/aktuelles/2016-04-28_gruene-fraktion-fordert-bildungs-und-wissenschaftsschranke
Haucap, J., Loebert, I., Spindler, G. & Torwart, S. (2016). Ökonomische Auswirkungen einer Bildungs- und Wissenschaftsschranke im Urheberrecht (= Ordnungspolitische Perspektiven 86). Düsseldorf: Düsseldorf University Press. http://www.dice.hhu.de/fileadmin/redaktion/Fakultaeten/Wirtschaftswissenschaftliche_Fakultaet/DICE/Ordnungspolitische_Perspektiven/86_OP_Haucap_Loebert_Spindler_Thorwarth.pdf
"Bildung und Wissenschaft: Urheberrecht versus Bildung und Wissenschaft – Forscher weisen Wege aus dem Dilemma" (iRightsinfo, 5.8.): https://irights.info/artikel/urheberrecht-versus-bildung-und-wissenschaft-forscher-weisen-wege-aus-dem-dilemma/27755
"Ökonomische Auswirkungen einer Bildungs- und Wissenschaftsschranke im Urheberrecht" (VOB Blog, 6.8.): http://www.univie.ac.at/voeb/blog/?p=41025
"Urheberrechtsdebatte: Lehrbücher sind der Frau Ministerin unbekannt" (FAZ, 23.8.): http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/urheberrecht/urheberrechtsdebatte-ein-gutachten-aus-lobbyhand-14400858.html


9.7.
Gunter Dueck zur Unterscheidung von Wissen und Umsetzung, von Insellösungen zu neuen Strukturen
Es muss sich was ändern! Das finden wir doch alle, oder? Sei es hinsichtlich der Bezahlung von Grabungsmitarbeitern oder der gesetzlichen Grundlagen archäologischer Arbeit, sei es hinsichtlich der Positionierung der Disziplin in schulischen Lehrplänen. Doch weist man auf ein solches Desiderat hin, wird einem von Anderen gerne entgegnet: "Das ist nicht neu, das wissen wir doch alles schon. Kalter Kaffee! Sage ich ja schon lange, hat auch Kollege X schon publiziert." Man streitet also darüber, wer etwas zuerst gesagt hat, wer etwas besser weiß, wem ein Gedanke gehört – doch eine Umsetzung der gedachten Inhalte bleibt dabei auf der Strecke. Genau darüber hat jetzt der Mathematiker und Autor Gunter Dueck einen lesenswerten Beitrag in seinem Blog "Omnisophie" geschrieben. "Innovation ist die Adaption einer Invention durch viele", schreibt er. Nur im kleinen Kreis Richtiges zu denken, verändert in der Welt noch rein gar nichts. Wenn sich beispielsweise wenige Personen – die üblichen Verdächtigen eben – zu prekären Arbeitsbedingungen äußern, müssen erst viele Menschen diese Inhalte weitertragend wiederholen und entwickeln, bevor vorhandenes Wissen überhaupt die Chance hat, zu einer Umsetzung zu werden oder bevor eine Insellösung zu neuen Strukturen führen kann. Dueck: "Wenn also etwas Neues oder ein Umdenken propagiert wird, dann kommt es darauf an, eine größere Masse zu bilden, eine kritische Masse, die ein Umkippen zum Neuen möglich macht."
Gunter Dueck, "Über ‚Das ist doch nicht neu!‘/‘Du bist böse!‘ – Nervensägen" (Omnisophie, August): http://www.omnisophie.com/dd272-ueber-das-ist-doch-nicht-neudu-bist-boese-nervensaegen-august-2016/
Gunter Dueck, "Das Neue und seine Feinde: Wie Ideen verhindert werden und wie sie sich trotzdem durchsetzen". Campus-Verlag 2013

9.8.
Großbritannien: Positionen zur Situation der Archäologie nach einem Brexit
Führende archäologische Organisationen Großbritanniens setzen sich derzeit mit der Lage nach dem Volksentscheid für einen Austritt aus der Europäischen Union auseinander. Der Council for British Archaeology (CBA) mit seinen mehr als 6.000 Mitgliedern versucht in seinem Papier "Post-referendum archaeology", neutral Bedenken und mögliche Chancen gegeneinander abzuwägen. Die größte Gefahr sieht er für die akademischen Netzwerke und wissenschaftlichen Förderprogramme, wenn die Regierung nicht für deren Finanzierung einspringt. Auch die archäologische Begleitung großer Bauprojekte wie der Schnellbahntrasse zwischen London und Birmingham sei gefährdet, weil dazu u. a. Fachkräfte aus der EU gebraucht werden. Die Bauwirtschaft insgesamt könnte leiden und direkt und indirekt zu Jobverlusten in der Archäologie führen. Vorteilhaft hingegen könnte der Brexit nach Meinung des CBA hingegen in der Steuerpolitik sein: Derzeit gilt noch nach EU-Richtlinien ein Mehrwehrsteuersatz von 20 % auf Renovierungsmaßnahmen bei Altbauten, während Abbruch und Neubau steuerfrei sind. Das als Standesorganisation international orientierte Chartered Institute for Archaeologists (CIfA) setzt Zeichen, indem es seine Stellungnahme zum Brexit auch ins Deutsche übersetzt hat. Wie der CBA befürchtet auch CIfA, dass es zu Deregulierungen in der Bau- und Denkmalgesetzgebung kommen könnte, weil diese größtenteils auf EU-Richtlinien beruhen. Das CIfA geht besonders auf diejenigen seiner Mitglieder zu, die grenzüberschreitend arbeiten. Gelegenheit zur Diskussion wird es Anfang September in Vilnius beim Annual Meeting der European Association of Archaeologists (EAA) und vom 19.-21.4.2017 an der Universität Newcastle bei der Tagung "Archaeology: a global profession" geben.
"Post-referendum archaeology" (Council for British Archaeology, 1.8.): http://new.archaeologyuk.org/news/post-referendum-archaeology
"Beyond Brexit" (Chartered Institute for Archaeologists, 11.8.): http://www.archaeologists.net/news/cifa-announcement-beyond-brexit-archaeologists-re-state-status-global-profession-1470906229
"Beyond Brexit" ArchäologInnen, Großbritannien, Europa und die Welt"Beyond Brexit" (Chartered Institute for Archaeologists, 7.7.): http://www.archaeologists.net/sites/default/files/news/german_0.pdf
"Special Session on Brexit: Vilnius University, Room 211, 1.9.2016, 11:30-13:00 Uhr" (EAA Tagungsprogramm, S. 6-7): http://eaavilnius2016.lt/wp-content/uploads/2016/08/Programme_Layout_08-09.pdf

9.9.
Britischer Finanzminister garantiert Gelder für Horizon 2020
Die Verlautbarung des neuen britischen Finanzministers Philip Hammond vom 13.8. beendet eine längere Phase der Unsicherheit an britischen Institutionen in Bezug auf das EU-Förderprogramm. Diese ermutigen ihre Mitarbeiter nun ausdrücklich dazu, mit der Antragstellung fortzufahren und versichern ihren europäischen Partnern, dass sie weiterhin mit in Großbritannien angestellten Forschern zusammenarbeiten können. Wörtlich sprach Hammond davon, dass die Finanzierung von Projekten aus den Struktur- und Investmentfonds, die vor dem Autumn Statement unterzeichnet werden, und Horizon-Forschungsmittel, die vor dem Austritt aus der EU zugesprochen werden, vom Finanzministerium garantiert würden. Das Autumn Statement ist eine Regierungserklärung, die in der Regel im November oder Anfang Dezember abgegeben wird. Mit einer raschen Loslösung Großbritanniens von der EU ist nicht zu rechnen, nachdem Premierministerin Theresa May nach eigenen Angaben nicht vorhat, Artikel 50 – und damit den Beginn mindestens zwei Jahre dauernder Austrittsverhandlungen – noch in diesem Jahr zu veranlassen. Gerade haben ihr Rechtsberater bestätigt, dass sie dazu das Einverständnis des Parlaments, in dem die Austrittsgegner überwiegen, nicht braucht.
"Treasury to guarantee post-Brexit funding for EU-backed projects" (Guardian, 13.8.) http://www.theguardian.com/politics/2016/aug/13/philip-hammond-treasury-to-guarantee-post-brexit-funding-for-eu-backed-projects
"Theresa May will trigger Brexit negotiations without Commons vote" Telegraph, 27.8.)
http://www.telegraph.co.uk/news/2016/08/26/theresa-may-will-trigger-brexit-negotiations-without-commons-vot/

9.10.
ResearchGate & Academia.edu: Was ist erlaubt, was ist verboten?
Die Plattformen Academia.edu und ResearcheGate.net haben sich seit ihrer Gründung im Jahr 2008 mit inzwischen vielen Millionen Nutzern als wichtige Instrumente zum Austausch von Sonderdrucken etabliert: Wissenschaftler laden ihre Publikationen, meist Aufsätze, dort hoch, und Kollegen können die Beiträge online lesen und herunterladen. Über das Abonnieren von Themen und das namentliche Folgen von Kollegen kann der Nutzer sehen, "was läuft", und erfährt automatisch von Neuerscheinungen. Kurz: ein geradezu perfektes Instrument für Forschende. Diejenigen, die am Verkaufen gedruckter Werke oder von Online-Publikationen Geld verdienen (müssen), haben möglicherweise einen anderen Blick auf diese Plattformen. Während das Verschenken der ehedem üblichen papierenen Sonderdrucke an Kollegen rechtlich unproblematisch war, stellen sich bei der Online-Distribution über solche Plattformen komplexe rechtliche Fragen für die Autoren, wann was erlaubt und was verboten ist. Im Zweifel hilft ein Blick in den jeweiligen Autorenvertrag. Ein aktueller Blogbeitrag von Michaela Vogt legt die rechtlichen Grenzen nochmals dar und hat für die großen Wissenschaftsverlage zusammenfassend tabelliert, wo die Grenzen des Erlaubten liegen.
Michaela Vogt: Artikel bei ResearchGate und Co hochladen: Welcher Verlag erlaubt was? Und wie Open Access ist das eigentlich? (SLUBloq, 16.8.): http://blog.slub-dresden.de/beitrag/2016/08/16/artikel-bei-researchgate-und-co-hochladen-welcher-verlag-erlaubt-was-und-wie-open-access-ist-das-e/

9.11.
435.000 Euro für Forschungen rund um Kalkriese
War Kalkriese nun Ort der Varusschlacht oder nicht? Das Museum und Park Kalkriese erhält zusammen mit zahlreichen Kooperationspartnern von der VW-Stiftung 435.000 Euro. Damit soll die Einordnung des archäologischen Fundplatzes vorangebracht werden. Im auf drei Jahre angelegten Projekt "Kalkriese als Ort der Varusschlacht? – eine anhaltende Kontroverse" soll z. B. archäometallurgisch erforscht werden, woher die in Kalkriese untergegangenen römischen Legionen herkamen. Außerdem stehen Funde von Glasaugen im Fokus des Interesses sowie stark gefaltete Metallreste.
"3,9 Mio. Euro für Forschung an musealen Sammlungen" (Volkswagen-Stiftung, 1.8.): https://www.volkswagenstiftung.de/aktuelles/aktdetnewsl/news/detail/artikel/39-mio-euro-fuer-forschung-an-musealen-sammlungen/marginal/5100.html
"Kalkriese als Ort der Varusschlacht? VolkswagenStiftung bewilligt großes Forschungsprojekt in Kalkriese" (Pressemeldung Museum und Park Kalkriese, 1.8.): http://www.kalkriese-varusschlacht.de/fileadmin/varusschlacht/Pressetexte/2016-08_PI_Neues_Forschungsprojekt_Kalkriese.pdf
"Neue Funde in Kalkriese stützen Zweifel an der Varusschlacht-Theorie" (Westfälische Nachrichten, 12.8.): http://www.wn.de/Welt/Kultur/2490269-Germanenwall-oder-Roemerlager-Neue-Funde-in-Kalkriese-stuetzen-Zweifel-an-der-Varusschlacht-Theorie


10. Impressum und Redaktionshinweise
Sie erhalten diesen Newsletter, weil Sie auf der Verteilerliste der DGUF eingetragen sind. Wollen Sie den Newsletter nicht länger erhalten, klicken Sie zum Abmelden bitte auf den Link am Ende dieses Newsletters.

Der Newsletter wird herausgegeben von der Deutschen Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte (DGUF). Verantwortlich für den Inhalt des Newsletters: Diane Scherzler.

Wenn Ihnen der Newsletter gefällt und Sie ihn weiterempfehlen möchten: gerne! Auch wer nicht Mitglied der DGUF ist, kann den Newsletter beziehen. Dort geht es zur Anmeldung: http://www.dguf.de/index.php?id=49

Den Newsletter gibt es - üblicherweise mit einer Verzögerung von wenigen Stunden bis Tagen - auch formatiert als PDF-Version mit klickbaren Links in unserem Archiv. Dort finden Sie auch alle bisherigen Newsletter: http://www.dguf.de/index.php?id=249

Wir freuen uns über Ihre Hinweise auf Veranstaltungen, Tagungen etc. Bitte schicken Sie dazu eine E-Mail an die Redaktion: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!. Die DGUF nimmt eine Auswahl und ggf. eine redaktionelle Überarbeitung eingesandter Hinweise und Beiträge vor. Anhänge (z. B. PDFs mit weiterführenden Informationen) können im DGUF-Newsletter nicht aufgenommen werden. Es besteht kein Anspruch auf Veröffentlichung.
Keine Gewähr auf Angaben, die nicht aus der DGUF selbst kommen. Für den Inhalt von Websites, auf die in diesem Newsletter ein Link gesetzt ist, ist die DGUF nicht verantwortlich.