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DGUF-Tagung 2019: Die Selbstorganisation von Archäologie. Rollen und Bedürfnisse, Verantwortlichkeiten und Legitimierungen

Bonn, Donnerstag, 20., bis Sonntag, 23. Juni 2019. Forschungsmuseum Alexander Koenig
Call for Papers bis 15. April 2019

Die Tagung soll alle Bereiche, in denen Archäologie benötigt und betrieben wird, beleuchten und die bestehenden Rollen und Funktionen untersuchen. Passt die Selbstorganisation der Archäologie zu den laufenden und absehbaren gesellschaftlichen Entwicklungen? Darüber möchten wir gemeinsam reflektieren. Die Jahrestagung 2019 markiert das 50-jährige Bestehen der DGUF und findet in der Gründungs-Stadt Bonn statt.

Hoher Druck, veränderte Erwartungen und knappe Ressourcen
In vielen europäischen Ländern sieht sich die Archäologie mit politischen und ökonomischen Veränderungen konfrontiert, die andere Prioritäten setzen als allein für das kulturelle Erbe und dessen Erforschung Sorge zu tragen. Gesellschaftliche Erwartungen an die Archäologie, an die Denkmalpflege und die Museen verändern sich stark. Viele Archäologie-Institutionen und in der Archäologie Tätige haben jedoch jenseits des Tagesgeschäfts kaum mehr Ressourcen für eine effektive Lobbyarbeit und bessere Kommunikation mit Bürgern und Politikern. Beides wäre heute wichtiger und komplexer denn je – aber oft müssen Chancen ungenutzt bleiben, weil wir Archäologen beruflich anderweitig fest eingespannt sind. Dennoch leistet sich das Fach bzw. das Berufsfeld Archäologie mancherlei Doppelarbeit, weil Rollen und Aufgaben nicht abgestimmt sind. So verstreicht z. B. kostbare Zeit mit dem Abklären von Zuständigkeiten und Kompetenzen, oder man übergeht von einer Entscheidung Betroffene, weil man für diese Personengruppe keinen Ansprechpartner, z. B. in einer Vereinigung, weiß. Resultierende Fehlentscheidungen zu korrigieren, erweist sich später als sehr mühsam und zeitaufwändig. Auch Eigensüchteleien finden mehr Platz, als es angesichts der sehr knappen Ressourcen geboten wäre. Die junge Archäologen-Generation fordert klare Berufsperspektiven, transparente professionelle Standards und Regeln für gute Arbeitsbedingungen, und noch mehr ein allgemeines Einhalten solcher Regelwerke, damit sie ihr Berufsleben planen und würdig gestalten kann. Angesichts der vorherrschenden Umstände orientiert sich so manches große junge Talent jedoch beruflich anders und geht der Archäologie verloren.

Rollen, Bedürfnisse und Verantwortlichkeiten gemeinsam debattieren

Forschungsmuseum Alexander Koenig

Die DGUF-Tagung 2019 soll dazu dienen, uns gemeinsam alle zu hinterfragen und aus unterschiedlichsten Perspektiven die Rollen, Bedürfnisse und Verantwortlichkeiten in der deutschen Archäologie zu untersuchen und zu debattieren. Was sind die Rollen, Bedürfnisse und Verantwortlichkeiten von, beispielsweise, staatlicher Archäologie, von Verbänden, Fachgesellschaften, Firmen, NGOs oder einem Berufsverband? Wir wollen herausarbeiten, wo Aufgaben und Rollen von außen vorgegeben sind, wo sie fachintern bereits gut geklärt sind, sodass Synergieeffekte vor Kräfte bindendem Konkurrenzstreben stehen. Wir wollen gemeinsam identifizieren, was weniger rund läuft, wo Ergänzungs- und Verbesserungspotenziale schlummern. Wie viele unserer sehr begrenzten Ressourcen werden genutzt, um "eigenes Terrain" zu schützen, anstatt sich in einer gut geplanten und harmonisierten Weise mit dem externen Druck zu befassen? Wo gehen wichtige Bereiche und Bedürfnisse unter, weil es ihnen an einer wirksamen Stimme fehlt? Wie stark wirkt eine Silo-Mentalität, bei der eine hochspezialisierte Disziplin fragmentiert ist und nicht in der Lage (oder nicht willens), das Gesamtgefüge zu betrachten? Macht uns eine vielstimmige Archäologie stärker – oder eine, die z. B. in die Politik mit einer Stimme spricht? Passt die historisch gewachsene Selbstorganisation der Archäologie noch zu den laufenden und absehbaren gesamtgesellschaftlichen Herausforderungen? Gemeinsam wollen wir den Ist-Zustand beleuchten („Wer macht was?“) und ausloten, wo sich das Fach aus eigener Kraft noch besser aufstellen könnte.

Vorträge und partizipative Formate - Jeder kann zum Tagungsergebnis beitragen
Die Tagung wird bewährte Elemente bisheriger DGUF-Tagungen fortführen und neben Vorträgen (ca. 15 min) samt deren Debatte (ca. 10 min) auch stärker partizipative Formate umfassen ("Podium+"; World Café), um allen Tagungsteilnehmern eine aktive Mitwirkung an der Erarbeitung von Ergebnissen zu ermöglichen. Wir laden alle Interessierten herzlich ein, sich den Termin zu notieren und an der Tagung teilzunehmen. Noch mehr laden wir dazu ein, persönlich aktiv zum Programm beizutragen. Melden Sie einen Vortrag an, um Ihre persönliche oder institutionelle Sicht auf die Selbstorganisation der deutschen Archäologie zu entwickeln und in die fachöffentliche Debatte zu stellen. Ausdrücklich begrüßen wir die perspektivische Vielfalt hierbei, das heißt: von Studierenden, allen Arbeitnehmern und Freiberuflern, aus Landesarchäologien und Firmen, aus Universitäten und herzlich gerne auch mit dem Blick "von außen", z. B. aus einer Lokalpolitik heraus. Vortragsanmeldungen erbitten wir bis zum 15. April an vorstand[at]dguf.de

Die DGUF wird 50!
Die DGUF wurde am 25. Oktober 1969 in Bonn gegründet. Dies war ein entschlossener, politischer Schritt gegen Bestrebungen rechter Kreise, die alte Mannus-Gesellschaft resp. die damalige "Gesellschaft für Deutsche Vorgeschichte", die das Fach vor 1945 durch ihre politisch-ideologische Ausrichtung so sehr in Misskredit gebracht hatte, unter neuem Namen wieder zu beleben. Vor allem aber war es der Versuch, ein inhaltlich erstarrendes und stark autokratisch geführtes Fach in seinen Themenspektren zu erweitern, die Theorie und die Naturwissenschaften stärker zu berücksichtigen, den weiten nicht-akademischen Bereich der Archäologie (Museen, "Laien") mehr ins Blickfeld zu rücken und auf eine transparente Legitimierung der Strukturen hinzuführen. Ein Impuls, der neben der DGUF-Gründung selbst u. a. zum Entstehen des "Archäologischen Korrespondenzblattes" führte sowie zu den heute so vitalen AGs.

Die Jahrestagung 2019 zum 50-jährigen Bestehen der DGUF wird am ersten Tagungstag (20.6., Fronleichnam) einen Rückblick auf die Gründung und die Vereinsgeschichte werfen. Abends wollen wir möglichst viele Gründer und frühe Aktivisten zusammen mit den heutigen Mitgliedern und Freunden der DGUF zu einem Fest versammeln. Wir laden Sie ganz herzlich ein, mit uns zu feiern!

Urgeschichte, Vorgeschichte und andere Archäologien: Eine Begriffsklärung
Das Fach, um das es der DGUF geht, wird mit unterschiedlichen Begriffen bezeichnet.
Hinter dem bekannten, scheinbar einfachen Begriff "Archäologie" verbergen sich viele unterschiedliche Archäologien. mehr

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