StartseiteAktivitäten und ZieleBeruf ArchäologieDGUF und GesellschaftArchäologische InformationenArchäologische BerichteArchäologische QuellenTagungenArchäologiepreiseDer VereinArbeitskreiseMitgliedschaftServicePresseKontaktNewsletter

"Himmelsscheibe von Nebra ist 1.000 Jahre jünger als bisher angenommen"

Informationen und Pressematerial zum Fachartikel "Kritische Anmerkungen zum Fundkomplex der sog. Himmelsscheibe von Nebra" von Prof. Rupert Gebhard & Prof. Rüdiger Krause

Die Himmelsscheibe von Nebra stammt vermutlich nicht aus der frühen Bronzezeit (ca. 2200 – 1600 v. Chr.), sondern aus der Eisenzeit (ca. 800 – 50 v. Chr.). Sie ist damit nicht länger die älteste bekannte konkrete Himmelsdarstellung. Das sagen Prof. Dr. Rupert Gebhard und Prof. Dr. Rüdiger Krause. Sie haben die Dokumente zur Entdeckung der Himmelsscheibe durch zwei Raubgräber gründlich untersucht, die Aussagen aus den beiden Gerichtsverhandlungen gegen die Raubgräber hinzugezogen und alle bisher veröffentlichten Forschungsergebnisse wissenschaftlich geprüft. Sie legen drei gewichtige Argumentationsstränge vor, die nach ihrer Überzeugung stark gegen die bisherige Deutung der Himmelsscheibe sprechen.

Die Himmelsscheibe ca. im Januar 2002 vor den im Landesmuseum Halle durchgeführten Konservierungs-Arbeiten. Foto: H. Burri-Bayer

Rupert Gebhard, Direktor der Archäologischen Staatssammlung München und Professor für Vor- und Frühgeschichte an der Universität München, und Rüdiger Krause, Professor für Vor- und Frühgeschichte Europas an der Universität Frankfurt a. M., kommen in ihren Analysen zum Schluss, dass die Fundstelle und die Fundumstände der Himmelsscheibe, die 2002 in einer wissenschaftlichen Nachgrabung untersucht worden war, in der Fachliteratur nicht korrekt beschrieben und dargestellt worden sein können. Vor allem kann nach Überzeugung der beiden Archäologen die Himmelsscheibe nicht mit den anderen Funden zusammengehören, die überhaupt erst die Datierung des weltberühmten Objekts zu ermöglichen schienen. Aufgrund ihrer Bildmotive und der Art ihrer Darstellungen stammt die Himmelsscheibe vermutlich aus der Eisenzeit, die auf die Bronzezeit folgt, und ist 1.000 Jahre jünger als bisher gedacht. Gebhard und Krause stellen damit die Fundamente der bisherigen Deutung der Himmelsscheibe grundlegend in Frage. Ihre Untersuchungsergebnisse wurden jetzt in der Fachzeitschrift "Archäologische Informationen" veröffentlicht.

Der wissenschaftliche Aufsatz (frei zugänglich im Open Access):
Gebhard, R. & Krause, R. (2020). Kritische Anmerkungen zum Fundkomplex der sog. Himmelsscheibe von Nebra. Archäologische Informationen 43, Early View, online publiziert 3. Sept. 2020 [PDF]

resp. identisch als englische Fassung: Gebhard, R. & Krause, R. (2020). Critical comments on the find complex of the so-called Nebra Sky Disk. Archäologische Informationen 43, Early View, published online 3 Sept. 2020. [PDF]

Pressematerialien:

Die vollständige Pressemeldung der DGUF mit weiteren Informationen und Hintergründen, u.a. auch zu Raubgräberei und den ältesten konkreten Darstellungen des Nachthimmels [PDF]

Fotos (Verwendung nur für Pressezwecke und bei Nennung der Quelle)
0. Porträtfotos der Autoren:
Rupert Gebhard. Foto: privat [TIF]
Rupert Gebhard (das Foto in Schwarz-Weiß). Foto: privat [TIF]
Rüdiger Krause. Foto Barbara Voss [JPG]
Rüdiger Krause. Foto: Foto: Uwe Detmar [JPG]

1. Umzeichnung der Himmelsscheibe mit Beschädigungen und Schmutzanhaftung bei der Einlieferung ins Museum. Links: bisherige Interpretation, bei der die große Beschädigung den Findern zugewiesen wurde. Der rote Pfeil bezeichnet die Schlagrichtung der frischen Beschädigungen, bei denen sich der Stiel der Grabungshacke unter der Erdoberfläche befunden hätte. Rechts: Lage der Scheibe nach Beschreibung der Finder. Die Schlagrichtung stimmt mit den Beschädigungen überein. Die seitliche, nach der Auffindung noch mit Sediment bedeckte Beschädigung muss vor der Ausgrabung entstanden sein. Bild: R. Gebhard. [JPG]

2. Neue Rekonstruktion der Auffindung der Scheibe nach Beschreibung der Finder. Die Schlagrichtung stimmt mit den frischen Beschädigungen überein. Die seitliche, nach der Auffindung noch mit Sediment bedeckte Beschädigung (nun rechts oben) stammt nicht von den Findern und muss älter sein. Bild: R. Gebhard. [JPG]

3. Frühkeltisches Eisenschwert aus dem 5. Jahrhundert v. Chr. von München-Allach mit aus Goldblech eingelegter Darstellung von Mondsichel, Vollmond und fünf Sternen. Foto: Archäologische Staatssammlung, Manfred Eberlein. [JPG]

4. Umzeichnung von (3): Schwert von München-Allach. Bild: R. Gebhard. [JPG]

5. Zusammenstellung von latènezeitlichen (keltischen) Schwertern ähnlich zu dem Schwert von Allach b. München. Darunter die Himmelsscheibe so ausgerichtet, dass sie dem Bildmotiv der Schwerter entspricht. Dabei erweist sich die von H. Meller als "Schiff" gedeutete Goldeinlage als Regenbogen. [JPG]

6. Die Himmelsscheibe von Nebra. Es handelt sich um eine der wenigen Aufnahmen, die den Zustand der Himmelsscheibe (ca. Januar 2002) vor der Übernahme durch das Landesmuseum Halle und den dort durchgeführten Konservierungsarbeiten zeigen. Wichtig sind die hier noch gut erkennbaren Erd-Anhaftungen und die Korrosionsspuren. Ein Teil der angeblich frischen, erst bei der Bergung 1999 entstandenen Beschädigungen (oben; vgl. Bild 1) weist erkennbar alte Korrosionsspuren auf, die wohl kaum im Zeitraum 1999-2002 entstanden sein können. Foto: Hildegard Burri-Bayer. [JPG]

7. Oben: Die Himmelsscheibe von Nebra. Unten: Bronzezeitliche Schwerter, Beile und Armschmuck, angeblich zusammen mit der Himmelsscheibe von Nebra gefunden. Zustand (wie Bild 6) vor der Übernahme durch das Landesmuseum Halle, ca. Jan. 2002. Foto: Hildegard Burri-Bayer. [JPG]

Medienspiegel und Programmhinweise

Stand: 29. September 2020

Urgeschichte, Vorgeschichte und andere Archäologien: Eine Begriffsklärung
Das Fach, um das es der DGUF geht, wird mit unterschiedlichen Begriffen bezeichnet.
Hinter dem bekannten, scheinbar einfachen Begriff "Archäologie" verbergen sich viele unterschiedliche Archäologien. mehr

"Nebra Sky Disk is 1,000 years younger than previously assumed"

English version of this page more

Mehr auf DGUF.de

Gebhard, R. & Krause, R. (2020). Kritische Anmerkungen zum Fundkomplex der sog. Himmelsscheibe von Nebra. Arch. Inf. 43, Early View, online publiziert 3. Sept. 2020. PDF

Gebhard, R. & Krause, R. (2020). Critical comments on the find complex of the so-called Nebra Sky Disk. Arch. Inf. 43, Early View, published online 3 Sept. 2020. PDF

KontaktImpressum / DatenschutzSeite druckenSeite empfehlen