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Angela Simons (Hrsg.): Hirten im Himalaya – Prähistorische Mumien im Höhlengrab Mebrak 63 (Mustang/Nepal)

Mit Beiträgen von Kurt W. Alt, Angela von den Driesch (†), Christian-Herbert Fischer, Birgit Großkopf, Wolfgang Gruhle (†), Gisela Grupe, Arie J. Kalis, Karl-Heinz Knörzer (†), Jutta Meurers-Balke, Susan Möller-Wiering, Nicole Nicklisch, Burghart Schmidt, Angela Simons, Werner Vach & Tanja Zerl.

Archäologische Berichte 31

Die prähistorische Mumien-Grabhöhle Mebrak 63 liegt in einem Hochgebirgstal des Himalaya im Norden Nepals. Die Untersuchung dieses – durch seine exzellente Erhaltung bislang einmaligen – Befundes vermittelt einen Einblick in das tägliche Leben sowie in das weitverzweigte Tausch- und Handelsnetz der prähistorischen Menschen in einem Tal des hohen Himalaya.

Im Dzong-Tal

Nach mehreren Vorberichten liegt mit diesem Band eine vollständige Publikation zu den Ergebnissen der komplexen Untersuchung vor, die mit der archäologischen Ausgrabung 1995 begonnen hat. In der Zusammenarbeit von Archäologie, Anthropologie, Textilarchäologie, Archäobotanik, Archäozoologie und Dendroarchäologie wurde es möglich, den Menschen, die im letzten vorchristlichen Jahrtausend in der Kollektiv-Grabhöhle bestattet wurden, nahe zu kommen.

Kletterweg zum Höhlengrab im Dzong-Tal

Das Höhlengrab Mebrak 63 befindet sich im siebenten Stockwerk eines Höhlensystems im Dzong-Tal. Der aus dem Felsen gemeißelte Höhlenraum befindet sich etwa 30 Meter über dem Fuß der Felswand und kann heute nur mit Kletterseilen bergsteigerisch erreicht werden. In der Grabhöhle wurden etwa fünf Jahrhunderte lang – von ca. 500 v. Chr. bis zur Zeitenwende – immer wieder Tote in hölzernen, mit Schnitzornamenten und Malerei verzierten Totenbetten auf farbig gemusterten Bambusmatten beigesetzt. Aufgrund des ariden Klimas im Regenschatten der Himalaya-Hauptkette waren die bestatteten Menschen mumifiziert und war organisches Material gut erhalten. Die Toten waren in Hockerstellung niedergelegt, Hände und Füße mit Bambus- oder Textilstreifen fixiert. Als Beigaben wurden ihnen Kleidung aus Baumwolle, Wolle und Pelz sowie Schmuck, Gerätschaften und Nahrungsmittel für das Leben nach dem Tod mitgegeben.

Bestattungen im und unter dem östlichen Bettsarg

Während der etwa 500-jährigen Belegungszeit wurden in der Grabhöhle etwa 30 Individuen niedergelegt – Männer, Frauen und Kinder; ungefähr alle 15 bis 20 Jahre wurden Tote im Höhlenraum bestattet. Diese Frequenz wird auch durch die dendrochronologisch ermittelten Fälldaten der Bäume bekräftigt, aus denen die Sargelemente gefertigt worden waren. Mit Hilfe von 14C- und Dendro-Daten sowie stratigrafischer Merkmale ließ sich eine Bestattungsabfolge ermitteln.

Bambusfässchen für Hirsebier

In der Gemeinschaft spielte die Viehhaltung zweifellos eine zentrale Rolle; die Hirten wurden von ihren Herdentieren, vor allem Ziegen, und auch von Pferden ins Jenseits begleitet. Die archäobotanische Analyse ergab, dass ihnen als Nahrung neben Fleischbeigaben fast ausschließlich gesammelte Wildpflanzen mitgegeben wurden; in einigen Bambusgefäßen fanden sich die Zutaten zur Zubereitung von Hirsebier. Die außerdem ins Grab gelegten "Importpflanzen" Reis und Erbse belegen, dass die Hirten im Dzong-Tal in Kontakt mit Bevölkerungsgruppen standen, die Feldbau betrieben.

Dem Leben als Hirten angepasst ist die Kleidung, die den Verstorbenen mitgegeben wurde. Insbesondere die Fellkleidung mit Kaftan, Hose und Stiefeln fügt sich in das reiternomadische Schema der zentralasiatischen Steppen ein.

Halskette aus Glas- und Muschelperlen und einer Karneolperle

Auch für die Holzgefäße finden sich Parallelen in Zentralasien. Rohstoffe wie Bambus für die Matten und Körbe, Baumwolle für die Textilien sowie die Glas-, Karneol- und Muschelperlen kommen zum Teil aus dem indischen Tiefland und sogar aus weit entfernten  Gebieten.

Durch Untersuchungen an den Mumien und Beigaben im Höhlengrab Mebrak 63 wird es so möglich, den prähistorischen Hirten im Himalaya hautnah zu begegnen und ihre Lebensweise sowie ihre Tausch- und Handelsverbindungen zu rekonstruieren.

Die Herausgeberin
Dr. Angela Simons – Studium der Ur- und Frühgeschichte und Ethnologie an der Universität zu Köln, davor Studium der Chemie an der Technischen Hochschule Aachen. Von 1990 bis 1996 Leiterin des Nepal-Projekts des Instituts für Ur- und Frühgeschichte der Universität zu Köln im Rahmen des Nepal-German Project on High Mountain Archaeology: Untersuchungen in Höhlensystemen im Himalaya, 1995 Ausgrabung der prähistorischen Mumien-Grabhöhle Mebrak 63. Danach bis 2018 Projektmanagement in der Archäologischen Denkmalpflege in den Niederlanden.

Der Band
Kerpen-Loogh 2019. 481 Seiten (inkl. 213 meist farb. Abb. u. 45 Tafeln). Verlag Deutsche Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte (DGUF). E-Book im kostenlosen Open Access: ISBN 978-3-948465-12-4. DOI: https://doi.org/10.11588/propylaeum.596, urn:nbn:de:bsz:16-propylaeum-ebook-596-1

Gedruckte Ausgabe: ISBN 978-3-945663-18-9. Softcover. 89,00 Euro, für DGUF-Mitglieder 49,00 Euro. Preise zzgl. Porto und Verpackung.

CC BY 4.0

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