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Clemens Schmid M. A.

Deutscher Studienpreis für Archäologie 2019

Der Deutsche Studienpreis für Archäologie geht 2019 an Clemens Schmid M.A. (Universität Kiel) für seine Masterarbeit "Ein computerbasiertes Cultural Evolution Modell zur Ausbreitungsdynamik europäisch-bronzezeitlicher Bestattungssitten". Herausragend fand die Jury die Umsetzung statistischer Analysen mit der Entwicklung eines dynamischen Modells und die konsequente Verwendung neuer Medien mit vollständig und transparent dokumentiertem Code, freien Anwendungen und offenen Daten. Die Preisverleihung findet am 21. Juni im Rahmen der DGUF-Jahrestagung in Bonn statt, die Laudatio wird Dr. Georg Roth (Freie Universität Berlin) halten.

Clemens Schmid

Ideen-Transfer und kulturelle Evolution
Die Arbeit greift das vielfach diskutierte Problem kultureller Diffusion, die Ausbreitung von Ideen und Konzepten als Grundlage menschlichen Handelns, auf. Die zugrunde liegenden Mechanismen werden oft mit Mobilität, Kommunikation oder Warenaustausch verbunden.

Im einleitenden Abschnitt seiner Arbeit komprimiert Clemens Schmid ältere wie neuere Diskurse zu genetischer Disposition, kulturellem Lernen oder auch Mensch-Umwelt-Beziehungen und stellt sie in ihrem Bezug zur Parametrisierung der späteren Modellierung von Wissensvermittlung und sozialem Lernen dar. Das gewählte Fallbeispiel - die Veränderungen im Bestattungsritus der europäischen Bronzezeit - werden nachfolgend knapp dargestellt. Wesentliche Aspekte hierbei sind die kulturelle Wahrnehmung des Sterbens und die mit den Bestattungsriten verbundenen Projektionen und Handlungen, die anhand bekannter Modelle wie Rituale und "Cultural Complexity" oder den Aspekten Kostenaufwendung und Trauer behandelt werden. In diesem Abschnitt handelt Schmid auch die später verwendeten Großräume in ihren spezifischen Charakteristika einzeln ab. An dieses Kapitel schließt sich der für eine Masterarbeit wirklich beeindruckende Abschnitt zur Datenauswertung an, in dem die Modellbildung entwickelt und die resultierenden Ergebnisse kritisch mit Blick auf bekannte Analysen etwa zu Kulturellen Distanzen diskutiert werden.

Innovative Methode und Technik
Mit der vorliegenden Abschlussarbeit würdigt die DGUF zum dritten Mal in Folge die Bearbeitung eines bronzezeitlichen Themas. Die prämierten Arbeiten unterscheiden sich inhaltlich wie methodisch deutlich, sie verweisen aber gemeinsam auf einen wissenschaftlich äußerst attraktiven Zeitabschnitt.

Wie in Einzelfällen bereits auch in den Jahren zuvor wurden 2019 für alle Einreichungen ergänzende externe Begutachtungen erbeten. Das Gutachten für die jetzt ausgezeichnete Masterarbeit von Clemens Schmid verfasste Georg Roth (FU Berlin). Er bezeichnet den methodisch innovativen letzten Abschnitt der Arbeit von Schmid als "Pionierleistung im deutschen Sprachraum", es handle sich um die erste "Programmierung eines dynamischen Raum-Zeit-Modells bronzezeitlichen Ideen-Transfers". Die vorliegende Arbeit integriere nicht nur frei verfügbare Daten diverser Repositorien wie beispielsweise Radon-B und nutze beeindruckend virtuos die freie Programmiersprache R, sondern es würden die verwendeten und speziell selbst entwickelten Softwarepakte auch auf der Entwicklerplattform GitHub frei verfügbar bereitgestellt. Damit sei die Nachvollziehbarkeit aller Modellierungen auf höchstem Niveau technisch und wissenschaftlich absolut transparent gewährleistet.

Zum Preisträger
Clemens Schmid begann sein Studium in Tübingen, wo er in mehreren Grabungs- und Forschungsprojekten mitarbeitete. Nach seinem Bachelorabschluss erfolgte der Wechsel nach Kiel für das jetzt dort abgeschlossene Masterstudium. Bereits aus seiner Tätigkeit in Tübingen erwuchs die Teilnahme an zahlreichen wissenschaftlichen Publikationen. Hinzu treten die Veröffentlichungen zu Softwareanwendungen (Pakete) zu archäologischen Problemen für die Statistiksoftware R, die u. a. auf der Plattform der archäoinformatischen Arbeitsgemeinschaft ISAAK zu finden sind. Jüngstes Produkt von Clemens Schmid ist die dynamische Analyse und Darstellung von ausgewählten Datenbeständen der Graduiertenschule "Human Development in Landscapes". Schmid arbeitet dort am "sdsbrowser", einer Web-App, die aufgenommene Steinartefakt-Daten erschließt.

 

Stand: Mai 2019

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